Klinische Pharmakologie / Psychopharmakologie

 
 

 
 
 

Lexikon zur Schmerzmedizin

P.ae.
lat. Abk. für "partes aequales": zu gleichen Teilen.

Pacchionische Granulationen
Nach dem röm. Anatomen A.P. Pacchioni (1665--1726) benannte arachnoidale Granulationen zur Liquorresorption.

Pacini, F. (1812--1883)
Florenzer Anatom, veröffentlichte 1849 in Pistoia Arbeiten u. a. über die Corpuscula lamellosa (Vibrationsrezeptoren): "Nuovi organi scoperti nel corpo umano".

PAG
Abk. für periaquaeduktales Grau, die elektrische Stimulation des PAG, die eine zentrale Analgesie auslöst, wurde 1969 durch D.V. Reynolds zum ersten Mal beschrieben.

Pagés, Miravé Fidel (Huesca 1886--1923 Autounfall)
Span. Chirurg, gründete 1919 "Revista Espanola de Cirurgía", sowie "Anestesia metamérica" (1921). Ihm (und nicht ® Dogliotti) wird von span. Seite die Begründung der Epiduralanästhesie zugeschrieben.

Pagni, Carlo Alberto (La Spezia 1931*)
bdt. ital. Algesiologe bzw. Neurochirurg

Pain
Das englische Wort hat seinen Ursprung im lateinischen Wort poena und im griechischen Wort poine. Poena kann mit Strafe übersetzt werden, das griechische Wort poine lässt sich mit Pein umschreiben. Penalty, dt. Strafstoss.

Pain
Publikationsorgan der ® IASP (1975).

Painful-Arm-and-Moving-Fingers-Syndrome
Sehr seltenes Schmerz-Syndrom mit kontinuierlichen unwillkürlichen (schmerzhaften) Kontrakturen der Handmuskeln.

Pallästhesie
Vibrationsgefühl, Tiefensensibilität, kann bei Polyneuropathien verändert sein.

palliativ
lat. pallium, dt. der Mantel. Im Gegensatz zu "kurativ" (lat. curare, dt. heilen) nur symptombehandelnd, z. B. Befreiung und Linderung von lebensvergällenden Symptomen wie Schmerz, Angst, Nausea und Emesis etc.

Panizza, Oskar (Bad Kissingen 1853--1921 Würzburg)
Studium der Medizin, Philosophie und Literatur. Nach Promotion Arzt in einer Münchner Irrenanstalt. Wurde wegen "Vergehens wider die Religion" zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Verfiel im späteren schweizer Exil dem Wahnsinn. 1886 "Düstere Lieder", 1893 "Die unbefleckte Empfängnis der Päpste".

Papez, James (1883--1958)
Bedeutenden am. Neurologe. "Comparative neurology" (1929). Postulierte Funktionskreise zwischen Hippocampus ® Thalamus Û Cortex ÛCingulatum Û Hippocampus.

Pappelsalbe
Enthält Salicin, Populin , Gerb- und Aromastoffe etc. In der Volksmedizin als antiphlogistisch-analgetische Salbe verwendet.

Paracelsus, Philipp Theophrastus Bombastus von Hohenheim (1493--1541)
Arzt und Naturforscher; schrieb über Opium:

"Ich habe ein Arcanum, heiße ich Laudanum, ist über alle, wo es zum Tode weichen will".

Paracelsus erwähnte als erster die Sage der Wassernymphe Undine (Undines Fluch).

paradoxe Analgesie
Das Phänomen, dass durch minimale Gabe von spezifischen Opioidantagonisten (Naloxon) ein analgetischer Effekt ausgelöst werden kann.

Parästhesie
Missempfindungen, z. B. Kribbeln, Ameisenlaufen etc.

Paré, Ambroise (ca. 1510--1590)
Barbier, Königs- und Kriegschirurg. Behandelte als erster Schusswunden mit kühlenden Salben (statt siedendem Öl) und erfand lokale Nervenkompression zu Analgesiezwecken. Beschrieb nach peripherer Nervenläsion auftretende (neuropathische) Schmerzzustände von brennendem Charakter bei König Charles IV.

Parenteralia
Arzneitmittel für parenterale Anwendung, Iniectabilia (Injektionsflüssigkeiten), Infundibilia (Infusionsflüssigkeiten). Zu den Parenteralia werden auch entsprechende Injektionspulver (Pulveres solvendi parenterales) und Injektionstabletten (Compressi solvendi) gerechnet, die entsprechend fachgerecht (steril, blutverträglich etc.) in Lösungen aufgelöst werden müssen.

Parese
Unvollständige Paralyse.

Parkinson, James P. (1755--1824 Hoxton/England)
Chirurg, postulierte, dass Kenntnisse in den klassischen Sprachen, Philosophie sowie Stenographie Voraussetzungen für das Arzstudium seien. Daneben auch Sozialkritiker, Hobby-Geologe und Paläontologe. Nach ihm wird der Morbus Parkinson sowie das Parkinson-Syndrom benannt. 1817: "An essay of the shaking palsy" (ebenfalls nach P. Ausdruck: Paralysis agitans). Als Parkinsonoid wird die medikamentös (s. Dopaminantagonisten) induzierte Symptomatik mit Rigor, Tremor, Akinese etc. bezeichnet.

paroxysmal
In Anfällen auftretend.

PASS
engl.
Abk. für "Pain Anxiety Symptoms Scale".

Pastae
Pasten, hochkonzentrierte Suspensionen, die aus unlösliche Pulvern, flüssigen oder salbenartigen Vehikeln bestehen.

Pasternak, Gavril W. (Brooklyn/New York 1947*)
bdt. amer. Schmerzforscher etc.

Pathos
Griech. seelischer Schmerz (® Tschaikowski hat Pathos musikalisch in seiner 6. Sinfonie, der "Pathétique", zum Ausdruck gebracht bzw. "übersetzt").

Pattern-Theorie
Nach G.C. Weddell (1955) benannte Theorie, nachder die Qualität einer Schmerzempfindung nicht von der Aktivierung spezifischer Rezeptoren und damit spezifischer Fasern abhängt, sondern von zeitlichen Erregungsmuster (engl.: "pattern") in einer Faser und von der räumlichen Erregungsverteilung in mehreren Fasern. Dagegen spricht, dass spezifische Nozizeptoren, d. h. Rezeptoren, die auf bestimmte Reize eine niedrige Reizschwelle besitzen, nachgewiesen wurden.

Pauling, Linus (Portland/Oregon 1901--1994)
Sohn eines eingewanderten dt. Apothekers, Studium der Mathematik, Physik und Chemie. Nobelpreis 1954 für Chemie für die "Molekularstruktur der Proteine". Aktivist gegen Atomtests, 1958 Übergabe einer -- u. a. auch von Pablo Casals, Bertrand Russel und Albert Schweitzer -- unterzeichneten Liste von 13.000 Wissenschaftern an die "Vereinten Nationen". Nobelpreis für Frieden 1962, nachträglich, nachdem das Moskauer Atomteststopabkommen 1963 unterzeichnet worden war. Pauling erarbeitete persönliche Ideen über Zusammenhänge zwischen Wirkstoffen und Krankheiten (z. B. Vitamin C und Krebs). Pauling schuf und definierte den, unterdessen leider von vielen, alternativen Quacksalbern missbrauchten, Begriff einer "orthomolekulären Medizin" in den Jahren 1967/68 wie folgt:

"Orthomolecular medicine is the preservation of health and the treatment of disease by the provision of the optimum molecular constitution of the body, especially the optimum concentration of substances that are normally present in the human body and are required for life. The adjective orthomolecular is used to express the idea of the right molecules in the right concentration."

Pawlow, I.P. (1849--1936)
Nobelpreis für Medizin 1904, bedeutender russischer Forscher in der Herzphysiologie, Verdauung, ZNS und Psychophysiologie. Militanter Gegner des Kommunismus. Nach ihm wird der bedingte Pawlow-Reflex (1911) benannt.

PBU
Abk. für psychobiologische Untersuchung.

PCA
engl. Abk. für "patient-controlled-analgesia", Syn. "on-demand analgesia".

PCINA
Abk. für patientenkontrollierte intranasale Analgesie.

PDP
Abk. für Pachydermoperiostosis, einer primär hypertrophischen Osteoartropathie mit Klumpfinger, Arthritis und Pachydermie. Einem seltenen Krankheitsbild, das mit erheblichen Gelenkschmerzen verbunden ist.

Peak
Engl., Kinetik: der Gipfel; Plasmakonzentrationsmaximum.

Péguy Charles (bei Orléans 1873—1914 Marne-Offensive)

bdt. frz.-katholischer Literat ("Jeanne d’Arc") und Poet von hoher Moralität (unterstützte Dreifus, sozialistische Manifeste für eine bessere Welt etc.).

Pelipathia vegetativa
Syn.: Plexalgia dolorosa, Beckenneuralgie etc. Unklar definierte schmerzhafte Unterleibsbeschwerden.

Periaquaeduktales Grau
®
PAG, Syn. Höhlengrau, Substantia grisea centralis, Substantia grisea, PNA.

Perikaryon
Im Gegensatz zum Zytoplasma der Fortsätze, der um den Zellkern herumgelagerte Zellleib.

Periodisches familiäres Mittelmeerfieber
Intermittierende periodische Anfälle von Fieber, Ödeme, Arthralgie, Magenschmerzen, Nausea und Emesis.

perkutane Chemonukleolyse
Gezielt dosierte neurolytische therapeutische Schädigung über transkutan applizierte chemische Stoffe, z. B. des Ganglion Gasseri.

perkutane Mikrokompression
Gezielte mechanische therapeutische Nervenschädigung durch Kompression, z. B. mittels perkutan unter Bildwandlerkontrolle eingeführten Ballonkatheters im Cavum Meckeli.

perkutane Thermonukleolyse
Syn.: Thermoläsion, z. B. gezielte und dosierte Thermoläsion über Radiofrequenzsonde bei Erkrankungen des Ganglion Gasseri.

Perthes, Georg (Moers/Rheinland 1869--1927 Arosa)
Medizinstudium in Freiburg, Berlin und Bonn. Assistent von Friedrich von Trendelenburg. Pionier der Lokalanästhesie mittels elektrischer Stimulation. Erfand die Perthes-Staubinde ("Kompressor") zur künstlichen Blutleere, eine bipolare Elektrode zur intraoperativen Nervenstimulation, Absaugpumpen und schrieb 1912: "Über Leitungsanästhesie unter Zuhilfenahme elektrischer Reizung" (entspricht der modernen peripheren Nervenstimulation).

Pertussis-Toxin
Aus Bordetella pertussis gewonnnes biologisch aktives, toxisches, in der Forschung eingesetztes Protein.

Perzeption
Wahrnehmung bzw. "Translation zentraler neuronaler Aktivitätsmuster in die bewusste Empfindung und Wahrnehmung" (z. B. Nozitranslation).

PET
Abk. für Positronenemissionstomographie, unter Verwendung kurzlebiger Radioisotope kann über die Quantifizierung der damit verbundenen g-Strahlung die Lokalisation, Blutflussänderungen wie rCBF "regional cerebral blood flow", die Aktivierung von Hirnabschnitten bei experimentellen Reizen, die Kinetik von zentralgängigen Wirkstoffen etc. ermittelt werden.

Pfeffer, Wilhelm (Grebenstein 1845--1920 Leipzig)
Botaniker und Apotheker. 1877 Grundlagenforschung über osmotische Untersuchungen, 1881 "Pflanzenphysiologie". Nach ihm wird die sog. Pfeffersche Zelle für Osmobestimmungsmessungen genannt.

Pfotentests
Die experimentelle Reizung der Pfote von Versuchstieren mit Entzündungsmediatoren (Freunds Adjuvans, Irish Moos etc.), mechanischen oder thermischen Reizen.

Phantomschmerz
Nach Amputation auftretende ® neuropathische Schmerzen, die im Bereich des amputierten Gliedes empfunden werden, entsprechend auch Phantomsensationen.

Pharmacopoe-Namen
Je nach nationaler Pharmacopoe von der INN-Nomenklatur abweichende, nationale Namengebung für Wirkstoffe.

Pharmakoökonomie
Der Arzt steht zunehmend unter dem Kostendruck der medinischen Therapien, die im klinischen Bereich v. a. durch Personalkosten verursacht werden. Aber auch der Preis innovativer Techniken und Wirkstoffe wird immer teurer. Der recht hohe Preis innovativer Wirkstoffe könnte beispielsweise reduziert werden, indem deren Patentschutz ausgedehnt würde. Der heutige Patentschutz wird durch erhöhte und damit zeitraubende Registrierungsanforderungen usw. praktisch aufgezehrt. Für die Vermarktung bzw. das Hereinbringen getätigter Investitionen sowie das Erzielen von Gewinn bleibt damit immer weniger Zeit. Die Medikamentenpreise steigen unangemessen. Der ursprüngliche Sinn eines Patentschutz, einen innovativen Hersteller zu schützen, geht verloren, weil die Kosten extrem auf den Konsumenten übertragen werden und somit der sinnvolle Einsatz dieser Mittel durch die Kostenschere absehbar verunmöglicht wird.

Pharmakopöe
Siehe Arzneibuch.

Phase I, II, III, IV
Die 4 Phasen der klinischen Prüfung eines neuen Wirkstoffs, wobei die Phase I vereinfacht ein Toleranztest an gesunden Probanden, die Phase II ein Test auf diee Therapiewirkung an stationären Patienten, Phase III eine klinische Prüfung in Bezug auf Interaktionen, Langzeitanwendung und die Phase IV die Nachprüfung eines registrierten und klinisch eingeführten Wirkstoffs auf auffällige Nebenwirkungen bei Langzeiterfahrung im Sinne des sogenannten ® "Drug safety monitoring" umfasst.

Phenacetin-Nieren
Historischess Schlagwort für "Analgetikaniere".

Phencyclidin
Chem. 1-(1-Phenylcyclohexyl)-piperidine, ein Halluzinogen (als Anästhetikum in der Veterinärmedizin eingesetzt), mit ® Ketamin verwandt, ähnliche klinische Wirkungen, NMDA-Antagonist, Katecholamin-uptake-Hemmer, s- Wirkungen. Als PCP und Angel Dust in der Drogenszene missbraucht.

PHI
Abk. für Peptide histidin isoleucin, ein 27 Aminosäurenpeptid mit Histidin am N-Terminal bzw. Isoleuzin am C-Terminal. Im GI-Trakt sezerniert aber an multiplen bioaktiven neuronalen Prozessen beteiligt, peripher kardiovaskulären, im GI- und Atemwegsystem sowie ZNS). Genaue biologische Funktion unklar.

Phosphorylierung
Die Veresterung von Ortho- und Pyrophosphorsäure mit organischen Verbindungen, die OH-Gruppen enthalten. Der "Phosphorylierungs-Trick" erlaubt, die Funktion von Rezeptoren und Messengers zu verändern (z. B. Untereinheiten der ® ACh-Rezeptoren -- durch Enzymsysteme (cAMP-abhängige Proteinkinase A und Proteinkinase C) phosphoryliert -- verändern ihre intrinsische Aktivität, d. h. die Regulation der Sensitivität.

Piko
Abk. pn, dezimales Vielfaches in der Ordnung 10-12= 0,000.000.000.001.

PIPS
Schmerzpraxis, engl. Abk. für premature infant pain score. Schmerzindex, der den Gesichtsausdruck, das Weinen, die Atmung, die Haltung der Arme und Beine sowie den Gemütszustand des Frühgeborenen berücksichtigt.

Piria, Raffaele (1815--1865)
In Turin und Pisa tätig, stellte 1838 Salicylsäure aus dem natürlichen Glykosid Salicin der Weidenbaumrinde (Salix) dar.

Piriformis-Syndrom
Schmerzhaftes Syndrom nach Traumatisierung des M. piriformis.

pKa-Wert
Gibt pH-Wert an, bei welchem der Wirkstoff zur Hälfte ionisiert ist. Bei schwachen Säuren induziert eine pH-Erhöhung (gegen die basische Seite) eine logarithmische Zunahme des Ionisationsgrads ab dem wirkstoffeigenen sog. pKa-Wert. Im sauren Magenmilieu sind schwache Säuren (z. B. antipyretische Analgetika) weniger ionisiert und werden deshalb besser resorbiert, im Gegensatz zu basischen Wirkstoffen. Aspirin (tiefer pKa -Wert 3,4) wird im Dünndarm (pH basisch) schlechter als im Magen resorbiert. Diese Resorptionseinbusse wird quantitativ durch die viel größere Dünndarmresorptionsoberfläche wettgemacht.

Placebo
Auch: Plazebo, wirkungsfreies, vom Original äußerlich nicht unterscheidbares Falsumpräparat (lat. "Ich werde zufrieden sein"). Placebopräparate sind seit uralter Zeit beschrieben, so die von Thomas Jefferson (1743--1826) beschriebenen gefärbten Wassertropfen, Brotkrümelpillen oder Hickorey-Holz-Pülverchen, die bei vielen Patienten eine gute Wirkung ergäben und sozusagen einen "pious fraud" darstellten. Ähnliches berichtete Richard Cabot (1868--1939). Die systematische Auswertung solcher Erfahrungen wurde erst nach dem 2. Weltkrieg im Rahmen epidemiologischer Überlegungen Routine. Siehe auch ® Blindversuch, ® Nocebo ® Henry K Beecher, ® Cochranebewegung, ® Statistik.

Placeboeffekt
Durch Placebogabe auslösbarer suggestiver Effekt (kann bis 40% ausmachen, deshalb offene Studien weniger aussagefähig als ® geblindete oder ® doppelt geblindete). Der Placeboeffekt gleicht einer Pawlowschen Konditionierung bzw. psychischen Aktivierung verschiedenster endogener Schmerzsysteme. Ein solcher Placeboeffekt kann durch Naloxon antagonisiert werden, wobei aber Gracely und Dubner auch bei naloxongeblindeten Probanden -- bei Blockierung des endogenen Opioidsystem -- den Placeboeffekt auslösen konnten. Die exakten chemophysischen wie auch psychosozialen Wirkmechanismen sind noch nicht vollständig erforscht. Gegenteil: ® Noceboeffekt, entsprechend dem negativen Placeboeffekt. Beispiel: 2/3 von Probanden entwickelten milde Kopfwehschmerzen, wenn ihnen gesagt wurde, (nichtexistierende) elektrische Ströme würden auf dem Kopfe appliziert.

Pleurodynie
Bei der Bornhomer Krankheit auftretende heftige, muskuläre Schmerzen in der unteren Thoraxgegend.

Pohl, Julius (Prag 1861--??)
Studium und Promotion der Medizin 1884, Assistent Hofmeisters in Prag. Habilitation 1892 für experimentelle Pharmakologie. Ab 1911 Direktor des pharmakologischen Instituts der Universität Breslau. Beschrieb schon 1915 den Einsatz des, heute als partiellen Antagonisten eingeteilten und nicht mehr verwendeten, N-allyl-Codein bei Morphinvergiftung.

Polymyalgia rheumatica
Ein Krankheitssyndrom bei älteren, v. a. weiblichen, kaukasischen Patienten mit Muskel- und Gelenkschmerzen, hoher Blutsenkung und spontanem Ausheilen. Klinisch und pathophysiologisch mit Hortonsyndrom in Zusammenhang gebracht.

Polyneuritis
Entzündliche Erkrankung meherer Nerven.

Populin
Das 5-Benzoylderivat des Salicin. In der Rinde von Pappelarten enthalten. Als Extrakt in Pappelsalbe enthalten.

Port
Implantierbare, in der Regel subkutan, mit dem entsprechenden rückenmarknahe Katheter fest verbundene Injektionskammern für kontinuierliche sowie Bolusgabe im Sinne einer mittelfristigen Therapie (s. auch Pumpen). Der Wirkstoff wird über atraumatische, nichtstanzende Huber-Nadeln zugefügt. Je nach Hersteller verfügen Ports über Partikelfilter (Porendurchmesser ~ 50 mm) sowie eigentliche Bakterienfilter (Porendurchmesser 15--20 mm), um das Einspülen von Partikeln (Kautschukabrieb, Kunststoffspäne etc.) bzw. Bakterien zu vermindern. Diese Filter sind in der Regel am Reservoirausgang angebracht. Als sog. side-port wird der vor dem Filter gelegene Apparatabschnitt bezeichnet, der vor iatrogenen Infektionen wenig geschützt ist.

Port-Pumpen
Port mit in der Regel zentralem Pumpenseptum, einem zentralen Pumpenreservoirs sowie durch Ventile untereinander getrennten kleinen Injektionskammern, die über Druckknopf eine definierte Wirkstoffmenge an das anschliessende Kathetersystem abgeben. Möglichkeit von Repetitionsdosen, aber kein kontinuierliche Abgabe. Wegen einfacher Bauweise sind Port-Pumpen preisgünstig und klein, keine Energiequelle notwendig etc.

Potenzen
Nach ® Hahnemann, da nach ® Avogadro in Verdünnungen >C12 oder >D23 kein Molekül des ursprünglichen Arzneistoffes mehr vorhanden sein kann, wird postuliert, die "Information des Heilmittels" werde auf den Trägerstoff "übertragen" (Potenzierung bzw. "Dynamisierung").

Potenzierung
Nach dem Homöopatischen Arzneibuch (1978) die stufenweise Verdünnung fester oder flüssiger Zubereitungen nach der jeweils angegebenen Vorschrift. Das Zeichen "D" kennzeichnet Verdünnungen im Verhältnis 1:10; "C" im Verhältnis 1:100. Die Angaben "im Verhältnis 10:10" bedeutet das Verarbeiten von 1 Teil mit 9 Teilen; die Angabe "im Verhältnis 1:100" das Verarbeiten von 1 Teil mit 99 Teilen. Eine den Zeichen D oder C hinzugefügte Zahl kennzeichnet in der Regel die Anzahl der Verdünnungsschritte. Zur Potenzierung wird nach der jeweiligen Vorschrift verdünnt und jedesmal mindestens 10 mal kräftig geschüttelt. Beim Einsatz mechanischer Schüttelmaschinen ist darauf zu achten, dass "der Bewegungsablauf der manuellen Verschüttelung hinsichtlich Frequenz und Strecke entspricht". In der schweiz. Ärztezeitung werden homöopatische Mittel auch mit dem Prädikat "handgeschüttelt" angeboten.

PNS - PPS

Abk. für periphere Nervenstimulation bzw. "peripheral pain stimulation".

PSART
engl. Abk. für "Quantitative Sudomotor Axon Reflex Test" Ein Testverfahren, um das autonomes Nervensystem bei Schmerzkranken zu testen (s. auch ARS).

Prädiktoren
Zum Beispiel Schmerzprädikatoren, die Wahl einer minimalinvasiven Technik ist ein Prädiktor. Aus der Statistik entlehnter Begriff: ein "predictive value" ist ein Vorhersagewert.

präsystemische Biotransformation
Die Biotransformation auf dem Weg des Applikationsortes zum Zielorgen (z. B Darmwand, erste Leberpassage, Pulmonalpassage etc.). Die präsystemische Biotransformation kann die Bioverfügbarkeit eines Wirkstoffes erheblich reduzieren, eine präsystemische Biotransformation kann auch ausgenützt werden, um eine Prodrug in die aktive Form zu überführen.

Pravaz, Charles Gabriel (Le Pont-de-Beauvoisin 1791--1853 Lyon)
frz. Chirurg (Orthopädie, Aneurysmenchirurgie), verbesserte 1853 die ® Woodsche Hohlnadel, publiziert 1855: "Sur un nouveau moyen d'opérer la coagulation du sang dans les artères applicable à la guérison des anévrismes".

Pre-emptive analgesia
Im engeren Sinne die therapeutische spinale, spezifische und komplette Barrage vor jeglichem nozizeptiven Influx. Präemptive antiemetische Therapie, die spezifische therapeutische Gabe von Antiemetika vor der emetogenen Exposition reduziert das Auftreten antizipatorischer Nausea und Emesis.

Preysing Konrad, Graf von (1880--1950)

Aus altem bayerischen Adel stammend, nach Jurastudium wurde er Priester: Bischof von Eichstätt (1932-1935), danach von Berlin, handelte schon 1933 nach dem Grundsatz "Principiis obsta" ("Wehre den Anfängen!"). Im Konflikt mit Kardinal Bertram und der Bischofskonferenz öffentliches Eintreten zugunsten der verfolgten Juden. Schriftliche erfolglose Interventionen bei Papst Pacelli (Pius XII). Intensive Kontakte mit dem deutschen Widerstand (Graf Moltke, Kreisauer Kreis). Hirtenbrief während der Stalingrad-Tragödie, der von ausländischen Sendern verlesen wurde. Vergebliche Vorstösse gegen die NSDAP-Euthanasie-Programme von Kranken und Behinderten. 1946 Erster Kardinal von Berlin. Begraben in der Unterkirche der St.-Hedwigs-Kathedrale Berlin.

Prix-Galien
Durch Roland Mehl 1970 in Frankreich begründeter Preis für Verdienste im Bereich der Pharmazeutik. 1995 z. B. für die Entwicklung von ® EMLA; in Deutschland 1985 als Claudius-Galenus-Preis, heute Galenus-von-Pergamon-Preis gegründet (Stifter ist die "Ärzte-Zeitung").

Procacci, Paolo (Florenz 1932*)
Schüler von Ugo ® Teodori; Mitbegründer der florentinischen modernen Schmerzmedizin.

Prodrug
Syn.: Propharmakon, Vorstufe, inaktive Vorstufen von Wirkstoffen, die in der Regel dann nach Resorption entweder spontan (pH-abhängig) oder durch Biotransformation in die aktive Wirkstoffform überführt werden.

Proktalgie
Neuralgische Schmerzen im Analbereich.

Proktodynie
Chronische Schmerzen im rekto-analen Bereich, auch paroxysmal-akut als ® Proktalgia fugax beschrieben.

Proopiomelanocortin
Im vorderen Hypophysenlappen, Hypothalamus, ZNS und peripheren Geweben synthetisiertes Präkursorprotein (MW 30.000), das u. a. die Aminosäurensequenz von ACTH, b-Lipotropin (® Endorphine, Metenkephalin, b- Endorphin) und a- MSH enthält.

Propionsäure
CH3 CH2 COOH. Propionsäurederivate sind ® Flurbiprofen, ® Ibuprofen etc.

Prosopalgie
Gesichtsnervenneuralgie.

Prostadynie
Persistierende, klinisch und äthiologisch unklare Beschwerden im Zusammenhang mit Urinlassen inkl. perinäalen Schmerzsymptomen (exkl. akute Prostatitis).

Prostaglandine
Abk. PG, nach ® von Euler benannter ungenauer Sammelbegriff für aus Arachidonsäure stammende Gewebshormone (heute ® Prostanoide). Für die Entdeckung der PG erhielten 1982 Bengt Ingemar Bergstrom, John Robert Vane und Sune K. Bergstrom den Nobelpreis.

Prostaglandinismus
Pathologisch vermehrte Prostaglandinbildung beim ® Bartter-Syndrom.

Prostaglandinrezeptoren
Zelloberflächenrezeptoren mit hochspezifischer Affinität für die entsprechenden, endogenen Prostaglandin-Populationen PGD2, PGE2, PGF2a, PGI2 (Prostacyclin) und TXA2. PGD2-Rezeptor (DP-Rezeptoren), PGE2-Rezeptoren (mit Subtypen EP1,EP2,EP3, EP4), PGF2-a (FP-Rezeptor) sowie Prostacyclin-Rezeptor (IP-Rezeptoren). Schmerzklinik: EP-1 Rezeptor (schmerzvermittelnd); EP-3 Rezeptor (gastrische Homöoastase, s. sAA).

Prostanoide
Sammelbegriff für die Gruppe der ®Arachidonsäureabkömmlinge (Prostaglandine, Endoperoxide, Prostacycline, Thromboxane).

Protein
Peptid mit mehr als 50 Aminosäuren.

Proteinkinasen
Enzyme, die an bestimmten Aminosäuren von Proteinen gezielt ein Phosphatatom ankoppeln und damit deren Funktion beeinflussen.

Protein-Tyrosin-Kinase-Rezeptor
Eine zytoplasmatische Rezeptordomaine für Wachstums- und Ausdifferenzierungsfaktoren.

protopathisch
In der Physiologie "zur vitalen Sphäre gehörend". Protopathische Schmerzen signalisieren "vitale Signale", s. auch ® epikritische Schmerzen.

Pruritus
Syn.: Juckreiz, man unterscheidet zwischen Pruritus cum materia, Juckreiz bei klar definierten Hauterkrankungen: entzündliche Dermatosen, Ektoparasitosen, Infektionen etc. und Pruritus sine materia bei Niereninsuffizienz, Cholestase, Malignome, Diabetes, Depression, s. auch ® zentraler Pruritus UAW Opioide.

Pseudotumor cerebri
Seltenes Syndrom mit Kopfschmerzen, erhöhtem intrakraniellen Druck, Nausea und Emesis, Papillenödem. Vorkommen in 90% bei v.a. übergewichtigen Frauen im Alter von 20--44 Jahren, auslösende Faktoren u. a. saure antipyretische Analgetika, Fallberichte bei Patienten mit ® Bartter-Syndrom und Therapie mit Indometacin, Ketoprofen.

Psycholeptika
Älterer Sammelbegriff für psychotrope Wirkstoffe, heute Psychopharmaka.

Psychopharmaka
Der relativ neue Begriff Psychopharmaka wird verschieden definiert, Psychopharmaka im weiteren Sinne unterscheiden: Hypnotika, Sedativa, Antiepileptika, Psychostimulanzien; Psychopharmaka im engeren Sinne: ® Neuroleptika, ® Tranquilizer, Antidepressiva. Eine weitere Unterteilung definiert Psychopharmaka als psychotrope Substanzen mit den Untergruppen 1. Ataraktika (minor tranquilizers, z. B. Benzodiazepine), 2. Neuroleptika, 3. Antidepressiva, 4. Lithiumsalze, 5. Psychostimulanzien, 6. Psychotomimetika (Wirkstoffe, die beim Gesunden abnorme Zustände hervorrufen).

Ptyalismus
Salivation.

Pulveres
Pulver, trockene, feste Teilchen von Wirkstoffen, die je nach Applikation als sog. Pulveres adspergendi (Streupulver), Pulveres perorales sowie Pulveres solvendi parenterales eingesetzt werden können.

Pumpen
Wirkstoffreservoirs, auch implantierbare, je nach Hersteller 40--200 g Gewicht, 1,5--2,85 cm Höhe, 6,5--10 cm Durchmesser ergibt ein Volumina von 20--50 ml. Die über Ventil- oder Durchflusssysteme dank Gasdruck (Konstantfluss) oder elektrischmechanischem Minirollerpumpensystem (steuerbarer, programmierbarer und telemetrisch beeinflussbarer Fluss) einen Konstantfluss aus der Medikamentenkammer in das Kathetersystem erlauben. Für das s.c.-Kompartiment oder rückenmarknahe Kompartimente, nicht alle Pumpen sind für intrathekale Systeme zugelassen. Pumpeneigene Nebenwirkungen können durch Verstopfung des Systems -- durch Ampulle/Spritze/Nadel eingeschleuste Stanzen, Glaspartikel -- mechanische Fehlfunktionen, elektrische Fehlfunktion oder Batterieerschöpfung sowie Programmierfehler, Leckagen aber auch durch externe Faktoren, z. B. Luftdruckveränderungen während langer Flugzeugreisen, Temperaturveränderungen während Hitzeexposition bedingt sein.

Pyrazol
Isomer von Imidazol, einer in natürlichen und synthetischen Stoffen vorkommender Kernsubstanz (Histamin, Histidin, Pilocarpin). Aus Pyrazol entstehen durch Reduktion Pyrazoline. Ein weiteres Derivat von Pyrazol ist das Pyrazolon, aus dem die nichtsauren Pyrazolone sowie Farbstoffe gewonnen werden.

PZN
Abk. für postzosterische Neuralgie.

 

Quelle: Glossar zum "Handbuch der Schmerztherapie" (Hsg.: Herman Hans Waldvogel), gewidmet Ernst von der Porten, einem der Wegbereiter der moderenen Schmerztherapie. Ernst von der Porten wurde von der Gestapo, gemeinsam mit seiner Frau, im "freien Teil Frankreichs" in den Tod getrieben.
- Weitere Informationen zum Buch
- Bestellen

haGalil onLine 14-10-2001

Books


DE-Titel
US-Titel

Jüdische Weisheit

 

Copyright: pharmacon.net / hagalil.com / 1997
Impressum

haGalil onLine