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Lexikon zur Schmerzmedizin
EAA
engl. Abk. für "excitatory amino acids" (®
exzitatorische Neurotransmitter:® Glutamat,
Aspartat): Zielrezeptoren sind ionotrope Glutamatrezeptoren (iGlu-R sind
AMPA-, KAINAT-, NMDA-Rezeptoren) oder metabotrope Glutamatrezeptoren
(mGlu-R 1--8). Ionotrope Rezeptoren sind ultraschnelle
Ionenkanalsysteme, wogegen metabotrope Rezeptoren langsamere,
intrazelluläre Systeme beeinflussen (zyklische Nukleotide etc.).
Eagle-Syndrom
Kopfschmerzsyndrom (Syn. Processus-styloideus-Syndrom) für
längeranhaltende, einseitige Schmerzen im Schlund- und Rachenbereich mit
Dysästhesien im Rachen sowie Schluck- und Geschmacksstörungen etc.
Eccles, Sir John C. (Melbourne 1903--1997 Locarno)
australischer Physiologe, Nobelpreis 1963 für Medizin und Physiologie für
die Entdeckung ionischer Mechanismen der neuralen Signalübertragung
(zusammen mit A.L.Hodgkin und A.F. Huxley). Doktorand bei
Nobelpreisträger
® Sir Charles Sherrington. Schrieb mit W. C.
Gibson 1979 das Buch: "Sherrington – his life and thought". Arbeiten
über synaptischen Informationsaustausch. Befreundet mit Karl Popper, mit
dem er über das Leib-Seele-Verhältnis philosophierte und in
verschiedenen Büchern darstellte, so u. a.: "The self and its brain --
an argument for interactionism (1977; dt. Piperausgabe: "Das Ich und
sein Hirn"). Schüler von Eccles ist u. a. der bedeutende zeitgenössische
dt. Physiologe
® Robert F. Schmidt (Würzburg).
Economo von San Serff, Konstantin (1876--1931)
bdt. Triester Physiologe griech. Abstammung; Arbeiten u. a. über
Evolutionsprinzipien des ZNS.
Ecstasy
Syn.: Adam, MDMA (Abk. für Methylen-dioxy-methamphetamin), 1914 von der
Fa. Merck patentierter Wirkstoff (ursprünglich Appetitzügler). Wegen
psychotropen UAW u. a. als sog. Wahrheitsdroge (1953 USA-Armee)
experimentell, später 1965 durch den Biochemiker A. Sulgin als
psychotroper Stoff (Slang: Adam) versuchsweise u. a. in der
Psychotherapie eingesetzt; 1985 als schädliche und suchterzeugende
Substanz ohne medizinische Anwendung (USA) klassiert.
ED
dt. Abk. für Einzeldosis.
ED
engl. Abk. für "effective dosis".
Edinger, Ludwig (1855--1918)
bdt. dt. Neurologe, Begründer der modernen Neuroanatomie. Beschrieb
den nach ihm benannten Edinger-Westphal-Kern (1885) sowie die
Edinger-Bahn.
Edinger-Bahn
Tractus spino-thalamicus.
Edinger-Westphal-Kern
Nach Ludwig ® Edinger und Alexander Westphal
benannter paariger autonomer Lateralkern des N. oculomotorius (III); mit
dem Ganglion ciliare verbunden, dessen postganglionäre parasympathischen
Fasern die inneren Augenmuskeln innervieren (Mm. ciliaris, sphincter
pupillae).
Edmonton-Symptom-Assessment-System
Abk. ESAS, von Bruera et al. 1991 vorgestellte einfache
Erhebungsmethode in der Palliativmedizin, ermittelt durch die Summe von
8 Messungen mittels VAS (Patienten-, Familienmitglied- oder
Pflegerpersonalerhebung) von Schmerz, Aktivität, Übelkeit, Depression,
Angst, Benommenheitszustand, Appetit, Wohlbefinden).
EEG
Abk. von Elektroenzephalographie; Aufzeichnung von, unter
Spontanbedingungen oder provoziert (äußere Reize), elektrischen durch
Hirnaktivität bedingten mittels Kopfhautelektroden (oder direkt auf
Hirnoberfläche in der Experimentalneurologie) aufgenommenen
Potenzialveränderungen. ® Berger, Hans. Die
elektrische Aktivität eines Hirns wurde zum ersten Mal am Kaninchen
durch den Liverpooler Physiologen R. Caton 1875 nachgewiesen. Die
moderne Datentechnik erlaubt eine Quantifizierung einzelner
Ableitungskurven sowie deren Verarbeitung (z. B. Beziehungen zwischen
den einzelnen Kurvenverläufe). Heutzutage kann das EEG praxisgerechter
als klinisches perioperatives Monitoriung eingesetzt werden.
EEG-Korrelate können als sog. Closed-loop-control-Parameter in die
Technik der TCI eingebaut werden.
Efferenzen
Zentrifugale (vom Zentrum weggehende, "ausführende") Nerven.
EGF
engl. Abk. für: Epidermal growth factor.
Ehrlich, Paul (1854--1915)
Begründer der Chemotherapie und Immunologe, mit Elie Metchnikoff
(1845--1916) Nobelpreis 1908 für Medizin und Physiologie (Immunologie).
"Mein therapeutisches Programm besteht darin von Substanzen mit
gewisser Wirksamkeit Homologe und Derivate der verschiedensten Art
darzustellen. Jede auf ihre Wirkung zu prüfen und, auf den so erhaltenen
Resultaten fussend, zu versuchen, zu immer optimaleren Heilkörpern zu
gelangen. Das heißt, also zielen lernen, und zielen lernen durch
chemische Variation."
Eichengrün, Arthur (Aachen 1867--1949)
Studium der Chemie in Aachen und Berlin; danach Mitarbeiter von
Böhringer und Sohn (Ingelheim), Balzer und Marquardt. Durch Carl
Duisberg zum Aufbau und zur Leitung der Bayer-Werke nach Elberfeld
gerufen (1896). 1900 Abteilungsvorstand des
pharmazeutisch-wissenschaftlichen Labors in Elberfeld (Hoffmann war 1899
als Abteilungsvorstand der pharmazeutisch-kaufmännischen Abteilung
eingesetzt worden). Verließ Bayer 1908; als Jude ins KZ Theresienstadt
deportiert, wo er u. a. auch biographische Aufzeichnungen schrieb: in
diesen bezeichnet sich Arthur Eichengrün als Initiator einer
Acetylierungstechnik von Aspirin (unbefriedigende ASS-Synthesen
[teilweise unstabile, teilweise unreine Syntheseprodukte] wurden schon
1853 durch Charles Frédéric Gerhart und 1869 durch Johann Kraut für die
von Heyden-Werke durchgeführt) und beschrieb, wie er entgegen der
Meinung des Bayer-Prüfers Prof. Heinrich
® Dreser (Darmstadt 1860--1924), der Aspirin
anfänglich für wertlos hielt (später aber im in der chemischen Abteilung
des Deutschen Museums München als Miterfinder genannt wurde und 1899
eine Lizenz von Bayer für Aspirin erhielt), den Wirkstoff zu klinischen
Prüfungen - entgegen der Meinung Dresers - u. a. auch an Dr. Felix
Goldmann in Berlin weitergab. Nach Eichengrün soll Goldmann das Präparat
auch einem an Rheumatismus leidenden Zahnarzt gegeben haben, der es
eines Tages an einem an heftigen Zahnschmerzen leidenden Patienten mit
schlagendem Erfolg ausprobierte: "Durch diesen Zufall wurde die
wichtigste Eigenschaft des Aspirins, das Schmerzstillvermögen, entdeckt"
(Die Pharmazie 1949; Heft 1, S. 582). Aufgrund der ungenügenden
historischen Verarbeitung wird heute die Rolle von Eichengrün
bestritten.
Eikosanoide
griech. eikosa = 20, Derivate aus essentiellen Fettsäuren mit 20
C-Atomen und mehreren Doppelbindungen. Beim Menschen steht die
® Arachidonsäure als wichtigste Vorstufe der
Eikosanoide im Vordergrund. Sie ist in Pflanzennahrung aber auch in
Fleisch vorhanden. Die Arachidonsäure wird vom Organismus verestert und
in (phospholipidhaltigen) Biomembranen eingelagert. Bei physikalischer,
chemischer oder hormonaler Stimulation wird enzymatisch Arachidonsäure
freigesetzt, die ihrerseits in der Folge diversen kaskadenartige
Reaktionen enzymatisch mit Bildung von biologisch aktiven Prostanoiden
induziert. Der Abbauweg über die Arachidonsäure erfolgt über 3
prinzipielle Wege: 1. Cyclooxygenase ( ®
COX–1 und COX-2, auch Prostaglandin-Synthase, PGHS) mit Bildung von
Endoperoxiden (PGG/H), die dann zu ®
Prostaglandinen (PG) und ® Thromboxanen (TX)
abgebaut werden. 2. Lipoxygenase-Abbauweg (LOX) mit Bildung von
Hydroperoxyeicosatetraensäuren (HpETE), welche dann zu
® Leukotrienen (LTs), Hepoxilinen (HXs), Trioxilinen und Lipoxinen
transformiert werden und 3. ein nichtenzymatischer Weg über das
Cytochromp-450-System, katalysiert mit Bildung verschiedenster
Fettsäuren sowie Leukotoxinen. Hirnzellen sind imstande,
®
Arachidonsäure in Arachidonylethanolamid (Anandamid) zu konvertieren (s.
auch: ® Endocannabinoide,
Cannaboidrezeptoren).
Einthoven, Wilhelm (1860--1927)
holl. Entdecker des EKG. Nobelpreis 1924.
Eiweißbindung
die Bindung von Wirkstoffen an Plasmaproteine, in der Regel binden saure
Moleküle an Albumine, basische an (saure) a1-Glykoproteine
oder Lipoproteine. Bei gleichzeitiger Gabe von Wirkstoffen mit hoher
Eiweißbindung kommt es zu einer Kompetition mit der Folge, dass eines
der Wirkstoffe aus der Bindung kompetitiv verdrängt wird (Resultat:
höhere freie Fraktion = verstärkte Wirkung oder Elimination; siehe
Interaktionen).
EKP
Abk. für ereigniskorrelierte Hirnpotentiale. EKP sind elektrokortikale
Potentiale bzw. ZNS-Antworten auf sensorische, motorische und psychische
Ereignisse; da sie gegenüber dem Spontan-EEG von kleinerer Amplitude
sind, müssen sie mit sog. Mittelungstechniken sichtbar gemacht werden.
Elsholtz, J.S. (1623--1688)
Narkotisierte einen Hund 1665 mit i.v.-Gabe von Opium (wahrscheinlich
unter dem Eindruck entsprechender Experimente durch Sir Christopher Wren
und William Harvey).
EMLA
engl. Abk. für "eutectic mixture of local anaesthetics". Prilocain- oder
lidocainenthaltende topische Emulsion (pharmazeutisch: Eutektikum); für
Hautpunktionen insbesondere bei Kindern geeignet. Nachteil: braucht
okklusiven Verband sowie Zeitaufwand (> 60 min). S auch:
® iontophoretische Anwendung.
EMO
Abk. für ® Epstein-Macintosh-Oxford-Vaporizer
(einem heute noch in der 3. Welt -- z.B: "flying doctors" etc. --
eingesetzten, robusten, handlichen Narkosegerät (Ätherverdampfer).
EMO
Abk. für "Esterase-metabolized-opioids" (s. Remifentanil).
Emulsiones
Syn.: Emulsionen: disperses System aus 2 nicht mischbaren Vehikeln.
Enantiomer
Syn.: Stereoisomer. Wird ein Molekül mit einem asymmetrischen C-Atom auf
eine Papierebene projiziert (sog. Fischer-Projektion), kennzeichnen die
waagrechten Bindestriche die vor der Papierebene, die senkrechten
Bindestriche die hinter der Papierebene sich befindlichen Atome bzw.
Liganden. Bild und Spiegelbild sind nicht deckungsgleich. Das Drehen des
polarisierten Lichtes nach rechts im Uhrzeigersinn wird mit dem Präfix
(+), nach links mit (-) gekennzeichnet. Die bei der Fischerschen
Projektionseinteilung benutzten Präfixe D (für dexter, lat. rechts) und
L (laevus, lat. links) haben mit der Drehrichtung des polarisierten
Lichtes nichts zu tun. Wegen dieser Zweideutigkeit wird heute für
Enantiomere die sog. RS-Nomenklatur (Cahn, Ingold, Prelog 1951)
vorgezogen. Hier wird das asymmetrische Bezugsatom so gedreht, bis sein
niedrigster Ligand nach hinten zu liegen kommt. Danach werden die
zusätzlichen Liganden des asymmetrischen C-Atoms, nach gewissen
Prioritätsgesetzen, im Uhrzeigersinn numeriert. Bei gleichen Molekülen
werden anhand der Konfiguration (Position in Bezug auf asymmetrisches
Bezugsatom C) mit der Zusatzbezeichnung R, S, Cis oder Trans die
Enantiomere bezeichnet.
Endoanästhesie
Durch Zipf 1953 vorgeschlagene Bezeichnung der Technik, durch systemische
Lokalanästhesie Analgesie hervorzurufen.
Endocannabinoide
Endogene Cannabinoide (Neurotransmitter, ZNS, Nozizeption, putativ:
hormonale Wirkungen im kardiovaskulären System). Prototyp ist Anandamid
(ein Abkömmling der Arachidonsäure), das offenbar durch Endothelzellen
synthetisiert wird.
endogene EKP
Abk. für Ereignis-kontrollierte-Potentiale, die nach einer gewissen
Zeitspanne (> 60 ms) nach sensorieller Reizung im EEG abgreifbaren
ereigniskorrelierten Hirnpotentiale, die nicht mehr überwiegend nach
erfolgter Reizung als EP (sog. exogene Komponenten), sondern nach
weiterer zentraler Reizverarbeitung auftretenden EEG-Potentialänderungen
(also exogene und endogene Komponenten integrierend).
endogene Opioide
Bislang sind 3 Gruppen von endogenen Peptiden mit Affinität zu
Opioidrezeptoren identifiziert worden: 1. ®
Enkephaline (® Hughes und ®
Kosterlitz), 2. ® Endorphine,
Proopiomelanocortin-(POMC-)Familie (Smythe und Li) und 3.
Dynorphinfamilie (® Goldstein). Gemeinsam
haben sie die Aminosäurensequenz Tyr-Gly-Gly-Phe eigen. Die Vorläufer
dieser Opioidpeptide sind entsprechend 1. Proenkephalin, 2.
Proopiomelanocortin (POMC, Vorläufer für 1. Endorphine, 2.
melanozytenstimulierendes Hormon (MSN) und 3. ACTH) sowie 3.
Prodynorphin. Die endogenen Opioide sind im ZNS v. a. im Bereich PAG
(Enkephalin, Dynorphin), rostroventrale Medulla sowie Rückenmark (HH)
konzentriert.
Endorphine
Endogene Opioidpeptidfamilie (a-Endorphin: 16
Aminosäuren [AS]; b-Endorphin: 31 AS;
g-Endorphin 17 AS; s-Endorphin
27 AS).
endogene Oszillatoren
Neuronale zentrale sog. innere Uhren: s. auch circadianer Rhythmus.
Endotheline
1988 entdeckte, u. a. vom Gefäßendothel synthetisierte und
freigesetzte, Peptidfamilie (Endothelin 1, 2, 3; 21 Aminosäuren), die
als potente Vasokonstriktoren u. a. die Gewebeperfusion beeinflussen,
aber auch als pronozizeptive Substanzen in der Schmerzforschung geprüft
werden.
enterohepatischer Zyklus
Engl. "enterohepatic recirculation", Wirkstoffe oder deren aktive
Metaboliten, die biliär nach hepatischer Verstoffwechselung
ausgeschieden werden, können in den abführenden Gallenwegen und im
Intestinum erneut resorbiert bzw. damit "bioverfügbar" werden (in der
Regel durch Dekonjugation: s. Biotransformation Phase II).
Entwöhnung
Syn.: Entziehung, unter Entwöhnung versteht man eine planmäßige, meist
klinisch geführte langsame Dosisreduzierung unter Vermeidung einer
® Entzugssymptomatik.
Entzugssymptomatik
Die bei abruptem Absetzen nach repetierter oder chronischer Gabe von
Wirkstoffen (Beispiel Opioide) oder partielle oder komplette
Antagonisierung von repetiert oder chronisch verabreichten Wirkstoffen
auftretende psychische und somatische Symptomatik, die sich als
lebensgefährliche Entzugskrisen (auch unter Narkose: bzw.
sog. "Turboentzug") mit komplettem Auseinanderfallen von vitalen
autonomen Regulationen (Herzkreislauf etc.) manifestieren kann.
E-Nummer
Symbol im Nahrungsmittelzutatenverzeichnis der EWG; s. auch
Hilfsstoffe von Arzneimitteln.
Enzyme
griech. en zyme: in der Hefe. Metabotropische Körpereiweiße, die als
Biokatalysatoren (Oxidoreduktasen, Transferasen, Hydrolasen, Lyasen,
Isomerasen, Ligasen ) v. a. Stoffwechselvorgänge steuern. Erste
Forschungen betreffen Hefegärungsvorgänge; sie gehen auf Justus von
Liebig (1803--1873), Theodor ® Schwann
(1810--1882) und Charles Cagniard-Latour (1777--1859) zurück. Moritz
Traube (1826--1894) erkannte die Bedeutung von Enzymen als universelle
Stoffwechselkatalysatoren. Der Begriff Katalysator wurde 1836 durch J.J.
Berzelius (1779--1848) eingeführt. Die Gruppe der Hydrolasen, zu denen
die Esterasen, Glykosidasen sowie Proteasen gezählt werden, werden u. a.
von Wolf u. Benitez seit 1960 als unspezifische Immunmodulatoren
(Rheumatologie, Traumatologie etc.) eingesetzt. Erste Anwendung als
Schmerzmitteladjuvans bei Operationen durch Hoernecke und Doenicke 1993.
Kein eigentlicher Durchbruch (Fehlen von "harten" Daten).
EORTC
Engl. Abk. für European Organization for Research and Treatment of Cancer.
EP
Abk. für evozierte Potentiale: auslösbare, ereigniskorrelierte Potentiale
auf sensorische Reizung (Nerven, Bahnen oder Kerngebiete) in den
entsprechenden zentralen Projektionsarealen (somatisch evozierte
Potentiale [SEP] in den somatosensorischen Rindenarealen). Diese SEP
können in primär und sekundär evozierte Potentiale eingeteilt werden;
die primär evozierten Potentiale sind nur im umschriebenen
entsprechenden Kortexbereich abzuleiten, die sekundär evozierten
Potentiale im ausgedehnten Kortexbereich. Akustisch bzw. optisch
auslösbare EP werden akustisch evozierte Potentiale (AEP) bzw. visuell
evozierte Potentiale (VEP) gennant. Die Messung evozierter Potentiale
zur Quantifizierung von physiologischen Schmerzkorrelaten spielt in der
Schmerzforschung eine große Rolle. Die ersten experimentell evozierten
Potentiale wurden 1933 durch Ralph Waldo Gerard beschrieben.
Ephapse
Die pathologische Verbindung zwischen zwei erregungsleitenden Fasern,
wahrscheinlich nach Markscheidenschädigung gehäuft auftretend
(Arvanitaki).
Epibatidin
Ein von einer südamerikanischen Froschart isolierter Stoff mit extrem
starker antinozizeptiver Wirkung -- über zentrale Nikotinrezeptoren
vermittelt; in vorklinischer Prüfung werden synthetische
Epibatidinderivate getestet (z. B. ABT-594).
Epiduralanästhesie
Syn.: Extraduralanästhesie, Applikation von Lokalanästhetika in das
Epiduralkompartiment.
Epiduroskopie
Die minimalinvasive Explorierung des Epiduralraumes mittels Fiberskop zu
diagnostischen, aber auch therapeutischen (Beispiel: Adhäsiolyse bei
Befall von Spinalnerven) Zwecken.
epikritisch
griech. Präfix für "auf", "über", "oberhalb", epikritische Schmerzen:
exakt erkennbare Schmerzen (vgl. protopathische Schmerzen).
EPSP
engl. Abk. für "excitatory-post-synaptic-potentials", erste Arbeiten über
EPSP gehen auf ® Eccles zurück.
Depolarisation (Glutamat etc.); Gegenteil: IPSP
"inhibitory-postsynaptic-potentials" (s. Hyperpolarisation,
GABA-System). Die exzitatorischen postsynaptischen Potentiale können
beschrieben werden als lokaler postsynaptischer Potentialunterschied
(Zweitafferenz) durch exzitatorische synaptische Impulse. Summieren sich
diese Potentiale zu einem gewissen Grenzwert, kann im Zweitneuron ein
Aktionspotential ausgelöst werden.
Epstein, H.G. (Lebensdaten konnten nicht aufgefunden werden!)
Berliner Flüchtling vor Naziterror, wesentlich mitbeteiligt an der
Entwicklung des "Epstein-Macintosh-Oxford-Vaporizers", der später zur
leicht transportablen (für die Feldanästhesie, u. a. "flying doctors" in
Ostafrika; 1976 Eritreakrieg etc.!) universell verwendbaren
Narkosemaschine EMO. weiterentwickelt wurde; Epstein u. Macintosh,
1941).
Erlanger, Joseph (San Francisco 1874--1965)
Chemie- (UC) und Medizinstudium (Johns Hopkins, 1899). Professor für
Physiologie Washington-Universität, St. Louis. 1922 zusammen mit
® Gasser elektrophysiologische Studien
(Kathodenstrahloszillograph, Spygmomanometrie etc.) über
Nervenpotentiale. 1944 mit Gasser Nobelpreis.
Erythromelalgie (nach Silas Weir ® Mitchell
1878)
Kommt als primäre Form beim Kind, als sekundäre Form beim Erwachsenen (im
Zusammenhang mit systemischen Erkrankungen des Knochenmarks wie
essentieller Thrombozytose und Polycythaemia vera) vor, charakterisiert
durch ein plantares-palmares Erythem mit stechend-brennenden
lokalisierten Schmerzen sowie Temperaturerhöhung.
Erythroprosopalgie
Alte Bezeichnung für Clusterkopfschmerz (®
Bing- bzw. Horton-Syndrom); s. auch Raeder-Syndrom.
Erythrothermie
Syn.: Mitchell-Syndrom.
ESES
Abk. für epidurale spinale Elektrostimulation.
ESRA
engl. Abk. für European Society of Regional Anaesthesia (1982,
Edinburgh).
Etorphin
Immobilon, von ® P.A.J. Janssen für die
Grosswild-Analgesie- und Anästhesie konzipiertes superpotentes Opioid,
durch Diprenorphin spezifisch antagonisierbar.
Euler-Chelpin, Ulf Svante von (Stockholm 1905*)
Sohn von H.K.A.S. ® Euler-Chelpin. 1970
(zusammen mit Bernard ® Katz und Julius
® Axelrod) Nobelpreis für Medizin in
Zusammenhang mit seiner Entdeckung der Transmitterfunktion des
Noradrenalins. Von Euler hat in den Dreißiger Jahren am Stockholmer
Karolinska Institutet aus der Samenflüssigkeit (und nicht
Prostataflüssigkeit, wie es die historische Namengebung vermuten ließe)
aktive Substanzen isoliert, die als Fettsäuren glatte Muskelzellen
kontraktieren und relaxieren vermochten. Später konnten
® Prostaglandine unterschieden werden (PGE
und PGF, E steht für Äther (Ether, engl. )-Phase, F für Phosphat
(Fosfat, schwed.) = historische Lösungseigenschaften, die mit der Klinik
nichts zu tun haben. Die heutigen Zusatzbezeichnungen
a
sowie Zahlenbezeichnung bezieht sich auf die Stereokonfiguration sowie die
Anzahl der Doppelbindungen.
Euler-Chelpin, Hans Karl August Simon (Augsburg 1873--1964 Stockholm)
Anfänglich Akademie der Künste und Malerei bei Lenbach! Fasziniert durch
Farben, Farbenspektrum usw. Eingang in die Welt der Wissenschaft;
Treffen mit Warburg, Nernst, Planck, Fischer etc. Nobelpreis für Chemie
(Zuckerfermentierung, Fermentenzyme).
Euphorie
Zustand des unkritischen Wohlbehagens; u. a. typische Nebenwirkung von
Morphin.
Euthanasie
griech. "schöner Tod", Syn. Sterbehilfe; therapeutische Auseinandersetzung
mit Leiden und Tod. Francis Bacon postulierte die Begleitung Sterbender
als noble Aufgabe des Arztes (1605). Hufeland beschrieb eine ähnliche
Haltung mit seiner Opiumtherapie. Die klassische (und naive) Idee des
"schönen (?) Todes" wurde später deformiert -- unter dem Einfluss der
Ideen von T.R. Malthus (1766--1834) bzw. Malthusismus, Darwin
(1809--1882) bzw. Darwinismus, Morel (1809--1873), Häckels
Sozialdarwinismus (1834--1919), Kräpelin (1856--1926) etc. -- etwa durch
die Schrift von Binding (1841--1920) und ®
Hoche über die Freigabe der Vernichtung "lebensunwerten Lebens" (1920),
neuerdings aktualisiert durch Peter Singer (1994) und viele andere. Die
nationalsozialistische Revolution (ab 1933) führte eine entartete Form
der Euthanasie im sog. Tötungsprogrammen durch. Ab 1939 wurde das Fach
"Rassenkunde und Rassenhygiene" an allen deutschen Medizinfakultäten
eingeführt. Als aktive Euthanasie wird die aktive Herbeiführung des
Todes, als passive Euthanasie das Abbrechen intensivtherapeutischer
Massnahmen bezeichnet. Eine andere Einteilung unterscheidet eine
Euthanasie ohne Lebensverkürzung oder echte Sterbehilfe von einer
Euthanasie mit Lebensverkürzung oder Sterbenachhilfe, die ihrerseits
unterteilt wird in Sterbenachhilfe mit Verzicht auf künstliche
Lebensverlängerung, indirekte Euthanasie mit eventualer durch Verzicht
auf künstliche Lebensverlängerung herbeigeführten Lebensverkürzung sowie
direkte Euthanasie mit bewusster Verkürzung des Lebens. Die moderne
Euthanasiedefinition meint, dass sie die Vernichtung von "lebensunwertem
Leben" (Nazijargon) a priori ausschliessen kann. Nach Meinung des
Herausgebers soll der historisch deformierte Begriff "Euthanasie"
endgültig nur für alle Arten "aktiver" Sterbehilfe gebraucht werden. Der
oben zitierte Begriff der sogenannten "passiven" Euthanasie kann durch
den historisch und politisch unbelasteten Begriff "palliative Therapie"
ersetzt werden. Wird bei einen Patienten mit inkurabler invasiver
Krebserkrankung des Kopfes palliativ Schmerzen, Nausea und Emesis und
Angst adäquat behandelt, kommt dies immer einem Verzicht auf künstliche
Lebensverlängerung bzw. Lebensverkürzung ("Sterbehilfe") gleich. Diese
palliative Therapie soll nicht noch durch Verpolitisierungen oder
heuchlerischen Verschönerungen ("Sterbehilfe") erschwert werden, wie es
die hypokritischen Diskussionen um "aktive oder passive Euthanasie" in
Holland oder Oregon gebracht haben. Bei den modernen Formen von
Sterbehilfe fällt auf, dass an vorderster Front Pathologen (Oregon:
Kevorkian) oder Präventivmediziner und Pfarrherren (Schweiz: Schär,
Kriesi, Sigg) tätig sind, aber keine klinisch tätigen Ärzte, geschweige
Algesiologen.
EVKA
Abk. für Europäische Vereinigung der Krankenhausapotheker. Gibt u. a.
Richtlinien für Erstellung von Standardinformationen über Arzneimittel
heraus.
evozierte Hirnpotentiale
In Schmerzforschung, Klinik, perioperatives Monitoring, durch Stimuli
auslösbare Nervenpotentiale; sie können durch somatosensorische,
auditive oder visuelle Nervenreize ausgelöst werden und dann im zu
untersuchenden Transmissionsbereich (Kortex: EEG) des Nervensystems
abgegriffen und analysiert werden. Die durch den Reiz ausgelöste
elektrophysiologische Antwort kann innerhalb einer gewissen Latenzzeit
(ms) als wellenförmige Potentialveränderung aufgezeichnet werden (und
z. B. als Monitoring in Anästhesiologie und Neurochirurgie dienen).
Exkretion
Die Ausscheidung eines Wirkstoffes und seiner (aktiven, nichtaktiven)
Metaboliten über Exkretionswege (Niere, Galle, Muttermilch, Atemwege,
Schweiß, Speichel etc.).
Extracta fluida
Fluidextrakte.
Extracta
Syn.: Extrakte, konzentrierte, auf einen bestimmten Wirkungswert
eingestellte Zubereitungen aus frischen oder getrockneten
Arzneipflanzen: Extracta fluida (Fluidextrakte), Extracta sicca
(Trockenextrakte), Extracta spissa (flüssigdicke Extrakte).
Extraktionsmittel
Pharm. Menstruum, Lösungsmittel.
extrapyramidales System
Vorwiegend myostatisches System für unbewusste Motorik. Vereinfacht 3
Systeme: phylogenetisch junge motorische Rindenfelder und subkortikale
Kerne sowie phylogenetisch älterer Koordinationsapparat der Formatio
reticularis.
exzentrische Projektion
Durch Reizung sensibler Nervenfasern oder Zentralorgane Projektion von
beispielsweise Schmerzen an das periphere Ende der gereizten Nerven.
Versuch, Phantomschmerzen zu deuten.
Exzitationsstadium
Nach ® Guedel definiertes Erregungsstadium 2
bei Narkoseinduktion per inhalationem.
Exzitotoxizität
Durch Überstimulation von Rezeptoren exzitatorischer Neurotransmitter
(® Glutamat) induzierbare "Vergiftung" von
Nervenzellen; sie wird erklärt durch die massenhafte Stimulation von
ionotropischen Kanalrezeptoren, die zu einem toxischen Influx von Ionen
(®
Kalziumtoxizität) führt. Gründe für eine durch exzitatorische Transmitter
induzierte Nervenzelltoxizität können sein: Versagen des
"Glutamat-re-up-take" durch Astrozyten (vorgeschädigt z. B. durch
Hypoxie), durch pathologische Ionenverhältnisse in der extrazellulären
Flüssigkeit, erhöhte präsynaptische Glutamatfreisetzung etc.
Quelle: Glossar
zum "Handbuch
der Schmerztherapie" (Hsg.: Herman Hans
Waldvogel), gewidmet Ernst von der Porten, einem der Wegbereiter der
moderenen Schmerztherapie. Ernst von der Porten wurde von der Gestapo,
gemeinsam mit seiner Frau, im "freien Teil Frankreichs" in den Tod
getrieben.
- Weitere Informationen zum
Buch
-
Bestellen
haGalil onLine 14-10-2001
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