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Lexikon zur Schmerzmedizin
Obdormition
Parästhesie im Sinne des "Einschlafens" von Extremitäten.
Oberflächenanästhesie
Auschalten der Schmerzempfindung an Oberflächen (Hautorgan,
Schleimhäute).
Oberflächenschmerzen
An Hautoberfläche empfundene Schmerzen (vgl. ®
Tiefenschmerzen).
Oberflächensensibilität
Thermische und mechanische Sensibilität an der Hautoberfläche
(Berührungssinn, Wärmesinn).
Oberst, M.A. (1849--1925)
Nach ihm wird die Oberst-Leitungsanästhesie an Finger und Zehen
benannt.
ODA
Abk. für "on demand analgesia".
Okzipitalneuralgie
Hinterhauptsneuralgie (z. B. als Folge einer Zervikalspondylose).
Okzipitalstich
Ältere Bezeichnung für Zugang zur zerebello-medullären Zisterne, z. B.
für supraspinale intrathekale Wirkstoffapplikation.
Ommaya-Reservoir
Nach A.K. Ommaya und R.A. Ratcheson, 1968, sowie A.K. Ommaya
1984:"Implantable devices for chronic access and drug delivery to the
central nervous system" im Bereich des ZNS stereotaktisch
implantierbares Reservoir, das als therapeutisches Systeme (früher
hauptsächlich zur Liquordrainage) eingesetzt werden kann.
Omodynie
Syn.: Omalgie, Schmerzen im Schulterbereich.
Onkogen
"Geschwulst erzeugend", Gensequenzen die zur Eiweißbiosynthese von
Proteinen führen. Protoonkogene wie c-fos, c-jun sind zuerst im
Tierversuch mit Retroviren nachgewiesen worden, sie werden zu den sog.
Transskriptionsfaktoren gezählt. Protoonkogene sind instabil und werden
über multiple proteolytische Abbauwege degradiert.
Opioid-rotating
Wechsel von einem Opioid auf ein anderes Opioid gleicher Dynamik
innerhalb der gleichen Stufentherapie, Indikation: bei unzureichender
Analgesie nach einer gewissen Zeit, wegen Vorkommen einer inkompletten
Kreuztoleranz, wird in der Regel die Dosis des Zweitopioids um ca.
30--50% reduziert und entsprechend mögliche Analgesielücken durch
nichtretardierte, raschwirksame Opioide geschlossen .
Opiat
Natürliche Wirkstoffe, die eine selektive Affinität zu
Opioidrezeptoren aufweisen.
Opiattrias
Opiattypishe Nebenwirkungen: Atemdepression, Koma, Miosis.
Opioid
Ligand mit hoher, selektiver Affinität zu einem der Opioidrezeptoren.
Man kann zwischen natürlichen (Opiat) sowie synthetischen Endo- und
Exoliganden unterscheiden.
Opioidrezeptoren
Rezeptoren, die eine pharmakologische Affinität zu opioidergen Exo-
und Endoliganden haben. Man unterscheidet 3 Subtypen, nämlich
m-Rezeptor (MOR bzw. Opioidrezeptor-3),
k-Rezeptor (KOR bzw. Opioidrezeptor-2) und
d-Rezeptor (DOR bzw. Opioidrezeptor-1).
Opium
Eingetrockneter Milchsaft der unreifen Früchte von Schlafmohn. Besteht
zu ca. 75% aus inerten Stoffen (Kautschuk, Pektin, Harze, Wachse etc. )
und zu 25% aus Alkaloiden, die an organische Säuren (insbesondere
Mekonsäure) gebunden sind. Von den Alkaloiden können 2 Gruppen
unterschieden werden: die Gruppe der ®
Phenanthrene (auch Morphinanreihe genannt: Morphin, Codein, Thebain) sowie
die Gruppe der nicht analgetisch, aber spasmolytisch wirkenden
Benzylisoquinoline (Papaverin, Narcotin). Wahrscheinlich aus Zypern
während der 18. Dynastie (1551--1436 v. Chr.) nach Ägypten importiert
(aufgefunden wurden u. a. Töpfe mit Papaver somniferum Samen) und damit
im Mittelmeerraum verwendet.
Opium concentratum
Opiumkonzentrat (enthält ca. 50% Morphin).
Opium crudum
Rohopium.
Orchialgie
Testikuläre akute oder chronische primäre und sekundäre
Schmerzzustände.
Organon
Durch durch Salomon van Zwanenberg und Professor Ernst Laqueur 1923 in
Oss, Niederlande, gegründetes pharmazeutisches Unternehmen. Der
Organonforscher Tausk arbeitete u. a. mit T. ®
Reichstein zusammen.
Organum vasculosum laminae terminalis
Syn.supraoptische Krete, prächiasmatische Drüs. Zircumventrikuläres
Organ mit fenestrierten Kapillaren, weitem, flüssigkeitsgefülltem
Perivascularraum und Neuronen mit Projektion in supraoptische
Kerngebiete. Putative Funktion: Sensorfunktion für das ZNS, z. B.
Detektion im Blut zirkulierender Immunsignale wie IL-1 und sekundäre
Aktivatierung des zentralen induzierbaren präoptischen COX-2 Systems
(z. B. Fieberreaktion).
OROS
Abk. für orale osmotische Systeme (®
therapeutische Systeme).
orphan drugs
Umsatzschwache, deshalb in den USA durch einen Spezialstatus
unterstützte, oft lebensrettende Medikamente, die im Rahmen der von
Markenherstellern getätigten Forschung anfallen, bezeichnenderweise nie
von sogenannten (forschungsfremden) Generikaherstellern.
Orphan-like Rezeptor
In die Koregulation der Freisetzung von Methionin-Enkephalin
involviert, bei Aktivierung kann eine Naloxon-unabhängig Hyperalgesie
(wahrscheinlich über G-Protein-aktivierte K+-Kanäle) bis
opioid-abhängige Hypoalgesie induziert werden. Da seine Affinität für
die 3 klassischen Opioidrezeptoren m-/k-/d-
niedrig ist, gilt er nicht als eigentlicher Opioidrezeptor . Protein von
370 Aminosäuren, G-Protein-gekuppelt, 7 Membrandomainen, strukturmässig
mit Dynorphin A verwandt. Im ZNS v. a. im limbischen System (Mandelkern,
Hippocampus, Septum, Habenula) sowie Hypothalamus und Rückenmark
nachweisbar. Endoligand ® Nociceptin, hohe
Affinität auch für ® Etorphin und
® Lofentanil.
Ossietzky, Carl von (Hamburg 1889--1938 Berlin)
Einer der engagiertesten deutschen Republikaner ("Das freie Volk") und
Pazifisten ("Deutsche Friedensgesellschaft", 1919). Publizist der
Weltbühne, als Nachfolger von Siegfried Jacobsohn und Kurt Tucholsky.
1933 durch die Gestapo verhaftet und im KZ Sonnenburg inhaftiert. Wegen
seiner Nomination zum Friedensnobelpreis auf Anweisung Hitlers 1936
entlassen. An den Folgen der KZ-Haft frühzeitig in Berlin verstorben.
Ostealgie
Knochenschmerz.
Osteodynie
Knochenschmerz.
Osteopathia idiopathica Albright-Reifenstein-Forbes
Generalisierte, schubweise auftretende Knochenschmerzen unbekannter
Genese (Hyperkalziurie, Hyperkalzämie, Asthenie).
Otalgie
Syn.: Otagra, Otodynie, Schmerzzustände im Ohrbereich.
OTC
engl. Abk. für "Over the counter" ("Über die Theke"),
Pharmazeutenjargon für freiverkäufliche, nicht der Rezepturpflicht
unterstellte Wirkstoffe.
Overton, C.E. (Cheshire 1865--1933 Lund)
In England als ferner Verwandter Darwins geborener und im schwedischen
Lund verstorbener Universalforscher (Botanik, Anästhesiologie,
Pharmakologie, Physiologie). Veröffentlichte 1899 u. a.: "Über die
allgemeinen osmotischen Eigenschaften der Zelle: ihre vermutlichen
Ursachen und ihre Bedeutung für die Physiologie", Zürich, sowie
Monographie 1901 "Studien über die Narkose, zugleich ein Beitrag zur
allgemeinen Pharmakologie", Jena, heute Grundlage der sogenannten
® Overton-Meyer-Narkosetheorie. Overton zitiert
im Einführungsteil seiner schon im Aufbau beispielhaften Schrift u. a.
die Odyssee, wo Helen dem Telemachus einen Leiden und Schmerz
vergessenden Trank zubereitet und verweist auf das Interesse von
Berichten über Opium und Cannabis indica Erlebnissen und zitiert
schlussendlich den Beginn der Narkoseära mit Horace Wells sowie Humphrey
Davies. U. a. verweist Overton auf die Arbeiten der bedeutenden frz.
Schule (A. Dastre, R. Dubois, P. Bert ), v. a. Claude
® Bernard ("Lecons sur les effets des substances toxiques et
medicamenteux", 1857), die versuchte zwischen Anästhetika und Narkotika
zu unterscheiden und entsprechende Tierversuche mit Chloroform oder
Morphin unternahm. In Overtons-Narkosestudien wurden u. a. methodisch
die Wirkstoffe
® Antipyrin, ®
Nikotin, ® Morphin und ®
Thebain auf ihre Wirkung am Frosch untersucht. Auch erwähnte derAutor in
seinen Schlussfolgerungen die Möglichkeit, durch direkte Applikation am
Nerven eine reversible Transmissionshemmung erzeugen zu können. Overton
unterschied spezifische und unspezifische Narkotika. Er beschrieb die
transzelluläre Passage dieser Stoffe und die passive Elimination, sobald
die Wirkstoffkonzentration in der extrazellulären Flüssigkeit abnimmt.
Er postulierte eine reversible chemische Interferenz dieser Stoffe mit
der neuronalen Lipidmembran, beschrieb die Relation zwischen
Partitionskoeffizient und Potenz sowie die Relationen zwischen
chemischer Struktureigenschaften und Wirkung. Im Appendix beschrieb er
mögliche Detoxifikationsverfahren mittels Dialyse: in aufsteigender
Konzentration wird die Intoxikationsphase am Versuchstier induziert,
danach durch Eintauchen in Lösungen bzw. Lösungskammern entgiftet. Die
präzisen Versuchsanordnungen führten zur Erweiterung dieser Methode
(Peritonäalspülungen, Intestinalspülungen etc.). Overton weist u. a. auf
die Bedeutung der Serumkonzentration des Wirkstoffes, auf die
Ionenzusammensetzung der Spülflüssigkeit, auf die Relation Ionisierung
und Membranpenetrationsfähigkeit, auf die künstliche Ansäuerung und
forcierte Diurese als Eliminationsmechanismus etc. hin.
Owen Wilfred (Oswestry 1893—1918 bei Sambre-Oise)
brit. Literat, mehrfach verwundet, starb 1 Woche vor Kriegsende in
einem Gefecht.
OWS
engl. Abk. für "opiate withdrawal syndrome".
Quelle: Glossar
zum "Handbuch
der Schmerztherapie" (Hsg.: Herman Hans
Waldvogel), gewidmet Ernst von der Porten, einem der Wegbereiter der
moderenen Schmerztherapie. Ernst von der Porten wurde von der Gestapo,
gemeinsam mit seiner Frau, im "freien Teil Frankreichs" in den Tod
getrieben.
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haGalil onLine 14-10-2001
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