Klinische Pharmakologie / Psychopharmakologie

 
 

 
 

Lexikon zur Schmerzmedizin

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APAIS
(Schmerzklinik) Abk. für Amsterdam Preoperative Anxiety and Information Scale.

Apgar, Virginia (1909--1974)
Erste Professorin für Anästhesiologie an der Columbia Universität (1949). Führte 1953 standardisierte Scores zur Vitalitätserfassung von Neugeborenen ein (vereinfachtes Klinikerakronym für APGAR: A [appearance]; P [pulse], G [grimace], A [activity], R [respiration]). Im Vorwort zur Publikation schrieb sie Bemerkungen, die heutzutage beispielsweise für die Einführung entsprechender Schmerzskalen Gültigkeit hätten (s. Zitat).

"Seldom have there been such imaginative ideas, such enthusiasms, and dislikes, and such unscientific observations and study about one clinical picture."

Apoptosis
Physiologischer, präprogrammierter Zelltodmechanismus, der durch spezifische Veränderungen von Zellorganellen charakterisiert ist (Nukleus, Zytoplasma, Cleavage von DNA-Fraktionen etc.); die Apoptosis wird als physiologischer Antagonist zur Mitose interpretiert.

Apperzeption
Die bewusste Verarbeitung von Eindrücken.

Applikation
Verabreichung von Wirkstoffen.

APS
American Pain Society, 1978 gegründetes nationales Mitglied der ® IASP.

APUD
Amine and precursor uptake and decarboxylation. Die aus der Neuralleiste stammenden spezialisierten sog. APUD-Zellen haben die Fähigkeit, Amine oder deren Vorstufen aufzunehmen und daraus u. a. Peptidintestinalhormone zu synthetisieren.

Aquadynie
Durch Wasser(bad) auslösbare intensive, brennende Schmerzen.

aquagener Pruritus
Durch Wasser(bad) auslösbarer Pruritus.

Aquaporine
1993 erstmals beschriebene Membranproteinfamilie: selektive Wasserkanäle, die Wasser entgegen einem Konzentrationsgefälle aktiv durch Zellmembrane etc. transportieren können.

arabische Ärzte/arabische Medizin
Unpräziser Begriff, der auch nichtarabische Ärte (z.B. Avicenna = persischer Arzt) umfasst.

Beispiele: Avicenna (Abu Ali Hussain ibn Abdullah ibn Sina 980--1037), Al Razi, Al Bagdady, El Bitar und Ibn El Kuff waren während des Mittelalters (9.--14. Jahrhundert) führend in wissenschaftlicher und praktischer Medizin, wobei dem Schmerz große Beachtung geschenkt wurde. Einführung von analgetisch wirksamen Phytotherapeutika wie Opium, Papaveris, Hyoscin, Mandragora etc. systemisch und lokal (! z. B. lokale Instillation von Opiumsaft,- Paste,- Patches als Zahnfüllungen, Opiumohrentropfen, mit Phytotherapeutika getränkte Verbände etc.). Verwendung von Wärme und Kälte (!) zur Schmerzstillung, präoperative Vorbereitung mit Schmerzmitteln. Die präzise, analytische Arbeitsweise dieser arabischen Medizinschule hatte großen Einfluss auf die späteren europäischen Antidotarien bzw. Pharmakopöen; z. B. das arabisch Wort "al-goul" ("Alkohol", durch El-Kindi zum 1. Mal destilliert) bezeichnet etwas, was den Kopf "sturm" macht. Die arabische Wissenschaft (Zentrum Bibliotheksstadt Alexandrien) rettete durch Übersetzungen unzählige alteuropäische (griechische, römische) Texte vor der Vernichtung und dem Vergessen.

Arachidonsäure
Essentielle, vierfach ungesättigte Fettsäure und Bestandteil von Phosphatidbiomembranen. In vivo bei Biomembranschädigung freigesetzt und hauptsächlich über Cyclooxygenasen (® COX-1/2) und Lipoxygenasen zu bioaktiven Substanzen ("Arachidonsäurekaskade") abgebaut.

Arachnitis
(Synonym: Arachnoiditis) Entzündung der Arachnoidea; als sog. sterile Arachnitis nach instrumenteller (z. B. Langzeitkatheter) oder medikamentöser Reizung bei Spinal- oder Epiduralanästhesien möglich (grob vergleichbar mit "Verwachsungsbäuchen nach abdominalen Eingriffen"!).

ARAS
Abk. für aufsteigendes retikuläres aktivierendes System.

Area postrema
Nach ® Borison u. Wang (1953) beschriebenes ® zircumventrikuläres Organ, das als chemorezeptorischer ZNS-Sensor für potentielle Bluttoxine funktioniert und bei Aktivation tiefergelegene sog. "Brechfunktionszentren" stimuliert bzw. den Brechreflex auslöst (z.B. zirkulierende Opioide).

Area under the curve, AUC
(Kinetik): die Fläche unter der Konzentrations-Zeit-Kurve: auf der Ordinate wird die Plasmakonzentration, auf der Abszisse die Zeit aufgetragen. Die nach der sog. Trapezoidregel ausgemessene Fläche unterhalb der Kurfe ist proportional der Menge des Wirkstoffes, die den systemischen Kreislauf erreicht hat. Beispiele: nach p.o.-Gabe kann eine rasche (oder langsame), vollständige enterale Resorption erfolgen mit entsprechender hoher (oder niedriger) AUC, wobei sich die Gesamtfläche unter der Plasmakonzentration-Zeitkurve zur Grösse der resorbierten Wirkstoffmenge proportional verhält.

ARS
Engl. Abk. für "autonomic reflex screen": Testassortiment für das autonomes Nervensystem (z. B. Valsalva-Manöver, ® QSART etc.).

Arendt-Nielsen, Lars (1958*)
bdt. zeitg. dän. Schmerzforscher (Universität Aalborg).

Aristoteles (Stagira 384--322 Chalkis)
Sohn des Leibarztes des Makedonenkönigs Amyntas II, mit Sokrates und Platon Begründer der abendländischen Philosophie: die Seele ist unabhängig vom Körper und unzerstörbar. Die Doktrin der 5 Sinne wird Aristoteles zugeschrieben.

arousal reaction
engl. Bezeichnung nach Moruzzi u. Magoun 1949: Weckreaktion.

ARS
engl. Abk. für "arousal reaction system" (retikuläres Weckreaktionssystem): s. auch ® Bispectral EEG.

Arsonvalisation
Durch den frz. Physiologen 1892 d'Arsonval eingeführte Hochfrequenzstromtherapie, die u. a. wegen ihrer Wärmeentwicklung schmerzlindernd, u. a. von ® von der Porten eingesetzt.

Arteriitis temporalis Horton
Akut einsetzender Schläfenkopfschmerz.

Quelle: Glossar zum "Handbuch der Schmerztherapie" (Hsg.: Herman Hans Waldvogel), gewidmet Ernst von der Porten, einem der Wegbereiter der moderenen Schmerztherapie. Ernst von der Porten wurde von der Gestapo, gemeinsam mit seiner Frau, im "freien Teil Frankreichs" in den Tod getrieben.
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haGalil onLine 14-10-2001

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