Pharmakokinetik
Die Pharmakokinetik beschreibt, wie rasch und in
welchem Ausmaß nach der Verabreichung eines Stoffes dieser anschließend
im Blutplasma und in den verschiedenen Körpergeweben auftritt und wo und
in welcher Weise er wieder ausgeschieden wird.
Angewendet wird Pharmakokinetik z. B. in der
Arzneimittelentwicklung, wenn es gilt, für einen
Arzneistoff eine passende
Darreichungsform und sinnvolle
Dosierungsempfehlungen zu entwickeln.
Neben der Freisetzung (Liberation) aus der
Darreichungsform und der Aufnahme des Arzneistoffes in den Körper (Resorption)
sind auch seine Verstoffwechselung im Organismus (Metabolisierung)
und seine
Ausscheidung maßgeblich für die Konzentration am Wirkort. Die
Abkürzung (L)ADME
fasst diese Vorgänge zusammen:
Bei
Vergiftungen helfen Kenntnisse über die Pharmakokinetik des
Giftstoffes, die Folgen der Vergiftung und die Notwendigkeit und
Sinnhaftigkeit einer
Therapie abzuschätzen.
Als Begründer der Pharmakokinetik gilt der Kinderarzt
Prof.
Friedrich Hartmut Dost, der 1953 mit dem ersten Lehrbuch über
die Pharmakokinetik diese der klinischen Praxis und Forschung zugänglich
machte. Grundlage seiner Überlegungen war die Erkenntnis, daß
Dosisempfehlungen für Arzneimittel nicht einfach von Erwachsenen auf
Kinder "heruntergerechnet" werden dürfen. Aus diesen Grundüberlegungen
entwicklete sich ein eigener Wissenschaftszweig, der heute in der
Arzneimittelforschung ein eigenes Feld besetzt und aus der
Arzneimittelentwicklung nicht mehr wegzudenken ist.
Wichtige Größen der Pharmakokinetik sind zum Beispiel
Dosis,
Verteilungsvolumen,
Clearance,
Bioverfügbarkeit,
Erhaltungsdosis.
Bioverfügbarkeit
Die Bioverfügbarkeit ist eine
Messgröße für den Anteil einer Substanz, der unverändert im
systemischen Kreislauf zur Verfügung steht. In der
Pharmakologie ist sie eine Einheit dafür, wie schnell und in welchem
Umfang ein
Arzneimittel resorbiert wird und am
Wirkort zur Verfügung steht.
Bei Medikamenten, die intravenös verabreicht werden,
ist die Bioverfügbarkeit definitionsgemäß 100%. Man unterscheidet eine
absolute Bioverfügbarkeit, die die Bioverfügbarkeit einer aufgenommenen
Substanz im Vergleich zur intravenösen Gabe angibt, und eine relative
Bioverfügbarkeit, die eine
Darreichungsform mit einer anderen Dareichungsform vergleicht (z.B.
eine
Tablette mit einer Lösung).
Bioäquivalenz
Der Ausdruck Bioäquivalenz
entstammt der
Pharmakokinetik und bewertet die Austauschbarkeit zweier
wirkstoffgleicher
Arzneimittel.
Arzneimittel bezeichnet man
als bioäquivalent, wenn sie eine gleiche
Bioverfügbarkeit aufweisen. Es sind also das Ausmaß und die
Geschwindigkeit der Arzneistoffresorption zu betrachten.
Die Prüfung auf Bioäquivalenz
wird mittels einer Pharmakokinetik-Studie an freiwilligen Probanden
durchgeführt. Zwei Gruppen erhalten unter streng standardisierten
Bedingungen eine gleiche Dosis des Testarzneimittels oder des
Originalproduktes. In bestimmten Zeitabständen werden Blutproben
entnommen und auf die Arzneistoffkonzentration hin analysiert.
Mathematische Kenngrößen, an
Hand derer die Bioäquivalenz beurteilt werden kann, sind
-
die Fläche unter der
Plasmaspiegel-Zeit Kurve (AUC, area under the
curve)
-
der Spitzenplasmaspiegel (cmax)
-
der Zeitpunkt des
Auftretens des Spitzenplasmaspiegels (tmax)
-
der minimale Plasmaspiegel
(cmin)
-
die Verzögerungszeit der
Resorption (tlag)
Bei bezugnehmenden
Arzneimittelzulassungen, die üblicherweise für
Generika beantragt und erteilt werden, fordern die zuständigen
Behörden vom Antragsteller den Nachweis der Bioäquivalenz mit dem
Originalprodukt des Erstanbieters. Die 90%-Vertrauensbereiche (-Konfidenzintervalle)
des Quotienten der für die zu vergleichenden Kenngrößen ermittelten
durchschnittlichen Werte für Testprodukt und Originalprodukt müssen
innerhalb fest definierter Grenzen liegen. Die Auswahl der Kenngrößen
und das
Studiendesign hängen unter anderem von der
Indikation und der
Darreichungsform des Arzneimittels ab.
Dieser Artikel basiert auf einem Artikel (Stichwort
Generikum) aus der freien Enzyklopädie
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hagalil.com / 16-06-2005
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