Klinische Pharmakologie / Psychopharmakologie

 
 

 
 


 

Neuroleptika:
Risperidon bei erstmals auftretender Schizophrenie

Bei der Erstmanifestation einer Schizophrenie ist die Auswahl des geeigneten Medikaments besonders wichtig, um die Compliance des Patienten zu erhalten. Eine neue Studie vergleicht Wirkung und Verträglichkeit von Haloperidol mit der von Risperidon be Patienten mit Erstmanifestation einer schizophrenen Psychose.

Eine erstmals auftretende Schizophrenie ist oft nicht leicht zu erkennen, ein Patient kann schon mehrmals beim Psychiater gewesen sein, bis an eine Schizophrenie gedacht wird. Vermutet man, daß ein Patient an einer Schizophrenie leidet, sollte er zunächst stationär aufgenommen werden, damit eine detaillierte Untersuchung vorgenommen werden kann. Ist die Schizophrenie eindeutig diagnostiziert (DSM-III-R, ICD-10, SCAN/CIDI) sollte die antipsychotische Therapie so rasch wie möglich begonnen werden, da es in der Regel einige Wochen dauert, bis der antipsychotische Effekt eintritt.

Behandlung der Erstmanifestation einer Schizophrenie

Wenn der Patient besonders unruhig, agitiert oder aggressiv ist, muß er sediert werden. Akute Störungen sprechen auf ein kurz wirkendes intramuskuläres Neuroleptikum wie Droperidol (Dehydrobenzperidol) an. Alternativ kann an eine intramuskuläre Injektion von Zuclopenthixol (Ciatyl-Z®) gedacht werden. Eine Injektion wirkt für etwa 72 Stunden. Wenn erforderlich, können bis zu vier Injektionen in Intervallen von zwei bis drei Tagen verabreicht werden. Eine Sedierung kann auch durch konventionelle sedierende Neuroleptika wie Thioridazin (Melleril®) erreicht werden. Tritt die antipsychotische Wirkung der Substanzen ein, sollte überlegt werden, ob der Patient auf ein nicht sedierendes Antipsychotikum umgesetzt wird. Alternativ kann so vorgegangen werden, daß die Behandlung mit einem nicht sedierenden Antipsychotikum wie Sulpirid (Dogmatil®) oder Risperidon (Risperdal®) begonnen und die Erregtheit oder Aggression mit einem Benzodiazepin kontrolliert wird. Dieses Vorgehen hat den Vorteil, daß das Antipsychotikum nicht mehr gewechselt werden muß, wenn die Psychose unter Kontrolle ist.

Neuroleptikatherapie und Compliance

Welcher Weg auch gewählt wird, immer muß bedacht werden, daß sich die Sedierung zwar innerhalb von Stunden nach der Arzneimitteleinnahme zeigt, daß die antipsychotische Wirkung aber erst nach etwa drei Wochen auftritt. Während dieser Zeit muß durch eine sorgfältige und erfahrene Betreuung sichergestellt sein, daß der Patient seine Arzneimittel regelmäßig einnimmt. Verschiedene Faktoren können zu einer schlechten Compliance der Patienten beitragen. Zum einen kann mangelnde Krankheitseinsicht bedingen, daß der Patient nicht akzeptiert, daß er Arzneimittel benötigt. Zum zweiten veranlassen schwerwiegende Nebenwirkungen den Patienten, seine Medikation nicht zu nehmen. Insbesondere Patienten mit Erstmanifestation einer Schizophrenie sind sehr empfindlich auf Antipsychotika. Extrapyramidale Nebenwirkungen entwickeln sich bereits in niedrigeren Dosierungen als bei Patienten, die schon mehrere schizophrene Episoden durchgemacht haben. Etwa 70 bis 80% der neuen Patienten leiden unter Nebenwirkungen. Daher muß die Dosierung der Neuroleptika sehr sorgfältig eingestellt werden, um extrapyramidale Symptome möglichst zu vermeiden.

Risperidon bei Erstmanifestation einer Schizophrenie

Risperidon ist ein Neuroleptikum, dessen Wirkung und vor allem gute Verträglichkeit in zwei großen Studien bei Patienten mit chronischer Schizophrenie nachgewiesen wurden. Alle Patienten waren jedoch bereits mehrfach vorbehandelt.

Nun wurden in einer multizentrischen, doppelblind durchgeführten Studie die Wirkung und Verträglichkeit von Risperidon über eine Sechs-Wochen-Periode mit der von Haloperidol bei Patienten mit Erstmanifestation einer schizophrenen Psychose verglichen. In die Studie wurden 183 Patienten in zehn internationalen Zentren aufgenommen. Sie erhielten die Neuroleptika in einer flexiblen Dosierung, die mittleren Dosen betrugen 6,1 mg täglich in der Risperidon - und 5,6 mg täglich in der Haloperidolgruppe. Beide Neuroleptika verminderten vergleichbar gut schizophrene Symptome, Risperidon hatte jedoch deutlich weniger Nebenwirkungen.

Extrapyramidale Symptome (Score) unter Risperidon und Haloperidol

In der Risperidongruppe waren insbesondere Inzidenz und Schwere extrapyramidaler Symptome signifikant geringer. Weniger Patienten dieser Gruppe benötigten zusätzlich Antiparkinsonmittel, außerdem brachen weniger Patienten die Studie wegen Nebenwirkungen ab. Dies bestätigt, daß Risperidon für die Behandlung von Patienten mit Erstmanifestation einer Schizophrenie gut geeignet ist.

(sh)

Quelle: McCreadie RG. Managing the first episode of schizophrenia: the role of new therapies. 8. ECNP-Kongreß, Venedig, 2. Oktober 1995.
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift "Arzneimitteltherapie" 
DAV/WVG Stuttgart 5/1996

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