Klinische Pharmakologie / Psychopharmakologie

 
 

 
 

Lexikon zur Schmerzmedizin

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additive Wirkung
Einfache algebraische Summation (Verstärkung) der Wirkungen zweier Wirkstoffe. Vgl. ® synergistische Wirkung. Es wird auch vom additiven Synergismus gesprochen (Wirkungsintensivierung durch einfach additive Summation). Beispiele: Wirkstoff-Potenz 2 + Wirkstoff Potenz-3 = Potenz 5 (= additiv). Potenz 2 + Potenz 3 = Potenz 10 (= supraadditive oder synergistische Wirkung). Der Ausdruck ® Synergismus wird verwirrenderweise sowohl für die einfache additive Wirkungsverstärkung als auch für die supra-additive Potenzierung verwendet.

Adenosin (Adenin-[-ribofuranosid])
Aus Adenin und D-Ribose bestehendes Ribonukleosid. Baustein vieler biologisch wichtiger Stoffe: Energiespeicher (Phosphorsäure-Ester ADP, AMP, ATP), Nukleinsäuren (DNS, RNS) sowie peripherer und zentraler Neurotransmitter (u. a. Nozizeption): 2 Subrezeptoren: A1 (antinozizeptiv), A2 (pronozizeptiv). I.v.- Adenosin produziert Schmerzen (A2-R vermittelt). Adenosinagonisten haben eine antinozizeptive Wirkung (prä- und postsynaptische Hemmung via A1-R; ® Coffein). Adenosinantagonist: Theophyllin. Adenosin wird als antiarrhythmischer Wirkstoff in der Kardiologie diskutiert.

Adenylatcyclase
Engl. "adenylyl cyclase", ein Zellmembranenzym der Klasse "Lyase", das die Überführung von ATP zu zykl. AMP katalysiert. Die Adenylatcyclase, von der bislang 9 Isoformen bekannt sind, gehört zu einem sog. Effektorsystem, das durch aktivierte ® G-Proteine in Gang gesetzt wird.

Adiposalgie
Syn. Dercum-Krankheit (Adipositas dolorosa): spontan oder auf Druck schmerzhafte subkutane Fettanhäufungen.

Adler, Alfred (Wien 1870--1937)
Augenarzt, Psychiater und Psychologe. Mit Sigmund Freud, mit dem er später brach, Begründer von psychoanalytischen Arbeitsgruppen. Emigration in die USA 1932.

ADME
engl. Abk. für "absorption, distribution, metabolism, excretion", Abkürzung für die 4 Hauptuntersuchungen der sog. ® Pharmakokinetik.

ADP
Abk. für Adenosindiphosphat, biologischer Energieüberträger. Nimmt aus AMP reversibel Phosphor auf und wird zu ATP umgesetzt.

Adrenalin
Chem.: L-1-(3',4'-dihydroxy-phenyl)-2-methylaminoethan-1-ol. C9H13NO3. Mr: 183,2; 1901 von J. Takamine (1854--1922) isoliert und von F. Stolz (1860--1936) dargestellt. Biosynthese: aus Tyrosin; Elimination: via Catechol-O-Methyltransferase (COMT) und Monooxydase (MAO). Hormon- und Neurotransmitterfunktion. Zielrezeptoren: a1-/a2-/b1-/b2-Adrenozeptoren (sowie Subrezeptoren); siehe unter zentral absteigende Schmerzbahnen. Während Opioidentzug zirkuliert eine hohe Konzentration von freigesetztem Adrenalin ( =sog. "Adrenalinsturm") .

Adrian, Edgar Douglas Sir (London 1889--1977)
Physiologiestudium in Cambridge, danach Medizinstudium und klinische Arbeiten, insbesondere klinische Neurologie am St. Bartholomew’s Hospital London (Promotion 1915), wo sich Adrian mit neuropathischen Schmerzen Kriegsversehrter befasste. Nach dem 1. Weltkrieg Rückkehr nach Cambridge an das Keith-Lucas-Labor: Erforschung der Mechanismen der Nozizeption (Schmerzwahrnehmung). Theorie: der nozizeptive Input endet im Thalamus; der sensorische Input in den kortikalen Bezirken mit funktionell-relativer Repräsentation im Sinne des bekannten deformierten ® Homunculus ("beim Pony sind die Nüstern so überrepräsentiert wie der Rest des Körpers"). Nobelpreis 1932 mit Sir Charles ® Sherrington. Publizierte: "The Basis of Sensation" (1927), "The Mechanism of Nervous Action" (1932), "The Physical Basis of Perception" (1947).

agnogenisch
Syn.: idiopathisch (= Ursache unbekannt).

Alexander von Tralles (ca. 525--605)
Sein Bruder war Architekt der Hagia Sophia -- ordnete der genauen Differentialdiagnostik bei Schmerzzuständen eine grosse Bedeutung zu. Es soll auch UAW bei Langzeitgaben als solche erkannt haben und den Patienten entsprechend aufgeklärt haben.

Algorithmus
Spielregel, z. B. Plan von Behandlungsabläufen.

AMPA
Abk. für a-Amino-3-Hydroxy-5-Methylisoxazol-4- Propionat; s. auch glutaminerger Subrezeptor AMPA (postsynaptischer Glu-Rezeptor).

AMPA-Rezeptoren: Subrezeptor der Glu-Rezeptoren. Man nimmt an, dass bei Ischämie des ZNS die Schädigung von AMPA-R im Vordergrund steht.

Ankylose
Gelenksteife.

Anrep von, Wassili (Bei St. Petersburg 1852--1927 Paris)
Aus westfälischer Familie, die sich in Estland angesiedelt hatte, stammend. Nach abgeschlossenem Medizinstudium in St. Petersburg Kriegsarzt während des russisch-türkischen Krieges (1877--1878). In Würzburg Mitarbeit beim Pharmakologen Michael Rossbach (1842--1894). Mit Koller und Halsted Pionier der Lokal- und Regionalanästhesie; u. a. "Über die physiologische Wirkung des Cocain" (1880). Mitglied der Duma. 1917 von den Bolschewiken inhaftiert. Tod in der Emigration.

antisense Oligonukleotide
Kurzkettige, einzelsträngige, synthetische Nukleotidfragmente bzw. Nukleinsäure mit einer definierten Sequenz bzw. Abfolge von Basen, die "komplementär (= "Antisens") gegenüber einer Absfolge der Ribonukleinsäure des Zielproteins ist. Diese Sequenz bindet über komplementäre Paarung an die entsprechende Sense-Sequenz (einer Ziel-RNS oder DRNS) und sabotiert so die Bildung des Zielproteins. Dieser gentechnische Trick wird in der Forschung angewandt, um verschiedenste Proteinstrukturen (z. B. Rezeptoren) zu erforschen.

Aptamerbindung
Die sequenzspezifische Bindung eines Oligonukleotids an ein Protein.

Ärzte-Anthropologie der Romantik
Romantische Sonderform der anthropologischen philosophisch-wissenschaftlichen Betrachtung des Menschen, v. a. durch folgende Ärzte geprägt (Ignaz Paul Vitalis ® Troxler, Christian Friedrich Nasse (Bielefeld 1778--1851 Marburg, Pionier der "Diagnostik am Krankenbett"), Johann Michael Leupoldt (Weißenstadt 1794--1874 Erlangen), Dietrich Georg von Kieser (Hamburg 1779--1862 Jena; u. a. 1814--1817 Feldarzt in Frankreich bei den Weimarischen Truppen); Johann Christian August Heinroth (Leipzig 1773--1843 Leipzig); Joseph Ennemoser (Schönau/Tirol 1787--1854 Egern; Anhänger des ® Mesmerismus); Ignaz Döllinger (Bamberg 1770--1841 München); ® K.G. Carus; Karl Friedrich Burdach (Leipzig 1776--1797 Leipzig; Anatomieprofessor in Königsberg: nach ihm benannt Fasciculus cuneatus bzw. Burdach-Strang; unvollendetes Opus über "Die Physiologie als Erfahrungswissenschaft); Joachim Dietrich Brandis (Hildesheim 1762--1846 Kopenhagen; Leibarzt des dänischen Königs, publizierte über Erfahrungen der Anwendung von Kälte); Franz Benedict von Baader (München 1765--1841 München); Johann Heinrich Ferdinand von Autenrieth (Stuttgart 1772--1835 Tübingen).

Ästhesie
Gefühl, Wahrnehmung.

Ästhesiometer
Empfindungsmeter zur Prüfung der Hautempfindlichkeit.

Affekttheorie
Nach ® Papez (1937) werden die Affekte von Area entorhinalis, Hippocampus, Corpora mamillaria, vordere Thalamuskerngruppe, Gyrus cinguli reguliert (heute "limbisches System"); auf dieser Höhe werden die afferenten Schmerzsignale wahrscheinlich in einer primitiven Erstform "bewusst": ® Nozitranslation bzw. Perzeption.

Afferenzen
Zentripetale A., zum ZNS führende Nerven.

Affinität
Pharm., die physikochemische Kraft eines Liganden zum Eingehen einer reversiblen nichtchemischen Verbindung mit einem ® Rezeptor. Die Affinität ist abhängig von der Größe und Form der Moleküle, sowie von der Anordnung von Atomen und Atomgruppen an der Oberfläche. Die Affinität wird in der Regel mit einem bekannten Referenz-Liganden verglichen (z. B. m-Agonist = ® Sufentanil; Opioid-Antagonist: ® Naloxon. Die Anzahl Moleküle, die ausreicht, Sufentanil vom Rezeptor zu verdrängen wird als ® Inhibitionskonstante Ki bezeichnet: je niedriger Ki -Wert: je höher ist die Affinität.

Agar-Agar
"Japanischer Fischleim", ein gelatinöskolloidaler Algenextrakt, der von den meisten Bakterien nicht verdaut wird (als solider Gel für Mikroorganismen-Kulturmedien eingesetzt), daneben als Laxativum, Emulsionsträger und als Medium für Immunodiffussion, Immunoelektrophorese etc. eingesetzt.

Quelle: Glossar zum "Handbuch der Schmerztherapie" (Hsg.: Herman Hans Waldvogel), gewidmet Ernst von der Porten, einem der Wegbereiter der moderenen Schmerztherapie. Ernst von der Porten wurde von der Gestapo, gemeinsam mit seiner Frau, im "freien Teil Frankreichs" in den Tod getrieben.
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haGalil onLine 14-10-2001

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