Klinische Pharmakologie / Psychopharmakologie

 
 

 
 

Lexikon zur Schmerzmedizin

NACA-Score
engl. Abk. für "National Advisory Committee for Aeronautics", Score für die Lufttransportbeurteilung von Kranken und Verletzten.

Nano
Abk "n", dezimales Vielfaches in der Ordnung 10-9 = 0,000.000.001.

Narcotin
Syn.: Narkotin, Noscapin (ein Opioumalkaloid).

Naristillae
Nasentropfen.

"Narkose und Anästhesie"
1928 gegründet durch den Gynäkologen H. Franken, die Chirurgen H. Killian (Freiburg i. Br.) und H. Schmidt (Hamburg) sowie den Pharmakologen H. Schlossmann (Düsseldorf); fusionierte 1992 mit ® "Der Schmerz".

Narkolepsie
Trias pathologischer Schlafanfall, pathologischer Tonusverlust, pathologischer Wachanfall. Diskutierter Mechanismus, eine Störung der Schlaf-Wachzentrums (s. Formatio reticularis).

Narkologie
Historische deutsche Bezeichnung für das Fach Anästhesiologie. Erstes dt. Lehrbuch 1913 über "Narkologie" durch von Brunn.

Nathan, Peter (London 1914*)
Sprachstudien in Europa, nach einem Klinikbesuch in München Medizin- und Psychiatriestudium. Unter Samson Wright in London Weiterbildung in Neurophysiologie. Treffen mit Hitler 1932; Buch: "The psychology of fascism". Betreuung von Schädel-Hirn-Verletzten im 2. Weltkrieg. Sein Handbuch (1969) "The nervous system" ist in mehreren Auflagen erschienen.

Naunyn, B. (Berlin 1839--1925 Baden-Baden)
Forscher und Internist (u. a. Bern, Dorpat, Königsberg, Straßburg). Begründete 1872 mit E. Klebs und O. Schmiedeberg das danach benannte Naunyn-Schmiedeberg Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie, sowie zusammen mit J. von Mikulicz-Radecki die "Mitteilungen aus den Grenzgebieten der Medizin und Chirurgie" (1896). 1892: "Klinik der Cholelithiasis", 1898 "Der Diabetes mellitus", 1921 "Die Gallensteine, ihre Entstehung und ihr Bau". 1925 "Erinnerungen, Gedanken und Meinungen". Daneben auch Schmerzforschung: "Über die Auslösung von Schmerzempfindung durch Summation sich zeitlich folgender sensibler Erregungen" (1889).

Naunyn:"In der Wissenschaft liegt das Heil der Medizin."

Naus
Griech. das Schiff, davon leitet sich ab: Nautia (Schiffskrankheit, auch Nausea marina oder Naupathia) sowie Nausea (Übelkeit).

NCE
Engl. Abk. für "new chemical entity", definiert als neuer molekularer Wirkstoff, der bislang nicht an Menschen eingesetzt wurde.

Neck-Tongue-Syndrom
Kopfschmerzsyndrom mit unregelmäßigen, kurzdauernden, heftigen einseitigen Schmerzen in der Okzipitalgegend, sowie Dysästhesien der ipsilateralen Zungenhälfte, Schluckstörungen etc.

Nernst-Koeffizient
Vom Physiker Walter Nernst (Bromberg 1864--1941 bei Bad Muskau) sowie dem Physiker J.J. Thomas aufgestellte physikalische Regel über die Dissoziation eines Lösungsmittels. In der Pharmazeutik ist es üblich, die Dissoziation zwischen Oktanol und Wasser als Nernst-Verteilungskoeffizienten anzugeben.

Nervenkompressionsyndrom
Die repetive oder dauernde Schädigung eines Nerven durch mechanischen Druck, Ischämie, Ödem oder Gewebefibrosierung mit der Folge eines akut somatischen, öfters jedoch chronisch-neurogenen Schmerzsyndromes (Druckneuropathie, z. B. Diskusprolaps, Karpaltunnelsyndrom, Ulnarnervensyndrom, ® Meralgia paraesthetica).

Nervensysteme
Man unterscheidet in der Regel 3 Teile des Nervensystemes (NS): 1. das somatische, 2. das autonome und 3. das enterale NS. Das autonome NS -- Vegetativum -- ist aufteilbar in ein zentrales autonomes ("central autonomic network") und ein peripheres autonomes NS, ist dem Einfluss des Willens und Bewusstsein entzogen und regelt v. a. Lebensfunktionen wie Atmung, Verdauung, Stoffwechsel, Wasserhaushalt etc. ("milieu interne"). Das enterale NS ist äußerst komplex aufgebaut und unvollständig erforscht, es dient weitgehend der Autoorganisation des enteralen Systems und beinhaltet u. a. auch die intramuralen neuronalen Systeme, die auch zum autonomen NS gerechnet werden.

Neumann, J., Baron von (österr.-ungar. Mathematiker 1903--1957)
Emigrierte 1933 vor dem Naziterror. Wurde Professor am Institute for Advanced Study der Universität Princeton. Erhielt 1956 den Enrico-Fermi-Preis. Eminenter Mathematiker und Entwickler von Datenverarbeitungsanlagen. Nach ihm wird die Neumannsche Gleichung (Grundgleichung der Quantenstatistik) benannt.

Neuralgie
Schmerzzustände im Versorgungsgebiet eines betroffenen Nerven aufgrund pathologischer Nervenveränderungen.

Neuraltherapie
Periphere Stimulation bzw. Ausschaltung von sogenannten Störfeldern des autonomen Nervensystems.

Neuraxis
Physiologie, Bezeichnung für das ZNS (Kortex, Hirnstamm, Rückenmark). Der Begriff Neuraxis wird in der Schmerzpraxis ausgeweitet auf das periphere mit der Nozizeption involvierte Nervensystem bzw. periphere neurale Strukturen. Die Anwendung von Wirkstoffen auf Strukturen der peripheren und zentralen neuralen Nozizeption wird auch als neuraxiale Technik bezeichnet.

Neuritis
Nervenentzündung.

neurogene Entzündung
Von L.A. Chahl 1984 eingeführte Bezeichnung für die nach Nozizeptorenschädigung über antidrome Neurosekretion von Neuropeptiden (Substanz P, CGRP etc.) induzierte sterile Gewebeentzündung mit Vasodilatation, Extravasation, Mastzellendegranulation und Histaminfreisetzung (vgl. "peripheres Mikromilieu der Nozisensoren"; Hyperalgesie).

Neurokinin
Neurotransmitter vom Typ Tachykinin (ähnliche chemische Struktur wie ® Substanz P sowie Substanz K, entsprechend Neurokinin A). Wirkungen u. a. Bronchokonstriktion, Konstriktion der glatten Muskulatur, Hypotension, Aktivierung der Miktion. Neurokininrezeptoren (Abk. NK-R), der Zellmembranrezeptoren für ® Tachykinine (Substanz P, Neurokinin A). NK1-Rezeptoren sind G-proteingekuppelte Rezeptoren und in vielen zentralen und peripheren Nervenzellen, aber auch glatten Muskelzellen, Endothelialzellen, Drüsenzellen, Fibroblasten, Immunzellen nachweisbar. NK3- R weisen eine Affinität zu Neurokinin-B (Syn. Neurokinin-b, Neuromedin-K) auf.

Neurolepsie
Relative Indifferenz gegenüber der Umwelt.

Neuroleptanalgesie
Nach De Castro und Mundeleer, 1959 bezeichnete Kombinationsanalgesie bis zur Anästhesie mittels Neuroleptika und zentralem Analgetikum (z. B. Droperidol-Fentanyl).

Neuroleptika
Untergruppe der sogenannten Psychopharmaka zum Ziel der Neurolepsie (engl. Major tranquilizers). Pharmakologisch folgende Gruppen: Phenothiazinderivate (Beispiel: Chlorpromazin);Thioxanthinderivate (Beispiel: Chlorprothixen); Aminobutyrone (Beispiel: Droperidol); Diphenylbutylpiperidine (Beispiel: Pimozid) und Indolderivate (Beispiel: Reserpin). Neuroleptika sind im Prinzip hypnotikafreie Beruhigungsmittel mit "antipsychotischer" Wirkung (s. auch ® Tranquilizer).

Neurolyse
In der Schmerzpraxis reversible bis irreversible Zerstörung eines Nerven durch Kälte, Alkoholapplikation etc.

Neuromodulation
Der Begriff Neuromodulation umfasst verschiedene, reversible, nichtdestruktive, schmerztherapeutische Techniken wie elektrische Stimulation der nozizeptiven Neuraxis (periphere Nerven, Trigeminus-Wurzel und -Ganglion, Rückenmark, Thalamus, motorischer Kortex). Die häufigsten Techniken sind ® TENS, ® "peripheral nerve stimulation" PNS und "spinal cord stimulation" ® SCS.

Neuron

1891 von Gottfried Wilhelm von Waldeyer-Hartz eingeführte Bezeichnung für eine Nervenzelle (bei Braunschweig 1836--1921; Anatom in Breslau, Strassburg und Berlin; führte ebenfalls die Bezeichnung Chromosom in die med. Nomenklatur ein).

Neuropeptide Y
Ein 1982 entdecktes Peptid mit einer 36-Aminosäuresequenz. Vorkommen u. a. in autonomen noradrenergen Neuronen, mitverantwortlich für Vasokonstriktion, Na-Ausscheidung, lokale Perfusion, Drüsensekretion, glatte Muskulatur, Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme, sowie Hypophysenhormone. Moduliert über NPY-Rezeptoren neuronale K+- und C2+-Kanäle.

Neuropil
Sog. Nervenfilz, aus makroskopisch grau erscheinenden Geflechten von Dendriten, Axonen, Gliafortsätzen bestehend.

Neurotensin
Ein biologisch aktives aus dem Hypothalamus isoliertes Peptid. Wirkungen: Hypotension, Ileumkontraktionen, Duodenalrelaxation im Tierversuch. Physiologische Funktion als peripherer und zentraler Neurotransmitter. Induziert dosisabhängig pro- bis antinozizeptive Wirkungen bei Mikroinjektion in die mediane Medulla oblongata. Neurotensin-Antagonisten haben entsprechend den umgekehrten Effekt. Diese unterschiedliche Wirkung wird mit der Präsenz von (bislang putativen) Rezeptorsubtypen erklärt.

Neurotizismus
Psychologie, neurotisches Persönlichkeitsmuster mit "neurotischem Trias" Hysterie, Depression, Hypochondrie.

Neurotoxine
Gifte, die das Nervensystem schädigen.

Neurotoxisch
In der Schmerzpraxis auftretende Schädigung eines Nerven durch Medikamente, z. B. intrathekale Verabreichung von neurotoxischen Lokalanästhetika, neurotoxischen Beimischungen zu Schmerzmittelzubereitungen. Viele ® Designerdrogen sind neurotoxisch.

Neurotransmitter
Von Nerven synthetisierte, aus präsynaptischen Vesikeln bei Eintreffen eines Aktionspotentials sowie Ca2+-Ionen-Influx in die Synapse freigesetzte Substanzen. Induzieren an postsynaptischen Membranrezeptoren sog. Konformationsveränderungen.

Neurotripsie
Durch operative Quetschung erfolgte temporäre Nervenschädigung.

Neurotrop
Die Nerven betreffend (z. B. neurotrope Vitamine).

Neurotrophine
Eine Superfamilie von endogenen Stoffen, die für das Überleben, Ausdifferenzieren etc. sowohl für das periphere als auch zentrale NS wichtig sind (BDNF, "brain-derived-neurotrophic-factor", NGF, NT-3, NT-6 "neurotrophin-3/-6", GDNF "glial-cell-line-derived-neurotrophic-factor"). In Diskussion in Bezug auf neurodegenerative Erkrankungen, Nervenläsionen sowie in Kombination mit anderen trophischen Faktoren (CNTF, FGF etc.). Entsprechende Rezeptoren sind p75NTR (p75) sowie p140trk (trkA, s. "Tyrosinkinase-Rezeptor") für NGF. Nach Ligandenbindung, wird der Neurotrophin-Rezeptorkomplex ins Innere des Neurons verschoben und zum Stoma transportiert. Die auslösbaren intrinsischen Wirkungen betreffen komplizierte neurotrophe Effekte, die das neuronale Überleben, Migration und Zellausdifferenzierung (Zellproliferation bis zur Zellorganellbildung etwa von Synapsen) betreffen. Proinflammatorische Zytokine können von Makrophagen und Monozyten freigesetzt werden und für Immunreaktionen wie die Akutphase-Reaktion, aber auch mit allgemeinen Körperreaktionen wie Schlaf etc. mitverantwortlich sein. Nach traumatischen, infektiösen oder degenerativen ZNS-Läsionen sind sie im ZNS nachweisbar. Potentiell könnte die Bekämpfung entsprechender Zytokine (mit Antikörper oder Rezeptorantagonisten) entsprechende Zytokin-induzierte Reaktionen blockieren.

NGF
engl. Abk. für "nerve growth factor", s. Wachstumsfaktoren, "growth factors".

Nicholas, George Richard Rich (Majorca/Vic-Australia 1884--1960)
austral. Pharmazeut, entwickelte Verfahren zur Herstellung von Acetylsalicylsäure. Gründer der Smiths, Nicholas & Co. (1915), später Nicholas Proprietary Ltd.

Nicolau-Syndrom
Typische Hautveränderungen nach akzidenteller intra- oder periarterieller Injektionstechnik mit Nekrosen, ähnliches ist nach i.m.-Applikationen bekannt.

nichtsaure Pyrazolone
Ein Isomer der Kernsubstanz Imidazol ist Pyrazol, das durch eine Oxo- bzw. Ketogruppe zum Pyrazolon wird, aus dem sich die Analgetika ® Phenazon sowie ® Metamizol (Aminophenazol) ableiten lassen.

Niere und Prostaglandinsystem
Das renale Prostaglandin System (COX-1 und COX-2) ist mitbeteiligt an der Autoregulation, d. h. am Selbstschutz der Nieren, die renale Perfusion, tubuläre Transportmechanismen, renale Hormonausscheidung umfassend. Im Nierenkortex werden offenbar v. a. Prostaglandine (PGE2, PGI2) zur dortigen Glomeruli- und Arteriolenregulation sowie Reninherstellung synthetisiert. Die renale Reninsekretion wird über Katecholamine und Prostaglandine reguliert. Im Nierenmarkbereich scheint das PGE2 eine wichtige Rolle zu spielen (Markperfusion, Elektrolytreabsorption, Arginin-Vasopressin-Synthese). Hormone wie Renin, Angiotensin, Noradrenalin und Vasopressin induzieren über die systemische durch diese Hormone ausgelöste Vasokonstriktion eine kompensatorische Erhöhung von renalen vasodilatierenden PGs über den Phospholipaseweg. Eine iatrogene Hemmung durch PG-Hemmer kann die Nierenfunktion beeinträchtigen, v. a. bei Vorliegen begünstigender Kofaktoren wie (prä, peri- oder postoperative) Hypovolämie, Hypotension, vorliegender Nierenschaden bei Hypertension, Arteriosklerose, Alter etc., s. auch ® Prostaglandin-Rezeptoren.

Nikolski-Zeichen
Pathognomisches Zeichen toxischer Hautreaktionen im Rahmen von UAW (s. Lyellsyndrom). Auf seitlichen Fingerdruck kann im Bereich der gesunden Haut die Hautschicht bzw. oberste Epidermislagen (Akantholyse) abgelöst werden. Nach dem russischen Hautarzt P. N. Nikolski (1858--1940) benannt.

Nikotinrezeptoren
Neben der Muskarin-Klasse eine Hauptrezeptorenfamilie des cholinergen Rezeptorsystem mit Subtypen für Muskel- sowie neuronale Funktionen.

NIPS
engl. Abk. für "Neonatal Infant Pain Score" Im kanad. Ontario entwickelter Schmerzerfassungsskore (® PIPP) für Neugeborene, anhand von Gesichtsausdruck, Weinen, Atmung, Haltung der Arme und Beine und Gemütszustand.

Nissl, Franz (1860--1919)
Bedeutender dt. Neurologe: Neuropathologie, Neurozytologie etc., thalamokortikale Verbindungen etc.

NK
Abk. für Neurokine.

NMDA
Abk. für N-Methyl-D-Aspartat-Rezeptor, bestehend aus Untereinheiten NR1, NR2A--D. Funktion: postsynaptischer Ca2+-Ionenkanal mit Bindungsstellen für Glutamat und Glyzin. Im depolarisierten Ruhezustand durch Mg2+-Ionenkanäle geblockt. Eine Membrandepolarisierung entfernt die Mg-Kanalblockade und erlaubt den Einstrom von Ca2+-Ionen (abhängig auch von Zn2+-Ionen). Ein Kationenfluss kann durch eine im Kanal befindliche Phenzyklidinandockstelle geblockt werden. Eine Bindung zu dieser Andockstelle ist gesteigert bei aktiviertem Kanal (z. B. durch Ketamin, einen offenen Kanalblocker bzw. NMDA-Antagonisten). Andere Rezeptorstellen interferieren mit dem NO-System etc.

NMDA-Antagonisten
Wirkstoffe die kompetitiv NMDA-Rezeptoren besetzen und den natürlichen exzitatorischen Neurotransmitter (Glu) verdrängen und somit eine Sensibilierung bzw. Depolarisation der Postsynapse verhindern. Siehe ® Ketamin, ® Dextromethorphan und Dextrorphan, Felbamate, ® Amantadine und Memantine.

NO
Syn.: Stickstoffmonoxid, Stickoxid, multifunktionelles nitroses Biogas, früher als Koregulator des Dialogs zwischen Endothel und glatten Gefässmuskelzellen als EDRF ("endothelium-derived-relaxing-factor") bezeichnet. Funktionen: Regulation von Vasodilatation/Vasokonstriktion, Hemmung von Plättchenaggregation und -adhäsion, Plättchenaktivation, wobei NO sowohl vom Endothel als auch von Plättchen synthetisiert wird. Leukozytenaktivierung, Proliferation glatter Muskelzellen, Neurotransmitter. Biosynthese: aus L-Arginin via konstitutive und induktive NO-Synthase bzw. via O2- Aufnahme und Rezyklierung über L-Citrullin. Das NO-System kann Ca-abhängig oder Ca-unabhängig aktiviert werden, beispielsweise kann das Gefässendothel über entsprechend aktivierte Acetylcholin- oder Bradykininrezeptoren einen Kalziumioneninflux induzieren, eine erhöhte intrazelluläre Ca-Konzentration stimuliert die konstitutive NO-Synthase, die über L-Arginin NO de novo in Picomolquantitäten freisetzt und in glatten Muskelzellen die lösliche Guanylatezyklase (SGC) mit entsprechender Erhöhung der zyklischen Guanosinmonophosphat (aus GTP) stimuliert -- mit dem Ergebnis einer Muskelrelaxation. Kalziumunabhängig können Endothel und glatte Muskelzellen durch auf zellmembranagierende Zytokine mit einer kontinuierlichen NO-Synthaseproduktion reagieren. Diese Reaktion ist durch Kortikosteroide hemmbar -- zytokininduzierter septischer Schock -- und entsprechend über kontinuierliche Aktivierung der löslichen Guanylatzyklase kontinuierlich eine längerdauernde Relaxation induzieren. Diese Reaktionen können durch NO-abgebende Wirkstoffe imitiert werden. Das endogene Nitrosystem umfasst verschiedene NO-Formen, so mit freiem Elektron (NO-), Nitrosoniumion (NO+): ® Redoxfunktionen. Endogene Nitrate wie NO3- werden mehr ausgeschieden als eingenommen. Bei Fieber beispielsweise ist die renale Ausscheidung von endogenen Nitraten vervielfacht. Link Immunsystem: stimulierte Makrophagen produzieren Nitrite, NO3- , N-Nitrosamine, wobei das Intermediärprodukt NO zytotoxische Eigenschaften aufweist. Link Nozizeptionssystem: bei starker synaptischer Nozitransmission bzw. Aktivierung der postsynaptischen NMDA-Rezeptoren erfolgt ein intrazellulärer Kalziumionenstrom. Eine intrazelluläre Kalziumionenkonzentrationserhöhung aktiviert die konstitutive NO-Synthase der Sekundärafferenz, das aus L-Arginin, postsynaptisch gebildete NO rediffundiert nun als "retrograder Transmitter" in die Präsynapse der Primärafferenze, wo es die Freisetzung des rapiden Transmitters ® Glutamat fördert. Somit schaukelt sich eine pronozizeptiver synaptischer Nozitransmissionsmechanismus auf. NO ist möglicherweise für zelluläre Lernfunktionen sowie ® Plastizität des nozizeptiven Systems mitverantwortlich. Therapeutisch sind NO-Donatoren wie Trinitrate einsetzbar (z. B. "chemische Sphinkterotomie"). Ebenfalls in Diskussion sind ® Hemmer der iNO-Synthase. Für die Entdeckung des NO-Systems erhielten 1998 die amerikanischen Forscher Robert F. Furchgott, Ferid Muard und Louis J. Ignarro den Nobelpreis für Medizin.

NOA
In Deutschland gebräuchliche Abk. für "Nicht-Opioidanalgetika ohne antiphlogistische Eigenschaft", betrifft nichtsaure antipyretische Analgetika, wie ® Paracetamol, ® Metamizol, ® Phenazon und ® Propyphenazon.

NOAM
Abkürzung für in Deutschland gebräuchliche Bezeichnung "Nicht-Opioidanalgetika ohne antiphlogistische sowie muskelrelaxierenden Eigenschaften"; Beispiel: Wirkstoff Flupirtin.

Nobelpreis
Für Physiologie und Medizin (man beachte die Reihenfolge!), vom schwedischen Industriellen Alfred Nobel (1833--1896) eingeführter Wissenschaftspreis. In seinem Testament von 1895 sind Richtlinien für die Preisverleihung zu finden. Nobel, unter dem damaligen Zeiteindruck der "Physiologie als Fundament der Medizin", beschäftigte sich als Amateur u. a. mit physiologischen Experimenten zur Bluttransfusion. Aus dieser Sichtwarte ist der Preis und die bezeichnende Namengebung "für die bedeutendste Entdeckung im Bereich von Physiologie oder Medizin" zu verstehen. Nobel war mit der österreichischen Pazifistin Bertha von Suttner (geb. Gräfin Kinsky Prag 1843--1914 Wien; s. auch Henri Dunant) befreundet, die ihn zur Stiftung eines Friedensnobelpreises bewegen konnte, den sie selbst 1905 für ihre weltbekannten pazifistischen Aktionen erhielt. Ihr Buch "Die Waffen nieder" (Dresden 1889) wurde auf "Bücherverbrennungen", so am 10.05.1933 -- durchgeführt durch dem nationalsozialistischen deutschen Studentenbund "Wider den undeutschen Geist" (Originalzitat) -- bzw. vom 30.04.1938 nach dem Anschluss auf dem Salzburger Residenzplatz mit einem Grossteil der deutschen Literatur (Heine, Mann, Zweig, Remarque, Roth, Tucholsky, Renn, von Ossietzsky etc.) eingeäschert.

NO-Syntethase
Enzym, dass die Konversion von L-Arginin, NADPH, und Sauerstoff zu Citrullin, NO und NADP+ im Beisein von Kalziumionen katalysiert.

Noceboeffekt
1961 durch Kennedy beschriebener Konditionsreflex, der durch negative Erwartungen aktiviert wird und Antagonist zum ® Placeboeffekt ist. Nocebostimuli wie Angst, Misstrauen, Zweifel können aversive, paradoxe Effekte auslösen, Hyperalgesie statt Analgesie. Als extremer Noceboeffekt gilt der bei Primitiven durch Angst auslösbarer Voodoo-Tod. In der moderen Gesellschaft wird der Noceboeffekt an Bedeutung gewinnen: soziopolitische "Aufklärung" gegenüber "allem Chemischen" vs. "nichtchemische Heilkraft des zunehmenden Schamanentums" im Kontext der Umweltveränderung etc. Der Kopfwehtest bei Probanden (Schweiger u. Parducci 1981: s. ® negativer Placeboeffekt) wird regelmäßig in der Presse beschrieben im Kontext "elektrisch-magnetischer" Schäden und Gefahren in der Nähe von Hochspannungsleitungen (elektromagnetische Pollution).

Nociception
Lat. Nocere, noceo: schädigen, noxa, noxae: der Schaden und capere: erfassen, Syn. Nozizeption. Das Warn- und Abwehrsystem der thermischen, chemischen und mechanischen Schadenerfassung.

Nociceptin
Syn.: Nozizeptin, endogener Peptidligand für ® Orphan-ähnlichen Opioidrezeptor. Noda Hiroharu (Kyoto/Japan 1936--1991 Indiana/USA) bedeutender Neurophysiologe (ZNS).

Nonresponder
Patient, der auf einen Wirkstoff "nicht anspricht" (z. B. langsamer Verstoffwechsler metabolisiert Prodrug Kodein nicht zu Morphin mit dem Resultat: keine Analgesiewirkung.)

Noradrenalin
Norepinephrin INN; Abk. NA. Summenformel: (HO)2C6H3-CH(OH)-CH2NH2. Hormon des Nebennierenmarkes, peripherer Neurotransmitter (postganglionär adrenerge bzw. sympathische Synapsen), zentraler Neurotransmitter im ZNS (v.a. retikuläres System, Hypothalamus, Locus coeruleus). Die NA-Synthese erfolgt über Tyrosin (Hydroxylase) Þ DOPA (Decarboxylase) Þ Dopamin (Dopamin-b-Hydroxylase) Þ Noradrenalin (N-Methyltransferase) Þ Adrenalin. Die NA-Speicherung erfolgt in synaptischen Vesikeln; die Freisetzung und der "Reuptake" über aktive Transportsysteme (abhängig von Mg2+, ATP), in Quanten bei Eintreffen eines Aktionspotential in Anwesenheit von Ca2+-Ionen. Die physiologische NA-Wirkung ist kurz und wird durch "Reuptake" (ca. 80%) durch postanglionäre Nervenendigung oder (zu einem kleinen Teil) enzymatischen Abbau (® MAO und ® COMT) beendet. Die NA-Elimination erfolgt in einer täglichen Menge von 2--4 g renal in der Form von Vanillinmandelsäure. NA wie Adrenalin ermöglichen die sympathischen Kampf- und Fluchtfunktionen mit entsprechend erhöhter Herzleistung (positive Ino- und Chronotropie, Hypertension), erhöhtem Glykogen- bzw. Energieumsatz, Bronchodilatation, Perfusionsänderung zuungunsten der Peripherie, zugunsten der Muskulatur. Der Ire Robert Ford Whelan (Belfast 1922--1984) infundierte sich in einem Selbstexperiment eine Mischung von Noradrenalin und Adrenalin 1949 mit der Folge von irren Kopfschmerzen, BD 235/150 mmgHg, Hirnödem, schweren Abdominal- und Thoraxkrämpfen, die zur Notfalleinweisung führten. Die Kopfschmerzattacken hielten noch 12 Tage an.

Nordenboos, N. (?--?)
Bedeutender holländischer Schmerzphysiologe, beschrieb die polysynaptische Afferenzbahn Tractus spinothalamicus und verwies auf die Möglichkeit der Signalmodulation an Synapsen: "Pain: problems pertaining to the transmission of nerve impulses which give rise to pain" (1959).

NOS
Abk. für NO-Syntethase, der ultrakurze, multipotente, ubiquitäre gasförmige Neurotransmitter ® NO wird u. a. im schmerzverarbeitenden Hinterhorn u. a. postsynaptisch über eine konstitutionelle sowie induktive (i) NOS produziert.

Noskapin
Syn.: Noscapin, Narkotin, ® Opiumalkaloide.

Nosomanie
Wahn und Angst, an einer körperlichen. Erkrankung zu leiden.

Nosophobie
Pathologische Angst vor Erkrankung (z. B. Beispiel: Karzinophobie = Angst vor Krebs).

Nostalgie
Griech.: nóstos: Heimkehr, durch den Basler Arzt J. Hofer in seiner "Dissertatio medica de Nostalgia oder Heimweh" 1678 beschriebener seelischer Schmerz der Sehnsucht nach Heimat.

Notalgie
Rückenschmerz.

Notker Balbulus (ca. 840--912)
"Der Stammler", Benediktiner im Kloster St. Gallen (das mit dem Kloster der Insel Reichenau einen engen Kulturaustausch pflegte), Lehrer, Bibliothekar, Dichter und Vorgänger der heutigen Schmerz-Tod-Philosphie.

"Media vita in morte sumus".

Nozizeption
lat. nocere: Schaden zufügen, capere: erfassen. Schadenerfassung, neurophysiologischer Begriff, der alle Mechanismen, mit denen schädigende Reize erkannt und verarbeitet werden, bezeichnet. Als Antinozizeption wird die Unterdrückung der Prozessierung von noziven Reizen durch körpereigene Mechanismen (s. Endorphinsystem) oder iatrogen (pharmakologische Antinozizeption: ® Antinozizeptiva) beschrieben.

Nozizeptor
Ein ® Sensor (Nozisensor), der schädigende Reize erkennen und in ein spezifisches Nervensignal transduzieren kann (Ad-, C- Nozisensoren).

Nozizeptorschmerz
Schmerz, der durch Stimulation von ® Nozizeptoren entsteht.

NSAID
Abk. für "non-steroidal anti-inflammatory drugs", s. ® saure antipyretische Analgetika.

NSAR
Abk. für nicht-steroidale Antirheumatika, heute als saure antipyretische Analgetika (sAA) mit antiphlogistischer Eigenschaft bezeichnet.

NT
Abk. für Neurotrophine.

Nucleus accumbens
Kernsystem des Mittelhirns, "Zentrum für das sogenannte Belohnungssystem".

Nussbaum, Felix (Osnabrück 1904--verschollen)
Bedeutender Maler, Ausbildung in Hamburg und Berlin, wo er die Malerin Felka Platek kennenlernt, Arbeiten in Rom (Villa Massimo, als Studiengast der Deutschen Akademie), Paris, Ostende, Brüssel, wo er 1940 verhaftet wurde. Internierungslager Saint Cyprien (s. auch A. ® Schweitzer). Flucht über Bordeaux nach Brüssel. Im Juli 1944 zusammen mit seiner Frau Felka verhaftet und über das Sammellager Mechelen zum KZ Ausschwitz gebracht, dort wo auch sein Bruder sowie seine Eltern hingeführt worden waren. Verschollen bzw. 1946 aus dem belgischen Judenregister gestrichen. 1998 wurde in Osnabrück ein von Daniel Libeskind konzipiertes Felix-Nussbaum-Museum als Raum gegen das Vergessen eröffnet.

Nussbaum, Johann Nepomuk (1829--1890)
Chirurgieprofessor in München; führte in Deutschland die chirurgische Antisepsis sowie Prämedikation ein, indem er durch die Gabe von 1 g Morphinacetat den perioperativen Chloroformbedarf erniedrigen konnte.

Nyktalgie
Nur nachts auftretende Schmerzen.

 

Quelle: Glossar zum "Handbuch der Schmerztherapie" (Hsg.: Herman Hans Waldvogel), gewidmet Ernst von der Porten, einem der Wegbereiter der moderenen Schmerztherapie. Ernst von der Porten wurde von der Gestapo, gemeinsam mit seiner Frau, im "freien Teil Frankreichs" in den Tod getrieben.
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haGalil onLine 14-10-2001

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