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	<title>Pharmacon Net &#187; Psychotherapie</title>
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		<title>Horst-Eberhard Richter: Psychotherapeut der Nation</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Jan 2012 15:14:43 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Zum Tode von Horst-Eberhard Richter (1923–2011)&#8230;<span id="more-3779"></span></p>
<p><em>Von Hans-Jürgen Wirth</em></p>
<p>Vor mehr als 40 Jahren, im Sommer 1970, ich war noch keine 20 Jahre alt, zog mich Horst-Eberhard Richters <em>Patient Familie</em> in einen wahren Leserausch. Neben Sigmund Freuds <em>Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse</em> und Erich Fromms <em>Die Furcht vor der Freiheit</em> bescherte mir dieses Buch eine Leseerfahrung, wie ich sie seit den Tagen meiner Hermann-Hesse-Lektüre nicht mehr erlebt hatte. Es eröffnete sich mir eine neue Welt, und in mir wurde die Neugier geweckt, die psychoanalytische Erkundung der komplexen Zusammenhänge zwischen Psyche und Gesellschaft (den Begriff »psychosozial« hatte Richter damals noch nicht geprägt) zum Zentrum meines weiteren Lebens zu machen. Was ich bei Richter las, wirkte – religiös gesprochen – fast wie eine Offenbarung. Ich erinnere mich tatsächlich noch immer an jenen Lese-Nachmittag, weil plötzlich meine Familie und meine mit ihr verknüpften Ängste und Konflikte so offen vor mir lagen. Seither hat mich die Frage, was die psychosoziale Welt im Innersten zusammenhält, nicht mehr losgelassen.</p>
<p><strong><img class="alignright size-medium wp-image-24061" title="Horst-Eberhard Richter" src="http://www.hagalil.com/archiv/wp-content/uploads/richter-216x300.jpg" alt="" width="216" height="300" />Biografisches</strong></p>
<p>Am 28. April 1923 in Berlin geboren, wächst Horst-Eberhard Richter als Einzelkind auf. Die Mutter schildert er als eine sehr emotionale Frau, die sich stark an ihn geklammert habe. Den Vater, ein erfolgreicher Ingenieur und Abteilungsleiter einer großen Firma, erlebt Richter als »stillen, in sich gekehrten Grübler«. Nach Hitlerjugend und Arbeitsdienst wird Richter 18-jährig zum Militär eingezogen und dient in einem Artillerieregiment an der Front in Russland. Kurz vor der Verlegung seiner Truppe nach Stalingrad erkrankt er lebensgefährlich an Diphtherie. Mit 22 Jahren gerät er in Kriegsgefangenschaft und erfährt erst bei seiner Rückkehr vom Tod seiner Eltern, die zwei Monate nach Kriegsende auf einem Spaziergang in der Nähe ihres Dorfes von zwei betrunkenen Russen ermordet worden waren.</p>
<p>Nach Studium der Medizin, Philosophie und Psychologie in Berlin promoviert Richter 1949 zum Dr. phil. und 1957 zum Dr. med. 1950 beginnt er seine psychoanalytische Ausbildung am Berliner Psychoanalytischen Institut, die er 1954 abschließt. Bereits fünf Jahre später, 1959, wird Richter Leiter dieses Instituts und übt diese Funktion bis 1962 aus. Gerade 41-jährig wird er 1964 zum Vorsitzenden der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV) gewählt und engagiert sich in dieser Position bis 1968.</p>
<p><strong>Eltern, Kind und Neurose</strong></p>
<p>Im Jahr 1963, ein Jahr nachdem er auf den zweiten deutschen Lehrstuhl für Psychosomatische Medizin, neben dem von Alexander Mitscherlich in Heidelberg, berufen worden ist, publiziert Horst-Eberhard Richter sein Buch <em>Eltern, Kind und Neurose. Zur Psychoanalyse der kindlichen Rolle in der Familie</em>, das kurioserweise als Habilitationsschrift abgelehnt worden war. Richter wird ohne Habilitation Professor und für drei Jahrzehnte Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Psychosomatische Medizin an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Sein Buch wird in den folgenden Jahren zum einflussreichen Grundlagenwerk für die neue psychoanalytische Behandlungsmethode der Familientherapie, die er im deutschsprachigen Raum als Erster entwickelt. Auf der Grundlage seiner Erfahrungen als leitender Arzt (1952 bis 1962) der »Beratungs- und Forschungsstelle für seelische Störungen im Kindesalter« am Berliner Kinderkrankenhaus im Bezirk Wedding hat er seine psychoanalytische Theorie formuliert, die es erlaubt, das Fehlverhalten von Kindern als symptomatischen Ausdruck unbewusster Konflikte zu verstehen, an denen die Eltern bzw. die ganze Familie leiden. »Die Rolle des Kindes«, schreibt Richter (1963, S. 73), »bestimmt sich also aus der Bedeutung, die ihm im Rahmen des elterlichen Versuches zufällt, ihren eigenen Konflikt zu bewältigen.« Der Konflikt des Kindes wird hervorgerufen durch die »Narzißtischen Projektionen der Eltern auf das Kind« (Richter 1960) – so der Titel seines Aufsatzes im <em>Jahrbuch der Psychoanalyse</em>, zu dessen Herausgeberkreis er bis zu seinem Tod gehört.</p>
<p>Diese Gedanken sind uns heute so vertraut, dass man sich kaum noch vorstellen kann, wie revolutionär – und damit sowohl anziehend als auch irritierend – sie damals sowohl auf die psychoanalytische Fachwelt als auch auf das interessierte Laienpublikum gewirkt haben müssen. Vergleicht man die psychoanalytische Paar- und Familientherapie mit anderen Formen der angewandten Psychoanalyse, wie beispielsweise der Gruppentherapie oder der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie, so findet die Paar- und Familientherapie noch immer nicht die Anerkennung durch die psychoanalytischen Fachgesellschaften, die ihr eigentlich zukommen müsste. Man kann die paar- und familientherapeutischen Konzepte durchaus als frühe Vorläufer der heute maßgeblichen psychoanalytischen Schulrichtung ansehen, die unter der Bezeichnung »relationale Psychoanalyse« bekannt ist. Der theoretische Vordenker der relationalen Psychoanalyse, der amerikanische Psychoanalytiker Stephen Mitchell, nimmt zwar in seinen Büchern immer wieder auf die grundlegende Bedeutung der Paardynamik Bezug, allerdings ohne den naheliegenden Schritt zum paartherapeutischen Setting zu gehen.</p>
<p>Als Richter 1970 sein zweites grundlegendes Buch zur psychoanalytischen Familientherapie <em>Patient Familie. Entstehung, Struktur und Therapie von Konflikten in Ehe und Familie</em> veröffentlicht, ist er bereits ein bekannter Autor und die psychoanalytische Familientherapie, als deren Nestor er in Deutschland gelten kann, befindet sich auf dem besten Wege, ein einflussreiches psychotherapeutisches Konzept zu werden. Während Richter mit seinem theoretischen Hauptwerk <em>Eltern, Kind und Neurose</em> wissenschaftliches Neuland betritt, entfaltet er in <em>Patient Familie</em> seine Meisterschaft als sprachgewandter Autor, der mit psychoanalytischer Einfühlung seelisches Leid zu beschreiben und in seine beziehungsdynamischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge einzuordnen weiß.</p>
<p><strong>Hoffnung auf einen neuen Weg, sich selbst und andere zu befreien</strong></p>
<p>Persönlich lernte ich Horst-Eberhard Richter 1970 zu Beginn meines Psychologiestudiums im Rahmen einer studentischen Initiativgruppe kennen, die in der Gießener Obdachlosensiedlung »Eulenkopf« sozialpolitisch und sozialpädagogisch tätig ist. Wie viele meiner sich im Aufbruch befindlichen Generation fühle ich mich durch Richters Gedanken angezogen, und seine in den 70er Jahren publizierten Bücher <em>Die Gruppe</em> (1972), <em>Lernziel Solidarität</em> (1974), <em>Flüchten oder Standhalten</em> (1976) und <em>Engagierte Analysen</em> (1978) begleiteten mich in diesen Jahren. <em>Die Gruppe</em> hat den Untertitel <em>Hoffnung auf einen neuen Weg, sich selbst und andere zu befreien. Psychoanalyse in Kooperation mit Gruppeninitiativen</em>. Dieses Buch ist Ausdruck des geistig-kulturellen Klimas der frühen 70er Jahre und bietet zugleich Interpretationen und Reflexionen an, um die mit dem Jahr 1968 angebrochene Zeitenwende und die damit einhergehende psychosoziale Neuorientierung besser verstehen und für die Gestaltung des eigenen Lebens nutzen zu können. Richter ist kein Anhänger der antiautoritären Studentenbewegung der Jahre 68/69, sondern ein Sympathisant der sanfteren Initiativ-, Alternativ- und Ökologiebewegung der 70er Jahre und der Friedensbewegung der 80er Jahre. Er greift die Aufbruchstimmung der 70er Jahre auf, reflektiert aber auch die inneren Brüche, die überzogenen Ansprüche, die wir an uns selbst und an andere stellen, und hilft auf diese Weise dabei mit, dass wir zu realistischeren politischen Konzepten kommen. Dies macht die damalige Bedeutung seines Buches aus.</p>
<p>Richter hat – anders als die meisten Autoren der damaligen Zeit, die sich mit dem Phänomen der Gruppe beschäftigten – sowohl deren politische als auch ihre psychologische und psychotherapeutische Bedeutung erkannt. Er hat deutlich gemacht, dass es sich hierbei tatsächlich um eine soziale Neuerfindung handelt: Der Typus der spontanen, hierarchiefreien und mit den Mitteln der Selbstreflexion sich organisierenden Gruppe stellt in der Tat ein gesellschaftliches Novum dar, das vom emanzipatorischen Teil der Jugend- und Studentenbewegung kreiert worden ist.</p>
<p>Für Richter ist die Psychoanalyse nicht nur eine tiefenpsychologische Behandlungsmethode, sondern, und vielleicht zuallererst, ein Instrument der Aufklärung einer sich sozialanalytisch begreifenden Wissenschaft von Mensch und Gesellschaft. Allein in den Jahren 1972 bis 1981 schreibt er die fünf Bücher, die diese neue Ära eines ganzheitlichen Konzepts von Psychoanalyse einleiten und quasi zur Pflichtlektüre für eine breite Schicht politisch aufgeklärter Bürger werden.</p>
<p><strong>Psychiatrie-Reform</strong></p>
<p>Von den sozialpolitischen Experimenten der 70er Jahre und den neuen Arbeitsansätzen der Initiativ-, Spontan- und Selbsthilfegruppen, von denen Richter inspiriert wird und die er seinerseits anregt, gehen weitreichende Innovationen im Bereich der psychosozialen Beratung und Therapie aus. Die Besinnung auf die psychischen und sozialen Voraussetzungen von Krankheit und Therapie und die Entwicklung eines auf das Psychosoziale bezogenen Gesundheits- und Krankheitsbegriffs sind ohne die kritischen Impulse aus der Initiativgruppen-Bewegung kaum vorstellbar. Es sind Anfang der 70er Jahre fast ausschließlich kritische Studenten, die sich den benachteiligten Gruppen der Gesellschaft, den Heimzöglingen, Obdachlosen, Psychiatriepatienten usw. zuwenden, das Gewissen der Gesellschaft wecken und sowohl die Öffentlichkeit als auch die Fachdisziplinen zwingen, sich mit diesen verdrängten Problembereichen auseinanderzusetzen. Maßgeblich beteiligt ist Richter an der Reform der deutschen Psychiatrie und Sozialpsychiatrie, wofür er 1980 den Theodor-Heuss-Preis erhält. Die in der Psychiatrie-Enquête als Modell der regionalen Selbstorganisation der psychosozialen Versorgungsdienste empfohlene »Psychosoziale Arbeitsgemeinschaft« wird beispielsweise auf Richters Vorschlag hin dort aufgenommen und ganz nach dem Modell der Initiativgruppe konzipiert. Richters Fähigkeit, jeweils von allen seinen Partnern etwas zu lernen und die in einem Feld gewonnenen Erkenntnisse auf andere Zusammenhänge zu übertragen, stellt eine seiner großen Stärken dar. Nachdem Richter in der Initiativgruppe einiges über die Kreativität von hierarchiearmen Spontangruppen erfahren hat, versucht er sofort, etwas von dem freien Geist, der diese Initiativgruppen prägt, in die institutionelle Struktur seines Psychosomatischen Zentrums und auch der »Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft« in Gießen zu integrieren.</p>
<p><strong>»psychosozial«: Von der Zeitschrift zum Verlag</strong></p>
<p>Durch seine zahllosen Bücher, Artikel, Vorträge und Interviews trägt Richter maßgeblich dazu bei, dass diese zukunftsweisenden Experimente keine Einzelerscheinungen bleiben. Dank seiner Funktion als Vermittler, Botschafter, Interpret und kritischer Begleiter der »Neuen Sozialen Bewegungen« – zu denen die Frauen-, die Ökologie- und die Friedensbewegung gehören – werden sie zu Vorläufern einer Bewusstseinsveränderung, die unsere Gesellschaft erheblich geprägt hat.</p>
<p>Zu seinen publizistischen Aktivitäten gehört auch die Gründung der Zeitschrift <em>psychosozial</em>, in deren Herausgeberkreis Richter mich früh holt. Aus <em>psychosozial</em> geht später der von mir gegründete <a href="http://www.psychosozial-verlag.de/">Psychosozial-Verlag</a> hervor, den Richter nachhaltig unterstützt, indem er uns seine Erfolgsbücher zur Zweitverwertung überlässt. Danach kommen als Erstausgaben <a href="http://www.amazon.de/Die-Krise-Männlichkeit-unerwachsenen-Gesellschaft/dp/3898065707/buchundjudenhaga"><em>Die Krise der Männlichkeit in der unerwachsenen Gesellschaft</em></a> (2006) und <a href="http://www.amazon.de/Die-seelische-Krankheit-Friedlosigkeit-heilbar/dp/3898068366/buchundjudenhaga"><em>Die seelische Krankheit Friedlosigkeit ist heilbar</em></a> (2008) heraus. Richter ist insofern Namensgeber des Psychosozial-Verlages, der sich der von ihm vertretenen Auffassung von Psychoanalyse verpflichtet weiß.</p>
<p><strong>Psychoanalyse und empirische Forschung</strong></p>
<p>Eine Vorreiterrolle hat Richter auch in Bezug auf die Kooperation von Psychoanalyse und empirischer Psychologie: Zusammen mit Dieter Beckmann entwickelt er bereits Anfang der 70er Jahre einen Persönlichkeitstest, bei dessen Konzeption psychoanalytisch relevante Kategorien besonderes Gewicht haben.</p>
<p>Dieses psychologische Testverfahren bekommt den Namen Gießen-Test (Beckmann/Richter 1972). Er wird in zahlreichen Untersuchungen verwendet, z. B. auch in der für die psychosomatische Medizin wegweisenden Studie über die »Herzneurose« (Richter, Beckmann 1969). Der Gießen-Test ist im deutschsprachigen Raum auch heute noch einer der am häufigsten verwandten Fragebögen zur Psychodiagnostik. Zusammen mit Elmar Brähler führt Richter periodisch Befragungen durch, mit denen die Befindlichkeit und die Einstellungen in der Bevölkerung erhoben werden. In weit über 1.000 Publikationen wird der Gießen-Test bislang zitiert. Er ist in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt. Mithilfe dieses Tests wird der Name Gießens buchstäblich in die weite Welt getragen – zumindest in die psychologische Fachwelt.</p>
<p>Die Existenz eines psychoanalytisch fundierten Tests, der auch bei den Methodikern der empirischen Psychologie Anerkennung findet, erlaubt ganzen Generationen von psychoanalytisch orientierten Forscherinnen und Forschern, sich in der empirischen Psychologie wissenschaftlich zu qualifizieren, ohne ihre psychoanalytische Orientierung aufgeben zu müssen. Viele psychoanalytische Kolleginnen und Kollegen verdanken ihre wissenschaftliche Karriere nicht zuletzt dem Gießen-Test und damit Richters frühzeitiger Öffnung der Psychoanalyse für die empirische Forschung. Auch in der Psychotherapie-Forschung wird der Gießen-Test häufig angewandt. Unter Richters Leitung betreiben wir schon in den 70er Jahren Psychotherapie-Verlaufsforschungen und katamnestische Studien, in denen wir die Wirksamkeit von Psychotherapie, beispielsweise die der Paar-Kurztherapie (vgl. Richter/Wirth 1978), untersuchen. Inzwischen sieht sich die Psychoanalyse unter dem Druck der Gesundheitsreform und in der stärker gewordenen Konkurrenz mit anderen psychotherapeutischen Verfahren genötigt, sich der Psychotherapie-Erfolgsforschung zu stellen.</p>
<p><strong>Friedensbewegung und IPPNW</strong></p>
<p>Bereits ab 1980 engagiert sich Richter in der Friedensbewegung und ist 1981 einer der maßgeblichen Gründer der westdeutschen Sektion der Ärzte gegen den Atomkrieg (IPPNW). Er beeinflusst die politische und inhaltliche Orientierung der bundesdeutschen IPPNW von Anfang an in Richtung Basisdemokratie und eines kollegialen Miteinanders. Das Engagement in der Friedensbewegung gewinnt immer größeres Gewicht in Richters Leben. Er verfasst die berühmte »Frankfurter Erklärung«, in der jeder Unterzeichner sich mit seiner Unterschrift dazu bekennt, sich jeglicher kriegsmedizinischen Schulung und Fortbildung zu verweigern. In etwas abgewandelter Form, als »New Physicians’ Oath«, wird diese Erklärung, nachdem Richter sie auf dem 2. IPPNW-Weltkongress in Cambridge eingebracht hat, von der Weltföderation übernommen. Im Jahr 1985, als das atomare Wettrüsten seinen Höhepunkt erreicht, erhalten die Internationalen Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges – und mit ihnen Horst-Eberhard Richter – den Friedensnobelpreis. Der Friedensnobelpreis dürfte die wohl höchste Ehrung sein, die man erhalten kann. Dennoch sind nicht alle begeistert von der Verleihung. Besonders in der damaligen deutschen Regierung unter Helmut Kohl ist die Empörung groß, dass eine Organisation, die man als »Moskau-gesteuert« bezeichnet, so geehrt wird. Richter grenzt sich immer gegen eine Vereinnahmung durch falsche Freunde ab, lässt sich aber umgekehrt durch Verdächtigungen auch nicht von seinem eigenen Weg abbringen.</p>
<p>Sein friedenspolitisches Engagement auf internationaler Ebene bringt Richter 1987 auch in Kontakt mit einer Arbeitsgruppe unter der Schirmherrschaft von Michail Gorbatschow. Zu dieser Vereinigung, die sich »für eine atomwaffenfreie Welt und für das Überleben der Menschheit« einsetzt, gehören unter anderem der russische Atomwissenschaftler und Menschenrechtler Andrej Sacharow, Ex-US-Verteidigungsminister und Weltbank-Chef Robert McNamara und der Gründer von Greenpeace, David McTaggart. Von den Projekten, die diese Gruppe ins Leben ruft, holt Richter eines an seine Klinik: Es geht um eine psychologische Untersuchung, in der 1.400 Studierende der Justus-Liebig-Universität Gießen und 1.000 Moskauer Studierende zu ihren Einstellungen, politischen Meinungen, Wünsche und Ängste befragt werden. Natürlich kommt auch der Gießen-Test zum Einsatz. Das zentrale Ergebnis dieser Untersuchung – die noch vor dem Ende des Kalten Krieges, noch vor der Maueröffnung stattfindet – gibt an, dass junge Russen und Deutsche sich psychologisch viel näher sind und viel weniger Vorurteile über den jeweils anderen haben, als die offizielle Politik vermuten lässt. Die Ergebnisse publiziert Richter 1990 in dem Buch <em>Russen und Deutsche. Alte Feindbilder weichen neuen Hoffnungen</em>. Wieder taucht das Wort Hoffnung in einem seiner Buchtitel auf.</p>
<p>Als die Friedensbewegung nach dem NATO-Krieg gegen Jugoslawien 1999 von den Medien für tot erklärt wird, organisiert Richter als Antwort darauf zusammen mit der IPPNW den Kongress »Kultur des Friedens« (Richter 1999): Die große Teilnehmerzahl demonstriert, dass die Friedensbewegung in Deutschland sich gewandelt hat, aber keineswegs gestorben ist.</p>
<p><strong>»Erinnern hilft vorbeugen«</strong></p>
<p>Die erinnernde Bearbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit stellt das zentrale Motiv für Richters politisches Engagement dar. Schon mit <em>Eltern, Kind und Neurose</em> hatte Richter ein theoretisches Konzept formuliert, mit dem die unbewussten Verstrickungen der Generationen, die transgenerationale Weitergabe von Traumata und von unbewussten Konflikten, psychoanalytisch verstanden werden konnte. Der Begriff der transgenerationale Weitergabe von Traumata sollte erst viele Jahre später von der Holocaustforschung geprägt werden, aber die zugrundeliegende Psycho- und Beziehungsdynamik wird von Richter bereits Anfang der 60er Jahre konzeptuell begriffen. Er selbst und andere Autoren haben diese Koinzidenz rückblickend auch so gesehen. Bemerkenswert ist allerdings, dass auch Richter seinerzeit die übergreifende historisch-politische Bedeutung seines Eltern-Kind-Konzepts nicht klar war. Der Holocaust und die anderen Verbrechen des Nationalsozialismus waren noch so abgespalten vom allgemeinen Bewusstsein, dass sie nicht thematisierbar waren. In »Patient Familie« drängt sich die latente Bedrohung durch das verleugnete Thema Nationalsozialismus noch eindringlicher auf, ohne dass es zu einer bewussten Thematisierung gekommen wäre. Die massenhafte Verbreitung angstneurotischer Familienstrukturen, die Richter für die fünfziger und sechziger Jahre konstatiert, lässt sich nach Überlegungen von Tilman Moser (1995) auf die »Schweigegebote« über die »Schrecken der Vergangenheit« zurückführen. Um sich nicht mit der nationalsozialistischen Vergangenheit konfrontieren zu müssen, klammerten sich viele Familien »mit Hilfe von Vermeidungs- und Verleugnungstaktiken an die Illusion einer friedlichen, guten, geordneten Welt« (Richter 1970) und organisierten ihr familiäres Zusammenleben nach dem Vorbild eines harmonischen und konfliktfreien Sanatoriums. Für das Verhältnis der Eltern zu ihren Kindern hatte dies zur Folge, dass diese ängstlich überbehütet und phobisch gebunden wurden. Die Jugend- und Protestbewegung der sechziger Jahre kann unter anderem auch als ein Aufstand gegen diese überfürsorgliche und als einengend empfundene Bevormundung sowie als erste emotional bedeutsame Thematisierung der verleugneten deutschen Vergangenheit verstanden werden.</p>
<p>Erst im Zusammenhang mit der Nachrüstungsdebatte und dem erneuten Wettrüsten zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt Anfang der 80er Jahre kommen Richter die Erinnerungen an die Grausamkeiten des zweiten Weltkrieges, seine eigenen Kriegserlebnisse und die Unmenschlichkeit des Nationalsozialismus zu vollem Bewusstsein. Richter prägt das Motto »erinnern hilft vorbeugen«, unter das die bundesdeutsche Sektion der »Internationalen Ärzte für die Verhütung eines Atomkrieges« (IPPNW) ihre Kampagne von 1985 stellt, mit der sie die öffentliche Diskussion und Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit zu einem zentralen Anliegen ihres Kampfes für die Beendigung des Wettrüstens macht. Dem liegt der Gedanke zugrunde, die Beschäftigung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus könne unsere Wahrnehmung für die psychischen und sozialen Umstände sensibilisieren, die die »psychische Krankheit Friedlosigkeit« (eine Formulierung, die Richter von Carl Friedrich von Weizsäcker [1967] übernimmt) bedingen. Unsere Friedensfähigkeit heute – so lautet Richters Überlegung – hänge entscheidend von der Bereitschaft ab, zu erinnern und im Gedächtnis zu bewahren, welche Verbrechen von den Deutschen an den Juden und an den Nachbarvölkern begangen wurden, so wie umgekehrt das aktive Eintreten für die Überwindung der Konfrontation zwischen den Militärblöcken und die Beschäftigung mit den psychischen und gesellschaftlichen Bedingungen des paranoiden Freund-Feind-Denkens nahezu zwangsläufig dazu führe, dass man sich mit der nationalsozialistischen Vergangenheit auseinanderzusetzen beginne. Insofern knüpft Richter an die berühmte <em>Zeitdiagnose</em> Alexander und Margarete Mitscherlichs von der <em>Unfähigkeit zu trauern</em> (1967) an, wendet diese aber in ein sozialtherapeutisches Konzept, das originär psychoanalytischen Erfahrungen folgt: die erinnernde Bearbeitung der traumatischen Vergangenheit befreit auch auf der kollektiven Ebene von dem Zwang, die alten Traumata zu wiederholen und eröffnet neue Denk- und Handlungsräume.</p>
<p><strong>Die RAF verstehen?</strong></p>
<p>Es gehört zur zentralen Aufgabe des Psychoanalytikers, sich mit den dunklen, den verdrängten, ja auch den bösen und destruktiven Seiten des menschlichen Lebens zu beschäftigen. Da ein tieferes psychologisches Verständnis nur möglich ist, wenn man sich einfühlend und emotional nachvollziehend auf den anderen einlässt, entsteht für den Außenstehenden oft das Missverständnis, Verstehen sei mit Rechtfertigung, gar mit Parteinahme gleichzusetzen. Als Richter die Ex-Terroristin Birgit Hogefeld im Gefängnis betreut, wird ihm genau dieser Vorwurf gemacht, er sei ein »RAF-Versteher« und rechtfertige damit – zumindest indirekt – deren terroristische Taten. Tatsächlich geht es Richter jedoch darum, über das mitfühlende Verständnis der ehemaligen Terroristin die Rückkehr in die Gesellschaft zu ermöglichen.</p>
<p><strong>Psychoanalyse als Sozialphilosophie</strong></p>
<p>Richter hat nicht nur seine theoretischen Interessen, sondern ebenso seine praktischen Forschungsstrategien und schließlich auch seine Versuche der praktisch-therapeutisch-politischen Beeinflussung vom Individuum auf die Zweierbeziehung, von dort auf die Familie, von der Familie auf die Gruppe, von der Gruppe auf den Stadtteil und die regionalen psychosozialen Versorgungssysteme ausgeweitet, um bei sozialen Bewegungen, politischen Entscheidungsträgern (<em>Die hohe Kunst der Korruption</em>), der Interaktion zwischen Völkern (<em>Russen und Deutsche</em>) und schließlich bei philosophischen Betrachtungen (<em>Der Gotteskomplex</em>) anzukommen. <em>Der Gotteskomplex</em> (1979) wird sein psychoanalytisch-sozialphilosophisches Hauptwerk, in dem er, auf <em>Eltern, Kind und Neurose</em> aufbauend, an Sigmund Freuds Begriff des »Prothesengottes« aus dem <em>Unbehagen in der Kultur</em> (1933) anknüpfend, sein Verständnis des Grundproblems des modernen Menschen entwickelt. Richters weit ausholende These setzt beim Übergang aus der religiösen Geborgenheit des Mittelalters in die aufgeklärte Neuzeit an. Nach dem Verlust der mittelalterlichen Gotteskindschaft floh der Mensch in die Identifizierung mit göttlicher Allmacht und Allwissenheit. Der Glaube an Gott wurde durch den Glauben an die Allmacht des Menschen ersetzt. »Die grandiose Selbstgewissheit des Ich ist an die Stelle der Geborgenheit in der großen idealisierten Elternfigur getreten. Das individuelle Ich wird zum Abbild Gottes.« Der Versuch, die Schattenseiten des Lebens – Alter, Krankheit, Gebrechlichkeit, Schwäche, Ohnmacht und schließlich der Tod – durch die übertriebene Betonung der entgegengesetzten Eigenschaften – Jugendlichkeit, Gesundheit, Fitness, Stärke, Macht und Todesverachtung – zu verleugnen, bezeichnet Richter als »Krankheit, nicht leiden zu können«. Wer aber nicht leiden will, der muss hassen und sucht sich dafür Sündenböcke, auf die er die eigenen verleugneten schwachen Seiten projizieren kann, so lautet seine psychoanalytisch fundierte Schlussfolgerung.</p>
<p><strong>Botschafter der Psychoanalyse</strong></p>
<p>Es bedarf eines großen Mutes und einer starken Selbstgewissheit, um mit der sozialen Isolationsdrohung und Ächtung fertig zu werden, die Richter aus der Professoren-Kollegenschaft der Ärzte, teilweise aber auch von seinen Psychoanalytiker-Kollegen nicht selten entgegenschlagen. Indem er sich beharrlich der Auseinandersetzung mit dieser Kollegenschaft stellt, gewinnt er die Kraft, sich von den Zwängen und Denkverboten, die die verschiedenen Rollen mit sich bringen, zu distanzieren. Ich schätze an Richter besonders, dass er ein Neuerer des psychoanalytischen Denkens ist, der den Kontakt zur Psychoanalyse nicht abgebrochen hat, der keine eigene, mehr oder weniger sektiererische Schule gegründet hat, wie es in der Geschichte der Psychoanalyse so häufig passiert ist. Vielmehr hat er seine Gedanken in den Strom der psychoanalytischen Diskussion einfließen lassen. Bezeichnenderweise ist er es, der nach seiner Emeritierung in Gießen von 1992 bis 2002 die Leitung des unmittelbar von der Schließung bedrohten Sigmund-Freud-Instituts in Frankfurt übernimmt und dieses in eine gesicherte Zukunft führt.</p>
<p>Richter wirkt in der Öffentlichkeit als ein Botschafter der Psychoanalyse, der in Deutschland neben Alexander und Margarete Mitscherlich wie kein anderer dazu beigetragen hat, dass psychoanalytische Argumente in der Öffentlichkeit Gehör finden. Mit seinen Publikationen, die sich an eine breite Leserschaft richten, betreibt er eine Art »psychoanalytischer Volksaufklärung«, wie sie in den Anfängen der psychoanalytischen Bewegung zum Selbstverständnis vieler Psychoanalytiker gehörte. Sowohl die Psychoanalyse in Deutschland als auch die Öffentlichkeit haben dem »psychoanalytischen Publizisten« Richter viel zu verdanken: Unzählige Menschen sind durch ihn darauf aufmerksam gemacht worden, dass es so etwas wie Psychoanalyse und psychotherapeutische Hilfe für ihre seelischen Probleme überhaupt gibt. Auf der anderen Seite wäre auch die psychoanalytische Gemeinschaft ohne den »politischen Psychoanalytiker« Richter ärmer: Seine Bücher und Ideen haben unsere Sensibilität für die Bedeutung sozialer und politischer Probleme bei der Bewältigung unserer unbewussten Konflikte geschärft und deutlich gemacht, dass die Psychoanalyse nicht in einem gesellschaftsfreien Raum existiert. Zugleich ermutigt und motiviert sein konstruktives politisches Engagement viele Menschen – außerhalb und innerhalb der Psychoanalyse –, eigene Initiativen zu ergreifen, um sich in gesellschaftliche Konflikte einzumischen.</p>
<p><strong>Horst-Eberhard Richter als Charismatiker</strong></p>
<p>Doch wie gelang es Horst-Eberhard Richter, über einen Zeitraum von fast 50 Jahren, so beständig und einflussreich in der öffentlichen Diskussion präsent zu bleiben, und das mit so belastenden Themen wie Randgruppen, Vorurteilen und Krieg? Dies hängt mit einer Eigenschaft zusammen, die der Soziologe Max Weber als Charisma bezeichnet. Die charismatische Persönlichkeit wird von einer besonderen Aura umgeben, die auf andere motivierend und faszinierend wirkt. Charismatische Persönlichkeiten haben die Vision einer besseren Zukunft, sie verfügen über Selbstvertrauen, Entschlossenheit und Ausdauer, sie besitzen eine außergewöhnliche Bereitschaft zum Risiko und scheuen keine persönlichen Wagnisse, sie leben ihre Vision vor, fungieren als Sprachrohr der Gemeinschaft und sind anregende Kommunikatoren, die ihre Botschaften einfallsreich und emotional ansprechend vermitteln. Richter verkörpert wie kaum ein Zweiter den Glauben und die Hoffnung auf eine bessere, friedlichere und gerechtere Welt, auch wenn er diese Utopie häufig in eine Frage kleidet: <em>Sind wir zum Frieden fähig? </em>(1980) oder:<em> Ist eine andere Welt möglich?</em> (2003). Richter ist deshalb häufig als »Gutmensch« belächelt worden. Das hat ihn zwar geärgert und gekränkt, aber er hat diese Bezeichnung auch als Auszeichnung verstanden und sich in der Rolle des »Mahners«, des »Gutmenschen«, des »Gewissens der Nation«, gar des »Psychotherapeuten der Nation« (Johannes Rau) wohlgefühlt.</p>
<p>Horst-Eberhard Richter war nicht nur der Mahner, der gesellschaftliche Missstände anprangert, sondern auch der Verkünder des Prinzips Hoffnung, der konkrete Modelle entwirft, wie etwas zum Besseren gewendet werden kann. Es ist diese besondere Kombination von mahnender Kritik und hoffnungsvollem Optimismus, die seinen Botschaften bei so vielen Menschen so große Resonanz beschert hat.</p>
<p><a href="http://web.psychosozial-verlag.de/psychosozial/index.php?parent=43&amp;sub=yes&amp;idcat=43&amp;lang=1&amp;&amp;idart=19&amp;idau=102">Weitere Werke von Horst-Eberhard Richter</a></p>
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		<title>Biografie: Anna Halprin</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Jan 2012 14:40:27 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Entwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Tanz]]></category>
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		<description><![CDATA[Seit Ende der 1930er Jahre ist der Tanz ein wichtiges Element der vielseitigen Karriere von Anna Halprin. Immer wieder hat sie revolutionäre Richtungen für diese Kunstform entwickelt und dabei andere Choreografen dazu inspiriert, den modernen Tanz in neue Dimensionen zu führen. Für James Roose Evans, den Autor von Experimental Theatre, zählt Anna zu den wichtigsten Theaterkünstlern des 20. Jahrhunderts&#8230; 1955 gründete Anna den bahnbrechenden San Francisco Dancer’s Workshop und 1978 gemeinsam mit ihrer Tochter Daria Halprin das Tamalpa Institute. Einige ihrer Schüler sind Meredith Monk, Trisha Brown, Yvonne Rainer, Simone Forti, Ruth Emmerson und Sally Gross, von denen sich einige in der progressiven und experimentellen Judson Church Group engagieren. Im Laufe der Jahre hat ihr berühmter, in Kalifornien unter freiem Himmel liegender Tanzboden zahlreichen Tänzern und Choreografen, darunter Merce Cunningham, Eiko &#38; Koma und Min Tanaka, sowie Komponisten wie John Cage, Luciano Berio, Terry Riley, LeMonte Young und Morton Subotnick oder visuellen Künstlern wie Robert Morris und Robert Whiteman, Dichtern wie Richard Brautigan, James Broughton und Michael McClure und zahllosen anderen als eine experimentelle Heimat gedient. Anna Halprin zählt zu den frühen Pionieren der Expressive Arts- Heilungsbewegung. Sie hat zahllose kollaborative Tanzprogramme mit unheilbar kranken Patienten durchgeführt und ist seit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Seit Ende der 1930er Jahre ist der Tanz ein wichtiges Element der vielseitigen Karriere von Anna Halprin. Immer wieder hat sie revolutionäre Richtungen für diese Kunstform entwickelt und dabei andere Choreografen dazu inspiriert, den modernen Tanz in neue Dimensionen zu führen. Für James Roose Evans, den Autor von Experimental Theatre, zählt Anna zu den wichtigsten Theaterkünstlern des 20. Jahrhunderts&#8230;<span id="more-3742"></span></p>
<p>1955 gründete Anna den bahnbrechenden San Francisco Dancer’s Workshop und 1978 gemeinsam mit ihrer Tochter Daria Halprin das Tamalpa Institute.</p>
<p>Einige ihrer Schüler sind Meredith Monk, Trisha Brown, Yvonne Rainer, Simone Forti, Ruth Emmerson und Sally Gross, von denen sich einige in der progressiven und experimentellen Judson Church Group engagieren. Im Laufe der Jahre hat ihr berühmter, in Kalifornien unter freiem Himmel liegender Tanzboden zahlreichen Tänzern und Choreografen, darunter Merce Cunningham, Eiko &amp; Koma und Min Tanaka, sowie Komponisten wie John Cage, Luciano Berio, Terry Riley, LeMonte Young und Morton Subotnick oder visuellen Künstlern wie Robert Morris und Robert Whiteman, Dichtern wie Richard Brautigan, James Broughton und Michael McClure und zahllosen anderen als eine experimentelle Heimat gedient.</p>
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<p>Anna Halprin zählt zu den frühen Pionieren der <strong>Expressive Arts- Heilungsbewegung</strong>. Sie hat zahllose kollaborative Tanzprogramme mit unheilbar kranken Patienten durchgeführt und ist seit langem davon über- zeugt, dass eine <strong>Verbindung zwischen der Bewegung und der Heilkraft des Tanzes</strong> besteht. Neben dem Tanz sowie Innovationen am Theater hat Halprin sich außerdem zahlreichen sozialen Themen gewidmet. In den letzten zehn Jahren hat sie mit „Circle the Earth“ ein zeitgenössisches Tanzritual in Städten und Gemeinden geleitet, mit dem reale Themen angesprochen werden, mit denen sich die teilnehmenden Gemeinden auf der ganzen Welt konfrontiert sehen. Ihr „Planetary Dance: A Prayer for Peace“, ein Gebet um Frieden zwischen den verschiedenen Völkern der Erde, wurde in Berlin bei einer Veranstaltung anlässlich des 50. Jahrestages der Unterzeichnung des Potsdamer Vertrags, der den Zweiten Weltkrieg beendete, unter Mitwirkung von 400 Teilnehmern aufgeführt.<br />
1995 wurde sie von Michael Gorbatschow gebeten, eine Invokation beim State of the World Forum in Kalifornien aufzuführen.</p>
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<p>Anna Halprin hat neue Richtungen für den Tanz gefunden und ist diesen Pfaden mutig in unbekannte Gebiete gefolgt, stets dazu bereit, ihre Arbeit dem jeweiligen Moment anzupassen – eine Philosophie, die zu einer umfassenden Neudefinition des Tanzes geführt hat.</p>
<blockquote><p><em>Anna Halprin:</em><br />
<em> „Ich glaube, wenn mehr von uns in einer auf direkten Erfahrungen beruhenden Weise mit der Natur in Kontakt treten könnten, würde dies die Art, wie wir mit unserer Umwelt, uns selbst und anderen umgehen, verändern.“</em></p></blockquote>
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<p>Halprin hat 150 komplette Tanzwerke für das Theater geschaffen, die ausführlich in Büchern sowie auf Fotos und Film dokumentiert sind. Sie hat zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen erhalten, einschließlich einer Auszeichnung für ihr Lebenswerk als Choreografin des American Dance Festivals. Sie hat drei Bücher geschrieben, Videos über ihre Arbeit veröffentlicht und verschiedene Ehrungen von der Nationalen Kunststiftung der USA, der Guggenheim Foundation, dem American Dance Guild und vielen anderen verliehen bekommen. 1997 wurde Anna Halprin vom American Dance Festival mit dem Samuel H. Scripps Award for Lifetime Achievement „America’s Irreplaceable Dance Treasures“ aufgenommen.</p>
<blockquote><p><em>Anna Halprin:</em><br />
<em> „Ich empfinde eine beständige Liebe zum Tanz und zu seiner Fähigkeit, zu lehren, zu inspirieren, zu heilen und zu transformieren. Mein Leben lang habe ich mit Leidenschaft und Hingabe die Natur des Tanzes und die Frage erforscht, warum er als Lebenskraft so wichtig ist. Ich finde es außerordentlich spannend, meine tiefe Liebe zum Tanz mit ganz normalen und sehr unterschiedlichen Menschen zu teilen. Ihre einzigartige Kreativität inspiriert mich dazu, Tänze zu entwickeln, die aus unserem Leben heraus entstehen. Ich möchte Leben und Kunst ineinander verflechten, damit unser Leben sich so vertieft wie unsere Kunst wächst und unsere Kunst so wächst wie unser Leben sich vertieft.“</em></p></blockquote>
<p>Anna Halprin setzt ihre revolutionäre Arbeit bei der Erkundung der Schönheit des alternden Körpers und seiner Beziehung zur Natur fort. Zu ihren jüngsten Arbeiten zählt das preisgekrönte Video „Returning Home“.</p>
<p>Im September 2004 führte sie das konfrontative „Intensive Care: Reflections on Death and Dying“ beim Festival D’Automne in Paris auf.</p>
<p><em>Jom Kipur / Schofar</em></p>
<p><iframe width="456" height="257" src="http://www.youtube.com/embed/-uqaDMmXMcA?fs=1&#038;feature=oembed" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>2005 entwickelte Anna eine auf Film festgehaltene Performance mit dem Titel „Seniors Rocking“. 2006 zeigte das Museum of Contemporary Art eine umfassende Ausstellung über ihr Lebenswerk.<br />
Auch im hohen Alter von fast 90 Jahren tritt Anna Halprin weiter auf, reist und unterrichtet mit Leidenschaft. Sie kostet dabei jeden Augenblick ihres Lebens aus, getreu ihrem Motto: „<strong>Altern ist wie eine Erleuchtung mit vorgehaltener Pistole</strong>“.</p>
<p><iframe width="456" height="342" src="http://www.youtube.com/embed/_1bnEpgSzn0?fs=1&#038;feature=oembed" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
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<blockquote><p><em>Anna Halprin:</em><br />
<em>„Während ich auf der Bank mit Blick über meinen Tanzboden sitze, entsteht eine Flut von Fragen. Was kommt jetzt? Wohin gehe ich? Wie sieht meine Arbeit heute aus, wo ich siebenundachtzig bin? Was tun alte Menschen in anderen Kulturen? Die Jugend lehren, Kranke heilen, sich um das Land kümmern, Rituale abhalten, mit den Ahnen sprechen und die Familie erhalten. Ich führe alle diese Aufgaben aus und rufe die Geister, wo immer sie sein mögen, was immer das bedeuten mag, und in welcher Form sie sich auch zeigen mögen, um mir weiter den Weg zu weisen in dieser Evolution des Tanzes, der ich mein Leben gewidmet habe. Ich glaube weiterhin an das strahlende Potenzial, das durch all diese Arbeit freigesetzt wird, in seiner Entwicklung von der Rebellion über Entfaltung bis hin zur Gemeinschaft, zum Heilen und wieder zurück zur Natur.“</em></p></blockquote>
<p><a href="http://www.pharmacon.net/2012/01/anna-halprin-2/"><em>Click here to view the embedded video.</em></a></p>
]]></content:encoded>
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		<title>Anna Halprin: Den Atem sichtbar machen</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Jan 2012 14:04:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Psychotherapie]]></category>
		<category><![CDATA[Angst]]></category>
		<category><![CDATA[Krebs]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Musiktherapie]]></category>
		<category><![CDATA[Tanz]]></category>
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		<description><![CDATA[Seit mehr als sieben Jahrzehnten stellt sich die mittlerweile fast neunzigjährige Anna Halprin die Frage: Was ist Tanz? Ihre Suche nach einer Antwort hat in den USA eine Ära der Experimente in Theater, Musik, Happening und Performance-Kunst eingeleitet und den Tanz neu definiert&#8230; BREATH MADE VISIBLE Ein Film von Ruedi Gerber Dokumentation über die amerikanische Tanzpionierin Anna Halprin, die seit über 70 Jahren auf den Bühnen dieser Welt steht. Zusammen mit ihrem Mann, dem renommierten Landschaftsarchitekten Lawrence Halprin (Roosevelt Memorial), entwickelte sie neues Gedankengut, das Generationen von Künstlern beeinflusst hat. BREATH MADE VISIBLE ist ein bewegendes Filmporträt über Anna Halprin, der Tanzpionierin aus den USA, die inzwischen über 90 Jahre als ist. Ein Leben in Tänzen In eindringlichen Bildern und Zeugnissen wird das Leben und Werk dieser Tanz- und Performance-Ikone porträtiert, die ihre Kunst und ihr Leben untrennbar miteinander verschmolzen hat. Die Dokumentation des schweizerischen Filmemacher Ruedi Gerber verbindet neue Interviews und Bühnenauftritte mit frühen Performances von Anna Halprin. Bisher unveröffentlichtes Archivmaterial eröffnet zudem Einblicke in die Geschichte der gesellschaftlich engagierten Tanzkunst Nordamerikas. Anna Halprin fragt: „Was ist das wichtigste im Leben?“ Sie macht uns in ihrem hohen Alter Mut und zeigt, wie uns die ungebrochene Kraft des Tanzes nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Seit mehr als sieben Jahrzehnten stellt sich die mittlerweile fast neunzigjährige Anna Halprin die Frage: Was ist Tanz? Ihre Suche nach einer Antwort hat in den USA eine Ära der Experimente in Theater, Musik, Happening und Performance-Kunst eingeleitet und den Tanz neu definiert&#8230;<span id="more-3644"></span></p>
<p><a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/B0042SFNNU"><span style="font-size: medium;"><strong>BREATH MADE VISIBLE</strong></span></a><br />
Ein Film von Ruedi Gerber</p>
<p><strong></strong>Dokumentation über die amerikanische Tanzpionierin Anna Halprin, die seit über 70 Jahren auf den Bühnen dieser Welt steht.</p>
<p>Zusammen mit ihrem Mann, dem renommierten Landschaftsarchitekten Lawrence Halprin (Roosevelt Memorial), entwickelte sie neues Gedankengut, das Generationen von Künstlern beeinflusst hat. BREATH MADE VISIBLE ist ein bewegendes Filmporträt über Anna Halprin, der Tanzpionierin aus den USA, die inzwischen über 90 Jahre als ist.</p>
<p><strong>Ein Leben in Tänzen</strong></p>
<p>In eindringlichen Bildern und Zeugnissen wird das Leben und Werk dieser Tanz- und Performance-Ikone porträtiert, die ihre Kunst und ihr Leben untrennbar miteinander verschmolzen hat. Die Dokumentation des schweizerischen Filmemacher Ruedi Gerber verbindet neue Interviews und Bühnenauftritte mit frühen Performances von Anna Halprin. Bisher unveröffentlichtes Archivmaterial eröffnet zudem Einblicke in die Geschichte der gesellschaftlich engagierten Tanzkunst Nordamerikas.</p>
<p>Anna Halprin fragt: „Was ist das wichtigste im Leben?“<br />
Sie macht uns in ihrem hohen Alter Mut und zeigt, wie uns die ungebrochene Kraft des Tanzes nicht nur helfen kann, mit unserem Leben umzugehen, sondern es auch zu transformieren und uns dabei im 21. Jahrhundert treu zu bleiben.</p>
<p><a href="http://www.pharmacon.net/2012/01/anna-halprin/"><em>Click here to view the embedded video.</em></a></p>
<p>Merce Cunningham bezeichnet sie als Prophetin und Philosophin und ihre Tochter Daria Halprin, die als Schauspielerin auch in Antonionis Meisterwerk „Zabriskie Point“ zu sehen war, wirft einen kritischen Blick auf die wilden Workshops der 1960er Jahre. Der Film führt von Halprins ersten komischen Tänzen und experimentellen Performances auf einem Tanzboden unter kalifornischen Mammutbäumen über ihre Aufsehen erregenden Tourneen in Europa, ihren Rückzug von der Bühne wegen Krankheit, bis zur triumphalen Rückkehr auf die Bühne.</p>
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<p>Halprin betrachtet den Tanz als Antwort auf die Kräfte unseres sozialen und natürlichen Umfelds. Improvisation und Experiment sind ihr die wichtigsten Mittel des kreativen Ausdrucks. Früh verbindet Halprin in ihren Choreografien alltägliche Gesten und Bewegungen mit persönlichen Geschichten. Ihre Bühne waren und sind der Ozean, ein Fahrrad, eine Küche. Unvergesslich zum Beispiel, wie sie sich an der Pazifikküste mit 82 Jahren den Wellen hingibt und daraus eine Performance kreiert.<br />
Bereits in den 1950er Jahren gründet sie den später weltberühmten San Francisco Dancers Workshop. Ihre Truppe, zu der John Graham und A.A. Leath gehörten, macht Furore in Schweden und die Nacktheit als neues Ausdrucksmittel provoziert Skandale in den USA. In dieser Zeit arbeitet Anna Halprin zusammen mit Musikern wie John Cage, La Monte Young, Terry Riley and Morton Subotnick. Sie inspirieren sich gegenseitig. Die Truppe schwingt sich von Dächern, tanzt in der „La Fenice“ in Venedig (Musik: Luciano Berio) und balanciert auf dem Gerüst eines Frachthangars am Flughafen von San Francisco. In den späten 1960er Jahren gründet Halprin dann die erste multikulturelle Company – Schwarz und Weiß finden sich im Tanz.</p>
<blockquote><p><em>„Before I had cancer I lived my life for my art, after I had cancer I lived my art for my life“.</em></p></blockquote>
<p>Mit fünfzig Jahren erkrankt Anna Halprin schwer. Sie sagt, sie habe sich den Weg zur Heilung frei getanzt. Von der Bühne verabschiedet sie sich für längere Zeit. Tanz wird für Halprin Mittel zur Heilung. Sie beginnt als Lehrerin mit Krebs- und Aidskranken zu arbeiten und später mit älteren Menschen. Bis plötzlich ihr Ehemann Lawrence Halprin erkrankt. Die Besuche an seinem Krankenbett inspirieren sie 2004 zur Choreografie „Intensive Care“: Halprin, nun über 80, kehrt mit großem Erfolg auf die Bühne zurück! In den folgenden Jahren tritt sie in Paris, San Francisco und Washington auf, und in New York ruft sie im großen Joyce Theater während ihres 15-minütigen Solo ins Publikum: „Es sind noch so viele Tänze zu machen!“</p>
<p><strong>Was sagt der Regisseur?</strong></p>
<p>BREATH MADE VISIBLE ist ein Film über die höchst lebendige Legende Anna Halprin, eine der einflussreichsten, jedoch viel zu wenig bekannten Größen des modernen Tanzes. BREATH MADE VISIBLE ist mehr als ein Film über Tanz: ein Film über das Leben an sich, darüber, was uns wirklich wichtig ist und wie wir heute mit dem Leben umgehen. Im Zentrum geht es um unsere Werte und darum, wie wir authentisch bleiben und uns im 21. Jahrhundert selbst erleben können.</p>
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<p>Als Leute, die Anna kannten, von meinem Filmprojekt erfuhren, waren Freude und Aufregung groß. Meine Absicht war es allerdings auch, einen Film für Leute zu machen, denen Anna gänzlich unbekannt ist. Ich wollte keinen biografischen Lehrfilm, sondern das Publikum wie bei einem Spielfilm emotional einbinden. Ich wollte die Zuschauer durch Annas charismatische Persönlichkeit unmittelbar berühren und das Publikum mitnehmen in ihr kreatives, in den Wäldern Nordkaliforniens verborgenes Leben. Dorthin, wo Anna gerne im Einklang mit der freien Natur arbeitet und von wo aus sie in die Welt hinaus geht, auf die großen Bühnen von New York, Venedig, Stockholm, Paris und Washington.</p>
<p><a href="http://www.pharmacon.net/2012/01/anna-halprin/"><em>Click here to view the embedded video.</em></a></p>
<p>In ihren Darbietungen in der Natur der Westküste, in denen die Künstlerin ihre Seele öffnet und sich verletzlich zeigt, erfahren wir Anna umfassend – ihre humorvolle, freudige Art und ihre tiefe emotionale Zugänglichkeit. In ihren Interviews hingegen ist sie sehr bestimmt, getrieben von dem Wunsch, sich sehr klar und deutlich auszudrücken.<br />
Als unvergleichliche Tanzerzieherin bekannt, die den Tanz sogar als Mittel zur Heilung nutzt – manche nennen sie eine Schamanin –, ist sie in meinen Augen eine sehr ungewöhnliche Performancekünstlerin. Ich wollte sie von Anfang in meinem Film als solche präsentieren. Ihr Wissen und ihre Weisheit bezieht sie aus ihrer jahrzehntelangen Erfahrung mit Tanz und Performance. Später, im Schneideraum, wurde mir klar, dass ich mehr als genug faszinierendes Material beisammen hatte, um die Ge- schichte ihres Lebens anhand ihrer sehr berührenden Performances und Auftritte erzählen zu können.</p>
<p>Ich wollte Anna auf ihre einzigartige Weise durch ihr eigenes Leben tanzen lassen. In diesem Film wird der Tanz zum Vehikel, um das Leben selbst anzusprechen und all das, was im Leben wirklich wichtig ist. Tanz bringt Menschen zusammen, er schafft Gemeinschaft. Merce Cunningham sagt: „Anna ist eine Prophetin, eine Philosophin“.<br />
1982, als ich Anna kennen lernte, trat sie nicht mehr öffentlich auf. Sie war mit der Entwicklung von Tanz als Therapie und als Mittel zur Heilung beschäftigt und sollte damit der Welt der Kunst- und Tanztherapie entscheidende Impulse liefern. Ich selbst war damals Bühnenschauspieler am deutschen Staatstheater und betrachtete sie als eine Performancekünstlerin, die – mittels Bewegung – die Überschneidungen von Theater und Tanz mit dem gelebten Leben erforschte. Ich wiederum war schon immer leidenschaftlich am Umgang mit Echtzeit und authentischer Improvisation auf der Bühne interessiert. Schnell war ich von Anna gefesselt. Während einige meiner Freunde ihr in den 1980er Jahren das Etikett New Age verpassten, nahm ich eher wahr, wie sie die Grenzen des Theaters erweiterte und ihrer Zeit weit voraus war. Sie hatte die Fähigkeit, die Kreativität anderer Menschen freizusetzen. Schließlich beeinflusste mich dies ein paar Jahre später bei meinem Entschluss, Filmemacher zu werden und so weiterhin mit Fiktion und Wirklichkeit zu spielen.</p>
<p>In den nächsten zwanzig Jahren hatten Anna und ich nur losen Kontakt, bis zum Februar 2002, als ich es zu ihrer Show im Joyce Theater schaffte.<br />
Da war sie wieder und sogar die New York Times berichtete über sie! Es war unglaublich, mit über achtzig Jahren kehrte sie auf die Bühne und damit zu ihren Anfängen zurück! Für ihren Eröffnungsauftritt führte sie mit Iko und Komo ein Stück im Butoh-Stil auf. Danach folgte ein 15-minütiges Solo, in dem sie ihre Lebensgeschichte tanzte und erzählte. Im Laufe des Stücks bemerkte ich, dass manchen Zuschauern die Tränen kamen. Und plötzlich fühlte auch ich mich tief von dieser Frau berührt. In einer Welt von Posen und konkurrierenden Stilisierungen war die Präsenz von jemandem, den ich als ganz und gar authentisch empfand und dessen Botschaft universell war, eine erholsame Befreiung. Das Publikum spürte ihre Unmittelbarkeit, ihre direkte, auf ihrem Alltag beruhende Kunst (mit Wurzeln auch in der Pop-Art).<br />
Ich fragte mich, warum nicht mehr Leute außerhalb der Tanz- und Kunsttherapie-Welt sie kannten. Ihre Show weckte in mir den Wunsch, einen Film zu machen, der das Publikum so berühren würde, wie Annas Auftritte ihr Publikum berührten. Als ich von Anna erfuhr, dass niemand ihre Performance per Video aufgenommen hatte, organisierte ich schnell Aufnahmen für den letzten Abend. Es war zu spät, um eine Erlaubnis zum Dreh hinter den Seitenkulissen zu erhalten, aber wir konnten aus einer Ecke hinter dem Publikum filmen. Als mich Anna später einlud, im kommenden Sommer an ihrem Workshop teilzunehmen, zögerte ich. Ich hatte gerade meinen ersten Spielfilm fertig gestellt, „Heartbreak Hospital“, und fühlte mich nicht genügend in Form, um mit professionellen Tänzern aus Japan, Australien, Frankreich und verschiedenen Teilen der USA zu tanzen und zu performen.<br />
Schließlich nahm ich aber ihre Einladung an. Da ich eine einzigartige Gelegenheit kommen sah, nahm ich eine Filmkamera mit.</p>
<p>Unglücklicherweise hatten einige wenige Workshop-Teilnehmer etwas gegen die Anwesenheit der Kamera. „Dies ist ein Laboratorium, wo wir uns völlig frei fühlen sollten“, sagten sie. Anna versuchte sie umzustimmen, aber schlussendlich mussten wir den Wunsch derjenigen respektieren, die lieber nicht gefilmt werden wollten. Wieder trat ich in die Falle und verwechselte Leben und Kunst, gleichzeitig entschied ich aber für mich, dass der Film genau dieser Überschneidung dicht folgen würde.<br />
Annas Workshop in den frühen 1980er Jahren, der in einem Wald mit Mammutbäumen sowie am Strand von Nordkalifornien stattfand, erwies sich als Erfahrung, die mir zwanzig Jahre später die Augen öffnen sollte.<br />
Ich realisierte, wie sie ihre Vision im Umgang mit Bewegung und Performance schärfte, um authentische persönliche Erfahrungen mit ihrer Kunst zu kommunizieren und universell zu machen. Am Ende des Workshops von 2004 fragte ich Anna, ob sie mir erlauben würde, einen Film über ihr Leben zu machen. „Okay“, sagte sie, „aber du musst dich beeilen, ich bin schon 83!“ Ein paar Monate später schickte ich ihr eine formelle Vereinbarung und war überrascht, als sie nicht unterschreiben wollte. Ein französischer Journalist verfolgte wegen eines Theater- und Tanzfestivals im Centre Pompidou in Paris bereits ein ähnliches Projekt.<br />
Enttäuscht gab ich die Idee auf.</p>
<p>2005 kehrte ich nach San Francisco zurück, um an Annas jährlichem Workshop teilzunehmen. In diesem Sommer fragte mich Anna, ob ich mit ihr zusammen an einem Film mit dem Titel „Seniors Rocking“ arbeiten wolle. Es ging um ein Tanzstück, das sie kreiert hatte, um älteren Menschen zu helfen, ihre Klischeevorstellungen vom Älterwerden zu überwinden. Sie wollte mir das Exklusivrecht zum Filmen dieser Performance mit 50 Teilnehmern im Alter zwischen 65 und 100 geben, die in Schaukelstühlen bei einer Lagune auftreten sollten. Ihr Konzept für den Film war es, die Performance um die persönlichen Geschichten der Teilnehmer zu erweitern und so der Frage nachzugehen: Was ist das Wichtigste im Leben? Sie suchte nach Geschichten, die von Herzen kamen, und Botschaften, welche die Teilnehmer ihren Kindern, Enkeln und Freunden hinterlassen wollten.<br />
Da ich Anna inzwischen bereits gut kannte und wusste, wie sie eine persönliche Frage in ein großes Ereignis zu verwandeln vermag, machte ich sie darauf aufmerksam, dass dieses Projekt auch ihr Vermächtnis berühre; erneut kündigte ich mein Interesse an, ihr Leben zu dokumentieren. Anna überlegte einen Moment, dann plötzlich lud sie mich und meine Kamera zu sich nach Hause ein. Sie erklärte sich nicht nur dazu bereit, mir Zugang zu ihrer Vergangenheit und ihrem Werk zu gewähren, sondern auch, dass ich ihren Mann, den bekannten Architekten Lawrence Halprin, in das Projekt mit einbeziehe. Seit jenem Nachmittag, als Anna mich in ihrer Küche willkommen hieß, hat sie mir eine Tür ihres Lebens nach der anderen geöffnet. Dies führte dazu, dass ich nicht nur „Seniors Rocking“, sondern auch alle ihre wichtigen Shows, Vorlesungen und Workshops, ihre Performances in San Francisco, ihre Arbeit in der Natur, ihre verschiedenen Unterrichtsklassen, ihr jüngstes Werk „Rodin“, sowie den 90. Geburtstag ihres Mannes und ihre Arztbesuche mit einbeziehen konnte! Ich entdeckte, wie verflochten Annas persönliches Leben mit ihrem Leben als Künstlerin tatsächlich war. „Es besteht keine wirkliche Trennung“, wie eine ihrer Töchter ironisch erklärt. Anna Halprin pflegt, was sie als Leben- Kunst-Prozess bezeichnet, und integriert die Auf und Abs in ihrem Leben kontinuierlich in ihre kreative Arbeit. Im letzten Stadium ihres Lebens beschäftigt sie sich heute mit den Themen Altern und Tod. In „Intensive Care“ schafft sie es, die Furcht vor dem Tod ihres Mannes mit ihrer eigenen Angst vor dem Tod in eine kraftvolle und zugleich universell gültige Choreografie umzusetzen. Mit 85 Jahren spielt sie am Ende des Stücks ihren eigenen Tod. Damit kreiert sie nicht nur einen unvergesslichen, visuellen Höhepunkt des Stücks (wie auch unseres Films), sondern macht uns zugleich bewusst, dass wir nicht wegschauen dürfen – vor allem nicht vor uns selbst.</p>
<p>Anna Halprin ist eine leidenschaftliche, besessene Künstlerin, die ihr ganzes Leben in ihre Kunst und ihre ganze Kunst in ihr Leben verpackt.</p>
<p>Mit ihren Performances fragt Anna auch nach der wahren Bedeutung des Lebens. Wie kann Kunst uns helfen, mit dem Leben zurechtzukommen? Warum machen wir Kunst? In einem späten Interview sagte Anna, sie hoffe, es werde ihr Vermächtnis sein, den Tanz neu definiert zu haben. Diese Neudefinition schaffen nicht nur junge Körper auf der Bühne, nein, sie vollzieht sich in jedem Alter und potenziell überall.<br />
Das Ergebnis ist ein Film, der nicht nur Annas einzigartige Geschichte von ihren wegweisenden Performances der 1950er- und 1960er Jahre bis zu ihren aktuellen Soloperformances vor uns entfaltet, sondern auch erzählt, wie ihr Leben und Werk die wahre Bedeutung von Tanz illustrieren sowie dessen Macht, uns zu helfen, nicht nur unser Leben zu bewältigen, sondern es auch zu verändern und uns selbst dabei treu zu bleiben.</p>
<p><em>Ruedi Gerber hat bereits verschiedene preisgekrönte Dokumentarfilme gedreht, darunter: „Meta-Mecano“ (1997), ein Film über Jean Tinguelys und Niki de Saint Phalles Einzug in das von Mario Botta gebaute Tinguely Museum, „Living with the Spill“, eine Dokumentation über die Ölpest vor der Küste Alaskas für den Britischen Sender Channel 4.</em><br />
<em> Darüber hinaus hat Ruedi Gerber bei einer Anzahl preisgekrönter Kurzspielfilme Regie geführt: „Café Mecanique“, eine traumähnliche Geschichte über die abendliche Begegnung zwischen einem Mann und einer Frau zur Musik von Carla Bley, und „Midnight Barbeque“, eine im Thriller-Stil gehaltene Parodie auf William Burroughs an Wilhelm Tell erinnernde wahre Lebensgeschichte. „Communication At Your Workplace“ war eine preisgekrönte Auftragsserie von kurzen Comedy-Filmen zum Thema Misskommunikation.</em></p>
<p><strong>[<a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/B0042SFNNU">DVD BESTELLEN?</a>]</strong></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Persönlichkeitsstörungen verstehen: Zum Umgang mit schwierigen Klienten</title>
		<link>http://www.pharmacon.net/2011/12/persoenlichkeitsstoerung/</link>
		<comments>http://www.pharmacon.net/2011/12/persoenlichkeitsstoerung/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 28 Dec 2011 23:52:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Psychotherapie]]></category>
		<category><![CDATA[Entwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Gestalt]]></category>
		<category><![CDATA[Kontakt]]></category>
		<category><![CDATA[Psychiatrie]]></category>

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		<description><![CDATA[Patienten mit Persönlichkeitsstörungen gelten als schwierig und »nervig«. Sie stehen im Ruf, psychiatrische Teams aufzumischen und schwer behandelbar zu sein. Rainer Sachse zeigt, wie man Verständnis und Zugang zu diesen Menschen entwickeln kann. Für ihn stellen sich Persönlichkeitsstörungen im Kern als Beziehungsstörungen dar&#8230; Rainer Sachse Anhand des von ihm entwickelten Modells der doppelten Handlungsregulation zeichnet er nach, wie diese ungünstigen Beziehungsmuster entstehen, in der Familie verstärkt werden, sich im späteren Verlauf der Biografie entwickeln und welche Probleme daraus für Klienten mit Persönlichkeitsstörungen und die Menschen, die mit ihnen umgehen, entstehen. In je eigenen Kapiteln werden die unterschiedlichen Persönlichkeitsstile und die ihnen spezifischen Ausprägungen beschrieben und erklärt. Zahlreiche Beispiele illustrieren die Beziehungsfallen und Tests, mit denen Therapeuten und psychosoziale Profis häufig konfrontiert werden, und zeigen, wie man konstruktiv damit umgehen kann. Kapitel zu den speziellen Problemen bei der Team- und Angehörigenarbeit runden das Buch ab. Zielgruppen: Professionell-psychiatrisch Tätige in stationären und ambulanten Settings: Krankenschwestern und -pfleger, Erzieher, Sozialarbeiter und -pädagogen, ärztliche und psychologische Therapeuten. Die Berücksichtigung und Würdigung der Pflegekräfte, die ja oft mehr alltäglichen Kontakt mit den Klienten haben, ist ein besonderes Verdienst dieses Buches. [BESTELLEN?] Das Buch ist gut strukturiert aufgebaut. Erkenntnisse und Begriffe werden zunächst genau in ihrer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Patienten mit Persönlichkeitsstörungen gelten als schwierig und »nervig«. Sie stehen im Ruf, psychiatrische Teams aufzumischen und schwer behandelbar zu sein. Rainer Sachse zeigt, wie man Verständnis und Zugang zu diesen Menschen entwickeln kann. Für ihn stellen sich Persönlichkeitsstörungen im Kern als Beziehungsstörungen dar&#8230;<span id="more-3699"></span></p>
<p><em><a href="http://www.psychiatrie-verlag.de/autorenautorinnen/details/author/rainer-sachse.html">Rainer Sachse</a></em></p>
<p>Anhand des von ihm entwickelten Modells der doppelten Handlungsregulation zeichnet er nach, wie diese ungünstigen Beziehungsmuster entstehen, in der Familie verstärkt werden, sich im späteren Verlauf der Biografie entwickeln und welche Probleme daraus für Klienten mit Persönlichkeitsstörungen und die Menschen, die mit ihnen umgehen, entstehen.</p>
<p>In je eigenen Kapiteln werden die unterschiedlichen Persönlichkeitsstile und die ihnen spezifischen Ausprägungen beschrieben und erklärt. Zahlreiche Beispiele illustrieren die Beziehungsfallen und Tests, mit denen Therapeuten und psychosoziale Profis häufig konfrontiert werden, und zeigen, wie man konstruktiv damit umgehen kann. Kapitel zu den speziellen Problemen bei der Team- und Angehörigenarbeit runden das Buch ab.</p>
<p>Zielgruppen: Professionell-psychiatrisch Tätige in stationären und ambulanten Settings: Krankenschwestern und -pfleger, Erzieher, Sozialarbeiter und -pädagogen, ärztliche und psychologische Therapeuten. Die Berücksichtigung und Würdigung der Pflegekräfte, die ja oft mehr alltäglichen Kontakt mit den Klienten haben, ist ein besonderes Verdienst dieses Buches.</p>
<p><strong>[<a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3884145088">BESTELLEN?</a>]</strong></p>
<blockquote><p>Das Buch ist gut strukturiert aufgebaut. Erkenntnisse und Begriffe werden zunächst genau in ihrer Verwendung und Bedeutung erklärt und dann weiter verwendet. Die Erklärungen fallen manchmal zu genau und somit zu lang aus, aber bieten so auch Themenneulingen die Möglichkeit, alles genau zu verstehen. Der Aufbau des Buches hat aber auch seine Tücken: Es ist kein Buch zum Hineinschnuppern oder Querlesen, sondern muss »gezwungenermaßen« einmal durchgelesen werden. Da der Inhalt aber auch sehr lesenswert ist, ist dies nicht unbedingt von großem Nachteil.<br />
<em>Kadriye Kaynak in Sozialpsychiatrische Informationen</em></p>
<p>Das Buch von Prof. Dr. Rainer Sachse hilft, Zusammenhänge zu erkennen und Behandlungsmöglichkeiten danach auszurichten. Ein Buch, das Hoffnung macht.<br />
<em>Dr. Verena Liebers im Eppendorfer</em></p></blockquote>
<p>Prof. Dr. Rainer Sachse, Jg. 1948, ist Leiter des Instituts für Psychologische Psychotherapie (IPP) in Bochum, Therapeut und Supervisor im Zentrum für Psychotherapie der Ruhr-Universität Bochum, Dozent in postgradualen Ausbildungsgängen in Amsterdam, Basel, Bern, Bochum, Bonn, Dresden, Frankfurt, Freiburg, Gent, Toronto und Zürich. Zahlreiche Veröffentlichungen vor allem zur Psychotherapieforschung und zur therapeutischen Beziehungsgestaltung.</p>
<p>Aktuelle Arbeitsschwerpunkte: Konzeptentwicklung in der Klärungsorientierten Psychotherapie, Persönlichkeitsstörungen, Psychosomatik und Prozessforschung.</p>
<p><strong>[<a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3884145088">BESTELLEN?</a>]</strong></p>
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		<title>Frei von stereotyper Erwartung: Liebe</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Dec 2011 12:25:38 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Die Formen, in denen sich die Liebe manifestiert, reicht von der unverbindlichen Freundlichkeit über Verführung, Sexualspiele, Ergebenheit, bis hin zum süchtigmachenden Zustand des Verliebtseins. Ohne die süchtigmachenden Eigenschaften der Liebe würde ein Großteil des Risikos, das das Lieben enthält, verschwinden &#8211; sowohl in wie auch außerhalb der Therapie&#8230; pp. 184, Erving und Miriam Polster, Gestalttherapie Innerhalb der Therapie, wo Liebe praktisch unausweichlich ist, kann man lernen, zwischen Liebe und Abhängigkeit, Liebe und Besessenheit und vielleicht sogar zwischen Liebe und Sexualität zu unterscheiden. Der Durcharbeitungsprozeß verlangt vom Betreffenden, daß er Gefühlsregungen als ein Produkt seiner Persönlichkeit akzeptiert und daß er erkennt, daß seine Gefühle auf so viele Arten zu befriedigen sind, wie seine Findigkeit nur erdenken kann. Wenn er unter den günstigen Bedingungen der Therapie seinen gewohnheitsmäßigen Widerstand gegen die Liebe überwunden hat, dann hat er entdeckt, wie er das Lieben ohne List, Strategie oder Stereotype erfahren kann. Wenn er einmal über die reinen Konventionen des Liebens hinausgegangen ist, dann wird er fähiger, alle Befriedigungen zu erlangen, die therapeutische Beziehung trotz ihrer natürlichen Grenzen bietet. Wenn dann die gleichen Gefühle anderswo auftauchen &#8211; solange sie nicht an irgendwelchen vorgeformten Arten der Liebe hängenbleiben -, sind die Chancen zur Befriedigung im allgemeinen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p dir="LTR">Die Formen, in denen sich die Liebe manifestiert, reicht von der unverbindlichen Freundlichkeit über Verführung, Sexualspiele, Ergebenheit, bis hin zum süchtigmachenden Zustand des Verliebtseins. Ohne die süchtigmachenden Eigenschaften der Liebe würde ein Großteil des Risikos, das das Lieben enthält, verschwinden &#8211; sowohl in wie auch außerhalb der Therapie&#8230;<span id="more-3685"></span></p>
<p dir="LTR"><a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3872948725"><em>pp. 184, Erving und Miriam Polster, Gestalttherapie</em></a></p>
<p dir="LTR">Innerhalb der Therapie, wo Liebe praktisch unausweichlich ist, kann man lernen, zwischen Liebe und Abhängigkeit, Liebe und Besessenheit und vielleicht sogar zwischen Liebe und Sexualität zu unterscheiden. Der Durcharbeitungsprozeß verlangt vom Betreffenden, daß er Gefühlsregungen als ein Produkt seiner Persönlichkeit akzeptiert und daß er erkennt, daß seine Gefühle auf so viele Arten zu befriedigen sind, wie seine Findigkeit nur erdenken kann.</p>
<p dir="LTR">Wenn er unter den günstigen Bedingungen der Therapie seinen gewohnheitsmäßigen Widerstand gegen die Liebe überwunden hat, dann hat er entdeckt, wie er das Lieben ohne List, Strategie oder Stereotype erfahren kann. Wenn er einmal über die reinen Konventionen des Liebens hinausgegangen ist, dann wird er fähiger, alle Befriedigungen zu erlangen, die therapeutische Beziehung trotz ihrer natürlichen Grenzen bietet. Wenn dann die gleichen Gefühle anderswo auftauchen &#8211; solange sie nicht an irgendwelchen vorgeformten Arten der Liebe hängenbleiben -, sind die Chancen zur Befriedigung im allgemeinen wesentlich größer. <strong>Mit solcher Freiheit, Erfahrung ohne stereotype Forderungen zu akzeptieren, sind die süchtigmachenden Qualitäten der Liebe nicht so drohend, und der Erfolg wird nicht auf eine einseitige Konzentration auf nur einen Menschen reduziert.</strong></p>
<p dir="LTR">Wenn ein Patient zum Beispiel den Therapeuten liebt, dann wird er mit ihm vielleicht Geschlechtsverkehr haben wollen. Wahrscheinlich wird er es nicht tun, aber dennoch ist er immer noch offen für die vielen Interaktionen, die die Beziehung erregend und bedeutungsvoll machen. Der Patient, obwohl er Vorteile daraus zieht, braucht immer noch jemand, mit dem er Geschlechtsverkehr haben kann. Wenn einmal dieses Bedürfnis nach Liebe an die Oberfläche gedrungen ist, wird der Patient dazu angeregt, das, was er benötigt, aus anderen Beziehungen zu bekommen, so wie sie sich ergeben. Ist dies denn nicht nur eine Verlagerung des sexuellen Drangs vom Therapeuten auf einen anderen Menschen &#8211; eine Ersatzerfahrung, die sich einfach auf ein Gefühl der Ablehnung gründet? Möglich, aber nur dann, wenn der Mensch weiterhin verbissen an seinem Ideal festhält und versucht, wenigstens einen Ersatz zu finden.</p>
<p dir="LTR">Das Gegenmittel gegen das Festhalten ist die Entdeckung der Vielgestaltigkeit, <strong>die Erkenntnis, daß jede Erfahrung in sich gültig ist und nicht nur einen Ersatz für eine andere Erfahrung darstellt</strong>. Der gesunde Mensch ist nicht nur der Gefangne seiner Gefühlsregungen. Gefühle weisen nur auf ihr eigenes Verschwinden hin.</p>
<p dir="LTR">Gefühle <em><strong>wollen </strong></em>verschwinden &#8211; sie haben keinen Anspruch auf Unsterblichkeit. Sie gehen den für sie bestimmten Weg bis ans Ende. Dann sind sie fort, nur um von neuen Gefühlen ersetzt zu werden, die genauso entbehrlich und bescheiden sind. Nur <strong>Sentimentalität, die auf der vagen Furcht vor der verfrühten Unterbrechung basiert, führt zu dem Bedürfnis, sich anzuklammern</strong>, führt zum Gefühl der Unverletzlichkeit und zum Bedürfnis nach einer Garantie, wo man versucht, das zu erhalten, was vom Wesen her unbeständig ist.</p>
<p dir="LTR">Unsere Aufgabe in der Therapie ist es, bei der Wiederentdeckung der Progression im Leben zu helfen. Wenn eine Erfahrungseinheit endet, dann beginnt die nächste, und dieser Prozeß ist es, der die Unsterblichkeit ausmacht, nicht das Idolisieren einer Einzelerfahrung.</p>
<p dir="LTR">Aber wir wollen das tatsächliche Dilemma, das in der Therapie durch die Intensität der Gefühle entsteht, nicht unterschätzen. Das Gefühl der Dringlichkeit kann stark werden, der Weg zur Vollendung kann mit Schwierigkeiten gepflastert sein, und das Bedürfnis, in der Hoffnung auf ein vorherbestimmtes Kriterium der Vollendung auszuharren, kann den Betreffenden gefangenhalten. <strong>Es ist nicht einfach zu begreifen, daß Liebe nicht Bindung bedeutet</strong>, besonders dann, wenn die Liebe nicht mit den bekannten, hochgepriesenen Aufmerksamkeiten belohnt wird, die unser sozialer Kodex vorschreibt.</p>
<p dir="LTR">Ruth war beispielsweise wütend und sogar desillusioniert, als ich sie bei einem Krankenhausaufenthalt nicht besuchte. Sie hatte meine Zuneigung bei unserer Zusammenarbeit häufig erfahren und glaubte jetzt, da ich sie nicht besucht hatte, daß meine Zuneigung nur vorgetäuscht gewesen sei, eine reine Technik, um sie zu heilen. Ruth mußte lernen, daß die herzlichen Reaktionen auf ihren Humor, auf ihre Traurigkeit, auf ihre Einfälle tatsächlich ehrlich waren. Sie führten einfach nicht dazu, daß ich sie im Krankenhaus besuchte. Dies mag nun einen echten Grund für ihren Zorn und ihre Enttäuschung geliefert haben, aber es negierte weder die Wärme, die ich für sie empfand, noch die Anziehungskraft, die Ruth durch meine Zuneigung in sich selbst entdeckt hatte.<br />
Ihre Anziehungskraft hing jedoch nicht davon ab, daß ich diese entsprechend ihrer stereotypen Forderungen ständig bestätigte. Es ist sehr schwer einzusehen, daß auch unerwiderte Liebe gesund und stärkend sein kann. Die Konfrontation mit der Wirklichkeit der Liebe anstatt nur mit ihren gewohnten Formen bringt den Patienten dazu, die Liebe zu sehen, wie sie ist und nicht wie sie sein <em> sollte.</em></p>
<p dir="LTR">Dies mag wie eine nüchterne Auffassung der Liebe erscheinen, bei welcher der eine Partner keine Verantwortung empfindet, auf die Erwartungen zu reagieren, die manche Kontakte entstehen lassen, doch es verhält sich anders. Es gibt Erwartungen, die zurecht entscheidend sind für das Niveau bestimmter Beziehungen. Doch diese Erwartungen dürfen keinesfalls stereotype Schuldscheine sein, die aus früheren gesellschaftlichen Verträgen abgeleitet werden. Sie sind Teil des Prozesses der gegenseitigen Entdeckung und stellen eine sensible Aussage darüber dar, in welcher Beziehung ein Mensch zu einem anderen steht.</p>
<p dir="LTR">Ruth kam also zu der Erkenntnis, daß meine Zuneigung für sie ehrlich war, aber daß sie nicht unbedingt zu einem Krankenhausbesuch führen mußte.</p>
<p dir="LTR">Es wäre eine große Verlockung, Ruths Verhalten als eine dumme Wiederholung der unerledigten Geschäfte in bezug auf ihren Vater interpretieren zu können, der ihr nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt hatte. Der Druck einer aktuellen Liebesbeziehung kann sehr stark sein. Breuer hat dies vor langer Zeit entdeckt, als er deswegen die psychoanalytische Richtung verlassen musste. Freud erwies sich als fähiger, diesen Druck zu ertragen, aber selbst er musste das Prinzip der Übertragung einführen, um sich abzusichern. Mit Hilfe des Prinzips der Übertragung war es ihm und seinen Nachfolgern möglich, den Kontakt dadurch zu entpersonalisieren, daß sie ihn als völlig unabhängig von der Persönlichkeit des Therapeuten darstellten.</p>
<p dir="LTR">In der Gestalttherapie versuchen wir, uns auf die Beziehung an sich zu konzentrieren. Sich selbst wieder als liebevoll zu erfahren, bedeutet die Wiederentdeckung eines Aspekts der vollen Selbsterfahrung, die im täglichen Leben vieler Menschen schwach oder gar nicht vorhanden ist. Liebe ist mehr als nur eine Cause celebre oder ein gesellschaftsfähiger Fall der Monomanie. <strong>Sie ist nicht unwiderruflich an ein auslösendes Objekt gebunden, sondern sie ist eine Funktion des liebenden Menschen. Je mehr er also lernen kann, viele Menschen auf vielerlei Weise zu lieben, desto größer werden seine Chancen der Erfüllung und Befriedigung</strong>. In der Sicherheit der Therapie oder der Gruppe, in der Kontinuität der Interaktionen, in der Erregung, attraktive Menschen kennenzulernen, in der Tiefe und Intimität eines guten Kontakts, selbst angesichts der Verletzbarkeit, die das Bedürfnis nach Liebe häufig mit sich bringt, entstehen für den Patienten optimale Bedingungen, einen anderen Menschen zu lieben.</p>
<p dir="LTR">Wir wissen alle, daß Liebe schön und bereichernd sein kann, ohne die begleitenden Stereotype und Verpflichtungen, die aus solchen Erscheinungen wie Permanenz, Ausschließlichkeit und Leidenschaft entstehen können. Die Liebe zu seinem Universitätsprofessor kann einen Studenten dazu anspornen, sich selbst und seine Ausbildung ernst zu nehmen und ihn in neue Richtungen beim Lesen, Denken und in der Kommunikation lenken. Es ist verwerflich, den Menschen ihre liebenden Gefühle auszureden. Die Menschen müssen vielmehr lernen, daß jemanden zu lieben nicht bedeutet, daß sie den Betreffenden heiraten, mit ihm schlafen, ihn auf die Universität schicken, auf Parties einladen oder immer mit ihm Zusammensein müssen. Es kann so sein, muß aber nicht. Erwartungen, ja; Forderungen, nein!</p>
<p dir="LTR"><a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3872948725">[BESTELLEN?]</a></p>
<p><em>Miriam und Erving Polster gehören zu den bekanntesten und profiliertesten Gestalttherapeuten der Welt. Vor rund 30 Jahren veröffentlichten sie ihr Grundlagenwerk der Gestalttherapie, das auch heute noch ein wichtiges Lehrbuch der Gestalttherapie ist.</em><br />
<em>Seit über 40 Jahren haben Miriam und Erving Polster Gestalttherapeutinnen und Gestalttherapeuten aus vielen Ländern ausgebildet und in besonderer Weise geprägt: Immer wieder betonen sie, daß es Wohlwollen und Achtung der Therapeutinnen und Therapeuten sind, die es den Klientinnen und Klienten in der Gestalttherapie ermöglichen, sich angstfrei zu öffnen und so neue bereichernde Erfahrungen zu machen.</em></p>
<p><strong>À propos: <a href="http://www.hagalil.com/judentum/samson-hirsch/chorew-16.htm">Liebe</a></strong><br />
Samson Rafael Hirsch, Rabbiner, meint&#8230;</p>
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		<title>Jüdische Patienten: Psychotherapie ist ein Maßanzug</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Dec 2011 08:05:25 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Eine orthodoxe Jüdin wird mit schwersten Depressionen und Zwangsstörungen in ein Krankenhaus eingewiesen. Der Aufnahme ging ein monatelanges Martyrium in der Familie, im Berufsleben und im Freundeskreis voraus. Die Ärzte diagnostizieren einen klassischen &#8220;Nervenzusammenbruch&#8221; und behandeln ebenso &#8220;klassisch&#8221;: viel Ruhe, Psychopharmaka, autogenes Training, schließlich die Entlassung und die Überweisung in eine ambulante psychotherapeutische Betreuung&#8230; Musik erwünscht? &#8230; aus Radio haGalil&#8230; Im Gespräch mit dem jüdischen Psychotherapeuten Nicolai Stern Von Lutz Lorenz Für den nichtjüdischen Therapeuten ist die Ursache der Erkrankung dann sehr vorschnell gefunden: die streng orthodoxe Lebensweise der Patientin, die nicht mit den alltäglichen Anforderungen einer modernen Gesellschaft einhergehen würde, seien schuld an ihrer Krankheit. &#8220;Orthodoxie als Zwangsstörung&#8221;, diagnostizierte der Mediziner &#8211; und findet sich dabei durchaus in Übereinstimmung mit Sigmund Freud, dem Vater der Psychotherapie, der jede Religiosität als Zwangsstörung ansah und auch als solche behandelt wissen wollte. Der hier geschilderte Fall steht nicht allein. Schulbuchmediziner sind mit den Anforderungen ihrer religiösen Patienten oft überfordert, das weiß auch Nicolai Stern. Der junge Mann betreibt in der Berliner Innenstadt eine psychotherapeutische Praxis und spricht mit mir über die Besonderheiten der Betreuung jüdischer Patienten. Als ehrenamtlicher psychotherapeutischer Berater in der Sozialabteilung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin wird Stern häufig mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eine orthodoxe Jüdin wird mit schwersten Depressionen und Zwangsstörungen in ein Krankenhaus eingewiesen. Der Aufnahme ging ein monatelanges Martyrium in der Familie, im Berufsleben und im Freundeskreis voraus. Die Ärzte diagnostizieren einen klassischen &#8220;Nervenzusammenbruch&#8221; und behandeln ebenso &#8220;klassisch&#8221;: viel Ruhe, Psychopharmaka, autogenes Training, schließlich die Entlassung und die Überweisung in eine ambulante psychotherapeutische Betreuung&#8230;<span id="more-3678"></span></p>
<p>Musik erwünscht? &#8230; <a href="http://www.hagalil.com/sound/mp/nov-2011.mp3" target="_blank">aus Radio haGalil</a>&#8230;</p>
<h2 dir="LTR">Im Gespräch mit dem jüdischen Psychotherapeuten Nicolai Stern</h2>
<p><em>Von Lutz Lorenz</em></p>
<p dir="LTR">Für den nichtjüdischen Therapeuten ist die Ursache der Erkrankung dann sehr vorschnell gefunden: die streng orthodoxe Lebensweise der Patientin, die nicht mit den alltäglichen Anforderungen einer modernen Gesellschaft einhergehen würde, seien schuld an ihrer Krankheit. &#8220;Orthodoxie als Zwangsstörung&#8221;, diagnostizierte der Mediziner &#8211; und findet sich dabei durchaus in Übereinstimmung mit Sigmund Freud, dem Vater der Psychotherapie, der jede Religiosität als Zwangsstörung ansah und auch als solche behandelt wissen wollte.</p>
<p dir="LTR">Der hier geschilderte Fall steht nicht allein. Schulbuchmediziner sind mit den Anforderungen ihrer religiösen Patienten oft überfordert, das weiß auch Nicolai Stern. Der junge Mann betreibt in der Berliner Innenstadt eine psychotherapeutische Praxis und spricht mit mir über die Besonderheiten der Betreuung jüdischer Patienten. Als ehrenamtlicher psychotherapeutischer Berater in der Sozialabteilung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin wird Stern häufig mit solchen Problemfällen betraut.</p>
<p>Nach der Ausbildung trat Stern eine Stelle als Psychologe im &#8220;Auguste Viktoria Krankenhaus&#8221; an und wurde zu Beginn seiner Tätigkeit mehr von muslimischen Patienten konsultiert. &#8220;Da habe ich so eine Art &#8220;positiven Antisemitismus&#8221; erlebt&#8221;, erinnert sich Stern. Auch für Muslime war ein Mediziner, der sich ganz offen zu seiner Religion bekennt, lieber als ein Atheist: Stern trägt seinen Davidstern, für jeden sichtbar, als Kette um den Hals. Später wurde er verstärkt bei der Behandlung zugewanderter russisch-jüdischer Patienten hinzugezogen. Stern hatte zu psychologischen Aspekten der russischjüdischen Zuwanderung seine Diplomarbeit geschrieben, die sich mit der späteren Stressverarbeitung auf Grund des Zusammenfalls von Pubertät und Emigration befasst. Somit war Stern der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Platz. Seine Kollegen bemerkten schnell, wie sehr sich die Patienten bei Stern aufgehoben und zunehmend wohler fühlten, so wurde bald die Mitbehandlung der jüdischen Patienten durch Nicolai Stern fast selbstverständlich. Auch nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus wollten diese Patienten weiter von ihm betreut werden, in der Synagoge sprach sich seine Tätigkeit schnell herum.</p>
<p>Nicolai Stern widmete sich nun zunehmend diesem Aufgabenbereich, las sich verstärkt in die denkbaren Problematiken jüdischer Patienten ein, beschäftigt sich seitdem intensiv und auch in seiner Praxis schwerpunktmäßig mit transgenerationalen Problemen. Zu deren Lösung hat er sich explizit ausbilden lassen und kann nun vielfältige Rückschlüsse ziehen, Verständnis entwickeln und seinen Patienten Lösungswege aus ihren persönlichen Krisensituationen anbieten.</p>
<h3 dir="LTR">Spezielle Symptome</h3>
<p dir="LTR">Ich möchte von Nicolai Stern wissen, welche besonderen Krankheitsbilder ihm in seiner Praxis vorgetragen werden. Er spricht von Depressionen, Angststörungen, etwa um den Arbeitsplatz, Mobbing. Häufig sei auch eine Mehrfachstörung zu beobachten, so Stern, etwa Depressionen plus Angst oder auch Autoaggressivität plus einer Suchtproblematik. Das alles ist für mich als Laien noch keine Besonderheit &#8211; und ich frage nach: Stern erklärt mir, dass insbesondere bei jungen Leuten emotionale frühe Störungen im Kindesalter, so genannte &#8220;Strukturstörungen&#8221;, aus der Zeitgleichheit von Heranwachsen und Emigration entstehen würden. In einer Phase, in der sich erste wirkliche soziale Kontakte entwickeln, wird der junge Mensch aus eben diesem sozialen Umfeld herausgerissen: er wechselt nicht nur die Stadt, was alleine schon die Trennung von Freunden und Familie bedeute, er wechselt zugleich die Sprache, die Kultur, nicht selten sogar das Gesellschaftssystem.</p>
<p>In der Aufnahmegesellschaft Deutschland angelangt, kommt dann eine weitere Spezifik hinzu: Nicht selten leben sich Heranwachsende zwar wesentlich besser in der neuen Heimat ein, sprechen schneller die Sprache und kommen mit den Anforderungen der Gesellschaft gut zurecht &#8211; doch müssten sie nun oft die Rolle ihrer Eltern übernehmen, denen genau das nicht gelinge. So werden die Jugendlichen &#8220;parentifiziert&#8221; und müssen in einer Art &#8220;Rollentausch&#8221; oft die Alltagsaufgaben übernehmen, die normalerweise den Eltern zufallen: Vom Behördengang bis zum Ausfüllen von Formularen oder dem Aufbau von Kontakten zu den Nachbarn. Die Eltern, nicht selten Akademiker, haben dabei ihrerseits mit einem Verlust an Identität zu kämpfen, spätestens dann, wenn sie keine Arbeit finden, die ihren Fähigkeiten und Abschlüssen entspricht. Massiver Ansehensverlust sei die Folge. So ein &#8220;Rollentausch&#8221; führe schließlich oft zu schwer schädigenden Irritationen bei den Heranwachsenden wie den Älteren. Die Jungen merken durchaus, wie massiv die ältere Generation sich innerlich und schweigend gegen die &#8220;Führungsrolle&#8221; ihrer Kinder auflehnt, auch wenn sie das hinnehmen müssen. Kommt dann noch manifester oder auch &#8220;nur&#8221; gefühlter Antisemitismus hinzu, seien oft Bindungsstörungen zwischen den Generationen und das Zerstören der traditionellen Familienstrukturen die Folge.</p>
<p>Auch in der Generation der Senioren sind spezielle psychische Störungen zu diagnostizieren, so Stern, die er als &#8220;posttraumatische Belastungsstörungen&#8221; bezeichnet. &#8220;Diese Menschen haben zum ersten Mal Zeit, über sich nachzudenken, ob nun über die Geschehnisse während der Schoah, die Zeit der Unterdrückung des Judentums in den sozialistischen Ländern der Nachkriegszeit oder die Erinnerungen an die immerwährenden Kriege und Bürgerkriege in Israel &#8211; je nachdem, woher sie nach Deutschland gekommen sind. Für sie wäre es wichtig ihre Geschichte erzählen zu können &#8211; doch die diesbezüglichen Blockaden sind nicht erst hier und heute ein Problem: Die Angst davor, sich zu erinnern, sich und anderen erklären zu müssen, warum Dies oder Jenes so oder so gemacht wurde, die Scham, überlebt zu haben &#8211; ob nun den Holocaust, ein Lager, wo auch immer, einen Krieg vielleicht &#8211; das alles beim Erinnern und Erzählen noch einmal vor seinem &#8220;geistigen Auge&#8221; ablaufen lassen zu müssen, sei für viele aus der so genannten Ersten und Zweiten Generation noch immer nicht möglich, trotz der Liebe, der Geborgenheit aber eben auch wegen der ungestillten und unnachgiebigen Neugier der Jungen.</p>
<h3 dir="LTR">&#8220;Wenn ich tot bin&#8230;&#8221;</h3>
<p>Ich erinnere mich an eine eigene Begegnung mit einer Jüdin, die einer bedeutenden deutsch-jüdischen Industriellenfamilie angehörte und als Kind mit ihren Elten: noch rechtzeitig vor dem Naziterror in die USA emigrieren konnte. Fast 90-jährig besuchte sie mit ihren Enkeln Berlin und ich hatte die einmalige Chance, die Familie drei Tage durch die Stadt begleiten zu dürfen. Zum Abschied erklärte mir die mir die stolze alte Dame, die in diesen Tagen ihren Enkeln und mir ununterbrochen von &#8220;damals&#8221; erzählt und viele Orte und Erinnerungen wiedergefunden hatte, sie müsse mir leider rigoros verbieten, ihre Geschichte zu veröffentlichen, so lange sie selbst noch lebe. Sie würde es nicht ertragen, dass vielleicht jemand von &#8220;damals&#8221; sie lesen, sich darin wieder finden oder die Nachkommen dies könnten. &#8220;Ich sage nicht &#8220;auf Wiedersehen&#8221;, denn das wird es zwischen uns nicht mehr geben, junger Mann. Aber meine Enkel werden Sie anrufen, wenn ich tot bin &#8211; und dann machen Sie mit der Geschichte was Sie !&#8221; Bis heute liegen die Aufzeichnungen in meinem Schreibtisch.</p>
<p dir="LTR">Insbesondere das Gefühl, nirgendwo dazuzugehören, belaste stark:<br />
weder ins alte Russland, noch nach Israel, wohin der Weg vieler zuerst geführt habe, noch hier in Deutschland.</p>
<p>Insbesondere die postsowjetischen Zuwanderer, die, trotz Verfolgung ihrer Religion, in einem hohen Maße gesellschaftlich und beruflich anerkannt waren und über einen relativen Wohlstand, mit Datscha und großem Auto verfügten, sehen sich nun in Deutschland oft an der Grenze der Grundsicherung lebend und haben Angst, zu verarmen.</p>
<p dir="LTR">Doch auch millionenschwere Zuwanderer aus den USA und Südamerika mit &#8220;Verarmungswahn&#8221; zählen zu Sterns Patienten: Er berichtet mir von einer mehrfachen Millionärin, die nach jeder Konsultation das Toilettenpapier aus der Patiententoilette und die Pfandflasche vom Tisch &#8220;mitgehen&#8221; lassen wollte.</p>
<h3 dir="LTR">Allgemeines und Spezielles</h3>
<p dir="LTR">Stern sieht sich tagtäglich den klassischen Krankheitsbildern seines Berufes gegenüber, die von speziellen jüdischen Problemen noch wesentlich verstärkt werden. Insbesondere das Gefühl, nirgendwo dazuzugehören, belaste stark: weder ins alte Russland, noch nach Israel, wohin der Weg vieler zuerst geführt habe, noch hier in Deutschland.</p>
<p>Dieses Gefühl lasse sich jedoch nicht nur bei Einwanderern beobachten. Auch &#8220;Alteingesessene&#8221; würden oft von einem Gefühl der Fremdheit berichten, einem &#8220;Trauma der De-klassierung&#8221;, beides in der Familiengeschichte und der Geschichte der Juden in Deutschland ganz allgemein begründet. Oft bringe dann ein winziger Tropfen, der von deutschen Patienten oft noch ganz gut &#8220;weggesteckt&#8221; werden könne, das &#8220;Faß zum Überlaufen&#8221; und führe zu schweren psychischen Schäden.</p>
<p dir="LTR">Eine besondere Belastung sieht Stern auch in der kulturspezifisch jüdischen Erinnerungskultur. Kaum eine christliche Familie werde sich an der Inquisition des Mittelalters orientieren, doch berichtet er mir von einer Patientin, in deren Familie immer wieder von der Verbrennung einer namentlich sogar bekannten Vorfahrin als Hexe vor mehreren hundert Jahren erzählt wurde. Im Kopf seiner Patientin führe sich diese Hexenverbrennung mit den Pogromen vieler späterer Jahrhunderte bis zum Holocaust weiter, &#8220;und jetzt bin ich die einzige Überlebende&#8221;, resümiert die Dame ihre Familiengeschichte, die mit ihrem Tod, ausgerechnet in Deutschland, nun bald enden werde.</p>
<p dir="LTR">Stern sieht bei vielen seiner Patienten ein &#8220;Konglomerat aus Angst&#8221;, das mit einem übergroßen Assimilationswunsch einhergehe, zugleich wiederum mit der Angst verbunden, dass eine Assimilation den deutschen Juden in der Nazizeit auch nicht geholfen habe. Solche Gedankengänge würden nicht selten zu &#8220;jüdischem Selbsthass&#8221; fuhren und damit dem Wunsch, mit &#8220;den Juden&#8221; nichts zu tun haben zu wollen. Wenn man das dann aber &#8220;müsse&#8221;, eben weil die Gemeinden Sozialleistungen und andere Betreuungen anbieten, die die deutsche Aufnahmegesellschaft nicht erbringen kann und auch nicht erbringen will, schließe sich ein Teufelskreis, aus dem viele nicht mehr selbst herausfänden, mehr noch, auch andere Familienmitglieder mit hineinzögen.</p>
<p>Die Verzweiflung ist oft groß &#8211; und es scheint nur zu einfach, das eigene Versagen mit einer solchen Verzweiflung zu begründen und auf andere abzuwälzen: &#8220;die Deutschen&#8221;, die deutsche Gesellschaft, die deutsche Geschichte. Auch solche Patienten sitzen bei Stern. &#8220;Das hat mit &#8220;den Deutschen&#8221; nichts zu tun&#8221;, erklärt er ihnen immer wieder. In Selbstmitleid zu zerfließen, Sozialbetrug zu begehen und mit der &#8220;Schuld&#8221; der Deutschen zu begründen, ist nicht die Lösung. &#8220;Als jüdischer Therapeut kann ich meinen jüdischen Patienten das auch so deutlich sagen&#8221;, weiß Stern und berichtet mir von nichtjüdischen Kollegen, die dann schon mal als Nazi bezeichnet werden.</p>
<h3 dir="LTR">Erste Schritte</h3>
<p>Nur zwei Prozent aller psychisch Kranken oder Menschen, die an sich selbst merken, &#8220;dass etwas nicht stimmt&#8221;, gingen überhaupt zum Psychotherapeuten. &#8220;Der erste Schritt ist der schwerste&#8221;, weiß Stern und wirbt um Vertrauen in seine speziellen Fähigkeiten als Diplompsychologe, verbunden mit seiner tiefen eigenen Verwurzelung in das Judentum. &#8220;Psychotherapie ist ein Maßanzug! Niemand wird von mir null-acht-fünfzehn behandelt&#8221;, versichert er mir.</p>
<p dir="LTR">Derzeit kämpft Stern für eine &#8220;Sonderbedarfszulasssung&#8221; für seine Praxis, denn der &#8220;Zulassungsausschuss für Ärzte und Psychotherapeuten der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin&#8221; ist leider noch nicht so weit, die Spezifik jüdischer Patienten anzuerkennen. Der Ausschuss hält diese Patienten nicht &#8220;für eine besondere Patientengruppe&#8221;, wohl aber der &#8220;Landesverband der Jüdischen Ärzte und Psychologen&#8221; und die Jüdische Gemeinde zu Berlin, die beide Nicolai Stern bei seiner Antragstellung nach Kräften unterstützen. &#8220;Nach unseren Erfahrungen kam es immer wieder zu Fehllokationen bei wenig in diesen Thematiken erfahrenen Psychotherapeuten, wodurch es zu Nichtbehandlungen, Therapieabbrüchen und wirkungslosen Therapien kam. Für diese Patienten [...] ist es wichtig, dass es einen garantiert diskriminierungsfreien Raum im therapeutischen Setting gibt, einen vertrauensvollen und haltgebenden Raum für die psychische Bearbeitung und Nachreifung&#8221;, argumentiert der Verband für die Sonderbedarfszulassung Sterns.</p>
<p dir="LTR">So ist eine Behandlung mit einer normalen Überweisung vom Hausarzt oder auf Krankenschein bei Nicolai Stern noch nicht möglich. Dennoch kann und darf er Patienten betreuen und behandeln. Dazu sind jedoch eine &#8220;Notwendigkeitsbescheinigung&#8221; des behandelnden Arztes erforderlich und ein &#8220;Antrag auf außervertragliche Psychotherapie&#8221; bei der Krankenkasse zu stellen. &#8220;Die Krankenkassen würdigen diese besondere Betreuung schon&#8221;, erklärt Stern dazu. Bisher sei keiner dieser Anträge abgelehnt worden und damit eine Behandlung durch ihn gesichert. &#8220;Die Kassen folgen meiner Argumentation, dass meine Patienten nicht länger nur als &#8220;deutsche&#8221; Patienten behandelt werden müssen, sondern als &#8220;deutsch-jüdische&#8221;.&#8221; Auch das habe etwas mit ihrer Anerkennung durch die Aufnahmegesellschaft zu tun und tue ihnen gut für ihre Identitätsfindung. Beides seien wichtige Grundlagen dafür, zu jenen zwei Prozent gehören zu wollen und zu können, die ihr Schicksal in die Hand nehmen. &#8220;Ich freue mich über jeden, der den Wunsch hat, an seinen Problemen zu arbeiten &#8211; ich freue mich aber noch mehr über jeden, der irgendwann nicht mehr zu mir kommen muss!&#8221;</p>
<blockquote>
<p dir="LTR">Liebe Leserinnen und Leser,<br />
für Fragen und Probleme können Sie sich an Dipl. Psych. Nicolai Stern auch über Ihre &#8220;Jüdische Zeitung&#8221; wenden: Schreiben Sie uns dazu in einem verschlossenen Umschlag (nicht als Postkarte). Nicolai Stern wird ihre Frage dann anonym in einer eigenen Rubrik beantworten, die wir bei Bedarf ab Januar 2012 in loser Folge veröffentlichen werden.</p>
<p>Jüdische Zeitung &#8220;Fragen an Nicolai Stern&#8221; Großbeerenstr. 186-192 12277 Berlin</p>
<p dir="LTR">Diplom-Psychologe Nicolai Stern<br />
Praxis am Theodor-Heuss-Platz • Berlin-Charlottenburg<br />
Telefon für Terminabsprachen und Informationen: (030) 22 39 31 74</p>
</blockquote>
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		<title>Auch Kinder leiden unter Zwangsstörungen: Computerspiel als Therapiehilfe</title>
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		<pubDate>Sat, 03 Dec 2011 14:28:28 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Nicht nur Erwachsene, sondern auch rund zwei Prozent der Kinder leiden unter Zwangsstörungen. Sichtbar wird die Störung einerseits in sich aufdrängenden Gedanken wie Angst vor Verschmutzung, Verletzung oder gewalttätigen Vorstellungen, die als sinnlos oder quälend empfunden werden. Andererseits gibt es Zwangshandlungen &#8211; ritualisierte Handlungen, die häufig wiederholt werden müssen, wie Händewaschen, Fragen, Zählen, Berühren, Kontrollieren oder Sammeln&#8230; pte &#8211; http://www.uzh.ch -  Das in Zürich erstellte Computerspiel &#8220;Ricky und die Spinne&#8221; soll sechs- bis zwölfjährigen Kindern mit Methoden der Verhaltenstherapie helfen, ihre Erkrankung, deren Folgen und die Behandlung zu verstehen. Hilflose Eltern &#8220;Bei Zwangserkrankungen sehen wir immer wieder, dass Eltern sehr überrascht sind&#8221;, sagt Forschungsleiterin Veronika Brezinka vom Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie der Universität Zürich im pressetext-Interview. Häufig passe sich die Familie der Marotten der erkrankten Kinder an. Der Waschzwang ist der bekannteste &#8211; Brezinka kennt auch zwangsgestörte Kinder, die immer wieder durch die Tür gehen müssen oder zwanghaft ihre Plüschtiere immer wieder ordnen. Mit der Anpassung an Zwangshandlungen wollen Eltern und Geschwister Kindern helfen. &#8220;Das führt aber dazu, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit immer mehr Zwänge entstehen&#8221;, erklärt die Psychologin. Die Ursache für die neuropsychische Erkrankung ist noch nicht bekannt. &#8220;Wir brauchen zum Glück die Ursache nicht zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nicht nur Erwachsene, sondern auch rund zwei Prozent der Kinder leiden unter Zwangsstörungen. Sichtbar wird die Störung einerseits in sich aufdrängenden Gedanken wie Angst vor Verschmutzung, Verletzung oder gewalttätigen Vorstellungen, die als sinnlos oder quälend empfunden werden. Andererseits gibt es Zwangshandlungen &#8211; ritualisierte Handlungen, die häufig wiederholt werden müssen, wie Händewaschen, Fragen, Zählen, Berühren, Kontrollieren oder Sammeln&#8230;<span id="more-3674"></span></p>
<p><a href="http://www.pressetext.de">pte</a> &#8211; <a href="http://www.uzh.ch/">http://www.uzh.ch</a> -  Das in Zürich erstellte Computerspiel &#8220;Ricky und die Spinne&#8221; soll sechs- bis zwölfjährigen Kindern mit Methoden der Verhaltenstherapie helfen, ihre Erkrankung, deren Folgen und die Behandlung zu verstehen.</p>
<p><strong>Hilflose Eltern</strong></p>
<p>&#8220;Bei Zwangserkrankungen sehen wir immer wieder, dass Eltern sehr überrascht sind&#8221;, sagt Forschungsleiterin Veronika Brezinka vom Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie der Universität Zürich im pressetext-Interview. Häufig passe sich die Familie der Marotten der erkrankten Kinder an. Der Waschzwang ist der bekannteste &#8211; Brezinka kennt auch zwangsgestörte Kinder, die immer wieder durch die Tür gehen müssen oder zwanghaft ihre Plüschtiere immer wieder ordnen.</p>
<p>Mit der Anpassung an Zwangshandlungen wollen Eltern und Geschwister Kindern helfen. &#8220;Das führt aber dazu, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit immer mehr Zwänge entstehen&#8221;, erklärt die Psychologin. Die Ursache für die neuropsychische Erkrankung ist noch nicht bekannt. &#8220;Wir brauchen zum Glück die Ursache nicht zu kennen, um die Kinder behandeln zu können.&#8221;</p>
<p><strong>Spiel legt Verhalten offen</strong></p>
<p>Als bewährteste Methode für die Behandlung kindlicher Zwangserkrankungen gilt heute bereits die kognitive Verhaltenstherapie, eventuell ergänzt mit Medikation. Um Psychotherapeuten zu unterstützen, hat Brezinka das Spiel &#8220;Ricky und die Spinne&#8221; entwickelt. Im Spiel werden Grashüpfer Ricky und Marienkäfer Lisa von einer Spinne gezwungen, Dinge zu tun, die sie eigentlich nicht wollen. Ricky darf beispielsweise nur in einem Muster über die Wiese hüpfen, und Lisa muss jeden Abend vor dem Einschlafen die Punkte auf ihren Flügeln zählen.</p>
<p>Aus Angst vor der Spinne verstricken sie sich immer tiefer ins Netz der Zwangserkrankung. Schließlich bittet Ricky Dr. Eule um Hilfe. &#8220;Das Spiel soll betroffene Kinder ermutigen, sich dem Zwang zu widersetzen und Psychotherapeuten bei der Behandlung von Zwangserkrankungen unterstützen&#8221;, unterstreicht Brezinka.</p>
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		<title>Kein Witz: Israels heilende Clowns</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Nov 2011 13:02:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Psychotherapie]]></category>
		<category><![CDATA[Angst]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
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		<description><![CDATA[Israel setzt heilende Clowns ein, um das natürliche Potential der Hormone zu nutzen, die beim Lachen freigesetzt werden. In Israel sind medizinische Clowns kein Witz: Sie werden als Co-Therapeuten bei der Patientenpflege betrachtet&#8230; Co-Therapeuten bei der Patientenpflege Besuch im Kinderkrankenhaus Alyn, Jerusalem Die Magi-Stiftung finanziert 80 heilende Clowns Medizinische Clowns im israelischen Kinderkrankenhaus Alyn. In Alyn werden jüdische und arabische Kinder aus Israel und Gaza behandelt. Klicken Sie hier um die Fotostrecke anzuschauen. Jerusalem, 17. Nov. &#8211; Heilende Clowns werden in einem dreimonatigen Kurs in Israel ausgebildet, und das Land bietet sogar einen Bachelor in diesem Feld an – den einzigen dieser Art weltweit. Israel, das in dieser Therapieform als weltweit führend gilt, wurde aufgrund seiner Leistungen in diesem Bereich dazu ausgewählt, eine internationale Konferenz zum körperlichen Nutzen des Einsatzes heilender Clowns zu halten. Rund 250 Teilnehmer aus 25 Ländern besuchten das Symposium. Die Konferenz beleuchtete neue Errungenschaften bei dem Einsatz medizinischer Clowns. Die Clowns halfen Patienten zum Beispiel dabei, ihr Angstniveau zu reduzieren oder schmerzhafte Prozeduren zu überstehen. Israelische Ärzte zeigten, dass heilende Clowns unter anderem kleine Kinder im Vorfeld von Nierenuntersuchungen, die nach Infektionen nötig waren, so gut beruhigen konnten, dass den Kindern weniger starke Betäubungsmittel verabreicht werden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Israel setzt heilende Clowns ein, um das natürliche Potential der Hormone zu nutzen, die beim Lachen freigesetzt werden. In Israel sind medizinische Clowns kein Witz: Sie werden als Co-Therapeuten bei der Patientenpflege betrachtet&#8230;<span id="more-3652"></span></p>
<ul>
<li>Co-Therapeuten bei der Patientenpflege</li>
<li>Besuch im Kinderkrankenhaus Alyn, Jerusalem</li>
<li>Die Magi-Stiftung finanziert 80 heilende Clowns</li>
</ul>
<p><strong>Medizinische Clowns im israelischen Kinderkrankenhaus Alyn. In Alyn werden jüdische und arabische Kinder aus Israel und Gaza behandelt. Klicken Sie hier um die <a href="https://picasaweb.google.com/109723070407787061573/NoJokeIsraelSMedicalClowns?authuser=0&amp;feat=directlink">Fotostrecke</a> anzuschauen.</strong></p>
<p>Jerusalem, 17. Nov. &#8211; Heilende Clowns werden in einem dreimonatigen Kurs in Israel ausgebildet, und das Land bietet sogar einen Bachelor in diesem Feld an – den einzigen dieser Art weltweit.</p>
<p>Israel, das in dieser Therapieform als weltweit führend gilt, wurde aufgrund seiner Leistungen in diesem Bereich dazu ausgewählt, eine <a href="http://www.szmc.org.il/NewsHighlights/NewsHighlights2011/October/MedicalClownConference/tabid/2074/Default.aspx">internationale Konferenz</a> zum körperlichen Nutzen des Einsatzes heilender Clowns zu halten. Rund 250 Teilnehmer aus 25 Ländern besuchten das Symposium.</p>
<p>Die Konferenz beleuchtete neue Errungenschaften bei dem Einsatz medizinischer Clowns. Die Clowns halfen Patienten zum Beispiel dabei, ihr Angstniveau zu reduzieren oder schmerzhafte Prozeduren zu überstehen. Israelische Ärzte zeigten, dass heilende Clowns unter anderem kleine Kinder im Vorfeld von Nierenuntersuchungen, die nach Infektionen nötig waren, so gut beruhigen konnten, dass den Kindern weniger starke Betäubungsmittel verabreicht werden mussten als üblich.</p>
<p>Israelische Krankenhäuser wurden für die volle Integration der heilenden Clowns in das medizinische Personal hervorgehoben. Dieser Prozess begann 2002, als drei Clowns in das Personal des Jerusalems Hadassah-Krankenhaus in Ein Kerem aufgenommen wurden. Die nach Angabe von Experten überragenden Resultate dieses Schritts bewogen israelische Krankenhäuser anschließend dazu, heilende Clowns in ihr Personal zu integrieren.</p>
<p><strong>Heilende Clowns sind voll in den Krankenhaus-Alltag integriert -</strong><br />
<strong> Beispiel: Kinderkrankenhaus Alyn in Jerusalem</strong></p>
<p>In Alyn, einem Krankenhaus für die Rehabilitation von Kindern in Jerusalem, sind die heilenden Clowns Teil der psychologischen Abteilung, weil sie „mit dem Geist der Kinder arbeiten“, sagt Ruth Palmor, die Leiterin der psychosozialen Abteilung des Krankenhauses.</p>
<p>Spaß im Krankenhaus: Medizinische Clowns sind in Israel in das Pflegepersonal integriert, um das Krankenbild des Patienten besser zu verstehen.</p>
<p>Die heilenden Clowns nehmen daher an Personaltreffen teil, um ein gut abgerundetes Bild ihrer Patienten zu erhalten. Sie helfen den Patienten dann, Rehabilitationsprogramme und Aktivitäten mit Physiotherapeuten und anderen Experten zu entwickeln. Medizinische Clowns benutzen oft einfache Mittel und unterhaltsame Methoden, um Kinder wie Erwachsene zu Therapien zu bewegen, die für ihre Erholung nötig sind. Dazu verbessern sie die Qualität – und die Quantität – der Behandlungen. Zum Beispiel helfen medizinische Clowns Physiotherapeuten dabei, mit Kindern gleichzeitig an Sprache und körperlicher Stärke zu arbeiten.</p>
<p><strong>Soziale und kulturelle Differenzen überbrücken</strong></p>
<p>Palmor erzählte von einem kleinen Jungen, der sich nach einer ernsthaften Verbrennung schmerzhaften Hauttransplantationen unterziehen musste. Der medizinische Clown des Krankenhauses, Noam Rubinstein, fand eine einfache Lösung: Eine Seifenblasenmaschine half dem Jungen bei der Physiotherapie. Der Jungen wurde dazu ermutigt, seine Muskeln um kleine Kugeln herum zu biegen und anzuspannen – eine sehr schmerzhafte Aufgabe -, indem man ihn anwies, so viele Blasen wie möglich platzen zu lassen.</p>
<p><strong>Heilende Clowns motivieren Kinder, selbst aktiv zu werden. Das beschleunigt den Heilungsprozess.</strong></p>
<p>“Für alle 15 Blasen, die du zerplatzt, mache ich dir einen Tierballon”, sagte Rubinstein. Der Junge war begeistert; er zerplatzte Blasen mehr als 45 Minuten lang und verdiente sich so die versprochene Belohnung!</p>
<p>Medizinische Clowns helfen außerdem dabei, soziale und kulturelle Differenzen zu überbrücken. In Alyn zum Beispiel werden Kinder aus Israel, Gaza, Sibirien und anderen Gegenden behandelt. Auch die familiären und finanziellen Hintergründe der Kinder sind verschieden. Um die Kinder zu erreichen und ihnen während ihres Krankenhauses ein Gefühl von Zuhause zu vermitteln, nutzen die Clowns universelle Techniken, die die sozialen Unterschiede überbrücken.</p>
<p>“Wir bestärken Kinder darin, sich selbst als Ganzes zu sehen, trotz ihrer Behinderungen“, sagte Sigalit Ofer (links), einer der heilenden Clowns in Alyn. Sie erklärte, dass sie Lachen benutzt – eine natürliche und starke Heilungsmethode -, um Kindern dabei zu helfen, sich zu öffnen und ihre natürliche Motivation, zu heilen, zu stärken. Ofer hilft regelmäßig Kindern dabei, nach einem körperlichen Trauma ihre physische und kognitive Kontrolle wiederzuerlangen. Sie arbeitet mit Sprachpathologen und Physiotherapeuten an Erinnerungsspielen, Dehnungstechniken und Aktivitäten zur Verbesserung der Feinmotorik.</p>
<p>Walid, ein siebenjähriger Patient in Alyn, schrie vor Freude, als die Clowns eine „spontane Intervention“ durchführten, einen komischen Clownsauftritt. Solche Auftritte schaffen eine heiterte Atmosphäre und lassen Kinder oft in Lachen ausbrechen, so wie den kleinen Walid.</p>
<p>Ein spanischer heildender Clown, Begona Pino (unten), sagte dem Israel Project: „Wir haben viel über Israels Expertise mit medizinischen Clowns gelernt. Was wir hier [auf der Konferenz] gesehen haben, ist ein Rollenmodell für unser Programm in Spanien. Wir haben noch nicht dieses Ausmaß an Integration erreicht, das israelische Krankenhäuser haben.”</p>
<p>Die Magi-Stiftung – die Stiftung, die das Traum-Doktor-Programm unterhält, das heilende Clowns in Krankenhäusern benutzt – hat mehr als 80 heilende Clowns, die in den verschiedensten Bereichen arbeiten: Sie leisten Hilfe bei Operationen, arbeiten in Zentren für Kinder, die Opfer sexuellen Missbrauchs geworden sind, und in psychiatrischen Abteilungen.</p>
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		<title>Freud lesen &#8211; heute?</title>
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		<pubDate>Sun, 16 Oct 2011 16:19:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Psychotherapie]]></category>
		<category><![CDATA[Entwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Freud]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Psychoanalyse]]></category>

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		<description><![CDATA[Ist Freud heute noch aktuell? Haben seine Gedanken ihren allgemeinen Wert bewahrt? Und die therapeutische Methode, die aus ihnen folgt, die psychoanalytische Behandlung &#8211; welchen Platz hat sie in unserer Zeit?&#8230; »Man versteht die Psychoanalyse immer noch am besten, wenn man ihre Entstehung und Entwicklung verfolgt.« (Freud 1923a, GW XIII, S. 211) Jean-Michel Quinodoz Denen, die so fragen, antworte ich, dass die Psychoanalyse sehr lebendig ist; die »Revolution der Psychoanalyse«, von der Marthe Robert (1964) sprach, ist immer noch in Gang. Zum Beweis dafür habe ich Freud lesen als einen Zugang zu den Gedanken Freuds und zur Psychoanalyse konzipiert, der ihre Kraft und Lebendigkeit deutlich macht. Ich habe, soweit es möglich war, Worte aus der Alltagssprache benutzt, so wie Freud es im Deutschen tat, was seinem Denken nichts von seiner Komplexität nimmt. Mir scheint es wichtig, die Texte und die Gedanken Freuds jedem zugänglich zu machen, damit die Lektüre des einen oder anderen seiner Werke uns etwas sagt und gibt, das uns persönlich berührt. Indem sie in der Tiefe unseres Seins etwas zum Klingen bringt, kann die Lektüre Freuds zum Ausgangspunkt einer Selbstbefragung werden. So gesehen, fordert Freud uns auf, unsererseits den ganzen Parcours zu durchlaufen, dem er gefolgt ist, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ist Freud heute noch aktuell? Haben seine Gedanken ihren allgemeinen Wert bewahrt? Und die therapeutische Methode, die aus ihnen folgt, die psychoanalytische Behandlung &#8211; welchen Platz hat sie in unserer Zeit?&#8230;<span id="more-3629"></span></p>
<blockquote>
<p style="text-align: right;"><em>»Man versteht die Psychoanalyse immer noch am besten, wenn man ihre Entstehung und Entwicklung verfolgt.«</em><br />
<span style="font-size: x-small;"><em> (Freud 1923a, GW XIII, S. 211)</em></span></p>
</blockquote>
<p><em>Jean-Michel Quinodoz</em></p>
<p><em></em>Denen, die so fragen, antworte ich, dass die Psychoanalyse sehr lebendig ist; die »Revolution der Psychoanalyse«, von der Marthe Robert (1964) sprach, ist immer noch in Gang. Zum Beweis dafür habe ich <a href="http://buecher.hagalil.com/2011/10/freud-3/">Freud lesen</a> als einen Zugang zu den Gedanken Freuds und zur Psychoanalyse konzipiert, der ihre Kraft und Lebendigkeit deutlich macht.</p>
<p>Ich habe, soweit es möglich war, Worte aus der Alltagssprache benutzt, so wie Freud es im Deutschen tat, was seinem Denken nichts von seiner Komplexität nimmt. Mir scheint es wichtig, die Texte und die Gedanken Freuds jedem zugänglich zu machen, damit die Lektüre des einen oder anderen seiner Werke uns etwas sagt und gibt, das uns persönlich berührt. Indem sie in der Tiefe unseres Seins etwas zum Klingen bringt, kann die Lektüre Freuds zum Ausgangspunkt einer Selbstbefragung werden.</p>
<p>So gesehen, fordert Freud uns auf, unsererseits den ganzen Parcours zu durchlaufen, dem er gefolgt ist, seit er bei seiner Selbstanalyse das Unbewusste entdeckte. Freud hat nicht eine Entdeckung gemacht, sondern im Laufe seines ganzen Lebens eine Abfolge von Entdeckungen, von denen eine die nächste nach sich zog. Die Freudschen Werke in chronologischer Reihenfolge zu lesen, ist daher nicht nur von historischem Interesse: Es handelt sich um den Bericht von einer Expedition, der uns bei unseren eigenen inneren Forschungen als Führer dienen kann, bis wir unseren eigenen Weg gefunden haben.</p>
<p>Am Ende dieses Werkes wird der Leser gewiss bemerkt haben, dass Freud uns ein Erbe mit riesigem Entwicklungspotential hinterlassen hat &#8211; ein Potential, das von den Beiträgen postfreudianischer Psychoanalytiker aufgegriffen und entfaltet worden ist. Dieses Potential ist noch längst nicht erschöpft &#8211; und damit stellt sich uns die Frage: Was werden wir mit diesem Erbe anfangen? Jeder Psychoanalytiker gibt darauf eine andere Antwort, und die Frage, wie wir dieses Erbe antreten, hängt von der Trauerarbeit ab, die wir angesichts des Todes von Freud leisten. Seinem Erbe treu zu sein, bedeutet für den einen, es zu bewahren, wie es ist, auf die Gefahr hin, es einzufrieren &#8211; etwa indem man, wie Danielle Quinodoz gesagt hat, »Freuds wertvolle Texte in einer Vitrine so in Sicherheit [bringt] wie das Porzellan meiner Vorfahren, das nicht spülmaschinenfest ist« ([2002] 2004, S. 208). Für andere heißt Freud treu sein, sich eines Teils des Erbes zu bemächtigen und es isoliert, zum Nachteil des Ganzen, weiterzuentwickeln &#8211; auf die Gefahr hin, die Psychoanalyse zu fragmentieren, bis es schließlich ebenso viele Richtungen der Psychoanalyse wie Psychoanalytiker gibt.</p>
<p>Wie kann man die Klippen, die heute auf uns lauern, mit der Zeit umgehen? Ich denke, dass die beste Art und Weise, das von Freud hinterlassene Erbe lebendig zu halten, darin liegt, es in seiner ganzen Dynamik weiterzugeben, indem man &#8211; anhand seines Vermächtnisses &#8211; in einen Dialog mit Freud eintritt. Ich hoffe, dass Freud lesen dem Leser nicht nur die Gelegenheit einer Begegnung mit Freud bieten wird, sondern auch eine Einladung darstellt, weiterzugehen und mit ihm, vermittelt über seine Originaltexte, in einen Dialog zu treten.</p>
<p>Freud ist nicht mehr. Und dennoch bleibt er nicht nur in seinen Schriften lebendig, sondern auch in der psychoanalytischen Praxis, die er uns überliefert hat. Die Texte Freuds zu lesen und sich einer Psychoanalyse zu unterziehen, sind zwei unterschiedliche Zugangsweisen. Aber auch die letztere ist eine Art, mit Freud in Dialog zu treten, vermittelt freilich über die Übertragungs- und Gegenübertragungsbeziehung zwischen Analysand und Analytiker. Doch das ist eine andere Geschichte &#8230;</p>
<p><em>Jean-Michel Quinodoz ist Mitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Psychoanalyse und Ehrenmitglied der Britischen Psychoanalytischen Vereinigung. Nach zehn Jahren aktiver Herausgebertätigkeit für die europäische Ausgabe des »International Journal of Psychoanalysis« ist er heute verantwortlich für das Jahrbuch. </em></p>
<p>Siehe auch:<br />
Im letzten Kapitel (p. 431 – 445) von “Freud lesen” befasst sich Quinodoz mit Freuds letztem Werk, “<a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/359626300X">Der Mann Moses und die monotheistische Religion</a>“, welches Quinodoz als ein testamentarisches Werk bezeichnet, das mehr Fragen stellt, als es löst.</p>
<ul>
<li>Neben Analyse und Besprechung des Werks geht Quinodoz auch auf <a href="http://www.hagalil.com/archiv/2011/10/16/freud/">biographische und zeitgeschichtliche Aspekte</a> ein.</li>
<li>Ein weiterer Abschnitt befasst sich mit <a href="http://www.hagalil.com/archiv/2011/10/16/freud-2">Rezeption, Wirkung und aktueller Bedeutung</a>.</li>
</ul>
<p><a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3898067823">Bestellen?</a></p>
<ul>
<li><a href="http://www.hagalil.com/lexikon/index.php?title=Sigmund_Freud">Sigmund Freud / haGapedia</a></li>
<li><a href="http://www.hagalil.com/lexikon/index.php?title=Moses_und_die_monotheistische_Religion"> Moses und die monotheistische Religion / haGapedia</a></li>
</ul>
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		<title>Burnout: Jeder vierte Manager ist Risikokandidat</title>
		<link>http://www.pharmacon.net/2011/10/burnout-4/</link>
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		<pubDate>Fri, 14 Oct 2011 13:14:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Psychotherapie]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Herz]]></category>
		<category><![CDATA[Sex]]></category>
		<category><![CDATA[Stress]]></category>
		<category><![CDATA[Untersuchung]]></category>

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		<description><![CDATA[Fast 25 Prozent aller Führungskräfte sind Risikokandidaten für Burnout und vitale Erschöpfung, wie eine Studie des Instituts für angewandte Innovationsforschung an der Ruhr-Universität Bochum  zeigt&#8230;Führungskräfte leiden vor allem unter Innovationsstress (pte) http://iai-bochum.de &#8211; &#8220;Bei Burnout geht es im Kern um Erschöpfungszustände. Eine Erklärung zielt auf &#8216;Innovationsstress&#8217; durch permanenten Veränderungsdruck in den Unternehmen&#8221;, erklärt Thomas Kley, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut, im Gespräch mit pressetext. Mittleres Management besonders betroffen 24 Prozent der befragten Führungskräfte weisen eine starke &#8220;vitale Erschöpfung&#8221; auf: Vitale Erschöpfung äußert sich durch Müdigkeit, Energiemangel und Entmutigung und geht mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkte einher. 48 Prozent der Manager zeigen eine &#8220;mittlere Erschöpfung&#8221;, weitere 28 Prozent liegen im &#8220;grünen Bereich&#8221;. Um im Spannungsfeld von Kostenkonkurrenz und Innovationsdruck bestehen zu können, müssen vor allem Führungskräfte Veränderungsprozesse in Unternehmen vorantreiben. Kreativität, Kompetenzentwicklung und die Suche nach Verbesserungen werden zu Daueraufgaben, parallel zum Termin- und Leistungsdruck des operativen Tagesgeschäfts. &#8220;Vor allem Führungskräfte des mittleren Managements, die Projekte umsetzen müssen, sind betroffen&#8221;, erklärt Kley. Manager, die hierarchisch ganz oben stehen und als Impulsgeber fungieren, seien hingegen weniger betroffen. Fokussierung erforderlich Die Folgen für Führungskräfte und Unternehmen können gravierend sein. Die Studie zeigt: Innovation und Prävention müssen enger verzahnt werden. Innovationen bringen Chancen, aber [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Fast 25 Prozent aller Führungskräfte sind Risikokandidaten für Burnout und vitale Erschöpfung, wie eine Studie des Instituts für angewandte Innovationsforschung an der Ruhr-Universität Bochum  zeigt&#8230;<span id="more-3607"></span><strong>Führungskräfte leiden vor allem unter Innovationsstress</strong></p>
<p>(<a href="http://www.pressetext.de">pte</a>) <a href="http://iai-bochum.de/">http://iai-bochum.de</a> &#8211; &#8220;Bei Burnout geht es im Kern um Erschöpfungszustände. Eine Erklärung zielt auf &#8216;Innovationsstress&#8217; durch permanenten Veränderungsdruck in den Unternehmen&#8221;, erklärt Thomas Kley, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut, im Gespräch mit pressetext.</p>
<p><strong>Mittleres Management besonders betroffen</strong></p>
<p>24 Prozent der befragten Führungskräfte weisen eine starke &#8220;vitale Erschöpfung&#8221; auf: Vitale Erschöpfung äußert sich durch Müdigkeit, Energiemangel und Entmutigung und geht mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkte einher. 48 Prozent der Manager zeigen eine &#8220;mittlere Erschöpfung&#8221;, weitere 28 Prozent liegen im &#8220;grünen Bereich&#8221;.</p>
<p>Um im Spannungsfeld von Kostenkonkurrenz und Innovationsdruck bestehen zu können, müssen vor allem Führungskräfte Veränderungsprozesse in Unternehmen vorantreiben. Kreativität, Kompetenzentwicklung und die Suche nach Verbesserungen werden zu Daueraufgaben, parallel zum Termin- und Leistungsdruck des operativen Tagesgeschäfts. &#8220;Vor allem Führungskräfte des mittleren Managements, die Projekte umsetzen müssen, sind betroffen&#8221;, erklärt Kley. Manager, die hierarchisch ganz oben stehen und als Impulsgeber fungieren, seien hingegen weniger betroffen.</p>
<p><strong>Fokussierung erforderlich</strong></p>
<p>Die Folgen für Führungskräfte und Unternehmen können gravierend sein. Die Studie zeigt: Innovation und Prävention müssen enger verzahnt werden. Innovationen bringen Chancen, aber auch Risiken und Nebenwirkungen. Diese zu ignorieren, gefährdet nicht nur die Gesundheit der Führungskräfte, sondern auch die Zukunft der Unternehmen. &#8220;Firmen müssen einsehen, dass Manager nur schwer neben dem Tagesgeschäft noch viele Projekte durchführen können&#8221;, sagt Kley. Deshalb sei eine Fokussierung, zum Beispiel auf ein Projekt, wichtig.</p>
<p>Im Rahmen der Untersuchung sind 229 Führungskräfte befragt worden. Alle Branchen sowie Unternehmensgrößen wurden berücksichtigt. Gesundheitsexperten der Kliniken Essen-Mitte haben sich an der Studie beteiligt.</p>
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