Tabletten, Dosieraerosole,
Wirkstoffpflaster, Spritzen und Dragees
Darreichungsformen von Arzneimitteln
(psg) Vielfalt kennzeichnet den Arzneimittelmarkt. Das gilt nicht nur für die
Wirkstoffe, sondern auch für deren Darreichungsformen. Tabletten, Kapseln und
Dragees, Spritzen, Salben, Cremes und Pasten, wirkstoffhaltige Pflaster oder
Dosieraerosole zum Inhalieren - die Anwendungsformen sind abgestimmt auf die
jeweilige Behandlung.
Dorothee Becker, Apothekerin beim AOK-Bundesverband: "Die Art und Weise,
wie ein Medikament angewendet wird, beeinflußt seine Wirkung. In manchen Fällen
ist eine besonders schnelle oder aber eine zeitlich abgestufte Wirkung des
Stoffs wichtig. In anderen Fällen ist es nicht erwünscht, daß die Substanz ihre
Wirkung und damit auch ihre möglichen Nebenwirkungen im ganzen Körper entfaltet.
Die passende Art der Darreichung sorgt dafür, daß ein Wirkstoff zum richtigen
Zeitpunkt an der richtigen Stelle wirkt."
Salben und Cremes
Salben und Cremes für die Haut sind Beispiele für Darreichungsformen, die die
Wirkung weitgehend lokal begrenzen. Die Hornschicht der Haut ist die wichtigste
Hürde für die Aufnahme von Arzneistoffen. Sie enthält sehr wenig Wasser.
Fettlösliche Substanzen, die gleichzeitig noch etwas wasserlöslich sind,
resorbiert das Schutzorgan am besten. Ist die Hauttemperatur erhöht oder die
Haut entzündet, können die Wirkstoffe der Salben und Cremes noch besser
eindringen. Auch das Lebensalter beeinflußt die Aufnahme von Arzneistoffen: Bei
Säuglingen und Kleinkindern ist die Hornschicht noch nicht sehr ausgeprägt, die
Aufnahmebereitschaft ist entsprechend höher. Gleiches gilt für sehr alte
Menschen mit dünner "Pergamenthaut".
Spritzen
Ist eine sofortige Wirkung wichtig, wird das Medikament direkt in die
Blutbahn gespritzt. Man kann ein Arzneimittel auch in die Haut, in das
Bindegewebe unter der Haut oder in den Muskel spritzen. Ein bekanntes Beispiel
dafür ist das Insulin, das sich Diabetiker mehrmals täglich selbst unter die
Haut spritzen müssen.
Tabletten, Kapseln und Dragees
Tabletten, Kapseln und Dragees sind die einfachste und gleichzeitig auch die
häufigste Art, ein Arzneimittel einzunehmen. Anders als bei der Spritze in die
Blutbahn tritt die Wirkung erst mit einer gewissen Zeitverzögerung ein: Zuerst
muß sich die Tablette auflösen. Dann wird der Wirkstoff im Magen-Darm-Trakt,
meist im oberen Dünndarm, in das Blut aufgenommen und über den Blutkreislauf im
Körper verteilt. Wie schnell das passiert, hängt auch davon ab, ob der Magen
leer oder gefüllt ist. Bei vollem Magen ist der Transport in den Dünndarm
natürlich verzögert. Arzneimittel wirken in der Regel schneller, wenn sie auf
leeren Magen, also vor der Mahlzeit, eingenommen werden. Dies kann aber unter
Umständen dazu führen, daß der Patient das Mittel schlechter verträgt.
Der Magen ist sauer
Der Magen enthält viel Säure. Substanzen, die empfindlich auf Säure
reagieren, können bei der Einnahme vor der Mahlzeit schon im Magen zerstört
werden. Tabletten mit empfindlichen Wirkstoffen überzieht der Hersteller deshalb
mit einer säurefesten Schutzschicht. So gelangt der Wirkstoff unbeschadet in den
Dünndarm. Um die Wirkungsdauer einer Tablette zu verlängern, kann man sie mit
schwerlöslichen Überzügen versehen. Denselben Effekt erzielt der Hersteller,
wenn er den Wirkstoff in Fette oder Wachse einbettet. Die Wirksubstanz wird dann
verzögert (retardiert) freigesetzt. Für den Patienten ist das bequem: Er muß das
Medikament nicht so häufig einnehmen und kann sich leichter an die verordnete
Therapie halten.
Wirkstoffhaltige Pflaster
Auch wirkstoffhaltige Pflaster geben den Arzneistoff über einen bestimmten
Zeitraum hinweg annähernd konstant an das Blut ab. Diese Methode wird vor allem
bei Hormonen, die bei Frauen in den Wechseljahren angewendet werden, genutzt.
Von der Raucherentwöhnung sind Nikotinpflaster bekannt, und auch ein Mittel
gegen Reiseübelkeit gibt es als wirkstoffhaltiges Pflaster. Stoffe, die leicht
Allergien auslösen, eignen sich für diese Darreichungsform nicht. Auch die
Pflasterbestandteile selbst können Reizerscheinungen hervorrufen. Nach einigen
Tagen müssen die Patienten daher ein neues Pflaster an einer anderen Hautstelle
aufkleben.
Dosieraerosole
In der Asthmatherapie kommen bevorzugt sogenannte Dosier-Aerosole zum
Einsatz. Der Patient atmet den Wirkstoff ein, der dann gezielt in Bronchien und
Lungen gelangt. Auf diese Weise wird weniger Wirkstoff in den Blutkreislauf
aufgenommen. Unerwünschte Wirkungen auf den gesamten Körper bleiben so
weitgehend aus.
Zäpfchen
Gelangt ein Arzneimittel als Zäpfchen in den Körper, kann der Anteil des ins
Blut aufgenommenen Wirkstoffs sehr unterschiedlich sein. Deshalb ist diese Art
der Anwendung nur sinnvoll, wenn ein konstanter Wirkstoffspiegel im Blut nicht
unbedingt erforderlich ist. Antibiotika werden also nicht als Zäpfchen
angewendet, wohl aber Schmerz- oder Fiebermittel bei Säuglingen und
Kleinkindern. Auch bei Medikamenten gegen starkes Erbrechen können Zäpfchen eine
sinnvolle Darreichungsform sein.
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