Klinische Pharmakologie / Psychopharmakologie

 
 

 
 

Lexikon zur Schmerzmedizin

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Babinski, Joseph (1857--1932)
Frz. Neurologe polnischer Abstammung. Schüler von ® Charcot. publizierte u. a. 1896: "Le réflexe cutané plantaire dans certaines affections organique du système nerveux". Nach Babinski wird der B.-Reflex (Großzehenreflex bei Pyramidenbahnschäden, 1896), das B.-Ohr-Phänomen, das B.-Nageotte-Syndrom, das B.-Vaquez-Syndrom, das Anton-B.-Syndrom, sowie das B.-Fröhlich-Syndrom bezeichnet. Babinsky studierte Allgemeinmedizin, publizierte Arbeiten über Typhus (1882), wurde einer der Pioniere der frz. Neurologieschule (Charcot, Brissaud, Pierrie Marie, Déjérine), initiierte die frz. Neurochirurgie (® de Martel, ® Vincent) und befasste sich in seinen letzten Arbeiten mit Psychologie (1930: Arbeiten über Hysterie).

Bahnung
Neurophysiologischer Begriff der Vorbereitung der Nervenzelle durch unterschwellige Reize. Damit wird die Schwelle für neueintreffende Impulse laufend erniedrigt. Die Summation dieser Impulse führt zur Impulsausbreitung. Gegenteil: Hemmung.

BAI
Abk. für Beck anxiety inventory (nach Beck et al. 1988).

Baillarger, François (1809--1890)
Bedeutender frz. Neurologe; beschrieb kortikale Schichten und wies nach, dass das menschliche Hirn im Verhältnis zu seinem Gesamtvolumen kleiner ist als bei niedrigen Tieren.

balanced analgesia
Analgesietechnik mit Ziel, die zentrale (spinale, supraspinale) Schmerzmodulation spezifisch mittels "zentraler Analgetika" vom Typ Opioid, die periphere Schmerzmodulation gleichzeitig mittels "peripherer Schmerzmittel" vom Typ Entzündungshemmer (bzw. COX-Inhibitoren) zu beeinflussen. Waldvogel u. Fasano (1983) führten erfolgreich Hemikolektomien unter spinaler Lofentanilgabe in Kombination mit "peripheren Analgetika" durch. "The aim was to block nociceptive transmission at medullary receptor site level and to act as well on the peripheral genesis of pain, a procedure we could define as a kind of balanced analgesia technique comparable to balanced anaesthesia techniques" (Der Anästhesist 1983, S.32, A 17.6); die Namengebung wurde durch ® J.S. Lundys Konzept der "balanced anaesthesia" (1926) geprägt.

Bamm, Peter (Pseudonym für Curt Emmrich; Hochneukirch bei Grevenbroich 1897--1975 Zollikon)
Freiwilliger des 1. Weltkriegs; Studium der Medizin, als Chirurg bzw. Schiffarzt Weltreisen und Kriegschirurg 1940--1945: "Die unsichtbare Flagge".

Barästhesie
Drucksinn.

Barästhesiometer
Ein Instrument zur Messung des Drucksinns.

Barker, A.E. (1850--1916)
Führte hyperbare Techniken bei der Spinalanästhesie ein.

Barré-Liéou-Syndrom (auch: Neri-Barré-Liéou-Syndrom)
Nach dem Strassburger Neurologen J.A.B. Barré (1880--1967) benanntes mit Kopfschmerzen einhergehendes Krankheitsbild (Neuralgiesyndrom mit Mitbeteiligung des autonomen Nervensystems bei Schädigung der Halswirbelsäule).

Bärtschi-Rochaix Syndrom
Nach W. Bärtschi-Rochaix benannte halbseitige, anfallsmässig (migräne-artig) mit Schwindel, Seh- und Hörstörungen auftretende Kopfschmerzen auf der Grundlage von posttraumatischen Veränderungen der Halswirbelsäue (v. a.: A. vertebralis, Spinalnerven).

Bartter-Syndrom ("Prostaglandismus")
Nach dem Endokrinologen F.C.B. Bartter am Bethesda-Spital/Maryland 1962 beschriebene autosomal-hereditäre primäre PGE2-Überproduktion (Nierenmark), Renin-Angiotensinbildung ­ = Hyperaldosteronismus (renaler Kaliumverlust), ADH-Hemmung (erhöhte renale Wasserverluste), Stimulation des Kallikreinsystems mit erhöhter Kininfreisetzung (Vasodilatation), Muskelschwäche, Ödeme, Hypotension, Kreislaufschwächen. Symptomatische Therapie: PG-Synthesehemmer (z. B. ® Indometacin).

Basbaum, Allan I. (Montreal 1947*)
bdt. kanadischer Schmerzforscher.

Basler Chemische Industrie
® Geigy, ® CIBA, ® Sandoz (1996 zu Novartis fusioniert), Durand und Huguenin, ® Hoffmann-La Roche, Müller-Pack etc. Erste Anfänge gehen auf den Frühkapitalismus im 18. Jahrhundert zurück (einfache Produktionsherstellung wie Seidenbandindustrie, Färbereien, Engros-Handel mit Rohwaren wie Drogen, Gewürzen, daneben Kleinhandel); gefördert durch die günstige Verkehrslage sowie sog. Refugianten (in der Regel hochbegabte, kultivierte und reiche Religionsverfolgte) aus Frankreich, Holland etc. Später u. a. durch den bedeutenden Nationalökonomen Christoph Bernoulli geprägt. Ausbau der Verkehrsmittel (erste schweizer Bahn ins Elsaß! Erster Tunnelbau zwischen Basel und Olten: Hauenbergtunnel 1858; ab 1881 Telefonnetz, ab 1895 Ausbau des Oberrheins bzw. des Basler Rheinhafens). Erste (heute verkümmernde!) Anfänge eines eigentlichen übernationalen Regionalismus (Regio Basiliensis mit Elsass und Baden). Der v. a. durch die Familie Geigy geförderte Bahnbau wurde v. a. von den katholischen Konservativen (Basel-Stadt war traditionsmässig protestantisch) als schlimme "Negoziation" gegenüber den "falschen Welschen" interpretiert und ein Herr Professor Reber schrieb über das "Trojanische Pferd Bahn":

Du Geist des alten Priamos.
Erschein im großen Rate!
Erzähl im von dem hölzernen Roß.
Das deinem Troja nahte.
Sag ihm: Zerbrechet nicht Euren Wall.
Und werdet dieses Rosses Stall.
Sag ihm: es sei ganz einerlei.
Ob’s Ross von Holz, von Eisen,
Und ob der, der im Bauche sei,
Franzos oder Grieche mög‘ heißen!

Bayer, Friedrich (Barmen 1825--1880)
Farbstoffkaufmann, gründete 1863 die Firma Bayer & Co.

Bayes, Thomas, Mathematiker, anglikanischer Geistlicher (Reverend) (1702--1761)
Untersuchte erstmals, wie aus empirisch gewonnenen Daten auf eine zugrundeliegende Wahrscheinlichkeit von Ursachen zurückgeschlossen werden kann. Stellte eine komplizierte Formel ("Bayes-Regel") auf, die -- 1763 nach seinem Tode publiziert und zunächst unverstanden -- später vom französischen Mathematiker Pierre Simon Marquis de Laplace (1749--1827) in seiner Darstellung der Wahrscheinlichkeitsrechnung (1812--1814) aufgegriffen wurde. Der Lehrsatz nach Bayes ist heute Ausgangspunkt für komplizierte logisch-statistische Wahrscheinlichkeitsüberlegungen. 1992 wurde die International Society for Bayesian Analysis (ISBA) mit der Aufgabe gegründet, Bayesianische statistische Theorien und Methoden für theoretische und praktische Anwendungen in Industrie, Wissenschaft (Medizin: ® Cochrane-Bewegung) und Politologie zu fördern.

BDNF
engl. Abk. für "brain derived neurotrophic factor", zur Superfamilie der sog. Trophikfaktoren bzw. "nerve growth factors" gehörend, die Trophik und Differenzierung zentraler und peripherer Nerven beeinflussend.

Becher, Johannes Robert (München 1891--1958 Berlin)
Studium der Medizin und Philosophie. 1914 "Verfall und Triumpf"; 1934 "zwangsausgebürgert"; nach Emigration in Moskau ab 1954 Kulturminister der DDR.

Bechtherev von, Vladimir Maikhailowitsch (1857--1927)
Bedeutender russischer Neurologe, Schüler des bedeutenden dt. Psychiaters und Neurologen Paul Flechsig (Zwickau 1847--1929 Leipzig); nach ihm werden zentrale Kerne (Nucleus vestibularis rostralis), Erkrankungen (Sponylarthritis ankylopoetica der Wirbelsäule), Reflexe (Augenreflex, paradoxer Pupillenreflex, Hackenreflex, Pronationsreflex, Karpometakarpalreflex, Bechterew-Mendel-Plantarreflex) sowie das B.-Syndrom (bei Druck auf Wadenbein bzw. N. fibularis kein Druckschmerz bei Tabes dorsalis) und das B.-Ischiasphänomen (Ischiassyndrom) benannt.

Beecham, Sir Thomas (1879--1961)
Weltberühmter Dirigent; ab 1919 künstlerischer Leiter des Covent Garden Opera House. Zusammen mit seinem Vater Sir Joseph als Inhaber der Beecham Pharmaceutical Company Aufkauf des Covent Garden Estate (u. a. mit Royal Opera House, Theatre Royal, Drury Lane etc.) 1914. Finanzierte aus dem Verkauf u. a. von Aspirin, das sein Großvater Thomas als Pharmazeut in Lancashire herstellte, u. a. seine von ihm geleitete Beecham Opera Company (1915 bis zum finanziellen Debakel 1920) sowie die British National Opera Company. Autobiographie 1944: "A mingled chime".

Beecher, Henry K. ([ursprünglich dänischer Namen Unangst], Wichita/Kansas 1904--1976)
Studium der Chemie (Universität Kansas); danach 4 Jahre Vorsteher des dortigen Chemieinstitutes; weitere Studien an der Harvard-Universität bis 1932; 1 Jahr Physiologie beim Nobelpreisträger August ® Krogh in Dänemark, danach Chirurgieassistent. Als der für Anästhesie am Mass. Gen. Hospital verantwortliche Chirurg Bradshaw nach 4 Jahren die Tätigkeit 1936 quittierte, wurde Beecher als Protegé seines v. a. für Lungenchirurgie berühmten Chefs Churchill 1936(--1969) Nachfolger des Anästhesiedienstes, obwohl Beecher keine formelle Ausbildung in Anästhesiologie hatte. Publizierte 1938 "The Physiology of Anaesthesia", wurde 1939 Anästhesie-"Instruktor", ab 1941--1970 erste Harvard-Professur für Anästhesie (Henry-Isaiah-Dorr-Professur). Erst 1942 Fellow American College of Anesthesiology. Die Rolle Beechers als Lehrer ist unklar. Gravenstein erinnert sich nicht, ihn einmal im Operationssaal während seiner Harvardausbildung gesehen zu haben; ebenfalls soll Beecher – der sich offenbar mit hervorragenden Mitarbeitern umgab – weder Risiko- noch Intensivpflegepatienten versorgt haben. Beechers Ansicht der "modernen Anästhesie" war: "anesthesia technique can be mastered by ordinary men who are ordinarily deft, with only a modest requirement of intelligence and of knowledge and judgement"; ebenso lehnte er die Bezeichnung "Anesthesiology" ab (diese Namengebung lehnte auch ® Macintosh ab, aber aus ganz anderen, nämlich kulturell-linguistischen Gründen). 1954 zusammen mit Todd Arbeit über Äther und d-Tubocurarin, aufgrund deren falschen Schlussfolgerungen sowie des hohen Militärranges von Beecher d-Curare im Koreafeldzug schlichtweg verboten wurde. Beecher gründete mit Dripps u. Papper zusammen eine "elitäre" Association of University Anesthetists. 1959 "Measurement of subjective responses" (Oxford University Press). Die vielbeachtete JAMA – Publikation 1955 "The powerful placebo" erlaubte den Durchbruch des biomedizinischen, seit ca. 1946 an verschiedenen führenden amerikanischen Universitäten erarbeiteten (aber seit Jahrhunderten bekannten) Konzepts der ® Placebowirkung ("Conference on therapy. The use of placebos in therapy. NYJ Med 1946; 17: 722--727) und Doppelblindstudien auf breiter Basis in der Klinik. Unter anderem beschrieb Beecher Placebowirkungen "that can produce gross physical changes, including objective changes at the end organ with may exceed those attributable to potent pharmacological action". Siehe auch ® Hill, Bradford Austin. Beecher Schüler war u. a. Werner Hügin (erste Professur für Anästhesiologie in Basel im Rahmen des Chirurgiedepartements) aus der Chirurgieabteilung von Rudolf Nissen (dank der Intervention von Ferdinand Sauerbrauch vor den Nazis in die Türkei gerettet). Beecher besuchte während des Kalten Krieges den Admiral W. Hügin (s. auch ® Gelpke) in Basel, um sich über die damals in Basel durch Sandoz (® Hoffmann etc.) entwickelten Substanzen wie LSD zu erkundigen (in der Annahme, amerikanische Soldaten könnten im Vietnamkrieg etc. in Gefangenschaft diesen Drogen ausgesetzt werden).

Befindlichkeitsskala
In der Schmerztherapie eingesetzte Skala zur Selbsterfassung der Befindlichkeitsqualität (nach Zerssen et al. 1970).

Behring von, Emil (1854--1917)
Erster Nobelpreis in Medizin und Physiologie 1901. Pionier der modernen Immunologie (erstes Diphterie-Antiserum).

Bell, Charles Sir (1774--1842)
Schottischer Physiologe. Arbeiten über Rückenmarkwurzeln. 1830: "The nervous system". In "Essays on the anatomy of expression in painting" Illustrationen in Bezug auf Anatomiekenntnisse für Künstler. Beschrieb, dass sensorische Nerven im ZNS in spezifischen Endkernen enden. Arbeiten über Spinalnerven (u. a. ® Bell-Magendie-Gesetz, 1811: funktionelle Unterschiede zwischen Vorder- und Hinterhorn). Nach ihm benannt: Bell-Lähmung (Fazialislähmung 1821), Bell-Phänomen und Bell-Spasmus (Hemispasmus facialis).

Bell-Magendie-Regel
Nach Sir Charles ® Bell und dem französischen Physiologen F.M. Magendie (1783--1855) benanntes Gesetz, dass die Rückenmarkvorderwurzel efferente motorische, die Hinterwurzel afferente Nervenfasern beinhaltet; wird heute nur noch als Regel anerkannt, da wahrscheinlich auch über die Vorderwurzel afferente Fasern verlaufen .

Belohnungssystem
Höhergeordnetes System hedonischer Verhaltensweisen (Präferenzen, Belohnungseffekt; Anhedonie = Fehlen des Wollustgefühls bzw. Absenz eines allgemeinen Lustgefühls; nach Epikur); involviertes Kerngebiet: Nc. accumbens.

Benn, Gottfried (Mansfeld/Westpreußen 1886--1956 Berlin)
Medizinstudium in Marburg und Berlin. Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten in Berlin. Büchnerpreis 1951; u. a. Briefwechsel mit Alexander Lernet-Holenia und Reinhold Schneider.

Bennett, Gary Jay (Neptune/New Jersey 1948*)
bdt. Amer. Schmerzforscher (neuropathische Schmerzen)

Benommenheit
Bewusstseinstrübung.

Berger, Hans (1873--1941)
Psychiater in Jena (mit dem Poeten Friedrich Rückert verwandt). Assistent bei Otto Binswanger (1852--1929). Arbeiten mit Oscar ® Vogt und Korbinian Brodmann u. a. über zerebrale Zirkulation. Motiviert durch Arbeiten von Richard Caton (1842--1926), die elektrischen Aktivitäten des Hirns zu erforschen, entdeckte er das EEG (1924; publiziert 1927: "Über das Electroenkephalogramm des Menschen"). Die politische Katastrophe nach 1933 treiben den als melancholisch beschriebenen Arzt und Forscher zum Selbstmord durch Erhängen. Die Erfindung des EEG ermöglichte die neurophysiologisch begründete Epileptiologie sowie (dank Datenverarbeitungstechnik wie Fourier-Technik) das perioperative ZNS-Monitoring (Sedationstiefe, Antinozizeptionsschutz: z. B. ® Bispectral Index).

Berliner Gesundheitshaus
Im Tiergartendistrikt von Ernst Joel (1893--1929; bedeutendem dt. Pazifist mit Gründung des Journals "Der Aufbruch"; 1915 Petition u. a. von Martin Buber, Kurt Eisner, Eugen Diederichs, S. Fischer, Magnus Hirschfeld, Heinrich Mann, Thomas Mann, Alfred Mombert, Frank Wedekind, Walter Benjamin, Alfred Kerr, Gustaf Landauer, Fritz Mauthner, Ferndinand Tönnies, Gustaf Wyneken etc. an die Preussischen Abgeordneten, die Streichung von Joel aus der Studentenliste der Universität Berlin aufzuheben....) und Fritz Fränkel (Lebensdaten unbekannt) gegründete Klinik für Drogenabhängige. Joel und Fränkel – in enger Zusammenarbeit mit Walter Benjamin – waren Pioniere von Drogen und Rausch (die dt. Bezeichung "Rausch" wurde "telquel" im Engl. übernommen) und publizierten über die Pathologie der Gewöhnung, "Morphiumsucht", "Cocainomanie", "Haschisch-Rausch" u. a. auch 1926: "Ist in Deutschland der Anbau von Indischem Hanf notwendig?".

Bernard, Claude (1813--1878)
Hervorragender frz. Physiologe (u. a. Nachweis der Curarewirkung an der motorischen Endplatte 1857, Lecons sur les anesthésiques 1875), konzipierte u. a. die Idee der Experimentalchirurgie, Ausgangspunkt der modernen wissenschaftlichen Medizin. Nach ihm benannt wird das Bernard-Syndrom bzw. Horner-Trias (Enophthalmus, Ptosis, Miosis). Erarbeitete u. a. Ideen über Narkosewirkung, die er einer reversiblen Zellprotoplasmaveränderung zuschrieb: ® Zelltheorie, ® Zellmembran, ® Overtonsche Theorie. 1864 beschrieb Bernard die Interaktion von Chloroform und i.v.-Gabe von Morphin (Narkosevertiefung).

Besson, Jean-Marie (Belfort 1938*)
zeitg. frz. Schmerzforscher.

BET
engl. Abk. (nach Schüttler et al. 1983) für bolus elimination and transfer: ® TCI.

Beta-Endorphin (b-Endorphin)
1976 durch Li u. Chung aus über 500 Kamel-Hypophysenpräparaten (!) nachgewiesenes endogenes Peptid mit einer dem Hypophysenhormon b-Lipotropin identischen Aminosäurensequenz in Position 61--91; in Position 1--4 identische Sequenz wie in Methionin und L-Enkephalin. Die Injektion von b-Endorphin induziert eine opioiderge, naloxonreversible, langanhaltende Analgesie.

Beta-Fasern (b-Fasern)
5--15 mm dicke, myelinisierte Fasern mit hoher Leitungsgeschwindigkeit von ca. 60 m/s. Funktion: Afferenzen aus dem Hautgebiet (Berührungssinn).

Beta-Phase (b-Phase)
Pharmakokinetik; Dreikompartimentmodell: Eliminationsphase, die unmittelbar (theoretisch schon etwas vorher) an die schnelle ® a-Verteilungsphase anschliesst. Selten wird auch eine zusätzliche, sog. "finale" Eliminationsphase ® g-Phase diskutiert (betrifft Wirkstoffe, deren totale Elimination Wochen bis Monate in Anspruch nimmt).

Beta-Wellen (b-Wellen)
EEG-Wellen (unregelmäßige Wellenform; f: 13--30 Zyklen/s; Amplitude 5--50 mV). Werden im Wachzustand (offene Augen) registriert (im Vergleich zu den a-Wellen gemäß der höheren zentralen Aktivität höhere Frequenz, aber kleinere Voltage).

Beta-Rezeptoren (b1-Rezeptoren)
Postsynaptische Rezeptoren des adrenergen Systems; vermitteln positive Bathmotropie, Inotropie.

Beta-Rezeptoren (b2-Rezeptoren)
Postsynaptische Rezeptoren des adrenergen Systems; vermitteln Vaso- und Bronchodilatation, gastrointestinale Relaxation, Uterus- und Blasenrelaxation, Glykogenolysis, Lipolysis.

Betäubungsmittel
Historische (heute obsolete, aber immer noch gebräuchliche) Bezeichnung für Wirkstoffe, die "betäubend" (?) wirken.

Bettelheim, Bruno (1903--1990)
österr. Psychologe 1938; im KZ Dachau und Buchenwald inhaftiert, 1939 freigelassen. Emigration in die USA. Publizierte u. a. über Stress von Einzelpersonen und Massen in extremen Situationen (Konzentrationslager etc.), Kinderpsychologie (Autismus). Auf dt. 1966 "Aufstand gegen die Massen", 1970 erschien "Liebe allein genügt nicht". Universität Tübingen: Leopold-Lucas-Preis 1990.

Bewusstlosigkeit
Koma.

Bewusstsein
Nach dem Universalgenie Gottfried Wilhelm Leibnitz (Leipzig 1646--1716 Hannover) postulierter Gesamtinhalt der "Ich-Erfahrung" (später: C.G. Jung etc.).

Quelle: Glossar zum "Handbuch der Schmerztherapie" (Hsg.: Herman Hans Waldvogel), gewidmet Ernst von der Porten, einem der Wegbereiter der moderenen Schmerztherapie. Ernst von der Porten wurde von der Gestapo, gemeinsam mit seiner Frau, im "freien Teil Frankreichs" in den Tod getrieben.
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haGalil onLine 14-10-2001

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