Klinische Pharmakologie / Psychopharmakologie

 
 

 
 

Stoffgebundene Abhängigkeitserkrankungen: Alkoholismus

Anti-Craving nach Et-OH-Entgiftung:
Acamprosat scheint die Rückfallrate signifikant zu verringern

Nach einer erfolgreich abgeschlossenen Entgiftung verbessert Acamprosat die Compliance der Patienten in der Entwöhnungsphase und verringert die Rückfallrate vor allem in den ersten, besonders kritischen Monaten nach Abschluß des körperlichen Entzugs.

Dies zeigen die Daten zahlreicher klinischer Studien, die im Rahmen des International Council on Alcohol and Addictions (ICAA 1996) vorgestellt wurden. Acamprosat selbst hat kein Suchtpotential, wirkt nicht psychotrop, hat keine hepatotoxischen Wirkungen und interagiert (im Gegensatz zB zu Disulfiram (Antabus®)) weder mit Alkohol noch mit Arzneistoffen, die beim Alkoholentzug eingesetzt werden.

Pressemitteilung zu Acamprosat® (Lipha Arzneimittel GmbH, Essen)

Alkohol - und andere stoffgebundene Abhängigkeiten:
Vom Tiermodell zur Epidemiologie

Suchtforschungsverbund München,
Max-Planck-Institut für Psychiatrie, 1996

  1. EPIDEMIOLOGIE UND KAUSAL ORIENTIERTE SUCHTFORSCHUNG
  2. KLINIK
  3. PRÄKLINIK

Professor Dr.Dr. Florian Holsboer

Die primären und sekundären Folgen des Mißbrauchs und der Abhängigkeit von Alkohol und anderen psychotropen Substanzen haben eine Dimension erreicht, deren Tragweite für unser Gesundheitswesen, aber auch für unser soziales und kulturelles Leben sehr ernst genommen werden muß. Jedem sind Beispiele von Alkohol- und stoffgebundenen Abhängigkeitserkrankungen aus dem öffentlichen Leben oder im persönlichen Umfeld bekannt. Für die Volksgesundheit spielen diejenigen suchterregenden Substanzen, für die gesellschaftliche Permissivität besteht (Alkohol, Nikotin) eine ungleich größere Rolle als illegale Drogen. Für die größten, zum Tode oder chronischer Erkrankung führenden Bereiche, den Herzkreislauferkrankungen, die Neoplasien (z.B. Lungenkrebs) und den Unfällen spielen Substanzmißbrauch, vor allem Alkohol und Nikotin, eine führende kausale Rolle.

Der Initiative des Bundesministers für Bildung und Forschung (BMBF) ist es zu danken, daß jetzt im Rahmen des Gesundheitsforschungsprogramms die Grundlagen war Entwicklung neuer Wege in Prävention und Therapie geschaffen werden können.

Der Zeitpunkt dafür fällt zusammen mit einem weitgreifenden Paradigmenwechsel in wissenschaftlichen Untersuchungsansätzen bei den Phänomenen, die bislang allgemein unter dem Begriff "Sucht" abgehandelt wurden. Dabei wird der Suchtbegriff ersetzt durch substanzspezifische Kriterien für Mißbrauchs- und Abhängigkeitssyndrome sowie andere Substanzphänomene (Craving, Toleranz, Entzug), die speziölscher auf die große Vielfalt neurobiologischer und psychologischer Grundlagenbefunde abgestimmt sind. Dieser Paradigmenwechsel verspricht nicht nur eine bessere Identifikation der Ursachen von "Sucht"-erkrankungen sondern auch neue, je nach Substanz unterschiedliche Präventions­ und Therapieansätze.

Abhängigkeitserkrankungen sind äußerst komplexe Formen biologischer Organisation. Ursachen­ und Therapieforschung bei Patienten, z.B. mit Alkoholertranlcung, stößt rasch an Grenzen, da das Substrat, das Suchtverhalten generiert, nämlich das zentrale Nervensystem bei vielen "Sucht"phänomenen nur sehr begrenzt der Forschung wgänglich ist. Interessanterweise lassen sich in der klinischen Forschung am Patienten mit Suchterkrankung erarbeitete Zusammenhänge im Tierexperiment weiter vertiefen, denn auch Ratten und Mäuse können mit der Zeit von Alkohol abhängig werden. Durch gleichzeitige Erforschung der alkoholbedingten Veränderungen des Verhaltens, der hormonellen Sekretion, der zellularen und molekularen Mechanismen lassen sich im Tierexperiment sowohl Erklärungen für die klinische Phänomenologie, aber auch Anregungen für neue Therapiewege erwarten. In diesem Sinne ist heute erfolgreiche Suchtforschung immer interdisziplinär und umfaßt u.a. die Epidemiologie mit kausalanalytischen Ansätzen ebenso wie klinische Therapieversuche, zehbiologische und tierexperimentelle Forschungsansätze.

In München hat sich ein Forschungsverbund wsammengefunden, der Um Ziel hat, genau diesen interdisziplinären Ansatz zu nutzen und zu verstärken.
Wir sind dankbar, daß der BMBF im Rahmen der Gesundheitsforschung durch die Ausschreibung eines Suchtschwerpunkts die Voraussetzungen für die Entstehung einer Forschungsstruktur geschaffen hat, die ­ so ist zu hoffen ­ langfristig das gesellschaftspolitisch brisante Problem der Suchtentstehung und Therapie lösen hilft.

  1. EPIDEMIOLOGIE UND KAUSAL ORIENTIERTE SUCHTFORSCHUNG
  2. KLINIK
  3. PRÄKLINIK

Gehirnforschung:
Hoffnung bei Alkoholismus

Genau 70 Jahre, nachdem in Deutschland Alkoholkranke zu Tausenden in Konzentrationslager verschleppt und im weiteren Verlauf der NS-Herrschaft zu Tode gequält oder von Ärzten direkt ermordet wurden, zeigen sich in San Francisco, am Gallo-Institut der University of California, aussichtsreiche Ansätze zur Therapie dieses grausamen Leidens...

1996© haGalil onLine - Munich - Kiryat haYovel

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