Klinische Pharmakologie / Psychopharmakologie

 
 

 
 

Lexikon zur Schmerzmedizin
[S - Sch] [Sch - Scs] [Se - Sr] [St - Sz]

Schaible, Hans-Georg (Rottweil 1952*)
bdt. dt. Physiologe und Schmerzforscher

Scharrer-Vogel, Berta (München 1906--1995 N.Y.) und Scharrer Ernst Albert (1905--1965 Florida)
Forscherehepaar (urspr. Zoologen), Begründer der Neuroendokrinologie, Ernst Scharrer wies 1928 an der Universität München neurosekretorische Prozesse von Neuralzellen am Fisch nach, bis dato galt die Regel, dass eine Zelle entweder nur elektrische, aber nicht zugleich sekretorische Funktionen haben könne. Berta Scharrer, Schülerin des späteren Nobelpreisträgers Karl von Frisch, pflegte mit beiden Händen mit Dokumenten belastet, Hörsäle etc. zu betreten, um den "Heil-Hitler-Gruss" zu vermeiden. Beide emigrierten 1937 aufgrund politischen Protests in die USA. Ernst Scharrer starb 1965 bei einem Schwimmunfall in Florida. Viele akademische Ehren.

Schaumann, Otto (Innsbruck 1891--1977)
Chemie-Studium an der Universität Wien mit Promotion 1914, 1921--1945 Leiter des pharmakologischen Labors der IG Farbenindustrie Höchst. Habilitation 1941. Miterfinder von ® Pethidin. Wies auf die Zusammenhänge zwischen Schmerz und Krankheit bzw. optimaler Analgesie und optimalen Heilvorgängen hin (® "Heilanalgesie"). In Innsbruck als Professor für "Pharmakognosie" und er publizierte Arbeiten über Ephedrin, Lokalanästhetika, Hypophysenhormone und Analgetika, so 1956 eine Monographie über Morphin und morphinähnliche Verbindungen.

Schenzinger, Karl Aloys (Neu-Ulm 1886--1962)
Arzt und Schriftsteller ("Anilin", Atom", "Hitlerjunge Quex").

Schild-Regression
Pharmak. Schild-Plot-pA2-Wert, ein Maas für die Rezeptoraffinität eines Antagonisten bzw. der negative dekadische Logarithmus der Bindungskonstante KB(= Konzentration des Antagonisten, bei der das Konzentrationsverhältnis = 2 ist, d. h. ein Agonist in doppelter Konzentration eingesetzt werden muss, um die gleiche Wirkung auszulösen, wie in Abwesenheit des Antagonisten).

Schlafzentrum
Von ® W.R. Hess 1931 postulierte Region an der Wand des 3. Ventrikels und Aquaeductus Sylvii (regio subthalamica), bei der im Tierexperiment durch elektrische Stimulation Schlaf ausgelöst werden kann.

Schleich, Carl Ludwig (1859--1922)
Begründer der Infiltrationsanästhesie. "Die Infiltrations-Anästhesie (lokale Anästhesia) und ihr Verhältnis zur allgemeinen Narkose (Inhalationsanästhesie)" (1892). Schleich wurde 1892 von den anwesenden Chirurgen, die nicht an schmerzlose Eingriffe ohne Narkose glauben konnten, die Tür gewiesen.

Schleicher, Mattias Jacob (Hamburg 1804--1881 Frankfurt)
Jurist, Botaniker, russischer Staatsrat in Dorpat. Mit ® Schwann zusammen Begründer der Zelltheorie.

Schlesischer Bote (Angelus Silesius, Johannes Scheffler, Breslau 1624--1677)
Medizinstudium in Straßburg und Leyden. Franziskanermönch, Hofmedikus zu Breslau, bedeutender Barockmystiker u. a. "Die heilige Seelenlust oder geistliche Hirtenlieder der in ihrem Jesum verliebten Psyche".

Schmerz
Im engl. "smart" erahnbar, skandinavisch "smjaerte", die subjektive Empfindung des Schmerzsinnes. Schmerz wird im Gegensatz zu anderen allgemeinen affektiven oder körperlichen Gefühlen wie Traurigkeit, Hunger, Durst oder Hitzegefühl in einer speziellen Körperregion als solcher wahrgenommen und erlitten (Kopfschmerzen, Bauchschmerzen -- es gibt keine "allgemeinen Schmerzen"). Schmerz wird als "unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit aktueller oder potentieller Gewebeschädigung verknüpft ist oder mit den Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben wird" definiert (nach Mersky)

Schmerzchirurgie
Älterer, schlecht definierter Begriff chirurgischer Interventionen im Bereich des ZNS (z. B. Unterbrechung von Schmerzbahnen wie Chordotomie etc..

Schmerzdermatome
Umschriebener Hautbezirk des entsprechenden Hautnerven (scharf begrenzt, keine Überlappung) bzw. Spinalnerven (unscharf begrenzt, überlappend entsprechend der Umbündelung peripherer Nerven).

Schmerzkomponenten
Die Schmerzen beschreibende sensorische, affektive (z. B: Unlust), vegetative (z. B. Nausea) und motorische (z. B. Muskelabwehrspannung) Komponenten.

Schmerzkorrelat
Auf Schmerz kann ein Proband mit einer Blutdruckerhöhung reagieren. Diese durch Messung objektivierbare Reaktion kann in der objektiven Algesimetrie sowie der Nozizeptiometrie als ein Schmerzkorrelat interpretiert werden.

Schmerzpunkte
Nervendruckpunkte, nach dem frz. Neurologen und Päediater F.L.I. Valleix (1807--1855) benannte umschriebene Hautregionen, die auf Druckreiz mit heftigen Schmerzen reagieren können (1841 "Traité des névralgies").

Schmerzsinn
Schmerz als Sinn wurde aufgrund von Tierversuchen von M.S. Schiff (1823--1896) erkannt.

Schmerztherapieführer
Von der ® "Gesellschaft zum Studium des Schmerzes" erarbeitete praktische Richtlinien für Schmerztherapie.

Schmidt, Robert Franz (Ludwingshafen 1932*)
bdt. dt. Physiologe insbes. auch Schmerzforschung

Schmiedeberg, Oswald (Laidsen/Kurland 1838--1921 Baden-Baden)
Promotion 1866 in Dorpat (heute: Tartu/Estland), Habilitation und Ordinarius für Pharmakologie.

Schnitzler, Arthur (Wien 1862--1931)
Sohn einer Medizinerfamilie, gab seine Praxis auf, um im Kreis des "Jungen Wien" als freier Schriftsteller zu arbeiten.

Schullern, Heinrich von (Innsbruck 1865--1949 Innsbruck)
Medizinstudium, bis 1918 Generalstabsarzt, Schriftsteller (historische Romane), Herausgeber des "Musenalmanach Jungtirol" (1899).

Schwangerschaftskategorie
In der Schweiz gemäß Richtlinien der ® IKS (Interkantonale Kontrollstelle für Heilmittel der Schweiz) eingeführte Klassifizierung von Wirkstoffen in die von der ® FDA erstellten Kategorien A, B, C, D, und X (s. unten). In Deutschland werden entsprechende Risikoklassen ® Gr (Abk. für Gravidität) 1--11 und Stillzeitklassen ® La (Abk. für Laktation) 1--5 definiert (s. unten). In Österreich sind zzt. keine gesetzlichen Bestimmungen in Bezug auf Schwangerschaftskategorien eingeführt. FDA-Schwangerschaftskategorien: A: aufgrund von kontrollieren Studien keine fetalen Risiken in Bezug auf das erste Trimenon, keine Anzeichen für fetale Schädigung für Trimenon II und III. B: aufgrund von Tierversuchen keine Anhaltspunkte für fetale Schädigungen; jedoch: kontrollierte Studien bei schwangeren Frauen nicht vorhanden oder Tierversuche haben eine gewisse Toxizität ergeben, welche durch kontrollierte Studien an Schwangeren jedoch nicht bestätigt worden sind. C: Im Tierversuch sind teratogene oder embryotoxische Effekte an Föten beobachtet worden oder keine kontrollierten Tier- oder Humanversuche vorhanden. D: Eindeutige Hinweise für fetales Schädigungsrisiko vorhanden. Evt. indiziert für vitale Indikationen bei der Mutter (relative Kontraindikation). X: wie D, wobei aber diese Risiken mögliche therapeutische Effekte bei der Mutter nicht kompensieren können (formelle Kontraindikation). Graviditätsrisikoklassen: Gr 1: Bei umfangreicher Anwendung am Menschen kein Verdacht auf eine embryotoxische/teratogene Wirkung, im Tierversuch keine Hinweise auf eine solche Wirkung. Gr 2: Bei umfangreicher Anwendung am Menschen kein Verdacht auf eine embryotosiche/teratogene Wirkung. Gr 3: Wie Gr 2, im Tierversuch jedoch Hinweise auf embryotoxische/teratogene Wirkung. Gr 4: Keine ausreichenden Erfahrungen beim Menschen. Tierversuche: keine Hinweise auf embryotoxische/teratogene Wirkungen. Gr 5: Keine ausreichenden Erfahrungen beim Menschen. Gr 6: Wie Gr 5; jedoch Hinweise auf embryotoxische/teratogene Wirkungen im Tierversuch. Gr 7: Embryotoxisches/teratogenes Risiko Trimenon I. Gr 8: Fetotoxisches Risiko Trimenon II/III. Gr 9: Risiko perinataler Komplikationen oder Schädigungen. Gr 10: Risiko homonspezifischer UAW beim Menschen. Gr 11: Risiko mutagener/karzinogener Wirkungen besteht. Laktationsrisikoklassen: La 1: translaktale Passage unbekannt. La 2: Translaktale Passage, bislang keine Daten über Schädigungen des Säuglings. La 3: translaktale Passage, in Abhängigkeit der Dosis, Art der Anwendung, Dauer sind UAW beim Säugling möglich. La 4: translaktale Passage, in Abhängigkeit der Dosis etc. sind ernsthafte UAW beim Säugling zu erwarten. La 5: Milchproduktion geschädigt.

Schwann, Theodor (Neuss 1810--1882 Köln)
Anatom, Physiologe, Forschung über Verdauung, Muskeln, Nerven. Entdeckte 1836 Pepsin sowie das nach ihm benannte Neurolemm. Erkannte das Prinzip der pflanzlichen und menschlichen Zelle, mit ® Schleicher Begründer der modernen Zelltheorie.

Schweitzer, Albert (Kaysersberg 1875--1965 Lambarene)
Jugend in Günsbach, Studium der Philosophie (1898 erstes Staatsexamen), Theologie (1900 Promotion), Musiktheorie (großer Orgelinterpret mit Konzertreisen in ganz Europa; Buch über J.S. Bach etc), 1902 Professur der Theologie in Strassburg, 1905--1913 Studium der Medizin mit Promotion:

Schon seit meinen ersten Universitätsjahren hatte ich angefangen, der Meinung, dass die Menschheit in einer sicheren Entwicklung zum Fortschritt begriffen sei, mit Bedenken zu begegnen. Bei so und so viel Gelegenheiten musste ich feststellen, dass die öffentliche Meinung öffentlich kundgegebene Inhumanitätsgedanken nicht mit Entrüstung ablehnte, sondern hinnahm. Jetzt wütete der Krieg als Ergebnis des Niedergangs der Kultur." (1915, Ehrfurcht vor dem Leben)

Ausreise nach Lambarene. Als feindlicher Ausländer nach Kriegsausbruch 1914--1917 in Lambarene (Westafrika), danach in Lagern von Garaison (Pyrenäen) und St. Rémy (Provence) mit seiner Frau interniert und von westafrik.-frz. Soldaten bewacht. Rückkehr ins Elsaß 1918. 1928 Goethe-Preis der Stadt Frankfurt a.M., 1952 Friedensnobelpreis, als Aktivist gegen Atomwaffentests (u. a. 1957: "Appell an die Menschheit") von bürgerlicher Seite heftig kritisiert. 1965 Tod in Lambarene. Schweitzer war seit 1912 verheiratet mit der in Berlin als Tochter des Historikers Harry Bresslau und seiner Frau Caroline (*Isay) 1879 geborenen Helene Bresslau, viel gereiste Lehrerin und eine der ersten Waiseninspektorinnen der Stadt Strassburg, die -- seit Jahren an einer schwachen Konstitution kränkelnd -- in der Pflegerinnenschule Zürich 1957 verstarb. Zu Weihnachten 1957 predigte Schweitzer:

Was wir um uns sehen, ist das Chaos der neuen Welt. Aber dieses Chaos wandelt, klärt und formt sich, wenn die Wirkenden Kräfte da sind. Darum ist das Wort aus dem vierten Evangelium ein rechtes Weihnachtswort: "Bleibt in meiner Liebe" [Joh. 15,9]. Es heißt: Seid wirkende Kräfte in der Welt- und Menschheitserneuerung durch die Liebe. Fühlt ihr das Gebieten und Flehen, das darin liegt? Ohne wirkende Kräfte, in denen die Liebe Jesu fortlebt, bleibt das Chaos Chaos. Wenn aber Kräfte da sind, mag es noch so trostlos erscheinen, es wandelt sich, es gärt und arbeitet darin.

Schweizerische Rezeptpflicht
Grundsätze über die Abgrenzung der Rezeptpflicht der Heilmittel vom 10.06.1960: unterschieden werden die Kategorien A, B, C, D, E. Kategorie A: verschärfte Rezeptpflicht. Kategorie B: ärztliches Rezept notwendig. C: Apotheke, ohne ärztliches Rezept. Kategorie D: Apotheken/Drogerien: "erleichterte" Selbstmedikation. Kategorie E: freie Selbstmedikation, ohne erforderliche Beratung, keine "Heilanpreisungen" enthaltend.

Scopoli, J.A. (1723--1788)
ital. Arzt (aus dem heutigen Slovenien), nach ihm benannt wurde das Nachtschattengewächs "Scopolia" sowie das von Schmidt 1892 identifizierte Scopolamin (L-Hyoscin).

Score
Engl. numerisches Bewertungssystem, das den Zustand eines Patienten (z. B. Schmerzzustand) mittels Punktwerten für ausgewählte Kriterien und einer daraus resultierenden Gesamtpunkzahl zu einem bestimmten Zeitpunkt beschreiben soll.

Scott-Huskisson-VAS (Schmerzmessung, nach Huskisson 1983)
Numerisch auswertbare visuelle Analogskala, bestehend aus einem 10 cm langen Strich mit vorgegebenen/markierten Endpunkten.

SCI
engl. Abk. für "specific cyclooxygenase inhibitors", von der WHO 1998 neu vorgeschlagene Wirkstoffgruppe der spezifischen COX-2-Hemmer. Im Gegensatz zu den selektiven COX-2-Hemmern haben die SCI in therapeutischer Dosierung keine Wirkung auf die COX-1.

SCS
engl. Abk. für "spinal cord stimulation", therapeutische, invasive, neuromodulatorische Rückenmarkstimulation bei ® Stumpfschmerzen, ® CRPS Typ-II-Schmerzen, Mischschmerzen (z. B. "Failed back surgery syndrome" FBSS), therapieresistenter Angina pectoris (Klasse III-IV der New York Heart Association) und Syndrom X.

Se...
[S - Sch] [Sch - Scs] [Se - Sr] [St - Sz]

Quelle: Glossar zum "Handbuch der Schmerztherapie" (Hsg.: Herman Hans Waldvogel), gewidmet Ernst von der Porten, einem der Wegbereiter der moderenen Schmerztherapie. Ernst von der Porten wurde von der Gestapo, gemeinsam mit seiner Frau, im "freien Teil Frankreichs" in den Tod getrieben.
- Weitere Informationen zum Buch
- Bestellen

haGalil onLine 14-10-2001

Books


DE-Titel
US-Titel

Jüdische Weisheit

 

Copyright: pharmacon.net / hagalil.com / 1997
Impressum

haGalil onLine