Klinische Pharmakologie / Psychopharmakologie

 
 

 
 

Lexikon zur Schmerzmedizin

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Allachästhesie
an einer anderen Körperstelle empfundener Reiz.

Allästhesie
Dysästhesie, verfälschte, falsch lokalisierte Wahrnehmung von Berührungsreizen (griech. allachai = anderswo; aisthesia = Perzeption) auf der gleichen Extremität (nach Stewart 1884).

Allo-
griech. Bestimmungswort in zusammengesetzten Fremdwörtern mit der Bedeutung "anders", "fremd" (Beispiel ® Allocheirie, Allodynie).

Allocheirie

1882, nach dem Wiener Neurologen, Hirnforscher und Psychiater sowie Gründer des Neurologischen Instituts der Universität Wien Heinrich Obersteiner (Wien 1847--1922 Wien), bei organischen Erkrankungen des ZNS (Tabes etc.): fehlerhafte Lokalisation des Schmerzreizes (allos = anders; chiria= Hand) auf der anderen entsprechenden Körperhälfte. Vgl. auch ® Allästhesie.

Allodynie
qualitativ ("unangenehm") und quantitativ (erhöht) verändertes Schmerzgefühl, auslösbar durch a priori nicht schmerzhafte Stimuli (Beispiel: Hemdtragen nach Sonnenbrand). Vgl. ®Alloknesis.

Alloknesis
unangenehmes Itching (Pruritus): wahrscheinlich zentral ausgelöst (® UAW Opioide: zentraler Pruritus). Vgl. ® Allodynie.

Alloparalgie
Das Auftreten konsensueller Schmerzen in der gesunden Extremität (s. Klinik ® Kausalgie).

Alpha-Fasern (a-Fasern)
16--20 mm dicke, hochmyelinisierte Fasern mit hoher Leitungsgeschwindigkeit von 80--120 m/s. Funktion: Afferenzen aus Muskelspindeln, Sehnenorganen sowie motorische extrafusale Efferenzen.

Alpha-Phase (a-Phase oder a-Halbwertszeit)
Bezeichnet die akute Verteilungsphase nach i.v.-Gabe eines Wirkstoffs im sog. Dreikompartimentmodell. Bei i.v.-Verabreichung erreicht der Wirkstoff (abhängig von Dosis und Injektionsgeschwindigkeit) hohe Plasmakonzentration in zentralen bestperfundierten Kompartiment (ZNS, Herz etc.); danach fällt die zentrale Serumkonzentrion relativ rasch (Umverteilungsphase) bis zu einem Gleichgewichtzustand (Gewebekonzentrationen = Plasmakonzentration). Darauf folgt theoretisch die eigentliche Elimination des Wirkstoffs (sog. ® terminale b-Phase). Die akute Verteilungsphase a bestimmt die zentrale Serumkonzentration (z. B. ZNS) und ist verantwortlich für akute klinische Wirkungen (z. B.: Thiopental/Bewusstseinsverlust bis Wiederaufwachen; potente Opioide/akute Atemdepression/Muskelrigidität bis Wiederabklingen dieser Symptome): dieser klinische Effekt ist also auf ein reines Umverteilungsphänomen zurückzuführen und unabhängig von metabolischen Eliminationsmechanismen (terminale ® b-Phase" sowie ultraspäte ® g-Verteilungsphase im Multikompartimentmodell).

Alpha1-Rezeptor (a1-Rezeptor)
Subtypgruppe (Subsubtypen: a1A-D) postsynaptischer adrenerger Rezeptoren (bei Aktivation Vasokonstriktion, Mydriasis, Relaxation Magendarmtrakt, Kontraktion gastrointestinale- und Blasensphinkteren).

Alpha2-Rezeptor (a2-Rezeptor)
Subtypgruppe (Subsubtypen: a2A-D) prä- und postsynaptischer adrenerger Rezeptoren (bei präsynaptischer Aktivation: Hemmung der Freisetzung von Noradrenaliin); postsynaptisch: u. a. Hyperpolarisation ZNS (s. antinozizeptive Wirkung von a2-Agonisten, z.B. Clonidin, Dexmedetomidin etc.). Peripher: a2-Rezeptoren- (bzw. NA-)- vermittelte Dialogaufnahme zwischen autonomen Efferenzen und Primärafferenz.

Alpha-Wellen (a-Wellen)
EEG-Wellen (F: 8--12/s; V: Amplitude 20--120, in der Regel um 50 mv); werden einem thalamisch-kortikalen Funktionssystem zugeschrieben (Wachzustand « geschlossene Augen: vgl. auch "nächst höhere Aktivitätsstufe": b-Wellen s. ® Berger-Effekt).

Alvarez, Walter Clement (1884—1973)

am. Physiologe; postulierte schon 1917 eine retrograde Dünndarmperistaltik im Zusammenhang mit Übelkeit, Würgen und Erbrechen. Zusammen mit W.B. ® Cannon, E. Bozler, C. Ladd Prosser, und J. Christensen einer der bedeutendsten Erforscher der gastrointestinalen Motilität (z.B. opioidinduzierte Motilitätsstörungen).

Alzheimer, Alois (1864--1915)
Professur für Psychologie in Breslau. Später in München wegweisende Arbeiten in Histopathologie des ZNS. Zusammenarbeit mit Franz Nissl. Eminente Arbeiten über zerebrale Arteriosklerose (1904), die nach ihm benannte präsenile Demenz (M. Alzheimer, 1907) sowie Huntington-Chorea (1911).

Amenorrhö + Polyarthralgie
Noch nicht benanntes Syndrom bei chronischrückenmarknaher Opioidapplikation.

 

Quelle: Glossar zum "Handbuch der Schmerztherapie" (Hsg.: Herman Hans Waldvogel), gewidmet Ernst von der Porten, einem der Wegbereiter der moderenen Schmerztherapie. Ernst von der Porten wurde von der Gestapo, gemeinsam mit seiner Frau, im "freien Teil Frankreichs" in den Tod getrieben.
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haGalil onLine 14-10-2001

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