|
Lexikon zur Schmerzmedizin
Kaliumkanäle
Zellmembrankanäle, die den Flux von Kaliumionen regulieren (z.B:
Kaliumaustrom negative Aufladung des Zellinneren = Hyperpolarisation der
Zellmembran = Kalziumkanäle können nicht geöffnet werden).
Kanzerogenität
Die Potenz eines Wirkstoffes, Krebs zu erzeugen. Wirkstoffe werden vor
klinischer Zulassung im Tierversuch auf Kanzerogenität geprüft (s.
Wirkstoffprofil: toxikologische Daten).
Kappa-Rezeptor, k-Rezeptor (KOR)
Subtyp der ® 3 Opioidrezeptoren. Affinität
für Dynorphine > Endorphine > Enkephaline.
Kainat
Chem. (2S-(2 a,3 b,4
b))-2-Carboxy-4-(1-methylethenyl)-3-Pyrrolidin-Essigsäure,
eine aus einer Algenart gewonnene experimentell eingesetzte Substanz,
die als potenter exzitatorischer Agonist spezifische Rezeptoren des
EAA-Systems kompetitiv okkupiert und aktiviert.
Kainatrezeptor
Natriumkanäle bzw. ionotrope, exzitatorische Rezeptoren (hohe
Affinität zum Neurotoxin Kainat), bestehend aus Untereinheiten GluR5--7
sowie KA 1--2. Ähnliche Funktion wie AMPA-Rezeptor.
Karolinska Institut
Nach der Niederlage im Finnischen Krieg (1808--1809) gegen Russland
durch König Karl XIII als eine Art Kriegslazarett für Kriegschirurgen
bzw. Kriegsversehrte gegründet (vgl. mit Invalidendom bzw.
Invalidenhospital in Paris!). 1861 Universitätsstatus. 1895 durch Alfred
®
Nobel auserkoren, zukünftige Nobelpreisträger für Physiologie und Medizin
zu ernennen. Neben ® Berzelius haben allein 5
Nobelpreisträger an diesem Institut gearbeitet, nämlich Hugo
® Theorell 1955, Ragnar Granit 1967, Ulf von
® Euler 1970, Sune Bergström und Bengt
Samuelsson 1982.
Karotidynie
Intensive Schmerzen im Bereich der Karotisgabel mit Druckdolenz und
Schwellung.
Kasein
Milcheiweiß; synthetische gegen Diarrhö einsetzbare
b-Kasomorphine wirken über
m-Rezeptoren der Darmschleimhaut.
Katalepsie
Starrsucht durch Störung der Motorik.
Katz, Sir Richard (Leipzig 1911*)
Emigration 1935, bedeutender zeitg. Biophysiker, 1970 mit Julius
Axelrod und ® von Euler-Chelpin Nobelpreis
der Medizin und Physiologie (Erforschung der synaptischen Transmission,
Acetylcholin). Nicht zu verwechseln mit Richard Katz (Prag 1888--1968
Muralto, Tessin; Schriftsteller und Journalist), der 1933 emigrierte.
Kausalgie
Erstmals vom am. Kriegschirurgen S. Weir ®
Mitchell 1872 nach dem Sezessionskrieg beschriebene, brennende
Schmerzzustände nach traumatischen Nervenläsionen (Mitchell:
Schrapnellwunden, heute: Unfälle aller Art); s. Algodystrophie.
Kawasaki-Syndrom
Syn.: mukokutanes Lymphknotensyndrom vorwiegend bei Kleinkindern
auftretendes akutes, lebensgefährdendes Syndrom unbekannter Ätiologie
mit hohem Fieber und aseptischem Multiorganbefall
(Lymphknotenschwellungen, Gelenkschwellungen, Karditis, Hepatitis,
Eosinophilie etc.); Kawasaki-ähnliche Erkrankungen sind nach Exposition
auf sAA, insbesondere
® Sulfasalazin beschrieben worden.
KB
Konzentration eines Rezeptorantagonisten, welche die Wirkung eines
Rezeptoragonisten entsprechend einer Konzentration von 1 auf 0,5
reduziert.
Kehr-Zeichen
Nach dem Berliner Chirurgen H.K. Kehr (1862--1916) in die linke
Schulter ausstrahlende Oberbauchschmerzen mit Hauthyperästhesie bei
Milzriss.
Kehrer-Zeichen
Hinterhauptdruckschmerz (Nn. occipitalis major), ruckartige
Kopfbewegungen, Anspannung der Gesichtsmuskeln, Heben der Schultern bei
Hirndruck.
Kekulé von Stradonitz, Friedrich (Darmstadt 1829--1896 Bonn)
Professur für Chemie an der Universität Gent (Belgien) und Bonn,
beschrieb u. a. den Benzolring. Der Staat Belgien hat Kekulé eine
Briefmarke gewidmet.
Kern, Alfred (1850--1893)
In Basel wirkender Farbstoffchemiker, der 1886 mit dem Kaufmann
Edouard Sandoz die gleichnamige chemische Fabrik gründete.
Killian, H.F.E. (Freiburg 1892--??)
Sohn des Bronchoskopiebegründers (1898) Gustav Killian (1860--1921),
gründete 1923 die Zeitschrift "Narkose und Anästhesie". 1959
"Lokalanästhesie und Lokalanästhetika". Zugleich Schriftsteller, 1957
"Hinter uns steht nur der Herrgott".
Kilo
Abk. k: dezimales Vielfaches in der Ordnung 103 = 1000.
Kinetik
Pharmakokinetik nach Dost 1953, die Lehre von den zeitlichen Abläufen
zwischen Pharmakongabe und Serumkonzentration. Man unterscheidet
vereinfacht von loglinearen Zusammenhängen (d. h. die Dosis muss
potenziert werden, um eine Verdoppelung der Serumkonzentration bzw.
Wirkung zu erzielen; lineare Kinetik). Die Kinetik wird jedoch in den
meisten Fällen durch verschiedene Vorgänge (u. a. aktive Mechanismen)
beeinflusst und ist in der Regel nichtlinear.
Kinetosen
Durch Bewegung, Beschleunigung induziertes Krankheitsbild, das u. a.
durch Reizung des Vestibularsystems sowie Reizung der Stammhirnzentren
hervorgerufen wird und sich mit Nausea und Emesis, Schweißausbrüchen,
Brady- oder Tachykardie, Hypo- oder Hypertension, Apathie oder
Exzitation, Vertigo, Obstipation oder Diarrhöe etc. und klinisch als
sog. Reise-, Meer-, Flugzeug- etc. Krankheit beschrieben wird.
Kinine
Sammelbezeichnung für,aus Vorstufen (Kininogene) enzymatisch z. B. bei
Gewebsverletzungen, Infektionen etc. freigesetzten, algogenen,
proinflammatorischen Stoffen Kallidin, Bradykinin,
Metionyllysylbradykinin. Kinine induzieren oder synergisieren ihrerseits
proinflammatorische Reaktionskaskaden über ®
Prostanoide,
® Zytokine, ® freie
Radikale, Prostanoide, Serotonin etc. Kinine degranulieren Mastzellen (®
Histaminfreisetzung) und sind an der Plasmaexvasation, Endothelreaktionen
etc. mitbeteiligt. 2 Subrezeptoren: B1 -- Neosynthese durch
Entzündungsvorgänge stimuliert und wahrscheinlich für Hyperalgesie
mitverantwortlich, endogene Liganden: wahrscheinlich Kinin-Metaboliten
und B2 -- endogene Liganden: Bradykinin und Kallidin.
Kisch-Reflex
Syn.: Ohr-Tränenreflex, reflektorischer Lidschluss und reflektorischer
Tränenfluss bei mechanischer oder thermischer Reizung des äußeren
Gehörgangs.
Klee, Paul (Münchenbuchsee 1879--1940 Exil Muralto)
Studium in München (Heinrich Knirr, Franz von Strunk); Heirat mit der
Pianistin Lily Stumpf (1906), Bekanntschaften mit Kandinsky, Franc Marc,
Hans Arp, Rilke, Herwath, Walden, Macke, Moilliet. Reisen nach Tunesien
und Ägypten. Kriegsdienst als deutscher Infanterist 1916--1918. Berufung
durch Gropius nach Weimar (Bauhaus) und Dessau. 1933 durch die
Nationalsozialisten aus der Professur in Düsseldorf verjagt;
nationalsozialistische "Beschlagnahmung" seiner "entarteten" Werke.
Emigration nach Bern. 1935 Beginn der tödlichen Sklerodermie. Tod in
Muralto.
Kloepfer, Hans (Eibiswald/Steiermark 1867--1944 Köflach)
Medizinstudium in Graz, Arzt in Köflach. Bedt. österreichischer
Mundartdichter.
Knoll, Albert (1858--1952)
Zusammen mit Hans Knoll und Max Daege Begründer der Firma Knoll;
entwickelte 1886 ein Verfahren zur Gewinnung von Kodein aus Morphin. Die
Familie Knoll entstammte dem gewerblichen Mittelstand, war im 18.
Jahrhundert in Dreviskirchen bei Schwerin ansässig und übersiedelte 1800
nach Braunschweig.
Kodeinismus
Sog. Kodeinsucht, Analogon zum sog. Morphinismus.
Kohortenstudie
Epidemiolologische Studie mit 2 verschiedenen Therapiegruppen werden
prospektiv verfolgt und am Ende der Therapiedauer in Bezug auf Effekt,
UAW etc. verglichen. Nachteil: große relevante Populationen notwendig,
in der Regel keine Randomisierung; Vorteil: gute Aussagekraft.
Kokain
Durch von Niemann 1860 isoliertes und benanntes Alkaloid der
Inkapflanze Koka (s. auch Willstätter). Durch Selbstversuche mit Kokain
wurden u. a. so prominente Forscher und Kliniker wie Hall und
® Halsted kokainabhängig. Papst Leo XIII
gebrauchte ein in Neuilly (bei Paris) durch einen Mariani gebrautes
Kokaingetränk als "Roborans" bzw. "Vin Mariani". Die Kokainforschung
durch Sigmund Freud begründete die sog. Psychopharmakologie und führte
zur Entdeckung weniger toxischer Lokalanästhetika. Georg Trakl, Poet und
Sanitäter im ersten Weltkrieg, nahm 1914 eine Überdosis Kokain, er
konnte den Anblick nicht verkraften, als sich vor seinen Augen ein
verzweifelter Verwundeter eine Kugel in den Kopf jagte.
Kolbe, Wilhelm Hermann (1818--1884)
Marburg, Leipzig. Synthetisierte 1860 die Salicylsäure, die er schon
1837 zu Heilzwecken und als Konservierungmittel empfahl.
Koller, Carl (Schüttenhofen/Böhmen 1857--1944)
Freund von Sigmund ® Freud. Freund, der das
Alkaloid Kokain für allerhand Psychotests bei sich selbst einsetzte,
berichtete über eine "eingeschlafene Zunge" bei oraler Einnahme vom
Kokain. Koller führte diese Beobachtungen (und wahrscheinlich auch
andere Beschreibungen dieser Phänomene durch Schroff und Demarle, die
schon 1862 die durch Kokain induzierbare Zungenanästhesie beschrieben)
zusammen mit seinem Kollegen Königstein weiter fort und erfand dabei die
topische Oberflächenanästhesie. Berichtete am 15.09.1884 in Heidelberg
bei einem ophthalmologischen Kongress über die Möglichkeit, unter
lokaler Kokainapplikation schmerzlos Augenoperationen durchführen zu
können. Der Artikel wurde auch im Lancet veröffentlicht: "On the use of
cocaine for producing anaesthesia on the eye" Lancet 1984; 2: 990.
Emigration 1889 nach New York, wo er am Mount Sinai Hospital
weiterarbeitete.
Kölliker, Rudolf von (1817--1905)
Bedeutender schweiz. Anatom; beschrieb u. a. den ®
Fasciculus longitudinalis dorsalis. Die ®
Substantia gelatinosa centralis wird auch als Kölliker-Kern bezeichnet,
die substantia grisea intermedia centralis et lateralis des Rückenmarks
als Kölliker-Kernsubstanz. Definierte 1896 den Begriff "Axon".
Koma
Bewusstlosigkeit, meisten länger dauernd, mit zentralen Störungen
vitaler Funktionen (Reflexe, Atmung, Kreislauf).
Kombinationskopfschmerz
Spannungskopfschmerz mit Migräneattacken.
Kompartiment
Der aus dem engl. (compartment: Abteil, Abschnitt) stammende Begriff
Kompartiment wird in vielen Disziplinen gebraucht und damit verschieden
definiert. In der Klinik versteht man unter Kompartiment einen reellen
oder fiktiven Raum, der funktionell zusammenhängt (z. B. das zentrale
Kompartiment des Kreislaufs mit den bestperfundierten Organen Herz,
Hirn, Niere). In der Pharmakokinetik sind Kompartimente fiktive Räume
bzw. Volumenbereiche zur Berechnung des Verteilens eines Stoffes im
Organismus. So gibt es verschiedene Rechenmodelle, die von einem
Einkompartiment-System (gesamter Körper als ein gemeinsamer Raum),
Zweikompartiment- (Intravaskulärraum und Peripherie)
Dreikompartiment-System oder auch mehreren Kompartimenten sprechen.
Kompartmentsyndrom
Syn.: "Compartiment-syndrome" durch erhöhten Druck (Druckverband,
Blutung, zu enge Kleider, perioperative Lagerungen etc.) innerhalb eines
limitierten Kompartiments auftretende Benachteiligung der
Gewebeperfusion und Organfunktion (v. a. via Nervenkompression Paralysen
bis Kontrakturen). Betrifft v. a. die Extremitäten.
Kompressionsanalgesie
Analgesie durch Nervenkompression, z.B: durch Klemmschraube nach dem
schottischen Chirurgen und Vakzinationspionier ®
J. Moore (1762--1860). Moore beschrieb 1784 in Buch "A method of
preventing or diminishing pain in several operations of surgery. London,
T. Cadell" -- wahrscheinlich dem ersten Buch über perioperative
Schmerzausschaltung -- das Anlegen von Kompressionsschrauben über dem zu
lokalisierenden und auszuschaltenden Femoral- oder Brachialnerven ca. 1h
vor Operationsbeginn. Kurz vor Schnitt wurde dem Patienten 1 Krümel
Rohopium verabreicht. Nach erfolgter Beinamputation wurde zur optimalen
Blutstillung die Kompression, die ebenfalls als Blutsperre
funktionierte, geöffnet und die Blutstillung durchgeführt. Patienten
berichteten über die relative Schmerzfreiheit der Operation während
Hautschnitt und Muskeldurchtrennung, aber über zunehmende Schmerzen nach
Öffnung der Kompression.
Konformationsänderung
Die Änderung einer Molekülkonfiguration bei Rezeptorbesetzung durch
einen Agonisten, die in der Folge weitere Prozesse wie Öffnung von
Ionenkanälen (ionotrope Rezeptoren) oder Aktivierung von intrazellulären
Boten (metabotrope Rezeptoren) auslöst.
kongenitale Schmerzindifferenz Ford-Wilkins
Siehe Analgia Fanconi-Ferrazini bzw. CIPA
kontinuierliche Spinal- oder Epiduralanästhesie
Durch Einlegen eines Verweilkatheters in den Spinal- oder Epiduralraum
kontinuierliche rückenmarknahe Anästhesie- und Analgesietechnik.
Historisch wurde die erste kontinuierliche Spinalanästhesie schon 1907
durch H.P. Dean durchgeführt und durch W.T. Lemmon 1944 reaktiviert. Die
kontinuierliche Epiduralanästhesie wurde durch M.M. Curbelo 1949
eingeführt. Kontinuierliche rückenmarknahe Techniken wurden aber erst
durch die Entwicklung entsprechender Instrumente (Führungskanülen,
® Tuohy-Punktionsnadel, Plastikkatheter etc.),
besserer Ausbildung der Anästhesiefachärzte usw. seit ca. 1970 Routine.
Kopfschmerzen
Einfache Kopfschmerzen (vasomotorische, psychogene sowie
Spannungskopfschmerzen), einfache Migräne ohne Aura, klassische Migräne
mit Aura, ® Bing-Horton Kopfschmerzen,
spondylogene Kopfschmerzen, traumatische Kopfschmerzen, Kopfschmerzen
bei Trigeminusneuralgie, sowie diverse symptomatische Kopfschmerzen bei
zentralen und peripheren Erkrankungen (Aneurysma und Blutung,
Meningitis, Hydrozephalus, Hirntumoren, Intoxikationen,
Augenerkrankungen, Erkrankungen im Bereich Hals-Nase-Ohren, Hypertension
etc.) sowie medikamentenbedingte Kopfschmerzen (bis 15% der
Kopfwehambulanz-Patienten nach Mumenthaler).
Kossel, Albrecht (1853--1928)
Nobelpreis 1910 für grundlegende Erforschungen von Zellproteinen bzw.
Nukleinsäuren.
Kosterlitz, Hans (Berlin 1903--1996 UK)
Arzt in Berlin, 1928--1933, Zwangsexil 1934 nach Aberdeen
(Schottland). Kurze Zusammenarbeit mit Nobelpreisträger J.J.R. MacLeod ,
der 1935 starb. Arbeitsbesuche 1953 bei Otto ®
Krayer (Harvard). Führte Bioassays am isolierten Meerschweinchenileum ein.
1968--1973 Vorsteher des Pharmakologie-Universitäts-Institutes Aberdeen.
Einer seiner Schüler ist John ® Hughes, mit
dem er u. a. erstmals opioiderge Bioliganden aus dem Schweinehirn
isolierte (1975, Methionin- und Leucin-Enkephalin). Diverse Ehrungen wie
Ehrendoktorat (Liège), Schmiedeberg Plakette, Wellcome Gold Medal, Royal
Medal of the Royal Society of London, Albert Lasker Preis etc.. Mit
Harry Collier Vorarbeiten zur Gründung der "International Narcotics
Research Conference".
Kraepelin, E. (Neustrelitz 1865--1926 München)
bdt. dt. Psychiater, führte unter anderem Opioide zur Behandlung von
psychotischen Zuständen ein. Heute wird die Möglichkeit diskutiert, dass
eine Entgleisung des ® endogenen
Schmerzkontrollsystems ursächlich bei gewissen psychotischen
Erkrankungen mitbeteiligt ist.
Krause, Fedor (1857--1937)
bdt. dt. Hirnchirurg, beschrieb 1896 die "Neuralgie des Trigeminus
nebst Anatomie und Physiologie der Nerven".
Krayer, Otto Hermann (Köndringen/Baden 1899--1982 Emigration)
Wehrdienst als Infanterist 1917--1919, mit dem Eisernen Kreuz 2
ausgezeichnet; Studien in Freiburg i. Br., München und Berlin mit
Promotion (Dr. med), danach Weiterbildung in Pharmakologie, mit
Professur 1927 für Pharmakologie (Berlin) und Stage am physiologischen
Institut der Universität Göttingen; lehnte den Ruf an das, durch
nationalsozialistische Zwangsentlassung des jüdischen Vorstehers
verwaisten, Pharmakologie-Institutes der Universität Düsseldorf ab, was
ihm selbst eine sofortige Entlassung und Suspendierung von jeglichen
Funktionen an "deutschen" Universitäten einbrachte. Emigration über
London, Beirut (American University) in die USA (1937); verschiedenste
Professuren für Pharmakologie unter anderem an der Harvard Universität
(emeritiert 1966), 1976--1980 Gastvorlesungen an der T.U. München.
Krayer gilt als einer der führenden Pharmakologen des Jahrhunderts.
Krebs, Hans Rudolf Sir (Hildesheim 1900--1981)
Emigration 1933, Nobelpreis 1953 für Entdeckung des nach ihm benannten
Zitronensäurezyklus.
Krehl, Rudolf von (1861--1937)
Führte den Begriff Pathophysiologie ein ("pathologische Physiologie").
Kreis Oskar (1872-1958)
nach Ausbildung an der Basler Universitätsfrauenklinik Gynäkologe und
Geburtshelfer in Basel, hat im Jahre 1900 bei sechs Schwangeren eine
Spinalanästhesie mit Kokain als analgetische Maßnahme zur Linderung der
Geburtsschmerzen durchgeführt.
Krogh, August (1874--1949)
Schüler von Christian Bohr, Nobelpreis für Physiologie 1920 für seine
grundlegenden Arbeiten über die Regulationsmechanismen von Kapillaren.
Daneben Pionierarbeit über Gasaustausch.
Kryästhesie
Erhöhte Kälteempfindlichkeit.
Kryochirurgie
Bzw. Kälteneurochirurgie (z. B. stereotaktische Kryochirurgie des
Ganglion Gasseri, von Interkostalanästhesie nach Thoraxeingriffen etc.),
die gezielte Vereisung bzw. kryonekrotische Schädigung von Nerven.
Kryotherapie
Therapeutische Unterbrechung der neuronalen Transmissionfunktion durch
Kälte, die Kryotherapie geht u. a. auf Severino (1646) sowie auf franz.
Chirurgen im Napoleon-Feldzug (Beinamputationen bei erfrorenen Gliedern
) in Russland zurück. Bei Sportverletzungen reduzieren
kryotherapeutische Maßnahmen wie Eisbeutel etc. Schmerzen und lokale
Entzündungsreaktionen.
KST
Abk. für Kopfschmerz vom Spannungstyp.
Kübler-Ross, Elizabeth (Meilen/Zürich 1930*)
Psychiaterin, Psychologin. Forschung und Publikationen über
® "Sterbehilfe": "To live until we say
good-bye". Beschreibt den Prozess des Sterbens in 5 Sterbephasen als
psychosozialer Reifeprozess im Buch "On death and dying", nämlich
"denial of death" (Schock- und Verdrängunsphase des "Nicht-wahr-haben
wollen"), "anger" (aggressiv-emotionelle Neid- und Zornphase),
"bargaining" (Verhandlungs- und Hoffnungsphase), "depression"
(Rückblick- und Trauerphase), "acceptance" (Akzeptierungsphase).
Kuhn Franz (1866--1929)
dt. Pionier der oralen und nasalen Intubation (entwickelte spezielle
Tuben, empfahl die vorherige LA mittels Kokain, das Larynx-Packing, die
Nasalintubation für prolongierte Intubation etc., das Absaugen von
Sekreten mittels dünnen Kathetern etc.). Diese vergessenen, und durch
den Rummel über Sauerbruchs Überdruckkammer verdrängten, Arbeiten wurden
während des zweiten Weltkriegs zufälligerweise durch englische
Kriegsgefangene, die als Anästhesisten im Kriegsgefangenenlazararett
arbeiteten, wiederentdeckt.
KUSS
Abk. für kindliche Unbehagens- und Schmerzskala.
Quelle: Glossar
zum "Handbuch
der Schmerztherapie" (Hsg.: Herman Hans
Waldvogel), gewidmet Ernst von der Porten, einem der Wegbereiter der
moderenen Schmerztherapie. Ernst von der Porten wurde von der Gestapo,
gemeinsam mit seiner Frau, im "freien Teil Frankreichs" in den Tod
getrieben.
- Weitere Informationen zum
Buch
-
Bestellen
haGalil onLine 14-10-2001
|