Klinische Pharmakologie / Psychopharmakologie

 
 

 
 

Lexikon zur Schmerzmedizin

IASP
International Association for the Study of Pain (Gründung am 26.05.1973) mit heute nationalen Gesellschaften ("Chapter") in fast allen Ländern

Ibogain

ein natürliches in westafrikanischen Pflanzen vorkommendes Alkaloid, wird bei Kokain- u. Heroin- und Alkoholabhängigen als therapeutische Wirksubstanz zum Entzug eingesetzt. Der Wirkstoff ist wahrscheinlich kompetitiver Hemmer von MK-801 am NMDA-Rezeptorkomplex und beeinflusst monoaminerge Transmittersysteme (Serotonin, Dopamin). Nor-Ibogain ist der wichtigste, aktiver Metabolit von Ibogain, der u.a. auch Affinität zu Opioidrezeptoren besitzt.

IC
engl. Abk. für "inhibition concentration", Inhibitionskonzentration. Der Begriff wird unterschiedlich gebraucht (Inhibitionskonz. für Opioide, s. unten; für sAA bzw. COX-Hemmer, s. unten).

IC50
Opioidinduzierte Inhibitionskonzentration, bei der 50% der Patienten einen maximalen EEG-Effekt aufweisen (nach Scott et al. 1991), der Begriff "inhibition concentration" wird ebenfalls verwendet, um die Hemmung ® COX durch saure antipyretische Analagetika zu bestimmen.

ICAA
engl. Abk. für International Council on Alcohol and Addictions.

ICD
engl. Abk. für Internationale Klassifikation von Krankheiten ("International Classification of Diseases"). In der Regel wird nach der Abk. eine die letzte Edition bezeichnende Zahl genannt z. B.: ICD-9.

IDDS
Engl. Abk. für "Implantable Drug Delivery Systems", implantierbare Systeme, die Wirkstoffe freisetzen (z. B. intrathekale therapeutische Systeme).

IEG
Engl. Abk. für "immediate early genes". IEG (früher: Protoonkogene) sind Gene, die bei neuronaler Aktivierung rasch, reversibel gebildet werden. Im Rückenmark ist offenbar diese Aktivierung relativ spezifisch für das Nozizeptionssystem (bzw. Ad-, C-Fasersystem) und zwar über das IEG c-fos-Gen, das -- aktiviert -- das Protein c-fos bildet (indirekt über Nachweis dieses c-fos-Proteins kann man die Aktivierung spinaler NS-Neurone nachweisen).

IEMCT
engl. Abk. für "invididualized epidural morphine conversion tool": Umrechnungstabelle für Morphin bei Umstellung der Applikationsform von nichtinvasiv (p.o.) etc. auf epidural.

Iggo, Ainsley (Napier/New Zealand 1924*)
bdt. Schmerzforscher (C-Fasersystem) und Lehrer

IKPO
Abk. für "Int. Kriminal-Polizei Organisation", erarbeit u. a. auch Rauschgift-Terminologien.

Immunglobuline
Abk. Ig, Antikörper des Immunsystems. Unterschieden werden IgA (MG: 385 KD, v. a. in Schleimhäuten), IgD (MG: 184 KD, membranständig an B-Lymphozyten), IgE (MG: 188 KD, v. a. bei Pollen- und Parasitenbefall, inverser Praussnitz-Küste-Test), IgG (MG 146 KD, v. a. für sekundäre Immunantwort verantwortlich), IgM (MG 970 KD, v. a. bei Initialphasen).

Immunsystem und neuroendokrines ZNS
Beide Systeme sind fähig, Zytokine wie IL-1, IL-2, IL-6, IFN-g und TNF zu produzieren und über solche miteinander zu "kommunizieren" (Fach der neurokrinen Immunologie-Forschung sowie neuroimmunologische Erkrankungen des ZNS).

INRC
engl. Abk. für "International Narcotics Research Conference", aus dem "International Narcotics Research Club" hervorgegangen (1969).

Incident-Pain
engl. Bezeichnung (nach Coombs 1988), unerwarteter, bei aktiver oder passiver Körperbewegung einschiessender heftiger Schmerz (v. a. bei Krebserkrankungen; auch "break-through" oder "Durchbruchschmerz").

Index nominum
Liste der vom Schweiz. Apothekervereins vorgeschlagenen Freinamen.

Index librorum prohibitorum

(eingeführt durch Papst Paul IV, 1559), erster Katalog verbotener Bücher für die Gläubigen. Die schlaueren Jesuiten analysierten schnell: «Notabitur Romae, legetur ergo» - "was Rom auf den Index setzt, wird gewiss gelesen".

INF-a, b, g
Immunologie, Abk. für Interferone, Gruppe immunomodulatorischer Endoproteine mit multiplen Eigenschaften (antiviral, antitumoral, antiparasitär, phagozytosefördernd, Natural-Killer-Cells-aktivitätsfördernd).

Infiltrationsanästhesie
Infiltration des auszuschaltenden Haut- oder Gewebebezirks zu Anästhesie- oder Analgesiezwecken mittels Lokalanästhetika (Begründer: ® Reclus P).

Infraorbitalneuralgie
Trigeminusneuralgie im Bereich des N. infraorbitalis.

Infundibilia
Infusionslösungen.

Infusa
Aufgüsse.

INN
engl. Abk. für "International Nonproprietary Names" (Generika, Freinamen: DCI), von der WHO empfohlene (recommended ) oder vorgeschlagene (prop.; DCI proposées) Freinamen. INN, Abk. hinter dem entsprechenden Freinamen steht für "International Nonproprietary Name" (for pharmaceutical substances). Das Wort "nonproprietary" will heißen, dass der Freiname im Gegensatz zu ® Markennamen, die mit einem Ò gekennzeichnet werden, allgemein zugänglich und ungeschützt ist. Für dieses Buch wird die von der WHO vorgeschlagene (prop. für engl. proposed) oder empfohlene (rec. für recommended = engl. empfohlen) Kurzbezeichnung (engl.: Nonproprietary Name) gewählt (prop. INN oder rec. INN). Daneben existieren aus historischen Gründen noch von Land zu Land verschiedene inoffizielle sowie offizielle Synonyme (je nach nat. Pharmakopö wie BAN, USAN etc.).

Integrine
Ubiquitär (Ausnahme: Erythrozyten) nachweisbare Glykoproteine an Zelloberflächen. Ihre Liganden sind extrazelluläre Matrixproteine und Zelladhäsionsmoleküle (CAMs sowie interzelluläre ICAMs). Damit interferieren sie mit Zelladhäsionsprozessen und Zellmotilität (z. B. Extravasation bei Entzündung). 2 putative Hauptgruppen: a-4-b-1-Integrin (= "very late antigen-4", Oberflächen von Immunzellen) und b-2-Integrine (Leukozyten). Anti-Integrine könnten theoretisch bei der Entzündungsbekämpfung eingesetzt werden.

Intensive-Care-Syndrome
Von McKegney 1966 beschriebenes, durch Stress v. a. bei inadäquater Schmerz- und Angstbefreiung geprägtes, in der modernen Intensivpflege auftretendes Krankheitsbild.

Interleukine
Abk. IL, lösliche immunkompetente Zellen, synthetisierte und freigesetzte heterogene Gruppe von Signalstoffen des Immunsystems. Interleukine funktionieren als interzelluläre Kommunikatoren. Sie regulieren u. a. die durch T-Zellen vermittelte zytotoxischen Abwehrreaktionen, die B-Zell-Aktivierung bzw. Antikörperproduktion und Immunglobulinsynthese. Sie regulieren verschiedenste zelluläre Reaktionen im Rahmen von Entzündungs- und Immunreaktionen (Zellproliferation, Zellausdifferenzierung, DNA-Synthese, Freisetzung von bioaktiven Stoffen mit entsprechenden Reaktionen wie Fieber, Osteolyse, Leukopenie, Hypotension, Hyperalgesie). IL-1 ist ein durch aktivierte Makrophagen, Monozyten und anderen Zellen synthetisiertes Protein, das die Reaktionsfähigkeit von T-Lymphozyten auf mitogene und antigene Stimuli aktiviert. Die so aktivierten T-Lympozyten produzieren IL-2, ein Glykoprotein, welches die DNA-Synthese in naiven Lymphozyten ankurbelt. IL-3 ist ein von verschiedenen Zellen sezernierter Wachstumsfaktor, der als "multi-colony-stimulating-factor" die Produktion (klonale Proliferation) und Ausdifferenzierung von hämatopoetischen, aber auch epithelialen, astrozytären Zellen koreguliert. IL-4, durch aktivierte T-Lymphozyten freigesetzt, reguliert das Wachstum und Ausdifferenzieren von B-Lymphozyten wie auch die übrigen Zelllinien der Hämatopoese. IL-5 reguliert die Aktivierung und Ausdifferenzierung von Eosinophilen. IL-6 koreguliert Wachstum und Ausdifferenzierung von B-Zellen, aber auch T-Zellen, Monozyten, Fibroblasten und wirkt als Wachstumsfaktor bei Erkrankungen (multiples Myelom, Ovarialkarzinom etc.). IL-7 ist ein hämatopoetischer Wachstumsfaktor. IL-8 ist ein Neutrophile und T-Lymphozyten aktivierendes Zytokin, das durch Monozyten, Fibroblasten, Endothelzellen, Keratinozyten etc. durch Entzündungsstimuli freigesetzt wird. IL-8, strukturell mit dem Plättchenfaktor 4 verwandt, wird zur Superfamilie der b-Thromboglobulinfamilie gerechnet. IL-9 reguliert die Hämatopoese. IL-10, durch T- und B-Zellen freigesetzt, reguliert das System der Mastzellen; IL-10 scheint antiinflammatorische, anti-TNF-Eigenschaften zu haben. IL-11 ist ein Zytokin mit Wirkung auf das lymphohämatopoetische, aber auch andere Zell-Systeme. IL-12, durch Phagozyten etc. bei Exposition auf Bakterien, intrazelluläre toxische Stoffwechselprodukte, Pilze, Viren und deren Abbauprodukte etc. produziert, stimuliert als proinflammatorisches Zytokin die Produktion von Interferon-g durch T- und Natural-Killer-Zellen. IL-13 ist ein von T-Lymphozyten stammendes Zytokin, dass u. a. die Immunoglobulinproduktion von Lymphozyten koreguliert und somit in der Regulation von entzündlichen und immunen Prozessen involviert ist. IL-14 ist ein B-Zellsystem aktivierendes Zytokin, das die Immunoglobulinfreisetzung hemmt. IL-15 ist ein dem IL-2 verwandtes Zytokin. Daneben IL-16, IL-17 und IL-18 (proinflammatorischer Induktor von Interferon-g sowie weiteren Wirkungen). Das höchst komplizierte Interleukinkommunikationsnetz ist Gegenstand der Forschung, man hoffe, über IL-Rezeptoren spezifische Wirkstoffe mit entsprechend antiinflammatorischen, antiviralen, antibakteriellen, antitumorösen etc. Wirkungen zu entwickeln.

Internalisation (engl. internalization)
Zellmechanismus, der erlaubt, Zellstrukturen wie membranständige Rezeptoren ins Innere der Zelle zu delokalisieren; z. B. m-Rezeptoren nach Etorphingabe.

International Headache Society
Internationale Kopfschmerz-Gesellschaft; stellte eine erste internationale Migräne-Kopfschmerzklassifizierung auf (Headache Classification Committee, 1988).

intrinsisch
Die intrinsische Aktivität eines Wirkstoffs wird in der Pharmakologie auch Effikazität (efficacy) gennant. Bei gleicher Rezeptorenaffinität (d. h. wenn 2 verschiedene Wirkstoffe in gleicher Dosierung die Rezeptorenpopulation in gleicher Stärke besetzen) kann ein Wirkstoff klinisch eine verschiedene Wirkung aufzeigen.

intrinsische Aktivität
Maximaler Wirkungsgrad eines Wirkstoffs bei maximaler Rezeptor-Besetzung.

invers
Umgekehrt (Beispiel "inverse Agonisten").

Inversion
®
Bioinversion.

Ionenkanäle
Nobelpreis E. Neher und B. Sakmann 1991; Patch-Clamp-Techniken, membranständige, ionenselektive Glykoproteinkanäle.

ionotropische Rezeptoren
Mit Membrankanälen gekoppelte Rezeptoren. Gegensatz: ® metabotropische Rezeptoren.

Iontophorese
Die Einschleusung ionisierter Wirkstoffe mit Hilfe eines galvanischen Stromes durch Haut/Schleimhäute zu therapeutischen Zwecken. Je nach Polung der aktiven Elektrode können über die Anode Kationen (Beispiel Opioide) über die Kathode Anionen (Beispiel analgetische Säuren) durch die Wirkung der jeweiligen elektrischen Felder in die entsprechenden Gewebeschichten propulsiert werden. In der Schmerzklinik wurden Wirkstoffe wie Kortikosteroide, Lidocain, Morphin und Fentanyl iontophoretisch appliziert, ® Sonophorese.

IPSPs
engl. Abk. für "inhibitory postsynaptic potentials" (s. auch EPSP).

Irländisch-Moos
engl. Carrageenan; fucus irlandicus: eine dem Agar-Agar tangähnliche Biomischung (u. a. Polysaccharide), die durch Extraktion aus Rotalgen (Carrageen) gewonnen wird. Die intraartikuläre oder s.c. Applikation bei Versuchstieren induziert eine lokalisierte Entzündungsreaktion (oft als experimentelle Entzündungsanordnung eingesetzt).

islet cells
dt. "Inselchen"; v. a. in der Substantia gelatinosa vorkommende Neurone mit profuser dendritischer Verästelung, wahrscheinliche Funktion: spinale Verschaltung von "Input"- und "Output"-Stationen im Sinne von modulierenden lokalen Interneuronen .

ISS
Abk. für "Injury Severity Score", eine Unterform dieses für die quantifizierbare Verletztenbeurteilung eingesetzten Scores ist die AIS oder "Abbreviated Injury Scale".

IUPHAR
engl. Abk. für "International Union of Pharmacology", u. a. mitverantwortlich für neueste, heftig diskutierte Opioidrezeptoreinteilung.

IVRA
engl. Abk. für "intravenous regional anaesthesia".

Quelle: Glossar zum "Handbuch der Schmerztherapie" (Hsg.: Herman Hans Waldvogel), gewidmet Ernst von der Porten, einem der Wegbereiter der moderenen Schmerztherapie. Ernst von der Porten wurde von der Gestapo, gemeinsam mit seiner Frau, im "freien Teil Frankreichs" in den Tod getrieben.
- Weitere Informationen zum Buch
- Bestellen

haGalil onLine 14-10-2001

Books


DE-Titel
US-Titel

Jüdische Weisheit

 

Copyright: pharmacon.net / hagalil.com / 1997
Impressum

haGalil onLine