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Lexikon zur Schmerzmedizin
Rai, Phulchand Prithvi (Bagri Sajjanpur/Indien 1931*)
Autor und Koautor hervorragender schmerzmedizinischer Büchern.
Kodirektor der Schmerzdienste der technischen Universität Houston/Texas.
Räder-Syndrom
Syn.: paratrigeminale Neuralgie (s. ®
Clusterkopfschmerz).
Ramon y Cajal (Santiago 1852--1934)
Bedeutender spanischer Neurohistologe (Valencia, Barcelona, Madrid,
Arbeiten über Nervendegeneration und -regeneration, Einführung von
Färbedarstellungstechniken etc.). Mit Camillo ®
Golgi Nobelpreis 1904 für die Einführung der Silberchromatfärbung von
Nervenzellen. Daneben auch Einführung von
Goldchlorid-Quecksilberfärbungen von Astrozyten.
Ramsay-Hunt-Syndrom
Neuralgie, ausgelöst durch Erkrankung des Ganglion geniculi (N.
facialis-Knie mit peripheren Fortsätzen u. a. zu den Geschmackszellen
der Papillae fungiformes).Siehe ®
Melkersson-Rosenthal-Syndrom.
Randomisierung
Aufteilung einer homogenen Patientenpopulation in 2 Untergruppen nach
dem Zufallsprinzip.
RANTES
Abk. für "regulated on activation, normal T-cell expressed and
secreted", chemokiner und zytokiner Faktor für Eosinophile und
® Lymphozyten.
Ranvier-Schnürringe
Nach dem Lyoner Anatomen Louis-Antoine Ranvier (1835--1922) im Jahre
1871 beschriebene Abschnitte der Schwannschen Scheide, wo in einer Länge
bis 5 mm und einem Abstand von 1--3 mm die
Myelinisolationsschicht unterbrochen ist. Dies ermöglicht das Phänomen
der "Saltation".
Rating scale
Engl. Schätzskala.
Rauschgift
Substanz, die Rauschzustände hervorruft.
Rawal, Narinder (Risalpur/Indien 1940*)
Anästhesist am Örebro Medical Center, Schweden. Setzt sich erfolgreich
für die Organisation von akuten Schmerzservicen sowie die
Qualitätskontrolle ein (Schmerzmessung, Schmerzdokumentation).
"Make pain visible."
reaktive Sauerstoffverbindungen
Beispiel: O2-, werden durch neutrophile Leukozyten am
Entzündungsort zur Zerstörung exogener Mikrorganismen bzw. im Rahmen der
Körperabwehr hergestellt. Die gleichen reaktiven Moleküle greifen aber
auch körpereigene Zellen bzw. Gewebe oder chemische nozizeptive
Verbindungen an (z. B. HOCl bzw. Hypochlorsäure). Als protektiver
Gegenmechanismus unterhält der Körper gewebeschützende Makromoleküle
(z. B. Protease-Inhibitor Alpha1-Trypsin). Siehe auch
Radikalfänger bzw. Scavengereffekt.
Reck-Malleczewen, Friedrich (Gut Malleczewen/Ostpreussen 1884--1945 KZ
Dachau)
Arzt und Verfasser von Jugenderzählungen und Romanen. Wegen
"staatsfeindlicher Gesinnung" eliminiert.
Reclus, P. (1847--1914)
frz. Chirurg, führte 1890 (unabhängig von Schleich) die
® Infiltrationsanästhesie ein. Sein Bruder E.
Reclus (1830--1905) war Begründer der modernen Geographie mit seinem zum
Klassiker gewordenen Lehrbuch "Géographie universelle".
Reflexbogen
Impulsweg bei Reflexen vom peripheren Signalrezeptor über zentripetale
Afferenzen in zentrale Umschaltstellen und via zentrifugale Efferenzen
zum Effektororgan.
Reflexdystrophie
Syn.: RSDS, chronisches, komplex-deskriptives Schmerzsyndrom der
Extremitäten, das aufgrund klinischer Anamnese und Diagnostik gestellt
wird. Auftreten in der Regel nach Gewebeschädigung- oder Immobilisation,
aber auch nach viszeralen Erkrankungen, ohne offensichtliche
Nervenschädigung. Im Vordergrund stehen kontinuierliche Schmerzen oder
® Allodynie oder ®
Hyperalgesie, Störungen der oberflächlichen und tiefen Gewebetrophik,
Ödem- und Erythembildung, Perfusionsänderungen und abnorme
Schweißfunktion.
Regeneration
In der Biologie benutzter Ausdruck für die Wiederbildung bzw.
Ergänzung verlorengegangener Zellen. Die über 1013 Zellen des
menschlichen Körpers sind in über 200 Zelltypen differenziert und bilden
Funktionseinheiten wie Nervensystem, Immunsystem, endokrines System,
Lokomotionssystem, Herz-Kreislauf-System, Verdauungssystem und
Urogenitalsystem.
Regenerationssystem
Nach Taban und Cathieni (1993) postuliertes physiologisches System mit
der Aufgabe -- im Rahmen der genetisch zellulären Gegebenheiten -- der
Zellerneuerung bzw. Wiederherstellung und Ergänzung verlorengegangener
Zellen. Dieses Regenerationssystem erkennt das Ausmaß der Regeneration,
delegiert und mobilisiert Regenerationszellen, stimuliert deren Arbeit
sowie die mitotische Vermehrung, reorganisiert die durch die
Regeneration wiederhergestellten Zellfunktionen und stoppt
schlussendlich den Regenerationsprozess nach Wiedergutmachung des Zell-
bzw. Gewebeschadens.
Registrierte Handelsnamen
engl. "Registered trade names", Handelsnamen, die nur von einem
Hersteller bzw. Firma gebraucht werden dürfen, geschützt und mit dem
Zeichen â bezeichnet sind. Oft muss aus
verschiedenen Gründen der gleiche Wirkstoff in verschiedenen Ländern
unter verschiedenen Namen registriert sein. Aus diesem Grund sind die
® INN Namen in Lehre, Forschung und Praxis
vorzuziehen.
REM-Schlaf
engl. Abk. für "Rapid-eye-movement"-Schlaf (Aserinski u. Kleitman,
1953).
Resorption
engl. absorption, Aufnahme, Übertritt (passiv, aktiv) eines
Wirkstoffes von einem extrakorporellen Applikationsort in ein
korporelles Kompartiment. Die Resorptionsphase kann quantitativ durch
seine Geschwindigkeit (Tmax, Cmax) und qualitativ
durch seine Komplettheit (® Bioverfügbarkeit
in % der Dosis) beschrieben werden (s. auch ®
AUC). Die Resorptionsrate kann durch ®
präsystemische Biotransformation (z. B. durch Intestinalschleimhaut)
reduziert sein.
Retardformen
Orale therapeutische Systeme, die an einem Bestimmungsort (Magen,
Dünndarm) sukkessive Wirkstoff abgeben. Bei Retardskapseln
beispielsweise löst sich die Kapselhülle im Magen mit Freisetzung von
wirkstoffgefüllten Perlen, die Perlwand hat Mikroporen und lässt Wasser
durch. Im Inneren der Perlen geht der Wirkstoff in Lösung. Der gelöste
Wirkstoff wird nun entsprechend der Perlenmembranporen während ca. 24 h
kontinuierlich abgegeben.
Rexed-Schichten
Nach dem schwed. Neuropathologen Bror Rexed (1952, Uppsala) benannte
zytoarchitektonische Unterteilung des Rückenmarks in Schichten bzw.
Laminae.
Reye-Morgan-Baral-Syndrom
"Hepatozerebrales Syndrom", schwerste, oft tödliche
Allgemeinerkrankung v. a. bei Kindern im Rahmen einer viralen Erkrankung
und der Einnahme von Salicylaten mit Hyperpyrexie, Enzephalopathie
(diffuse ZNS-Dysfunktion mit profusem Erbrechen, Bewusstseinstörungen,
Irritabilität, Agitation, Konfusion etc.) und akuter Leberverfettung,
Gerinnungsstörungen. Sporadisch seit 1929 (Brain et al.) bekannt, als
klinisch-pathophysiologische Einheit 1963 angenommen (Reye et al.).
Klinische Prodromalia sind leicht übersehbar (z. B. Erbrechen und
Kopfweh, Ursache möglicherweise intrakranielle Druckerhöhung durch
toxisches Hirnödem). Labor: Lebertransaminasen ,
Harnstoffwerte , Hypoglykämie, metab.
Azidose, Gerinnungsstörungen. Nach symptomfreien Intervall schwere, oft
letale Hepatoenzephalopathie. Diskutierte Kofaktoren sind: viraler
Infekt -- Kind -- Salicylat. Inzidenz ca. 0,7 Kind/pro 100000 behandelte
Kinder, Mortalität: 10--41%. Wirkstoffwahl beim grippösen Kind
® Paracetamol, Wirkstoffwahl schwierig bei Kindern unter
antiphlogistisch-analgetischer Langzeittherapie (z. B.
chronisch-rheumatoide Arthritis) und akuter Grippe (keine Empfehlungen
aufgrund fehlender Daten und Fakten). Seit der Einführung der
Assoziation, das Salicylate (Aspirin) ein Mitfaktor sei, sind die
jährlichen Fälle drastisch zurückgegangen (USA Übersicht vorher ca. >500
Fälle/Jahr, nachher < 36 Fälle/Jahr, Belay et al. 1999). In diesen
letzten Fällen war das Kind zu 93% vorher erkrankt
(Atemwegserkrankungen, Varizellen, Diarrhö, Rash) in 82% wurden im Blut
Salicylate nachgewiesen, die Mortalitätsrate betrug ca. 30%, wobei v. a.
Kinder unter 5 Jahren gefährdet sind (Kofaktoren: Serumharnstoff > 26 mmol/l
bzw. > 45 mg/dl, Diarrhö, Hypoglucosämie).
Nach der NRSSS (US-am. "National Reye Syndrome Surveillance System")
unterscheidet man folgende klinische Stadien:
0 = wach, munter.
1 = schläfrig, schwierig zu wecken, lethargisch.
2 = delirös, motorische ungezielte Unruhe, angriffig.
3 = nicht weckbar, v. a. motorische Flexorreflexe, dekortikales
Stadium.
4 = nicht weckbar, v. a. motorische Extensorreflexe, dezebriertes
Stadium.
5 = nicht weckbar, flazzide Paralyse, Areflexie, Pupillenstarre.
6 = Patient nicht klassifizierbar (weil z. B. unter Muskelrelaxation).
Rezept
Anweisung zur Herstellung oder Abgabe einer Arznei (Magistralrezept,
Offizinalrezept, Spezialitätenrezept).
Rezeptor
Pharmakologie: spezifische Proteinstruktuen der Zellmembran, auch
intrazellulär vorkommend (z. B. intrazelluläre Steroidrezeptoren), mit
hoher Affinität zu spezifischen Molekülen bzw. Liganden.
Zelloberflächenrezeptoren binden Signalmoleküle mit hoher Affinität und
induzieren durch die reversible Rezeptor-Ligand-Bindung intrazelluläre
Reaktionen. Die Zellmembranrezeptoren enthalten typische transmembranöse
und zytosolische Bestandteile (z. B. extrazelluläre N-Terminal, 7
hydrophobe, transmembrane Aminosäurenhelices etc.). Die reversible
Rezeptor-Ligand-Bindung induziert eine sog. Konformationsänderung (z. B.
ionotropische Rezeptoren: K+, Cl-, Na+, Ca2+),
Ionenkanalaktivitätsänderungen, metabotropische Rezeptoren über
zwischengeschaltete Proteinsysteme (G-Protein) bzw. Aktivierung von
intrazellulären Effektorsystemen. Rezeptorenpopulationen können sich
quantitativ und qualitativ verändern (Populationengröße: "up-" und
"down-regulation" etc.). Zu den Charakteristika von Nervenzellen gehört
u. a. seine Rezeptordichte sowie seine Rezeptorreserve. Gewisse
Krankheiten (z. B. Myasthenia gravis) sind auf immunologische Zerstörung
entsprechender Rezeptorpopulationen zurückzuführen.
Physiologie: Zellempfangseinrichtung für spezifische Reizaufnehme
(z. B. ® Nozizeptoren). Heute durch die
Bezeichnung Sensor (z. B. Nozisensor) abgelöst, um den Begriff vom
Membranrezeptoren zu unterscheiden.
Rezeptorfunktionen
Erkennung -- physikalisch-reversible Bindung eines Signalstoffes --
Konformationsänderung, diese führt zu Transducer- oder
Umwandlerfunktionen (z. B: Öffnung eines Ionenkanals).
Rahzes (Zakaria Razi) (Rey/Teheran 850-925 AD)
persischer Vertreter der griech.-wissenschaftlichen Medizin
(Hippocrates (460--377 v.Chr.).
Rhizolyse
Operative Demyelinisierung von Spinalnervenwurzelfasern z. B. durch
thermische Schädigung (Thermorhizolyse).
Rhizotomie
Syn.: für Radikulotomie.
Richet, C.R. (1850--1935)
Nobelpreis 1913 für Erklärung der Anaphylaxie.
Rigidität
Rigor: gesteigerter Grundtonus der quergestreiften Muskulatur bis zur
Muskelstarre. Typische UAW von schnell i.v.-applizierten potenten
m-Agonisten (z. B. Anilinopiperidine).
Robinson, V.
Anästhesist schrieb 1946: "Victory over pain" (Schumann, New York),
eines der ersten Bücher über Schmerzmanagement.
Robiquet, P.J. (1780--1840)
Isolierte 1832 Codein aus Opium.
Rolando, L. (1809--1829)
Professor im sardinischen Sassari, untersuchte u. a. histologische
Schichten des ZNS, die er mit Volta-Batterie-Schichten verglich. Nach
Rolando bezeichnet die (Rexed)-Lamina II (wegen ihrer Schnittfläche auch
als gallertig-gelatinös bezeichnet) mit Synapsen Primäfafferenz und
Zweitneuron sowie Interneurone.
Romberg, Moritz Heinrich (1795--1873)
Nach dem aus Thüringen stammenden und in Berlin wirkenden Anatomen und
Neurologen werden u. a. der M. Romberg, das Romberg-Parry Syndrom, das
Rombergsche Zeichen sowie der Rombergsche Versuch
(Gleichgewichtssinn-Prüfung) bezeichnet, der Begriff "Tabes dorsalis"
stammt ebenfalls von ihm. Zwischen 1840 und 1846 beschreibt er in seinem
Werk u. a. Sensibilitätsstörungen (Dysästhesien, Hyperästhesien,
Neuralgien etc.). Beschreibt 1853 den sog. Kremasterreflex und bestätigt
Prichards Konzept der epileptischen "Aura".
Rosenberg Isaac (Bristol 1890—1918 Westfront)
brit. Poet russisch-jüdischer Abstammung.
Roussy-Cornil-Zeichen
Beim Ischias-Syndrom durch Rumpfvor- oder Seitwärtsbeugen auslösbare
Ischialgie mit gleichzeitiger Entlastungsbeugung des Unterschenkels auf
der kranken Seite.
Rovsings - Zeichen
Chirurgisches Zeichen, nach dem Kopenhagener Chirurgieprofessor Niels
Thorkild Rovsing 1862--1927, bei Appendicitis acuta kann mit manuellem
Druck auf die linke Fossa iliaca (bzw. Colon descendens) ein Schmerz in
der rechten Fossa iliaca ausgelöst werden. Grund: wahrscheinlich wird
Coloninhalt retrograd auf die entzündete Appendixstelle verschoben.
Rp.
Abk. Rezeptur, recipe (lat.:"nimm"). Früher "sinnvoller" Weise mit dem
Anhängsel "cum Deo" angewandt.
RSDS
engl. Abk. für "reflex sympathetic dystrophy syndrome" Siehe
® Reflexdystrophie.
RSO
engl. Abk. für "resting sweat sudomotor output". Test des autonomen NS
bei Schmerzkranken (Typ ® CRPS) in Bezug auf
die Sudomotorfunktion, z. B. durch intradermale iontophoretische
ACh-Applikation, wobei der Neurotransmitter zuerst antidromal an das
postganglionäre Terminal und dann wieder orthodromal an den betroffenen
autonomen Hautnerven transportiert wird und dort eine Sudomotorreaktion
(pathologisch vermindert oder pathologisch erhöht) auslösen sollte.
RCT
engl. Abk. für "randomised controlled trials", randomisierte
kontrollierte Studien. ® Austin Bradford
Hill.
Rückenmark-Querschnittsläsionen
Schnelldiagnose (nach American Spinal Injury Assocation, 1992),
Thermosensationsprüfung mit Äthertupfern: C5 = Bizeps, C6 = Extensor
carpi radialis., C7 = Trizeps, C8 = Flexor digitorum profundus, T1 =
Abductor digiti minimi, L2 = Iliopsoas, L3 = Quadrizeps, L4 = Tibialis
anterior, L5 = Extensor hallucis longus, S1 = Gastrocnemius soleus.
Ruffinikörperchen
Nach dem Physiologen und Histologen Angelo Ruffini (1864--1929 Siena)
benannte Hautrezeptoren für nichtnozizeptive Wärmeempfindung. Als
Ruffinirezeptoren werden Mechanozeptoren der Gelenke für Lage- und
Bewegungssinn bezeichnet.
Ruhemembranpotential
Bioelektrische Differenz zwischen Zellinnen- und Zellaussenfläche von
nicht erregten Zellen (ca.-60 mV).
Quelle: Glossar
zum "Handbuch
der Schmerztherapie" (Hsg.: Herman Hans
Waldvogel), gewidmet Ernst von der Porten, einem der Wegbereiter der
moderenen Schmerztherapie. Ernst von der Porten wurde von der Gestapo,
gemeinsam mit seiner Frau, im "freien Teil Frankreichs" in den Tod
getrieben.
- Weitere Informationen zum
Buch
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Bestellen
haGalil onLine 14-10-2001
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