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Lexikon zur Schmerzmedizin
GAD
Abk. für Glutamat-Decarboxylase: das ®
GABA-synthetisierende Enzym.
Galaktorrhö
Pathologischer Milchfluss, s. ® UAW D1,2-Antagonisten.
Galanin
Neuropeptid des C-Fasersystems, die Galaninsynthese wird bei Schädigung
peripherer Nerven "up-reguliert", die Funktion von Galanin auf spinaler
Ebene ist wahrscheinlich die Hemmung der Nozitransmission, zzt. werden 3
Galaninsubrezeptoren (GAL-1--3) beschrieben.
Galen, von Pergamum (Bergama/Kleinasien [Standort des Schreines des
Heilgottes Aeskulapius und Medizinschule] ~130--~200
n.Chr.)
Nach ® Hippokrates berühmtester Arzt des
Altertums. Ausbildung u. a. in Smyrna; Besuch der Medizinfakultät von
Alexandrien. 157 Chefarzt der Gladiatoren. 161 Reise nach Rom. Ab 168
Arzt des Kaisersohnes Commodus. Publizierte Hunderte von Schriften über
Medizin, Philosophie und Drama. Tieranatomiestudien. Wies anhand von
Tierexperimenten die Wichtigkeit des Rückenmarks für die
Extremitätenmotorik nach. Puls als diagnostisches Mittel. Im Mittelalter
wurde sein Text dank Übersetzung durch die ®
arabische Medizinschule vor dem Vergessen gerettet. Nach Galen benannt ist
der in Frankreich verliehene Preis "Prix Galien de la recherche
pharmaceutique" ("Galenpreis").
Galenik
Nach dem griech.-römischen Leibarzt des Kaisers Marc Aurel
® Galen (130--199 n. Chr.) benannte Lehre von
der Formgebung der Arzneimittel.
Gall, Franz Joseph (Tiefenbrunn/Baden 1759--1828 Paris)
Abschluss des Medizinstudiums 1785 in Wien; von 1807 bis zu seinem Tod in
Paris. Lehrte die Wissenschaft der "Phrenologie" (phrenos = der Geist),
eine prinzipiell neue Wissenschaftsrichtung, die postulierte, dass
geistige Vorgänge sich vorwiegend in speziellen Hirnabschnitten
abspielten (prinzipiell korrekt) und sich indirekt somit
"kraniometrisch" oder "anthropometrisch" nachmessen liessen
(methodologischer Fehler!). Bei entsprechenden geistigen Fähigkeiten
wären die entsprechenden Hirnabschnitte somit übergross entwickelt und
dies wiederum würde sich am Schädel durch entsprechende Schädelformen
nachweisen (Kraniometrie). Darüber schrieb Gall ein sechvolumiges Opus:
"Sur les fonctions du cerveau". Gall hatte als einer der ersten
richtigerweise postuliert, dass das Hirn bzw. gewisse Hirnabschnitte
einziger Sitz intellektuell-geistiger Funktionen ist. In diesem Sinne
ist Gall ein Pionier der modernen ZNS-Forschung. In der Folge
entwickelte sich aber die Phrenologie auf methodologisch von der
Schulmedizin nicht anerkannten Pfaden -- und artete später in
verpolitisierten Verirrungen aus,: z. B. im viktorianischen England
(orthognathischer Herrenmensch vs. prognathischer Untermensch in den
Kolonien), im 3. Reich (die Schädel von ermordeten KZ-Insassen wurden
u. a. im Anatomieinstitut der Universität Strassburg auf "typische
jüdisch-kommunistische Merkmale" vermessen) und beispielsweise in
Italien, wo durch Cesare Lombroso (Verona 1835--1909 Turin) die
"Stigmata" des "Uomo delinquente" (z. B. Diebe haben "lange Finger") in
der "Anthropologie der Kriminalistik" eingesetzt wurden. Im Volksmund
immer noch nachwirkend: "er hat eine Denkerstirn" "sein Kinn weist auf
Durchstehvermögen hin". Vermessung des Fotos von Rasputin etc. Noch 1934
wurde an der Century of Progress Exposition in Chicago eine Maschine
namens "Psychograph" dem begeisterten Publikum vorgestellt. Es sind
neuerdings Bestrebungen im Gange, die sektiererische "Pseudowissenschaft
Phrenologie" entsprechend zu entrümpeln und methodologisch zu
rehabilitieren.
Gamma-Fasern, g-Fasern
6--8 mm dicke, hochmyelinisierte Fasern mit
hoher Leitungsgeschwindigkeit (40 m/s). Funktion: intrafusale motorische
Efferenzen.
Ganglion
Spinalganglion, das Nervenganglion der dorsalen Wurzel der Spinalnerven,
bestehend aus unipolarem Nervenzellkörper der Primärafferenzen (früher
auch: Ganglion sensorius). Ganglion geniculatum, das Ganglion des
Fazialnerven, situiert am Geniculum nervi fascialis. Ganglion nodosum:
kaudales Vagusganglion, ein unipolares Neuron mit zentraler Projektion
in die Medulla sowie peripher in verschiedenen Vagusästen. Ganglion
spirale, das Ganglion des Kochlearnerven mit Projektion vom
Kochlearhaarapparat zum Kochlearkern im Hirnstamm. Ganglion trigeminale
Gasseri semilunare, das Ganglion der sensorischen Fasern (Radix
sensoria) des N. vagus (in der Dura Mater im trigeminalen Sulkus des
vorderen Felsenbeins des Schläfenknochen gelegen).
Gasser, Herbert Spencer (Platteville/Wisc. 1888--1963)
Nach Medizinstudium (Johns Hopkins Medical School, 1915), Forschung in
Pharmakologie und Physiologie mit ® Erlanger,
1921. Europaaufenthalte 1923--1925 (® Sir
Henry Dale, Lapicque, Straub, Nobelpreisträger Sir A.V. Hill,
1886--1977). 1935--1953 Direktor des Rockefeller Institute for Medical
Research. Vielfache akademische Ehren. Publizierte zusammen mit Joseph
Erlanger 1927: "The role played by the sizes of the constituent fibres
of a nerve trunk in determining the form of its action potential wave".
Beide erhielten 1944 den Nobelpreis für ihre Nervenforschung.
Gate-Control-Theorie
engl. gate: Tor, Theorie nach ® Melzack und
® Wall (1965) nach der die Übertragung
afferenter Signale im Hinterhorn durch spezielle Bahnungs- und
Hemmungsmechanismen kontrolliert wird. Rasch leitende mechanozeptive
("Berührungssinn") Ab-Fasern können auf
spinaler Höhe (Substantia gelatinosa) eintreffende nozizeptive "Inputs"
hinuntermodulieren bzw. hemmen, so dass zentripedale oder reflektorische
Impulse an die entsprechenden Zielzellen ("target cells") moduliert
werden können. Diese Art "Gegenirritation" wird durch elektrische
Stimulationsverfahren ausgenützt (z.B. TENS etc.).
Gates M. und Tschudi G
Führten die umständliche, über mehrere Schritte ablaufende, erste
Vollsynthese von Morphin (1952) aus.
Gehirn + antipyretische Analgetika
Siehe zentrale Schmerzmodulation, Temperaturregulation, Schlafregulation
(zentrale konstit. COX-2)
Gelpke, Rudolf (1928--1972)
Nach Studium des Islams (v. a. iranische Kultur) mit Doktorat an der
Universität Basel (1957), Arbeiten an den Universitäten in Teheran, Bern
und Los Angeles. Beschrieb u. a. die Beziehungen zwischen Kulturen und
Genussmittel und Drogen ("Vom Rausch im Orient und Okzidenz"), so "von
Fahrten in den Weltraum der Seele: Berichte über Selbstversuche mit
Delysid (LSD) und Psilocybin" (1962), die er u. a. in der Wohnung von
® Werner Hügin unternahm und danach akribisch
beschrieb (s. auch Hofmann). Gelpke starb 43-jährig an einem
Schlaganfall bei Hirnaneurysma.
Genablesung
Wird eine Nervenzelle repetitiv mit nozizeptiven Reizen stimuliert, wird
eine intrazelluläre Reaktionskaskade mit Hilfe von "second messengers"
usw. bis zum Kern induziert, wo gewisse Gene (die sog.
"immediate-early-genes", IEG) aktiviert werden, die ihrerseits die
Synthese wichtiger Bestandteile für die neuronale Funktion ankurbeln
(Beispiel: Produktion von Neurotransmittern).
Generika
Aus dem Patent entlassene Fertigarzneimittel, die unter dem entsprechenden
Freinamen (® INN) erhältlich sind.
Definitionsgemäß muss ein Generikum dem Originalpräparat identisch sein.
Genregulation
Steuerung der Informationsabgabe eines Gens zur Steuerung der Synthese des
zugehörigen Genprodukts. Mutationen der Genregulation führen zu einem
regulativen Fehlverhalten der Zelle. Die Genregulation steuert die
Genaktivierung, bzw. das spezifische Wirksamwerden von Genen, in
Abhängigkeit von biochemischen und biophysikalischen Zuständen des
zytoplasmatischen Substrates.
Gerbershagen, Hans Ulrich (Siegen 1937*)
bdt. dt. Schmerzkliniker
Gerhardt, Carl (1816--1856)
Chemiker in Strassburg, bereitete den Boden für die moderne
Valenztheorie mit seiner sog. "Typenlehre" (1853) vor. Er synthetisiert
zum erstenmal Acetylsalicylsäure, allerdings in einer unstabilen und
somit die Fachwelt nicht interessierenden Form. Die moderne Synthese von
Acetylsalicylsäure wurde durch ® Felix
Hoffmann 1897 durchgeführt.
Gesichtssympathalgie
Syn.: Gesichtsschmerz, Prosopalgie.
Geigy
Die Vorgeschichte der FA. Geigy geht auf die Drogenwarenhandlung des
Johann Rudolf Geigy (ursprünglich ostschweizerisch "Gügy"), aus einer
Barbier- und Chirurgenfamilie stammend, an der Freien Strasse Basel im
Jahre 1758 zurück. 1859 wurde die Anilinfarbenproduktion am Riehenteich
aufgenommen. Fruchtbare familiäre Verknüpfungen (Familien Bernoulli,
Sarasin, Heusler, Koechlin, Merian, Schlumberger, Hagenbach, Iselin
etc.). Der Schweizer Paul Müller (1899--1965), Chemiker bei Geigy
erhielt 1948 den Nobelpreis für das unterdessen weltweit verbotene
Insektizid DDT.
Giga
Abk. G, dezimales Vielfaches in der Ordnung 109.
Gillman, Alfred G. (New Haven/Conneticut 1941*)
Eminenter am. Pharmakologe; er hat 1994 zusammen mit dem Amerikaner
Martin Rodbell (Leiter der Abteilung "Signalübertragung" im Research
Triangle Park, North Carolina) den Nobelpreis für Arbeiten über
Zellkommunikation und im Speziellen der Entdeckung der
® G-Proteine erhalten.
Glässner, Martin Fritz (Aussig 1906--1989 Australien)
Nach dem Anschluss Österreichs in Wien verhaftet und u. a. zum
Fensterputzen in Armee- und anderen Baracken veruteilt, dann durch
glückliche Umstände freigelassen. Er emigrierte. Weltberühmter
Mikropäläontologe und Geologe; u. a. "The dawn of animal life".
GLOA
Abk. für ganglionäre lokale Opioidanalgesie.
Globuli
Vaginalkugeln (Ovula).
Glossodynie
Schmerzhafte Parästhesie im Zungenbereich. Verschiedene Ursachen: u. a.
Glossopharyngeusneuralgie.
GLPR
engl. Abk. für Good Laboratory Practice Regulations. Definiert zugelassene
in vitro-und in vivo Tests (Tierversuche) im Laboratorium, bevor ein
neuer Wirkstoff in die klinische Prüfung kommt.
Glutamat
Salz der Glutaminsäure; wichtigster exzitatorischer Neurotransmitter
des ZNS; bewirkt Hypo- oder Depolarisation von Nervenzellen über erhöhte
Permeabilität von Kationen (K+, Na+, Ca2+
). Postuliert werden zzt. 3 Subtypen der ionotropischen (Na+,
Ca2+) Glutamatrezeptoren. Die extrazelluläre
Glutamatkonzentration im ZNS beträgt 0,6 mmol/l,
die intrazelluläre Konzentration jedoch ca. 10 mmol/L. Erhöht sich die
extrazelluläre Glutamatkonzentration > 2 mmol/l
besteht die Möglichkeit einer zentralneuronalen ®
Exzitotoxizität mit intrazellulärer Ionenakkumulation aufgrund der
Aktivierung zuvieler ionotropischer Glutamatrezeptoren. Daneben werden
verschiedene intrazelluläre Reaktionskaskaden (Phospholipase-A2
und Prostaglandin-Kaskade, NO-Synthase, Proteinkinase-C etc.) aktiviert.
Eine Glutamat-induzierte Exzitototoxizität wird in vielen akuten
(Muschelvergiftung durch Mytilotoxine, akutes posttraumatisches Hirnödem
etc.) und chronisch-degenerativen Erkrankungen (M. Huntington,
kognitivmotorische Dysfunktion bei Aids etc.) des ZNS partiell diesem
physiopathologischem Mechanismus zugeschrieben, teilweise durch
Glutamatfreisetzung aus geschädigten Nervenzellen und Astrozyten.
Glutamat wird auch als Geschmacksverstärker in der "industriellen
Gastronomie" verwendet.
Glutathion
Glutathionsulfhydryl, GSH; biomembranschützendes Tripeptid (Beispiel:
Erythrozyten). Die Rolle von Glutathion im ZNS ist unklar (mögliche
Neurotransmitterfunktionen).
Glycin
Glykokoll; nichtessentielle Aminosäure, Abk. Gly, H2N-CH2-COOH;
Mr 75,1. In Gelatine und Seidenfibroin vorgefunden. Zentraler
Neurotransmitter mit hemmender Wirkung (Zielrezeptoren:
® NMDA-Rezeptoren und Chlor-Ionenkanäle).
GMCSF
engl. Abk. für Granulozyten-Makrophagen-Kolonie-stimulierende Faktoren.
GMP
engl. Abk. für Good Manufacturing Practice (1963, WHO) Richtlinien zur
Sicherung der Qualität von Arzneimitteln in Bezug auf die Herstellung
(Quality-control of drugs): Draft requirements for good manufacturing
practice in the manufacture and quality control of drugs and
pharmaceutical specialities. Für die korrekte Lagerung sowie den
Transport von Arzneimittel wurden Empfehlungen der FIP unter dem Namen
"Good storage practice" verfasst.
gnostische Sensibilität
Syn.: für epikritische Sensibilität, umfasst feinere Temperatur-und
Berührungsempfindungen, also Bewegungssinn, Stellungssinn, Kraftsinn,
Formsinn.
Godtfredsen-Syndrom
Einseitige Trigeminusneuralgie; differentialdiagnostisch zu
unterscheiden von einseitiger Trigeminusneuralgie kombiniert mit dem
Horner-Syndrom bei z. B. Malignomen des Nasen-Rachen-Raumes.
Goldscheider, A. (1858--1935)
Hervorragender Lehrer und Forscher der Inneren Medizin (Ataxie,
Epidermiolysis bullosa heredetaria, Perkussion und Auskultation,
Sportmedizin, Schmerzmedizin u. a.) sowie Sinnesphysiologie. Er
bestätigte Müllers Lehre (1826) von den spezifischen Energien der
Sinnesorgane, unabhängig von G. Blix, 1884, mit dem Postulat von
spezifischen Kälte-, Wärme- und Drucksensoren. Publizierte 1920: "Das
Schmerz-Problem" (Springer, Berlin).
"Der Schmerz ist ein hartes, aber nützliches Gesetz der Natur. Allein
wie jedes Naturgesetz ist er in seiner Konsequenz unbeugsam, in seiner
Rücksichtslosigkeit blind und daher brutal und grausam. Er erscheint
nicht bloss als wohltätiger Warner, sondern auch als nutzloser Quäler."
Goldstein, A. (New York 1919--)
Eminenter Pharmakologe und Neurobiologe (Harvard und Stanford
Universität; nicht zu verwechseln mit dem ebenfalls dt.-stämmigen
bedeutenden Neurologen Kurt Goldstein, 1878--1965). U.a. 1968:
"Principles of drug action". Siehe auch Dynorphinfamilie.
"Why would God have made opiate receptors unless he had also made an
endogenous morphine-like substance?"
Golgi, Camillo (Cortena 1843--1926)
Anatom und Pathologe in Pavia, Nobelpreis mit ®
Cajal, 1906, für Neuronentheorie. Die Golgi-Mazzoni-Körperchen (Syn.
corpuscula bulboidea) sind in verschiedenen Geweben vorkommende
druckempfindliche Lamellenkörperchen, die wahrscheinlich auch als
Kälterezeptoren funktionieren.
Gordh, T. (1907--)
schwed. Anästhesist, führte Lidocain und die nach ihm benannte
Gordsche Verweilkanüle in die Klinik ein. Sein Sohn T.H. Gordh jr. ist
ebenfalls Anästhesist und Schmerztherapeut.
G-Proteine
Familie von Proteinen (Namengebung: Guanin Nukleotid Proteine), die
von aktivierten Zellmembranrezeptoren erkannt werden (spezifische,
intrazelluläre Domain- bzw. Rezeptorabschnitte) und in die
transmembranöse Signaltransduktion involviert sind. Es werden
stimulierende oder hemmende G-Zellmembranproteine (Gi = inhibitorisch,
Gs = stimulierend; Nobelpreis A.F. ® Gilman
und M. Rodbell, 1994) sowie 3 Untereinheiten (a-,
b- und g- Teil) unterschieden.
Entsprechend dem aktivierten Subrezeptortyp, der aktivierten
G-Proteinsubeinheit werden verschiedenste, intrazelluläre Systeme wie
GTP (Guanosintriphosphat), Adenylatzyklase (konvertiert ATP in cAMP)
aktiviert oder gehemmt. Membranrezeptoren können sich vom
G-Proteinsystem auch abkoppeln. Die Signaltransduktion läuft in
verschiedenen Phasen ab: 1. reversible Ligand-Rezeptor-Bindung führt zu
einer Konformationsänderung. 2. Die Konformationsänderung erlaubt eine
reversible Bindung Rezeptor-G-Protein. 3. a-Protein
konvertiert GDP zu GTP und Adenylatcyklase. 4. Die Hydrolyse von GTP zu
GDP induziert eine Dissoziation der Adenylatzyklasestruktur: der
G-Proteinkomplex ist wieder regeniert.
Gr (1--11)
In Deutschland eingeführte 11-stufige Graviditätsklasse bzw.
® Schwangerschaftskategorie.
Gradenigo-Syndrom
Nach dem Otologen G.C. Gradenigo (1859--1926) benannte Abduzensparese
mit neuralgischen Gesichtsschmerzen.
Gralla, Richard J.
zeitgenössischer Pharmakologe, führte u. a. die höchstdosierte
® Metoclopramidgabe zur antiemetischen
Prophylaxe und Therapie von ®
Cisplatin-induzierter Nausea und Emesis ein (1981): dies führte zur
Entdeckung der 5-HT3-Rezeptoren.
Granulata
Granulate: körnige Aggregate von Wirkstoffpulvern.
Grimaux, L.- Edouard (1835--?)
Stellte 1881 Codein aus Morphin her und eröffnete damit eine
großindustrielle Herstellung von Kodein (Nebenbemerkung: der klinische
Stellenwert von Kodein als billigem Hustenmittel war bei der damals
hohen Inzidenz von Lungenerkrankungen weitaus wichtiger als heute!) und
entdeckte 1882 ® Dionin.
Grinker, Julius (1867--1928)
Aus Preussen stammender, in die USA emigrierter bedeutender Neurologe
(führte u. a. Phenobarbital in den USA ein, 1913).
Gross, Dieter (Kattowitz 1914--1985)
Ausbildung als Internist und Nervenarzt (historische Bezeichnung für
das klassische "Vollfach" Neurologie und Psychiatrie!) in Berlin und
München. Während des 2. Weltkriegs Lazaretttätigkeit an der Ostfront
(einziger Überlebender seiner Kompagnie). Nach Ende des Krieges in Bad
Ischl und später in Frankfurt a.M., durch die Fronterfahrung sowie die
Arbeiten der Kriegschirurgen ® Mitchell und
® Leriche beeinflusst, postulierte er
interdisziplinäre Schmerztherapie, u. a. auch den Einsatz von
diagnostischer und therapeutischer Lokalanästhesie (als Gegenakzent zur
damaligen "Neuraltherapie" der Gebrüder ®
Huneke). Zusammen mit M. ® Zimmermann dt.
Repräsentant beim Gründungssymposium der IASP (1973) in Seattle.
Mitbegründer der "Gesellschaft zum Studium des Schmerzes in Deutschland,
Österreich und die Schweiz" in Florenz (1975) und deren erster Präsident
(1976--1978). Publizierte u. a.: "Therapeutische Lokalanästhesie"
(mehrere Auflagen, neu herausgegeben von seinem Sohn Matthias Gross,
ebenfalls ärztlicher Schmerztherapeut, Frankfurt).
Guedel, Arthur E. (Cambridge City/Indiana 1883--1956)
Ausbildung an der Indiana School of Medicine. Hobby-Pianist, obwohl er
drei Finger verlor. Kriegsanästhesist in Frankreich (1917--1919). Mit
R.M.
® Waters Begründer der modernen amerikanischen
Anästhesiologie.
Gulag
Abk. Glavnoe Upravlenije Lagerej, Hauptverwaltung des
Straflagersystems der UdSSR (1930--1955), durch Alexander Solschenizyn
in seinem Werk "Archipel Gulag" (1973) beschrieben.
Gumpert, Martin (1897--1955 New York)
Nach Medizinstudium Arzt in Berlin. Emigration 1936. Neben
revolutionärer Lyrik u. a. 1921: "Hahnemann, die abenteuerlichen
Schicksale eines ärztlichen Rebellen und seiner Lehre, der Homöopathie"
und 1938 "Dunant".
Günther, Johann Christian (Striegau 1695--1723 Jena)
Medizinstudium in Wittenberg und Leipzig. Gilt als genialer Lyriker,
verlog wegen "zügellosen Lebens" seine Anstellung als "Hofdichter" in
Dresden.
Gürtelschmerz
Bei Tabes auftretender starker Schmerz ("Gürtel- oder Panzerschmerz").
Gute klinische Praxis
Dt. Pendant zu ® GCP: "Good Clinical
Practice". Von der Europäischen Gemeinschaft definierte Richtlinien zur
Durchführung klinischer Prüfungen. Sie beinhalten die
"Helsinki-Deklaration" der World Medical Association. Ziel ist u. a. der
Schutz der an der klinischen Prüfung teilnehmenden Personen und die
Beratung durch die Ethikkommission, die die Prüfung auch zu überwachen
hat. Sie beschreibt die Verantwortlichkeit des Sponsors, des Monitors
und des Prüfers. Sie bestimmt die Qualität der anzuwendenden
Datenverarbeitungssysteme und Biometriemethoden sowie die
Qualitätssicherung.
Guttae
Tropfflüssigkeiten. Das lat. Wort "gutta" findet sich im engl. "gout"
(Gicht) wieder.
Gybel, Jan (Aarschot/Belgien 1928*)
bdt. zeitg. Algesiologe (Neurochirurgie, Neurologie) Mit
William Sweet: "Neurosurgical treatment of persistent pain". 1994 als
Prof. Emeritus durch ein "Liber amicorum" von Ron Kupers geehrt, in dem
Hermann ® Handwerker handschriftlich zum
"Unruhestand Gybels" beifügte:
Das Leben wird vorwärts gelebt, aber rückwärts verstanden (Hermann
Handwerker).
Gyrus cinguli
Teil des limbischen Systems. Die Cingulotomie führt zu einer stark
verminderten Schmerzreaktion.
Gyrus postcentralis
Windung des Lobus parietalis. Durch den Sulcus centralis Rolandi vom
Gyrus praecentralis getrennt. Primär sensibles Rindenfeld.
Quelle: Glossar
zum "Handbuch
der Schmerztherapie" (Hsg.: Herman Hans
Waldvogel), gewidmet Ernst von der Porten, einem der Wegbereiter der
moderenen Schmerztherapie. Ernst von der Porten wurde von der Gestapo,
gemeinsam mit seiner Frau, im "freien Teil Frankreichs" in den Tod
getrieben.
- Weitere Informationen zum
Buch
-
Bestellen
haGalil onLine 14-10-2001
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