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Immunologie:
Wie HI-Viren den Hilferuf der Zelle verhindern
Wissenschaftler des Weizmann Institutes entdeckten wie
ein HIV-Proteinfragment eine Immunreaktion abschaltet. Diese
Entdeckungen haben Auswirkungen auf die Behandlung von
Autoimmunkrankheiten. Der
HIV-Virus versteckt sich genau in den Zellen des Immunsystems, die den
Körper vor Vireninfektionen schützen sollen. Aber wie werden diese
Zellen eigentlich daran gehindert, einen breit angelegten Angriff gegen
den Eindringling auszuführen? In einer Forschungsarbeit, die heute im
Journal of Clinical Investigation veröffentlicht wird, hat ein Team des
Weizmann Instituts gezeigt, wie ein Teil eines Proteins an der äußeren
Oberfläche des Virus die normale Immunreaktion stört. Aber ihre Arbeit
könnte noch weitere Auswirkungen haben: dieses Molekularfragment, das
eine so zerstörerische Wirkung im Sinne einer Krankheit hat, könnte auch
bei der Behandlung anderer Störungen wie etwa rheumatischer Arthritis
eingesetzt werden.
In den ersten Stadien der HIV-Infektion verbinden sich die
Proteinschichten des Virus mit der äußeren Membran der T-Zellen -
Immunsystemzellen, die fremde Eindringlinge erkennen und andere Arten
von Immunzellen um Hilfe alarmieren sollen. Das genetische Material des
Virus, der im Grunde ein Strang des RNS ist, zwingt das DNS der Zelle
dazu, DNS-Kopien herzustellen. Neu geprägte Viren, die vom Gastgeber-DNS
hergestellt werden, brechen später aus der Zellmembran aus, um andere
Zellen zu infizieren. Viele glaubten bisher, dass der Einbruch in die
T-Zellen und die Entführung ihres DNS ausreichte, um die Fähigkeit
dieser Zellen zur Aktivierung des Immunsystems zu zerstören. Aber die
Wissenschaftler des Weizmann Instituts, Prof. Yechiel Shai von der
Abteilung für Biochemie, Prof. Irun Cohen von der Abteilung für
Immunologie und die Studenten Francisco Quintana und Doron Gerber
vermuteten, dass da noch mehr dahinter steckt. T-Zellen identifizieren
Eindringlinge durch die Benutzung von Rezeptoren an ihren Außenwänden,
die Sicherheitsantennen ähneln. Ein Virus - insb. ein Virus mit eigenem
Oberflächen-Equipment für das Auffinden spezifischer T-Zellen - wird
diese Rezeptoren wohl kaum passieren können, ohne Alarm hervorzurufen.
Die Wissenschaftler nahmen daher an, dass der Virus dazu fähig sein
muss, einen Teil des Immunsystems der Zelle zu deaktivieren.
Sie untersuchten ein Peptidfragment, dass sich FP (Fusionspeptid) nennt
und ein Segment des HIV-Proteins GP41 ist, das sich auf der Virushülle
befindet. FP ist bekannt dafür, dass es i n dem komplexen Prozess eine
Rolle spielt, in der die Virushülle sich im Anfangsstadium der
Zellinfektion mit der Zellmembran befindet. Die Forscher hatten den
Verdacht, dass FP, das sich nur für kurze Zeit während dieses Prozesses
entblößt, genügend Zeit haben könnte, um auch die Immunreaktion zu
beeinflussen. Tatsächlich fanden sie heraus, dass FP sich in einige
Proteine auf den Zellwänden einklinkt, die eine breit angelegte
Immunreaktion hervorrufen, und diese auf sehr effektive Weise
abschaltet.
Auf der Basis dieser neuen Einsicht wie ein winziger Virus die
Immunreaktion des Körpers kontrollieren kann, haben die Wissenschaftler
einen intuitiven Sprung nach vorn gemacht. Bei Autoimmunkrankheiten sind
die T-Zellen, die die Gastgeberrolle für die HIV-Viren spielen,
übermäßig aktiv und greifen dabei versehentlich die Körperzellen
anstelle der fremden Eindringlinge an. Wenn die Viren FPs benutzen, um
den Hilferuf der Zelle zu übergehen, stellt sich die Frage, ob ihre
Aktionen, die eine Art der Immunreaktion ohne Abtötung der Zelle
blockieren, gegen diese Autoimmunkrankheiten eingesetzt werden können?
Um ihre Theorie zu prüfen, hat das Forschungsteam FP sowohl in Ratten
getestet, die an einem Autoimmunsyndrom leiden wie z. B. rheumatischer
Arthritis beim Menschen, als auch in menschlichen T-Zuchtzellen. Genau
wie sie vorhersagten, wiesen die mit FP behandelten Ratten einen
deutlichen Rückgang in der Gelenkschwellung und anderen
Arthritissymptomen auf.
Shai betont, dass der Einsatz von FP, einem winzigsten Teil des
HIV-Virus, für Patienten keine Gefahr darstellt, da es nicht fähig ist,
Zellen zu infizieren oder zu reproduzieren. Ganz im Gegenteil - die
Wissenschaftler heben in ihrem Beitrag hervor, dass das Studium eines
zerstörerischen Virus wichtige Lehren darüber beinhaltet, wie das
Immunsystem reguliert wird. 'Vielleicht,' sagt Cohen, 'können wir
Menschen das Viruspeptid dazu einsetzen, eine übermäßige Autoimmunität
besser zu kontrollieren.'
Prof. Irun Cohens Forschungsarbeit wird finanziell unterstützt von der
Minna-James-Heinemann-Stiftung, dem Robert Koch Minerva Center for
Research in Autoimmune Desease und Herrn und Frau Samuel Theodore Cohen,
Chicago, Il. Prof. Irun Cohen ist Inhaber des
Helen-und-Morris-Mauerberger-Professoren-Lehrstuhls in Immunologie.
Prof. Yechiel Shais Forschungsarbeit wird finanziell unterstützt vom
Robert Koch Minerva Center for Research in Autoimmune Desease und
Familienbesitz von Julius und Hanna Rosen. Prof. Shai ist Inhaber des
Harold-S.-und Harriet-B.-Brady-Professorenlehrstuhls in Krebsforschung.
Das Weizmann Institut in Rehovot, Israel, ist eine der weltweit
führenden Forschungsinstitutionen. Es ist bekannt für seine breit
gefächerte Erforschung der Naturwissenschaften und beschäftigt 2.500
Wissenschaftler, Studenten, Techniker und Mitarbeiter. Die
Forschungsarbeiten des Instituts befassen sich mit der Suche nach neuen
Wegen der Bekämpfung von Krankheiten und Hunger, mit der Untersuchung
wichtiger Fragen in Mathematik und Computerwissenschaften, Erforschung
der Materie und des Universums, Entwicklung neuer Materialien und neuer
Strategien zum Umweltschutz.
israel.de
Newsletter der israelischen Botschaft Berlin
hagalil.com / 16-06-2005
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