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PharmacOn
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InterDisziplinaere
Zusammenarbeit
Gentechnik in Medizin und
Pharmazie auf dem Vormarsch
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Die Bundesrepublik Deutschland hat zwar das
Potential fuer einen Spitzenplatz in der Biotechnologie - muss
aber noch einiges tun, um diesen auch zu erreichen.. Dies ist das
Ergebnis einer gerade von der Konrad-Adenauer-Stiftung
vorgestellten Studie 'Perspektiven der Biotechnologie in
Deutschland'.
In der Biotechnologie ist der Bereich
Medizin und Pharmazeutik bislang der wissenschaftlich und
wirtschaftlich wichtigste: Rund 20 Milliarden Mark Jahresumsatz
macht die Pharmabranche inzwischen mit Gentech-Produkten, bis zum
Jahr 2000 soll sich diese Summe noch verdreifachen. Drei
gentechnisch hergestellte Medikamente gehoeren bereits heute zu
den zehn umsatzstaerksten Pharmaprodukten: Insulin, das
Blutbildungsmittel Erythropoietin, sowie die Interferone.
Die Haelfte der Pharma-Einnahmen wird
jedoch auch zur Jahrtausendwende noch in die Kassen der
US-Unternehmen fliessen, so die Autoren Prof. Hans Gassen von der
Technischen Hochschule Darmstadt und Dr. Norbert Arnold von der
Konrad-Adenauer-Stiftung. Waehrend sich in den USA bereits rund
1300 Biotechnologieunternehmen etabliert haben, sind es in der
BRD noch weniger als 100 Firmen. Als wesentlicher Grund werden in
der Studie die schlechteren Finanzierungsmoeglichkeiten
fuer europaeische und deutsche Unternehmen genannt. Ein weiteres
Handicap sei, dass sich die BRD - trotz sehr guter
Grundlagenforschung - bislang nicht ein einziges Patent fuer
gentechnisch hergestellte Humantherapeutika gesichert hat. Die
meisten davon sind im Besitz von US-Unternehmen. Mit einer Patent-Initiative
will das Bundesforschungsministerium diesen Missstand nun
aendern.
Die groessten innovativen Potentiale misst
die Studie transgenen Tieren sowie der Nutzung der
Genomsequenzierung zu. Junge deutsche
Biotech-Unternehmen seien auf der 'Siegerstrasse', meint Prof.
Gassen, wenn es ihnen gelingt interdisziplinaeres Know-how
intelligent zu verknuepfen.
Arnold, N.; Gassen, H.G. (1996):
Perspektiven der Biotechnologie in Deutschland; Interne Studie
Nr. 118/1996 der Konrad-Adenauer-Stiftung. Bestellung bei:
Konrad-Adenauer-Stiftung, Postfach 1420, 53732 Sankt Augustin,
Tel.: 02241/246-598, Fax:-479.
Lange Durststrecke fuer junge
Biotech-Unternehmen
Unternehmensgruender brauchen ein gutes
finanzielles Polster, um die Anfangsphase zu ueberstehen. 'Von
den etwa 50 bundesdeutschen Neugruendungen der letzten Jahre im
Bereich Biotechnologie arbeiten heute vielleicht fuenf
gewinnbringend', so Prof. Hans Gassen von der TH-Darmstadt. 'Das
Verhoeltnis ist zwar in den USA aehnlich, doch erreichen die
US-Unternehmen durch externe Finanzierung eine durchschnittliche
Liquiditaet von 44 Monaten'. Denn waehrend sich die deutschen
Biotech-Neugruender mit teuren Krediten behelfen, sichern sich
die Amerikaner mit jaehrlich mehr als 5 Mrd. Dollar
Beteiligungskapital von Partnerunternehmen oder ueber die
amerikanische Risikokapitalboerse NASDAQ (National association of
securities and dealers automated quotation). Doch auch in Europa
effnet sich allmaehlich ein Risikokapitalmarkt.
Bald mehr Kapital fuer innovative
Unternehmen
In Europa oeffnet sich derzeit der
Kapitalmarkt fuer gewinnversprechende, aber gleichzeitig riskante
Vorhaben. Davon sollen inbesondere junge Technologien
profitieren. So soll ab Ende diesen Jahres die neue euoropaeische
Risikokapitalboerse EASDAQ (European association of securities
and dealers automated quotation) Geld fuer innovative Unternehmen
mobilisieren. Dies ergaenzt sich gut mit einer Initiative der
Deutschen Boerse AG, die ab Anfang naechsten Jahres den
Boersengang fuer solche Firmen erleichtern will. Kleinere
deutsche Technologieunternehmen unterstuetzt das BMBF seit
vergangenem Jahr mit einem Programm fuer Beteiligungskapital.
Damit sollen bis zur Jahrtausendwende 900 Millionen Mark zu
guenstigen Konditionen bereitgestellt werden. Mehr Risikokapital
steht bereits heute in Grossbritannien und den Niederlanden zur
Verfuegung: Die dortigen Pensionskassen fuer betriebliche
Altersvorsorge investieren grosse Summen in riskante Geldanlagen
- oft in den USA.
Bundesregierung foerdert Patentierungen
Deutschen Wissenschaftlern ist Patente
'machen' zu unwissenschaftlich, waehrend kleine und
mittelstaendische Unternehmen Aufwand und Kosten fuerchten, so
die Analyse des Bundesforschungsministerium (BMBF). Mit einer vor
wenigen Wochen gestarteten Patentinitiatve will das BMBF jetzt
dem Mangel an Patenten in der Biotechnologie, aber auch in
anderen Branchen abhelfen.
Zu der Initiative gehoeren Gespraeche mit
Hochschulen und Landeswissenschaftsministerien,
Aufklaerungsarbeit in Unternehmem sowie finanzielle
Unterstuetzung. So sollen zukuenftig bei Forschungsprojekten auch
die Kosten fuer eine Patentanmeldung gefoerdert werden. Seit
Anfang 1997 laeuft eine Aktion, bei der kleine und
mittelstaendische Unternehmen durch einen vollstaendigen
Patentierungsgang begleitet werden.
Ein Netzwerk, das Anbieter und
Einrichtungen aus dem Patentwesen verknuepft, wird derzeit beim
Institut der deutschen Wirtschaft in Koeln aufgebaut. Es soll
zukuenftig Patentrecherchen und Erfinderberatung vereinfachen und
eine online-Innovationsboerse erstellen.
Literatur: Patente schuetzen
Ideen, Ideen schaffen Arbeit. Bundesministerium fuer Bildung,
Wissenschaft, Forschung und Technologie, Bonn 1996. Zu bestellen
beim BMBF, Referat Oeffentlichkeitsarbeit, Fax Nr. 0228/573917.
Transgene Tiere als Organspender
Organe aus transgenen Tieren gehoeren zu
den zukunftsweisendsten Optionen in der Medizin, so die Studie
'Perspektiven der Biotechnologie in Deutschland'. Sie sollen
Engpaesse bei der Organtransplantation zumindest voruebergehend
beheben. Das Ziel der Forscher: Den sogenannten MHC-Komplex, der
fuer die Eigenerkennung bzw. fuer die Abstossung fremden Gewebes
verantwortlich ist, zu veraendern, so dass sich die tierischen
Organe zur Transplantation eignen.
An dieser Aufgabe beteiligen sich bereits
einige biotechnische Unternehmen. Der Erfolg wird jedoch erst
langfristig erwartet, da gleich mehrere genetische Merkmale
veraendert werden muessen.
Gensequenzierung geht in die Nutzungsphase
Vor fast zehn Jahren startete das
internationale Human Genome Project zur Sequenzierung des
menschlichen Erbgutes. Von besonderem medizinischen Interesse ist
dabei die Sequenzierung von Genen, die monogenetische
Erbkrankheiten verursachen. Sie eroeffnen neue Moeglichkeiten
fuer die Diagnose und die Gentherapie. So wurden seit 1990
durch Hinzufuegen intakter Gene bereits mehrere dieser
Krankheiten erfolgreich behandelt. Dazu gehoeren die
Immunschwaechekrankheit SCID (served combined immunodeficiency
defect) und die Hypercholesterinanaemie.
Im Zentrum des wirtschaftlichen Interesses
am Humangenomprojekt stehen jedoch die codierenden Genregionen,
in denen die Information zum Aufbau von Proteinen verborgen
liegt. Einige davon, zum Beispiel das Blutgerinnungsmittel Erythropoitin,
haben einen hohen therapeutischen Wert. Durch Gentransfer in
Mikroorganismen wird es heute in grossen Mengen hergestellt. Mit
rekombinantem Erythropoitin machen die Pharma-Unternehmen
inzwischen weltweit einen Jahresumsatz von ueber 2 Milliarden
Dollar. Daran ist auch die Boehringer Mannheim GmbH mit 370
Millionen Dollar beteiligt.
BRD hinkt beim Human Genome Project
hinterher
Drei Milliarden Basenpaare sind inzwischen
bekannt - rund 400 Milliarden muessen noch sequenziert werden.
Fruehesten im Jahr 2005 wird die Gensequenzierung abgeschlossen
sein. Weitere Jahrzehnte werden vergehen, bis auch die Funktion
der einzelnen Gene bekannt ist.
Weit vorne im internationalen Human
Genom Project stehen die USA. Sie erbringen 50 Prozent der
Gesamtleistungen. Grossbritannien ist mit ca. 12 Prozent
beteiligt. Die Bundesrepublik spielt mit drei Prozent nur eine
untergeordnete Rolle. Daran werden auch die rund dreissig
Millionen Mark jaehrlich wenig aendern, die das
Bundesforschungsministerium seit Jahresbeginn fuer die
Humangenomforschung bereitstellt. Die USA stecken fast die
zehnfache Foerdersumme in das Projekt.
Gentherapie auf dem Vormarsch
Nach den monogenetischen Erbkrankheiten
befasst sich heute die Gentherapie immer staerker mit den weit
haeufigeren Tumorerkrankungen und Virusinfektionen. Je nach Art
der Behandlung soll diese z.B. das Immunsystem staerken, die
Virusvermehrung in den Zellen behindern, die Immunogenitaet von
Tumoren erhoehen oder Onkogene unterdruecken.
Vorherrschend sind derzeit noch ex
vivo-Strategien: Bei ihnen werden Zellen operativ entnommen, dann
in vitro gentechnisch behandelt und anschliessend reimplantiert.
Dagegen verwenden Mediziner bei den neuen in vivo-Strategien
Viren oder Liposomen als Vektoren (Uebertraeger) fuer die
Fremdgene. So werden operative Eingriffe ueberfluessig.
International gewinnen in vivo-Behandlungen zunehmend an
Bedeutung. Auf Grund moeglicher Risiken, z.B. einer
unkontrollierten Virusvermehrung, fuehren deutsche
Wissenschaftler jedoch bislang nur ex vivo Behandlungen durch.
Know-how intelligent verknuepfen
Deutschen Jungwissenschaftlern, die ein
Biotechnologie-Unternehmen gruenden wollen, empfiehlt der
Biochemiker Prof. Hans Gassen, bereits vorhandenes know-how zu
nutzen. Die Staerken der BRD in der Mikroelektronik, der
Automation und der Fertigungstechnik muessten mit der
Biotechnologie verbunden werden. Das heisst zum Beispiel, statt
DNA zu sequenzieren, rationelle Techniken entwickeln, die die
Sequenzierung erleichtern. 'Biochemiker und Mediziner muessen mit
Ingenieuren eng zusammenarbeiten, um den Bedarf der Forscher und
die technische Loesung zusammenzubringen', so der Darmstaedter
Professor.
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