PharmacOn Line
Psychopharmakologie: Stoffgebundene Abhaengigkeitserkrankungen
PRÄKLINIK:
- Ethanol und Opioidrezeptoren, Professor Dr.
Volker Höllt
Es gibt eine Reihe von experimentellen Hinweisen, daß
pharmakodynamische Wirkunden von Ethanol, über eine Aktivierung endogener
opioiderger Systeme vermittelt werden. Um den Effekt von Ethanol oder von
Kondensationsprodukten, die beim Metabolismus von Alkohol entstehen (z.B.
ß-Carboline), auf die Genexpression von Opioidpeptiden und Opioidrezeptoren
zu untersuchen, wurden in vitro Experimente an zwei Zellsystemen
(chromaffine Zellen des Nebennierenmarks und
NeuroblastomaxGlioma-Hybridzellen) durchgeführt.
- cGMP-Rezeptoren: Vorkommen, Verteilung und
physiologische Bedeutung, Professor Dr. Franz Hofmann
Akute, niedrig dosierte Einnahme von Ethanol stimuliert glutamaterge
Nervenzellen im Hippokampus. Dagegen führt chronische Einnahme allmählich zu
deren Untergang. Der Hippokampus ist eine wesentliche Hirnstruktur für
Gedächtnisfunktion, daher sind diese Ergebnisse von besonderem Interesse,
zumal chronischer Alkoholmißbrauch beim Menschen zur verminderten
Gedächtnisbildung führt.
- Zelluläre und molekulare Wirkungsweise von
Acamprostat, Professor Dr. Walter Zieglgänsberger
Während früher die Hypothese vertreten wurde, daß Ethanol seine
Wirkungsweise durch Disorgani-sation der Zellmembran im Sinne erhöhter
Fluidität entwickelt, wird heute vermutet, daß durch Alko-hol vor allem
spannungsabhängige Ionenkanäle und durch Neurotransmitter regulierte
Ionenkanäle ver-ändert werden. Cholinerge und serotonerge Mechanismen.
- Geschlechtsabhängige Differenzen in der Initiierung
von Alkoholpräferenz, Dr. Vladimir Patchev
Es ist bekannt, daß Frauen Alkohol weniger gut vertragen und nach
alten Statistiken einen geringeren Anteil an der Gesamtanzahl Alkoholkranker
ausmachen. Andererseits stellen neuere Untersuchungen in den USA fest, daß
Frauen, die Männer bei der Alkoholkrankheit "einholen", das heißt ihr Anteil
an der Gesamtzahl Alkoholkranker wächst.
Ferner existieren Untersuchungen, wonach Frauen in sozialer Deprivation
sogar eine stärkere Tendenz zum Alkoholmißbrauch zeigen. Da im
Tierexperiment die freiwillige Alkoholaufnahme bei weiblichen Ratten höher
ist als bei Männchen, stellt sich die Frage, ob weibliches Geschlecht
eventuell ein Risikofaktor für Alkoholkrankheit ist, der bisher durch
unterschiedliche soziokulturelle Bewertung männlichen und weiblichen
Trinkverhaltens maskiert wurde.
- Sucht im Tiermodell: Wirkung von
"Anti-Craving"-Substanzen, Dr. Rainer Spanagel
"Craving" wird als unkontrolliertes, zwanghaftes Verlangen nach der
Droge definiert und bedingt selbst nach jahrelanger Abstinenz einen
Rückfall. "Anti-Craving" induzierende Substanzen sollten tierexpe-rimentell
charakterisiert und im klinischen Versuch als Mittel zur Sekundärprävention
geprüft werden.
Member of
the Israeli HyperBanner !
Professor Dr. Volker Höllt, Magdeburg
Ethanol und Opioidrezeptoren
Es gibt eine Reihe von experimentellen Hinweisen, daß pharmakodynamische
Wirkunden von Ethanol, über eine Aktivierung endogener opioiderger Systeme
vermittelt werden. Um den Effekt von Ethanol oder von Kondensationsprodukten,
die beim Metabolismus von Alkohol entstehen (z.B. ß-Carboline), auf die
Genexpression von Opioidpeptiden und Opioidrezeptoren zu untersuchen, wurden in
vitro Experimente an zwei Zellsystemen (chromaffine Zellen des Nebennierenmarks
und NeuroblastomaxGlioma-Hybridzellen (NG108 15)) durchgeführt.
Inkubation von chromaffinen Zellen mit 170 mM Ethanol für 24 Stunden führte
zu einer geringgradigen Verringerung der basalen und der durch Nikotin
stimulierten Proenkephalin-mRNA Spiegel um 15 % . Dieser Hemmung der
Proenkephalin Genexpression ging eine Inhibition der basalen und der durch
Nikotin stimulierten c-Fos und c-Jun mRNA-Spiegel voraus (Reduktion um ca. 20%
nach 45minütiger Inkubation mit Ethanol). Diese Befunde sind eine Bestätigung
früherer Ergebnisse, die zeigten, daß die Expression des Proenkephalin-Gens
durch den AP1 Transkriptionsfaktorkomplex (bestehend aus Proteinen der Fos/Jun
Familie) stimuliert wird. Obwohl Ethanol die durch Nikotin stimulierbare
Genexpression hemmte, stimulierte es überraschenderweise den durch Nikotin
aktivierten Calciumeinstrom in die chromaffinen Zellen um ca. 20%. Daher ist der
Mechanismus der akuten Ethanolwirkung auf der Ebene der durch Calcium/Calmodulin
vermittelten Induktion der Transkriptionsfaktoren zu vermuten. Im Vergleich zu
Ethanol besitzen Kondensationsprodukte des Alkohols, die ß Carboline Harman und
Norharman, bereits in µ-molaren Konzentrationen eine starke inhibitorische
Wirkung auf die basale und nikotininduzierte Genexpression von c-Fos, c-Jun und
Proenkephalin.
Inkubation von NG108 15 Zellen mit 170 mM Ethanol für 24 Stunden führte zu
einer zweifachen Zunahme der mRNA Spiegel und des b Opioidrezeptors. Analoge
Befunde wurden kürzlich von der Gruppe von Charness erhoben. Gegenwärtig wird
untersucht inwieweit Ethanol die mRNASpiegel durch eine Erhöhung der
Transkriptionsrate des Gens und/oder durch eine Hemmung des RNA-Abbaus
moduliert.
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß Ethanol und einige seiner
Kondensationsprodukte spezifische Wirkungen auf die Genexpression opioiderger
Systeme auf zellularer Ebene besitzen.
Professor Dr. Franz Hofmann, München
cGMP-Rezeptoren: Vorkommen, Verteilung und physiologische Bedeutung
Akute, niedrig dosierte Einnahme von Ethanol stimuliert glutamaterge
Nervenzellen im Hippokampus. Dagegen führt chronische Einnahme allmählich zu
deren Untergang.
Der Hippokampus ist eine wesentliche Hirnstruktur für Gedächtnisfunktion,
daher sind diese Ergebnisse von besonderem Interesse, zumal chronischer
Alkoholmißbrauch beim Menschen zur verminderten Gedächtnisbildung führt.
Zwischen der elektrophysiologisch meßbaren Langzeitpotenzierung (LTP), einem
synaptischen Marker, und der Gedächtnisbildung wird aufgrund neuerer
Untersuchungen ein Zusammenhang gesehen. Die LTP der synaptischen Übertragung
ist möglicherweise eine Voraussetzung der Konditionierung, Gedächtnisbildung
aber auch der Neurotoxizität. Interessanterweise sind Stickstoffmonoxid (NO) und
Kohlenmonoxid (CO) wahrscheinlich retrograde Transmitter der LTP. Diese beiden
Transmitter stimulieren die cGMP, so daß ein direkter Zusammenhang zwischen der
cGMP Stimulation, dem LTP und damit einem Mechanismus der an der
Gedächtnisbildung beteiligt ist, vermutet werden kann.
Im Zusammenhang mit den Lern und Gedächtnisdefiziten bei chronischem
Alkoholabusus untersuchen wir die Regulation der neuronalen cGMP Rezeptoren,
insbesondere der cGMPabhängigen Proteinkinasen und der cGMP regulierten
Ionenkanäle. Wir haben die Verteilung von cGMP regulierten Ionenkanälen im
zentralen Nervensystem dargestellt und fanden sie außerhalb der Retina und des
Elfaktorischen Systems noch in der Epiphyse, im Nucleus supraopticus und Nucleus
arcuatus. Diese Verteilung macht es sehr unwahrscheinlich, daß cGMP regulierte
Ionenkanäle eine Rolle für die alkoholbedingt verminderte Lernfähigkeit haben.
Anders dagegen die cGMP abhängigen Proteinkinasen, die zur Phosphorylierung
von Proteinen in der Zelle gebraucht werden. Die cGMP abhängige Proteinkinase II
wird in der Hirnrinde (Kortex) bzw. im Hippokampus und die cGMP abhängige
Proteinkinase I im Kleinhirn in hoher Konzentration exprimiert. Wir haben
Mausmutanten hergestellt, bei denen getrennt die cGMP Kinase I bzw. die
cGMPKinase II ausgeschaltet sind. Diese Tiere sind lebensfähig und haben einen
Phänotyp. Durch Kooperationsstudien innerhalb des Suchtforschungsverbundes sind
wir nun in der Lage, die Bedeutung der cGMP Kinase für das Lernverhalten bzw.
die Alkoholtoleranz zu studieren.
Professor Dr. Walter Zieglgänsberger, München
Zelluläre und molekulare Wirkungsweise von Acamprostat
Während früher die Hypothese vertreten wurde, daß Ethanol seine Wirkungsweise
durch Disorganisation der Zellmembran im Sinne erhöhter Fluidität entwickelt,
wird heute vermutet, daß durch Alkohol vor allem spannungsabhängige Ionenkanäle
und durch Neurotransmitter regulierte Ionenkanäle verändert werden. Cholinerge
und serotonerge Mechanismen werden durch Alkohol in der gleichen Konzentration
verändert, wie sie nötig sind, um Glutamatwirkung (exzitatorische Aminosäure) zu
vermindern oder GABAerg vermittelte synaptische Transmission zu erhöhen bzw.
spannungsabhängige Kalziumkanäle zu inhibieren. Chronische Alkoholbehandlung
erhöht die Dichte von Rezeptoren für excitatorische Neurotransmitter und
spannungsabhängige Kalziumkanäle im zentralen Nervensystem, währen GABAerg
vermittelte Prozesse abgeschwächt werden. Diese adaptiven Vorgänge können eine
Erklärung für die Symptome bei Alkoholentzug sein.
Aktivierung genomischer Vorgänge (Genexpression) wird häufig durch Expression
sogenannter IEGs (immediate early genes) angeregt. Die ahtivitätsabhängige
Modulation der Genexpression durch IEGs ist charakteristisch für integrierte
Systeme und trägt zur Plastizität neuronaler Schaltkreise bei. Sie ist
möglicherweise ein Schlüsselvorgang für die Langzeitreaktion auf einen äußeren
Reiz. Wir versprechen uns auf diesem Wege Prozesse wie Regeneration, Lernen,
aber auch langdauernde Veränderungen nach Noxen wie Alkohol oder Medikamenten
besser zu verstehen.
Im Zusammenhang mit der Rückfallprophylaxe bei Alkoholkrankheit ist von
besonderem Interesse, daß Acamprosat die Expression von IEG und Rezeptoren für
excitatorische Aminosäuren beeinflußt. Wir fanden, daß Acamprosat auf der Ebene
der synaptischen Transmission wirkt, indem es Rezeptoren für excitatorische
Aminosäuren und spannungsabhängige Kalziumkanäle aktiviert. Durch diesen Effekt
wirkt Acamprosat möglicherweise den langandauernden Veränderungen neuronaler
Erregbarkeit entgegen, die als Folge chronischen Alkoholmißbrauchs entstehen.
Dr. Vladimir Patchev, München
Geschlechtsabhängige Differenzen in der Initiierung von Alkoholpräferenz
Es ist bekannt, daß Frauen Alkohol weniger gut vertragen und nach alten
Statistiken einen geringeren Anteil an der Gesamtanzahl Alkoholkranker
ausmachen. Andererseits stellen neuere Untersuchungen in den USA fest, daß
Frauen, die Männer bei der Alkoholkrankheit "einholen", das heißt ihr Anteil an
der Gesamtzahl Alkoholkranker wächst. Ferner existieren Untersuchungen, wonach
Frauen in sozialer Deprivation sogar eine stärkere Tendenz zum Alkoholmißbrauch
zeigen. Da im Tierexperiment die freiwillige Alkoholaufnahme bei weiblichen
Ratten höher ist als bei Männchen, stellt sich die Frage, ob weibliches
Geschlecht eventuell ein Risikofaktor für Alkoholkrankheit ist, der bisher durch
unterschiedliche soziokulturelle Bewertung männlichen und weiblichen
Trinkverhaltens maskiert wurde. Das veränderte Rollenbild der Frau erklärt
möglicherweise den Anstieg der Alkoholkrankheit bei Frauen.
Zur Erforschung des Zusammenhangs zwischen Alkoholpräferenz,
Geschlechtszugehörigkeit und Streß führen wir Experimente mit Ratten durch, die
bisher zu folgenden Ergebnissen geführt haben:
- Tiere mit freiem Zugang zu zwei Trinkflaschen, deren eine Wasser, deren
andere eine wässrige Alkohollösung enthielt, gingen nach einigen Tagen dazu
über, ihren Flüssigkeitsbedarf vorwiegend mit der Alkohollösung zu decken.
Weibchen nehmen dabei wesentlich mehr Flüssigkeit aus der Alkoholflasche auf
als Männchen, besonders wenn im Laufe der Zeit der Alkoholgehalt in der
Alkoholflasche gesteigert wird. Diese Geschlechtsdifferenz bleibt auch nach
dreiwöchiger Abstinenz erhalten. Das heißt, wenn man den Tieren wieder den
Zugang zu Alkohollösung anbietet, nehmen Weibchen mehr Alkohol zu sich.
- Um die Rolle der Sexualhormone bei der Entwicklung der
geschlechtsabhängigen Alkoholpräferenz besser zu verstehen, haben wir
weibliche Ratten durch postnatale Hormonmanipulation "maskulinisiert". Wir
fanden, daß durch diese Manipulation die Alkoholaufnahme bei
"maskulinisierten" Weibchen sich der männlicher Ratten annähert.
- In der Klinik ist die Freisetzung von Streßhormonen beim Alkoholentzug
stark erhöht, ein Zustand, der mit vegetativen Beschwerden und Angst
verbunden ist. Diese Beschwerden sind Hauptursache für das Scheitern
individuell von den Patienten durchgeführter Versuche, den Alkoholmißbrauch
zu beenden.
Auf den unmittelbaren Zusammenhang zwischen Streßhormonen und
Alkoholaufnahme weisen auch unsere Tierexperimente hin, bei denen wir
fanden, daß das synthetische Glukocorticoid Dexamethason die
Alkoholpräferenz abstinenter männlicher Ratten erhöht wird. Dexamethason
simuliert viele Eigenschaften des natürlichen Stresshormons Cortisol, wirkt
aber spezifischer über Glukokorticoidrezeptoren.
Dr. Rainer Spanagel, München
Sucht im Tiermodell: Wirkung von "Anti-Craving"-Substanzen
"Craving" wird als unkontrolliertes, zwanghaftes Verlangen nach der Droge
definiert und bedingt selbst nach jahrelanger Abstinenz einen Rückfall.
"Anti-Craving" induzierende Substanzen sollten tierexperimentell charakterisiert
und im klinischen Versuch als Mittel zur Sekundärprävention geprüft werden.
Dabei ist ferner von Interesse, weshalb manche Individuen relativ rasch
Suchtverhalten entwickeln, während andere trotz gleichem Alkoholkonsum nicht
süchtig werden. Im einzelnen haben wir folgende Ergebnisse erzielt.
Craving im Tiermodell
Die Erhöhung der Ansprechbarkeit auf die gleiche oder sogar niedrigere Dosis
einer Droge nach wiederholter Drogengabe wird als Sensitivierung bezeichnet. Das
Phänomen der Drogensensitivierung tritt nur im Zusammenhang mit suchtrelevanten
Drogenwirkungen auf. Im Tierexperiment konnten wir eine Sensitivierung gegenüber
der psychomotorisch stimulierenden Eigenschaft sowie der Verstärkerwirkung von
Morphin nachweisen (Spanagel 1995).
Die durch Drogen hervorgerufene Sensitivierung stellt eine Adaptation des
Zentralnervensystems dar, die sich selbst nach monatelanger drogenfreier Phase
im Tierexperiment nachweisen läßt und daher mit dem Phänomen des Craving in
Verbindung gebracht wird. Hinweise auf diese neuroplastischen adaptiven
Veränderungen konnten wir bisher vor allem im mesolimbischen dopaminergen
Belohnungssystem, welches eng mit suchtrelevanten Prozessen assoziiert ist,
finden (Spanagel 1995; Sillaber 1996).
Im Folgenden wird ein weiteres Modell vorgestellt, das wichtige Aspekte des
Craving in einem Langzeit Alkoholtrinkmodell erfaßt: Einzeln gehaltene Ratten
hatten in einer Vorlaufphase von über einem Jahr die freie Wahl zwischen Wasser,
einer 5%igen, einer 10%igen und einer 20%igen Alkohollösung. Wurde den Tieren
nach dieser Zeit für einige Tage der Alkohol vorenthalten, so zeigte sich
anschließend ein ausgeprägtes Rückfallverhalten, d.h. die Tiere tranken
signifikant mehr Alkohol als zuvor. Die Beimischung von Chinin, eine Substanz,
die einen stark bitteren Beigeschmack erzeugt und unter normalen Umständen von
Ratten nicht getrunken wird, zu den Alkohollösungen, hatte keinen Einfluß auf
das Trinkverhalten, d . h. die Tiere tranken trotz des stark aversiven
Geschmacks über mehrere Tage deutlich erhöhte Mengen an Alkohol. Dieses
Verhalten zeigt einen zwanghaften, nicht kontrollierbaren Charakter - ein
Verhalten, welches dem Craving bei Alkoholikern sehr nahe kommt (Spanagel et al.
1996a).
Wirksamkeit von Anti-Craving-Substanzen
Die Anti-Craving-Substanzen Acamprosat und Naltrexon werden bereits als
Rückfallprophylaxe bei Alkoholkrankheit in Europa und Nordamerika eingesetzt.
Die Verabreichung von Acamprosat unterdrückt dosisabhängig das Rückfallverhalten
in unserem Alkoholtrinkmodell (Spanagel et al. 1996a). Interessant fanden wir,
daß Acamprosat die beschriebene Morphin Sensitivierung völlig unterdrückt. In
Zusammenarbeit mit Prof. Jane Stewart (Montreal) klären wir gerade ab, inwieweit
Acamprosat das Rückfallverhalten in Heroin selbstverabreichenden Ratten
beeinflußt. Die Wirksamkeit von Naltrexon und anderen, mehr spezifischen
Opiatantagonisten, wird zur Zeit in diesem Modell getestet. In einer Vorstudie
konnten wir bereits zeigen, daß Memantine
in unserem Modell wirksam ist und somit u.U. eine neue Anti-Craving-Substanz
darstellt.
Ein weiteres Projekt untersucht die Wirkung von
kappa-Opioidrezeptor-Agonisten
auf Morphinsensitivierungsprozesse: Bisher konnten wir nachweisen, daß diese
Substanzen die Entwicklung von Sensitivierungsprozessen hemmt (Spanagel 1995)
und diese Wirkungen über das mesolimbische dopaminerge System vermittelt werden.
Wirkmechanismen von Anti-Craving-Substanzen
In Drogendiskriminationsstudien konnten wir nachweisen, daß Acamprosat keine
"Ersatzdroge" für Alkoholwirkungen darstellt (Spanagel et al. 1996c) und somit
nicht wie andere NMDARezeptorantagonisten (z.B. MK 801; Memantine) für Alkohol
substituiert.
Mit Hilfe eines neu entwickelten Systems zur Erfassung körperlicher
Entzugssymptome (Telemetrie) konnten wir ferner zeigen, daß Acamprosat zumindest
teilweise die Entzugssymptomatik unterdrückt (Spanagel et al. 1996b). In diesem
Zusammenhang ist auch die Beobachtung interessant, daß die unter Alkoholentzug
erhöhte c-fos Expression durch Acamprosatgabe unterdrückt wird (Putzke et al.
1996).
Individuelle Unterschiede gegenüber Drogenwirkungen
Tiere, die nach ihrem Verhalten beim Angsttest ("elevated plus maze") in
ängstliche und nicht ängstliche Tiere eingeteilt wurden, zeigten einen
unterschiedlichen Alkoholkonsum. So tranken in einer anschließenden freiwilligen
Alkoholselbstverabreichung ängstliche Tiere deutlich mehr Alkohol als nicht
ängstliche Tiere (Spanagel et al. 1995).
An Tieren aus einer transgenen Mauslinie, in der die Expression von
Glukokortikoidrezeptoren verändert ist und somit ein dysreguliertes
Streßhormonsystem aufweist, konnten wir zeigen, daß diese transgenen Tiere
deutlich empfindlicher auf Morphin und Alkoholwirkungen reagieren als ihre
entsprechenden Kontrollen (sowohl anhand von Verhaltensparameter als auch von
neurochemischen Parameter) (Spanagel et al. 1996d).
Wir konnten das Phänomen Craving in zwei Tiermodellen darstellen und die
Wirksamkeit verschiedener Anti-Craving-Substanzen aufzeigen. Eine besondere
Stellung kommt hier Acamprosat zu. Wir sind in Zusammenarbeit mit der Gruppe
Zieglgänsberger, dem Wirkmechanismus dieser Substanz näher gekommen. Zudem
deuten einige Befunde auf die Wirksamkeit von Acamprosat auch bei
morphinsüchtigen Tieren hin. Dies wäre von beträchtlicher klinischer Reichweite
und könnte ferner zum Verständnis allgemeiner Suchtmechanismen beitragen.
Der Befund, daß ängstliche Tiere deutlich mehr Alkohol trinken als nicht
ängstliche, unterstützt die indirekte Aussage vieler epidemiologischer Studien
(siehe auch Wittchen) und legt den Schluß nahe, daß Angst einen Prädiktor für
Alkoholismus darstellen könnte. Zur Unterstützung dieser Aussage sind weitere
Projekte geplant.
Wenn Sie Vorschlaege, Kritik, Kommentare, Fragen oder sonstwas fuer uns
haben, bitte zoegern Sie nicht und teilen Sie es und ganz einfach mit. We'll be
happy to hear from you.
e-Mail
1996© IDPS - Munich - Kiryat haYovel
|