Klinische Pharmakologie / Psychopharmakologie

 
 

 
 

Lexikon zur Schmerzmedizin

MAC
engl. Abk. für "minimum alveolar concentration" (nach Eger, 1965), die im Gleichgewicht ("steady state") befindliche minimale alveoläre Narkosegaskonzentration (bei 1 Atm), bei der keine somatische Antwort der Muskelbewegung auf noxische Reize (in der Regel Hautinzision) mehr erfolgt. Der MAC-Werte ist ein gebräuchlicher Index für die Potenz eines Narkosegases bzw. eines Opioids (opioidinduzierte MAC- Reduktion bei standardisierter Volatilanästhesie). Siehe auch ® Cp50; ® MEAC .

Macewen, William Sir (Ile of Bute/Schottland 1848--1924 Glasgow)
bdt. Schott. Chirurg und Pionier der Intubationsnarkose (1878). Setzte die Intubation als Mittel der Offenhaltung der Luftwege (z. B. Glottisödem etc.) ein.

Macintosh, Sir Robert (1897--1990)
bdt. engl. Anästhesist, Erfinder, Forscher, Professor am Nuffield Institut Oxford (erster Lehrstuhl für Anästhesiologie in Europa, 1937) u. a. Spanienkrieg 1936/1937 (Anästhesie und Schmerztherapie unter Kriegsbedingungen). Siehe auch: ® EMO.

MacKenzie-Zonen
Zonen der Haut und Muskelregion, in denen sich übertragene Schmerzen aus dem Viszeralbereich manifestieren, auch als Viszerotome bezeichnet.

Magendie, François (1783--1855)
bdt. frz. Neurologe, nach ihm benannt die Apertura medialis ventriculi IV, das "Foramen Magendie".

Magill, Sir Ivan (Larne/Nordirland 1888--1986)
Zusammmen mit seinem britischen Kollegen S. Rowbotham (1890--1979) Pionier der modernen Intubationsnarkose (s. Magill-Tubus, Magills-Attachment, Magills-Forzeps etc.). Er führte die britische Anästhesieschule, ab 1935 Diplomexamina, zur Weltgeltung.

Magnan-Zeichen
Nach dem Pariser Psychiater V.J.J.M. Magnan (1835--1916) benannte periphere Sensibilitätsstörungen bei Kokainmissbrauch, ebenfalls das ruckweise Herausstrecken der Zunge bei progressiver Paralyse nach diversen Hirnschädigungen.

magnetische Resonanz-Neurographie
Abk. MRN, in der Schmerzforschung und Klinik, das Abgreifen neuronaler Signalmuster bei Nervenläsionen. Die MRN kann als diagnostisches Hilfsmittel nach posttraumatischen Nervenläsionen und zur Überprüfung von chirurgischen Nervenanastomosen eingesetzt werden.

Magnus, Rudolf (1873--1927)
bdt. dt. Neurologe (arbeitete u. a. mit ® Sherrington zusammen, Pionierarbeiten über Labyrinth und Körperbewegung).

Malgaigne, Joseph-Francois (1806--1865)
Publizierte 1841 erste Statistik über die Mortalität chirurgischer Eingriffe.

MAO-Hemmer
Pharm., Hemmer der zentralen Monoaminooxydase. Dadurch kommt es zu einer Anreicherung sympatikomimetischer Amine (Klinik: Interaktionen Opoioide und MAO-Hemmer).

Marc, Franc (München 1880--1916 Schlacht bei Verdun)
Beim Tod seines Freundes und Mitbegründers des Blauen Reiters August Macke (Merschede 1887--1914 Schlacht in der Champagne):

"Mit seinem Tod wird der Kultur eines Volkes eine Hand abgeschlagen, ein Auge blind gemacht".

Marie, Pierre (1853--1940)
bdt. frz. Neurologe (u. a. Zusammenarbeit mit ® Charcot: Muskelatrophie, Arbeiten über Akromegalie, Rückenmark etc.).

Markennamen
Syn.: Markenbezeichnung, bezeichnet den Eigennamen eines Produkts im Gegensatz zum "Generikanamen", das eine Gattungsbezeichnung für chemische Verbindungen ist. Die Namengebung für Markennamen wird vom Hersteller frei durch Phantasiebezeichnungen gehandhabt. Der Markennamen kann patentrechtlich geschützt sein (®) und für den gleichen Wirkstoff von Land zu Land verschieden sein. Der Markennamen bleibt als geistiges Eigentum immer im Besitz der Eigentümer. Der Wirkstoff jedoch wird nach einem Intervall von nur zwanzig Jahren aus dem Patentrecht entlassen. Von diesem Moment an kann der Freinamen frei gebraucht werden. "Generika" sind identische Nachahmungen aus dem Patentrecht entlassener Wirkstoffe. Perorale Generika können aber eine unterschiedliche Kinetik aufweisen (schlechter, besser) als Originalia (gilt nicht für i.v.-Generika).

Martin Aloys (1818--1891)

Hochschullehrer – wegen seiner liberalen Einstellung durch konservative Kreise ausgebremst - an der Ludwig-Maximilians-Universität München, publiziert schon 1948 anästhesiologische Beiträge und gilt als deutscher "Wegbereiter der Anästhesie" . U.a. Herausgeber vielseitiger Werke zum Schematismus der Zivil- und Militärärzte Bayerns sowie Gründer und Redakteur des "Bayerischen ärztlichen Intelligenzblattes" (1886 in "Münchner Medizinische Wochenschrift" umbenannt). Gründer der Vereine für freiwillige Armenpflege und Fröbelsche Kindergärten in München.

MASK
In der Palliativ- und Schmerzmedizin die Abk. für multiaxiale Schmerzklassifikation, einer Schmerzklassifikationssystematik mit Integrierung somatischer und psychosozialer Dimensionen.

Maslow, Abraham Harold (1908--1970)
Professor für Psychologie am Brooklyn College (1937--1951) und an der Brandeis Universität (1951--1961). Begründer der "humanistischen Psychologie" -- "Motivation and personality", 1954. Beschrieb ® die "Maslow-Bedürfnispyramide".

Maslow-Bedürfnispyramide
Nach ®Maslow benannte Ebenen der physiologischen Bedürfnisse (Ebene 1), der Unabhängigkeit und Sicherheit (Ebene 2), der Zuwendung und Liebe (Ebene 3), der Anerkennung und Wertschätzung (Ebene 4) sowie der Selbstverwirklichung (Ebene 5).

Mastzellen
Bindegewebs- und Blutzellen (basophile Granulozyten), die u. a. Histamin enthalten. An die Membran der Mastzellen können sich Antigen-IgE-AK-Reaktionen abspielen.

McCrae John (Guelph/Ontario 1872-1918)

kanadischer Frontarzt; schrieb u.a. "In Flanders Fields." Starb an einer Pneumonie in einem frz. Spitallazarett. In Wimereaux begraben.

MEAC
engl. Abk. für "minimal effective analgesic concentration", entsprechend der minimalen Wirkstoffplasmakonzentration, die klinisch analgetisch wirkt. Bei Opioiden kann die minimal effektive Plasmakonzentration interindividuell um den Faktor 3 schwanken und ist deshalb ein beschränkter Wert für die Potenzbestimmung eines Opioids.

Mediator
Der Begriff wird uneinheitlich definiert, im engeren Sinne: Überträgerstoff für die interzelluläre Kommunikation, und zwar prinzipiell über 4 Modi -- 1. direkt von Zelle zu Zelle ("gap junction"), 2. "synaptisch", 3. "parakrin" über Diffusion zu ® Rezeptoren und 4. "endokrin" (= hormonal) über den Blutkreislauf.

Meerrettichperoxidase
Aus dem Meerrettich isolierbares Enzym, das in der Nervenforschung als histochemischer Marker benützt wird (die z. B. von einem peripheren Nervenaxon aufgenommene Meerrettichperoxidase wird an die entsprechenden zentralen Terminals transportiert).

Mega
Abk. "m", dezimales Vielfaches in der Ordnung 106.

Melkersson-Rosenthal-Syndrom
Bezeichnet nach dem schwedischen Arzt Ernst G. Melkersson (1898--1932) und dem dem Breslauer Arzt Curt Rosenthal. Bei Erkrankungen des Ganglion geniculi auftretendes idiopathisches klinisches Syndrom mit Fazialislähmung, Cheilitis granulomatosa (Lippenschwellung), Gesichtsschwellung ("Tapirmaul"), Zungenschwellung (lingua plicata), Parästhesien, Hyperakusis, Migräneanfälle etc.

Melzack, Robert (Montreal 1929*)
bdt. Algesiologe. Autor des Buches: "Puzzles of Pain" (1973). Mitbegründer, mit ® Wall, der ® Gate-Control-Theory of Pain (1965). Der McGill-Pain-Questionnaire wurde durch Melzack und W. Torgerson entwickelt. Mitgründer der ® IASP (deren Präsident 1984--1987). Coautor mit P. Wall von: "The challenge of pain" (1983); Coeditor mit P. Wall von "Textbook of pain" (1984). Mit Dennis Turk 1993: "Handbook of pain assessment".

Membran
Dünne, definierbare Grenzfläche (z. B. Biomembran, Zellmembran etc.).

Meralgia parästhetica
Bei Kindern und Erwachsenen auftretendes schmerzhaftes Nervenkompressionssyndrom, durch die Kompression des N. femoralis kutaneus lateralis bei seinem Leistendurchtritt induziert, welches mit neuropathischen Schmerzen, Parästhesien, sensorische Ausfällen im anterolateralen Oberschenkel einhergeht, Therapiemöglichkeit: Nervendekompression. Differentialdiagnostisch von der "Pseudomeralgia parästhetica", auftretend bei/nach retroperitonäalen neoplastischen Prozessen, Frakturen/Operationen der Spina iliaca anterior, abdominalen Eingriffen sowie systemischen Erkrankungen wie Lepra oder Diabetes, zu unterscheiden.

Merck, H.E. (1794--1855)
Apotheker und Gründer der Merck-Unternehmung (1827), stellte Papaverin 1846 dar.

Mering, Joseph Freiherr von (Köln 1849--1908 Halle)
Ab 1890 Professor in Halle, Arbeiten über die Bauchspeicheldrüse und Diabetes, Barbiturate. Führte 1893 ® Paracetamol in der Klinik ein.

Merskey, Harold (Sunderland/England 1929*)
bdt. Schmerzforscher (Psychologie, Physiologie). Koautor mit Tonge WL 1974 "Psychiatric illnes"; mit Spear FG 1967: "Pain, psychological and psychiatric aspects", mit Prkachin K 1993: "The prevention of postoperative pain"..

Mesmer, Franz Anton (bei Konstanz 1734--1815 Meersburg)
Vorläufer suggestiver Heilverfahren und Gruppentherapien. Führte in Wien und Paris "magnetische Kuren" vor und beschrieb einen "animalischen Magnetismus". Der "Mesmerismus" hatte v. a. in der Romantik einen großen Einfluss auch auf die Literatur. Siehe auch Anästhesie/Elliotson: "mesmeric-state" = Hypnose.

mesolimbisches Belohnungssystem
Der v. a. dopamingesteuerte mesolimbische Anteil (mit Nucleus accumbens) wird als Belohnungssystem bezeichnet, weil er Stimmung und Antrieb moduliert. m-Agonisten (Morphin) aktivieren das Belohnungssystem und erzeugen in Konditionierungsversuchen ein sogenanntes Präferenzverhalten, k-Agonisten (Dynorphin) dagegen eher Aversionsverhalten.

metabotropische Rezeptoren
Rezeptoren, die mit dem intrazellulären G-Proteinsystem gekoppelt sind und bei Konformationsänderung sog. Zweitboten (second messengers) wie zyklische Nukleotide, Ca2+ etc. aktivieren.

Miasmen
Nach Hahnemann, "Grundschwäche", auch aufgrund "unterdrückender" Behandlungen der "Schulmedizin".

Migräne
Verschiedene sich periodisch wiederholende, mit spezifischen neurologischen Begleitsymptomen -- oft einseitig (® Hemikranie) -- auftretende Kopfschmerzsyndrome. Klassische Migräne, migraine accompagnée, ophtalmique, digestive etc. Als Migräne rough wird der ® Clusterkopfschmerz bezeichnet. Als Migräne cervicale das ® Bärtschi-Rochaix-Syndrom.

Mikro
Abk. m: dezimales Vielfaches in der Ordnung 10-6 = 0,000.001.

Mikrodialyse
Die atraumatische Einführung von semipermeablen Membranen in den extrazellulären Raum von Geweben zur nachträglichen Untersuchung von Mikrodialysaten (z. B. Entzündungsfaktoren wie Prostanoide, Ionen etc.).

Mikropore-Filter
Rückenmarknahe Kathetertechniken, bakt. Schutzfilter mit Porengröße um 15--20 mm.

mikrovaskuläres Kompressionssyndrom
Syn.: idiopathische Neuralgie, bei Trigeminusneuralgie vorkommende Krankheitsursache. Durch dauernde Gefäßpulsationen induzierte Nervenschädigung (Demyelinisierung) mit konsekutiven ephaptischen Kurzschlüssen etc. und daraus resultierenden neuropathischen Schmerzen.

mild analgesics
Syn.: nonaddictive analgesics, missverständliche (in Bezug auf "mild" und "nonaddictive") angelsächsische Bezeichnung für ® antipyretische Analgetika.

Milli
Abk. "m", dezimales Vielfaches in der Ordnung 10-3 = 0,001.

Mini-Mental-State
Abk. MMS, durch Folstein et al. 1983 eingeführte einfache Bestimmung kognitiver Leistungen im Kontext der Palliativmedizin.

Missbrauch
Die unkontrollierte Einnahme eines Wirkstoffes (z. B. Opioide, antipyretische Analgetika etc.) ausserhalb medizinischer Indikationen.

Mitchell, Silas Weir (1829--1914)
Bedeutender am. Neurologe schottischer Abstammung. Studien bei ® Claude Bernard. Klassische Beschreibungen der Kausalgien etc., Erythromelalgie (Weir-Mitchell-Erkrankung). Ebenfalls bedeutender Schriftsteller (Kurzgeschichten, Essays, Dramen etc.).

Mitchell-Syndrom
Syn.: Akromegalie, schmerzhaftes [® Kausalgie] Syndrom der unteren Extremitäten mit Beteiligung des autonomen Nervensystems, mit lokaler Hyperthermie bzw. Erythrodermie, Schweißsekretion usw. Benannt nach dem amerikanischen Kriegschirurg Silas Weir ® Mitchell (1829--1914), der während des Sezessionskrieges (1861--1864) v. a. peripher traumatische Nervenläsionen untersuchte. Als sog. Mitchellhaut werden die dystrophen Hautveränderungen bei Kausalgien bezeichnet.

Mixturae
Syn.: Mixturen, flüssige Arzneipräparate zu peroralen Applikation in Form von Lösungen, Emulsionen oder Suspensionen (vgl. "mixtura moribundi": ® Brompton-Cocktail).

Mohnsäure
Opiumsäure (® Sertürner FWA).

Mohnträne
Historische Bezeichnung für Mekonium, ® Opium.

Moniz, Egas (1875--1935)
bdt. portugisischer Forscher (Coimbra, Bordeaux, Paris, Pionier der zerebralen Angiographie etc.). 1918 Aussenminister Portugals. Nobelpreis 1949 für die Entwicklung der präfrontalen Leukotomie, Moniz entdeckte und entwickelte die arterielle Enzephalographie: "L'encéphalographie artérielle, son importance dans la localisation des tumeurs cérébrales" (Rev Neurol 1927) sowie: "Tentatives opératoires dans le traitement de certaines psychoses" (1936) u. v. a.

Monoaminooxydase
Abk. MAO, v. a. in ZNS, Leber und Niere in den Membranen von Mitochondrien vorhandenes, für die oxydative Desaminierung natürlich vorkommender Monoamine verantwortliches, Flavin-enthaltendes Enzym (Bernheim 1928). Die zentrale MAO ist wichtig für die Homöostase zentraler Neurotransmitter vom Typ Monoamin (z. B. Serotonin), die hepatische MAO für die Inaktivierung von aus dem Darmtrakt resorbierter Monoamine (z. B. Tyramin). Entsprechend können zentralgängige MAO-Hemmer therapeutische eingesetzt werden, um entsprechende Neurotransmitterdefizite zu korrigieren.

Monro, A. (1733--1817)
schottischer Anatom, nach ihm wird das Foramen interventriculare Monro[i] benannt. Als Monro[i]-Block wird eine das Foramen verschließende Liquorblockade bezeichnet, als Monro[i]-Schmerzpunkt wird ein Punkt zwischen Nabel und Spina ischiadica major bezeichnet (vgl. mit McBurney-Aaron-Punkt).

Moore, James (Glasgow 1762--1860)
Chirurg, Dichter (Novellen) etc. in London, Pionier (Impfungen, Wundheilung, Schmerzbehandlung, Anästhesiemethoden). Publizierte 1784: "Method of preventing or diminishing pain in several operations", London.

Moore-Epilepsie
Von T.M. Moore 1944 beschriebenes Syndrom nach posttraumatischen Temporal- und Frontalhirnläsionen mit anfallsmäßigen heftigen Bauchschmerzen und vegetativer Instabilität.

Moore-Syndrom
Siehe ® Abdominalkrisen.

Morbidität
Verhältnis der Erkrankungszahlen zu einer gegebenen Zahl.

Morgan, Thomas Hunt (Lexington 1866--1945)
Begründer der Chromosomenforschung (Nobelpreis Physiologie/Medizin 1933).

Morphin
Wichtigstes Alkaloid des ® Opiums. 1805 durch ® W.F. Sertürner entdeckt, zum ersten Mal 1827 in "Pharmacopoea Borussica" erwähnt, die Morphinstruktur wurde 1925 durch R. Robinson ermittelt und die (komplizierte) Totalsynthese 1952 durch Gates u. Tschudin publiziert.

Morphinan
SF C16H21N. Stammkörper mit sog. Viererring der ab 1947 synthetisch entwickelten Analgetika wie Levorphanol , Dextrorphan , Butorphanol.

Morphinismus
Morphinsucht, "Morphinomanie", historische Bezeichnung für Morphinmissbrauch.

Morphium
Antiquierte Bezeichnung für Morphin.

Morris, William (Lord Nuffield)
englischer Autohersteller ("Morris"), Patient und Freund von Robert ® Macintosh, stiftete den ersten Lehrstuhl für Anästhesie der Welt, das Nuffield Institute bzw. Nuffield Department of Anaesthetics (Universität Oxford).

Mortalität
"Sterblichkeit", das statistische Verhältnis der Letalität zu einer gegebenen Populationszahl und bestimmten Zeitraum.

Morton, T.G. (1835--1903)
Beschrieb die Metatarsalgie oder Mortonsche Neuralgie.

Morton, William Thomas Green (Charlton/Mass. 1819--1868)
Demonstrierte mit Erfolg Äthernarkosen, nachdem er zuerst Hunde damit betäubt hatte. Nannte "sein" Narkosemittel "Letheon" und wollte es patentieren lassen. Seine am Massachusetts General Hospital durchgeführte erfolgreiche Äthernarkose an einem Patienten, der von Dr. J.C. Warren von seinem Kiefertumor befreit wurde, wird als der Anfang der modernen Anästhesiologie angesehen (16.10.1846). Die Nachricht von dieser erfolgreichen "Narkose" wurde in Windeseile bekannt. Heute im globalen praktisch zeitgleichen Informationsfluss kann dies kaum noch nachgefühlt werden, aber die Einführung von Äthernarkosen in England und wenig später auf dem europäischen Kontinent konnten in Abhängigkeit der damaligen atlantischen Schiffsverbindungen (Cunard-Linie etc.), die Publikation nicht nur in ersten Fachzeitschriften, sondern auch in der Boulevardpresse nachvollzogen werden. Auf Mortons Grabstein im Mount Auburn Cemetery -- Amerikas erstem Gartenfriedhof, in dem andere berühmte amerikanische Anästhesisten wie C.T. Jackson, W. Channing, H.J. Bigelow, C. Bulfinch, A.A. Gould etc. ruhen -- in Boston steht:

"Inventor and revealer of inhalation anesthesia: before whom, in all time, surgery was agony; by whom, pain in surgery, was averted and annulled; since whom, science has control of pain".

Moxibustion
Akupunktur, thermische Reizung bestimmter Akupunkturpunkte mittels eines nahen Glimmstengels.

MR
engl. Kurzbezeichnung für die galenische Form "modified release" (s. ® therapeutische Systeme).

Mr
Abkürzung der SI-Einheit für molare Masse, entsprechend dem Quotient aus der Masse und der Stoffmenge in kg/mol.

Mugnier, Cécilie (Annecy/Hochsavoyen 1875--1962 England)
Arbeitete beim berühmten frz. Neurologen Déjerine, wo sie Oskar ® Vogt trifft. Cécilie Mugnier-Vogt war eine der ersten Frauen, die im 19. Jahrhundert in Paris zum Medizinstudium zugelassen wurde. Nach ihrer Heirat 1899 gründen sie und ihr Mann in Berlin das Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung, deren Anatomische Abteilung sie ab 1931 leitete. Nach der Machtübernahme Hitlers Wegzug 1937 in die Abgeschiedenheit des Schwarzwalds (Neustadt), wo sie mit ihrem Ehemann Oscar Vogt als Protégé der Familie Krupp am Dennenberg im von ihnen gegründeten "Institut für Hirnforschung und allgemeine Biologie" weiter forschen konnte und zwar insbesondere auf dem Gebiet Hypnose und Psychotherapie sowie neurobiologische Grundlagenforschung. Zu Ehren der Hirnforscherin Cécilie Vogt erschien 1989 eine deutsche Briefmarke im Rahmen der Postwertzeichen-Dauerserie "Frauen der deutschen Geschichte".

Müller, Johann Peter (Koblenz 1801--1858 Berlin)
Pathologe, Anatom, Physiologe und Lehrer. "Handbuch der Physiologie des Menschen" (1833--1840). "Zur vergleichenden Physiologie des Gesichtssinns" (1826). Erforschte die Entwicklungsgeschichte des Urogenitalapparates (1830). Postulierte, dass jede Wahrnehmung durch den erregten Sinneskanal festgelegt ist. Begründete das naturwissenschaftliche Denken und formulierte u. a., wie äußere schädliche Energie über spezifische Afferenzen in das ZNS (Sensorium commune) gelangen, vielfältig -- u. a. auch durch psychische Faktoren -- modifiziert werden, bevor sie als Schmerzen imponieren.

Mühsam, Erich (Berlin 1878--1934 KZ Oranienburg)
Apotheker, freier, pazifistischer Schriftsteller, bedeutender Expressionist, weigerte sich, im KZ das Horst-Wessel-Lied zu singen und wurde daraufhin umgebracht. Die schöne, mutige Bohémienne, Chanteuse, Schauspielerin, "Morphinistin" und Kabarettistin (Münchner Künstlerkabarett Simplicissimus, ab 1916 Zürcher Kabarett Voltaire) -- spätere Frau von Hugo Ball -- Emmy (Ball) Hennings (Flensburg 1885--1948 Exil in Magliaso/Tessin) versuchte, ihren jüdischen Freund Mühsam zu retten, scheiterte aber vor den Toren des KZ Oranienburg.

Musiktherapie
Form von Psychotherapie zur Entspannung (z. B: während kontinuierlicher Epiduralanästhesie zur Ablenkung und Entspannung des Patienten).

Muskarinrezeptoren
Rezeptorensubgruppe (Subtypen M1-, M2-, M3-, M4-R) des cholinergen Systems, nach dem Gift "Muscarin" des Fliegenpilzes und anderer Pilze, einer quaternären Ammoniumbase, benannt. Muscarin induziert ein parasympathikomimetisches Intoxikationsbild mit negative Ino- und Chronotropie, Miosis, periphere Vasodilatation, Bronchokonstriktion,Tonussteigerung im MD-Trakt, Speichel- und Tränenfluss (durch Atropin antagonisierbar).

Mutagenität
Die Potenz eines Wirkstoffes, direkt oder indirekt (über zellinterne Reaktionsprodukte) genetische Zellstrukturen zu verändern (mutieren).

MVD
Abk. für mikrochirurgische vaskuläre Dekompression (z. B. vaskuläre Dekompressionen bei Trigeminusneuralgie, Gardner u. Miklos 1959).

Myalgie
Akute oder chronische Muskelschmerzen mit verschiedenster benigner und maligner Ätiologie. Oft assoziiert mit lokaler Schmerzempfindlichkeit sowie Steifheit, fakultativ von Muskelkrämpfen sowie chronischem Myofaszialsyndrom begleitet.

Myasthenia gravis
Durch Auto-AK induzierte Schädigung der ACh-Rezeptoren an den motorischen Endplatten.

Mydriasis
Extreme Pupillenerweiterung, klinisch bei Atropinmedikation, bei komatösen Patienten Zeichen der zerebralen Sauerstoffunterversorgung oder zu tiefem Narkosestadium (Guedel-Stadium III.3.).

Myelopathie
Nach Bestrahlung oder zytotoxischer Behandlung auftretende Schädigung des Rückenmarks. Es werden 4 Typen unterschieden: 1. akute Para- bis Tetraplegie (seltenste Form) 2. akute Parästhesien, ® L'hermitte-Zeichen etc. (häufig), 3. chronisch-progressive Formen von Parästhesien, Hypalgesie etc., Sphinkterschwächen (häufig) und 4. Motorschwäche der unteren Extremitäten wegen spezifischer Schädigung der vorderen Rückenmarkswurzeln.

Myogelose
Knotige, druckschmerzhafte Muskelverhärtung infolge kolloidchemischer Veränderung, eine Art Muskelhartspann, der einzelne Muskelfasern und nicht einen ganzen quergestreiften Muskel betrifft und elektromyographisch stumm ist.

my-Rezeptor, m-Rezeptor
Syn.: MOR, OR-3, eine der 3 Subtypen der ® Opioidrezeptoren Affinität für Endorphine > Dynorphine > Met-Enkephalin > Leu-enkephalin und Morphin.

 

Quelle: Glossar zum "Handbuch der Schmerztherapie" (Hsg.: Herman Hans Waldvogel), gewidmet Ernst von der Porten, einem der Wegbereiter der moderenen Schmerztherapie. Ernst von der Porten wurde von der Gestapo, gemeinsam mit seiner Frau, im "freien Teil Frankreichs" in den Tod getrieben.
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haGalil onLine 14-10-2001

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