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Lexikon zur Schmerzmedizin
Tachykinine
Biologisch aktive, weitverbreitete Peptidfamilie mit gemeinsamem
C-Terminal: -Phe-X-Gly-Leu-Met-NH2, zu denen die Substanz P,
die Neurokinine A (NKA) und B (NKB) gezählt wird. Die verschiedenen
biologischen Wirkungen dieser Peptide werden über 3 Rezeptorsubtypen,
nämlich NK1-R (SP), NK2-R (NKA) sowie den NK3-R
vermittelt.
Tachyphylaxie
Pharm. rasch auftretende Wirkungsabschwächung (s. akute Toleranz).
Tagesklinik
Zuerst in der Psychiatrie (oberitalienische Psychiatrieschule), jetzt
zunehmend auch in chirurgischen Kliniken geübte ambulante Behandlung zur
Kostendeckung und zur Aufrechterhaltung der sozialen Kontakte; s. auch
Spitex.
tail-electric-stimulation-test
Von Caroll und Lim 1960 eingeführt, am Schwanz des
Versuchstiers werden elektrische Elektroden befestigt und mit einer
zunehmenden, standardisierten elektrischen Reizung die Anzeichen von
Schmerzen (motorische Spinalreflexe, Vokalisation während und nach
Reizung) beobachtet.
tail-flick-test
Von d’Amour und Smith 1941 eingeführt, ein thermisch fokaler Stimulus
der auf die Schwanzbasis des Versuchstiers gerichtet wird und die nach
Reizung beobachtbaren Schwanzreaktion aufgezeichnet
(tail-flick-analgesymeter).
taktile Hyperästhesie
Störung der Oberflächensensibilität mit Überempfindlichkeit gegenüber
taktilen Stimuli, auch oft mit dysästhetischem Charakter, Berührung wird
als "unangenehm" empfunden.
Talalgie
Fersenbeinneuralgie.
Tarsalgie
Schmerzen im Tarsus, Fusswurzel.
Taxonomie
Systematische, standardisierte Klassifikation mit Beschreibung und
Einteilung der klinischen Schmerzphänomene.
TCI
engl. Abk. für "target-controlled infusion", zielkontrollierte
Infusion, das Ziel eine Plasmakonzentration X mit dem Wirkstoff optimal
und konstant zu halten. Wird mit computergesteuerten Pumpen,
prozessierte pharmakokinetische Daten zur optimalen Infusion, erreicht.
Die TCI-Technik geht auf Arbeiten um J. Schüttler, H. Schwilden und H.
Stoeckel zurück (1983).
Teichopsie
"Zackensehen", Prodromie bei Migräneattacken.
Telae
Verbandgazen.
TENS
Abk. für "transkutane elektrische Nervenstimulation", daneben auch SCS
"spinal cord stimulation" sowie DBS "deep brain stimulation" über
invasive Elektrodensysteme.
Tension Headache
engl. Bezeichnung für ®
Spannungskopfschmerzen.
Teodori, Ugo (1911--1993)
Gründer der modernen florentinischen Schmerzschule.
Tera
Abk. T, dezimales Vielfaches in der Ordnung 1012.
terminale Krankheit
Endphase einer normalerweise tödlich verlaufenden Krankheit.
Tetrodotoxin
Ein ultrapotentes Fischtoxin der Klasse Aminoperhydroquinazolin, u. a.
aus dem japanischen (gastronomisch geschätzten) Kugelfisch (®
Fugu) gewonnen. Tetrodotoxin blockiert relativ selektiv Na+Ionenkanäle und
wird deshalb experimentell in der Rezeptorforschung eingesetzt.
Tetrodotoxin wird auch in der tierexperimentellen
Anästhesiologie/Schmerzforschung als ultralangwirksames
Lokalanästhetikum diskutiert, "therapeutisches Fenster" minimal.
Teutschländer-Syndrom
Syn.: Lipoidocalcinosis progrediens, "Lipoidkalkgicht", nach dem
Heidelberger Pathologen Otto T. (1874--1950) bezeichnete Erkrankung mit
schubweise auftretenden, schmerzhaften Gewebe-Nekrosen, -Kalzinosen.
Teweldeberhan, Kessete (Harien/Eritrea 1946--)
Nach dem Abitur, Ausbildung in Krankenpflege in Asmara. Ausbildung zum
Anästhesiepfleger 1974--1976 Addis Abeba . Danach engagierter Leiter
dieser einzigen, offiziellen 1974 (durch den Autoren) gegründeten,
Anästhesiepflegerschule Äthiopiens, die den gesamten Landesbedarf an
Anästhesiepflegepersonal liefert. Weiterbildung in Pittsburg. Wegen
seiner eritreischen Abstammung im Herbst 1998 als äthiopischer
Staatsbürger verhaftet und nach Eritrea deportiert. Erlitt in Asmara
einen Hirnschlag, von dem er sich langsam erholt.
TGF-a, b1,2
engl. Abk. für "transforming growth factor", werden in verschiedenen
Geweben und Zellen synthetisiert. Multiple Funktionen: phänotypische
Transformation, embryonale Entwicklung, Zelldifferenzierung,
Hormonsekretion, Immunfunktionen etc.
Thalamus
Ganglienanhäufung zu beiden Seiten des 3. Ventrikels im Dienzephalon,
die Verbindung mit dem Hypothalamus beschrieb 1895 William His. Der
Thalamus funktioniert als eine Art Umschaltstation, indem er spinale und
andere Afferenzen in die entsprechenden kortikalen Gebiete umlenkt.
Endstation des Tractus spinothalamicus. Kann bei inkurablen
Schmerzzuständen stereotaktisch angegangen werden. Bei Erkrankung der
thalamischen Region kann es zu schweren, zentralen Schmerzzuständen
kommen, dem Schmerzsyndrom "Déjérine-Roussy" 1906.
Thebain
Paramorphin. C19H21NO3, Bestandteil
von Opium zu nur 0,2%. Das konvulsiv und
ähnlich wie Strychnin toxisch wirkende Thebain kann therapeutisch nicht
genutzt werden, ist aber Ausgangspunkt therapeutisch eingesetzten
Opioiden wie Oxycodon, Naloxon, Nalbuphin, Etorphin.
Theophrastus ([Tyrtamo] Eresos ~ 372--287
Athen)
Schüler von Plato (~428--348) und
Aristoteles (384--322), Philosoph und Botaniker, er beschrieb u. a.
Alraune- und Mohnsaft in seinem ausführlichen Werk über Natur- und
Kulturpflanzen.
Theorell, Hugo (1903--1982)
schwed. Nobelpreisträger 1956, Erforschung oxidativer Enzymsysteme.
therapeutische Breite (therapeutischer Index)
Relation zwischen ® DL50 und
® DE50. Bei gewissen Stoffen wie
i.v.-Barbituraten ist sie niedrig (ca. 7), bei anderen hoch
(BZ-Antagonist Flumazenil >200.000). Die therapeutische Breite wird im
Tierversuch bestimmt, speziesgegebene Eigenheiten, wie z. B. relative
Absenz von tödlicher opioidinduzierbarer Atemdepression im Tierversuch,
relativieren diesen Wert.
therapeutisches System
eine arzneistoffenthaltende Vorrichtung oder Darreichungsform, die
einen Arzneistoff oder mehrere in vorausbestimmter Rate kontinuierlich
über einen festgelegten Zeitraum an einen festgelegten Anwendungsort
abgibt (s. Zaffaroni).
Thermalgesie
Polymodal durch extreme thermische Reize ausgelöster Schmerz.
Theta-Wellen
EEG: F: ca. 4--7/s. Unter Schlaf- (Kinder) und Narkosebedingungen
vorkommend.
Thomas Edward (London 1878—1917 Schlacht bei Arras, am Osterfest)
brit. Literatur, liess sich mit 37 Jahren noch als Freiwilliger
anwerben (weil – verheirateter Vater mit 2 Kindern - er nicht abseits
stehen wollte).
Thoracic-Outlet-Syndrome
Nervenkompressionsyndrom des Plexus brachialis, oft mit Kompression
der subklavischen Gefässe verbunden mit verschiedenster Äthiologie:
erste Rippe, M. scalenus, Tumore, SAPHO etc.
Thudichum, Johann Ludwig (1829--1901)
bdt. dt. Forscher, gilt als Begründer der Neurochemie.
Tierversuche
Für Forschungszwecke am Tier vorgenommene wissenschaftliche Studien.
Die Tiergesetzgebung verbietet unötige Quelereien usw. Nur dank
Tierforschung wissen wir mehr über die "Schmerzphysiologie", wobei
Tierversuche keine Schmerzversuche sind, sondern Nozizeptionstests.
Tierversuche bezüglich Schmerzforschung sind gemäß den Richtlinien der
"Commitee for Research and Ethical Issues of the IASP" durchzuführen.
Tierforschungergebnisse beziehen sich meist auf eine bestimmte Spezies
und sollen deshalb nicht kritiklos in die Humanmedizin übernommen werden
dürfen. Tierforschung und Humanforschung sollen sich gegenseitig
ergänzen und befruchten. In der Schweiz, weltberühmt für das Niveau
seiner Medizin und Pharmaforschung, drohten 1993 fundamentalistische
Kreise -- die dortigen Volksrechte extrem ausschöpfend -- nach 3
gescheiterten Intitiativen innerhalb von 8 Jahren (Schweiz.
Volksinitiativen 1985, 1992, 1993), mit einem Moratorium eines
10-jährigen totalen Verbots der medizinischen Tierversuche.
Timofeev, Dimitry (Penza/Russland 1859--1915)
Medizinstudium an der Universität Kazan, wo 10 Jahre später auch Lenin
studierte; Embryologe und Histologe; 1897--1898 in Bonn (Zusammenarbeit
mit Schiefferdecker) und Tübingen (Lenhossek), beschrieb 1894 " Zur
Kenntis der Nervenendigungen in den männlichen Geschlechtsorganen" und
1896 "Über eine besondere Art von eingekapselten Nervenendigungen in den
männlichen Geschlechtsorganen bei Säugetieren" die heute noch in
Frankreich als das Timofeev-Organ bezeichnet werden und möglicherweise
mit freien C-Faserendigungen identisch sind.
Tincturae
Tinkturen, dünnflüssige Wirkstoffpräparate.
TIVA
Abk. für "Total(e) intravenous (intravenöse) Anaesthesia
(Anästhesie)", die gänzliche i.v.-Narkoseführung. Der Begriff wird
fälschlicherweise leider oft gebraucht, wenn neben
Luft/Sauerstoff/Heliumgasgemischen auch zusätzlich N2O
verwendet wird.
TMD
Abk. für die in Deutschland gesetzlich festgelegte Tagesmaximaldosis.
TNF
engl. Abk. für "Tumor necrosis factora
u. b", Tumornekrosefaktor, ein von
aktivierten Makrophagen und Monozyten synthetisiertes Glykoprotein (MG >
70.000 kDa) mit gegenüber Tumor- und Fremdzellen (Transplantaten)
nekrotisierenden, endotoxischen Eigenschaften. Durch Lipopolysaccharide
aktivierte Makrophagen setzen TNF frei. TNF-Rezeptoren sind ubiquitär,
über 55-kd- und 75-kd-Rezeptoren werden multiple Reaktionen induziert
(Apoptosis, Tumorzelllysis, T-Zellproliferation, Gewebenekrosen, Fieber
etc.). Eine massive TNF-Freisetzung führt zu Koagulopathie, Aktivierung
von Leukozyten mit Freisetzung proinflammatorischer Zytokine sowie
kardiovaskulärem Schock. Die chronische Freisetzung von TNF wird mit
chronischen Entzündungen, Knochenresorptionen, Anämie etc. in Verbindung
gebracht. In der Rheumatologie sind anti-TNF-Therapeutika in der
klinischen Prüfung.
TNF-Rezeptor-Familie
Verwandte Rezeptoren, die immunologisch Zellproliferation und Zelltod
steuern (55-kd-TNF-Rezeptor, 75-kd-TNF-Rezeptor, Lymphotoxinrezeptor,
"Nerve growth factor receptor" etc.).
Toleranz
In der Pharmakologie auch Gewöhnung, Wirkungsabschwächung. Wirkstoffe
(z. B. Morphin) können nach repetierten Dosen eine akute (akute
Toleranz; Tachyphylaxie) oder langsam auftretende Wirkungsabnahme
aufweisen. Der Patient muss die Dosis erhöhen, um die gleiche Wirkung zu
erzielen.
Toller, Ernst (Samotschin bei Bromberg/preussische Provinz Posen
1893--1939 New York, Exil und Suizid)
Zunächst begeisterte Teilnahme als Freiwilliger am ersten Weltkrieg,
dann allmählich Pazifist ("Die Wandlung"). 1917 Bekanntschaft mit Kurt
Eisner. Festungshaft in Bayern wegen Beteiligung an der Münchner
Räterepublik 1919--1924, während der er bedeutende dramatische Werke der
dt. Literatur schuf ("Requiem den gemordeten Brüdern" 1920, "Gedichte
der Gefangenen" 1921 etc.). 1933 Zwangsemigration. Kommentierte in
London die olympischen Spiele 1936: "Der Diktator, der den Frieden von
heute preist, tut es, um den Krieg von morgen vorzubereiten." Rastlose
Tätigkeit: Pazifismus, Hilfsprojekte für die vom spanischen Bürgerkrieg
betroffene Zivilbevölkerung. Nahm sich 1939 in New York aus Verzweiflung
das Leben. Siehe auch Günther Weisenborn.
Tourette-Syndrom
Nach dem Pariser Neurologen G.G. de la Tourette (1857--1904) benanntes
seltenes Krankheitsbild, das sich u. a. mit motorischer Dysfunktion
(Tics etc.) manifestiert und möglicherweise durch eine pathologische
Funktion zentraler Neurotransmittersysteme bedingt ist (DA, 5-HT, NA;
Opioidrezeptoren).
Tourniquettest
Durch Tourniquet (z. B. Blutdruckmanschette) durchführbare Prüfung von
Schmerzschwellen (ischämischer Schmerz).
totale Spinal- bzw. Epidural-Anästhesie
In der Regel "akzidentell", historisch gesehen aber auch therapeutisch
induzierte rückenmarknahe Anästhesie im gesamten Bereich des
Rückenmarks.
Tragusschmerz
Bei Mastoiditis etc. auftretender Schmerz der mit Borstenhaaren
besetzten äußeren Gehörgangsregion.
Trakl Georg (1887—1914)
bdt. österreich. Expressionist; Studium der Pharmazie mit Abschluss
(1910 Wien); im 1. Weltkrieg Sanitätsfähnrich. Schwermut, Trauer, Suche
nach Gott, Verfall des Abendlandes: im Lazarett in Krakau im November
1914 Suizid mit Kokain.
Tranqanalgesie
v. a. in Skandinavien gebräuchliches Modewort für Kombination von
Analgetikum (v. a. auch Ketamin) und Tranquilizer (v. a. Diazepam).
Siehe auch ® Ataranalgesie.
Tranquilizer
Nach dem engl. "to tranquil(l)ize", beruhigen; Syn. Ataraktika
(griech. ataraxia = Seelenruhe). Hypnotikafreie Psychopharmaka im
engeren Sinne, ohne antipsychotisch-antischizophrene Wirkung.
Hautpgruppe: Benzodiazepine, durch Forschungsgruppen um Sternbach und
Haefely (Roche) zum ersten Mal synthetisiert.
Transduktion
Phys. die Umwandlung körperfremder chemischer, thermischer,
mechanischer etc. Energie in eine spezifische neuronale Signalsprache.
Transskription
Lat. trans, scribere. Molekularbiologie: die Kopie einer einsträngigen
Ribonukleinsäure (RNA) entlang der Mutter-DNA innerhalb des Zellkern
durch RNA-Polymerasen. Der Transskriptionsvorgang läuft an der Seite des
abzulesenden DNA-Strangs. Der so kopierte kodifizierte Strang ist eine
Boten-RNA, die -- ins Zytoplasma ausgeschleust -- als Ribose prinzipiell
chemisch schneller inaktiviert werden kann, als eine Desoxyribose. Dank
diesem chemischen Trick kann sich der zytoplasmatische Gehalt an
neusynthetisierten Proteinen schnell auf extrazelluläre Signale
anpassen. Die Boten-RNA wird den Ribosomen zugeführt, die ihrerseits ein
entsprechendes Proteinmuster synthetisieren (Translation). Die
Translationsphase wird durch sog. Transfer-RNA kontrolliert, die die
exakte Sequenz der zu kopierenden Aminosäurensequenz überwacht. Die
Transkriptionskaskade nach extrazellulärer Signalstimulation wird in der
molekulären Schmerzforschung mehr und mehr als Diskussionsgrundlage für
die Entstehung pathologischer chronischer Schmerzleiden diskutiert.
Transskriptionsfaktor
Zelluläres Proteinsystem, das die Transskription induziert, stimuliert
und beendet (z. B. NFAT = nuclear factor of activated T-cells).
Translation
Aus der Genetik übernommener Ausdruck der "Übersetzung" einer
neuronalen Information ins Bewusste (Perzeption).
Transmission
Die neuronale Erregungsübertragung, z. B. Nozitransmission, die
neuronale Übertragung von schädlichen Signalen.
Transmitter
engl.-lat. Überträgerstoff.
transplazentäre/diaplazentäre Barriere
Folgende histologische Barrieren trennen das mütterliche vom
intervillösen Blut des Feten: Synzytiotrophoblast, plazentäres
Bindegewebe, fetales Kapillarendothelium (mütterlichwärts und
fetalwärts), Kapillarbett im terminalen fetalen Villus.
Traum
Unwillkürliche seelische Tätigkeit, Phantasieerlebnisse während des
Schlafs (vgl. Forschungsarbeiten z. B. von C.G. Jung).
Trendelenburg, Friedrich (Berlin 1844--1924 Berlin)
bdt. dt. Chirurg (Rostock, Bonn, Leipzig), Sohn des Philosophen
Trendelenburg (Kritiker des Hegelschen Systems). Führte 1869
Chloroformnarkosen über selbst entwickelte Tracheotomie-Tubus-Sets
(bestehend aus Tubus mit Blockmanschette und Narkosetrichter) durch,
erste ähnliche Versuche am Kaninchen gehen auf John
®
Snow 1858 zurück. Nach Trendelenburg wird die Trendelenburg-Lagerung
(Becken-Beinhochlagerung beim Schock etc.) und die sog.
Trendelenburg-Operation, erstmals 1924 durchgeführt, benannt.
Trichloraethylen
Trilene®, früher in der Anästhesie gebrauchtes flüssiges Anästhetikum
mit niedriger Verdampfungsdruck. Das heute als Reinigungsmittel in der
Industrie eingesetzte Trichloräthylen wird zum "Sniffling"
("Schnüffeln") missbraucht.
Triggerpunkt
Körperpunkte, die spontan oder auf Reizung, z. B. Druck, Schmerzen,
eingeschränkte Muskeldehnbarkeit, autonome Gewebsfehlregulation etc.
auslösen können. Cornelius A publizierte 1926 (Thieme, Leipzig) ein
Lehrbuch über "Die Nervenpunktlehre".
Triptane
Wirkstoffgruppe mit 5-HT1-agonistischer Wirkung,
Migränemittel: z. B. Sumatriptan, Naratriptan, Zolmitriptan etc..
Troxler, Ignaz Vitalis Paul (Münster/Luzern 1780--1866 Aarau)
Wird zu den führenden ® Ärzteanthropologen
gezählt. Versuchte in seiner "Anthroposophie", empirisch geistige
Wirkprinzipien -- als Pendent zu den materiellen Prinzipien in der
Naturwissenschaft -- zu erforschen. Unbequemer, "störender" und
engagierter "Frühdemokrat". Geschichtslehrer am Luzerner Lyzeum, aus
politischen Gründen nach kurzer Zeit aus verschiedenen Lehraufträgen
entlassen (vgl. moderne "Berufsverbote"), bis er endlich 1834--1850 eine
Professur an der Universität Bern erhielt.
Tyrosin-Kinase
Eine Rezeptordomaine (sog. b-Einheit), die
auf multiplen Rezeptoren der Wachstumsfaktoren-Familie vorhanden ist.
Die über diese Domäne induzierbaren Signaltransduktionen betreffen
Effektorreaktionen der Mitogenese, Zelldifferenzierung und des
Zellwachstums.
Tschaikowski, Pyotr Il’yich (1840--1893; s. auch: ®
Pathos)
Nach Ansicht moderner Musikologen soll Tschaikowksi nicht an Cholera
gestorben sein (orthodoxe Todesversion), sondern auf Druck eines
zaristischen Ehrenkommitees, das ihm am 31.10.1893 seine Aufwartung
machte und ihn zwang, Arsen zu nehmen. Grund dafür waren homosexuelle
Beziehungen Tschaikowskis, so zu seinem Neffen Vladimir Davidov, der
seinerseits später (1906) im Hause von Tschaikowski in Klin Selbstmord
verübte.
Tschechow, Anton Pawlowitsch (Taganrog 1860--1904 [während eines
TBC-Kuraufenthaltes in Badenweiler/Schwarzwald])
Arzt, danach bedeutenden Schriftsteller, 1890 Reise nach Sachalin,
1895 "Russlands Schreckeninsel".
TST
engl. Abk. für "thermoregulatory sweat test", Testverfahren bezüglich
des autonomen peripheren Nervensystems in Bezug auf die
Sudomotorfunktion. Der Patient wird in einer Infrarotwärmekammer auf
eine erhöhte Kerntemperatur aufgeheizt und hinsichtlich einer
entsprechenden Schweißreaktion (Hypo/Anhidrosis bis Hyperhidrosis) im
Gebiet des neuropathisch-geschädigten Nerven (fokal, distal von der
Schädigung, segmental, regional, global etc.) getestet. Ähnliche, aber
auf einzelne Nerven gerichtete, Testverfahren sind der QSART bzw.
stimulierte postganglionäre Sudomotortest.
Tuffier, T. (1867--1929)
frz. Chirurg, publizierte fast zeitgleich mit ®
A. Bier 1891 Arbeiten über Spinalanästhesie. Wandte 1899 intrathekales
Kokain zur Schmerzlinderung bei therapieresistenden Malignomschmerzen
an. Nach ihm wurde die von ihm für die lumbale Spinalpunktion
vorgeschlagene Linie zwischen den Darmbeinkämmen benannt. Er betonte,
dass der Wirkstoff niemals intrathekal anzubringen sei, ohne dass über
die Punktionsnadel Liquor abgeflossen sei.
Tuohy, E.B.
Entwickelte spezielle Nadelschliffe für kontinuierliche Spinal- und
Epiduralanästhesien mittels Kathetern, damals Ureterkatheter; 1944/45.
Tussis
lat. Husten, daher werden z. B. Hustenmittel als Antitussiva
bezeichnet.
Quelle: Glossar
zum "Handbuch
der Schmerztherapie" (Hsg.: Herman Hans
Waldvogel), gewidmet Ernst von der Porten, einem der Wegbereiter der
moderenen Schmerztherapie. Ernst von der Porten wurde von der Gestapo,
gemeinsam mit seiner Frau, im "freien Teil Frankreichs" in den Tod
getrieben.
- Weitere Informationen zum
Buch
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Bestellen
haGalil onLine 14-10-2001
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