Klinische Pharmakologie / Psychopharmakologie

 
 

 
 

Lexikon zur Schmerzmedizin

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B-Fasern
Histologisch dünne Fasern (1--3 mm) mit einer Leitungsgeschwindigkeit von 10m/s: präganglionäre Fasern des autonomen Nervensystems.

Bias
Engl.: Schräglage, Schieflage; moderne Statistik; ein innerhalb wissenschaftlicher Studien möglicher bzw. auftretender systematischer Denkfehler oder unkontrollierter Einfluss oder verdeckte Voreingenommenheit.

Bielschowsky, Max (1869--1940)
Bedeutender dt. Neurologe und Vater der modernen Neuropathologie. Arbeiten in Frankfurt am Senckenberg Pathologischen Institut.

Bier, August Karl Gustav (Helsen 1861--1949)
Nach Studien in Berlin, Leipzig und Kiel (Promotion 1986) Allgemeinpraktiker, wo er dem berühmten Chirurgen Friedrich von Esmarch (1823--1908) durch seine klinische Begabung auffiel. Innerhalb von 2 Jahren Privatdozent. Durch Iräneus Quincke (1842--1922), ebenfalls an der Kieler Chirurgie, erlebte er die Technik der Lumbalpunktion (was dem eifersüchtigen Quincke zu schaffen machte). Bier erlaubte 1898 seinem Assistenten Hildebrandt, an ihm selbst die erste intrathekale Kokainanästhesie durchzuführen. Publikationen u. a.: "Versuche über Cocainisierung des Rückenmarks"(1899), "Weitere Mitteilungen über Rückenmarksanästhesie"(1901). Später nach Greifswald, Bonn und 1907 als Nachfolger von Bergmanns nach Berlin. Verlor 2 illustre Patienten in der Folge von Appendektomien: den Industriellen Hugo Stinnes (1924; Stefan Zweigs "Kriegsgewinnler") sowie den Reichspräsidenten Friedrich Ebert (1925). Zog sich 1934 nach Sauen in der Mark (DDR) zurück, wo er als Hobbygärtner den Mischwald miterfand und pflegte. Der nachmalige sowjetische Militärchefarzt war zufälligerweise ein ehemaliger Student von Bier, so dass Bier fortan unbehelligt seinen Lebensabend in Sauen verbringen konnte, wo er mit seiner Ehefrau in einem unscheinbaren Grab in seinem geliebten Wald begraben wurde.

bildgebende Verfahren
CT bzw. Röntgen-computed-tomographie; PET bzw. Positron-emission-computed-tomographie; SPECT bzw. Single-photon-emission-computed-tomographie; MR bzw. magnetische Resonanzverfahren
erlauben die Analyse, Aufzeichnung von Perfusions- bzw. Aktivitätsänderungen (z. B. auf standardisierte Schmerzreize, Gabe von Wirkstoffen etc.) im ZNS etc..

biliäre Exkretion
Die Elimination durch hepatische Exkretion (betrifft MS und Metaboliten): über einen sog. enterohepatischen Kreislauf können solche Stoffe wieder in den systemischen Kreislauf gelangen.

Billroth, Theodor (Rügen 1829--1894)
Ausbildung in Göttingen und Berlin (Schönlein, von Langenbeck). Als 32jähriger nach Zürich berufen. 1867 -- einige Monate nach der Schlacht bei Königgrätz -- durch Kaiser Franz Joseph nach Wien berufen. Billroth war neben seiner weltberühmten chirurgischen Tätigkeit (1881 erste Magenresektion) u. a. Musikjournalist (Allgemeine musikalische Zeitung, Leipzig; NZZ) und Musikkomponist. In einem Brief an Mulicz 1883: "In Zürich habe ich ziemlich viel componirt: 3 Trios, ein Clavierquintett, und ein Streichquartett...Meine sämtlichen Compositionen habe ich vor einigen Jahren den Flammen übergeben, es war schreckliches Zeug! Und stank grässlich beim Verbrennen." Liederkompositionen: davon nur freigegeben "Todessehnsucht" (nach einem Gedicht von Georg Herwegh). Grosser Briefwechsel mit Johannes Brahms, mit dem ihn eine tiefe Freundschaft verband. Ebenfalls grosses Engagement für Pflegepersonal: "Die Krankenpflege im Hause und im Hospitale." 1894 als Schwerkranker (Pneumonie, Depressionen) im Kuraufenthalt in Istrien (Opatia) schrieb er wenige Tage vor seinem Tode:

Nacht ist’s; schon lange lautlose Stille um mich, nun wird’s auch in mir still.

Mein Geist beginnt zu wandern, ein ätherblauer Himmel wölbt sich über mir. Ich schwebe körperlos empor. Es klingen die schönsten Harmonien von unsichtbaren Chören, in sanftem Wechsel gleich dem Atmen der Ewigkeit! Auch Stimmen nehm ich wahr, die Worte sind ein leises Rauschen, Klingen: "Komm müder Mann, wir machen Glücklich Dich. In dieser Sphären Zauber befreien wir Dich vom Denken, der höchsten Wonne und dem tiefsten Schmerz der Menschen. Du fühltest Dich als Theil des Alls, sei nun im ganzen All vertheilt, das Ganze zu empfinden mächtig."

Binding, Rudolf Georg (Basel 1867--1938 Starnberg)
Jura- und Medizinstudium, dann Schriftsteller: sein Vater Karl Ludwig Lorenz (1841--1920) schuf die staatsrechtlich-politischen Grundlagen zur späteren nationalsozialistischen ® "Euthanasie" (s. auch: Hoche). Kavallerie-Offizier während des I. Weltkriegs. Schrieb später in einem Gedicht:.

"Was ist Eroberung noch? Unheilig wird die Beute der tausend Tausendjahr. Es glüht das Heute. Erschaffe, heilige - Schöpfer - deine Zeit."

Bing, Robert (1878--1956)
Neurologe; beschrieb das Bingsche Kopfschmerzensyndrom (Syn.: Horton -Syndrom).

Bioinversion
Der in vivo bei Razemat-Molekülen aber auch Enantiomeren mit asymmetrischem C-Atom vorkommender spontane Wechsel bzw. Umkehr von einer Enantiomerform (z. B. S, R-Form) zur anderen (z. B. 2-Arylpropionsäureabkömmlinge, Ibuprofen).

Biomembran
In der klinischen Pharmakologie wichtige Trennschichten zwischen Blutorgan und ZNS ("Blut-Hirn-Barriere"), mütterlichem und fetalem Kreislauf ("diaplazentäre Passage") oder Milch und Säugling ("translaktale Passage"). Ziel der Forschung sind die multiplen passiven und aktiven Transportsysteme dieser früher fälschlicherweise als rein passiv angenommenen Trennschichten.

Biosensor
Spezifische Strukturen, die imstande sind, die Anwesenheit und Konzentration von Molekülen und Strukturen in quantifizierbare physikalische Signale umzuwandeln (z. B. ® zirkumventrikuläre Signale).

Biotransformation
Syn.: Metabolismus, Verstoffwechselung: Die durch Enzyme katalysierte Umwandlung eines Xenoliganden in eine andere Molekülart; bei der hepatischen (wichtigsten) Biotransformation wird eine Phase I (Oxidation, Reduktion, Hydrolyse) sowie eine Phase II (Konjugation z. B. mit Glukuronsäure) unterschieden. Daneben biotransformieren andere Organe wie Lungengewebe, Plazenta, ZNS etc.

Bioverfügbarkeit
Syn.: "bioavailability", systemische oder biologische Verfügbarkeit; auch Bioäquivalenz: Anteil eines extravaskuläre verabreichten Wirkstoffes, der im Blut erscheint und für die Zielorgane verfügbar ist. Der Unterschied bei gleicher Dosierung zur i.v.- Gabe, bestimmt anhand der Fläche unter der Konzentrations-Zeit-Kurve (® AUC), ergibt den Unterschied. Die relative Bioverfügbarkeit ist die Bestimmung einer Standard- mit einer Testdosis bei einem Wirkstoff, der nicht i.v. gegeben werden kann. Bei nichtinvasiver Anwendung wird die Bioverfügbarkeit durch die ® Resorptionsphase (Biomembrangängigkeit, aktive und passive Resorption etc.) entscheidend beeinflusst; bei nichtinvasiver und invasiver Gabe wird die Bioverfügbarkeit durch die ® hepatische (und pulmonale etc.) Extraktionsrate beeinflusst .

Bi-spectral-EEG
Für pharmakodynamische Messung einer iatrogenen Depression des ZNS eingesetzte EEG-Technik, wobei die einzelnen EEG-Komponenten dank Fourier-Transformation in entsprechende Sinuswellen umgewandelt werden und dann die individuellen Phasenverschiebungen zwischen den Wellen analysiert werden, wobei ein einzelner Parameter, gekennzeichnet durch einen numerischen Index 0--10 entsteht (= bi-spektraler-Index), der in Beziehung zur Sedation bzw. Anästhesietiefe steht.

BJA (auch Br J Anaesth)
Abk. für das 1923 durch den amerikanischen Anästhesisten H.M. Cohen (New York 1875--1929 Manchester) und Engländer ® H.E.H. Boyle gegründete British Journal of Anaesthesia.

Blindversuch
Wirkungsprüfung. Einfacher Blindversuch: Versuchsperson geblindet. Doppelter Blindversuch: Versuchsperson und Versuchshelfer geblindet.

Blinkreflex
Augenschutzreflex der Augenlider; kann in der Schmerzforschung auch als "schmerzbedingter Blinkreflex" ("pain evoked blink reflex") durch noxische Laserstimuli (z. B. supraorbitale Nervenstimulation mit Laserpuls; Arbeiten von Ellrich, Bromm etc.) erzeugt werden.

Blut-Hirn-Schranke
Biologische Trennmembran mit multiplen aktiven Transportmechanismen zwischen Hirn und Blutkreislauf . Von der Blut-Hirn-Schranke partiell ausgenommen sind dank fenestrierten Kapillarbetten die sog. ® zirkumventrikuläre Organe (z. B. Chemotriggerzone).

Quelle: Glossar zum "Handbuch der Schmerztherapie" (Hsg.: Herman Hans Waldvogel), gewidmet Ernst von der Porten, einem der Wegbereiter der moderenen Schmerztherapie. Ernst von der Porten wurde von der Gestapo, gemeinsam mit seiner Frau, im "freien Teil Frankreichs" in den Tod getrieben.
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haGalil onLine 14-10-2001

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