Klinische Pharmakologie / Psychopharmakologie

 
 

 
 

Lexikon zur Schmerzmedizin

Arzneibuch
Pharmakopöe. Amtliches, meist nationales Vorschriftenbuch für die Zubereitung, Beschaffenheit, Aufbewahrung, Bevorratung, Prüfung und Ausgabe von Arzneien sowie ihren Grundstoffen. Die WHO hat 1951 ein internationales Arzneibuch, Pharmacopoe Internationalis erarbeitet. Die im Mittelalter von Stadtvätern herausgegebenen Arzneibücher wurden auch "Dispensatorium" bezeichnet. Das alte Wort Offizin (lat.: die Werkstatt) für Apotheke wird noch als "offizinell" für im amtlichen Arzneibuch aufgenommene Heilmittel verwendet.

Arzneimittel
Nach dem Arzneimittelgesetz (§ 1 Abs. 1) ist ein Arzneimittel im Sinne dieses Gesetzes Stoffe und Zubereitungen von Stoffen, die vom Hersteller oder demjenigen, der sie sonst in den Verkehr bringt, dazu bestimmt sind, durch Anwendung am oder im menschlichen oder tierischen Körper: 1. Die Beschaffenheit, den Zustand oder die Funktion des Körpers oder seelischen Zustände erkennen zu lassen oder zu beeinflussen, 2. vom menschlichen oder tierischen Körper erzeugte Wirkstoffe oder Körperflüssigkeiten zu ersetzen oder 3. Krankheitserreger, Parasiten oder körperfremde Stoffe zu beseitigen oder unschädlich zu machen. Arzneimittel können (§ 2 Arzneimittelgesetz) Wirkstoffe sein wie: 1. chemische Elemente und chemische Verbindungen sowie deren natürlich vorkommende Gemische und Lösungen 2. Pflanzen, Pflanzenteile und Pflanzenbestandteile in bearbeitetem oder unbearbeitetem Zustand. 3. Tierkörper, auch lebender Tiere, sowie Körperteile ,-bestandteile und Stoffwechselprodukte von Mensch zu Tier in bearbeitetem Zustand 4. Mikroorganismen, Viren sowie deren Bestandteile oder Stoffwechselprodukte.

Arzneimittelabhängigkeit
Von der WHO 1964 vorgeschlagener Oberbegriff für alle mit chronischem Medikamentenmissbrauch entstehenden Probleme (Toleranz, Entziehungssymptomatik etc.) Früher: Arzneimittelsucht.

Arzneimittelsucht
®
Arzneimittelabhängigkeit.

Arzneispezialität
Definition § 4 Arzneimittelgesetz: Arzneimittelspezialitäten im Sinne des Gesetzes sind Arzneimittel, die in gleichbleibender Zusammensetzung hergestellt und in abgabefertigen Packungen unter einer besonderen Bezeichnung in den Verkehr gebracht werden.

Arzneistoff (Pharmakon)
Wirkstoff, der im Organismus zur Verhütung, Linderung, Heilung oder Erkennung von Krankheiten dient.

Aspirin
Warenzeichenname, gebildet aus A (für Acetyl) und Spir (aus der Spiraea ulmaria wurde erstmals die Salicylsäure oder Spirsäure isoliert), patentiert am 1. Februar 1899 beim kaiserlichen Patentamt; im Kontext des Versailler Vertrages Verlust des Patents an sog. Siegermächte. Siehe auch Felix ® Hoffmann und Arthur ® Eichengrün.

Ataranalgesie
Griech. ataraktos = ruhig, Die Kombination von Analgetikum und Psychopharmakon zu Analgesie- und Sedationszwecken (nach Hayward u. Butt).

Ataraxia
Griech. "Seelenruhe".

Aufbereitungsmonographie
Durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM; ehemaliges Bundesgesundheitsamt BGA) angeforderte und geprüfte Erstellung von wissenschaftlichen Monographien für sogenannte Altpräparate zur Erfassung aller für die Klinik relevanter pharmakologischer Daten.

aufsteigendes retikuläres aktivierendes System Magoun
Nach ® H.W. Magoun 1949, durch sensorische Afferenzen angeregte ® Formatio reticularis; aktiviert höhere kortikale Zentren (s. auch: Bispectral-EEG).

Aura
Kurzdauernde eigenartige Wahrnehmungen, die dem Patienten Migräneattacken vorankündigen.

Ausscheidung
Kinetik, Elimination.

Autotomie
"Selbstverstümmelung"; wird bei Tierexperimenten als Zeichen für Schmerz interpretiert. Hinweise sind jedoch vorhanden, dass Sensibilitätsstörungen oder Parästhesien ebenfalls ausreichende Gründe für eine Autotomie sein könnten.

autonomes Nervensystem
Syn.: vegetatives NS, verantwortlich für autonome Funktionen zur Aufrechterhaltung des "milieu interne", unterteilbar in ® zentrales autonomes NS (Synonym zentrales autonomes Netzwerk, central autonomic network CAN) und ® peripheres autonomes Nervensystem.

autonome Nervenblockaden
Klinisch gebräuchlicher, aber ungenauer Begriff: die temporäre (LA oder Neurolysis) Blockade zu therapeutischen Zwecken (Analgesie, periphere Perfusionssteigerung) von autonomen Ganglien (z. B. Ganglion coeliacum etc.) beinhaltet 1. die Blockierung von autonomen Efferenzen und 2. die Blockierung von viszeralen (nichtautonomen!) Primärafferenzen.

aversiv
"gegenteilig"; eine "aversive Wirkung" ist eine "gegenteilige Wirkung"; z. B.: Opioide vom Typ partielle k-Agonisten bzw. ® Antagonist-Agonisten können eine aversive Dysphorie über nichtopioiderge s-Rezeptoreb induzieren.

Avicenna (Abu Ali Sina)(bei Buchara/Usbekistan 980 AD--1037 Hamadan/Isfahan)

Sohn persischer Eltern. Als Schiit musste er vor den sunnitischen Ghaznawiden in den Nordwesten flüchten. Begleiter von Ala ad-Daula (Vezier von Hamadan), Schrieb auf persisch und arabisch. Neben philosophischen Schriften (durch Aristoteles beeinflusst) erste systematische medizinische Enzyklopädie: Al-Qanun fi'l-Tibb ("The Canon of Medicine"), basierend auf griechischen und arabischen Ärztepublikationen, in Europa erstmals übersetzt durch Gerard of Cremona, später Andrea Alpago of Belluno (1527). Gilt als Gründer der Unani-Medizin (bioethnische Medizin, v.a. in Indien vertreten).

Avogadro, Amadeo (1776--1856)
In Turin wirkender Physiker. Stellte u. a. das nach ihm benannte Gesetz auf, wonach die Zahl der in 1 ml enthaltenen Moleküle (unter Normalbedingungen) 2,69×1019 beträgt. Diese Konzentration wird in hohen ® Hahnemann-Verdünnungsreihen "unterboten".

Ayurveda
Indisches, kosmisch-spirituelles Heilkundesystem ("Die Lehre vom Leben"): Hauptkomponenten Vata (Sanskrit: Luft), Pitta (Feuer), Kapha (Wasser). Schmerz soll keine Erkrankung, sondern ein Ungleichgewicht dieser 3 verantwortlichen Konzepte sein.

 

Quelle: Glossar zum "Handbuch der Schmerztherapie" (Hsg.: Herman Hans Waldvogel), gewidmet Ernst von der Porten, einem der Wegbereiter der moderenen Schmerztherapie. Ernst von der Porten wurde von der Gestapo, gemeinsam mit seiner Frau, im "freien Teil Frankreichs" in den Tod getrieben.
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haGalil onLine 14-10-2001

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