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	<title>Pharmacon Net</title>
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	<description>Interaktion: Medizin und Psychologie, Pharmakologie und Pharmazie</description>
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		<title>Telaprevir u.a.: Neue Therapieoptionen bei Hepatitis C</title>
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		<pubDate>Mon, 07 May 2012 08:09:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Patienten mit chronischer Hepatitis C (Genotyp 1) steht seit ca. einem Jahr eine neue Therapieoption mit signifikant besseren Heilungschancen als unter der bisherigen Standardtherapie, Peginterferon und Ribavirin, zur Verfügung. Telaprevir ist eine der neuen direkt wirkenden antiviralen Substanzen (DAA &#8211; Direct Acting Antivirals), die mit ihrer spezifischen Wirkweise einen neuen Meilenstein in der Hepatitis C-Therapie darstellen. Viele Patienten erhalten so auch die Chance, die gesamte medikamentöse Therapiedauer auf die Hälfte zu reduzieren&#8230; ots &#8211; Janssen &#8211; Telaprevir ist in Kombination mit Peginterferon alfa und Ribavirin (PR) zur Behandlung der chronischen Hepatitis C vom Genotyp 1 bei erwachsenen Patienten mit kompensierter Lebererkrankung (einschließlich Zirrhose) indiziert. HCV Genotyp 1 tritt in Europa am häufigsten auf und ist am schwierigsten zu behandeln2. Sowohl nicht vorbehandelte als auch bereits erfolglos vorbehandelte Patienten erhalten mit dieser Dreifach- bzw. Triple-Therapie eine neue und signifikant größere Chance auf Heilung als mit der bisherigen Standardtherapie PR.1 Der Wirkstoff blockiert gezielt die HCV-Protease und hemmt damit die Replikation des Hepatitis C-Virus (HCV). Basis für die Zulassung von Incivo® waren die drei groß angelegten Phase III-Studien ADVANCE3, REALIZE4 und ILLUMINATE5, die knapp 1.300 naive und vorbehandelte Patienten einschlossen. ADVANCE und REALIZE waren randomisierte, doppel-verblindete, Placebo (Pbo) kontrollierte Studie, die Wirksamkeit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Patienten mit chronischer Hepatitis C (Genotyp 1) steht seit ca. einem Jahr eine neue Therapieoption mit signifikant besseren Heilungschancen als unter der bisherigen Standardtherapie, Peginterferon und Ribavirin, zur Verfügung. Telaprevir ist eine der neuen direkt wirkenden antiviralen Substanzen (DAA &#8211; Direct Acting Antivirals), die mit ihrer spezifischen Wirkweise einen neuen Meilenstein in der Hepatitis C-Therapie darstellen. Viele Patienten erhalten so auch die Chance, die gesamte medikamentöse Therapiedauer auf die Hälfte zu reduzieren&#8230;<span id="more-3983"></span></p>
<p>ots &#8211; Janssen &#8211; Telaprevir ist in Kombination mit Peginterferon alfa und Ribavirin (PR) zur Behandlung der chronischen Hepatitis C vom Genotyp 1 bei erwachsenen Patienten mit kompensierter Lebererkrankung (einschließlich Zirrhose) indiziert. HCV Genotyp 1 tritt in Europa am häufigsten auf und ist am schwierigsten zu behandeln2. Sowohl nicht vorbehandelte als auch bereits erfolglos vorbehandelte Patienten erhalten mit dieser Dreifach- bzw. Triple-Therapie eine neue und signifikant größere Chance auf Heilung als mit der bisherigen Standardtherapie PR.1 Der Wirkstoff blockiert gezielt die HCV-Protease und hemmt damit die Replikation des Hepatitis C-Virus (HCV).</p>
<p>Basis für die Zulassung von Incivo® waren die drei groß angelegten Phase III-Studien ADVANCE3, REALIZE4 und ILLUMINATE5, die knapp 1.300 naive und vorbehandelte Patienten einschlossen. ADVANCE und REALIZE waren randomisierte, doppel-verblindete, Placebo (Pbo) kontrollierte Studie, die Wirksamkeit und Verträglichkeit der Telaprevir-basierten Triple-Therapie mit der bisherigen Standardtherapie (Pbo/PR) evaluiert haben. ILLUMINATE war eine unverblindete randomisierte Studie zum Nachweis, dass eine 24-wöchige Telaprevir-basierte Therapie bei therapienaiven Patienten mit eRVR (HCV-RNA in Woche 4 und 12 nicht nachweisbar) einer 48-wöchigen Therapie nicht unterlegen war.</p>
<p>In den Studien zeigte sich die Telaprevir-basierte Triple-Therapie der Vergleichstherapie mit PR signifikant überlegen. 79% der therapienaiven Patienten erzielten ein anhaltendes virologisches Therapieansprechen (SVR), das einer Heilung gleichgesetzt werden kann6 (46% bei Pbo/PR) (p&lt;0,0001). 58% der naiven Patienten konnten die medikamentöse Therapie auf 24 statt 48 Wochen verkürzen.1 Vorbehandelte Patienten, unterteilt nach Relapsern, partiellen Respondern und Null-Respondern, erreichten in der Zulassungsstudie SVR-Raten von 84, 61 bzw. 31% &#8211; unter Pbo/PR waren es 22, 15 bzw. 5% (p&lt;0,0001). Fast zwei Drittel (65%) der Patienten, die in der Vortherapie einen Relapse erlitten, erzielten ein eRVR. Die Therapie mit Telaprevir ist als einzige Proteasehemmer-basierte Behandlung dafür zugelassen, die Gesamtbehandlungszeit auch bei Relapsern mit eRVR auf 24 Wochen zu verkürzen.1</p>
<p><strong>Klares Therapieregime &#8211; Dauer nach Response</strong></p>
<p>Alle Patienten nehmen in den ersten zwölf Wochen der Therapie 750 mg Telaprevir oral (zwei Tabletten à 375 mg) alle acht Stunden mit Wasser und einer Mahlzeit ein. Zusätzlich wird Peginterferon alfa einmal wöchentlich subkutan injiziert. Dazu erhalten Patienten zweimal täglich Ribavirin oral in einer gewichtsabhängigen Dosierung. Ab Woche 13 wird die Therapie ohne die Gabe von Telaprevir fortgesetzt &#8211; je nach virologischem Therapieansprechen und/oder Vorbehandlungsstatus des jeweiligen Patienten weitere zwölf oder 36 Wochen mit PR.</p>
<p>Ist bei nicht vorbehandelten Patienten und früheren Relapsern in Woche 4 und 12 der Triple-Therapie keine HCV-RNA nachweisbar (eRVR &#8211; extended Rapid Virological Response), erfolgt die Fortbehandlung mit PR für 12 Wochen. Die Therapie kann somit bei diesen Patienten auf insgesamt 24 Wochen verkürzt werden. Ohne eRVR erhalten die Patienten die Weiterbehandlung für 36 Wochen; die gesamte Therapiezeit beträgt dann 48 Wochen. Bei partiellen Respondern, Null-Respondern und Patienten mit Zirrhose beträgt die Gesamtbehandlungsdauer immer 48 Wochen.</p>
<p>Die häufigsten unerwünschten Ereignisse im Rahmen der klinischen Studien waren bei Telaprevir-basierter Triple-Therapie Hautausschlag, Anämie, Juckreiz, Übelkeit, Erbrechen, grippeähnliche Symptome, Fieber, anorektale Beschwerden und Durchfall. Die Mehrzahl dieser unerwünschten Ereignisse war leicht bis mittelschwer ausgeprägt. Die Abbruchrate wegen unerwünschter Ereignisse betrug 8% (Pbo/PR 4%).</p>
<p><strong>Über die ADVANCE-Studie1</strong></p>
<p>ADVANCE war eine dreiarmige, doppel-blinde, randomisierte, Placebo-kontrollierte Phase-III-Studie mit 1.088 behandlungsnaiven, chronisch mit Hepatitis C Genotyp 1 infizierten Patienten. Hauptendpunkt der Studie war das Erreichen einer SVR, bei der auch sechs Monate nach Therapieende keine HCV-RNA mehr nachweisbar ist.</p>
<p>Die Patienten erhielten randomisiert für acht (T8) oder zwölf (T12) Wochen 750 mg Telaprevir oral alle acht Stunden (q8h), eine Injektion von 180 µg Peginterferon-alfa-2a (PEG) einmal wöchentlich und eine tägliche gewichtsbasierte orale Dosis von 1.000 oder 1.200 mg Ribavirin (RBV). Nach dem Telaprevir-basierten Behandlungsregime erhielten Patienten bis zum Ende der Woche 24 oder 36 PR als Folgetherapie. Die Therapiedauer beruhte auf ihrem Ansprechen auf die Behandlung nach vier beziehungsweise zwölf Wochen. Die Kontrollgruppe wurde mit Placebo (Pbo) und PR therapiert.</p>
<p>Ergebnisse aus der ADVANCE-Studie zeigten, dass ein signifikant größerer Anteil der vorher unbehandelten Patienten mit HCV Genotyp 1 eine SVR erzielte (79 % bei T12) als Patienten, die mit PR allein behandelt wurden (46 %, p&lt;0,001). Bei Patienten, deren HCV- RNA nach vier und zwölf Wochen nicht nachweisbar war (58 % der gesamten Studienpopulation), wurde die Behandlung auf insgesamt 24 Wochen verkürzt.</p>
<p><strong>Über die REALIZE-Studie3</strong></p>
<p>REALIZE war eine randomisierte, doppelt-verblindete, placebokontrollierte klinische Phase III-Studie, bei der die Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit von Telaprevir bei 662 Patienten mit chronischer Genotyp 1 HCV-Infektion, deren vorausgegangene Behandlung mit pegyliertem Interferon und Ribavirin fehlgeschlagen ist, verglichen wurde. Es wurde differenziert nach Patienten, die in der früheren Therapie einen Rückfall erlitten (Relapser), Patienten, die ein partielles Ansprechen erzielten (partielle Responder) und Null-Responder. Das primäre Ziel war, die überlegene Wirksamkeit der Telaprevir-basierten Behandlung im Vergleich zur PR-Therapie nachzuweisen. Zu den sekundären Zielen gehörte die Evaluierung der Wirksamkeit einer Lead-in-Phase sowie die Differenzierung nach den verschiedenen Patiententypen.</p>
<p>In beiden Telaprevir-Regimen (T12/PR48 und Lead-in-T12/PR48) erhielten die Patienten für zwölf Wochen alle acht Stunden 750 mg Telaprevir sowie über 48 Wochen PR. Ein Studienarm bekam vor der Telaprevir-Therapie eine vierwöchige Lead-in-Therapie mit PR. PEG wurde als Injektion unter die Haut in einer Dosierung von 180 µg einmal wöchentlich appliziert. RBV wurde oral in einer Dosierung von entweder 1.000 oder 1.200 mg (abhängig vom Körpergewicht) zweimal pro Tag für 48 Wochen verabreicht. Die Kontrollgruppe wurde mit Pbo/PR therapiert.</p>
<p>Die SVR-Rate in der T12/PR48-Gruppe (N=266) lag für frühere Relapser bei 83% (p&lt;0,001) und für vorherige Null-Responder bei 31% (p&lt;0,001). In der Lead-in-Gruppe (N=264) lagen die SVR-Raten bei 88% (Relapser) bzw. 33% (Null-Responder). In der Kontrollgruppe (N=132) erreichten 24% der früheren Relapser und 5% der vorherigen Null-Responder eine SVR. Von den Patienten, die in der Vortherapie ein partielles Therapieansprechen gezeigt haben, erzielten 61% (T12 ohne Lead in) bzw. 54% (T12 mit Lead in) eine SVR. In der Kontrollgruppe waren es 15%.</p>
<p><strong>Über die ILLUMINATE-Studie4</strong></p>
<p>ILLUMINATE war eine unverblindete, randomisierte (1:1) Nichtunterlegenheitsstudie der Phase III mit 540 behandlungsnaiven, chronisch mit HCV Genotyp 1 infizierten Patienten. Primärer Endpunkt der Studie war, die Nichtunterlegenheit einer 24-wöchigen im Vergleich zu einer 48-wöchigen Telaprevir-basierten Therapie bei Patienten mit eRVR (HCV-RNA in Woche 4 und 12 nicht nachweisbar) nachzuweisen.</p>
<p>Die Patienten erhielten 12 Wochen lang Telaprevir in Kombination mit Peginterferon alfa und Ribavirin. Das virologische Ansprechen wurde in Woche 4 und Woche 12 ermittelt. Patienten, die ein eRVR erreichten (60%, n=322), wurden für den weiteren Erhalt von PR für 12 oder 36 Wochen (Gesamtbehandlungsdauer 24 bzw. 48 Wochen) randomisiert. Patienten, die kein eRVR erreichten (n=118), erhielten weitere 36 Wochen PR (Gesamtbehandlungsdauer 48 Wochen). Bei 100 Patienten war die Behandlung vor der Randomisierung beendet worden.</p>
<p>Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass ein 24-wöchiges Telaprevir-basiertes Behandlungsschema einem 48-wöchigem Telaprevir-basierten Schema bei Patienten, die ein eRVR erreichten, nicht unterlegen war. Die Mehrzahl der Patienten in der Studie (65 %) erreichte ein eRVR unter einem Telaprevir-basierten Therapieregime.</p>
<p>Quellen:</p>
<pre>1. Fachinformation INCIVO®, Stand 09/2011
2. Esteban J. I. et al. The changing epidemiology of hepatitis C
   virus infection in Europe. Journal of Hepatology
   2008;48:148-162Centres for Disease Control and Prevention.
   Hepatitis C FAQs. [cited 2009 Dec 17] Available from:
   <a href="http://www.cdc.gov/hepatitis/C/cFAQ.htm#transmission">http://www.cdc.gov/hepatitis/C/cFAQ.htm#transmission</a>.
3. Jacobson, Ira M. Telaprevir for Previously Untreated Hepatitis C
   Virus Infection. N Engl J Med. 2011; 364; 25.
4. Zeuzem, Stefan MD. Telaprevir for Retreatment of HCV Infection. N
   Engl J Med. 2011; 364; 25.
5. Sherman et al.  Duration of Initial Telaprevir Treatment for HCV
   Infection :A phase 3 study of treatment duration, N Engl J Med.
   2011;365:1014-24.
6. McGreal N, Jensen DM. Sustained viral response after
   interferon-based therapy in chronic hepatitis C: more evidence to
   support a life-long cure. Liver Int. 2009; 29(4): 481-482.</pre>
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		<title>Sexuelle Probleme in einer Partnerschaft</title>
		<link>http://www.pharmacon.net/2012/04/sex-8/</link>
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		<pubDate>Sat, 28 Apr 2012 09:51:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Sexuelle Probleme in einer Partnerschaft können für beide Partner sehr frustrierend sein. Sie führen zu einem defizitären Selbstwertgefühl und liegen mehr oder weniger unbewusst vielen Auseinandersetzungen und Partnerschaftsproblemen zugrunde&#8230; Sexuelle Unstimmigkeiten verdienen im Rahmen einer Paartherapie besondere Beachtung, um eine Gefährdung der Beziehung zu vermeiden. Sexuelle Probleme können sich auf unterschiedliche Weise äußern. Dazu gehören Langeweile im Bett, sexuelle Appetenzstörungen, Versagensängste, mangelnde Orgasmusfähigkeit oder Erektionsstörungen. Die Postulate der modernen Leistungsgesellschaft (immer mehr immer besser) machen auch vor der Schlafzimmertür nicht Halt. Sie begünstigen hohe Erwartungen an die eigene Lustfunktionsfähigkeit, die einen erheblichen Erfolgsdruck verursachen. Für eine aussichtsreiche Paartherapie sollte der Therapeut in der Lage sein, das Thema Sexualität ohne Scheu anzusprechen und in einem Bereich einen sicheren Raum zu schaffen, der mit Verletzlichkeit und Scham verbunden ist. Organische Ursachen für eine sexuelle Dysfunktion sollten immer vorab von medizinischer Seite ausgeschlossen werden. In einer Sexualtherapie wird die Problematik möglichst präzise herausgefiltert und analysiert. Die Ursache für sexuelle Schwierigkeiten liegen einerseits in (nicht unbedingt nur sexuellen) Prägungen aus der Kindheit jedes Partners und andererseits in der speziellen Paardynamik, die ein Paar miteinander entwickelt. Hierzu ein nicht ganz untypisches Beispiel: Ein Paar unterzieht sich im Rahmen einer Paartherapie einer Sexualtherapie. Sie hat keine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sexuelle Probleme in einer Partnerschaft können für beide Partner sehr frustrierend sein. Sie führen zu einem defizitären Selbstwertgefühl und liegen mehr oder weniger unbewusst vielen Auseinandersetzungen und Partnerschaftsproblemen zugrunde&#8230;<span id="more-3980"></span></p>
<p>Sexuelle Unstimmigkeiten verdienen im Rahmen einer Paartherapie besondere Beachtung, um eine Gefährdung der Beziehung zu vermeiden.</p>
<div>
<p>Sexuelle Probleme können sich auf unterschiedliche Weise äußern. Dazu gehören Langeweile im Bett, sexuelle Appetenzstörungen, Versagensängste, mangelnde Orgasmusfähigkeit oder Erektionsstörungen. Die Postulate der modernen Leistungsgesellschaft (immer mehr immer besser) machen auch vor der Schlafzimmertür nicht Halt. Sie begünstigen hohe Erwartungen an die eigene Lustfunktionsfähigkeit, die einen erheblichen Erfolgsdruck verursachen. Für eine aussichtsreiche Paartherapie sollte der Therapeut in der Lage sein, das Thema Sexualität ohne Scheu anzusprechen und in einem Bereich einen sicheren Raum zu schaffen, der mit Verletzlichkeit und Scham verbunden ist.</p>
<p>Organische Ursachen für eine sexuelle Dysfunktion sollten immer vorab von medizinischer Seite ausgeschlossen werden. In einer Sexualtherapie wird die Problematik möglichst präzise herausgefiltert und analysiert. Die Ursache für sexuelle Schwierigkeiten liegen einerseits in (nicht unbedingt nur sexuellen) Prägungen aus der Kindheit jedes Partners und andererseits in der speziellen Paardynamik, die ein Paar miteinander entwickelt.</p>
<p>Hierzu ein nicht ganz untypisches Beispiel: Ein Paar unterzieht sich im Rahmen einer Paartherapie einer Sexualtherapie. Sie hat keine Lust mehr am Sex und er zieht sich zurück. Ihn frustriert ihre Lustlosigkeit und er glaubt, dass sie von ihrer strengen, rigiden Erziehung herrührt. Sie übernimmt seine Einschätzung und hält sich für frigide. Allerdings wundert sie sich, dass sie zu Anfang der Beziehung durchaus Lust hatte. Bei einer genaueren Analyse der Situation zeigt sich, dass er für sein Selbstwertgefühl braucht, dass sie sich befriedigt fühlt. Nur wenn ihm das gelingt, fühlt er sich als „richtiger“ Mann. Es setzt ihn unter hochgradigen Stress, sie solange zu stimulieren bis sie endlich einen möglichst multiplen Orgasmus bekommt. Sie ist gestresst, möglichst schnell einen Superorgasmus zu bekommen (den sie ihm zu verdanken hat). Bei einem auf solche Weise entstandenen beiderseitigen hohen Stresspegel ist jeder nur noch mit den Anforderungen an sich beschäftigt, ein &#8216;guter&#8217; Liebhaber oder eine &#8216;gute&#8217; Liebhaberin zu sein. Unter diesen Voraussetzungen ist ein inniger Kontakt von Nähe und Verbindung zu einander nicht mehr möglich. In unserem Beispiel spürt die Frau intuitiv, dass sein Selbstwertgefühl schwach ist und er ihre Befriedigung braucht, um sich als vollständiger Mann zu fühlen. Auf diese Weise benutzt zu werden, schürt kaum ihr sexuelles Verlangen. Sie wünscht sich einen starken Mann, dem sie sich hingeben kann. Wer will es dem menschlichen Körper verdenken, dass er sich verweigert, wenn er auf reine sexuelle Funktion reduziert wird? Geschieht dies wiederholt oder gar ständig leidet die gesamte Beziehung.</p>
<p>Intensität und Erlebnistiefe in der sexuellen Erfahrung werden stark vom Grad der Hingabe bestimmt, zu der ein Mensch fähig ist. Hingabe bedeutet jegliche Kontrolle aufzugeben. Lust benötigt zu ihrer Entfaltung Entspannung und Loslassen in einem Begegnungsraum, in dem Erlaubnis für das herrscht, was gerade in jedem Partner und zwischen beiden geschieht. Ein zielgerichtetes Vorgehen verhindert ein Miteinandersein, so wie es gerade ist: Niemand muss irgendwo anders hin. Die Empfindsamkeit des eigenen Körpers und die Intensität der Gefühle in jedem Moment der sexuellen Begegnung bestimmen den Augenblick und lassen den nächsten entstehen. Es gibt nichts zu tun. Körper und Gefühle erfahren sich in der Gegenwart und wissen was sie beglückt. Sie benötigen nicht im geringsten Vorgaben von an der Zukunft orientierten zielgerichteten Vorstellungen. Im präsenten Kontakt der Partner mit sich selbst und zu einander lässt sich körperliche und emotionale Verbindung erleben, die in ihrer Qualität über einen rein funktionellen Orgasmus weit hinausreicht.</p>
<p>Im Verlauf einer Paartherapie die Dynamik der eigenen Partnerschaft und deren Ausdruck in der gemeinsamen Sexualität zu verstehen, hilft einen neuen Zugang zu sich selbst und zum Partner zu finden. In einer <a href="http://www.paartherapie-psychotherapie.de">Praxis für Paartherapie und Psychotherapie</a> können Paare an einem Wochenende oder mehreren Tagen ihre Sexualität in einer intensiven <a href="http://www.paartherapie-psychotherapie.de/sexualtherapie">Sexualtherapie</a> erforschen. In einer entspannten Atmosphäre jenseits des Alltagsstresses bekommt ein Paar Anregungen für das sexuelle Beisammensein, die es in intimer Zweisamkeit für sich ausprobieren kann. Fortschritte oder Schwierigkeiten, die dabei auftreten, können dann in der nächsten Paarsitzung direkt besprochen werden. Die Vorschläge, die ein Paar erhält oder gemeinsam erarbeitet werden, sind ganz individuell. Es geht dabei weniger um sexuelle Techniken, sondern darum auszuprobieren, einen Begegnungsraum von Nähe, Verbundenheit und Intimität zu schaffen. Dieser Raum entsteht z. B. über Augenkontakt, Entspannung, sich und den anderen so sein zu lassen, Tabuthemen anzusprechen, Mut zu Offenheit, Authentizität und Risikobereitschaft zu entwickeln, geheime Wünsche und Ängste offen zu legen.</p>
<p>Sexuelle Probleme zu ignorieren und tabuisieren führt auf Dauer zu großer Frustration und Enttäuschung beider Partner mit sehr nachteiligen Auswirkungen auf die Partnerschaft. Es braucht zwar Mut sich Themen wie frühzeitiger Ejakulation, mangelnder Erektionsfähigkeit, Frigidität und Orgasmusschwierigkeiten zu stellen, doch ein erfülltes Sexualleben, das wiederum Voraussetzung für eine erfolgreiche Partnerschaft ist, ist diese Mühe sicherlich wert.</p>
<p>Dieser Beitrag stammt von Andrea Kasper und Georg Schallenberg (<a href="http://www.paartherapie-psychotherapie.de">JOY: HeilpraktikerPraxis)</a>.</p>
</div>
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		<title>&#8220;Ich kann einfach nicht genug bekommen!&#8221; &#8211; Die Droge Sex.</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Apr 2012 08:48:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gibt es die Krankheit &#8220;Sex-Sucht&#8221; wirklich, ist sie wissenschaftlich anerkannt? Und wo liegt der Unterschied zu Hypersexualität?&#8230; Interview zur &#8220;Sexsucht&#8221; bzw. Hypersexualität &#8220;Der Begriff &#8220;Sexsucht&#8221; wird alltagssprachlich häufig schon dann verwendet, wenn jemand lediglich seine Sexualität frei und intensiv auslebt. Mitunter erklärt sich das mit einem rigideren eigenen Wertesystem, welches gerade in der westlichen Kultur bis heute stark durch christliche Moralvorstellungen beeinflußt ist. Als jemand, der mit Menschen zu tun hat, die zum Teil erheblichen Leidensdruck verspüren bzw. ihre Lebensqualität als reduziert empfinden, halte ich diesen Begriff jedoch nicht nur für unexakt, sondern angesichts der üblichen Wortverwendung im Alltag auch als abwertend. Aus wissenschaftlich-psychologischer Sicht wird unter dem korrekteren Terminus &#8220;Hypersexualität&#8221; ein behandlungsbedürftiges Störungsbild verstanden, das bei den Betroffenen großen Leidensdruck verursachen kann. Wie auch die sog. PC-/Internet-Abhängigkeit bzw. &#8220;Internet-Sucht&#8221;, mit der ich mich fachlich bereits vor über 10 Jahren zu beschäftigen begann, gehört sie zur Gruppe der nicht substanzbezogenen Abhängigkeiten. Verursacht durch einen übermäßigen, extrem gesteigerten Sexualtrieb nimmt die Sexualität dabei in Gedanken und Verhalten große Teile des Alltags in Anspruch. Betroffene sind fortwährend auf der Suche nach sexueller Befriedigung, können jedoch keinen persönlichen Bezug zum jeweiligen Partner aufbauen, erleben häufig keinen sexuellen Höhepunkt oder keine dauerhafte (mitunter auch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gibt es die Krankheit &#8220;Sex-Sucht&#8221; wirklich, ist sie wissenschaftlich anerkannt? Und wo liegt der Unterschied zu Hypersexualität?&#8230;<span id="more-3973"></span></p>
<p><strong>Interview zur &#8220;Sexsucht&#8221; bzw. Hypersexualität</strong></p>
<p>&#8220;Der Begriff &#8220;<em><strong>Sexsucht</strong></em>&#8221; wird alltagssprachlich häufig schon dann verwendet, wenn jemand lediglich seine Sexualität frei und intensiv auslebt. Mitunter erklärt sich das mit einem rigideren eigenen Wertesystem, welches gerade in der westlichen Kultur bis heute stark durch christliche Moralvorstellungen beeinflußt ist. Als jemand, der mit Menschen zu tun hat, die zum Teil erheblichen Leidensdruck verspüren bzw. ihre Lebensqualität als reduziert empfinden, halte ich diesen Begriff jedoch nicht nur für unexakt, sondern angesichts der üblichen Wortverwendung im Alltag auch als abwertend.</p>
<p>Aus wissenschaftlich-psychologischer Sicht wird unter dem korrekteren Terminus &#8220;<em><strong>Hypersexualität</strong></em>&#8221; ein behandlungsbedürftiges Störungsbild verstanden, das bei den Betroffenen großen Leidensdruck verursachen kann. Wie auch die sog. <a href="http://www.psychotherapiepraxis.at/artikel/sucht/internet-sucht/internet-sucht.phtml"> PC-/Internet-Abhängigkeit bzw. &#8220;Internet-Sucht&#8221;</a>, mit der ich mich fachlich bereits vor über 10 Jahren zu beschäftigen begann, gehört sie zur Gruppe der <em> nicht substanzbezogenen Abhängigkeiten</em>.<br />
Verursacht durch einen übermäßigen, extrem gesteigerten Sexualtrieb nimmt die Sexualität dabei in Gedanken und Verhalten große Teile des Alltags in Anspruch. Betroffene sind fortwährend auf der Suche nach sexueller Befriedigung, können jedoch keinen persönlichen Bezug zum jeweiligen Partner aufbauen, erleben häufig keinen sexuellen Höhepunkt oder keine dauerhafte (mitunter auch gar keine) sexuelle Befriedigung. Das unbefriedigende Gefühl schon kurz nach den jeweiligen sexuellen Erlebnissen veranlaßt sie dazu, ständig nach neuen sexuellen Erlebnissen (und sei es nur virtuell) zu suchen.</p>
<p>Dabei zeigen sich typische Symptome, die mit Abhängigkeit assoziert werden:</p>
<ul>
<li>es entwickelt sich eine zunehmende Einengung des Interessensspektrums auf den sexuellen Bereich,</li>
<li>ein Drang, die Frequenz der Erfahrungen zu erhöhen,</li>
<li>eine gewisse Toleranzentwicklung (mitunter in Form von Erektionsstörungen, Schwierigkeiten, einen Orgasmus zu erreichen, oder der Entwicklung von Fetischen, ohne die keine sexuelle Erfüllung mehr möglich ist)</li>
<li>sowie zu psychischen Entzugs- bzw. Stress-Symptomen, wenn längere Zeit keine sexuelle Entladung möglich ist.</li>
</ul>
<p>Leider gibt es keine zuverlässigen Zahlen über die Verbreitung von Hypersexualität. Auf Basis meiner eigenen beruflichen Erfahrungen würde ich jedoch schätzen, dass etwa 1-3% der Männer und 0,5-2% der Frauen im Laufe ihres Lebens darunter leiden.&#8221;</p>
<p>*) andere häufig verwendete und z.T. veraltete Begriffe sind die &#8220;<em>Satyriasis</em>&#8221; bzw. der &#8220;<em>Donjuanismus</em>&#8221; des Mannes, die &#8220;<em>Nymphomanie</em>&#8221; der Frau oder &#8220;<em>sexuelle Manie</em>&#8221; (beide Geschlechter), Anm.d.Verf.</p>
<h4>Gibt es in Deutschland auch solche Sexkliniken wie in den USA*, in denen man sich behandeln lassen kann?</h4>
<p>&#8220;Mir ist davon nichts bekannt. Die Existenz derartiger Einrichtungen scheint mir jedoch mehr im Geschäftssinn cleverer Klinikmanager als durch sachliche Notwendigkeit begründet. Denn im Unterschied zu substanzbezogenen Abhängigkeiten besteht ja bei Hypersexuellen keine Notwendigkeit, sie vor ihrem sozialen Umfeld zu schützen, und es gibt keine &#8220;Fertigkeiten&#8221;, die durch tägliches Training erlernt oder vermittelt werden müssten.<br />
Eine ambulante Therapie reicht meinen Erfahrungen nach völlig aus, um gute und auch anhaltende Erfolge im Sinne einer dauerhaften Befreiung von zwanghaft induzierter Sexualität zu erzielen.&#8221;</p>
<p>* (Anspielung auf die einschlägige Therapie des Hollywood-Schauspielers David Duchovny im Jahre 2008 in einer Reha-Klinik in Arizona; diese wurde in einem anderen Teil der betr. Magazin-Beilage erwähnt)</p>
<h4>Wie sieht dann eigentlich die Therapie aus?</h4>
<p>&#8220;Ziel ist wie bei jeder anderen Suchttherapie auch der Wiedererwerb der Fähigkeit, &#8220;nein&#8221; zu sagen, also langfristig selbstschädigende Handlungen zu vermeiden. Dazu ist es jedoch wichtig, die Zusammenhänge der eigenen Abhängigkeit zu verstehen: was &#8220;macht&#8221; mich süchtig, was &#8220;treibt&#8221; mich dazu, immer und immer wieder auf die &#8220;Jagd&#8221; gehen zu müssen? Gerade bei nicht substanzbezogenen Abhängigkeiten ist dies eine zentrale Frage, da rein organisch ja keine Abhängigkeit vorliegt. Die Betroffenen müssen wieder in die Lage versetzt werden, ihr Leben in den Griff zu bekommen.</p>
<p>Rein vom Ablauf her bildet einen wesentlichen Teil der Therapie das therapeutisch geleitete, reflektive Gespräch und hierbei die gemeinsame Suche nach Zusammenhängen und Entwicklung von Lösungsstrategien. Mitunter setze ich, sofern meine KlientInnen dies nutzen wollen, ergänzend auch <a href="http://www.psychotherapiepraxis.at/psychotherapie-praxis-fellner.phtml#hypno"> Hypnotherapie</a> und sogenannte &#8220;Hausaufgaben&#8221; ein, also Beobachtungen oder Verhaltensexperimente, die neue Erfahrungen oder Ideen vermitteln können.</p>
<p>Meist ist innerhalb von ein paar Monaten regelmäßig stattfindender Psychotherapie (im ambulanten Kontext, es ist also kein Klinikaufenthalt notwendig) eine sehr gute Stabilisierung, häufig sogar völlige Problemlösung erzielbar. Damit dauerhafte Problemfreiheit erreicht wird, ist es allerdings gerade bei Suchtverhalten wichtig, die Therapie äußerst konsequent, also in regelmäßiger Frequenz durchzuziehen.&#8221;</p>
<h4>Was passiert psychologisch während eines „Sex-Rauschs“? Denken Sexsüchtige permanent an Sex?</h4>
<p>&#8220;Die Variationsbreite von Hypersexualität ist enorm: es gibt Menschen, die schon auf äußere Schlüsselreize (wie aufreizend gekleidete Frauen oder die Atmosphäre von Rotlichtbezirken) enorm stark reagieren und dann einen fast unstillbaren Drang nach sexueller Aktivität verspüren, aber auch solche, deren Alltag kaum eingeschränkt ist, deren Gedankenwelt aber vom nächsten Urlaub oder Sexurlaub dominiert ist, auf dem sie sich dann getrieben fühlen, all das nachzuholen, was sie während ihres &#8220;normalen&#8221; Lebens ihrem Empfinden nach entbehren mußten.<br />
Innerhalb dieser Bandbreite ist als Gemeinsamkeit die starke Orientierung auf sexuelle Aktivität auszumachen, für die ein erheblicher Teil der verfügbaren Ressourcen an gedanklicher- und Lebensenergie, an Zeit und finanziellen Mitteln aufgewendet wird. Es gibt Betroffene, die im normalen Alltag ein äußerst bescheidenes und sparsames Leben führen, im Kontext realer oder erhoffter sexueller Begegnungen aber enorme Summen Geld investieren. Bei Außenstehenden drängt sich häufig unweigerlich die Frage auf, ob denn das Leben nicht auch noch aus anderen Interessen bestehen könnte als aus sexuellen Begegnungen.&#8221;</p>
<h4>Ab wann gilt man als sexsüchtig? Wo ist die Grenze zwischen extrem potent und süchtig?</h4>
<p>&#8220;Diese Grenze ist insofern schwer zu ziehen, als Sexualität sehr stark auch von hormonellen Faktoren mitbestimmt wird, welche von Mensch zu Mensch unterschiedlich sind. Manche Männer fühlen sich nicht nur psychisch, sondern auch körperlich äußerst unwohl, wenn sie sich nicht zumindest 2x pro Woche sexuell &#8220;entladen&#8221; können, für andere stellt es kein Problem dar, selbst wochenlang keinerlei sexuellen Aktivitäten nachzugehen. Bei Frauen ist die Abgrenzung zu rein physiologisch verursachten Bedürfnissen nochmals schwieriger.<br />
Laut den Spezifikationen der Klassifikationsschemata wie dem <a href="http://www.psychotherapiepraxis.at/artikel/icd-10/">ICD-10</a> ist Hypersexualität als &#8220;Gesteigertes sexuelles Verlangen&#8221; mit dem Diagnoseschlüssel <a href="http://www.psychotherapiepraxis.at/artikel/icd-10/gf50.phtml#f527"> F52.7</a> definiert, ebenso wie die sog. &#8220;Störung der Impulskontrolle&#8221; (<a href="http://www.psychotherapiepraxis.at/artikel/icd-10/gf60.phtml#f638">F63.8</a>). Häufig sind in Kombination damit auch andere Störungen, insbesondere sog. Sexuelle Funktionsstörungen, diagnostizierbar.</p>
<p>Konkret äußert sich dies in den schon vorhin beschriebenen Verhaltensweisen, der überdurchschnittlich intensiven Beschäftigung mit &#8220;all things sex&#8221;, also suchtartigem Sexualverhalten bei Vernachlässigung anderer Lebensbereiche und sozialer Beziehungen (z.B. auch Familie, Freunde und Beruf). Ist Sex nicht möglich, erfolgen häufig unkontrollierbare Kompensationsversuche über Surrogate wie Pornografie, Telefonsex, übermäßige Masturbation. Orgasmen verschaffen meist nur kurzzeitige oder gar keine Befriedigung.</p>
<p>Über das vor allem im amerikanischen Raum verbreitete Diagnoseschema DSM IV liesse sich Hypersexualität ebenfalls in die Gruppe der Störungen der Impulskontrolle einordnen. Explizit definiert und damit klinisch als eigenständiges Störungsbild diagnostizierbar und über die Krankenkassen behandelbar ist sie damit in den USA allerdings nicht.&#8221;</p>
<h4>Was können Auslöser für Sexsucht sein – oder ist das erblich?</h4>
<p>&#8220;Hypersexualität bzw. Sexsucht ist ein in den allermeisten Fällen rein psychisch bedingtes Problem, und sie ist nicht erblich.</p>
<p>Als Systemischer Therapeut hat für mich der Begriff &#8220;erblich&#8221; jedoch eine Doppelbedeutung: <em>Verhaltensmuster</em> können nämlich durchaus über Generationen weitervermittelt werden, dazu gehört auch die Neigung zu <a href="http://www.psychotherapiepraxis.at/artikel/sexualtherapie/paraphilien.phtml"> Paraphilien</a> (sexuell abweichendem Verhalten). In der Tat findet sich fast immer ein auffälliger Bezug zur Sexualität in der Geschichte der Betroffenen &#8211; häufig starke Tabuisierung durch die Eltern oder auch prägende Lebensereignisse (die nicht immer auf Sexualität bezogen sein müssen, es können durchaus auch traumatisierende Erfahrungen sein, die das betreffende Verhalten indirekt auslösen, oder eine kontinuierlich belastende Lebenssituation). Es gibt auch einige potenzielle organische Ursachen für hypersexuelles Verhalten, etwa Funktionsstörungen der Nebennierenrinde oder Bauchspeicheldrüse, eine Schädigung der Temporallappen im Hirn, bestimmte Medikamente und Drogen, aber auch während der Pubertät sowie bei bipolaren Störungen (früher bekannt als &#8220;Manisch-depressives Krankheitsbild&#8221;) können Phasen von Hypersexualität auftreten.&#8221;</p>
<h4>Was raten Sie Sex-Süchtigen?</h4>
<p>&#8220;Moralische Vorbehalte, wie sie häufig direkt oder subtil von der Umwelt geäußert werden, sind hier fehl am Platz und helfen den Betroffenen nicht weiter.<br />
Sich selbst einschätzen können Betroffene etwa mit der Frage, ob sie andere Personen mit dem eigenen Verhalten schädigen (z.B. durch Außenbeziehungen) und wie hoch der Preis ist, den sie selbst für das Verhalten bezahlen (etwa durch häufiges Aufsuchen von Prostituierten oder die Vernachlässigung anderer Lebensbereiche). Wie bei den meisten Formen von Abhängigkeit ist die Selbstwahrnehmung jedoch häufig verzerrt, und das eigene Verhalten wird entweder idealisiert, rationalisiert oder schlicht ausgeblendet.</p>
<p>So üben zahlreiche Hypersexuelle ihr Verhalten oft jahrelang regelrecht zwanghaft aus und suchen erst dann Unterstützung, wenn &#8220;sich der Karren bereits viel zu tief in den Dreck gegraben hat&#8221;, wie das ein Klient kürzlich über sich selbst sagte. Erst wenn ernste gesundheitliche Probleme auftreten, die Ehe bedroht ist, finanzielle Probleme auftreten oder sich sexuelle Störungen wie z.B. Erektionsstörungen manifestieren, suchen Betroffene therapeutische Hilfe. Hier würde ich den betreffenden Menschen wünschen, ihr eigenes Erlebensspektrum nicht vorrangig nur auf den sexuellen Bereich zu beschränken, sondern den Blick wieder für das Leben &#8220;draußen&#8221; zu öffnen, sich von den eigenen &#8220;Süchten&#8221; unabhängiger zu machen und wieder die Kontrolle über das eigene Tun zu erlangen. Hierbei können kleine eigene Schritte dienlich sein oder zielgerichtete, fundierte therapeutische Unterstützung durch einen Sexualtherapeuten oder Psychotherapeuten. Jeder Schritt hin zur Erlangung wirklicher innerer Freiheit und Lebensfreude ist einer, auf den man einmal mit positiven Gefühlen zurückblicken können wird.&#8221;</p>
<p>(Interview 09/2008)</p>
<div>
<div><strong> </strong><strong> </strong> <strong> </strong> <strong> </strong> <strong> </strong><em><strong> <a href="http://www.psychotherapiepraxis.at/psychotherapie-praxis-fellner.phtml"> DSP Richard L. Fellner</a></strong> ist Psychotherapeut, Sexualtherapeut und Coach in Wien.</em><br />
Fellner, Richard L., (2008). Hypersexualität. Abgerufen am 28.Apr.2012 von <a href="http://www.psychotherapiepraxis.at/artikel/sexualtherapie/sexsucht_hypersexualitaet.phtml">psychotherapiepraxis.at/artikel/sexualtherapie</a>.</div>
</div>
<p><sup>1</sup> &#8220;Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht die bloße Abwesenheit von Krankheit oder Gebrechen.&#8221; (offizielle Definition von Gesundheit gemäß der Verfassung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 22. Juli 1</p>
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		<title>Focus und Achtsamkeit</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Apr 2012 13:20:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Psychotherapie]]></category>
		<category><![CDATA[Gehirn]]></category>
		<category><![CDATA[Neurobiologie]]></category>
		<category><![CDATA[Psychologie]]></category>
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		<description><![CDATA[Focusing hat mit dem Körper zu tun, mit körperlichem Erleben, mit einer spezifischen Situation, die außen oder auch innerpsychisch sein kann, und mit einer achtsamen Bezugnahme auf dieses Erleben, aus der dann ein Symbolisieren in Imaginationen, Sprache, Gefühlen, Gesten, &#8230; geschieht&#8230;. Aus einem Vortrag von Klaus Renn Wenn wir diese Erfahrung in den neurobiologischen Kontext stellen, finden wir die eindrucksvollen Studien von Antonio Damasio, die zeigen, dass das Denken nicht ohne Emotionen stattfinden kann &#8230; und dass Emotionen das Ergebnis einer körperlichen Situationseinschätzung sind, die nicht den Umweg über das Bewusstsein nehmen. Derzeit wird mehr und mehr deutlich, dass an diesem Prozess Informationen, die über die Organe kommen, in höherem Maße beteiligt sind als bisher angenommen. Die Erkenntnis aus dem Focusing, dass Sprache, Bilder, ja das gesamte explizite Erleben mit dem Körper verbunden sind – und nicht ausschließlich mit dem Gehirn (cerebrale Prozesse) -, wird Stück für Stück neurobiologisch verifiziert. In den frühen 1960er Jahren untersuchten Prof. Eugene Gendlin und sein Team an der Universität Chicago Merkmale von Klienten, die von einer Therapie profitieren konnten. Die &#8220;erfolgreichen Klienten&#8221; lokalisieren Empfindungen im Körper. Sie äußern sich vager und differenzierter. Die erfolgreichen Klienten nahmen zu ihrem gegenwärtigen Erleben Beziehung auf und versuchten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Focusing hat mit dem Körper zu tun, mit körperlichem Erleben, mit einer spezifischen Situation, die außen oder auch innerpsychisch sein kann, und mit einer achtsamen Bezugnahme auf dieses Erleben, aus der dann ein Symbolisieren in Imaginationen, Sprache, Gefühlen, Gesten, &#8230; geschieht&#8230;.<span id="more-3955"></span></p>
<p><em>Aus einem Vortrag von Klaus Renn</em></p>
<p>Wenn wir diese Erfahrung in den neurobiologischen Kontext stellen, finden wir die eindrucksvollen Studien von Antonio Damasio, die zeigen, dass das Denken nicht ohne Emotionen stattfinden kann &#8230; und dass Emotionen das Ergebnis einer körperlichen Situationseinschätzung sind, die nicht den Umweg über das Bewusstsein nehmen.</p>
<p>Derzeit wird mehr und mehr deutlich, dass an diesem Prozess Informationen, die über die Organe kommen, in höherem Maße beteiligt sind als bisher angenommen. Die Erkenntnis aus dem Focusing, dass Sprache, Bilder, ja das gesamte explizite Erleben mit dem Körper verbunden sind – und nicht ausschließlich mit dem Gehirn (cerebrale Prozesse) -, wird Stück für Stück neurobiologisch verifiziert.</p>
<p>In den frühen 1960er Jahren untersuchten Prof. Eugene Gendlin und sein Team an der Universität Chicago Merkmale von Klienten, die von einer Therapie profitieren konnten. Die &#8220;erfolgreichen Klienten&#8221; lokalisieren Empfindungen im Körper. Sie äußern sich vager und differenzierter. Die erfolgreichen Klienten nahmen zu ihrem gegenwärtigen Erleben Beziehung auf und versuchten dieses Erleben bildhaft, sprachlich und gestisch zu symbolisieren. Sie traten in eine empathische Beziehung zu sich selbst, und sie bezogen sich direkt auf ihr Erleben. Sie nutzen auch die Symbolkraft ihrer Träume.</p>
<p>Als „Ich&#8221; können sie ihrem Erleben gegenübertreten und Intensität, Nähe und Distanz zu ihrem Problem regulieren: „Ich spüre mich …“, „Ich nehme bei mir wahr …“. Erfolgreiche Klienten haben ein „Ich mit mir“, eine annehmende, interessierte Beziehung zu sich selbst. Sie können einen Abstand zu ihrem Problem finden, einen inneren Freiraum schaffen, von dem aus sie eine realistische Chance haben, das Problem erfolgreich zu bearbeiten. Sie geraten also weder in die Gefahr, kopfüber in ihr Problem hineinzustürzen, noch gehen sie erlebnismäßig so weit auf Distanz, dass nur noch ein analysierend-reflektierendes Sprechen darüber möglich ist.</p>
<p>Das Besondere besteht also in der Fähigkeit des Klienten eine optimale Balance und Beziehung zu seinem inneren Erleben herzustellen und konstruktiv aufrecht zu erhalten und von dort aus neue Informationen, kreative Einsichten, bedeutsame Einstellungsänderung usw., auftauchen zu lassen.</p>
<p>Innerlich achtsam sein bedeutet, in einer ganz bestimmten Weise mit sich, dem Inneren Erleben eine kleine Zeit zu verbringen. Es meint ein bestimmtes „Wie“ ich mit mir selbst bin, es meint eine spezielle Beziehung zu sich selbst. Obwohl es ganz einfach erscheint, impliziert es bei genauer Betrachtung viele Haltungen und Bedeutungen. In dieser einfachen, freundlich-neugierigen Zuwendung zu sich selbst sind ganze Psychologien eingefaltet.</p>
<p>Nicht was der Klient über sein Problem im Kopf hat und sprachlich bereits weiß auch nicht was der Therapeut über dieses Erleben zu wissen glaubt, scheint entscheidend für Veränderungsprozesse zu sein, sondern die erlebnishafte Kontaktaufnahme mit einem vorsprachlichen, körperlich spürbaren Fühlen, Fühlen, Wissen, wissendes Fühlen von etwas, das sich sodann, wenn es sich weiter ungestört entfalten kann in einem tiefer greifenden Aha-Erlebnis selbst erklärt und selbst versteht.</p>
<p>Geht der Kontakt zu diesen unmittelbaren körperlichen Erfahrung verloren stoppt auch der therapeutische Prozess.</p>
<p>Gerald Hüther sagt, damit Veränderung geschehen kann, müssen wir versuchen, die verlorengegangene Einheit von Denken, Fühlen und Handeln, von Rationalität und Emotionalität, von Geist, Seele und Körper wiederzufinden. Wir brauchen „reale Erfahrungen, die die betreffende Person mit all ihren Sinnen macht, und nicht nur verbale Repräsentationen von Erfahrungen“. Er sagt weiter: „Therapie muss unter die Haut und unter die Sprache gehen!“</p>
<p>Diese Bedingungen für Veränderung gelten für jeden Menschen, also auch für jede psychotherapeutische Sitzung.</p>
<p>Aspekte des Focusing haben die Traumatherapie über Peter Levine und Luise Reddemann wesentlich beeinflusst.</p>
<p>Die Haltung des Therapeuten ist die der Absichtslosigkeit, also ergebnisoffen. Diese Art und Weise des Da-Seins wirkt paradox und lässt genau die Veränderungsschritte entstehen, die innerhalb der Wachstumszone des Klienten liegen.</p>
<p><em>Aus einem <a href="http://www.lptw.de/archiv/vortrag/2010/renn_k.pdf">Vortrag von Klaus Renn</a></em><br />
<em>Dt. Ausbildungsinst. f. Focusing u. Focusing-Therapie (DAF)</em><br />
<em> Ludwigstr. 8 A, 97070 Würzburg</em></p>
<p>http://www.lptw.de/archiv/vortrag/2010/renn_k.pdf</p>
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		<title>Maimonides (1138-1204) über Naturheilkunde</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Apr 2012 18:19:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Psychosomatik]]></category>
		<category><![CDATA[Diät]]></category>
		<category><![CDATA[Naturheilkunde]]></category>
		<category><![CDATA[Sex]]></category>
		<category><![CDATA[Wasser]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn man in deutschsprachigen Ländern über Naturheilkunde spricht, denkt man häufig an Christian Wilhelm Hufeland (1762-1836). Hufeland war Leibarzt der königlichen Familie, Staatsrat und Professor der Universität Berlin. Sein Enchiridion medicum, oder Anleitung zur medizinischen Praxis war Hufelands letztes Werk, er starb im selben Jahr. Die erste Auflage erschien im Mai 1836, und im August wurde bereits die zweite Auflage herausgegeben&#8230; Samuel S. Kottek in [Naturheilkunde und Judentum] Das erste Kapitel, &#8220;Natur und Kunst; Physiatrik&#8221;, beginnt mit dem Titel &#8220;Naturheilung&#8221; (Seiten 1-5). Als Motto wählte Hufeland: Natura sanat, Medicus curat Morbos. Diesen Aphorismus kann man schon im Regimen sanitatis von Salerno finden. Meistens findet man folgendes: Medicus curat, Natura sanat Morbus. Es ist bemerkenswert, dass Hufeland im Gegensatz dazu die Natur an den Anfang stellt: &#8220;Die Natur heilt, der Arzt behandelt die Krankheit.&#8221; Hufeland schreibt weiter: &#8220;Alle Krankheitsheilungen werden durch die Natur bewirkt; die Kunst ist nur ihr Gehülfe, und heilt nur durch sie&#8221; (S. 1). Unter ,Physiatrik&#8217; &#8211; so Hufeland &#8211; versteht man gewöhnlich die Naturheilung. Er verstehe darunter die darauf gegründete Heilkunst (S. 5). Von Hippokrates an bliebe diese Ansicht &#8220;durch alle Wechsel der Schulsysteme hindurch [...] das Ideal der wahren Iatriker&#8221;. Es gibt aber zwei Irrwege, vor [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn man in deutschsprachigen Ländern über Naturheilkunde spricht, denkt man häufig an Christian Wilhelm Hufeland (1762-1836). Hufeland war Leibarzt der königlichen Familie, Staatsrat und Professor der Universität Berlin. Sein <em> Enchiridion medicum, oder Anleitung zur medizinischen Praxis</em> war Hufelands letztes Werk, er starb im selben Jahr. Die erste Auflage erschien im Mai 1836, und im August wurde bereits die zweite Auflage herausgegeben&#8230;<span id="more-2045"></span></p>
<p><em>Samuel S. Kottek in [<a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3940529095">Naturheilkunde und Judentum</a>]</em></p>
<p>Das erste Kapitel, &#8220;Natur und Kunst; Physiatrik&#8221;, beginnt mit dem Titel &#8220;Naturheilung&#8221; (Seiten 1-5). Als Motto wählte Hufeland:<br />
<strong>Natura sanat, Medicus curat Morbos.</strong></p>
<p>Diesen Aphorismus kann man schon im Regimen sanitatis von Salerno finden. Meistens findet man folgendes: Medicus curat, Natura sanat Morbus. Es ist bemerkenswert, dass Hufeland im Gegensatz dazu die Natur an den Anfang stellt:<br />
&#8220;Die Natur heilt, der Arzt behandelt die Krankheit.&#8221; Hufeland schreibt weiter: &#8220;Alle Krankheitsheilungen werden durch die Natur bewirkt; die Kunst ist nur ihr Gehülfe, und heilt nur durch sie&#8221; (S. 1). Unter ,Physiatrik&#8217; &#8211; so Hufeland &#8211; versteht man gewöhnlich die Naturheilung. Er verstehe darunter die darauf gegründete Heilkunst (S. 5). Von Hippokrates an bliebe diese Ansicht &#8220;durch alle Wechsel der Schulsysteme hindurch [...] das Ideal der wahren Iatriker&#8221;.</p>
<p>Es gibt aber zwei Irrwege, vor denen der Arzt sich hüten müsse. &#8220;Der erste ist [...] die negative Behandlung, d. h., alles der Natur (zu) überlassen. [...] Der zweite ist das zu viel thun&#8221;, zum Beispiel &#8220;übermäßige Blutausleerungen, die dem Organismus mehr Schaden bringt als die Krankheit selbst&#8221; (S. 7).</p>
<p>Ich werde nun Hufeland verlassen, um mich Maimonides zuzuwenden, aber möchte noch bemerken, dass eine hebräische Übersetzung des Enchiridion, aus der russischen Auflage übersetzt, 1869 in Jitomir gedruckt wurde.<br />
Nach Brauchte gehören zur Naturheilkunde &#8220;die Sonne, das Licht, die Luft, die Bewegung, die Ruhe, die Nahrung, das Wasser, die Kälte, die Erde, die Atmung, die Gedanken, die Gefühle und die Willensvorgange.&#8221;</p>
<p>Ist die Natur wirklich als idealer Arzt zu betrachten, oder mehr als vorbildlicher Hygieniker? Maimonides wird uns wohl helfen, eine Antwort zu geben.</p>
<p><strong>Maimonides über die Natur als Heilkünstler</strong></p>
<p>Ungefähr 700 Jahre vor der Publikation des Enchiridion wurde Moses Maimonides in Cordoba geboren (1138). Die Familie musste, als Moses noch ein Kind war, die Stadt verlassen, weilte eine Zeitlang in Fez, Marokko, und erreichte endlich Ägypten.<br />
Erst dann, als er ungefähr 30 Jahre alt war, wendete sich Maimonides der medizinischen Praxis zu. Damals war er schon als Autorität des jüdischen Gesetzes weit bekannt. Wir wissen leider nichts, weder über sein Curriculum vitae noch wo er Medizin studiert hat. Man kann aber doch feststellen, dass er in Fez mit arabischen Ärzten in Kontakt war.</p>
<p>Wir werden uns als erstes seinem Regimen Sanitatis (Heb. Hanhagath haBriuth) zuwenden. Dieses Werk wurde für den Sultan Al-Afdal, Saladins Sohn und Nachfolger, geschrieben. Das Buch wurde bald ins Hebräische übersetzt, und schon 1477 in lateinischer Sprache gedruckt. Der zweite Teil des Werkes erklärt, was man machen soll, wenn kein Arzt, oder kein voll ausgebildeter Arzt, zur Verfügung steht.</p>
<p>Wir lesen:<br />
&#8220;Da möchte ich sagen, dass Galen uns schon erklärt hat, dass die Griechen in alten Zeiten, wenn die Krankheit ihnen unklar war, gar keine Arzneimittel gaben, und dass sie den Kranken der Natur überließen, weil sie die Krankheiten zu heilen weiss.&#8221;</p>
<p>Auch Hippokrates hat in vielen seiner Werke die Natur geschätzt, weil sie klug und geschickt sei. Sie würde alles zweckmäßig ausführen, und man brauche nichts anderes, um die Genesung zu erreichen. Der Arzt aber solle nur dazu beitragen, die Natur zu unterstützen und auf ihrem Wege vorgehen.</p>
<p>Gleich danach zitiert Maimonides aus Rhasis: Es gebe eigentlich nur drei Möglichkeiten: &#8220;entweder ist die Krankheit stärker als der Kranke, dann wird kein Arzt helfen können&#8221;; oder &#8220;die Kraft des Kranken [ist] stärker als die der Krankheit, da wird die Natur allein erfolgreich sein. Nur wenn beide Kräfte gleich sind, kann, oder soll der Arzt &#8211; aber nur ein voll ausgebildeter Arzt &#8211; helfen, indem er die Kräfte des Kranken und der Natur, verstärkt.&#8221;</p>
<p>Desweiteren gibt uns Maimonides nähere Angaben:<br />
&#8220;Es ist also klar geworden, dass es nötig sei, dass der Kranke bei der Natur verbleiben soll, wenn sich kein voll ausgebildeter Arzt meldet. Der Sinn des &#8216;bei der Natur verbleiben&#8217; ist, dass man kein Arzneimittel nehmen soll, das nicht von einem gesunden Menschen genommen werden kann.&#8221;</p>
<p>&#8220;Der Kranke soll die Nahrung nicht vernachlässigen und trinken, wenn er Durst hat, essen, wenn er Hunger hat, und dies zur Zeit, wo er gewöhnt ist, eine Mahlzeit zu verzehren. Er soll aber nur die leichteste Speise zwischen den üblichen Mahlzeiten zu sich nehmen.&#8221;</p>
<p>Maimonides rät von starken Mitteln ab (zum Beispiel reichlicher Aderlass), die mehr Schaden als Hilfe bringen, wenn sie nicht auf Anordnung eines perfekten und erfahrenen Arztes verordnet worden sind.<br />
Wir werden nun vorübergehend den Regimen Sanitatis verlassen, um uns dem Buch über Asthma zuzuwenden. Hier benutzen wir die neue englische Übersetzung von Gerrit Bos. Dieses Traktat wurde für eine vornehme Persönlichkeit geschrieben und ist eigentlich nichts anderes als ein wiederholtes Regimen Sanitatis&#8217;, mit einigen speziellen Anweisungen für Leute, die an Lungenbeschwerden leiden.</p>
<p>So lesen wir:<br />
&#8220;Man solle erstens auf die Besserung der Luftqualität achten, dann auf die Qualitätsbesserung des Wassers, und dann auf die der Nahrung&#8221;. Maimonides zitiert hier Galen &#8211; nicht Hippokrates. Weiter bemerkt Maimonides, dass man sich für leichte Beschwerden nicht beeilen soll, Arzneimittel einzunehmen: &#8220;Die Natur wird wohl heilen.&#8221; Ein angemessenes Regime soll genügen.</p>
<p>Hier fügt er hinzu:<br />
&#8220;Wenn du dich entschließest leichte Leiden zu behandeln, so stehen dir zwei Möglichkeiten offen: entweder ist deine Behandlung fehlerhaft und der Natur widerstrebend, dann wird die Krankheit schlimmer werden. Oder deine Behandlung ist richtig, dann |&#8230;| wird aber die Natur davon lernen passiv zu bleiben, und nur mit Hilfe von äußeren Kräften zweckmäßig wirken.&#8221; So hören wir, dass sogar der Natur zu helfen und sie zu kräftigen, nicht immer angemessen ist. Hippokrates sagte schon in einem kurzen, treffenden Aphorismus, &#8220;Die Natur ist genügend, in allem, für alle&#8221; (Gr. <em>phusis exarkei panta pasi</em>).</p>
<p>Weiter zitiert Maimonides nochmals Galen, der sagt, dass die Natur besser als der Arzt sei, um unklare Fälle zu heilen:<br />
&#8220;Die Natur leitet die Gesundheit und heilt die Krankheit des Menschen. Sie kennt die Konstitution (hebr. mezeg) der Organe, und wird angepasste Nahrung zu jedem Organ weisen, nachdem sie die übrigen Nahrungsmittel und Säfte zu geeigneten Plätze im Körper gesandt hat.&#8221;</p>
<p>Die Natur ist also sachverständiger als der Arzt, weil sie den Zustand und die Bedürfnisse der Organe richtig einschätzt. Passende Nahrung zu wählen und die Säfte in Ordnung zu bringen, waren damals die Grundsätze der Heilkunst.</p>
<p><strong>Die Natur als Lebenskraft</strong></p>
<p>In Maimonides&#8217; medizischem Magnum Opus, d. h. Die Aphorismen des Moses (hebr. Pirqei Mosche) findet man einen Exkurs über die Wirkung der Natur als Lebenskraft.</p>
<p>Dort lesen wir:<br />
&#8220;Diese (Lebenskraft bemüht sich fortwährend die Tätigkeit von allen Organen in ihrer Vollkommenheit zu bewahren. Und wenn sich irgendeine Krankheitsursache meldet, steht sie ihr entgegen, und stößt sie zurück.<br />
Wie kann aber der Arzt beurteilen, ob die Natur, also die Lebenskraft des Kranken, die Lage beherrscht? Er muss das Atmen, den Puls, die Sinne (besonders die Sehkraft), die Esslust, den Verstand in Betracht nehmen. Auch auf das Antlitz soll er achten. Wenn dieses wie gewöhnlich aussieht, so ist dies ein gutes Zeichen. Das meint auch Hippokrates, besonders bei akuten Krankheiten.</p>
<p><strong>Naturgemäß vs. nicht-naturgemäß</strong></p>
<p>Galenische Medizin, wie sie in Ars Medica, Kap. 23, geschildert wurde, war in drei Abschnitte eingeteilt, und zwar in die natürlichen, nicht-natürlichen und kontra-natürlichen Dinge.</p>
<ul>
<li><em>Natürlich</em> sind die Elemente, die Temperamente, die Säfte, die Organe und der Geist.</li>
<li><em>Nicht-natürlich</em> sind die Wirkung der Luft, Bewegung und Ruhe, Essen und Trinken, Ausleerung und Retention der Absonderungen, und das Gemüt.</li>
<li><em>Kontra-natürlich</em> sind die Ursachen der Pathologie.</li>
</ul>
<p>Paradoxerweise werden wir nun über die &#8220;sechs nicht-natürlichen Dinge&#8221; reden, die eigentlich eine Zusammenfassung der Hygiene bilden, den Gedanken des Maimonides folgend.<br />
Zuerst möchten wir klären, dass diese &#8220;sex res non naturales&#8221; eigentlich nichts anderes als externe Ursachen der Krankheit (bzw. der Gesundheit) sind. Wir hätten aus Maimonides&#8217; Regimen Sanitatis und aus &#8216;Über Asthma&#8217; zitieren können. Wir werden uns aber diesmal auf ein nicht-medizinisches Werk stützen, und zwar auf Hilkhot De&#8217;ot.</p>
<p>Dies ist ein Kapitel des zweiten Teiles des ersten Buches des theologischen Codex des Maimonides. Hier, im vierten Kapitel, erklärt Maimonides, dass man nur mit Erfolg studieren kann, wenn man gesund ist. Darum muss man sich also von allen Eigenschaften die dem Körper schaden können, fernhalten.</p>
<p>Zuerst schreibt er über Essen und Trinken, wann, wie und wie viel, und nachfolgend über den Schlaf: &#8220;Man soll sich nicht auf den Bauch oder den Rücken, sondern auf die Seite hinlegen, zuerst auf die linke, später auf die rechte Seite. Hinlegen soll man sich nicht gleich nach dem Essen, sondern erst drei bis vier Stunden später, ebenso nicht während des Tages.&#8221;21 Man soll ein Drittel des Tages, also acht Stunden, schlafen.</p>
<p>Körperliche Übungen werden dringend empfohlen. Vor dem Essen soll man spazieren gehen oder sich anderweitig bewegen, dann eine kleine Weile ausruhen, und sich erst dann ernähren. Dagegen soll man nicht gleich nach dem Essen seine Kräfte vergeuden, sondern erst am Ende der Verdauung.</p>
<p>Baden soll man einmal in der Woche, aber nicht, wenn man hungrig ist und auch nicht gleich nach dem Essen. &#8220;Den Körper soll man mit heißem Wasser waschen, den Kopf mit sehr warmem Wasser. Danach benutzt man lauwarmes Wasser, und am Ende kaltes Wasser, aber nicht auf dem Kopf. Kaltes Wasser wird man nur anwenden, nachdem man geschwitzt und den Körper massiert hat. Bald danach soll man sich ankleiden, den Kopf sorgfältig bedecken, sogar bei warmem Wetter. Nach dem Bad ist es empfehlenswert, eine Weile auszuruhen, und nicht gleich danach eine Mahlzeit einzunehmen.&#8221;</p>
<p>Die Aussonderung von Urin und Kot soll ständig kontrolliert werden, vor und nach dem Essen, vor und nach dem Bad, vor und nach der Übung, vor und nach sexuellen Beziehungen, vor und nach dem Schlaf. Man soll sich vor Verstopfung hüten, da viele schlimme Krankheiten davon kommen. Am besten soll der Kot weichlich sein.</p>
<p>Das Gemüt wird im zweiten Kapitel der Hilkhot De&#8217;ot behandelt. Man soll sich bemühen, alle Affekte zu kontrollieren, in dem man sie auf der &#8220;mittleren Linie&#8221; hält. Der Mensch soll glückselig bleiben und alle seine Reaktionen beherrschen.</p>
<p>Am Anfang des vierten Kapitels der Hilkhot De&#8217;ot schreibt Maimonides:<br />
&#8220;Ein Mensch soll sich in solcher Weise benehmen, dass seine Gesundheit erhalten bleibt: er soll nur essen, wenn er hungrig ist, nur trinken, wenn er durstig ist, zum Abort gehen, sobald er ein Bedürfnis dazu fühlt. Er soll nicht essen, bis sein Magen voll ist, sondern er soll immer ein Viertel des Magens freihalten. Er soll während der Mahlzeit kein Wasser trinken, oder nur wenig, und dies mit Wein gemischt.&#8221;</p>
<p>Und am Ende des Kapitels schreibt er:<br />
&#8220;Ich bin überzeugt, dass jedermann der sich so benimmt, wie ich hier unterrichtet habe, nie erkranken wird, bis zu seinem Tode in hohem Alter, und er wird keinen Arzt benötigen. Sein Organismus wird gesund und vollkommen bleiben, wenn nicht irgendeine kongenitale Anomalie bei ihm vorhanden ist.&#8221;</p>
<p>Obwohl dieser Anspruch uns ein wenig übertrieben scheint, wollte wohl Maimonides in dieser Weise seine Leser überzeugen, seine hygienischen Anweisungen ernst zu nehmen.</p>
<p><strong>Zusammenfassung</strong></p>
<p>Natura sanat morbus, oder, in der Fassung der Schola Salernitana, sanat Corpora &#8211; hierfür brauchte man im Mittelalter, aber vielleicht noch heute, ein Regimen Sanitatis. Dies war nicht nur für Ärzte notwendig, sondern auch für die gebildeten Menschen.<br />
Für Hufeland und für das, was man Hausmedizin nannte, stellte sich die Frage: Wie soll oder muss man handeln, bis der Arzt eintrifft, oder überhaupt anstelle eines Arztes. Für Maimonides und seine Zeitgenossen wurde die Frage anders gestellt. Die Natur weiß sich gegen Angriffe, wenn solche nicht zu heftig sind, selbst zu helfen. Der Arzt muss lernen zu beurteilen, ob und wann er seine eigene Hilfe anbieten soll. Um diese Erfahrung zu erreichen, muss er zuerst die Natur des Menschen kennen lernen. Zweitens muss er die &#8220;unvermeidlichen Ursachen&#8221; von Gesundheit und Krankheit (contra-natura) kennen und sie der Lage eines kranken (oder sogar gesunden) Menschen anpassen.</p>
<p>Im dreizehnten Kapitel des Buches Über Asthma bemerkt Maimonides, dass sogar Galen schon betont habe, wie oft er selbst über die Behandlung eines Patienten unschlüssig war. In unseren Zeiten, so Maimonides, wo die Ärzte erstens oft wenig Erfahrung und zweitens ein ausgezeichnetes Gedächtnis haben müssen &#8211; nachdem sich die Medizin so stark entwickelt hat (!) &#8211; reicht ein ganzes Leben nicht aus, um ein vollkommener Arzt zu werden.</p>
<p>Wenn aber der Arzt nicht vollkommen ist, wie es leider meistens der Fall sei, solle man ihm kein Vertrauen schenken, sondern sich lieber der Natur zu wenden, und, nach ernsthafter Überlegung, eine geeignete Diät anwenden.</p>
<p>Maimonides Äußerungen über die Naturheilkunde stehen im Einklang mit vielen anderen Werken des Mittelalters. Auch in seinen anderen medizinischen Werken war Maimonides kein Bahnbrecher. Er zeigte aber in seinen philosophischen und theologischen Schritten alle imponierenden Eigenschaften, die er hatte, nämlich eine kritische Wahl der Bezugspunkte, eine klare und kurz gefasste Ausdrucksweise und die Autorität eines sachverständigen Fachmannes.<br />
Man darf wohl behaupten, dass noch heute ein &#8220;voll ausgebildeter Arzt&#8221; die Lebensordnung seiner Patienten steuern, und dass jedermann sein Regimen Sanitatis zu Herzen nehmen sollte. Ein Herzenswunsch &#8211; &#8216;natürlich&#8217;.</p>
<p>Ich möchte hier meinem Freund Dr. Edgar Weil danken, der meine deutsche Fassung bedeutsam verbessert hat.</p>
<p>Anmerkungen: im Buch finden sich zahlreiche Fussnoten und Abbildungen&#8230;<br />
[<a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3940529095">Naturheilkunde und Judentum</a>]</p>
<p>Nach der theoretischen und methodologischen Trennung von Schulmedizin und Naturheilkunde haben sich seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert auch wieder akademisch gebildete Ärzte der alternativen und Naturheilverfahren angenommen und waren nun um deren wissenschaftliche Begründung bemüht. Nachweislich haben sich auch Ärzte jüdischer Herkunft und jüdischen Glaubens auf diesem Gebiet engagiert. Das Buch [<a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3940529095">Naturheilkunde und Judentum</a>] befasst sich mit der Frage, welche Rolle dabei aus dem Judentum selbst erwachsene Ansprüche und Intentionen gespielt haben. Es analysiert, inwieweit gerade jüdische Ärzte und Heilkundige Anhänger oder Protagonisten einer modernen Naturheilkunde und Naturheilbewegung waren.Schließlich werden die hieraus resultierenden praktischen Konsequenzen aufgezeigt, etwa für sozial- und standespolitische Forderungen oder die Gründung von Institutionen und Vereinen.</p>
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		<title>Jugend und Suizid: Signale sehen ist wichtig</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Apr 2012 18:17:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Psychotherapie]]></category>
		<category><![CDATA[Alkohol]]></category>
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		<category><![CDATA[Suizid]]></category>

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		<description><![CDATA[Suizid bei Jugendlichen verhindert man am besten, indem man frühe Warnzeichen erkennt und dem Betroffenen hilft, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Zu diesem Schluss kommt der Psychiater Christian Haring, Leiter der Jahrestagung der deutschen und österreichischen Gesellschaft für Suizidprävention&#8230; Prävention heißt aufmerksam sein und an Profis weiterleiten Verzweifelt: Jugendliche brauchen Unterstützung in Krisen pte &#8211; suizidtagung.at &#8220;Suizid ist bei Jugendlichen ein großes Problem. Treffen jene, die in Gefahr sind, auf einfühlende Menschen, die ihnen den Schritt zur Therapie erleichtern, gelingt meist eine positive Wende&#8221;, so der Experte im pressetext-Interview. Verstecktes Problem Bei der Altersgruppe bis 45 Jahre gehört Suizid zu den häufigsten Todesursachen. Bei Jugendlichen rangiert er hinter Unfällen und Krebs sogar auf Platz drei. &#8220;In Tirol haben 18 Prozent der jugendlichen Mädchen und acht Prozent der Jungen selbstschädigendes Verhalten, das man als &#8216;parasuizidal&#8217; werten kann. Laut einer Heidelberger Studie haben neun Prozent der weiblichen und 4,5 Prozent der männlichen 15-Jährigen bereits einmal Suizid versucht&#8221;, so Haring. Da Medien nicht über Suizid berichten, Betroffene kaum im Gesundheitssystem auftauchen und selbst Ärzte die Gefährdeten zu sehr durch die Krankenhausbrille sehen, ist vielen das Problem nicht bewusst. Dass die Pubertät und Jugend eine Krisenzeit ist, ist nur verständlich, betont Haring. &#8220;Pubertierende [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Suizid bei Jugendlichen verhindert man am besten, indem man frühe Warnzeichen erkennt und dem Betroffenen hilft, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Zu diesem Schluss kommt der Psychiater Christian Haring, Leiter der Jahrestagung der deutschen und österreichischen Gesellschaft für Suizidprävention&#8230;</p>
<p><strong>Prävention heißt aufmerksam sein und an Profis weiterleiten</strong><br />
<strong>Verzweifelt: Jugendliche brauchen Unterstützung in Krisen</strong></p>
<p><a href="http://www.pressetext.de">pte</a> &#8211; <a href="http://www.suizidtagung.at">suizidtagung.at</a> &#8220;Suizid ist bei Jugendlichen ein großes Problem. Treffen jene, die in Gefahr sind, auf einfühlende Menschen, die ihnen den Schritt zur Therapie erleichtern, gelingt meist eine positive Wende&#8221;, so der Experte im pressetext-Interview.</p>
<p><strong>Verstecktes Problem</strong></p>
<p>Bei der Altersgruppe bis 45 Jahre gehört Suizid zu den häufigsten Todesursachen. Bei Jugendlichen rangiert er hinter Unfällen und Krebs sogar auf Platz drei. &#8220;In Tirol haben 18 Prozent der jugendlichen Mädchen und acht Prozent der Jungen selbstschädigendes Verhalten, das man als &#8216;parasuizidal&#8217; werten kann. Laut einer Heidelberger Studie haben neun Prozent der weiblichen und 4,5 Prozent der männlichen 15-Jährigen bereits einmal Suizid versucht&#8221;, so Haring. Da Medien nicht über Suizid berichten, Betroffene kaum im Gesundheitssystem auftauchen und selbst Ärzte die Gefährdeten zu sehr durch die Krankenhausbrille sehen, ist vielen das Problem nicht bewusst.</p>
<p>Dass die Pubertät und Jugend eine Krisenzeit ist, ist nur verständlich, betont Haring. &#8220;Pubertierende sind nicht nur von Natur aus schwierig und launisch, sondern auch die Anforderungen dieser Lebensphase sind extrem hoch. Jugendliche müssen Schule, Lehrplatzsuche und oft auch Arbeitslosigkeit bewältigen, haben oft aber noch nicht die nötigen Ressourcen dafür. Zudem werden sie von den Erwachsenen noch nicht richtig ernst genommen. Dazu erscheint ihnen die Welt, die sie in den Nachrichten sehen, als düster und hoffnungslos.&#8221;</p>
<p><strong>Verständnis statt Verbote</strong></p>
<p>Krankhafte Zustände und seelische Probleme übersieht man bei Jugendlichen häufig oder kehrt sie beiseite, warnt der Experte. &#8220;Sind Erwachsene depressiv oder geraten in Burnout, so rät man ihnen, sich zu schonen und gewährt ihnen Auszeit. Depression zeigt sich im Jugendalter jedoch ganz anders.&#8221; Die Ausdrucksformen seien vielseitig und reichen von Schulversagen, Verweigerung, hohem Alkoholkonsum bis hin zum Rückzug ins Internet oft länger als vier Stunden pro Tag für außerschulische Zwecke. Das Gegenwirken durch erhöhten Druck, Verbote und Schulnoten ist hier meist nur kontraproduktiv.</p>
<p>Statt ständiges Zurufen von hinten, wie das Leben laufen sollten, empfiehlt Haring den Eltern einfühlsames Verhalten. &#8220;Nur jeder dritte Jugendliche sucht in derartigen Krisen Rat bei den Eltern. Für sie ist wichtig zu signalisieren: Ich bin da, wenn du mich brauchst. Verständnis und kreative Maßnahmen wirken hier am besten.&#8221; In der Schule sei ein positives Klassenklima die beste Prävention, wenden sich doch viele bei Suizidgedanken zuerst an Gleichaltrige. &#8220;Das ist positiv, allerdings verhindert das Anvertrauen an Mitschüler meist die Suche professioneller Hilfe. Wichtig ist, dass Gleichaltrige helfen und an Profis weiterleiten.&#8221;</p>
<p><strong>Schulfach Krisenbewältigung</strong></p>
<p>Die Tagung bot auch Einblick in erste Ergebnisse der Studie SEYLE (&#8220;Saving and Empowering Young Lives in Europe&#8221;) http://seyle.org , die jugendliches Risikoverhalten europaweit erforscht und zugleich Prävention bietet. 16 Tiroler Schulen machen heuer am vierteiligen Programm mit, berichtet Haring. &#8220;Zuerst steht ein Fragebogen. Dieser sucht nach Jugendlichen der Risikogruppe, die man zu Gesprächen mit Fachleuten einlädt.&#8221; Zugleich wird ein Training für an Schulen arbeitende Menschen geboten, die Probleme frühzeitig erkennen und Gespräche suchen, sowie auch für Peer Groups. Der vierte Schritt ist eine Plakatkampagne.</p>
<p><strong>Medien tragen Verantwortung</strong></p>
<p>Die Kampagne hält Haring für wichtig, da auch die Medien aktiv Prävention betreiben können. &#8220;Die interne Abmachung, nicht über Suizidfälle zu berichten, verhindert zwar erfolgreich Nachahmer, doch übersieht man dadurch das Problem.&#8221; Medien sollten in Fallbeispielen zeigen, wie man Krisen überwindet, denn auch das verhindert nachweislich Suizid. Als &#8220;Papageno-Effekt&#8221; haben Wiener Mediziner das Phänomen kürzlich benannt, in Anspielung auf den Zauberflöten-Darsteller, der in einer Lebenskrise durch Zuruf von drei Knaben wieder neuen Mut schöpft. &#8220;Genau wie die Psychotherapie müssen auch Medien Hilfen und Lösungen bieten, statt die Menschen in einem Loch zurückzulassen&#8221;, so der Tiroler Psychiater.</p>
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		<title>Generationen: Das medizinische Archiv des Warschauer Ghettos</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Apr 2012 16:17:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
		<category><![CDATA[Kinder]]></category>
		<category><![CDATA[Untersuchung]]></category>

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		<description><![CDATA[Dies ist eine Geschichte von medizinischer Verpflichtung und Selbstlosigkeit, eine Geschichte vom Sieg des Geistes über den Rassenwahnsinn der Nationalsozialisten, eine Geschichte vom Leiden und Tod im Ghetto und vom Überleben und Weiterleben nach der Schoah… Von Andrea Livnat “Während der letzten Tage starben ca. 150 Menschen täglich. Die Sterblichkeitsziffer wächst. Nachts, zwischen 1 und 5 Uhr morgens begräbt man die Toten. Heute war ich im Verschlag für die Toten. Ein makaberes Bild! Zugedeckt mit schwarzem Papier stapeln sich da Riesenhaufen von Leichen. Wie in einem Fleischerladen. Dabei sind es fast alles Skelette. Über den Knochen sieht man nur die dünne Haut.” Im Mai 1941 war, wie dieser Bericht aus dem Ringelblum-Archiv[01] belegt, die Situation im Ghetto Warschau bereits katastrophal. Bis zu 450.000 Menschen lebten im Ghetto, dessen Bildung die Deutschen im Oktober 1940 angeordnet hatten. Durchschnittlich 13 Menschen teilten sich ein Zimmer, Krankheiten und Seuchen breiteten sich aus. Mit der systematischen Aushungerung der eingepferchten Bevölkerung leiteten die Nazis den Massenmord ein. Der Hunger bestimmte Leben und Sterben im Ghetto Warschau. In dieser verzweifelten Lage entstand eine bemerkenswerte wissenschaftliche Studie. Zwischen Januar und Juli 1942 waren 28 jüdische Ärzte an einem breit angelegten Forschungsprojekt beteiligt, das die klinischen, metabolischen und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dies ist eine Geschichte von medizinischer Verpflichtung und Selbstlosigkeit, eine Geschichte vom Sieg des Geistes über den Rassenwahnsinn der Nationalsozialisten, eine Geschichte vom Leiden und Tod im Ghetto und vom Überleben und Weiterleben nach der Schoah…<span id="more-3945"></span></p>
<p><em>Von Andrea Livnat</em></p>
<p>“Während der letzten Tage starben ca. 150 Menschen täglich. Die Sterblichkeitsziffer wächst. Nachts, zwischen 1 und 5 Uhr morgens begräbt man die Toten. Heute war ich im Verschlag für die Toten. Ein makaberes Bild! Zugedeckt mit schwarzem Papier stapeln sich da Riesenhaufen von Leichen. Wie in einem Fleischerladen. Dabei sind es fast alles Skelette. Über den Knochen sieht man nur die dünne Haut.” Im Mai 1941 war, wie dieser Bericht aus dem Ringelblum-Archiv[<a id="identifier_0_25864" title="Untergrund-Archiv, das der Historiker und Pädagoge Emanuel Ringelblum unter dem Tarnnamen „Oneg Schabbat“ einrichtete, um das Leben im Ghetto zu dokumentieren." href="http://www.hagalil.com/archiv/2012/04/19/braude-heller/#footnote_0_25864">01</a>] belegt, die Situation im Ghetto Warschau bereits katastrophal.</p>
<p>Bis zu 450.000 Menschen lebten im Ghetto, dessen Bildung die Deutschen im Oktober 1940 angeordnet hatten. Durchschnittlich 13 Menschen teilten sich ein Zimmer, Krankheiten und Seuchen breiteten sich aus. Mit der systematischen Aushungerung der eingepferchten Bevölkerung leiteten die Nazis den Massenmord ein. Der Hunger bestimmte Leben und Sterben im Ghetto Warschau.</p>
<p>In dieser verzweifelten Lage entstand eine bemerkenswerte wissenschaftliche Studie. Zwischen Januar und Juli 1942 waren 28 jüdische Ärzte an einem breit angelegten Forschungsprojekt beteiligt, das die klinischen, metabolischen und pathologischen Auswirkungen von Hunger und Verhungern auf den menschlichen Körper untersuchte.[<a id="identifier_1_25864" title="Mehr dazu: Aviv Livnat, &amp;#8220;Non Omnis Moriar&amp;#8221;. Die Forschung zu Hunger von jüdischen Ärzten im Ghetto Warschau, in: Jahrbuch 2012 des Nürnberger Institut für NS-Forschung und jüdische Geschichte des 20. Jahrhunderts , erscheint Mitte 2012." href="http://www.hagalil.com/archiv/2012/04/19/braude-heller/#footnote_1_25864">02</a>]Die Ärzte waren sich einig, dass die unter wissenschaftlich-medizinischem Gesichtspunkt einmaligen Bedingungen innerhalb der Ghettomauern wissenschaftlich untersucht werden müssen. Sie schenkten der modernen Medizin damit die umfassendste Untersuchung zum Thema, die bis heute in weiten Teilen noch immer maßgeblich ist.</p>
<p>Initiator und Organisator des Projektes war Israel Milejkowski, der als Mitglied des “Judenrates” den medizinischen Dienst im Ghetto leitete und mit Hilfe von Schmugglern auf komplizierten Wegen die nötige technische Ausrüstung organisierte. Das Projekt musste vor den Deutschen geheim gehalten werden, die zwar die medizinische Grundversorgung auf niedrigstem Niveau in den Krankenhäusern des Ghettos duldeten, jegliche wissenschaftliche Forschung oder Weiterbildung aber verboten und bestraften.</p>
<p>Die Forschungen begannen im Februar 1942. Die Ärzte hatten insgesamt 140 Patienten ausgewählt. Ihre Teilnahme an der Studie war freiwillig und verbesserte erheblich ihre Überlebenschance. Bei manchen Patienten verschlechterte sich ihr Zustand nach Entlassung erneut drastisch, so dass sie zurückkehrten und wieder aufgenommen wurden. Trotz der schwierigen Umstände und selbst hungernd, arbeiteten die Ärzte mit größter Fachkenntnis und Sorgfalt.</p>
<p>Von Beginn an gehörte unter anderem auch die Leiterin des Berson-Baumann Kinderkrankenhauses, Dr. Anna Braude Heller, zum Planungskomitee.</p>
<p>Die bekannte Kinderärztin, die 1888 als älteste von vier Töchtern in Warschau geboren wurde, hatte in der Schweiz und Berlin Medizin studiert und in St. Petersburg die Approbation erhalten. Zurück in Polen half sie beim Aufbau des Kindersanatorium Medem und war für die zentrale jiddische Schul-Organisation tätig, die dem Bund angeschlossen war. 1913 kehrte sie nach Warschau zurück und arbeitete im neu gegründeten Berson-Bauman Kinderkrankenhaus, das jedoch aus finanziellen Gründen trotz großem Bedarf bald wieder geschlossen wurde.</p>
<p>1916 heiratete Anna Braude den Ingenieur Elieser Heller. Das Ehepaar bekam zwei Söhne, Ari und Olum. Anna engagierte sich aktiv bei der Gründung einer Kinderhilfsorganisation, die sich unter anderem für die Wiedereröffnung des Kinder-Krankenhauses einsetzte. 1930 war er schließlich so weit. Das wieder eröffnete Krankenhaus galt als modernste Kinder-Klinik in Polen. Anna Braude Heller wurde Chefärztin der Klinik und gleichzeitig Mitglied des Direktoriums.</p>
<p>Gleichzeitig musste Anna persönliche Tragödien mit dem Tod ihres Sohnes Olum und ihres Mannes erleben. Sie vergrub sich in die Arbeit im Krankenhaus und widmete ihr Leben den Kindern. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs lebte sie ganz im Krankenhaus, das sie auch im Ghetto bis zu seiner endgültigen Schließung nach den Deportationen vom Sommer 1942 leitete.</p>
<p>Für die Studie untersuchte Anna Braude Heller mit ihrem Team die klinischen Aspekte des Hungerns bei Kindern. Die ersten Veränderungen waren hier psychologischer Natur und zeigten sich im Verhalten. Bei Kindern wurden im Besonderen Wachstumsstörungen durch den anhaltenden Proteinmangel beobachtet. Eine andere wichtige Beobachtung der Ärzte war der Zusammenhang zwischen Hunger und Infektionskrankheiten wie Tuberkulose.</p>
<p>Auch Annas Sohn Ari Heller, ein angehender Arzt, war an der Studie beteiligt und gehörte zum Team verschiedener Forschungsgruppen unter Leitung von Julian Fliederbaum, Arzt für Innere Medizin, die sowohl die allgemeinen klinischen Aspekte des Hungerns wie auch metabolischen Veränderungen untersuchten. Ari Heller gehörte außerdem dem Team von Emil Apfelbaum, Leiter der Kardiologie im Czyste, an, das die Pathophysiologie des Blutkreislaufes unter Hunger erforschte.</p>
<p>Die Ärzte konnten ihre Studie nicht vollständig abschließen. Mit dem Einsetzen der Massendeportationen am 22. Juli 1942 fand die Arbeit ein jähes Ende. Nicht nur Patienten, auch Ärzte wurden in die Vernichtungslager geschickt. Nach dieser ersten „Aktion“ sammelten die noch lebenden Ärzte das Material und stellten es zusammen. Weitere beteiligte Ärzte wurden im Januar 1943 deportiert, darunter auch Israel Milejkowsi. Die Studie selbst konnte aus dem Ghetto geschmuggelt werden und wurde 1946 erstmals veröffentlicht. Von den 18 beteiligten Ärzten überlebten nur acht die Schoa. Einer von ihnen war Israel Rotbalsam, der in der Gruppe von Anna Braude Heller gearbeitet hatte und später nach Israel emigrierte. In seinen Erinneerungen beschreibt er Anna Braude Heller als perfekte Ärztin, sowohl in theoretischer als auch praktischer Hinsicht. Sie hätte die Fähigkeit besessen, “ihre Seele und ihre Kräfte einer einzigen Idee voll und ganz zu verschreiben, … der Kinderheilkunde”.[<a id="identifier_2_25864" title="Israel Rotbalsam, Zeugnis Yad vasem 03/2357." href="http://www.hagalil.com/archiv/2012/04/19/braude-heller/#footnote_2_25864">03</a>]</p>
<p>Anna Braude Heller hatte mehrfach die Möglichkeit, mit Hilfe von Freunden aus dem Ghetto zu fliehen. Sie lehnte ab. Wie genau sie starb, ist nicht bekannt. Sie suchte offensichtlich gemeinsam mit ihrer Schwester Rosa und Freunden und Kollegen Schutz in einem Bunker. Anna Braude Heller wurde im April 1943 im Innenhof des Gęsia Straßenkrankenhauses tot aufgefunden.</p>
<p>Ari überlebte. Seine Mutter hatte dafür gesorgt, dass er und seine Familie aus dem Ghetto fliehen und sich auf der arischen Seite verstecken konnten. Ari hatte im Juni 1939 Maria Natanblut geheiratet. Das Paar verbrachte einen unbeschwerten Sommer mit Zelt und Kajak in der Natur. Nach dem deutschen Überfall auf Polen versuchten sie, sich nach Russland durchzuschlagen. Wegen des kalten Herbstes und ungenügender Ausrüstung kehrten sie um. Ihre Tochter Ewa kam im April 1940 im Berson-Baumann-Krankenhaus zur Welt. Als das Ghetto geschlossen wurde war Ewa 6 Monate alt.</p>
<p>Im Herbst 1942 gelang es, Ewa gegen Bezahlung aus dem Ghetto zu schmuggeln. Mit Schlafmitteln ruhig gestellt, wurde sie in die Obhut einer Frau übergeben, für deren Aufrichtigkeit es keine Garantie gab. Aber sie hielt sich an die Abmachung und Maria konnte Ewa am nächsten Tag am vereinbarten Ort bei nichtjüdischen Freunden abholen.  Mutter und Tochter bekamen arische Identitäten und blieben in Warschau. Ari musste sich verstecken und oft mehrmals am Tag den Unterschlupf wechseln. Schließlich konnte er außerhalb von Warschau auf einem Bauernhof über Mitglieder des Widerstands unterkommen.</p>
<p>Auf Dauer wurde die Situation auch für Maria zu gefährlich, Ewa machte sie verdächtig. Sie wurde daher in einem Kloster in der Nähe von Warschau untergebracht, wo sie bis nach Kriegsende blieb. Ewa berichtet, dass ihre Mutter sie von Zeit zu Zeit besuchen kam, so dass sie sie nicht vergaß, den Vater konnte sie jedoch nicht sehen. 1978 reiste sie erstmals nach Polen, um die Orte ihrer Kindheit zu besuchen. Sie spricht noch immer polnisch und in den 1970er Jahren lebte noch eine Cousine der Mutter in Warschau. Sie besucht auch das Kloster und sprach mit einer alten Nonne, die sich gut an sie erinnern konnte.</p>
<p>Ari und Maria, die ebenfalls Medizinerin war, beendeten nach dem Krieg in Warschau ihre Ausbildungen. Im April 1946 wanderten sie wegen des starken Antisemitismus in Polen nach Schweden aus, wo sie 1949 eine weitere Tochter bekamen. Ewa berichtet, dass die Eltern nicht über die Zeit der Schoa und das Leben in Polen sprachen.[<a id="identifier_3_25864" title="Email-Korrespondenz mit Ewa Heller Ekblad." href="http://www.hagalil.com/archiv/2012/04/19/braude-heller/#footnote_3_25864">04</a>] “Sie hatten ein gutes Leben in Schweden, auch wenn es am Anfang nicht einfach war, Ausländer zu sein.” Ari, der sich in Schweden Leo Heller nannte, arbeitete als Virologe und starb im Alter von 91 Jahren. Maria spezialisierte sich auf Kinderpsychiatrie und starb im April 2001. Ewa Heller Ekblad arbeitete zunächst als Sozialarbeiterin und wurde schließlich Psychologin. Im Laufe der Jahre behandelte sie viele “second generation” Patienten.</p>
<p title="Senden an Facebook">In medizinisch-wissenschaftlichen Kreisen ist die Studie zu Hunger, an der Anna Braude Heller und Ari Heller arbeiteten, durchaus bekannt. Ansonsten ist diese enorme Leistung jedoch in Vergessenheit geraten. Die große Mehrheit der Ärzte wie auch ihrer Patienten überlebte nicht, gemeinsam  konnten sie jedoch einen Sieg des Geistes und der Wissenschaft über den Vernichtungswahnsinn der Nazis erringen.</p>
<ol>
<li id="footnote_0_25864">Untergrund-Archiv, das der Historiker und Pädagoge Emanuel Ringelblum unter dem Tarnnamen „Oneg Schabbat“ einrichtete, um das Leben im Ghetto zu dokumentieren. [<a href="http://www.hagalil.com/archiv/2012/04/19/braude-heller/#identifier_0_25864">↩</a>]</li>
<li id="footnote_1_25864">Mehr dazu: Aviv Livnat, “Non Omnis Moriar”. Die Forschung zu Hunger von jüdischen Ärzten im Ghetto Warschau, in: Jahrbuch 2012 des Nürnberger Institut für NS-Forschung und jüdische Geschichte des 20. Jahrhunderts , erscheint Mitte 2012. [<a href="http://www.hagalil.com/archiv/2012/04/19/braude-heller/#identifier_1_25864">↩</a>]</li>
<li id="footnote_2_25864">Israel Rotbalsam, Zeugnis Yad vasem 03/2357. [<a href="http://www.hagalil.com/archiv/2012/04/19/braude-heller/#identifier_2_25864">↩</a>]</li>
<li id="footnote_3_25864">Email-Korrespondenz mit Ewa Heller Ekblad. [<a href="http://www.hagalil.com/archiv/2012/04/19/braude-heller/#identifier_3_25864">↩</a>]</li>
</ol>
<p><a href="http://www.hagalil.com/archiv/2012/04/19/braude-heller/">weiter&#8230;</a></p>
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		<title>Manchmal übernehmen Kinder die Trösterrolle: Erste Hilfe für Kinder von psychisch Kranken</title>
		<link>http://www.pharmacon.net/2012/04/kinder-6/</link>
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		<pubDate>Sat, 14 Apr 2012 15:19:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Psychotherapie]]></category>
		<category><![CDATA[Alkohol]]></category>
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		<description><![CDATA[Erkranken Eltern an psychischen Leiden, hat das auch für die Kinder Folgen. Oft bildet sich für sie ein Teufelskreis an psychosozialen Belastungen und Problemen, der manchmal in der eigenen psychischen Erkrankung mündet. Derzeit beschäftigt sich die EU eingehend dem Thema&#8230; EU-Projekt unterstützt Betroffene und Pädagogen St. Pölten (pte &#8211; strong-kids.eu) &#8211; Das Projekt &#8220;Kids Strengths&#8221; liefert betroffenen Kindern und ihren Eltern Unterstützung. Darüber hinaus hilft es Berufsgruppen, die mit Kindern arbeiten, solche Probleme möglichst früh zu erkennen und richtig zu reagieren. Mama trösten und Frühstück richten Drei bis elf Prozent der Kinder Europas haben einen Elternteil, der psychisch krank ist. Die Kinder wissen über diese Krankheit oft nicht wirklich Bescheid, sind verunsichert, verängstigt und in ständigem Alarmzustand. &#8220;Viele versuchen den Eltern zu helfen, glauben sie müssten sie aufmuntern oder selbst das Frühstück richten. Ältere Geschwister übernehmen oft Verantwortung für jüngere&#8221;, so Christine Haselbacher im pressetext-Interview. Haselbacher ist Projektleiterin am Ilse Arlt Institut für soziale Inklusionsforschung der Fachhochschule St. Pölten http://www.fhstp.ac.at , die zu den Projektpartnern zählt. Grundsätzlich negativ sei diese Rollenübernahme nicht. &#8220;Viele dieser Kinder entwickeln hohes Vertrauen in die eigene Fähigkeit, Aufgaben zu bewältigen, die sogenannte Selbstwirksamkeit. Sie suchen etwa bei der Oma oder bei Freundinnen die Unterstützung, die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Erkranken Eltern an psychischen Leiden, hat das auch für die Kinder Folgen. Oft bildet sich für sie ein Teufelskreis an psychosozialen Belastungen und Problemen, der manchmal in der eigenen psychischen Erkrankung mündet. Derzeit beschäftigt sich die EU eingehend dem Thema&#8230;<span id="more-2907"></span></p>
<p><strong>EU-Projekt unterstützt Betroffene und Pädagogen</strong></p>
<p>St. Pölten (<a href="http://www.pressetext.de">pte</a> &#8211; <a href="http://www.strong-kids.eu">strong-kids.eu</a>) &#8211; Das Projekt &#8220;Kids Strengths&#8221; liefert betroffenen Kindern und ihren Eltern Unterstützung. Darüber hinaus hilft es Berufsgruppen, die mit Kindern arbeiten, solche Probleme möglichst früh zu erkennen und richtig zu reagieren.</p>
<p><strong>Mama trösten und Frühstück richten</strong></p>
<p>Drei bis elf Prozent der Kinder Europas haben einen Elternteil, der psychisch krank ist. Die Kinder wissen über diese Krankheit oft nicht wirklich Bescheid, sind verunsichert, verängstigt und in ständigem Alarmzustand. &#8220;Viele versuchen den Eltern zu helfen, glauben sie müssten sie aufmuntern oder selbst das Frühstück richten. Ältere Geschwister übernehmen oft Verantwortung für jüngere&#8221;, so Christine Haselbacher im pressetext-Interview. Haselbacher ist Projektleiterin am Ilse Arlt Institut für soziale Inklusionsforschung der Fachhochschule St. Pölten http://www.fhstp.ac.at , die zu den Projektpartnern zählt.</p>
<p>Grundsätzlich negativ sei diese Rollenübernahme nicht. &#8220;Viele dieser Kinder entwickeln hohes Vertrauen in die eigene Fähigkeit, Aufgaben zu bewältigen, die sogenannte Selbstwirksamkeit. Sie suchen etwa bei der Oma oder bei Freundinnen die Unterstützung, die sie zuhause nicht erhalten&#8221;, schildert Haselbacher. Problematisch sei, dass diese Kinder viel zu früh zu kleinen Erwachsenen werden und lernen müssen, wie das Leben geht. &#8220;Häufig führt das zur Überforderung, die leicht in Depression münden kann. Auch werden Verhaltensweisen übernommen, was die Vererbung des Leidens bewirken kann, ähnlich wie es bei Alkoholikern bekannt ist.&#8221;</p>
<p><strong>Pädagogen als Problemsensoren</strong></p>
<p>Rechtzeitige Hilfe für betroffene Familien wird oft dadurch erschwert, dass eine psychische Erkrankung häufig mit Isolierung, Tabuisierung oder Vertuschung einhergeht. Auch Wohnortwechsel setzt bestehende soziale Netzwerke, die sonst einiges auffangen können, außer Kraft. Erkennen können diese Probleme damit am ehesten jene Berufsgruppen, die in engem Kontakt mit Kindern sind &#8211; also etwa Kindergartenpädagogen, Lehrer oder Jugend- und Sozialarbeiter.</p>
<p>Bemerken könne man seelische Nöte eines Kindes am ehesten im Verhalten. &#8220;Es betrifft oft Kinder, die entweder besonders auffällig oder sehr zurückgezogen sind. Auch eine plötzliche Verhaltensänderung kann ein Hinweis sein&#8221;, so die Expertin für Sozialarbeit. Im Fall des Falles rät Haselbacher den Pädagogen, Schnellschüsse zu vermeiden, doch die Kinder genau zu beobachten, sich im Team auszutauschen und für das weitere Vorgehen vor allem die Eltern und auch das Kind selbst einzubeziehen. Je nach Verfügbarkeit sollten dann Professionisten wie etwa Psychologen und Ärzte oder das Jugendamt zu Rate gezogen werden.</p>
<p><strong>Hilfe für die Praxis</strong></p>
<p>Heikel ist es allemal, diese Kommunikation zwischen Kind, Eltern und Experten in die Wege zu leiten. &#8220;Kids Strengths&#8221; soll genau hier Unterstützung liefern. Die involvierten Berufsgruppen finden auf der Online-Plattform Modelle etwa für Hilfeplan-Besprechungen mit Eltern, Wissensmodule, eine Sammlung von länderspezifischen Anlaufstellen und auch Online-Trainings. &#8220;Bei Letzteren geht es darum, Kompetenzen und Methoden zu erwerben. Im Kindergarten ist das zum Beispiel, welche Bücher man mit Kindern ansehen kann, um ins Gespräch über die Krankheit zu kommen&#8221;, erklärt Haselbacher.</p>
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		<title>Drogenkrieg in Mexiko: US-Unternehmen nervös</title>
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		<pubDate>Sat, 14 Apr 2012 15:17:15 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Die Bilanz von 23.000 Todesopfern in Verbindung mit dem Drogenkrieg während der dreijährigen Amtszeit des mexikanischen Präsidenten Felipe Calderon zeichnet ein verheerendes Bild der Situation. Nichtsdestotrotz hielten sich die Auswirkungen auf große Unternehmen bislang in Grenzen. Das könnte sich nun jedoch ändern, berichtet der Branchendienst Forbe&#8230; Erstmals weitreichende Konsequenzen auf Wirtschaft absehbar &#8211; US-Unternehmen überdenken zunehmend ihre Engagements in Mexiko Monterrey (pte &#8211; forbes.com) Wichtige US-Unternehmen seien nervös geworden, einige bereits dabei, ihre Tätigkeiten in Mexiko zu überdenken. Die größte Angst sei ein weiteres Aufflammen der Gewalt in Monterrey, Mexikos wohlhabendster Stadt und Wirtschaftszentrum des Landes. Im April hatten fünfzig maskierte und bewaffnete Männer ein Hotel in Monterrey gestürmt und mehrere Gäste als Geiseln genommen. Niemand sei immun, heißt es nun aus Insiderkreisen. Viele der Geschäftsleute seien bereits direkt mit der Gewalt des Drogenkriegs in Kontakt gekommen. Warenlieferungen würden regelmäßig abgefangen, die Fahrzeuge entweder verkauft oder für Drogentransporte missbraucht. Vier Führungskräfte gekidnappt Doch auch die Geschäftsleute selbst sind Ziel des organisierten Verbrechens. So berichtete eine mexikanische Zeitung, dass seit März vier Führungskräfte des mexikanischen Ölproduzenten Pemex http://www.pemex.com gekidnappt worden wären. Die Lage in Monterrey, dem Standort mehrere internationaler Firmenhauptquartiere, habe sich entscheidend verändert, zitiert Forbes einen Berater von Altegrity Risk [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">Die Bilanz von 23.000 Todesopfern in Verbindung mit dem Drogenkrieg während der dreijährigen Amtszeit des mexikanischen Präsidenten Felipe Calderon zeichnet ein verheerendes Bild der Situation. Nichtsdestotrotz hielten sich die Auswirkungen auf große Unternehmen bislang in Grenzen. Das könnte sich nun jedoch ändern, berichtet der Branchendienst Forbe&#8230;<span id="more-2905"></span></p>
<p><strong>Erstmals weitreichende Konsequenzen auf Wirtschaft absehbar &#8211; US-Unternehmen überdenken zunehmend ihre Engagements in Mexiko</strong></p>
<p>Monterrey (<a href="http://www.pressetext.de">pte</a> &#8211; <a href="http://www.forbes.com">forbes.com)</a> Wichtige US-Unternehmen seien nervös geworden, einige bereits dabei, ihre Tätigkeiten in Mexiko zu überdenken. Die größte Angst sei ein weiteres Aufflammen der Gewalt in Monterrey, Mexikos wohlhabendster Stadt und Wirtschaftszentrum des Landes. Im April hatten fünfzig maskierte und bewaffnete Männer ein Hotel in Monterrey gestürmt und mehrere Gäste als Geiseln genommen.</p>
<p>Niemand sei immun, heißt es nun aus Insiderkreisen. Viele der Geschäftsleute seien bereits direkt mit der Gewalt des Drogenkriegs in Kontakt gekommen. Warenlieferungen würden regelmäßig abgefangen, die Fahrzeuge entweder verkauft oder für Drogentransporte missbraucht.</p>
<p><strong>Vier Führungskräfte gekidnappt</strong></p>
<p>Doch auch die Geschäftsleute selbst sind Ziel des organisierten Verbrechens. So berichtete eine mexikanische Zeitung, dass seit März vier Führungskräfte des mexikanischen Ölproduzenten Pemex http://www.pemex.com gekidnappt worden wären. Die Lage in Monterrey, dem Standort mehrere internationaler Firmenhauptquartiere, habe sich entscheidend verändert, zitiert Forbes einen Berater von Altegrity Risk International, der anonym bleiben will.</p>
<p>Auf mexikanischer Seite kämpfen 50.000 Soldaten gegen das organisierte Verbrechen, mit voller Unterstützung der USA. Nun sollen die Sicherheitskräfte im Rahmen der Merida Initiative erneut mit 1,3 Mrd. US-Dollar verstärkt werden. In einer gemeinsamen Anstrengung der mexikanischen und der US-Regierung sollen die Drogenkartelle in die Knie gezwungen werden. Bislang tobt der Drogenkrieg jedoch weiter.</p>
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		<title>Zwei von drei Lehrern in Stimmnöten</title>
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		<pubDate>Sat, 14 Apr 2012 15:14:13 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Psychosomatik]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Kinder]]></category>
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		<description><![CDATA[Stimmprobleme wie etwa Heiserkeit sind noch immer eine Lehrerkrankheit und treten oft im Zusammenhang mit psychischen Nöten auf. Das schreiben Forscher der Universität Malaga in der Fachzeitschrift &#8220;Folia Phoniatrica et Logopaedica&#8221;. Die Untersuchung von 300 Volksschullehrern zeigte, dass 62,7 Prozent dieser Gruppe täglich oder zumindest wöchentlich wegen des Unterrichts in Stimmnöte kommen&#8230; Psychosoziale Probleme gehen mit Stimmproblemen einher Lehrer sein heißt die Stimme strapazieren Malaga/Saarbrücken (pte &#8211; www.uma.es) -  &#8220;Wir wollten neben den Stimmproblemen auch deren psychosoziale Dimension aufzeigen&#8221;, berichtet Studienleiterin Rosa Bermudez. Die Lehrer berichteten weit eher von beruflichen Konflikten außerhalb des Klassenraums, wenn sie von Stimmproblemen betroffen waren. Sie empfanden etwa mehr Unsicherheit in ihren Aufgaben, mehr Rollenkonflikte und weniger Anerkennung ihrer Arbeit. Zudem war es auch um die soziale Unterstützung von Kollegen und Vorgesetzten und um Kontrolle und Einfluss über eigene Entscheidungen schlechter bestellt. &#8220;Lehrer mit häufigen Stimmproblemen schätzten auch die Führungsqualität ihrer Vorgesetzten schlechter ein&#8221;, so die Forscher. Heiserkeit beschäftigt die Psyche &#8220;Stimme beschränkt sich nie nur auf den Körper, sondern hängt eng mit Stimmung zusammen&#8221;, erklärt Norbert Gutenberg, Sprechwissenschaftler an der Universität des Saarlandes http://www.uni-saarland.de , gegenüber pressetext. Wer Stimmprobleme hat, sei meist mit sich selbst nicht im Reinen. &#8220;Erlebt ein Lehrer, dass ihm vor [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Stimmprobleme wie etwa Heiserkeit sind noch immer eine Lehrerkrankheit und treten oft im Zusammenhang mit psychischen Nöten auf. Das schreiben Forscher der Universität Malaga in der Fachzeitschrift &#8220;Folia Phoniatrica et Logopaedica&#8221;. Die Untersuchung von 300 Volksschullehrern zeigte, dass 62,7 Prozent dieser Gruppe täglich oder zumindest wöchentlich wegen des Unterrichts in Stimmnöte kommen&#8230;<span id="more-2894"></span></p>
<p><strong>Psychosoziale Probleme gehen mit Stimmproblemen einher</strong><br />
<strong>Lehrer sein heißt die Stimme strapazieren</strong></p>
<p>Malaga/Saarbrücken (<a href="http://www.pressetext.de">pte</a> &#8211; <a href="http://www.uma.es">www.uma.es</a>) -  &#8220;Wir wollten neben den Stimmproblemen auch deren psychosoziale Dimension aufzeigen&#8221;, berichtet Studienleiterin Rosa Bermudez. Die Lehrer berichteten weit eher von beruflichen Konflikten außerhalb des Klassenraums, wenn sie von Stimmproblemen betroffen waren. Sie empfanden etwa mehr Unsicherheit in ihren Aufgaben, mehr Rollenkonflikte und weniger Anerkennung ihrer Arbeit. Zudem war es auch um die soziale Unterstützung von Kollegen und Vorgesetzten und um Kontrolle und Einfluss über eigene Entscheidungen schlechter bestellt. &#8220;Lehrer mit häufigen Stimmproblemen schätzten auch die Führungsqualität ihrer Vorgesetzten schlechter ein&#8221;, so die Forscher.</p>
<p><strong>Heiserkeit beschäftigt die Psyche</strong></p>
<p>&#8220;Stimme beschränkt sich nie nur auf den Körper, sondern hängt eng mit Stimmung zusammen&#8221;, erklärt Norbert Gutenberg, Sprechwissenschaftler an der Universität des Saarlandes http://www.uni-saarland.de , gegenüber pressetext. Wer Stimmprobleme hat, sei meist mit sich selbst nicht im Reinen. &#8220;Erlebt ein Lehrer, dass ihm vor der Klasse die Stimme nicht gehorcht, kann er die nötige Kommunikationsleistung nicht erbringen. Entgleist er in Schreitöne, wird das für Schüler unanhörbar und sie schotten sich ab. Das beschäftigt Lehrer auch psychisch.&#8221; Die Frage nach Ursache und Konsequenz sei allerdings das typische Henne-Ei-Problem.</p>
<p>Teils sind Ursachen allerdings auch in schlechten äußeren Bedingungen zu suchen. &#8220;Die meisten Klassenzimmer haben eine schlechte Akustik. Am besten wären schallschluckende Wänden, die den Hall rückender Stühle unterbinden&#8221;, so der Stimmforscher. Die Unterrichtsmethode spiele mit, da in der Oberstufe das Problem vor allem mit dem noch immer üblichen Frontalunterricht zusammenhängt. In der Volksschule ist die größte Herausforderung die altersgemäße Unruhe der Kinder.</p>
<p><strong>Test für angehende Lehrer</strong></p>
<p>Die Stimme ist eine physische Leistung von Muskeln, die mit der Zeit ermüden. &#8220;Callcenter-Mitarbeiter können problemlos acht Stunden lang reden, solange sie die Stimme richtig einsetzen. Ein Lehrer muss jedoch meist wesentlich lauter sprechen. Deshalb wurden Stimmprobleme früher als Lehrerkrankheit bezeichnet&#8221;, so Gutenberg. In 20 Jahren Sprecheignungstests Deutsch bei Saarländer Lehramtskandidaten sei das Ergebnis bei 40 Prozent die Empfehlung einer Therapie oder Operation beim Phoniater oder die Prognose zukünftiger Stimmprobleme.</p>
<p>Ideal wäre für Gutenberg ein vorbeugender Ansatz. &#8220;Erhebungen zeigen, dass allein im Saarland jährlich mindestens 11.000 Unterrichtsstunden wegen Stimmproblemen ausfallen. Könnte man durch Stimmtraining in der ersten Phase der Lehrerausbildung diese Fälle bloß um die Hälfte reduzieren, wären die Kosten für diese Maßnahme bereits herinnen.&#8221; Realisieren könnte man das schon mit einer Screening-Prognose per Anrufbeantworter, auf dem Teilnehmer fünf Minuten lang sprechen. &#8220;Bisher fehlt es aber an Mitteln für das Personal&#8221;, klagt Gutenberg.</p>
<p><a href="http://content.karger.com/ProdukteDB/produkte.asp?doi=10.1159/000239060">Abstract zur Originalstudie</a></p>
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