Klinische Pharmakologie / Psychopharmakologie

 
 

 
 

Lexikon zur Schmerzmedizin

EAA
engl. Abk. für "excitatory amino acids" (® exzitatorische Neurotransmitter:® Glutamat, Aspartat): Zielrezeptoren sind ionotrope Glutamatrezeptoren (iGlu-R sind AMPA-, KAINAT-, NMDA-Rezeptoren) oder metabotrope Glutamatrezeptoren (mGlu-R 1--8). Ionotrope Rezeptoren sind ultraschnelle Ionenkanalsysteme, wogegen metabotrope Rezeptoren langsamere, intrazelluläre Systeme beeinflussen (zyklische Nukleotide etc.).

Eagle-Syndrom
Kopfschmerzsyndrom (Syn. Processus-styloideus-Syndrom) für längeranhaltende, einseitige Schmerzen im Schlund- und Rachenbereich mit Dysästhesien im Rachen sowie Schluck- und Geschmacksstörungen etc.

Eccles, Sir John C. (Melbourne 1903--1997 Locarno)
australischer Physiologe, Nobelpreis 1963 für Medizin und Physiologie für die Entdeckung ionischer Mechanismen der neuralen Signalübertragung (zusammen mit A.L.Hodgkin und A.F. Huxley). Doktorand bei Nobelpreisträger ® Sir Charles Sherrington. Schrieb mit W. C. Gibson 1979 das Buch: "Sherrington – his life and thought". Arbeiten über synaptischen Informationsaustausch. Befreundet mit Karl Popper, mit dem er über das Leib-Seele-Verhältnis philosophierte und in verschiedenen Büchern darstellte, so u. a.: "The self and its brain -- an argument for interactionism (1977; dt. Piperausgabe: "Das Ich und sein Hirn"). Schüler von Eccles ist u. a. der bedeutende zeitgenössische dt. Physiologe ® Robert F. Schmidt (Würzburg).

Economo von San Serff, Konstantin (1876--1931)
bdt. Triester Physiologe griech. Abstammung; Arbeiten u. a. über Evolutionsprinzipien des ZNS.

Ecstasy
Syn.: Adam, MDMA (Abk. für Methylen-dioxy-methamphetamin), 1914 von der Fa. Merck patentierter Wirkstoff (ursprünglich Appetitzügler). Wegen psychotropen UAW u. a. als sog. Wahrheitsdroge (1953 USA-Armee) experimentell, später 1965 durch den Biochemiker A. Sulgin als psychotroper Stoff (Slang: Adam) versuchsweise u. a. in der Psychotherapie eingesetzt; 1985 als schädliche und suchterzeugende Substanz ohne medizinische Anwendung (USA) klassiert.

ED
dt. Abk. für Einzeldosis.

ED
engl. Abk. für "effective dosis".

Edinger, Ludwig (1855--1918)
bdt. dt. Neurologe, Begründer der modernen Neuroanatomie. Beschrieb den nach ihm benannten Edinger-Westphal-Kern (1885) sowie die Edinger-Bahn.

Edinger-Bahn
Tractus spino-thalamicus.

Edinger-Westphal-Kern
Nach Ludwig ® Edinger und Alexander Westphal benannter paariger autonomer Lateralkern des N. oculomotorius (III); mit dem Ganglion ciliare verbunden, dessen postganglionäre parasympathischen Fasern die inneren Augenmuskeln innervieren (Mm. ciliaris, sphincter pupillae).

Edmonton-Symptom-Assessment-System
Abk. ESAS, von Bruera et al. 1991 vorgestellte einfache Erhebungsmethode in der Palliativmedizin, ermittelt durch die Summe von 8 Messungen mittels VAS (Patienten-, Familienmitglied- oder Pflegerpersonalerhebung) von Schmerz, Aktivität, Übelkeit, Depression, Angst, Benommenheitszustand, Appetit, Wohlbefinden).

EEG
Abk. von Elektroenzephalographie; Aufzeichnung von, unter Spontanbedingungen oder provoziert (äußere Reize), elektrischen durch Hirnaktivität bedingten mittels Kopfhautelektroden (oder direkt auf Hirnoberfläche in der Experimentalneurologie) aufgenommenen Potenzialveränderungen. ® Berger, Hans. Die elektrische Aktivität eines Hirns wurde zum ersten Mal am Kaninchen durch den Liverpooler Physiologen R. Caton 1875 nachgewiesen. Die moderne Datentechnik erlaubt eine Quantifizierung einzelner Ableitungskurven sowie deren Verarbeitung (z. B. Beziehungen zwischen den einzelnen Kurvenverläufe). Heutzutage kann das EEG praxisgerechter als klinisches perioperatives Monitoriung eingesetzt werden. EEG-Korrelate können als sog. Closed-loop-control-Parameter in die Technik der TCI eingebaut werden.

Efferenzen
Zentrifugale (vom Zentrum weggehende, "ausführende") Nerven.

EGF
engl. Abk. für: Epidermal growth factor.

Ehrlich, Paul (1854--1915)
Begründer der Chemotherapie und Immunologe, mit Elie Metchnikoff (1845--1916) Nobelpreis 1908 für Medizin und Physiologie (Immunologie).

"Mein therapeutisches Programm besteht darin von Substanzen mit gewisser Wirksamkeit Homologe und Derivate der verschiedensten Art darzustellen. Jede auf ihre Wirkung zu prüfen und, auf den so erhaltenen Resultaten fussend, zu versuchen, zu immer optimaleren Heilkörpern zu gelangen. Das heißt, also zielen lernen, und zielen lernen durch chemische Variation."

Eichengrün, Arthur (Aachen 1867--1949)
Studium der Chemie in Aachen und Berlin; danach Mitarbeiter von Böhringer und Sohn (Ingelheim), Balzer und Marquardt. Durch Carl Duisberg zum Aufbau und zur Leitung der Bayer-Werke nach Elberfeld gerufen (1896). 1900 Abteilungsvorstand des pharmazeutisch-wissenschaftlichen Labors in Elberfeld (Hoffmann war 1899 als Abteilungsvorstand der pharmazeutisch-kaufmännischen Abteilung eingesetzt worden). Verließ Bayer 1908; als Jude ins KZ Theresienstadt deportiert, wo er u. a. auch biographische Aufzeichnungen schrieb: in diesen bezeichnet sich Arthur Eichengrün als Initiator einer Acetylierungstechnik von Aspirin (unbefriedigende ASS-Synthesen [teilweise unstabile, teilweise unreine Syntheseprodukte] wurden schon 1853 durch Charles Frédéric Gerhart und 1869 durch Johann Kraut für die von Heyden-Werke durchgeführt) und beschrieb, wie er entgegen der Meinung des Bayer-Prüfers Prof. Heinrich ® Dreser (Darmstadt 1860--1924), der Aspirin anfänglich für wertlos hielt (später aber im in der chemischen Abteilung des Deutschen Museums München als Miterfinder genannt wurde und 1899 eine Lizenz von Bayer für Aspirin erhielt), den Wirkstoff zu klinischen Prüfungen - entgegen der Meinung Dresers - u. a. auch an Dr. Felix Goldmann in Berlin weitergab. Nach Eichengrün soll Goldmann das Präparat auch einem an Rheumatismus leidenden Zahnarzt gegeben haben, der es eines Tages an einem an heftigen Zahnschmerzen leidenden Patienten mit schlagendem Erfolg ausprobierte: "Durch diesen Zufall wurde die wichtigste Eigenschaft des Aspirins, das Schmerzstillvermögen, entdeckt" (Die Pharmazie 1949; Heft 1, S. 582). Aufgrund der ungenügenden historischen Verarbeitung wird heute die Rolle von Eichengrün bestritten.

Eikosanoide
griech. eikosa = 20, Derivate aus essentiellen Fettsäuren mit 20 C-Atomen und mehreren Doppelbindungen. Beim Menschen steht die ® Arachidonsäure als wichtigste Vorstufe der Eikosanoide im Vordergrund. Sie ist in Pflanzennahrung aber auch in Fleisch vorhanden. Die Arachidonsäure wird vom Organismus verestert und in (phospholipidhaltigen) Biomembranen eingelagert. Bei physikalischer, chemischer oder hormonaler Stimulation wird enzymatisch Arachidonsäure freigesetzt, die ihrerseits in der Folge diversen kaskadenartige Reaktionen enzymatisch mit Bildung von biologisch aktiven Prostanoiden induziert. Der Abbauweg über die Arachidonsäure erfolgt über 3 prinzipielle Wege: 1. Cyclooxygenase ( ® COX–1 und COX-2, auch Prostaglandin-Synthase, PGHS) mit Bildung von Endoperoxiden (PGG/H), die dann zu ® Prostaglandinen (PG) und ® Thromboxanen (TX) abgebaut werden. 2. Lipoxygenase-Abbauweg (LOX) mit Bildung von Hydroperoxyeicosatetraensäuren (HpETE), welche dann zu ® Leukotrienen (LTs), Hepoxilinen (HXs), Trioxilinen und Lipoxinen transformiert werden und 3. ein nichtenzymatischer Weg über das Cytochromp-450-System, katalysiert mit Bildung verschiedenster Fettsäuren sowie Leukotoxinen. Hirnzellen sind imstande, ® Arachidonsäure in Arachidonylethanolamid (Anandamid) zu konvertieren (s. auch: ® Endocannabinoide, Cannaboidrezeptoren).

Einthoven, Wilhelm (1860--1927)
holl. Entdecker des EKG. Nobelpreis 1924.

Eiweißbindung
die Bindung von Wirkstoffen an Plasmaproteine, in der Regel binden saure Moleküle an Albumine, basische an (saure) a1-Glykoproteine oder Lipoproteine. Bei gleichzeitiger Gabe von Wirkstoffen mit hoher Eiweißbindung kommt es zu einer Kompetition mit der Folge, dass eines der Wirkstoffe aus der Bindung kompetitiv verdrängt wird (Resultat: höhere freie Fraktion = verstärkte Wirkung oder Elimination; siehe Interaktionen).

EKP
Abk. für ereigniskorrelierte Hirnpotentiale. EKP sind elektrokortikale Potentiale bzw. ZNS-Antworten auf sensorische, motorische und psychische Ereignisse; da sie gegenüber dem Spontan-EEG von kleinerer Amplitude sind, müssen sie mit sog. Mittelungstechniken sichtbar gemacht werden.

Elsholtz, J.S. (1623--1688)
Narkotisierte einen Hund 1665 mit i.v.-Gabe von Opium (wahrscheinlich unter dem Eindruck entsprechender Experimente durch Sir Christopher Wren und William Harvey).

EMLA
engl. Abk. für "eutectic mixture of local anaesthetics". Prilocain- oder lidocainenthaltende topische Emulsion (pharmazeutisch: Eutektikum); für Hautpunktionen insbesondere bei Kindern geeignet. Nachteil: braucht okklusiven Verband sowie Zeitaufwand (> 60 min). S auch: ® iontophoretische Anwendung.

EMO
Abk. für ® Epstein-Macintosh-Oxford-Vaporizer (einem heute noch in der 3. Welt -- z.B: "flying doctors" etc. -- eingesetzten, robusten, handlichen Narkosegerät (Ätherverdampfer).

EMO
Abk. für "Esterase-metabolized-opioids" (s. Remifentanil).

Emulsiones
Syn.: Emulsionen: disperses System aus 2 nicht mischbaren Vehikeln.

Enantiomer
Syn.: Stereoisomer. Wird ein Molekül mit einem asymmetrischen C-Atom auf eine Papierebene projiziert (sog. Fischer-Projektion), kennzeichnen die waagrechten Bindestriche die vor der Papierebene, die senkrechten Bindestriche die hinter der Papierebene sich befindlichen Atome bzw. Liganden. Bild und Spiegelbild sind nicht deckungsgleich. Das Drehen des polarisierten Lichtes nach rechts im Uhrzeigersinn wird mit dem Präfix (+), nach links mit (-) gekennzeichnet. Die bei der Fischerschen Projektionseinteilung benutzten Präfixe D (für dexter, lat. rechts) und L (laevus, lat. links) haben mit der Drehrichtung des polarisierten Lichtes nichts zu tun. Wegen dieser Zweideutigkeit wird heute für Enantiomere die sog. RS-Nomenklatur (Cahn, Ingold, Prelog 1951) vorgezogen. Hier wird das asymmetrische Bezugsatom so gedreht, bis sein niedrigster Ligand nach hinten zu liegen kommt. Danach werden die zusätzlichen Liganden des asymmetrischen C-Atoms, nach gewissen Prioritätsgesetzen, im Uhrzeigersinn numeriert. Bei gleichen Molekülen werden anhand der Konfiguration (Position in Bezug auf asymmetrisches Bezugsatom C) mit der Zusatzbezeichnung R, S, Cis oder Trans die Enantiomere bezeichnet.

Endoanästhesie
Durch Zipf 1953 vorgeschlagene Bezeichnung der Technik, durch systemische Lokalanästhesie Analgesie hervorzurufen.

Endocannabinoide
Endogene Cannabinoide (Neurotransmitter, ZNS, Nozizeption, putativ: hormonale Wirkungen im kardiovaskulären System). Prototyp ist Anandamid (ein Abkömmling der Arachidonsäure), das offenbar durch Endothelzellen synthetisiert wird.

endogene EKP
Abk. für Ereignis-kontrollierte-Potentiale, die nach einer gewissen Zeitspanne (> 60 ms) nach sensorieller Reizung im EEG abgreifbaren ereigniskorrelierten Hirnpotentiale, die nicht mehr überwiegend nach erfolgter Reizung als EP (sog. exogene Komponenten), sondern nach weiterer zentraler Reizverarbeitung auftretenden EEG-Potentialänderungen (also exogene und endogene Komponenten integrierend).

endogene Opioide
Bislang sind 3 Gruppen von endogenen Peptiden mit Affinität zu Opioidrezeptoren identifiziert worden: 1. ® Enkephaline (® Hughes und ® Kosterlitz), 2. ® Endorphine, Proopiomelanocortin-(POMC-)Familie (Smythe und Li) und 3. Dynorphinfamilie (® Goldstein). Gemeinsam haben sie die Aminosäurensequenz Tyr-Gly-Gly-Phe eigen. Die Vorläufer dieser Opioidpeptide sind entsprechend 1. Proenkephalin, 2. Proopiomelanocortin (POMC, Vorläufer für 1. Endorphine, 2. melanozytenstimulierendes Hormon (MSN) und 3. ACTH) sowie 3. Prodynorphin. Die endogenen Opioide sind im ZNS v. a. im Bereich PAG (Enkephalin, Dynorphin), rostroventrale Medulla sowie Rückenmark (HH) konzentriert.

Endorphine
Endogene Opioidpeptidfamilie (a-Endorphin: 16 Aminosäuren [AS]; b-Endorphin: 31 AS; g-Endorphin 17 AS; s-Endorphin 27 AS).

endogene Oszillatoren
Neuronale zentrale sog. innere Uhren: s. auch circadianer Rhythmus.

Endotheline
1988 entdeckte, u. a. vom Gefäßendothel synthetisierte und freigesetzte, Peptidfamilie (Endothelin 1, 2, 3; 21 Aminosäuren), die als potente Vasokonstriktoren u. a. die Gewebeperfusion beeinflussen, aber auch als pronozizeptive Substanzen in der Schmerzforschung geprüft werden.

enterohepatischer Zyklus
Engl. "enterohepatic recirculation", Wirkstoffe oder deren aktive Metaboliten, die biliär nach hepatischer Verstoffwechselung ausgeschieden werden, können in den abführenden Gallenwegen und im Intestinum erneut resorbiert bzw. damit "bioverfügbar" werden (in der Regel durch Dekonjugation: s. Biotransformation Phase II).

Entwöhnung
Syn.: Entziehung, unter Entwöhnung versteht man eine planmäßige, meist klinisch geführte langsame Dosisreduzierung unter Vermeidung einer ® Entzugssymptomatik.

Entzugssymptomatik
Die bei abruptem Absetzen nach repetierter oder chronischer Gabe von Wirkstoffen (Beispiel Opioide) oder partielle oder komplette Antagonisierung von repetiert oder chronisch verabreichten Wirkstoffen auftretende psychische und somatische Symptomatik, die sich als lebensgefährliche Entzugskrisen (auch unter Narkose: bzw. sog. "Turboentzug") mit komplettem Auseinanderfallen von vitalen autonomen Regulationen (Herzkreislauf etc.) manifestieren kann.

E-Nummer
Symbol im Nahrungsmittelzutatenverzeichnis der EWG; s. auch Hilfsstoffe von Arzneimitteln.

Enzyme
griech. en zyme: in der Hefe. Metabotropische Körpereiweiße, die als Biokatalysatoren (Oxidoreduktasen, Transferasen, Hydrolasen, Lyasen, Isomerasen, Ligasen ) v. a. Stoffwechselvorgänge steuern. Erste Forschungen betreffen Hefegärungsvorgänge; sie gehen auf Justus von Liebig (1803--1873), Theodor ® Schwann (1810--1882) und Charles Cagniard-Latour (1777--1859) zurück. Moritz Traube (1826--1894) erkannte die Bedeutung von Enzymen als universelle Stoffwechselkatalysatoren. Der Begriff Katalysator wurde 1836 durch J.J. Berzelius (1779--1848) eingeführt. Die Gruppe der Hydrolasen, zu denen die Esterasen, Glykosidasen sowie Proteasen gezählt werden, werden u. a. von Wolf u. Benitez seit 1960 als unspezifische Immunmodulatoren (Rheumatologie, Traumatologie etc.) eingesetzt. Erste Anwendung als Schmerzmitteladjuvans bei Operationen durch Hoernecke und Doenicke 1993. Kein eigentlicher Durchbruch (Fehlen von "harten" Daten).

EORTC
Engl. Abk. für European Organization for Research and Treatment of Cancer.

EP
Abk. für evozierte Potentiale: auslösbare, ereigniskorrelierte Potentiale auf sensorische Reizung (Nerven, Bahnen oder Kerngebiete) in den entsprechenden zentralen Projektionsarealen (somatisch evozierte Potentiale [SEP] in den somatosensorischen Rindenarealen). Diese SEP können in primär und sekundär evozierte Potentiale eingeteilt werden; die primär evozierten Potentiale sind nur im umschriebenen entsprechenden Kortexbereich abzuleiten, die sekundär evozierten Potentiale im ausgedehnten Kortexbereich. Akustisch bzw. optisch auslösbare EP werden akustisch evozierte Potentiale (AEP) bzw. visuell evozierte Potentiale (VEP) gennant. Die Messung evozierter Potentiale zur Quantifizierung von physiologischen Schmerzkorrelaten spielt in der Schmerzforschung eine große Rolle. Die ersten experimentell evozierten Potentiale wurden 1933 durch Ralph Waldo Gerard beschrieben.

Ephapse
Die pathologische Verbindung zwischen zwei erregungsleitenden Fasern, wahrscheinlich nach Markscheidenschädigung gehäuft auftretend (Arvanitaki).

Epibatidin
Ein von einer südamerikanischen Froschart isolierter Stoff mit extrem starker antinozizeptiver Wirkung -- über zentrale Nikotinrezeptoren vermittelt; in vorklinischer Prüfung werden synthetische Epibatidinderivate getestet (z. B. ABT-594).

Epiduralanästhesie
Syn.: Extraduralanästhesie, Applikation von Lokalanästhetika in das Epiduralkompartiment.

Epiduroskopie
Die minimalinvasive Explorierung des Epiduralraumes mittels Fiberskop zu diagnostischen, aber auch therapeutischen (Beispiel: Adhäsiolyse bei Befall von Spinalnerven) Zwecken.

epikritisch
griech. Präfix für "auf", "über", "oberhalb", epikritische Schmerzen: exakt erkennbare Schmerzen (vgl. protopathische Schmerzen).

EPSP
engl. Abk. für "excitatory-post-synaptic-potentials", erste Arbeiten über EPSP gehen auf ® Eccles zurück. Depolarisation (Glutamat etc.); Gegenteil: IPSP "inhibitory-postsynaptic-potentials" (s. Hyperpolarisation, GABA-System). Die exzitatorischen postsynaptischen Potentiale können beschrieben werden als lokaler postsynaptischer Potentialunterschied (Zweitafferenz) durch exzitatorische synaptische Impulse. Summieren sich diese Potentiale zu einem gewissen Grenzwert, kann im Zweitneuron ein Aktionspotential ausgelöst werden.

Epstein, H.G. (Lebensdaten konnten nicht aufgefunden werden!)
Berliner Flüchtling vor Naziterror, wesentlich mitbeteiligt an der Entwicklung des "Epstein-Macintosh-Oxford-Vaporizers", der später zur leicht transportablen (für die Feldanästhesie, u. a. "flying doctors" in Ostafrika; 1976 Eritreakrieg etc.!) universell verwendbaren Narkosemaschine EMO. weiterentwickelt wurde; Epstein u. Macintosh, 1941).

Erlanger, Joseph (San Francisco 1874--1965)
Chemie- (UC) und Medizinstudium (Johns Hopkins, 1899). Professor für Physiologie Washington-Universität, St. Louis. 1922 zusammen mit ® Gasser elektrophysiologische Studien (Kathodenstrahloszillograph, Spygmomanometrie etc.) über Nervenpotentiale. 1944 mit Gasser Nobelpreis.

Erythromelalgie (nach Silas Weir ® Mitchell 1878)
Kommt als primäre Form beim Kind, als sekundäre Form beim Erwachsenen (im Zusammenhang mit systemischen Erkrankungen des Knochenmarks wie essentieller Thrombozytose und Polycythaemia vera) vor, charakterisiert durch ein plantares-palmares Erythem mit stechend-brennenden lokalisierten Schmerzen sowie Temperaturerhöhung.

Erythroprosopalgie
Alte Bezeichnung für Clusterkopfschmerz (® Bing- bzw. Horton-Syndrom); s. auch Raeder-Syndrom.

Erythrothermie
Syn.: Mitchell-Syndrom.

ESES
Abk. für epidurale spinale Elektrostimulation.

ESRA
engl. Abk. für European Society of Regional Anaesthesia (1982, Edinburgh).

Etorphin
Immobilon, von ® P.A.J. Janssen für die Grosswild-Analgesie- und Anästhesie konzipiertes superpotentes Opioid, durch Diprenorphin spezifisch antagonisierbar.

Euler-Chelpin, Ulf Svante von (Stockholm 1905*)
Sohn von H.K.A.S. ® Euler-Chelpin. 1970 (zusammen mit Bernard ® Katz und Julius ® Axelrod) Nobelpreis für Medizin in Zusammenhang mit seiner Entdeckung der Transmitterfunktion des Noradrenalins. Von Euler hat in den Dreißiger Jahren am Stockholmer Karolinska Institutet aus der Samenflüssigkeit (und nicht Prostataflüssigkeit, wie es die historische Namengebung vermuten ließe) aktive Substanzen isoliert, die als Fettsäuren glatte Muskelzellen kontraktieren und relaxieren vermochten. Später konnten ® Prostaglandine unterschieden werden (PGE und PGF, E steht für Äther (Ether, engl. )-Phase, F für Phosphat (Fosfat, schwed.) = historische Lösungseigenschaften, die mit der Klinik nichts zu tun haben. Die heutigen Zusatzbezeichnungen a sowie Zahlenbezeichnung bezieht sich auf die Stereokonfiguration sowie die Anzahl der Doppelbindungen.

Euler-Chelpin, Hans Karl August Simon (Augsburg 1873--1964 Stockholm)
Anfänglich Akademie der Künste und Malerei bei Lenbach! Fasziniert durch Farben, Farbenspektrum usw. Eingang in die Welt der Wissenschaft; Treffen mit Warburg, Nernst, Planck, Fischer etc. Nobelpreis für Chemie (Zuckerfermentierung, Fermentenzyme).

Euphorie
Zustand des unkritischen Wohlbehagens; u. a. typische Nebenwirkung von Morphin.

Euthanasie
griech. "schöner Tod", Syn. Sterbehilfe; therapeutische Auseinandersetzung mit Leiden und Tod. Francis Bacon postulierte die Begleitung Sterbender als noble Aufgabe des Arztes (1605). Hufeland beschrieb eine ähnliche Haltung mit seiner Opiumtherapie. Die klassische (und naive) Idee des "schönen (?) Todes" wurde später deformiert -- unter dem Einfluss der Ideen von T.R. Malthus (1766--1834) bzw. Malthusismus, Darwin (1809--1882) bzw. Darwinismus, Morel (1809--1873), Häckels Sozialdarwinismus (1834--1919), Kräpelin (1856--1926) etc. -- etwa durch die Schrift von Binding (1841--1920) und ® Hoche über die Freigabe der Vernichtung "lebensunwerten Lebens" (1920), neuerdings aktualisiert durch Peter Singer (1994) und viele andere. Die nationalsozialistische Revolution (ab 1933) führte eine entartete Form der Euthanasie im sog. Tötungsprogrammen durch. Ab 1939 wurde das Fach "Rassenkunde und Rassenhygiene" an allen deutschen Medizinfakultäten eingeführt. Als aktive Euthanasie wird die aktive Herbeiführung des Todes, als passive Euthanasie das Abbrechen intensivtherapeutischer Massnahmen bezeichnet. Eine andere Einteilung unterscheidet eine Euthanasie ohne Lebensverkürzung oder echte Sterbehilfe von einer Euthanasie mit Lebensverkürzung oder Sterbenachhilfe, die ihrerseits unterteilt wird in Sterbenachhilfe mit Verzicht auf künstliche Lebensverlängerung, indirekte Euthanasie mit eventualer durch Verzicht auf künstliche Lebensverlängerung herbeigeführten Lebensverkürzung sowie direkte Euthanasie mit bewusster Verkürzung des Lebens. Die moderne Euthanasiedefinition meint, dass sie die Vernichtung von "lebensunwertem Leben" (Nazijargon) a priori ausschliessen kann. Nach Meinung des Herausgebers soll der historisch deformierte Begriff "Euthanasie" endgültig nur für alle Arten "aktiver" Sterbehilfe gebraucht werden. Der oben zitierte Begriff der sogenannten "passiven" Euthanasie kann durch den historisch und politisch unbelasteten Begriff "palliative Therapie" ersetzt werden. Wird bei einen Patienten mit inkurabler invasiver Krebserkrankung des Kopfes palliativ Schmerzen, Nausea und Emesis und Angst adäquat behandelt, kommt dies immer einem Verzicht auf künstliche Lebensverlängerung bzw. Lebensverkürzung ("Sterbehilfe") gleich. Diese palliative Therapie soll nicht noch durch Verpolitisierungen oder heuchlerischen Verschönerungen ("Sterbehilfe") erschwert werden, wie es die hypokritischen Diskussionen um "aktive oder passive Euthanasie" in Holland oder Oregon gebracht haben. Bei den modernen Formen von Sterbehilfe fällt auf, dass an vorderster Front Pathologen (Oregon: Kevorkian) oder Präventivmediziner und Pfarrherren (Schweiz: Schär, Kriesi, Sigg) tätig sind, aber keine klinisch tätigen Ärzte, geschweige Algesiologen.

EVKA
Abk. für Europäische Vereinigung der Krankenhausapotheker. Gibt u. a. Richtlinien für Erstellung von Standardinformationen über Arzneimittel heraus.

evozierte Hirnpotentiale
In Schmerzforschung, Klinik, perioperatives Monitoring, durch Stimuli auslösbare Nervenpotentiale; sie können durch somatosensorische, auditive oder visuelle Nervenreize ausgelöst werden und dann im zu untersuchenden Transmissionsbereich (Kortex: EEG) des Nervensystems abgegriffen und analysiert werden. Die durch den Reiz ausgelöste elektrophysiologische Antwort kann innerhalb einer gewissen Latenzzeit (ms) als wellenförmige Potentialveränderung aufgezeichnet werden (und z. B. als Monitoring in Anästhesiologie und Neurochirurgie dienen).

Exkretion
Die Ausscheidung eines Wirkstoffes und seiner (aktiven, nichtaktiven) Metaboliten über Exkretionswege (Niere, Galle, Muttermilch, Atemwege, Schweiß, Speichel etc.).

Extracta fluida
Fluidextrakte.

Extracta
Syn.: Extrakte, konzentrierte, auf einen bestimmten Wirkungswert eingestellte Zubereitungen aus frischen oder getrockneten Arzneipflanzen: Extracta fluida (Fluidextrakte), Extracta sicca (Trockenextrakte), Extracta spissa (flüssigdicke Extrakte).

Extraktionsmittel
Pharm. Menstruum, Lösungsmittel.

extrapyramidales System
Vorwiegend myostatisches System für unbewusste Motorik. Vereinfacht 3 Systeme: phylogenetisch junge motorische Rindenfelder und subkortikale Kerne sowie phylogenetisch älterer Koordinationsapparat der Formatio reticularis.

exzentrische Projektion
Durch Reizung sensibler Nervenfasern oder Zentralorgane Projektion von beispielsweise Schmerzen an das periphere Ende der gereizten Nerven. Versuch, Phantomschmerzen zu deuten.

Exzitationsstadium
Nach ® Guedel definiertes Erregungsstadium 2 bei Narkoseinduktion per inhalationem.

Exzitotoxizität
Durch Überstimulation von Rezeptoren exzitatorischer Neurotransmitter (® Glutamat) induzierbare "Vergiftung" von Nervenzellen; sie wird erklärt durch die massenhafte Stimulation von ionotropischen Kanalrezeptoren, die zu einem toxischen Influx von Ionen (® Kalziumtoxizität) führt. Gründe für eine durch exzitatorische Transmitter induzierte Nervenzelltoxizität können sein: Versagen des "Glutamat-re-up-take" durch Astrozyten (vorgeschädigt z. B. durch Hypoxie), durch pathologische Ionenverhältnisse in der extrazellulären Flüssigkeit, erhöhte präsynaptische Glutamatfreisetzung etc.

 

Quelle: Glossar zum "Handbuch der Schmerztherapie" (Hsg.: Herman Hans Waldvogel), gewidmet Ernst von der Porten, einem der Wegbereiter der moderenen Schmerztherapie. Ernst von der Porten wurde von der Gestapo, gemeinsam mit seiner Frau, im "freien Teil Frankreichs" in den Tod getrieben.
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haGalil onLine 14-10-2001

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