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Erinnerung an einen Aufklärer: Max Hodann

In den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts waren in Deutschland Wissenschaft und Lehre ihrer Zeit weit voraus. Nicht nur die große Anzahl an Nobelpreisen, die Deutschland zugesprochen wurden, auch die Experimentierfreude und Tabulosigkeit seiner Avangarde machte das Land, trotz aller Schwierigkeiten, zur anerkannten, wenn nicht führenden Kulturnation. Diese beispiellos kreative Epoche der Forschung und Aufklärung in Deutschland nahm jedoch im Jahr 1933 ein jähes Ende…

David Gall

Erst heute beginnen sich zahlreiche Wissenschaftler an dieses ungenannte und entsprechend ungenutzte Erbe zu erinnern. Oft ergeben sich Anknüpfungspunkte und überraschende Antworten auf heute noch drängende Fragen. Viele der jüdischen Wissenschaftler wurden nach dem Ende des NS-Regimes von ihren Kollegen nie mehr erwähnt. Ihre Arbeit wurde entweder stillschweigend vereinnahmt oder gänzlich tot geschwiegen, ob aus Scham oder aus Berechnung, ob aus ideologischen oder aus opportunistischen Gründen, sei dahingestellt.

Erfreulich, dass sich in letzter Zeit die Erwähnungen häufen, auch weil sich erst mit dem wachsenden Bewusstsein für dieses „Erbe“ auch die Verfügbarkeit und Nützlichkeit vieler – auch im Exil und danach, v.a. in den USA und in Israel – gemachter Erkenntnisse und Methoden einstellen kann.

Dieses Wissen möchten auch wir unterstützen, wie im vorliegenden Fall, wo es um einen Pionier der Aufklärung im wahrsten Sinn des Wortes geht. Den ersten Teil des Beitrags aus dem Buch „Sozialhygiene als Gesundheitswissenschaft: Die deutsch/deutsch-jüdische Avantgarde 1897-1933„, finden Sie hier…

  • Max Hodann: Sexualwissenschaft und Sozialhygiene
    Max Hodann war ein seiner Zeit vorauseilender Sexualpädagoge, hervorragender Publizist, Volksaufklärer im sexologischen und gesellschaftlich-weltanschaulischen Sinn. Er war der Visionär eines Gesellschaftswandels durch Lösung der »sexuellen Frage«…
  • Exil 1933-1946: Rastlose Irrfahrt eines Asthmakranken  durch Europa
    Nach den formalen Kriterien der neueren Emigrantenliteratur erfüllte Hodann alle Voraussetzungen für eine erfolgreiche Emigrantenexistenz, die erheblichen Gewinn für ihn selbst und vor allem für den gesellschaftlichen Ordnungsbestand, zumindest die Sexualpädagogik im Gastland hätte mit einschließen können…
  • Max Hodann: Die unterbrochene sexuelle Revolution
    Namentlich aus der Perspektive der »sexuellen Revolution« der 6oer Jahre des vorigen Jahrhunderts kann das Werk Hodanns, seine Publizistik, pädagogische Technik, Einfühlsamkeit in die gesellschaftliche Relevanz der Sexualproblematik, reformerische Dynamik und schließlich die alles überhöhende Einbindung der Sexualpädagogik in die Sozialhygiene nicht hoch genug eingeschätzt werden…

Aus dem 17. Kap. des Buches „Sozialhygiene als Gesundheitswissenschaft: Die deutsch/deutsch-jüdische Avantgarde 1897-1933„, eine Geschichte in sieben Profilen, von Wilfried Heinzelmann, das wir ihnen zur weiteren Lektüre empfehlen.

In diesem Sinne möchte ich auch auf unser gemeinsames Projekt mit dem „Nürnberger Institut für NS-Forschung und jüdische Geschichte des 20. Jahrhunderts e.V.“ hinweisen: aerzte.erez-israel.de – Jüdische Ärzte aus Deutschland und ihr Anteil am Aufbau des israelischen Gesundheitswesens

Bis zum 30. Januar 1933: Ganz normale Deutsche

1 comment to Erinnerung an einen Aufklärer: Max Hodann

  • mfb

    Geschichte lässt sich nicht zurück drehen .. leider ..
    .. wenn ich es könnte – und mir dann die „Gegenwart“ wünschen dürfte – , müssten alle Nazis vor und nach 45 Deutschland verlassen und Deutschen jüdischen Glaubens hätten in Deutschland überlebt.
    Der intellektuelle Impuls hieraus – also minus den intellektuellen Amöbenvirus Nazionaldeutschland plus den intellektuellen Schub Deutscher jüdischen Glauben, die dann weder emigrierten noch ermordet worden wären – hätte Deutschland noch weiter nach vorne gebracht.

    Ein Max Hodann, stellvertretend für alle anderen aus Deutschland vertriebenen jüdischen Spitzenwissenschaftlern, wäre eine Zierde für jedes Land gewesen. Und Nazideutschland war so blöde, sich da zu amputieren.

    Scheiße!!!

    Tschuldigung :-S