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Die Wahrheit über Heroin (1): Die Bekämpfung ist gefährlicher, als die Legalisierung

Bei Recherchen über die Gegend um die Central-Busstation in Tel Aviv, stieß ich auf sehr interessante Berichte über Heroin und Abhängigkeit. Insbesondere eine Dokumentation des renommierten BBC-Reporters Nick Davies weist auf die „destruktivste und mörderischste Lüge unserer Zeit hin“: Die Begründungen für den „Krieg gegen die Drogen“…

Deshalb die sinngemäße Übersetzung. Zum Vergleich liegt noch der Film vor, inkl. deutscher Untertitel.
BBC-Dokumentation, Ch.4, Report: Nick Davies

Jeder Krieg fordert seine Opfer. Die Vorurteile gegen jene, die unter den Folgen des „Kriegs gegen die Drogen am meisten leiden, die Opiat-abhängigen, Narkomane, bzw. abfälliger „Junkies“, stecken schon so tief in uns, dass sie uns selbstverständlich sind, wie die Gräuelpropaganda zu den Zeiten des 1. Weltkriegs.

Zurecht besagt ein altes Sprichwort, dass das erste Opfer eines Krieges, immer die Wahrheit ist. Und in der Tat, was den globalen „Krieg gegen die Drogen“ betrifft, so haben wir schon vor sehr langer Zeit jeden Bezug zur Wahrheit verloren.

Im Jahr 2000 verschlang die Finanzierung dieses Krieges über 2 Milliarden Euro, alleine in Großbritannien, die Tendenz ist steigend*. Es ist ein Weltkrieg in den jedes entwickelte Land der Erde hineingezogen und verwickelt wurde. Keines dieser Länder kann irgendein Anzeichen eines Sieges vermelden**. Geändert hat sich wenig, auch nicht, nachdem im Juli 2005 ein offizieller britischer Untersuchungsbericht zum Ergebnis kam, dass der „Krieg gegen Drogen“ gescheitert ist.

Doch die unterdrückte Wahrheit ist noch viel schrecklicher:
Politiker, die diesen Krieg erklärt oder seine Fortsetzung unterstützt haben, haben die Probleme, die sie zu lösen meinen, überhaupt erst verursacht!

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Auch ein Schweigen zu diesen offenkundigen Tatsachen ist Beihilfe oder unterlassene Hilfeleistung. So hat sich Nick Davies in den letzten 20 Jahren unzählige Male mit Verbrechen, Drogen, Armut und Elend beschäftigt und darüber berichtet: „Ich habe keinen Zweifel daran, dass diese globale Kampagne zur Prohibition das unanständigste und destruktivste gesellschaftspolitische Geschehen unserer Zeit darstellt“.

Das erste, was man über den „Krieg gegen die Drogen“ wissen muss, ist dass sich hinter den Riesensummen, die für Propaganda, Verfolgung und Bestrafung ausgegeben werden, eine riesige Lüge verbirgt. Vielleicht begreifen inzwischen einige der Verantwortlichen, dass die militärische Rhetorik, nicht mehr über die Verzweiflung, das Elend und die ungezählten Toten hinwegtäuschen kann. Also leugnen sie weiter die Wahrheit und benutzen das Elend sogar als Begründung für die Fortsetzung des Krieges.

„Wir können nur kapitulieren
oder die Kriegsführung ausweiten und verstärken“.

Reden sie heute mit irgendjemanden, sei es ein Politiker oder ein einfacher Mann von der Straße. Sie werden hören, dass wir die Drogen irgendwie aus unserem Leben verbannen müssen, ganz einfach, weil sie Gift sind. Weil sie die Körper und den Geist ihrer Opfer zerstören und viele Menschen die diese Drogen nehmen, sterben angeblich daran.

„To our surprise we have not been able to locate even one scientific study, on the proven harmful effects of (heroin) addiction.“
– Dr. George Stevenson and a group of British Columbia researchers after exhaustively reviewing the medical literature on heroin addiction.

Nach diesem Vorurteil müsste der 71-jährige Bernard Varley ein heruntergekommes, würdelos entmenschlichtes Wrack sein. Er nimmt seit über 5 Jahren täglich mehrmals Morphin, zur Zeit sind es 400 mg / tgl., eine ziemlich beachtliche Menge. Ein Drogenuser auf der Strasse müsste sich 3 bis 4 Gramm illegalen Straßenstoffs, mit einer Reinheit zwischen 10 und 25%, beschaffen. Der Tagesbedarf läge bei ca. 600Euro.
Bernard unterdessen berichtet von seiner hohen Lebensqualität, von guter Gesundheit, guter Laune und vielfältigen Freizeitaktivitäten: „Ich denke nicht, dass es irgendwelche schädlichen Nebenwirkungen hat“.

„The available evidence indicates that heroin is a relatively safe drug when provided in pure form. Hence it is the illegal form of the drug (impure street Heroin), not Diamorphine itself, which leads to health and social problems associated with its use.“ 
– Ostini, Bammer Dance & Goodwin, 1993, ‚Journal of Medical Ethics‘

Diacetylmorphin (Heroin) und Morphin, zudem es im Körper sofort verstoffwechselt wird, sind Opiate.  Von der chemischen Struktur sind sie fast identisch, erklärt Dr. Theresa Tate, Medical Advisor am Marie Curie Center und seit 25 Jahren als Onkologin tätig. Befragt nach der Gefährlichkeit und Toxizität von Morphin vergleicht sie Heroin mit Paracetamol, wobei Paracetamol wesentlich gefährlicher bewertet wird, als das Opiat.

Heroin und Morphium sind sehr sichere Medikamente, jedenfalls sind sie nicht ungewöhnlich gefährlich, betont sie und berichtet von jahrzehntelanger Erfahrung mit Hunderten ihrer Patienten, denen sie Heroin verschrieben habe. Als häufigste Nebenwirkung kann Verstopfung vorkommen, manchmal auch ein wenig Schwindel oder Müdigkeit…

„Damit kann man gut umgehen, die freiverkäufliche Substanz Paracetamol ist daneben das gefährlichere Medikament, da es ihren Körper schädigen und sie töten kann“. Nehme man aus Versehen oder mit Absicht die doppelte Tagesdosis, müsse man mit einem irreversiblen Untergang der Leberzellen rechnen, der schließlich zum Leberversagen, zu Koma und Tod führe. „Sollten Sie aus Versehen doppelt so viel Heroin nehmen, wie gewöhnlich, dürften Sie etwas schläfrig werden“, vielleicht bekommen Sie auch einen trockenen Mund, nichts, was nicht mit einem Glas Aprikosensaft ausgeglichen werden könnte.

„Diamorphine (Heroin) is a very safe medicine to use, it is not unusually dangerous, I have prescribed it to hundreds of patients and the most common side effect is constipation which can be easily managed. In fact, Paracetemol is a more dangerous drug and is more likely to damage your body and kill you. The consequence of doubling a dose of Paracetemol could mean death whereas the consequence of doubling your dose of Diamporphine is that it may make you sleepy for a while, with no permanent damage as a result.“
 Dr. Theresa Tate, Medical Advisor to Marie Curie Cancer Care

Im Gegensatz zu Paracetamol oder auch Alkohol, wie auch andere organische Lösungsmittel (Benzin, Chloroform u.a.), die hepatotoxisch, also leberschädigend sind, schädigen die Opiate (Heroin, Morphin, Methadon) weder Organe noch andere Körperstrukturen. Als den körpereigenen Enkephalinen verwandte Stoffe pflanzlichen Ursprungs, sind sie für den gesamten Körper von Natur aus gut verträglich.

Selbst im etwas bizzaren Vergleich von Heroin mit gewöhnlichem Haushaltszucker, schneidet das Opiat erstaunlich gut ab.

Unsere Politiker müssen da einiges sehr falsch verstanden haben.

Solange Heroinabhängige über ausreichende und sicher verfügbare Mengen von pharmazeutisch einwandfreien Opioiden verfügen, sind medizinisch weder physiologische noch psychologische Probleme bekannt.
„When Heroin-dependent persons have been provided with daily maintenance doses under medical supervision marked physiological deterioration or psychological impairment has not been observed.“
-Toronto Addiction Research Foundation

The actual title is „Drug Laws Don’t Work: The Phoney War“…
The Truth About Heroin – UK documentary (BBC) by Nick Davies 2001

Israelischer Kurzfilm:
ሄሮይን – Ηρωίνη – هيروين – Heroin – הרואין
Yevgeni and Benny two new immigrants the first from Russia the second from Ethiopia live as homeless near the old bus station in Tel Aviv. In their mid twenties they share a similar destiny the two are escaping from society infavour to life as heroine junkies…

Zehntausende Asylanten:
Alle in zwei, drei Vierteln im Süden von Tel Aviv
We look at the recent attacks on African migrants in Tel Aviv and explore the rising tensions between residents and African asylum seekers in Israel, says Sue Turton, reporting for the arabic newsagency Al Jazeera…

Nur um die Ecke:
Levinsky Park
Griechische Feinkostläden, türkische Cafés, iranische Kioske: Die Lewinsky-Straße in Tel Aviv ist ein Sinnbild für die Vielfalt der israelischen Gesellschaft. Vor 80 Jahren eröffneten Juden aus Griechenland die ersten Geschäfte. Längst ist die Straße ein Treffpunkt der Kulturen…

Tief in Tel Aviv:
Levinsky-Boulevard
Im Hintergrund die Wolkenkratzer, eingerahmt von der Straße und der Zubringerbrücke zum neuen Busterminal. Ampeln, Leuchten, Leute. Last Exit, Adolan…

Übersetzungen im Vergleich:
„Das Haus der Puppen“
Yehiel De-Nur gehört zu den Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz und er ist einer der ersten, der seine Erinnerungen aus dieser grausamen Zeit niederschrieb. Nach seiner Flucht, seiner Wiedergeburt, nannte er sich fortan Ka-Tzetnik 135633 und vereint damit das Schicksal seiner Mitlagerinsassen mit seinem eigenen und bringt es für die Nachkommenschaft auf Papier…

*) Nach Studien u.a. der EMCDDA über „public expenditure in the field of drugs“ gibt Deutschland zwischen 4 und 3 Mrd. Euro für die Prohibition aus. Deutschland ist eines der entschiedensten Staaten im Kamp gegen die Nutzung von Mohn, Hanf oder Coca-Produkten. Deutschland stellt fast die Hälfte der gesamteuropäischen Ausgaben für die Verfolgung Süchtiger und ihrer Lieferanten. Deutschland übt sogar regelmäßig Druck auf benachbarte EU-Staaten aus, die alle eine wesentlich akzeptierendere Drogenpolitik betreiben. In Deutschland ist der Anteil der Ausgaben für die Repressalien mit 85% besonders hoch und gilt ebenfalls als Speerspitze in Europa. Allerdings kann dies alles nur spekulativ sein, da immer wieder darauf hingewiesen wird, dass regierungsamtlich keinerlei Angaben zu den deutschen Ausgaben im Drogenbereich existieren. Man kann und will daher keine Zahlen nennen.

Andere Studien kommen daher zu sehr abweichenden Ergebnissen. Das Cato Institute hat eine Studie von Jeffrey A. Miron und Katherine Waldock veröffentlicht aus der sich 20 Mrd. Euro pro Jahr durch die Drogenverbotspolitik in Deutschland ergeben. Andere beziehen die Opfer dreckiger Spritzen, HIV, HCV mit ein und kommen eher auf 35 Milliarden Euro jährlich, inkl. Steuerausfälle etc.

**) Manche fordern inzwischen, angesichts Hunderttausender Todesopfer jährlich, ein dringendes Ende dieses Krieges, so die Organisation Amerikanischer Staaten.

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