Klinische Pharmakologie / Psychopharmakologie

 
 

 
 

Medizin und Wellness, Forschung und Technologie
Menschliche Wahrnehmung nicht genetisch verankert:
Grundannahmen können Erfahrung angepasst werden


Tübingen/Southampton (pte, 8. September 2004 12:43) - Ein deutsch-britisches Forscherteam hat in verschiedenen Versuchen belegt, wie sich unsere Wahrnehmung verändert, wenn das Licht nicht mehr von oben kommt. Damit konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass Grundannahmen beim Menschen nicht genetisch verankert sind, sondern je nach konkreter Erfahrung angepasst werden.

Das belegt die besondere Fähigkeit des menschlichen Gehirns, sich an wechselnde Umweltbedingungen flexibel anpassen zu können, berichtet das Max-Planck-Institut http://www.mpg.de.

Um die permanent auf uns einwirkenden vielfältigen und komplexen Reize interpretieren zu können, nutzt unser Gehirn Erfahrungen und Annahmen über die Umgebung. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik und der University of Southampton, Großbritannien, haben das Zusammenspiel zwischen momentaner Sinnesinformation durch Organe wie Auge, Nase oder Haut, die unsere Wahrnehmung bestimmen, untersucht. Andererseits spielt dabei auch das Vorwissen (von Vorannahmen) über unsere Umwelt eine Rolle bei der Wahrnehmung. Die Forscher konnten dies anhand von Bild-Beispielen eindrucksvoll zeigen indem sie ein Foto eines Kraters einmal "normal" und einmal um 180 Grad gedreht zeigten.

Um ein Bild zu interpretieren, stellt das Gehirn Vorannahmen darüber an, aus welcher Richtung das Licht einfällt. Da das Licht in unserer Welt meistens von oben kommt, ist es für das Gehirn vernünftig, dieses Vorwissen bei der Interpretation der Bilder zu benutzen. Marc Ernst vom Max-Planck-Institut ist nun zusammen mit seinen Kollegen Wendy Adams und Erich Graf von der University of Southampton der Frage nachgegangen, wie das Gehirn zu solchen Vorannahmen kommt. In Experimenten konnten die Forscher beweisen, dass sich aufgrund des interaktiven Trainings die Wahrnehmung der Probanden veränderte. Damit gelang ihnen auch der Nachweis, dass selbst solche fundamentalen Vorannahmen, wie die "Licht von oben"-Annahme, nicht genetisch verankert sind, sondern ständig auf der Basis der statistischen Regelmäßigkeit, mit der sie in der Umgebung auftreten, innerhalb relativ kurzer Zeit erlernt und angepasst werden.

In anderen Untersuchungen bei Hühnern waren die Ergebnisse allerdings grundverschieden, da bei ihnen offensichtlich diese Fähigkeiten genetisch verankert sind. Insgesamt unterstreichen diese Ergebnisse die extrem gute Anpassungsfähigkeit des menschlichen Gehirns und dass sich die Wahrnehmung je nach individueller Lerngeschichte und Vorwissen von Mensch zu Mensch unterscheidet.

hagalil.com / 13-09-2004

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