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Lexikon zur Schmerzmedizin
DAB
Abk. für Deutsches Arzneibuch.
DAC
Abk. für Deutscher Arzneimittelcodex.
Dagnini-Aschner-Reflex
Syn.: Bulbusdruckversuch, nach dem Bologneser Internisten G.D.Dagnini
(1866--1928) sowie dem emigrierten Wiener Gynäkologen B.A. Aschner
(1883--1960, New York) benannter vagovagaler Reflex, auslösbar über den
ersten Trigeminusast (Druck auf Augenbulbus) mit vagalem Erfolg
(Bradykardie, Herzstillstand, Nausea und Emesis): anwendbar bei
paroxysmaler Tachykardie.
Dallenbach, Karl M. (Champaign/Ill 1887--1971 Austin/Texas)
Psychologe, Schmerzforscher.
DAMGO
In der Schmerzforschung verwendetes m-Opioid-Peptid
(Agonist) mit der Aminosäurensequenz Tyr-D-Ala-Gly-(me)Phe-Gly-ol.
Dämmerschlaf
Geburtshilfliche Analgesietechnik von Gauß 1906 mittels Morphin und
Scopolamin eingeführt: "Die Anwendung des
Scopolamin-Morphium-Dämmerschlafes in der Geburtshilfe".
Dandy, Walter (1886--1946)
Führte die Ventrikulographie durch Insufflieren von Luft in die
Hirnventrikel und anschließende Radiographie (historisch erste
Indikation: faziale Neuralgien!) ein.
DAPI
Abk. für Deutsches Arzneimittelprüfungsinstitut (München).
DASS
Abk. für Depression-Anxiety-Stress-Scales.
Davy, Humphry (Cornwall 1778--1829)
Leiter des "pneumatischen Laboratoriums in Bristol" beschrieb im Jahre
1800 - 40 Jahre vor Horace Wells und Colton - die analgetische Wirkung
von N2O und nannte es "Lachgas". Einer seiner Schüler war
Michael Faraday (1791--1867), genialer Autodidakt (die Bezeichnungen
Elektrolysis, Elektrolyt, Anion, Kation, Anode und Kathode gehen auf ihn
zurück) und Erforscher der Elektrizitätslehre; beschrieb später auch die
Wirkung von Ätherdämpfen.
DCI
Abk. für Denominatio communis internationalis (Dénominations
communes internationales; entspricht: ® INN).
DDA
Abk. für Drug and Doctor Administration: nichtexistierende, fiktive vom
Hrsg. erfundene Behörde: sie ermittelt, ob die an die FDA gemeldeten
Arzmittelnebenwirkungen durch falsche Indikationsstellung oder falsche
Administration vorgekommen sind (Beispiel: die Zurücknahme des
nützlichen Dopaminantagonisten Domperidon, der i.v. -- in hoher
Dosierung als Bolus gespritzt -- Herzstillstände verursachte: ein
präprogrammiertes Debakel!).
DE
lat. Abk. für dosis effectiva.
DE50
lat. Abkürzung für dosis effectiva sive efficax in mg/kgKG, bei der in 50%
der Versuchstiere/Probanden eine entsprechende Wirkung erzielt werden
kann. Das Verhältnis zwischen DE50 und DL50 (Dosis
letalis bzw.tödliche Dosis, bei welchem die Hälfte der Versuchstiere
stirbt) ergibt die sog. therapeutische Breite oder den therapeutischen
Index.
De Castro G.
Anästhesist, er beschrieb zusammen mit P. Mundeler 1959 die
Neuroleptanalgesie.
DEA
engl. Abk. für Drug Enforcement Administration
(USA-Rauschgift-Administration).
Decussation
Kreuzung: z. B. ® Decussation in der
Commisura alba.
Déjerine-Roussy-Syndrom
Nach J. J. Déjerine (1849--1917; Ehemann der am. Neurologin Augusta
Marie Déjérine-Klumpke [1859--1927; Arbeiten über
Plexus-brachialis-Läsionen]) und G.R. Roussy (1874--1948) benanntes
Thalamussyndrom mit Hemianopsie, Hyperreflexie, Hyposensibilität der
Haut, Hemialgie, Hemihyperpathie.
Deka
Abk. da, dezimales Vielfaches in der Ordnung 101 = 10.
Dekontamination
"Entgiftung bei Intoxikationen". Man unterscheidet die primäre
Dekontamination (Verhinderung oder Reduktion der Resorption
eingenommener Gifte: induzierte Emesis, Magenspülung, Aktivkohle) und
die sekundäre Dekontamination (Maßnahmen nach erfolgter Resorption in
den Blutkreislauf: forsierte Dialyse mit Alkalinisierung; extrakorporale
Elimination mittels Hämodialyse, Hämoperfusion).
Delta-Fasern, d-Fasern
Langsamste A-Fasern mit Leitungsgeschwindigkeit von 20m/s; zur Gruppe
der 1--4 mm dicken, myelinisierten A-Fasern
gehörend. Funktion: u. a. Nozizeptorenfunktion (sog. "schnelle
Schmerzfasern").
Delta-Rezeptoren, d-Rezeptoren
DOR, OR-1; Subtyp der ® Opioidrezeptoren.
Affinität Endorphine + Enkephaline > Dynorphine.
Delta-Wellen, d-Wellen
Langsame Hirnwellen im EEG (Wellenform; f: bis 3 Zyklen/s; Amplitude
5--250 mV). Kortexwellen unter Narkose-,
Schlaf- oder pathologischen Bedingungen.
De Martel, Thierry (1875--1940)
Mit ® Vincent zusammen Begründer der frz.
Neurochirurgie. Hochdekorierter Offizier während des 1. Weltkriegs.
Selbstmord bei Einmarsch der dt. Truppen in Paris.
Denervierung
Syn.: Deafferenzierung, traumatische Ausschaltung von Afferenzen aus einem
Organgebiet. Als Folge einer Denervierung können autonome Massenreflexe
im Sinne einer autonomen Hyperreflexie (extreme Bradykardie,
Hypertension, extreme Vasokonstriktion etc.) auftreten (beispielsweise
nach traumatischer Paraplegie und nozizeptiver Reizung entsprechender
denervierter Organgebiete), möglicherweise aufgrund einer
"up-regulation" (Aufgrund des Ausfallens synaptischer Freisetzung von
Acetylcholin und Noradrenalin) postsynaptischer Nervenmembrane, die dann
auf zirkulierende Katecholamin überschiessend reagieren.
"Der Anästhesist"
1952 durch Rudolf Frey, Werner ® Hügin
(Basel) und Mayrhofer (Wien) gegründetes Fachjournal.
"Der Schmerz"
1928 erschienen und herausgegeben durch den Würzburger Gynäkologen
C.J. Gauss, den Heidelberger Pharmakologen H. Wieland und B. Behrens
sowie
® E. v. der Porten. Nach der großen
Wirtschaftskrise von 1929 mit ® "Narkose und
Anästhesie" fusioniert.
Dercum-Krankheit
Nach F.X. Dercum (1856--1931) benannt: Neurolipomatosis dolorosa,
auch: Adiposalgie.
Desensibilisierung
engl. "desensitization", der nach längerdauernden Gabe von Agonisten
mögliche Funktionsverlust. Der Grund kann auf jeder funktionellen Ebene
auftreten, so auf Rezeptorebene, Effektorsystemebene und Messengerebene;
z. B. opioidinduzierte Abkopplung vom Effektor Adenylatcyclase oder von
membranständigen Ionen (K+-)Kanälen.
Descartes, René (Renatus Cartesius; La Haye-Descartes 1596--1650
Stockholm)
Philosoph, Mathematiker (Algebra; Descartessche Zeichenregel), Physiker
(Erhaltungsgesetz; Optik: Brechungsgesetze). Begründer der
Spezifitätstheorie. Beschrieb die spezifischen äußeren Reize, die
letzten Endes zu, Schmerzerlebnis führen, im Jahre 1664: "Wenn das
(äußere) Feuer sich nahe dem Fuß befindet, haben die kleinen Teilchen
des Feuers die Kraft, die Haut des Fußes, wo sie ihn am dichtesten
erreichen, zu bewegen. Dadurch ziehen sie gleichsam an den Verbindungen
und öffnen gleichzeitig die Poren (Rezeptoren), an denen sie enden,
ähnlich einem Glockenstrang (Nervenstrang), der, wenn an einem Ende
gezogen, am anderen Ende die Glocke (Hirn) ertönen lässt" (kursiv: vom
Hrsg. eingefügte Übersetzungen). Der Körper (res extensa) steht mit der
Seele (res cogitans) in der Glandula pinealis in Beziehung, die vom
Körper Informationen bekommt und ihm Befehle erteilt.
Descartes-Hirntheorie war damals so revolutionär, dass selbst Voltaire
über die "konfusen Ideen" Descartes entsetzt war. René Descartes: "Les
passions de l'ame." Paris, Henry le Gras, MDCXLIX (Avec privilège du
roy.....).
Designerdrogen
Chemische Abwandlungen von Opiaten und Opioiden zum
Rauschgiftmissbrauch.
Devor, Marshall (Toronto 1949*)
kanadisch-israelischer Schmerzforscher.
Dezi
Abk. d, dezimales Vielfaches in der Ordnung 10-1= 0,1.
DHS
Abk. Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren.
Dieffenbach, Johann Friedrich (Königsberg 1792—1847 Berlin)
Theologie- und Medizinstudium, wegen aktiver Burschenschaft aus
Königsberg vertrieben.. Anästhesiepionier mit "Der Aether gegen den
Schmerz" (1847; A. Hirschwald Verlag, Berlin).
dies
lat. Tag: pro die (tgl.).
diffuse noxious inhibitory controls
Abk. DNIC; franz. Schmerzforschung um ® Willer
und ® Le Bars: Hemmung multirezeptiver
Neurone des Rückenmarkhinterhorns durch nozive Stimuli in einem Bereich
ausserhalb der betroffenen rezeptiven Felder. Erfordert offenbar intakte
Hirnstammfunktionen und intaktes endogenes Opioidsystem. Beispiel am
Fall eines alten Bauerntricks bzw. "Erfahrungsmedizin": früher wurden
Jung-Stiere ohne Narkoseverfahren kastriert, indem der Bauer
gleichzeitig eine äußerst schmerzhafte Reizung (Nasenklemme) anbrachte
mit dem Resultat, dass der äußerst schmerzhafte Kurzeingriff überhaupt
durchzuführen war. In der Regel wird in der heutigen Forschung folgende
Versuchsanordnung gewählt: nozive Stimulation eines ipsilateralen
peripheren Nerven, Aufzeichnung des entsprechenden spinalen
Nozifensorreflexes (z. B. Kniereflex), heterotopische Reizung (Beispiel:
Hand in Eiswasser).
Dioskorides, Pedanios (30--90 nach Christus)
griech. Arzt und Pharmakologe (fünfbüchrige "De Materia medica").
Gebrauchte die Bezeichnung Anaisthesia (an + aisthesia = keine
Schmerzperzeption) in Zusammenhang mit dem "betäubenden" Effekt von
Mandragora, einer Alraunepflanze, deren Extrakte damals zur
perioperativen "An-aisthesia" eingesetzt wurden.
Diskrimination
Das Vermögen sensible Reize zu unterscheiden.
Dispensatorium
Mittelalterliche Bezeichnung für Arzneibuch, Pharmakopöe.
Dispensieren
Amtlich bewilligte Abgabe von Arzneimitteln durch Apotheker oder Arzt.
Dissoziationsanästhesie
Ein durch gewisse Wirkstoffe, wie Ketamin, erzeugter ZNS-Zustand mit
Analgesie, Katalepsie, offenen Augen, intakten Licht- und
Kornealreflexen, unabhängig von chirurgischen Stimuli auftretende
Spontanbewegungen sowie eine Art chemischer Hypnose (Corssen u. Domino
1966).
DL
lat. Abk. Dosis letalis.
DL50
lat. Abk. für letale Dosis, bei welchem 50% der exponierten Versuchstiere
sterben. Dabei wird die artspezifische (!) Todesursache (Beispiel:
Atemstillstand) nicht bewertet, sodass dieser in der Toxikologie übliche
Parameter für die Praxis nur bedingt aussagekräftig ist.
DMARD
engl. Abk. für "disease modifying antirheumatic drugs", in der
Rheumatologie eingesetzte Basistherapeutika.
DMKG
Abk. für Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft.
Döblin, Alfred (Stettin 1878--1957 Emmendingen/Baden)
Arzt in Berlin; 1930 "Berlin Alexanderplatz", 1933--1945 Emigration
(1940 Flucht über die grüne Grenze der Pyrenäen -- zu gleicher Zeit
flüchtete der 70-jährige Heinrich Mann über diese Grenze!). 1948:
"Verratenes Volk". Mitgründer der Akademie der Wissenschaften und Künste
in Mainz 1949.
Dogliotti, A.M.D. (1897--1966)
bdt. ital. Herzchirurg v. a. in Turin (Piemont). Exponent der
Extraduralanästhesie (s. auch ® Pagés Miravé
Fidel). Gründer der ital. Anästhesiegesellschaft. "Eine neue Methode der
regionalen Anästhesie: die peridurale segmentäre Anästhesie" (1931).
Führte die chemische intrathekale Neurolyse durch Alkohol bei
unerträglichen Schmerzzuständen vor: "Nouvelle méthode thérapeutique
pour les algies périphériques. Injection d'alcool dans l'espace
sous-arachnoidien" (1931).
Dolor
lat. Schmerz; Dolores = Wehen (Dolores praeparantes, Dolores ad partum,
Dolores post partum, Dolores secundinae).
Dolorimeter
Syn.: Algesimeter, Apparat zur Schmerzmessung.
Dolorrezeptor
Von Paul Langerhans 1868 "Über die Nerven der menschlichen Haut" als
vermeintliche Schmerzrezeptoren der Haut beschriebene, später als aus
dem Knochenmark stammende Leukozyten identifiziert (Langerhanssche
Zellen), die multiple Rezeptoren aufweisen und in der Abwehr der über
das Hautorgan eindringenden multiplen Antigene offenbar eine
Spezialfunktion im Sinne der Abwehr ausüben (Zytokine etc.).
"dolorisme"
In der frz. Philosophie gebrauchter Terminus für die Tendenz, die
moralischen Werte des physischen Schmerzes überzubewerten; nach dem frz.
Schriftsteller und Journalisten Julien Teppe, der den Schmerz als
Katharsis in seinem "Manifeste du dolorisme" (1935) einstufte:
"Je souffre, donc je suis".In seiner Zeitschrift "La Revue doloriste"
erschienen Artikel u. a. von Gide, Valéry, Benda, Colette etc.
"Dolorosa"
In der spanischen Gastronomie gebrauchte Bezeichnung für die
"schmerzende" Rechnung nach Mahlzeiten.
Domagk Gerhard (Lagow 1895—1964 Burgberg)
Medizinstudium in Kiel. Im I. Weltkrieg verwundet; in sog.
Choleralazaretten erfuhr er um die Bedeutung von Infektionskrankheiten.
Später in Münster und in Zusammenarbeit mit der I.G.-Farbenindustrie
bakteriologische Forschung und Entdeckung von Prontosol (Sulfonamid),
das er an seiner eigenen Tochter, die an einer akuten
Streptokokkeninfektion erkrankt war (sie infizierte sich an einer Nadel
und im Verlauf der Infektion drohte eine tödliche Sepsis). 1939
Nobelpreis. Adolf Schicklgruber alias Hitler aus Braunau verbot den
Deutschen die Annahme des Nobelpreises, nachdem Carl von Ossietzki 1935
den Friedensnobelpreis erhalten hatte. Domagk’s Nobelpreis wurde auf
nationaler Ebene komplett zensuriert. Aus Domagk’s Biographie: "Am
17. November – ich war gerade bei der Vorbereitung für einen Vortrag,
den ich Ende des Monats in Berlin, auf einer Tagung der Akademie für
ärztliche Fortbildung halten sollte – wurde ich von der Geheimen
Staatspolizei in meinem Wuppertaler Haus verhaftet. … Im Auto von mit
Karabinern bewaffneten Schupos ins Untersuchungsgefängnis, Zelle 10.
Grund der Festnahme wurde nicht mitgeteilt. Auch nach der mehrere Tage
lang dauernden Haft keine Erklärung. Erst bei späteren Verhandlungen
stellte sich heraus, daß ich auf die Zuerkennung des Nobelpreises zu
höflich nach Stockholm geantwortet hatte". Seine Mutter kam in einem
Vertriebenenlage ums Leben (Hungertod). Medaille und Urkunde des
Nobelpreises konnte er erst 1947 aus der Hand des schwedischen Königs
entgegennehmen. Domakg war ein grosser Kunstkenner und u.a. mit den
Malern Emil Nolde, Christian Rohlfs und Otto Dix befreundet. Domagk
starb einer zu später diagnostizierten bakteriellen
Gallenblasen-Entzündung.
Dopamin INN prop.
Syn.: Hydroxytyramin, 4-(2-Aminoethyl)brenzcatechin; C8H11NO2.
Mr: 153.18; CAS N° 51-61-6. Neurotransmitter; Zielrezeptoren: periphere
und zentrale D1(Vasodilatation)/D2(Hemmung
Noradrenalinfreisetzung)-Rezeptoren. Die Funktion der kürzlich
entdeckten D3,4 -Subtypen ist unbekannt. Dopamin
repräsentiert mehr als die Hälfte der zentralen Katecholamine. Höchste
Konzentrationen in den v. a. die extrapyramidale Motorik steuernden
Basalganglien (Nuclei basales: insbes. Corpus striatum, Nucleus niger;
®
Parkinsonismus) sowie im sog. mesolimbischen Belohnungssystem.
Dopingsubstanzen
Als Dopingsubstanzen gelten verbotene Wirkstoffe (auch verbotene Methoden,
die als unerlaubte pharmakologisch-medizinische Maßnahmen zur
Leistungsbeeinflussung umschrieben werden) entsprechend der vom
Internationalen Olympischen Komitee aufgestellten Liste (Dopingliste):
Stimulanzien, Narkoanalgetika, Anabolika, Betablocker, Diuretika,
Peptidhormone und Analoge sowie Substanzen wie Alkohol,
Lokalanästhetika, Kortikosteroide, Marihuana, die von lokalen
Sportverbänden nicht toleriert werden.
Doppelblindstudie
Konzept, bei dem weder Patient noch Prüfer bzw. Arzt wissen, welcher
Wirkstoff verabreicht wird. Seit den Arbeiten von ®
Hill und ® Beecher evaluiert in der Form von
randomisierten, plazebo-kontrollierten Doppelblindstudien. Die
Aussagekraft von randomisierten plazebo-kontrollierten
Doppelblindstudien wird von schweizerischen "Epidemiologen" der
"chinesischen Medizin und Alternativmedizin" in Frage gestellt (Schweiz.
Ärztezeitung 1998).
Dosierung
Verabreichung eines Wirkstoffes in einer definierten Menge. Die Dosierung
kann nach individueller Wirkung (Opioide), Körperoberfläche oder
Körpergewicht erfolgen (antipyretische Analgetika).
Dosis-Wirkungs-Kurve
Die graphische Darstellung der Beziehung klinische
Wirkung/verabreichte Wirkstoffmenge bzw. Plasmawirkstoffkonzentration
mittels einer Kurve, die kontinuierlich, monoton (in der gleichen
Richtung) und als Asymptote zu einem maximalen Wert hin verläuft.
Dott, Norman (1892--1973)
Bedeutenden schottischer Neurochirurg (Pioniereingriffe:
Hirn-Aneurysmen). Arbeiten über Gesichtsschmerzen.
DPhG
Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft; 1890 gegr., "Archiv der Pharmazie".
Dragées
Syn.: Compressi obducti, Tabulettae obductae; Arzneiform, bei der der
Wirkstoff durch Hüllsubstanzen (bsp. durch Zuckerdragierung) überzogen
ist.
Dreifaches Kältesyndrom
"Triple-cold-syndrome", Kältehyperalgesie ("cold hyperalgesia"),
Kältehypästhesie ("cold hypoaesthesia"), kalte Haut ("cold skin").
Dreser, Heinrich (Darmstadt 1860--1924)
Pharmakologe nach 1896 in Göttingen tätig, publizierte über klinische
Erfahrungen mit Acetylsalicylsäure 1899: "Pharmakologisches über
Aspirin". Siehe auch ® Felix Hoffmann und
® Arthur Eichengrün.
Droge
Als Droge wird eine Arznei pflanzlichen oder tierischen Ursprungs oder
deren Teile bezeichnet. Im Englischen heißt "drug" Arzneistoff.
Wahrscheinlich eingedeutscht, bedeutet drug bzw. Droge im Laienjargon
heute "Rauschmittel".
Druckalgometer
Gerät, das den Auflagedruck bei Erreichen der Schmerzschwelle (z. B.
Triggerpunkte) anzeigt.
Druckanalgesie
Fehlen einer Schmerzhaftigkeit auf starken Druckreiz.
Druckpunkte
Auf der Haut befindliche Punkte für Drucksinn (Meissner-Tastkörperchen).
Auch Punkte an speziellen Stellen (®
Valleix-Druckpunkte, Akupunktur, Neuraltherapie).
Drucksinn
Barästhesie.
Drug-Holiday
Das Absetzen einer Langzeitmedikation über eine bestimmte Zeit, um die
sog. Toleranzentwicklung zu hemmen.
DSF
Abk. für "Douleurs sans Frontières", eine übernationale wohltätige
Ärzteorganisation (vgl. mit "Médecins sans Frontières"), die v. a. für
die durch Krieg (Minen!) geschädigte Landbevölkerung
(Schwerpunktprogramme Kinder und Schmerz, Amputierte, aber auch Aids
sowie Selbsthilfe durch Ausbildung!) tätig ist.
DSM
Abk. für Diagnostic and Statistical Manual.
Du Bois Reymond, Emil ( Berlin 1818--1896)
Pionier der Elektrophysiologie.
Dubner, Donald (New York 1934*)
ztg. Am. Schmerzforscher (Neurobiologie).
Dubois, Paul (1848--1918)
bdt. Schweizer Psychiater. Pionierarbeiten über
Patienten-"Compliance", indem er die Patienten mittels Aufklärung etc.
in die Therapie einband.
Duchenne, Guillaume Benjamin Amand (1806--1875)
bdt. frz. Neurologe ("Lehrvater" von ®
Charcot).
Dufy, Raoul (Le Havre 1888--1953 Forcalquier)
Berühmter frz. Maler, litt an chronischer Polyarthritis (Analgetikum:
Aspirin), band sich im fortgeschrittenen Stadium den Pinsel an die von
der Krankheit deformierten Finger, um malen zu können: "monokolore
Phase?!" Ließ sich 1950 in den USA (s. auch: Hench) wegen seiner
Polyarthritis mit Kortikosteroiden behandeln, die eine Remission
erbrachten. Bild: "La Cortisone". 1953 Tod wegen einer gastrischen
Hämorrhaghie (Kortikosteroide und Aspirin?!).
Duhamel, Georges (Paris 1884--1966)
Frontarzt im 1. Weltkrieg; Philanthrop.
"La sympathie est notre meilleure chance de nous évader de l’égoisme."
Dumas, Jean Baptist (Alès 1800--1884 Cannes)
Eminenter frz. Chemiker. "Traité de chimie appliqué aux arts"
(1828--1846).
Dunant Jean-Henri (Genève 1828--1910 Heiden/Appenzellerland)
Anthroposoph, 1855 Mitwirkung bei der Gründung des Weltbunds der
Christlichen Vereine Junger Männer in Paris. Erlebte 1859 auf einer
Geschäftsreise unmittelbar Tod und Leiden und die völlige Absenz von
Hilfeleistungen etc. im Gefolge der Schlacht bei Solferino: er
motivierte u. a. die Frauen der Umgebung, den Verletzten zu helfen.
Schrieb 1862 "Erinnerung an Solferino". Gründung 1863 des späteren
"Internationalen Komitees vom Roten Kreuz IKRK", u. a. mit Advokat
Gustave Moynier, dem Schweizer General Dufour (nach ihm wird die
Dufourspitze in den Alpen benannt), dem Kriegschirurgen Louis Appia
sowie dem Arzt T. Maunoir. Wirtschaftlicher Zusammenbruch und 1868
Verurteilung durch Genfer Zivilgericht wegen Bankrottes. Projekt einer
Universalbibliothek. 1871 Gründer des Weltbunds für Ordnung und Bildung
(politischer und sozialer Frieden, internationale Schiedsgerichte,
Besserstellung der Kriegsgefangenen). Übersiedlung nach London, später
nach Stuttgart, ab 1887 nach Heiden und Trogen im Appenzellerland. 1896
Briefwechsel mit Bertha von Suttner. 1901 Nobelpreis für Frieden
(zusammen mit Frédéric Passy, im gleichen Jahr Wilhelm Konrad Röntgen
für Physik, Emil Adolf von Behring für Physiologie-Medizin): das
Preisgeld stellt er (selber verarmt und krank) humanitären Zwecken zur
Verfügung. 1903 medizinisches Ehrendoktorat. Henri Dunant ist im
Friedhof Sihlfeld in Zürich bestattet.
Dura mater
Pachymeninx, anatomische Trennlinie für englische Anästhesieschule zur
Unterscheidung von intraduralen (Syn. intrathekalen, spinalen) und
extradurale (Syn. epiduralen) Anästhesietechniken.
Dusser de Barenne Johannes Gregorious (1885--1940)
bdt. holländischer Physiologe (Arbeiten über kortikal-subkortikale
Funktionsmechanismen).
Dynamik
In der Pharmakodynamik die Wirkungsweise von Wirkstoffen.
Dynorphin
Eine Klasse von endogenen Peptiden mit Opioidcharakter (Dynorphin A,
Dynorphin B sowie Dynorphinfragmente) mit v. a. inhibitorischer
Neurotransmitterwirkung auf zentralen k-Rezeptoren.
Dys-
Präfix, griech., für gestört, fehlerhaft; z. B. Dysfunktion =
fehlerhafte Funktion.
Dysphorie
Gegensatz zu Euphorie; Mißstimmung.
Quelle: Glossar
zum "Handbuch
der Schmerztherapie" (Hsg.: Herman Hans
Waldvogel), gewidmet Ernst von der Porten, einem der Wegbereiter der
moderenen Schmerztherapie. Ernst von der Porten wurde von der Gestapo,
gemeinsam mit seiner Frau, im "freien Teil Frankreichs" in den Tod
getrieben.
- Weitere Informationen zum
Buch
-
Bestellen
haGalil onLine 14-10-2001
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