Klinische Pharmakologie / Psychopharmakologie

 
 

 
 
Psychopharmakologie:
Stoffgebundene Abhaengigkeitserkrankungen

Diese Pressemitteilung wurde uns durch die Herstellerfirma zugesandt
(PharmacOn Line)

Alkoholkranke Patienten profitieren von integriertem Therapiekonzept mit Acamprosat*

Amsterdam, 4. Juli 1996. Seit einigen Jahren setzt sich auch in weiten Kreisen der Bevölkerung die Erkenntnis durch, daß die Alkoholabhängigkeit eine schwere Krankheit ist, die genauso wie jede andere psychiatrische oder organische Krankheit konsequent behandelt werden muß. Das in Frankreich bereits seit 1989 zugelassene und in Deutschland seit April'96 erhältliche Homotaurinderivat Acamprosat verbessert die Compliance der Patienten und verringert die Rückfallrate nach einer erfolgreich abgeschlossenen Entgiftung. Dies zeigen die Daten zahlreicher klinischer Studien, die von führenden Psychiatern beim 2. Europäischen Campral Symposium im Rahmen des International Council on Alcohol and Addictions (ICAA 1996) vorgestellt wurden.

Neben der guten Wirksamkeit betonten die Experten vor allem die ausgezeichnete Verträglichkeit des neuen Arzneimittels: Acamprosat hat kein Suchtpotential, wirkt nicht psychotrop, hat keine hepatotoxischen Wirkungen und interagiert weder mit Alkohol noch mit Arzneistoffen, die bei der Behandlung von Alkoholentzugssymptomen eingesetzt werden.

In Europa haben etwa 9% der Bevölkerung Alkoholprobleme, 4,5% sind alkoholabhängig, wobei Männer etwa 3,5mal häufiger betroffen sind als Frauen. Allein in Deutschland leiden etwa 2,5 Millionen Patienten unter der Alkoholkrankheit; bei vielen dieser Patienten wird zugleich mindestens eine weitere psychiatrische Krankheit, häufig eine Depression, diagnostiziert.

Die unbehandelt meist progredient verlaufende Alkoholkrankheit belastet nicht nur die betroffenen Patienten und ihre Bezugspersonen, sondern auch die Volkswirtschaft erheblich: Die direkten und indirekten Kosten, zum Beispiel durch Unfälle, Produktivitätsverlust und Rehabilitationsmaßnahmen, werden in Deutschland auf jährlich 30 bis 80 Milliarden DM geschätzt.

Die Daten der gerade in den letzten Jahren durchgeführten neurobiologischen Untersuchungen und klinischen Studien haben dazu geführt, daß heute auch weite Kreise der Bevölkerung die Alkoholabhängigkeit nicht mehr als moralisches Problem, sondern als psychiatrische Krankheit ansehen, die wie jede andere schwerwiegende Erkrankung adäquat behandelt werden muß.

Durch die Alkoholkrankheit gefährdet sind vor allem Menschen mit genetischer Prädisposition Dabei wird allerdings nicht die Alkoholabhängigkeit selbst vererbt, sondern nur die Disposition für bestimmte Verhaltensweisen beim Konsum von Alkoholika. Professor Dr. G. Edwards, Psychiater vom National Addiction Center, London, wies darauf hin, daß bei den gefährdeten Patienten die Frequenz und die Menge des Alkoholkonsums derart steigen können, daß die Grenze zwischen physiologischem und krankhaftem Alkoholkonsum überschritten wird und sich in der Folge ein "Suchtgedächtnis" entwickelt. Bei chronischem Alkoholmißbrauch kommt es dann zu Veränderungen im zentralen Transmittersystem: Die Anzahl der N-Methyl-D-Aspartat (NMDA)-Rezeptoren steigt, und die Empfindlichkeit der GABA-Rezeptoren nimmt ab. Diese Adaptation verringert zwar die beim starken Alkoholkonsum sonst auftretende Beeinträchtigung der ZNS-Aktivität; die Toleranzentwicklung ist aber zugleich auch die Ursache der beim Alkoholentzug entstehenden Entzugssymptome und des in der Entwöhnungsphase häufig auftretenden Trinkdrucks ("Craving").

Acamprosat - ein innovativer Therapieansatz

Das Homotaurinderivat Acamprosat fördert das "Vergessen" der Alkoholsucht; zugleich wirkt Acamprosat als allosterischer Modulator von NMDA-Rezeptoren und antagonisiert die Wirkungen des exzitatorischen Neurotransmitters Glutamat.

Im Gegensatz zu Alkohol hat Acamprosat aber kein Abhängigkeitspotential, wie Dr. P. J. Geerlings, Amsterdam, betonte. In verschiedenen plazebokontrollierten Studien kam es auch nach zwölfmonatiger Behandlung mit Acamprosat beim plötzlichen Absetzen des Arzneistoffs zu keinerlei Entzugssymptomen.

Diese Ergebnisse werden durch Postmarketing-Analysen aus Frankreich bestätigt, wo Acamprosat seit 1989 zur langfristigen Entwöhnung alkoholkranker Patienten nach erfolgreicher Entgiftung eingesetzt wird und es bisher ebenfalls keinerlei Hinweise auf ein Abhängigkeitspotential gibt.

Das fehlende Abhängigkeitspotential von Acamprosat hängt unter anderem damit zusammen, daß die Substanz, anders als Ethanol, langsam resorbiert wird und Steady-state-Konzentrationen erst nach fünf bis sieben Tagen erreicht werden und selbst keine psychotropen Effekte hat, erklärte Dr. A. Potgieter, Lyon. Acamprosat wird nicht metabolisiert und zu etwa 90% in unveränderter Form renal ausgeschieden. Daher und auf Grund der Tatsache, daß es sich um ein Calciumsalz handelt ist Acamprosat bei Patienten mit Niereninsuffizienz kontraindiziert. Leberfunktionsstörungen stellen dagegen keine Kontraindikation da.

Acamprosat verbessert die Compliance und erhöht die Abstinenzrate

Auf die Ergebnisse einer Metaanalyse von elf plazebokontrollierten Doppelblindstudien, die in acht europäischen Ländern mit insgesamt mehr als 3300 Patienten, darunter knapp 20% Frauen, durchgeführt wurden, ging Professor Dr. O. M. Lesch von der Psychiatrischen Universitätsklinik in Wien ein. Die Acamprosattherapie war in den meisten Studien unmittelbar nach der Entgiftung begonnen und über sechs oder zwölf Monate fortgeführt worden. Acamprosat verbesserte deutlich die Compliance der Patienten (50% versus 40%), erhöhte die Abstinenzrate (67% versus 54%) und die Anzahl der "trockenen Tage" (49% versus 40% der Studientage). Verglichen mit Plazebo war unter Acamprosat nur die Inzidenz an gastrointestinalen Störungen, vor allem Diarrhö, Libidoveränderungen und Einschlafstörungen leicht erhöht. Acamprosat war insgesamt gut verträglich und beeinträchtigte weder die Leberfunktion noch die ZNS-Aktivität und hatte somit auch keinen negativen Einfluß auf die Fahrtüchtigkeit der Patienten.

Professor Dr. J. Besson, Lausanne, wies darauf hin, daß Acamprosat auch bei gleichzeitiger Behandlung mit Disulfiram, Imipramin, Diazepam, Oxazepam, Meprobamat oder Phenobarbital gut verträglich war und damit auch bereits während des körperlichen Entzuges eingesetzt werden könnte. Die Zulassung in Deutschland sieht allerdings vor, daß Acamprosat erst nach erfolgreicher Entgiftung zur unterstützenden Therapie der Alkoholkrankheit eingesetzt wird. Bei Patienten mit einem Körpergewicht über 60 kg werden dreimal täglich zwei Tabletten (entsprechend 1998 mg) verabreicht. Die Behandlungsdauer beträgt zwölf Monate, wobei mit der Behandlung möglichst unmittelbar nach dem körperlichen Entzug begonnen werden sollte. Acamprosat sollte immer im Rahmen eines integrativen Therapiekonzepts verabreicht werden, daß heißt die medikamentöse Behandlung sollte durch psycho- und soziotherapeutische Maßnahmen ergänzt werden.

ALCOWEB - Informationen zur Alkoholkrankheit im Internet

Ab 2. September 1996 werden unter http://www.alcoweb.com ständig aktualisierte Informationen zum Thema Alkoholkrankheit angeboten. Die in enger Zusammenarbeit mit der Plinius Major Society erstellten Daten sind von Spezialisten und ohne speziellen Zugangscode teilweise auch von medizinischen Laien abrufbar. Neben neuen Forschungsergebnissen zur Pathogenese und Therapie der Alkoholkrankheit finden sich unter anderem auch Hinweise auf Kongresse sowie Fragebögen zur Diagnose der Alkoholabhängigkeit durch den Allgemeinmediziner oder Verhaltenstherapeuten.

* Acamprosat wird in Deutschland seit dem 15. März 1996 unter dem Warenzeichen CampralÒ von der Lipha Arzneimittel GmbH, Essen, vertrieben.

1996© haGalil onLine - Munich - Kiryat haYovel

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