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WHO-Studie: Israelis mögen Marihuana

In Israel ist der Antidepressiva- und Tranquillizerkonsum höher als irgendwo sonst in der Welt. Auch Marijuana und Haschisch werden gerne zur Entspannung konsumiert, nervenaufputschende Stoffe wie Speed (Amphetamine) oder Kokain sind dagegen weniger gefragt. So eine Studie der WHO…

Der Prozentsatz an Menschen in Israel, die Marihuana rauchen, ist höher als in den meisten anderen entwickelten Ländern. Dies geht aus einer Studie hervor, welche die Weltgesundheitsorganisation WHO durchgeführt hat. Im Vergleich zu Ländern wie Nigeria, Südafrika, Mexiko oder Kolumbien ist der Marihuana-Konsum der Israelis eher hoch. Im Vergleich mit der EU liegt der Prozentsatz an Marihuana-Rauchern in manchen hochentwickelten Staaten noch höher.

58 % der Israelis trinken Alkohol. 48 % der Israelis rauchen Tabak, und 12 % rauchen Marihuana. 1 % hat bereits Kokain probiert.

Unter den 17 Ländern (Belgien, China, Kolumbien, Frankreich, Deutschland, Holland, Israel, Italien, Japan, Libanon, Mexiko, Neuseeland, Nigeria, Spanien, Südafrika, Ukraine, USA), die die WHO untersuchte, nahm Israel beim Marihuana-Konsum den sechsten Platz ein. Beim Alkohol landete es auf Platz 14, beim Tabak-Konsum Platz 15. Bei der Frage nach dem Konsum von Kokain war Israel an elfter Stelle.

Die Amerikaner hatten demnach den höchsten Konsum an Alkohol und Drogen. Marihuana haben dort bereits 42 % geraucht, Kokain hatten bereits 16 % konsumiert. In den USA haben bereits 74 % der Bürger schon mindestens einmal geraucht. In den ärmeren Ländern in Afrika war der Drogenkonsum am niedrigsten.

An den WHO-Umfragen nahmen rund 85.000 Menschen teil, 4.859 davon waren Israelis.

Nikotin und THC: Einstieg in Israel relativ spät

Israelis beginnen mit dem Rauchen später als in anderen Ländern. Nur 9 Prozent der 15-Jährigen hatten bereits Zigaretten ausprobiert. Nur in Nigeria waren es mit sieben Prozent noch weniger. In den USA haben hingegen bereits 44 Prozent der 15-Jährigen mindestens einmal geraucht. Auch mit Cannabis begannen die Kinder in Nigeria und Israel anders als in anderen Ländern im Durchschnittsalter erst drei Jahre später, nämlich im Alter von 22 Jahren.

Unterschiedliche medizinische Tradition

Eine Erkenntnis der Studie war, dass es in den Ländern mit den strengsten Anti-Drogen-Gesetzen nicht unbedingt den niedrigsten Drogenkonsum gibt, wohl aber die folgenreichsten Schäden für die Betroffenen. Es ist auch deutlich, dass nicht der Gesetzestext alleine die Situation der Süchtigen bestimmt, sondern vor allem Konsequenz und Härte der Anwendung. So sind die Bestimmungen zum Umgang mit starken Schmerzmittel (BTM) in Frankreich, Italien, Großbritannien und Deutschland ähnlich. Die Strafverfolgung wird in Deutschland aber mit sehr viel größerem Einsatz betrieben als in den anderen Staaten. Auch die Verschreibungspraxis unterscheidet sich deutlich. Nirgendwo verschreiben Ärzte weniger als Betäubungsmittel klassifizierte Opiate, als in Deutschland und nirgendwo werden Einschränkungen, z.B. bei der Methadonvergabe, konsequenter durchgesetzt. Die Situation ist hier dementsprechend verzweifelter, was z.B. Lou Reed zu seinem Album Berlin anregte.

Hinweis:
Eines der Ziele des „Kriegs gegen Drogen“ war es, den Leidensdruck der Süchtigen ins Unerträgliche zu steigern. Propagandafeldzüge sollen Drogen und Süchtige derart dämonisieren, dass weder Verständnis noch Erbarmen für Junkies die Rechtschaffenen in der Durchsetzung bremsen soll. Die Gefängnisse sind voll und viele Gerichte mussten Schnellverfahren einleiten. In Deutschland sahen Psychiater und andere Suchtexperten, z.T. noch aus der NS-Zeit, den Volkskörper bedroht. Kein Wunder also, dass man die Verfolgung der Junkies und Kiffer hierzulande mit ganz besonderer Verve aufnahm.
Inzwischen hat dieser “Krieg” Hunderttausenden das Leben gekostet. Namhafte Organisationen, wie die Konferenz amerikanischer Staaten warnen vor einer Fortsetzung, die WHO spricht von einem der grausamsten Kreuzzüge in der jüngeren Geschichte. Hunderttausende verloren ihr Leben, nicht durch die Wirkung irgendeiner Droge, sondern in Folge der Repressalien, der Vergiftung, der Infektion (v.a. durch HIV und HCV, v.a. durch mehrfach geteilte Spritzen und Prostitution) und der himmelschreienden Verelendung. Alles geschah in aller Öffentlichkeit. In Deutschland oft von Passanten mit “die gehören endlich vergast” kommentiert.
In Deutschland war die Lage tatsächlich besonders trostlos, da sogar die weltweit anerkannte Substitution kriminalisiert wurde und sich das gesamte medizinische Establishment daran hielt, wie nirgendwo sonst. Ärzte, Apotheker, Rauschgiftdezernate und Irrenwärter, alle waren wie wild zum Schutz des Volkskörpers angetreten. Fast schien es, als habe sich endlich wieder ein Bereich aufgetan, indem es noch Herren und Abfall gab…

Den erst Ende Oktober, nach einer Lebertransplantation, verstorbenen Lou Reed, inspirierte dies zu seinem Album
 “Berlin”, das die gescheiterte Liebe zweier Junkies schildert… Entsprechend der besonders qualvollen Situation der Süchtigen in Deutschland, vermittelt das Album genau jene Trostlosigkeit, die oben bereits beschrieben wurde. In Stücken wie Sad Song, Caroline Says II, The Kids und The Bed geht es um Gewalt, Prostitution und schließlich Selbstmord, damals wie heute eine häufige Todesursache unter süchtigen Jugendlichen. Reed war einer der ganz wenigen, die damals nicht auf den “Anti-Drogen”-Zug aufspringen wollten.
Die Süchtigen verstanden, dass er wusste, wovon er sprach, aus eigenem Erleben. In der Mehrheitsgesellschaft stieß “
Berlin” auf aggressives Unverständnis, von Reed war man geradezu entsetzt. Diese Ablehnung machte ihm mehr zu schaffen, als er zugab. Der Presse gegenüber schützte er sich mit einer gewissen Arroganz… (weiter…)…

Quelle: inn / who / die WHO-Studie wurde 2008 im medizinischen Journal „PLoS Medicine“ veröffentlicht.

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