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Lexikon zur Schmerzmedizin
NACA-Score
engl. Abk. für "National Advisory Committee for Aeronautics", Score
für die Lufttransportbeurteilung von Kranken und Verletzten.
Nano
Abk "n", dezimales Vielfaches in der Ordnung 10-9 =
0,000.000.001.
Narcotin
Syn.: Narkotin, Noscapin (ein Opioumalkaloid).
Naristillae
Nasentropfen.
"Narkose und Anästhesie"
1928 gegründet durch den Gynäkologen H. Franken, die Chirurgen H.
Killian (Freiburg i. Br.) und H. Schmidt (Hamburg) sowie den
Pharmakologen H. Schlossmann (Düsseldorf); fusionierte 1992 mit
®
"Der Schmerz".
Narkolepsie
Trias pathologischer Schlafanfall, pathologischer Tonusverlust,
pathologischer Wachanfall. Diskutierter Mechanismus, eine Störung der
Schlaf-Wachzentrums (s. Formatio reticularis).
Narkologie
Historische deutsche Bezeichnung für das Fach Anästhesiologie. Erstes
dt. Lehrbuch 1913 über "Narkologie" durch von Brunn.
Nathan, Peter (London 1914*)
Sprachstudien in Europa, nach einem Klinikbesuch in München Medizin-
und Psychiatriestudium. Unter Samson Wright in London Weiterbildung in
Neurophysiologie. Treffen mit Hitler 1932; Buch: "The psychology of
fascism". Betreuung von Schädel-Hirn-Verletzten im 2. Weltkrieg. Sein
Handbuch (1969) "The nervous system" ist in mehreren Auflagen
erschienen.
Naunyn, B. (Berlin 1839--1925 Baden-Baden)
Forscher und Internist (u. a. Bern, Dorpat, Königsberg, Straßburg).
Begründete 1872 mit E. Klebs und O. Schmiedeberg das danach benannte
Naunyn-Schmiedeberg Archiv für experimentelle Pathologie und
Pharmakologie, sowie zusammen mit J. von Mikulicz-Radecki die
"Mitteilungen aus den Grenzgebieten der Medizin und Chirurgie" (1896).
1892: "Klinik der Cholelithiasis", 1898 "Der Diabetes mellitus", 1921
"Die Gallensteine, ihre Entstehung und ihr Bau". 1925 "Erinnerungen,
Gedanken und Meinungen". Daneben auch Schmerzforschung: "Über die
Auslösung von Schmerzempfindung durch Summation sich zeitlich folgender
sensibler Erregungen" (1889).
Naunyn:"In der Wissenschaft liegt das Heil der Medizin."
Naus
Griech. das Schiff, davon leitet sich ab: Nautia (Schiffskrankheit,
auch Nausea marina oder Naupathia) sowie Nausea (Übelkeit).
NCE
Engl. Abk. für "new chemical entity", definiert als neuer molekularer
Wirkstoff, der bislang nicht an Menschen eingesetzt wurde.
Neck-Tongue-Syndrom
Kopfschmerzsyndrom mit unregelmäßigen, kurzdauernden, heftigen
einseitigen Schmerzen in der Okzipitalgegend, sowie Dysästhesien der
ipsilateralen Zungenhälfte, Schluckstörungen etc.
Nernst-Koeffizient
Vom Physiker Walter Nernst (Bromberg 1864--1941 bei Bad Muskau) sowie
dem Physiker J.J. Thomas aufgestellte physikalische Regel über die
Dissoziation eines Lösungsmittels. In der Pharmazeutik ist es üblich,
die Dissoziation zwischen Oktanol und Wasser als
Nernst-Verteilungskoeffizienten anzugeben.
Nervenkompressionsyndrom
Die repetive oder dauernde Schädigung eines Nerven durch mechanischen
Druck, Ischämie, Ödem oder Gewebefibrosierung mit der Folge eines akut
somatischen, öfters jedoch chronisch-neurogenen Schmerzsyndromes
(Druckneuropathie, z. B. Diskusprolaps, Karpaltunnelsyndrom,
Ulnarnervensyndrom, ® Meralgia
paraesthetica).
Nervensysteme
Man unterscheidet in der Regel 3 Teile des Nervensystemes (NS): 1. das
somatische, 2. das autonome und 3. das enterale NS. Das autonome NS --
Vegetativum -- ist aufteilbar in ein zentrales autonomes ("central
autonomic network") und ein peripheres autonomes NS, ist dem Einfluss
des Willens und Bewusstsein entzogen und regelt v. a. Lebensfunktionen
wie Atmung, Verdauung, Stoffwechsel, Wasserhaushalt etc. ("milieu
interne"). Das enterale NS ist äußerst komplex aufgebaut und
unvollständig erforscht, es dient weitgehend der Autoorganisation des
enteralen Systems und beinhaltet u. a. auch die intramuralen neuronalen
Systeme, die auch zum autonomen NS gerechnet werden.
Neumann, J., Baron von (österr.-ungar. Mathematiker 1903--1957)
Emigrierte 1933 vor dem Naziterror. Wurde Professor am Institute for
Advanced Study der Universität Princeton. Erhielt 1956 den
Enrico-Fermi-Preis. Eminenter Mathematiker und Entwickler von
Datenverarbeitungsanlagen. Nach ihm wird die Neumannsche Gleichung
(Grundgleichung der Quantenstatistik) benannt.
Neuralgie
Schmerzzustände im Versorgungsgebiet eines betroffenen Nerven aufgrund
pathologischer Nervenveränderungen.
Neuraltherapie
Periphere Stimulation bzw. Ausschaltung von sogenannten Störfeldern
des autonomen Nervensystems.
Neuraxis
Physiologie, Bezeichnung für das ZNS (Kortex, Hirnstamm, Rückenmark).
Der Begriff Neuraxis wird in der Schmerzpraxis ausgeweitet auf das
periphere mit der Nozizeption involvierte Nervensystem bzw. periphere
neurale Strukturen. Die Anwendung von Wirkstoffen auf Strukturen der
peripheren und zentralen neuralen Nozizeption wird auch als neuraxiale
Technik bezeichnet.
Neuritis
Nervenentzündung.
neurogene Entzündung
Von L.A. Chahl 1984 eingeführte Bezeichnung für die nach
Nozizeptorenschädigung über antidrome Neurosekretion von Neuropeptiden
(Substanz P, CGRP etc.) induzierte sterile Gewebeentzündung mit
Vasodilatation, Extravasation, Mastzellendegranulation und
Histaminfreisetzung (vgl. "peripheres Mikromilieu der Nozisensoren";
Hyperalgesie).
Neurokinin
Neurotransmitter vom Typ Tachykinin (ähnliche chemische Struktur wie
® Substanz P sowie Substanz K, entsprechend
Neurokinin A). Wirkungen u. a. Bronchokonstriktion, Konstriktion der
glatten Muskulatur, Hypotension, Aktivierung der Miktion.
Neurokininrezeptoren (Abk. NK-R), der Zellmembranrezeptoren für
® Tachykinine (Substanz P, Neurokinin A). NK1-Rezeptoren
sind G-proteingekuppelte Rezeptoren und in vielen zentralen und
peripheren Nervenzellen, aber auch glatten Muskelzellen,
Endothelialzellen, Drüsenzellen, Fibroblasten, Immunzellen nachweisbar.
NK3- R weisen eine Affinität zu Neurokinin-B (Syn.
Neurokinin-b, Neuromedin-K) auf.
Neurolepsie
Relative Indifferenz gegenüber der Umwelt.
Neuroleptanalgesie
Nach De Castro und Mundeleer, 1959 bezeichnete Kombinationsanalgesie
bis zur Anästhesie mittels Neuroleptika und zentralem Analgetikum (z. B.
Droperidol-Fentanyl).
Neuroleptika
Untergruppe der sogenannten Psychopharmaka zum Ziel der Neurolepsie
(engl. Major tranquilizers). Pharmakologisch folgende Gruppen:
Phenothiazinderivate (Beispiel: Chlorpromazin);Thioxanthinderivate
(Beispiel: Chlorprothixen); Aminobutyrone (Beispiel: Droperidol);
Diphenylbutylpiperidine (Beispiel: Pimozid) und Indolderivate (Beispiel:
Reserpin). Neuroleptika sind im Prinzip hypnotikafreie Beruhigungsmittel
mit "antipsychotischer" Wirkung (s. auch ®
Tranquilizer).
Neurolyse
In der Schmerzpraxis reversible bis irreversible Zerstörung eines
Nerven durch Kälte, Alkoholapplikation etc.
Neuromodulation
Der Begriff Neuromodulation umfasst verschiedene, reversible,
nichtdestruktive, schmerztherapeutische Techniken wie elektrische
Stimulation der nozizeptiven Neuraxis (periphere Nerven,
Trigeminus-Wurzel und -Ganglion, Rückenmark, Thalamus, motorischer
Kortex). Die häufigsten Techniken sind ®
TENS, ®
"peripheral nerve stimulation" PNS und "spinal cord stimulation"
® SCS.
Neuron
1891 von Gottfried Wilhelm von Waldeyer-Hartz eingeführte Bezeichnung
für eine Nervenzelle (bei Braunschweig 1836--1921; Anatom in Breslau,
Strassburg und Berlin; führte ebenfalls die Bezeichnung Chromosom in die
med. Nomenklatur ein).
Neuropeptide Y
Ein 1982 entdecktes Peptid mit einer 36-Aminosäuresequenz. Vorkommen
u. a. in autonomen noradrenergen Neuronen, mitverantwortlich für
Vasokonstriktion, Na-Ausscheidung, lokale Perfusion, Drüsensekretion,
glatte Muskulatur, Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme, sowie
Hypophysenhormone. Moduliert über NPY-Rezeptoren neuronale K+-
und C2+-Kanäle.
Neuropil
Sog. Nervenfilz, aus makroskopisch grau erscheinenden Geflechten von
Dendriten, Axonen, Gliafortsätzen bestehend.
Neurotensin
Ein biologisch aktives aus dem Hypothalamus isoliertes Peptid.
Wirkungen: Hypotension, Ileumkontraktionen, Duodenalrelaxation im
Tierversuch. Physiologische Funktion als peripherer und zentraler
Neurotransmitter. Induziert dosisabhängig pro- bis antinozizeptive
Wirkungen bei Mikroinjektion in die mediane Medulla oblongata.
Neurotensin-Antagonisten haben entsprechend den umgekehrten Effekt.
Diese unterschiedliche Wirkung wird mit der Präsenz von (bislang
putativen) Rezeptorsubtypen erklärt.
Neurotizismus
Psychologie, neurotisches Persönlichkeitsmuster mit "neurotischem
Trias" Hysterie, Depression, Hypochondrie.
Neurotoxine
Gifte, die das Nervensystem schädigen.
Neurotoxisch
In der Schmerzpraxis auftretende Schädigung eines Nerven durch
Medikamente, z. B. intrathekale Verabreichung von neurotoxischen
Lokalanästhetika, neurotoxischen Beimischungen zu
Schmerzmittelzubereitungen. Viele ®
Designerdrogen sind neurotoxisch.
Neurotransmitter
Von Nerven synthetisierte, aus präsynaptischen Vesikeln bei Eintreffen
eines Aktionspotentials sowie Ca2+-Ionen-Influx in die
Synapse freigesetzte Substanzen. Induzieren an postsynaptischen
Membranrezeptoren sog. Konformationsveränderungen.
Neurotripsie
Durch operative Quetschung erfolgte temporäre Nervenschädigung.
Neurotrop
Die Nerven betreffend (z. B. neurotrope Vitamine).
Neurotrophine
Eine Superfamilie von endogenen Stoffen, die für das Überleben,
Ausdifferenzieren etc. sowohl für das periphere als auch zentrale NS
wichtig sind (BDNF, "brain-derived-neurotrophic-factor", NGF, NT-3, NT-6
"neurotrophin-3/-6", GDNF
"glial-cell-line-derived-neurotrophic-factor"). In Diskussion in Bezug
auf neurodegenerative Erkrankungen, Nervenläsionen sowie in Kombination
mit anderen trophischen Faktoren (CNTF, FGF etc.). Entsprechende
Rezeptoren sind p75NTR (p75) sowie p140trk (trkA, s.
"Tyrosinkinase-Rezeptor") für NGF. Nach Ligandenbindung, wird der
Neurotrophin-Rezeptorkomplex ins Innere des Neurons verschoben und zum
Stoma transportiert. Die auslösbaren intrinsischen Wirkungen betreffen
komplizierte neurotrophe Effekte, die das neuronale Überleben, Migration
und Zellausdifferenzierung (Zellproliferation bis zur
Zellorganellbildung etwa von Synapsen) betreffen. Proinflammatorische
Zytokine können von Makrophagen und Monozyten freigesetzt werden und für
Immunreaktionen wie die Akutphase-Reaktion, aber auch mit allgemeinen
Körperreaktionen wie Schlaf etc. mitverantwortlich sein. Nach
traumatischen, infektiösen oder degenerativen ZNS-Läsionen sind sie im
ZNS nachweisbar. Potentiell könnte die Bekämpfung entsprechender
Zytokine (mit Antikörper oder Rezeptorantagonisten) entsprechende
Zytokin-induzierte Reaktionen blockieren.
NGF
engl. Abk. für "nerve growth factor", s. Wachstumsfaktoren, "growth
factors".
Nicholas, George Richard Rich (Majorca/Vic-Australia 1884--1960)
austral. Pharmazeut, entwickelte Verfahren zur Herstellung von
Acetylsalicylsäure. Gründer der Smiths, Nicholas & Co. (1915), später
Nicholas Proprietary Ltd.
Nicolau-Syndrom
Typische Hautveränderungen nach akzidenteller intra- oder
periarterieller Injektionstechnik mit Nekrosen, ähnliches ist nach
i.m.-Applikationen bekannt.
nichtsaure Pyrazolone
Ein Isomer der Kernsubstanz Imidazol ist Pyrazol, das durch eine Oxo-
bzw. Ketogruppe zum Pyrazolon wird, aus dem sich die Analgetika
® Phenazon sowie ®
Metamizol (Aminophenazol) ableiten lassen.
Niere und Prostaglandinsystem
Das renale Prostaglandin System (COX-1 und COX-2) ist mitbeteiligt an
der Autoregulation, d. h. am Selbstschutz der Nieren, die renale
Perfusion, tubuläre Transportmechanismen, renale Hormonausscheidung
umfassend. Im Nierenkortex werden offenbar v. a. Prostaglandine (PGE2,
PGI2) zur dortigen Glomeruli- und Arteriolenregulation sowie
Reninherstellung synthetisiert. Die renale Reninsekretion wird über
Katecholamine und Prostaglandine reguliert. Im Nierenmarkbereich scheint
das PGE2 eine wichtige Rolle zu spielen (Markperfusion,
Elektrolytreabsorption, Arginin-Vasopressin-Synthese). Hormone wie
Renin, Angiotensin, Noradrenalin und Vasopressin induzieren über die
systemische durch diese Hormone ausgelöste Vasokonstriktion eine
kompensatorische Erhöhung von renalen vasodilatierenden PGs über den
Phospholipaseweg. Eine iatrogene Hemmung durch PG-Hemmer kann die
Nierenfunktion beeinträchtigen, v. a. bei Vorliegen begünstigender
Kofaktoren wie (prä, peri- oder postoperative) Hypovolämie, Hypotension,
vorliegender Nierenschaden bei Hypertension, Arteriosklerose, Alter
etc., s. auch ®
Prostaglandin-Rezeptoren.
Nikolski-Zeichen
Pathognomisches Zeichen toxischer Hautreaktionen im Rahmen von UAW (s.
Lyellsyndrom). Auf seitlichen Fingerdruck kann im Bereich der gesunden
Haut die Hautschicht bzw. oberste Epidermislagen (Akantholyse) abgelöst
werden. Nach dem russischen Hautarzt P. N. Nikolski (1858--1940)
benannt.
Nikotinrezeptoren
Neben der Muskarin-Klasse eine Hauptrezeptorenfamilie des cholinergen
Rezeptorsystem mit Subtypen für Muskel- sowie neuronale Funktionen.
NIPS
engl. Abk. für "Neonatal Infant Pain Score" Im kanad. Ontario
entwickelter Schmerzerfassungsskore (® PIPP)
für Neugeborene, anhand von Gesichtsausdruck, Weinen, Atmung, Haltung
der Arme und Beine und Gemütszustand.
Nissl, Franz (1860--1919)
Bedeutender dt. Neurologe: Neuropathologie, Neurozytologie etc.,
thalamokortikale Verbindungen etc.
NK
Abk. für Neurokine.
NMDA
Abk. für N-Methyl-D-Aspartat-Rezeptor, bestehend aus Untereinheiten
NR1, NR2A--D. Funktion: postsynaptischer Ca2+-Ionenkanal mit
Bindungsstellen für Glutamat und Glyzin. Im depolarisierten Ruhezustand
durch Mg2+-Ionenkanäle geblockt. Eine Membrandepolarisierung
entfernt die Mg-Kanalblockade und erlaubt den Einstrom von Ca2+-Ionen
(abhängig auch von Zn2+-Ionen). Ein Kationenfluss kann durch
eine im Kanal befindliche Phenzyklidinandockstelle geblockt werden. Eine
Bindung zu dieser Andockstelle ist gesteigert bei aktiviertem Kanal
(z. B. durch Ketamin, einen offenen Kanalblocker bzw.
NMDA-Antagonisten). Andere Rezeptorstellen interferieren mit dem
NO-System etc.
NMDA-Antagonisten
Wirkstoffe die kompetitiv NMDA-Rezeptoren besetzen und den natürlichen
exzitatorischen Neurotransmitter (Glu) verdrängen und somit eine
Sensibilierung bzw. Depolarisation der Postsynapse verhindern. Siehe
® Ketamin, ®
Dextromethorphan und Dextrorphan, Felbamate, ®
Amantadine und Memantine.
NO
Syn.: Stickstoffmonoxid, Stickoxid, multifunktionelles nitroses Biogas,
früher als Koregulator des Dialogs zwischen Endothel und glatten
Gefässmuskelzellen als EDRF ("endothelium-derived-relaxing-factor")
bezeichnet. Funktionen: Regulation von Vasodilatation/Vasokonstriktion,
Hemmung von Plättchenaggregation und -adhäsion, Plättchenaktivation,
wobei NO sowohl vom Endothel als auch von Plättchen synthetisiert wird.
Leukozytenaktivierung, Proliferation glatter Muskelzellen,
Neurotransmitter. Biosynthese: aus L-Arginin via konstitutive und
induktive NO-Synthase bzw. via O2- Aufnahme und Rezyklierung
über L-Citrullin. Das NO-System kann Ca-abhängig oder Ca-unabhängig
aktiviert werden, beispielsweise kann das Gefässendothel über
entsprechend aktivierte Acetylcholin- oder Bradykininrezeptoren einen
Kalziumioneninflux induzieren, eine erhöhte intrazelluläre
Ca-Konzentration stimuliert die konstitutive NO-Synthase, die über
L-Arginin NO de novo in Picomolquantitäten freisetzt und in glatten
Muskelzellen die lösliche Guanylatezyklase (SGC) mit entsprechender
Erhöhung der zyklischen Guanosinmonophosphat (aus GTP) stimuliert -- mit
dem Ergebnis einer Muskelrelaxation. Kalziumunabhängig können Endothel
und glatte Muskelzellen durch auf zellmembranagierende Zytokine mit
einer kontinuierlichen NO-Synthaseproduktion reagieren. Diese Reaktion
ist durch Kortikosteroide hemmbar -- zytokininduzierter septischer
Schock -- und entsprechend über kontinuierliche Aktivierung der
löslichen Guanylatzyklase kontinuierlich eine längerdauernde Relaxation
induzieren. Diese Reaktionen können durch NO-abgebende Wirkstoffe
imitiert werden. Das endogene Nitrosystem umfasst verschiedene
NO-Formen, so mit freiem Elektron (NO-), Nitrosoniumion (NO+):
®
Redoxfunktionen. Endogene Nitrate wie NO3- werden
mehr ausgeschieden als eingenommen. Bei Fieber beispielsweise ist die
renale Ausscheidung von endogenen Nitraten vervielfacht. Link
Immunsystem: stimulierte Makrophagen produzieren Nitrite, NO3-
, N-Nitrosamine, wobei das Intermediärprodukt NO zytotoxische
Eigenschaften aufweist. Link Nozizeptionssystem: bei starker
synaptischer Nozitransmission bzw. Aktivierung der postsynaptischen
NMDA-Rezeptoren erfolgt ein intrazellulärer Kalziumionenstrom. Eine
intrazelluläre Kalziumionenkonzentrationserhöhung aktiviert die
konstitutive NO-Synthase der Sekundärafferenz, das aus L-Arginin,
postsynaptisch gebildete NO rediffundiert nun als "retrograder
Transmitter" in die Präsynapse der Primärafferenze, wo es die
Freisetzung des rapiden Transmitters
® Glutamat fördert. Somit schaukelt sich eine
pronozizeptiver synaptischer Nozitransmissionsmechanismus auf. NO ist
möglicherweise für zelluläre Lernfunktionen sowie ®
Plastizität des nozizeptiven Systems mitverantwortlich. Therapeutisch sind
NO-Donatoren wie Trinitrate einsetzbar (z. B. "chemische
Sphinkterotomie"). Ebenfalls in Diskussion sind ®
Hemmer der iNO-Synthase. Für die Entdeckung des NO-Systems erhielten 1998
die amerikanischen Forscher Robert F. Furchgott, Ferid Muard und Louis
J. Ignarro den Nobelpreis für Medizin.
NOA
In Deutschland gebräuchliche Abk. für "Nicht-Opioidanalgetika ohne
antiphlogistische Eigenschaft", betrifft nichtsaure antipyretische
Analgetika, wie ® Paracetamol,
® Metamizol, ®
Phenazon und ® Propyphenazon.
NOAM
Abkürzung für in Deutschland gebräuchliche Bezeichnung
"Nicht-Opioidanalgetika ohne antiphlogistische sowie muskelrelaxierenden
Eigenschaften"; Beispiel: Wirkstoff Flupirtin.
Nobelpreis
Für Physiologie und Medizin (man beachte die Reihenfolge!), vom
schwedischen Industriellen Alfred Nobel (1833--1896) eingeführter
Wissenschaftspreis. In seinem Testament von 1895 sind Richtlinien für
die Preisverleihung zu finden. Nobel, unter dem damaligen Zeiteindruck
der "Physiologie als Fundament der Medizin", beschäftigte sich als
Amateur u. a. mit physiologischen Experimenten zur Bluttransfusion. Aus
dieser Sichtwarte ist der Preis und die bezeichnende Namengebung "für
die bedeutendste Entdeckung im Bereich von Physiologie oder Medizin" zu
verstehen. Nobel war mit der österreichischen Pazifistin Bertha von
Suttner (geb. Gräfin Kinsky Prag 1843--1914 Wien; s. auch Henri Dunant)
befreundet, die ihn zur Stiftung eines Friedensnobelpreises bewegen
konnte, den sie selbst 1905 für ihre weltbekannten pazifistischen
Aktionen erhielt. Ihr Buch "Die Waffen nieder" (Dresden 1889) wurde auf
"Bücherverbrennungen", so am 10.05.1933 -- durchgeführt durch dem
nationalsozialistischen deutschen Studentenbund "Wider den undeutschen
Geist" (Originalzitat) -- bzw. vom 30.04.1938 nach dem Anschluss auf dem
Salzburger Residenzplatz mit einem Grossteil der deutschen Literatur
(Heine, Mann, Zweig, Remarque, Roth, Tucholsky, Renn, von Ossietzsky
etc.) eingeäschert.
NO-Syntethase
Enzym, dass die Konversion von L-Arginin, NADPH, und Sauerstoff zu
Citrullin, NO und NADP+ im Beisein von Kalziumionen
katalysiert.
Noceboeffekt
1961 durch Kennedy beschriebener Konditionsreflex, der durch negative
Erwartungen aktiviert wird und Antagonist zum ®
Placeboeffekt ist. Nocebostimuli wie Angst, Misstrauen, Zweifel können
aversive, paradoxe Effekte auslösen, Hyperalgesie statt Analgesie. Als
extremer Noceboeffekt gilt der bei Primitiven durch Angst auslösbarer
Voodoo-Tod. In der moderen Gesellschaft wird der Noceboeffekt an
Bedeutung gewinnen: soziopolitische "Aufklärung" gegenüber "allem
Chemischen" vs. "nichtchemische Heilkraft des zunehmenden Schamanentums"
im Kontext der Umweltveränderung etc. Der Kopfwehtest bei Probanden
(Schweiger u. Parducci 1981: s. ® negativer
Placeboeffekt) wird regelmäßig in der Presse beschrieben im Kontext
"elektrisch-magnetischer" Schäden und Gefahren in der Nähe von
Hochspannungsleitungen (elektromagnetische Pollution).
Nociception
Lat. Nocere, noceo: schädigen, noxa, noxae: der Schaden und capere:
erfassen, Syn. Nozizeption. Das Warn- und Abwehrsystem der thermischen,
chemischen und mechanischen Schadenerfassung.
Nociceptin
Syn.: Nozizeptin, endogener Peptidligand für ®
Orphan-ähnlichen Opioidrezeptor. Noda Hiroharu (Kyoto/Japan 1936--1991
Indiana/USA) bedeutender Neurophysiologe (ZNS).
Nonresponder
Patient, der auf einen Wirkstoff "nicht anspricht" (z. B. langsamer
Verstoffwechsler metabolisiert Prodrug Kodein nicht zu Morphin mit dem
Resultat: keine Analgesiewirkung.)
Noradrenalin
Norepinephrin INN; Abk. NA. Summenformel: (HO)2C6H3-CH(OH)-CH2NH2.
Hormon des Nebennierenmarkes, peripherer Neurotransmitter
(postganglionär adrenerge bzw. sympathische Synapsen), zentraler
Neurotransmitter im ZNS (v.a. retikuläres System, Hypothalamus, Locus
coeruleus). Die NA-Synthese erfolgt über Tyrosin (Hydroxylase)
Þ DOPA (Decarboxylase) Þ Dopamin
(Dopamin-b-Hydroxylase)
Þ Noradrenalin (N-Methyltransferase)
Þ Adrenalin. Die NA-Speicherung erfolgt in
synaptischen Vesikeln; die Freisetzung und der "Reuptake" über aktive
Transportsysteme (abhängig von Mg2+, ATP), in Quanten bei
Eintreffen eines Aktionspotential in Anwesenheit von Ca2+-Ionen.
Die physiologische NA-Wirkung ist kurz und wird durch "Reuptake" (ca.
80%) durch postanglionäre Nervenendigung oder (zu einem kleinen Teil)
enzymatischen Abbau (® MAO und
® COMT) beendet. Die NA-Elimination erfolgt in
einer täglichen Menge von 2--4 g renal in der Form von
Vanillinmandelsäure. NA wie Adrenalin ermöglichen die sympathischen
Kampf- und Fluchtfunktionen mit entsprechend erhöhter Herzleistung
(positive Ino- und Chronotropie, Hypertension), erhöhtem Glykogen- bzw.
Energieumsatz, Bronchodilatation, Perfusionsänderung zuungunsten der
Peripherie, zugunsten der Muskulatur. Der Ire Robert Ford Whelan
(Belfast 1922--1984) infundierte sich in einem Selbstexperiment eine
Mischung von Noradrenalin und Adrenalin 1949 mit der Folge von irren
Kopfschmerzen, BD 235/150 mmgHg, Hirnödem, schweren Abdominal- und
Thoraxkrämpfen, die zur Notfalleinweisung führten. Die
Kopfschmerzattacken hielten noch 12 Tage an.
Nordenboos, N. (?--?)
Bedeutender holländischer Schmerzphysiologe, beschrieb die
polysynaptische Afferenzbahn Tractus spinothalamicus und verwies auf die
Möglichkeit der Signalmodulation an Synapsen: "Pain: problems pertaining
to the transmission of nerve impulses which give rise to pain" (1959).
NOS
Abk. für NO-Syntethase, der ultrakurze, multipotente, ubiquitäre
gasförmige Neurotransmitter ® NO wird u. a.
im schmerzverarbeitenden Hinterhorn u. a. postsynaptisch über eine
konstitutionelle sowie induktive (i) NOS produziert.
Noskapin
Syn.: Noscapin, Narkotin, ® Opiumalkaloide.
Nosomanie
Wahn und Angst, an einer körperlichen. Erkrankung zu leiden.
Nosophobie
Pathologische Angst vor Erkrankung (z. B. Beispiel: Karzinophobie =
Angst vor Krebs).
Nostalgie
Griech.: nóstos: Heimkehr, durch den Basler Arzt J. Hofer in seiner
"Dissertatio medica de Nostalgia oder Heimweh" 1678 beschriebener
seelischer Schmerz der Sehnsucht nach Heimat.
Notalgie
Rückenschmerz.
Notker Balbulus (ca. 840--912)
"Der Stammler", Benediktiner im Kloster St. Gallen (das mit dem
Kloster der Insel Reichenau einen engen Kulturaustausch pflegte),
Lehrer, Bibliothekar, Dichter und Vorgänger der heutigen
Schmerz-Tod-Philosphie.
"Media vita in morte sumus".
Nozizeption
lat. nocere: Schaden zufügen, capere: erfassen. Schadenerfassung,
neurophysiologischer Begriff, der alle Mechanismen, mit denen
schädigende Reize erkannt und verarbeitet werden, bezeichnet. Als
Antinozizeption wird die Unterdrückung der Prozessierung von noziven
Reizen durch körpereigene Mechanismen (s. Endorphinsystem) oder iatrogen
(pharmakologische Antinozizeption: ®
Antinozizeptiva) beschrieben.
Nozizeptor
Ein ® Sensor (Nozisensor), der schädigende
Reize erkennen und in ein spezifisches Nervensignal transduzieren kann
(Ad-, C- Nozisensoren).
Nozizeptorschmerz
Schmerz, der durch Stimulation von ®
Nozizeptoren entsteht.
NSAID
Abk. für "non-steroidal anti-inflammatory drugs", s.
® saure antipyretische Analgetika.
NSAR
Abk. für nicht-steroidale Antirheumatika, heute als saure
antipyretische Analgetika (sAA) mit antiphlogistischer Eigenschaft
bezeichnet.
NT
Abk. für Neurotrophine.
Nucleus accumbens
Kernsystem des Mittelhirns, "Zentrum für das sogenannte
Belohnungssystem".
Nussbaum, Felix (Osnabrück 1904--verschollen)
Bedeutender Maler, Ausbildung in Hamburg und Berlin, wo er die Malerin
Felka Platek kennenlernt, Arbeiten in Rom (Villa Massimo, als
Studiengast der Deutschen Akademie), Paris, Ostende, Brüssel, wo er 1940
verhaftet wurde. Internierungslager Saint Cyprien (s. auch A.
®
Schweitzer). Flucht über Bordeaux nach Brüssel. Im Juli 1944 zusammen mit
seiner Frau Felka verhaftet und über das Sammellager Mechelen zum KZ
Ausschwitz gebracht, dort wo auch sein Bruder sowie seine Eltern
hingeführt worden waren. Verschollen bzw. 1946 aus dem belgischen
Judenregister gestrichen. 1998 wurde in Osnabrück ein von Daniel
Libeskind konzipiertes Felix-Nussbaum-Museum als Raum gegen das
Vergessen eröffnet.
Nussbaum, Johann Nepomuk (1829--1890)
Chirurgieprofessor in München; führte in Deutschland die chirurgische
Antisepsis sowie Prämedikation ein, indem er durch die Gabe von 1 g
Morphinacetat den perioperativen Chloroformbedarf erniedrigen konnte.
Nyktalgie
Nur nachts auftretende Schmerzen.
Quelle: Glossar
zum "Handbuch
der Schmerztherapie" (Hsg.: Herman Hans
Waldvogel), gewidmet Ernst von der Porten, einem der Wegbereiter der
moderenen Schmerztherapie. Ernst von der Porten wurde von der Gestapo,
gemeinsam mit seiner Frau, im "freien Teil Frankreichs" in den Tod
getrieben.
- Weitere Informationen zum
Buch
-
Bestellen
haGalil onLine 14-10-2001
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