Klinische Pharmakologie / Psychopharmakologie

 
 

 
 

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Verbraucherschützer fordern mehr Beratung

Apotheker:
Das schnelle Geld mit den Diätpillen

Kommentar von PETRA HERTERICH

exp Düsseldorf - Das Gesundheitswesen - die Lizenz zum Abkassieren? In den vergangenen Wochen hatte Gesundheitsminister Horst Seehofer die Zahnärzte in die Mangel genommen - sie hätten beim Zahnersatz zu kräftig hingelangt. Jetzt geraten die Apotheker in die Kritik.

Die Verbraucherberatung NRW hatte die Beratungsleistung der Apotheker beim Verkauf von Schlankheitsmitteln getestet - mit einem vernichtenden Ergebnis. Von 225 Apotheken fielen 92 Prozent durch.

Die Tester, die zum Kauf von Diätpillen und -getränken in die Apotheken kamen, waren alle nicht auffällig dick, sondern von normaler oder dünner Statur. Doch nur vier Prozent der Apotheker hätten den Diätwunsch der Kunden in Frage gestellt, so Angela Clausen von der Verbraucherberatung: "Die interessieren sich gar nicht für den Ist-Zustand der Käufer."

Der Schlankheitsmarkt - ein Riesengeschäft. Die Diätmittel erzielten im vergangenen Jahr einen Gesamtumsatz von 1,5 Milliarden Mark. Immerhin haben 40 Prozent der Erwachsenen Übergewicht. Doch nur einer von 200 hält sein Diätgewicht länger als ein Jahr. Für 95 Prozent der Hungerkünstler kommt`s ganz dicke: Nach fünf Jahren sind sie fetter als je zuvor.

Die Verbraucherzentrale fordert deshalb die Apotheker auf, die Schlankheitspräparate aus dem Sortiment zu nehmen. Der Verkauf in Apotheken werte diese "Wundermittel" zu sehr auf. Außerdem verlangen die Konsumenten-Schützer: "Ein europaweites Anmeldeverfahren für Nahrungsergänzungsmittel, Diäten und Schlankheitsprodukte". Besonders die Versprechen der Hersteller gehörten auf den Prüfstand.

Das sagen die Apotheker: "Unseriöse Produkte führen wir gar nicht", kontert Georg Kuchler, Apothekerkammer Nordrhein. Und groß zu verdienen sei mit den Diäten auch nichts - "das sind weniger als ein Prozent unserer Einnahmen". Doch die Kritik der VZ nehme man ernst.

"Wir haben in unserem Mitteilungsblatt bereits bessere Beratung gefordert und Tips gegeben. Außerdem bereiten wir zur Zeit eine Fortbildung zum Thema Diäten vor." Und: Die Forderung nach einer europaweiten, einheitlichen Überprüfung der Schlankheitsmittel "unterstützen wir voll und ganz".

Beraten statt kassieren
Die Story zum Kommentar

Von PETRA HERTERICH

Wie heißt es so schön nach jedem Werbespot für ein Diät-Wundermittel: "Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker."

Doch leider sieht es mit der Beratung in den Apotheken gar nicht gut aus. Fast keiner der Pharmazie-Verkäufer fragt seine Kunden, ob sie ein solches Mittel wirklich brauchen. Gefährlicher Leichtsinn in Zeiten von Schlankheitswahn und Magersucht.

Deshalb haben die Verbraucherschützer recht mit ihrer Forderung: Ohne Beratung sollte kein Diätmittel über den Ladentisch gehen. Bevor die Kasse klingelt müssen die Apotheker sich mit den Gesundheits- und Ernährungsproblemen ihrer Kunden befassen. Müssen ihnen auch die Nachteile einer solchen Blitz-Diät klarmachen - und dafür auch mal aufs Geld verzichten.

Freilich: Wer für sachliche Argumente nicht mehr zugänglich ist und Raubbau an seiner Gesundheit betreibt, dem kann auch kein Apotheker helfen.

Für Sie gelesen

Sie finden hier Zusammenfassungen und Quellenangaben aus der pharmazeutisch-medizinisch relevanten Fachpresse der letzten 3 Monate.

Erfasst wurden die folgenden Publikationen:

  • DAZ
  • PZ
  • Arzneimitteltherapie
  • Psychopharmakotherapie
  • Deutsches Ärzteblatt
  • Münchner Medizinische Wochenzeitung

Seehofer hofft auf eine Steigerung bei der Selbstmedikation

Voraussetzung für eine stärkere Eigenverantwortlichkeit der Versicherten sei allerdings eine wirksame Aufklärung des Patienten durch die Apothekerschaft.

Nach Ansicht von Dr. Hans JürgenAhrens, AOK Bundesvorstand, kommt aber nur jeder 3. Apotheker seiner Beratungspflicht ausreichend nach. Die Quote fehlerhafter Selbstmedikation liegt, nach seinen Angaben, bei ca.30%.
Hans Günther Friese (ABDA) begegnet diesem Vorwurf mit der Behauptung, viele Patienten seien an einer Aufklärung gar nicht interessiert. Viele zögen von Apotheke zu Apotheke, eine individuelle Betreuung von Seiten der Apothekerschaft sei dann einfach nicht möglich. Friese regte die Einführung einer Patienten-Chipkarte an. Diese solle, neben den persönlichen Daten, auch Informationen zu den abgegebenen Medikamenten enthalten. Ein Feldversuch der ABDA und des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung ("A-Card"), läuft seit Mitte '95.

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