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Archiv (chronolog.)

Towah haSchadchanith: Bei mir biste scheen

Keinen Finger kann Tova mehr rühren, seit die Krankheit ihre Muskeln lähmt. Nun thront sie wie ein Orakel in einem riesigen, weich ausgepolsterten Sessel und empfängt im Wohnzimmer ihre Kundschaft. Frauen, Männer, Junge, Alte, Gesunde, Kranke, Behinderte, Normale und Verrückte: Alle kommen sie zu Tova, denn jede und jeder von ihnen ist auf der Suche nach dem passenden Deckel…

Tova und Jose: Es ist nie zu spät eine glückliche Beziehung einzugehen

Obwohl Tova selbst nicht an die Liebe glaubt und das auch immer wieder laut und deutlich kundtut, hat das keine Auswirkung auf ihren Erfolg. Unermüdlich ist sie damit beschäftigt, für die Verzweifelten den richtigen Partner zu finden.
Mit Hingabe und einem ausgeklügelten buchhalterischen System versucht sie diejenigen zusammenzubringen, die bislang erfolglos auf „dem freien Markt“ auf der Suche waren. Von Mitleid oder falsch verstandener Korrektheit aber keine Spur: Eiskalt lässt Tovas „Star“ – eine junge, leicht spastische Frau im Rollstuhl – den Traummann abblitzen, als der sich nicht entblödet, ihr beim ersten Date Vorhaltungen über ihren ungesunden Lebensstil zu machen. Und weiter geht die Suche.

Dani Wasserman begleitet die einzigartige Kupplerin über ein Jahr und lässt uns teilhaben an Leben und Leiden einer starken Frau und ihrer Familie. Gelungen ist ihm, nicht zuletzt dank der tollen Protagonistin, ein warmherziger Film über die Liebe – oder eben das, was wir dafür halten.

siehe: films2013.dok-leipzig.de, Lina Dinkla

Bei mir biste scheen

Der Heiratsvermittler Jose Weber, Frankfurt / Main

TV-Tipp! Do, 2. Jan · 22:40-23:08 · MDR

Er nennt es sein “Cockpit”. Die Rede ist von den fünf Monitoren auf dem Schreibtisch von Jose Weber in Frankfurt. Auf dem ersten laufen den ganzen Tag über die neuesten Nachrichten, auf dem zweiten interviewt Deutschlands einziger jüdischer Heiratsvermittler neue Kandidaten für eine Eheschließung, auf dem dritten gehen die E-Mails seiner Kundschaft ein und der vierte zeigt deren Fotos und Karteidaten.

Der fünfte ist schließlich für die dringendsten Fälle reserviert, denn davon gibt es viele: In Webers Regalen stehen Ordner mit rund 800 offenen Fällen, von denen die meisten allerdings, wie der Heiratsvermittler achselzuckend einräumt, “Karteileichen” sind. Webers Agentur Simantov Deutsch für “gutes Zeichen” hat ein besonderes Problem. Es besteht darin, dass deren Kundinnen und Kunden in der Regel weit entfernt voneinander leben. In Frankfurt zum Beispiel hat die jüdische Gemeinde zwar 7.000 Mitglieder, aber – so Weber, der selbst fünf Sprachen spricht und in der weiten Welt zuhause ist – “da kennen sich viele vom Spielen im Sandkasten her und verlieben sich nicht ineinander”.

In ganz Europa, gibt es dagegen immerhin 15.000 heiratswillige Jüdinnen und Juden, weswegen Weber auch schon einmal eine Liebesheirat zwischen einem Finanzexperten aus Paris und einer Professorin aus Sibirien stiftete. Die Grenzen seiner Möglichkeiten sieht der Mann mit der großen Kartei trotzdem sehr deutlich: “Um die Liebe kümmert sich Gott, ich bin nur sein Handlanger.”

Der Autor Uri Schneider beobachtet Jose Weber bei seinem weltumspannenden Versuch, einsame Herzen miteinander zu verkuppeln. Da ist neben dem selbsterklärten Gigolo Georg Potzies, der stets im weißen Anzug durch Berlin streift, etwa die bildschöne Journalistin und Komikerin Lucia aus Bratislava. Oder die erfolgreiche Alina aus New York, die sogar in einer Stadt, in der mehr als eine Million Juden leben, keinen Partner findet. Sie ist allerdings gerade schlecht auf Weber zu sprechen, weil der ihr keine neuen Vorschläge bringt, obwohl er ihr doch versprochen hatte, es gäbe für sie “Kunden ohne Ende”.
Doch nicht nur Webers Klienten brauchen viel Geduld, für ihn selbst ist sie ebenfalls bitter nötig. Den Großteil seines Honorars erhält er nämlich erst, wenn beide Eheanwärter beim Rabbiner unter der Chuppa, dem jüdischen Hochzeitsbaldachin, gelandet sind. Von den früher üblichen zehn Prozent der Brautmitgift als Vermittlerlohn kann er nur träumen. Reich ist er von seiner Arbeit deshalb bisher nicht geworden, sein Glück hat er allerdings dennoch gefunden. Seine spätere Frau war nämlich zunächst als Klientin zu ihm gekommen. “Nehmen Sie doch direkt mich”, hätte er ihr am liebsten sofort gesagt, als sie durch seine Bürotür trat. Ganz Profi hat er das damals nicht gemacht, die große Liebe entwickelte sich trotzdem zwischen den beiden. Was immerhin für seine Menschenkenntnis spricht.

via Neue Fernsehtipps fürs neue Jahr « haGalil.

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