Klinische Pharmakologie / Psychopharmakologie

 
 

 
 

Lexikon zur Schmerzmedizin

DAB
Abk. für Deutsches Arzneibuch.

DAC
Abk. für Deutscher Arzneimittelcodex.

Dagnini-Aschner-Reflex
Syn.: Bulbusdruckversuch, nach dem Bologneser Internisten G.D.Dagnini (1866--1928) sowie dem emigrierten Wiener Gynäkologen B.A. Aschner (1883--1960, New York) benannter vagovagaler Reflex, auslösbar über den ersten Trigeminusast (Druck auf Augenbulbus) mit vagalem Erfolg (Bradykardie, Herzstillstand, Nausea und Emesis): anwendbar bei paroxysmaler Tachykardie.

Dallenbach, Karl M. (Champaign/Ill 1887--1971 Austin/Texas)
Psychologe, Schmerzforscher.

DAMGO
In der Schmerzforschung verwendetes m-Opioid-Peptid (Agonist) mit der Aminosäurensequenz Tyr-D-Ala-Gly-(me)Phe-Gly-ol.

Dämmerschlaf
Geburtshilfliche Analgesietechnik von Gauß 1906 mittels Morphin und Scopolamin eingeführt: "Die Anwendung des Scopolamin-Morphium-Dämmerschlafes in der Geburtshilfe".

Dandy, Walter (1886--1946)
Führte die Ventrikulographie durch Insufflieren von Luft in die Hirnventrikel und anschließende Radiographie (historisch erste Indikation: faziale Neuralgien!) ein.

DAPI
Abk. für Deutsches Arzneimittelprüfungsinstitut (München).

DASS
Abk. für Depression-Anxiety-Stress-Scales.

Davy, Humphry (Cornwall 1778--1829)
Leiter des "pneumatischen Laboratoriums in Bristol" beschrieb im Jahre 1800 - 40 Jahre vor Horace Wells und Colton - die analgetische Wirkung von N2O und nannte es "Lachgas". Einer seiner Schüler war Michael Faraday (1791--1867), genialer Autodidakt (die Bezeichnungen Elektrolysis, Elektrolyt, Anion, Kation, Anode und Kathode gehen auf ihn zurück) und Erforscher der Elektrizitätslehre; beschrieb später auch die Wirkung von Ätherdämpfen.

DCI
Abk. für Denominatio communis internationalis (Dénominations communes internationales; entspricht: ® INN).

DDA
Abk. für Drug and Doctor Administration: nichtexistierende, fiktive vom Hrsg. erfundene Behörde: sie ermittelt, ob die an die FDA gemeldeten Arzmittelnebenwirkungen durch falsche Indikationsstellung oder falsche Administration vorgekommen sind (Beispiel: die Zurücknahme des nützlichen Dopaminantagonisten Domperidon, der i.v. -- in hoher Dosierung als Bolus gespritzt -- Herzstillstände verursachte: ein präprogrammiertes Debakel!).

DE
lat. Abk. für dosis effectiva.

DE50
lat. Abkürzung für dosis effectiva sive efficax in mg/kgKG, bei der in 50% der Versuchstiere/Probanden eine entsprechende Wirkung erzielt werden kann. Das Verhältnis zwischen DE50 und DL50 (Dosis letalis bzw.tödliche Dosis, bei welchem die Hälfte der Versuchstiere stirbt) ergibt die sog. therapeutische Breite oder den therapeutischen Index.

De Castro G.
Anästhesist, er beschrieb zusammen mit P. Mundeler 1959 die Neuroleptanalgesie.

DEA
engl. Abk. für Drug Enforcement Administration (USA-Rauschgift-Administration).

Decussation
Kreuzung: z. B. ® Decussation in der Commisura alba.

Déjerine-Roussy-Syndrom
Nach J. J. Déjerine (1849--1917; Ehemann der am. Neurologin Augusta Marie Déjérine-Klumpke [1859--1927; Arbeiten über Plexus-brachialis-Läsionen]) und G.R. Roussy (1874--1948) benanntes Thalamussyndrom mit Hemianopsie, Hyperreflexie, Hyposensibilität der Haut, Hemialgie, Hemihyperpathie.

Deka
Abk. da, dezimales Vielfaches in der Ordnung 101 = 10.

Dekontamination
"Entgiftung bei Intoxikationen". Man unterscheidet die primäre Dekontamination (Verhinderung oder Reduktion der Resorption eingenommener Gifte: induzierte Emesis, Magenspülung, Aktivkohle) und die sekundäre Dekontamination (Maßnahmen nach erfolgter Resorption in den Blutkreislauf: forsierte Dialyse mit Alkalinisierung; extrakorporale Elimination mittels Hämodialyse, Hämoperfusion).

Delta-Fasern, d-Fasern
Langsamste A-Fasern mit Leitungsgeschwindigkeit von 20m/s; zur Gruppe der 1--4 mm dicken, myelinisierten A-Fasern gehörend. Funktion: u. a. Nozizeptorenfunktion (sog. "schnelle Schmerzfasern").

Delta-Rezeptoren, d-Rezeptoren
DOR, OR-1; Subtyp der ® Opioidrezeptoren. Affinität Endorphine + Enkephaline > Dynorphine.

Delta-Wellen, d-Wellen
Langsame Hirnwellen im EEG (Wellenform; f: bis 3 Zyklen/s; Amplitude 5--250 mV). Kortexwellen unter Narkose-, Schlaf- oder pathologischen Bedingungen.

De Martel, Thierry (1875--1940)
Mit ® Vincent zusammen Begründer der frz. Neurochirurgie. Hochdekorierter Offizier während des 1. Weltkriegs. Selbstmord bei Einmarsch der dt. Truppen in Paris.

Denervierung
Syn.: Deafferenzierung, traumatische Ausschaltung von Afferenzen aus einem Organgebiet. Als Folge einer Denervierung können autonome Massenreflexe im Sinne einer autonomen Hyperreflexie (extreme Bradykardie, Hypertension, extreme Vasokonstriktion etc.) auftreten (beispielsweise nach traumatischer Paraplegie und nozizeptiver Reizung entsprechender denervierter Organgebiete), möglicherweise aufgrund einer "up-regulation" (Aufgrund des Ausfallens synaptischer Freisetzung von Acetylcholin und Noradrenalin) postsynaptischer Nervenmembrane, die dann auf zirkulierende Katecholamin überschiessend reagieren.

"Der Anästhesist"
1952 durch Rudolf Frey, Werner ® Hügin (Basel) und Mayrhofer (Wien) gegründetes Fachjournal.

"Der Schmerz"
1928 erschienen und herausgegeben durch den Würzburger Gynäkologen C.J. Gauss, den Heidelberger Pharmakologen H. Wieland und B. Behrens sowie ® E. v. der Porten. Nach der großen Wirtschaftskrise von 1929 mit ® "Narkose und Anästhesie" fusioniert.

Dercum-Krankheit
Nach F.X. Dercum (1856--1931) benannt: Neurolipomatosis dolorosa, auch: Adiposalgie.

Desensibilisierung
engl. "desensitization", der nach längerdauernden Gabe von Agonisten mögliche Funktionsverlust. Der Grund kann auf jeder funktionellen Ebene auftreten, so auf Rezeptorebene, Effektorsystemebene und Messengerebene; z. B. opioidinduzierte Abkopplung vom Effektor Adenylatcyclase oder von membranständigen Ionen (K+-)Kanälen.

Descartes, René (Renatus Cartesius; La Haye-Descartes 1596--1650 Stockholm)
Philosoph, Mathematiker (Algebra; Descartessche Zeichenregel), Physiker (Erhaltungsgesetz; Optik: Brechungsgesetze). Begründer der Spezifitätstheorie. Beschrieb die spezifischen äußeren Reize, die letzten Endes zu, Schmerzerlebnis führen, im Jahre 1664: "Wenn das (äußere) Feuer sich nahe dem Fuß befindet, haben die kleinen Teilchen des Feuers die Kraft, die Haut des Fußes, wo sie ihn am dichtesten erreichen, zu bewegen. Dadurch ziehen sie gleichsam an den Verbindungen und öffnen gleichzeitig die Poren (Rezeptoren), an denen sie enden, ähnlich einem Glockenstrang (Nervenstrang), der, wenn an einem Ende gezogen, am anderen Ende die Glocke (Hirn) ertönen lässt" (kursiv: vom Hrsg. eingefügte Übersetzungen). Der Körper (res extensa) steht mit der Seele (res cogitans) in der Glandula pinealis in Beziehung, die vom Körper Informationen bekommt und ihm Befehle erteilt. Descartes-Hirntheorie war damals so revolutionär, dass selbst Voltaire über die "konfusen Ideen" Descartes entsetzt war. René Descartes: "Les passions de l'ame." Paris, Henry le Gras, MDCXLIX (Avec privilège du roy.....).

Designerdrogen
Chemische Abwandlungen von Opiaten und Opioiden zum Rauschgiftmissbrauch.

Devor, Marshall (Toronto 1949*)
kanadisch-israelischer Schmerzforscher.

Dezi
Abk. d, dezimales Vielfaches in der Ordnung 10-1= 0,1.

DHS
Abk. Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren.

Dieffenbach, Johann Friedrich (Königsberg 1792—1847 Berlin)
Theologie- und Medizinstudium, wegen aktiver Burschenschaft aus Königsberg vertrieben.. Anästhesiepionier mit "Der Aether gegen den Schmerz" (1847; A. Hirschwald Verlag, Berlin).

dies
lat. Tag: pro die (tgl.).

diffuse noxious inhibitory controls
Abk. DNIC; franz. Schmerzforschung um ® Willer und ® Le Bars: Hemmung multirezeptiver Neurone des Rückenmarkhinterhorns durch nozive Stimuli in einem Bereich ausserhalb der betroffenen rezeptiven Felder. Erfordert offenbar intakte Hirnstammfunktionen und intaktes endogenes Opioidsystem. Beispiel am Fall eines alten Bauerntricks bzw. "Erfahrungsmedizin": früher wurden Jung-Stiere ohne Narkoseverfahren kastriert, indem der Bauer gleichzeitig eine äußerst schmerzhafte Reizung (Nasenklemme) anbrachte mit dem Resultat, dass der äußerst schmerzhafte Kurzeingriff überhaupt durchzuführen war. In der Regel wird in der heutigen Forschung folgende Versuchsanordnung gewählt: nozive Stimulation eines ipsilateralen peripheren Nerven, Aufzeichnung des entsprechenden spinalen Nozifensorreflexes (z. B. Kniereflex), heterotopische Reizung (Beispiel: Hand in Eiswasser).

Dioskorides, Pedanios (30--90 nach Christus)
griech. Arzt und Pharmakologe (fünfbüchrige "De Materia medica"). Gebrauchte die Bezeichnung Anaisthesia (an + aisthesia = keine Schmerzperzeption) in Zusammenhang mit dem "betäubenden" Effekt von Mandragora, einer Alraunepflanze, deren Extrakte damals zur perioperativen "An-aisthesia" eingesetzt wurden.

Diskrimination
Das Vermögen sensible Reize zu unterscheiden.

Dispensatorium
Mittelalterliche Bezeichnung für Arzneibuch, Pharmakopöe.

Dispensieren
Amtlich bewilligte Abgabe von Arzneimitteln durch Apotheker oder Arzt.

Dissoziationsanästhesie
Ein durch gewisse Wirkstoffe, wie Ketamin, erzeugter ZNS-Zustand mit Analgesie, Katalepsie, offenen Augen, intakten Licht- und Kornealreflexen, unabhängig von chirurgischen Stimuli auftretende Spontanbewegungen sowie eine Art chemischer Hypnose (Corssen u. Domino 1966).

DL
lat. Abk. Dosis letalis.

DL50
lat. Abk. für letale Dosis, bei welchem 50% der exponierten Versuchstiere sterben. Dabei wird die artspezifische (!) Todesursache (Beispiel: Atemstillstand) nicht bewertet, sodass dieser in der Toxikologie übliche Parameter für die Praxis nur bedingt aussagekräftig ist.

DMARD
engl. Abk. für "disease modifying antirheumatic drugs", in der Rheumatologie eingesetzte Basistherapeutika.

DMKG
Abk. für Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft.

Döblin, Alfred (Stettin 1878--1957 Emmendingen/Baden)
Arzt in Berlin; 1930 "Berlin Alexanderplatz", 1933--1945 Emigration (1940 Flucht über die grüne Grenze der Pyrenäen -- zu gleicher Zeit flüchtete der 70-jährige Heinrich Mann über diese Grenze!). 1948: "Verratenes Volk". Mitgründer der Akademie der Wissenschaften und Künste in Mainz 1949.

Dogliotti, A.M.D. (1897--1966)
bdt. ital. Herzchirurg v. a. in Turin (Piemont). Exponent der Extraduralanästhesie (s. auch ® Pagés Miravé Fidel). Gründer der ital. Anästhesiegesellschaft. "Eine neue Methode der regionalen Anästhesie: die peridurale segmentäre Anästhesie" (1931). Führte die chemische intrathekale Neurolyse durch Alkohol bei unerträglichen Schmerzzuständen vor: "Nouvelle méthode thérapeutique pour les algies périphériques. Injection d'alcool dans l'espace sous-arachnoidien" (1931).

Dolor
lat. Schmerz; Dolores = Wehen (Dolores praeparantes, Dolores ad partum, Dolores post partum, Dolores secundinae).

Dolorimeter
Syn.: Algesimeter, Apparat zur Schmerzmessung.

Dolorrezeptor
Von Paul Langerhans 1868 "Über die Nerven der menschlichen Haut" als vermeintliche Schmerzrezeptoren der Haut beschriebene, später als aus dem Knochenmark stammende Leukozyten identifiziert (Langerhanssche Zellen), die multiple Rezeptoren aufweisen und in der Abwehr der über das Hautorgan eindringenden multiplen Antigene offenbar eine Spezialfunktion im Sinne der Abwehr ausüben (Zytokine etc.).

"dolorisme"
In der frz. Philosophie gebrauchter Terminus für die Tendenz, die moralischen Werte des physischen Schmerzes überzubewerten; nach dem frz. Schriftsteller und Journalisten Julien Teppe, der den Schmerz als Katharsis in seinem "Manifeste du dolorisme" (1935) einstufte:

"Je souffre, donc je suis".In seiner Zeitschrift "La Revue doloriste" erschienen Artikel u. a. von Gide, Valéry, Benda, Colette etc.

"Dolorosa"
In der spanischen Gastronomie gebrauchte Bezeichnung für die "schmerzende" Rechnung nach Mahlzeiten.

Domagk Gerhard (Lagow 1895—1964 Burgberg)

Medizinstudium in Kiel. Im I. Weltkrieg verwundet; in sog. Choleralazaretten erfuhr er um die Bedeutung von Infektionskrankheiten. Später in Münster und in Zusammenarbeit mit der I.G.-Farbenindustrie bakteriologische Forschung und Entdeckung von Prontosol (Sulfonamid), das er an seiner eigenen Tochter, die an einer akuten Streptokokkeninfektion erkrankt war (sie infizierte sich an einer Nadel und im Verlauf der Infektion drohte eine tödliche Sepsis). 1939 Nobelpreis. Adolf Schicklgruber alias Hitler aus Braunau verbot den Deutschen die Annahme des Nobelpreises, nachdem Carl von Ossietzki 1935 den Friedensnobelpreis erhalten hatte. Domagk’s Nobelpreis wurde auf nationaler Ebene komplett zensuriert. Aus Domagk’s Biographie: "Am 17. November – ich war gerade bei der Vorbereitung für einen Vortrag, den ich Ende des Monats in Berlin, auf einer Tagung der Akademie für ärztliche Fortbildung halten sollte – wurde ich von der Geheimen Staatspolizei in meinem Wuppertaler Haus verhaftet. … Im Auto von mit Karabinern bewaffneten Schupos ins Untersuchungsgefängnis, Zelle 10. Grund der Festnahme wurde nicht mitgeteilt. Auch nach der mehrere Tage lang dauernden Haft keine Erklärung. Erst bei späteren Verhandlungen stellte sich heraus, daß ich auf die Zuerkennung des Nobelpreises zu höflich nach Stockholm geantwortet hatte". Seine Mutter kam in einem Vertriebenenlage ums Leben (Hungertod). Medaille und Urkunde des Nobelpreises konnte er erst 1947 aus der Hand des schwedischen Königs entgegennehmen. Domakg war ein grosser Kunstkenner und u.a. mit den Malern Emil Nolde, Christian Rohlfs und Otto Dix befreundet. Domagk starb einer zu später diagnostizierten bakteriellen Gallenblasen-Entzündung.

Dopamin INN prop.
Syn.: Hydroxytyramin, 4-(2-Aminoethyl)brenzcatechin; C8H11NO2. Mr: 153.18; CAS N° 51-61-6. Neurotransmitter; Zielrezeptoren: periphere und zentrale D1(Vasodilatation)/D2(Hemmung Noradrenalinfreisetzung)-Rezeptoren. Die Funktion der kürzlich entdeckten D3,4 -Subtypen ist unbekannt. Dopamin repräsentiert mehr als die Hälfte der zentralen Katecholamine. Höchste Konzentrationen in den v. a. die extrapyramidale Motorik steuernden Basalganglien (Nuclei basales: insbes. Corpus striatum, Nucleus niger; ® Parkinsonismus) sowie im sog. mesolimbischen Belohnungssystem.

Dopingsubstanzen
Als Dopingsubstanzen gelten verbotene Wirkstoffe (auch verbotene Methoden, die als unerlaubte pharmakologisch-medizinische Maßnahmen zur Leistungsbeeinflussung umschrieben werden) entsprechend der vom Internationalen Olympischen Komitee aufgestellten Liste (Dopingliste): Stimulanzien, Narkoanalgetika, Anabolika, Betablocker, Diuretika, Peptidhormone und Analoge sowie Substanzen wie Alkohol, Lokalanästhetika, Kortikosteroide, Marihuana, die von lokalen Sportverbänden nicht toleriert werden.

Doppelblindstudie
Konzept, bei dem weder Patient noch Prüfer bzw. Arzt wissen, welcher Wirkstoff verabreicht wird. Seit den Arbeiten von ® Hill und ® Beecher evaluiert in der Form von randomisierten, plazebo-kontrollierten Doppelblindstudien. Die Aussagekraft von randomisierten plazebo-kontrollierten Doppelblindstudien wird von schweizerischen "Epidemiologen" der "chinesischen Medizin und Alternativmedizin" in Frage gestellt (Schweiz. Ärztezeitung 1998).

Dosierung
Verabreichung eines Wirkstoffes in einer definierten Menge. Die Dosierung kann nach individueller Wirkung (Opioide), Körperoberfläche oder Körpergewicht erfolgen (antipyretische Analgetika).

Dosis-Wirkungs-Kurve
Die graphische Darstellung der Beziehung klinische Wirkung/verabreichte Wirkstoffmenge bzw. Plasmawirkstoffkonzentration mittels einer Kurve, die kontinuierlich, monoton (in der gleichen Richtung) und als Asymptote zu einem maximalen Wert hin verläuft.

Dott, Norman (1892--1973)
Bedeutenden schottischer Neurochirurg (Pioniereingriffe: Hirn-Aneurysmen). Arbeiten über Gesichtsschmerzen.

DPhG
Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft; 1890 gegr., "Archiv der Pharmazie".

Dragées
Syn.: Compressi obducti, Tabulettae obductae; Arzneiform, bei der der Wirkstoff durch Hüllsubstanzen (bsp. durch Zuckerdragierung) überzogen ist.

Dreifaches Kältesyndrom
"Triple-cold-syndrome", Kältehyperalgesie ("cold hyperalgesia"), Kältehypästhesie ("cold hypoaesthesia"), kalte Haut ("cold skin").

Dreser, Heinrich (Darmstadt 1860--1924)
Pharmakologe nach 1896 in Göttingen tätig, publizierte über klinische Erfahrungen mit Acetylsalicylsäure 1899: "Pharmakologisches über Aspirin". Siehe auch ® Felix Hoffmann und ® Arthur Eichengrün.

Droge
Als Droge wird eine Arznei pflanzlichen oder tierischen Ursprungs oder deren Teile bezeichnet. Im Englischen heißt "drug" Arzneistoff. Wahrscheinlich eingedeutscht, bedeutet drug bzw. Droge im Laienjargon heute "Rauschmittel".

Druckalgometer
Gerät, das den Auflagedruck bei Erreichen der Schmerzschwelle (z. B. Triggerpunkte) anzeigt.

Druckanalgesie
Fehlen einer Schmerzhaftigkeit auf starken Druckreiz.

Druckpunkte
Auf der Haut befindliche Punkte für Drucksinn (Meissner-Tastkörperchen). Auch Punkte an speziellen Stellen (® Valleix-Druckpunkte, Akupunktur, Neuraltherapie).

Drucksinn
Barästhesie.

Drug-Holiday
Das Absetzen einer Langzeitmedikation über eine bestimmte Zeit, um die sog. Toleranzentwicklung zu hemmen.

DSF
Abk. für "Douleurs sans Frontières", eine übernationale wohltätige Ärzteorganisation (vgl. mit "Médecins sans Frontières"), die v. a. für die durch Krieg (Minen!) geschädigte Landbevölkerung (Schwerpunktprogramme Kinder und Schmerz, Amputierte, aber auch Aids sowie Selbsthilfe durch Ausbildung!) tätig ist.

DSM
Abk. für Diagnostic and Statistical Manual.

Du Bois Reymond, Emil ( Berlin 1818--1896)
Pionier der Elektrophysiologie.

Dubner, Donald (New York 1934*)
ztg. Am. Schmerzforscher (Neurobiologie).

Dubois, Paul (1848--1918)
bdt. Schweizer Psychiater. Pionierarbeiten über Patienten-"Compliance", indem er die Patienten mittels Aufklärung etc. in die Therapie einband.

Duchenne, Guillaume Benjamin Amand (1806--1875)
bdt. frz. Neurologe ("Lehrvater" von ® Charcot).

Dufy, Raoul (Le Havre 1888--1953 Forcalquier)
Berühmter frz. Maler, litt an chronischer Polyarthritis (Analgetikum: Aspirin), band sich im fortgeschrittenen Stadium den Pinsel an die von der Krankheit deformierten Finger, um malen zu können: "monokolore Phase?!" Ließ sich 1950 in den USA (s. auch: Hench) wegen seiner Polyarthritis mit Kortikosteroiden behandeln, die eine Remission erbrachten. Bild: "La Cortisone". 1953 Tod wegen einer gastrischen Hämorrhaghie (Kortikosteroide und Aspirin?!).

Duhamel, Georges (Paris 1884--1966)
Frontarzt im 1. Weltkrieg; Philanthrop.

"La sympathie est notre meilleure chance de nous évader de l’égoisme."

Dumas, Jean Baptist (Alès 1800--1884 Cannes)
Eminenter frz. Chemiker. "Traité de chimie appliqué aux arts" (1828--1846).

Dunant Jean-Henri (Genève 1828--1910 Heiden/Appenzellerland)
Anthroposoph, 1855 Mitwirkung bei der Gründung des Weltbunds der Christlichen Vereine Junger Männer in Paris. Erlebte 1859 auf einer Geschäftsreise unmittelbar Tod und Leiden und die völlige Absenz von Hilfeleistungen etc. im Gefolge der Schlacht bei Solferino: er motivierte u. a. die Frauen der Umgebung, den Verletzten zu helfen. Schrieb 1862 "Erinnerung an Solferino". Gründung 1863 des späteren "Internationalen Komitees vom Roten Kreuz IKRK", u. a. mit Advokat Gustave Moynier, dem Schweizer General Dufour (nach ihm wird die Dufourspitze in den Alpen benannt), dem Kriegschirurgen Louis Appia sowie dem Arzt T. Maunoir. Wirtschaftlicher Zusammenbruch und 1868 Verurteilung durch Genfer Zivilgericht wegen Bankrottes. Projekt einer Universalbibliothek. 1871 Gründer des Weltbunds für Ordnung und Bildung (politischer und sozialer Frieden, internationale Schiedsgerichte, Besserstellung der Kriegsgefangenen). Übersiedlung nach London, später nach Stuttgart, ab 1887 nach Heiden und Trogen im Appenzellerland. 1896 Briefwechsel mit Bertha von Suttner. 1901 Nobelpreis für Frieden (zusammen mit Frédéric Passy, im gleichen Jahr Wilhelm Konrad Röntgen für Physik, Emil Adolf von Behring für Physiologie-Medizin): das Preisgeld stellt er (selber verarmt und krank) humanitären Zwecken zur Verfügung. 1903 medizinisches Ehrendoktorat. Henri Dunant ist im Friedhof Sihlfeld in Zürich bestattet.

Dura mater
Pachymeninx, anatomische Trennlinie für englische Anästhesieschule zur Unterscheidung von intraduralen (Syn. intrathekalen, spinalen) und extradurale (Syn. epiduralen) Anästhesietechniken.

Dusser de Barenne Johannes Gregorious (1885--1940)
bdt. holländischer Physiologe (Arbeiten über kortikal-subkortikale Funktionsmechanismen).

Dynamik
In der Pharmakodynamik die Wirkungsweise von Wirkstoffen.

Dynorphin
Eine Klasse von endogenen Peptiden mit Opioidcharakter (Dynorphin A, Dynorphin B sowie Dynorphinfragmente) mit v. a. inhibitorischer Neurotransmitterwirkung auf zentralen k-Rezeptoren.

Dys-
Präfix, griech., für gestört, fehlerhaft; z. B. Dysfunktion = fehlerhafte Funktion.

Dysphorie
Gegensatz zu Euphorie; Mißstimmung.

 

Quelle: Glossar zum "Handbuch der Schmerztherapie" (Hsg.: Herman Hans Waldvogel), gewidmet Ernst von der Porten, einem der Wegbereiter der moderenen Schmerztherapie. Ernst von der Porten wurde von der Gestapo, gemeinsam mit seiner Frau, im "freien Teil Frankreichs" in den Tod getrieben.
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haGalil onLine 14-10-2001

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