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Lexikon zur Schmerzmedizin
Aminosteroide
(Synonyme: 12-Aminosteroide, Lazaroide) neue Wirkstoffgruppe vom Typ
putative Antinozizeptiva (chem. Nichtglukokortikoid-Analoge von
Methylprednisolon)(z. B. Biomembranstabilisation und Hemmung der
postraumatischinduzierter Lipidperoxidation, v. a. bei ZNS-Traumata,
Sepsis etc.).
AMPA-Rezeptor
Ionotroper (Na-Kanal), aus 4 Einheiten (GluR1-GluR4) bestehender
Subtyp der 3 Glutamatrezeptoren: postsynaptisch, glutaminerge Exzitation
außerhalb des Ca++-Systems.
amphiprotisch
Moleküle mit 2 ionisierbaren Molekülseiten (saure und basische Gruppen);
z. B. ® Nifluminsäure, ®
Amfenac, ® Azapropazon; eine eventuelle
Beziehung zwischen Wirkung und amphiprotischer Konfiguration ist nicht
bekannt.
Amygdala
(Mandelkern), mit dem Bulbus olfactorius verbundener, zum
® limbischen System gehörender grauer Hirnkern.
Amyotrophie (neuralgische Amyotrophie)
Heftige, mehrere Wochen anhaltende Schmerzen im Bereich des plexus
brachialis mit konsekutiver Enwicklung von Paresen, Muskelatrophien,
Sensibilitätsstörungen unbekannter Ursache.
ANA
Antinukleäre Antikörper (z. B. bei systemischen Autoimmunerkrankungen
wie Lupus erythematodes, chronischer Polyarthritis usw. werden
Antikörper gegen Zellkern-DNS gebildet).
Anaesthesia
® Anästhesie.
Anaesthesia dolorosa
Schmerzempfinden in "tauben" Gegenden (z. B. Phänomen bei
Trigeminusneuralgie: brennende Schmerzen im Nervenbereich mit Wegfall
der entsprechenden Oberflächensensibilität).
Anaesthésie et Analgésie
frz. Fachzeitschrift, gegründet 1935.
Analeptika
Das ZNS unspezifisch stimulierende Wirkstoffe.
Analgesia dolorosa
Kombination von brennenden Neuralgieschmerzen (Trigeminusneuralgie) in
Kombination mit gestörter peripherer Schmerzempfindlichkeit (s. auch
® Anaesthesia dolorosa).
Analgesie (Analgie)
Schmerzlosigkeit.
Analgetika
Schmerzstillende Mittel.
Analgetikasucht
Arzneimittelmissbrauch (® Opioide,
® Amphetamin, ®
Coffein, ® Phenacetin, ®
saure antipyretische Analgetika etc.): der im angelsächsischen Bereich für
antipyretische Analgetika gebrauchte Begriff "nonaddictive analgesics"
ist irreführend.
Analgia congenita
siehe unter Fanconi-Ferrazini bzw. CIPA:angeborenes Fehlen der
protopathischen Schmerzempfindung bei normaler epikritischer Empfindung;
auf schädigende Reize keine adäquate Schmerzreaktion (Schutzlosigkeit).
Der betroffene Patient hat eine narbenübersähte Haut, verstümmelte
Extremitäten und wegen unbemerkter Caries vorzeitigen Zahnausfall. Mit
fortschreitendem Alter können bei diesen Patienten offenbar Sinnesorgane
(Augen etc.) sowie der Verstand die protektive Rolle des Schmerzes
übernehmen.
Analgia
Analgesie (Schmerzlosigkeit).
Analgothymie
Zentrale Indolenz (Beispiel nach Leukotomie).
Analogskala
Darstellung der subjektiven Schmerzempfindung durch eine Skala (
® Schmerzdokumentation).
Anamnese
Vorgeschichte des Patienten (z. B. die Schmerzanamnese, die im
Schmerzprotokoll dokumentiert wird).
Anandamid
Aus Arachidonat und Äthanolamin zusammengesetzter cannabinomimetischer
Endoligand des ZNS.
Anaphylaxie
IgE-vermittelte antigenspezifische Immunreaktion mit sofortiger
lebensbedrohender Akutreaktion (Hypotension, Vasodilatation,
Bronchokonstriktion, Herzstillstand etc.). Kreuzallergie möglich.
Anästhesie
Zustand der Unempfindlichkeit des Nervensystems im weitesten Sinne.
Das Wort Anästhesie ist im Englischen Sprachbereich seit mindestens seit
1721 ("Shorter Oxford English Dictionary" bzw. "Bailey’s Dictionarium
Britannicum", London 1730) in Gebrauch. 1819 in Parr’s London Medical
Dictionary als "Unempfindlichkeit gegenüber Gefühl" und Sinn
beschrieben. 1843 im Buch von John Elliotson ("Numerous cases of
surgical operations without pain in the mesmeric state", London 1843) in
Zusammenhang mit peri-operativer Medizin (Anästhesie bzw.
Allgemeinnarkose) gebracht. Seit dem Brief von Oliver Wendell Holmes vom
21. November 1846 "The state (Morton's Äthernarkose, Anm. Hrsg.)
should ... be called anaesthesia" allgemein einer durch sog.
"anti-aesthetic agents" induzierten allgemeinen Unempfindlichkeit bzw.
Allgemeinnarkose zugeordnet. Als taktile Anästhesie wird die Störung der
Oberflächensensibilität mit völligem Verlust der Berührungswahrnehmung
bezeichnet. Unter dem Begriff "partielle Anästhesie" wurde 1845 in
Boston durch McPheeters der Zustand der Unempfindlichkeit der
Unterschenkel ohne motorischen Ausfall beschrieben (z. B.
Tabes-bedingt).
Anaxagoras
griech. Philosoph (500--428), Lehrer von Sokrates: Schmerztheorie ähnlich
wie bei Buddha: jeder Sinnesreiz ist mit Schmerz verbunden. Schmerz wird
im Hirn perzeptiert (!).
Anilinderivate
Anilin (Aminobenzol) wurde 1826 vom Niederlausitzer Otto Unverdorben
bei der Destillation von Indigo (portugiesisch anil: blau) entdeckt.
Bekannte Anilinderivate sind Acetanilid, Phenacetin und Paracetamol.
Anosmie
Verminderung oder Fehlen der Geruchswahrnehmung (periphere Anosmie,
zentrale Anosmie).
Antagonismus
Gegensatz zu Synergismus.
Antagonist
Ein Ligand, der dank Affinität kompetitiv und reversibel einen
Rezeptor besetzt, aber dabei keine intrinsische Wirkung auslöst.
Quelle: Glossar
zum "Handbuch
der Schmerztherapie" (Hsg.: Herman Hans
Waldvogel), gewidmet Ernst von der Porten, einem der Wegbereiter der
moderenen Schmerztherapie. Ernst von der Porten wurde von der Gestapo,
gemeinsam mit seiner Frau, im "freien Teil Frankreichs" in den Tod
getrieben.
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haGalil onLine 14-10-2001
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