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Lexikon zur Schmerzmedizin
Zaffaroni, Alejandro (Montevideo/Urugay 1941--)
bdt. Biochemiker und Industrieller; erfand das Prinzip der
"therapeutischen System" (z.B. transdermale Wirkstoffpflaster).
Zange-Kindler-Syndrom
Nach dem Grazer Arzt J. Zange (1880--1969) benanntes Syndrom mit
Hinterhauptschmerzen, Nausea und Emesis, Schwindel, Ataxie,
Dysdiadochokinese etc. bei raumfordernden Prozessen der hinteren
Schädelgrube.
Zellmembran
Biol. Zellschutzhülle, bestehend aus Phospholipidschichten (Lecithine,
Sphingomyeline, Aminophospholipide) sowie Proteinstrukturen wie
Mikrotubuli (Strukturproteine), Ionenkanäle und aktive Ionenpumpen
(Transportproteine, Kanalproteine), Rezeptoren (Rezeptorproteine) sowie
katalysatorische Enzymsysteme.
Zellorganellen
Definierte intrazelluläre Strukturen mit spezifischen Funktionen
(Mitochondrien, endoplasmatisches Retikulum, Lysosomen, Nukleolus,
Zentriolen, Golgi-Apparat).
Zelltheorie
Der dt. Apotheker und Botaniker W. Pfeffer (1845--1920; nach ihm wird
die Pfeffer-Zelle für osmotische Messungen benannt) schuf mit seiner
Grundlagenforschung über "Osmotische Untersuchungen" (1877) sowie
"Pflanzenphysiologie" (1881) Voraussetzungen für die Zelltheorie. M.J.
Schleicher (1804--1881), Jurist und Botaniker "Beiträge zur Phytogenese"
1838 und "Die Pflanze und ihr Leben" 1848 erkannte die pflanzliche Zelle
als Funktionseinheit. T. Schwann (1810--1882) Anatom, Physiologe --
entdeckte u. a. das Verdauungsferment Pepsin sowie das nach ihm benannte
Neurilemm -- erkannte das Prinzip der pflanzlichen und tierischen Zelle.
Schleicher und Schwann gelten als die Begründer der Zelltheorie. Georg
® Quincke, Pfeffer sowie ®
Overton erarbeiteten Grundlagen zur Definition der Zellmembran, die 1935
endlich als Bilipidschicht (Danielli u. Davson) bestätigt wurde. Singer
u. Nicholson veröffentlichten 1972 das jedem Anästhesisten und
Neurologen geläufige Konzept der Lipiddoppelschicht der axonalen
Membran, die prinzipiell wie jede Zellmembran aufgebaut ist.
Zelltod
Neben Nekrose ist der biologische Mechanismus der
® Apoptose beim Zelltod involviert.
Zenti
Abk. c, dezimales Vielfaches in der Ordnung 10-2 = 0,01.
zentraler Schmerz
Schmerz, der mit einer Läsion des zentralen Nervensystems assoziiert
ist.
zentrales autonomes Nervensystem
Ein zentrales autonomes Netzwerk, der zentrale Teil des
autonomen Nervensystems, hauptsächlich repräsentiert durch folgende
Kernregionen: Insula, medianer präfrontaler Kortex, Hypothalamus,
Amygdala, ventrolaterale Medulla oblongata, Nucleus tractus solitarii,
Nucleus parabrachachialis, PAG, sowie den zirkumventrikulären Organen.
zentripetal
Zum Zentrum führend, z. B. die orthodrome neuronale Signalmeldung ist
zentripetal; die antidrome neuronale Ausschüttung von Mediatoren wie
Substanz P ist zentrifugal, d. h. vom Nervenganglion peripherwärts
gerichtet.
Zenz, Michael (Minden 1945*)
bdt. dt. Schmerzkliniker
Zephalgia
Syn.: Cephalgia, Kopfschmerz.
Ziliarneuralgie
Neuralgie im Bereich der Ziliarnerven, ®
Charlin-Syndrom.
Zimmermann, Manfred (Herxheim bei Landau, Pfalz 1933*)
bdt. dt. Schmerzforscher.Autor und Herausgeber des ersten
deutsch-sprachigen Textbuches über Schmerz: "Schmerz -- Konzepte und
ärztliches Handeln" (Springer 1984).
Zipf, Hans Friedrich (Oberkirch/Baden 1911--1969 Köln)
Pionier der sog. "Endo-Anästhesie" (1953) bzw. systemische
i.v.-Verabreichung von Lokalanaesthetika zu Analgesie- bzw.
Anästhesiezwecken.
zirkadianer Rhythmus
Syn.: 24h-Biorhythmus.
zirkumventrikuläre Organe
In unmittelbarer Nachbarschaft von Hirnventrikel befindliche,
erstaunlicherweise noch sehr schlecht erforschte Organe mit alterierter
Blut-Hirn-Schranke, u. a. durch fenestrierte Kapillaren. Putative
Funktion: ZNS-Sensoren für ® zentrales
autonomes Nervensystem bzw. für im Blut zirkulierende Substanzen, bzw.
potentielle Toxine, ® Chemotrigger Zone Area
postrema (Blutsensor für Toxine usw.), Glandula pinealis (ca.diane
Rhytmik inkl. Nozizeption-Antinozizeption), Neurohypophyse, Eminentia
mediana des Hypothalamus, ® Organum
vasculosum laminae terminalis (Blutsensor für pyrogene IL-Immunsignale
).
Zönästhesie
Abnorme, oft bizarre, fremdartige, oft umschriebene (z. B.
Eingeweidebereich), vom Patienten nicht einfühlbare Körperempfindungen
-- auch: Zönästhesiopathie -- , die oft mit psychotischen Erkrankungen
in Zusammenhang gebracht werden, aber durchaus somatischen Ursprungs
sein können, z. B. neuropathische Zönästhesie bei Malignomen oder
Entzündungen. Nicht zu verwechseln mit Zonästhesie = Gürtelgefühl.
Zona algetica
"Schmerzzone"
Zona ignea
Herpes zoster.
Zonästhesie
"Gürtelgefühl"
Zoster
Syn.: Herpes Zoster, virale, neurotrope Erkrankung -- generalisiert
inkl. ZNS oder regionalisiert z. B. im Bereich von Spinalnerven -- mit
entsprechenden Hautmanifestationen, sowie oft schweren Formen von
(postherpetischen)
® neuropathischen Schmeren.
Zotterman, Yngve Gulle (Vadstena/Oster Gottland 1898--1982)
In Cambridge 1925--1926 Arbeiten mit Adrian, u. a. "The impulses
produced by sensory nerve endings. Part III. Impulses set up by touch
and pressure" (J. Phys. 1926; 61: 465--483.). Medizinstudium mit
Abschluss 1933 am ® Karolinska Institut, von
1946--1965 Professur für Physiologie und Pharmakologie an der Kung. Vet.
Hogskolan (königl. Veterinäre Hochschule) in Stockholm. Zotterman wies
spezifische nozizeptive Funktionen der Ad-
und C-Fasern nach ("Touch, pain and tickling: An electrophysiological
investigation on cutaneous sensory nerves", 1939). Später Arbeiten für
die Wenner-Gren-Foundation in Stockholm.
Zweihundert Schweizer Offiziere
Verschworen sich in der Schweiz heimlich für einen "Anschluss" während
des II. Weltkriegs gegen General Guisan (u. a. der Ostfrontarzt
Bircher).
Zweihundert Ärzte
Nahmen schätzungsweise an der nationalsozialistischen Medizin
(Pflichtfach: Volkshygiene) teil. So wurden am anatomischen Institut der
Universität Strassburg "jüdisch-bolschewistische" Schädel von
KZ-Inhaftierten "wissenschaftlich" ausgemessen (®
Phrenologie). Die folgenden 7 Ärzte wurden am Nürnberger Gericht wegen
Verbrechen an der Menschheit zu Tode verurteilt und 1948 in Landsberg
durch den Strang hingerichtet: Karl Brandt, Karl Gebhardt, Rudolf Brand,
Joachim Mrugowsky, Wolfgang Sievers, Waldmar Hoven, Viktor Brack. Der
Todesengel von Ausschwitz, Dr. Joseph Mengele -- berüchtigt für seine
"medizinische Forschung an Kindern" -- wanderte unbehelligt über die
Schweiz -- zur gleichen Zeit beherbergte der Schweizerische
Geheimdienstchef Masson Herrn Schellenberg -- , wo sein Stiefsohn im
mondänen Waadtländer Kurort Montreux-Territtet das Abitur machte, nach
Südamerika aus.
Zweikompartiment Modell
Kinetisches Denkmodell, wonach ein Wirkstoff auf 2
Körper-Kompartimente, ein peripheres (schlechtperfundierte Gewebe und
Organe) und ein zentrales (Intravasalvolumen, bestperfundierte Organe
wie Herz, ZNS, Leber, Nieren) verteilt wird. Nach i.v.-Applikation eines
Wirkstoffes, ist ein rascher Anstieg der Wirkstoffkonzentration im
bestperfundierten Kompartiment, z. B: ZNS -- entspricht der
Einschlafphase bei i.v.-Bolusgabe von Barbituraten -- festgestellt.
Gefolgt von einem durch den Verteilungsprozess bedingten raschen
Konzentrationsabfall, z. B. ZNS -- entspricht der Aufwachphase bei
einmaliger i.v.- Barbituratgabe -- = a-Phase,
sowie der gleichzeitig anlaufenden Eliminationsphase (b-Phase).
Das Zweikompartimentmodell kann mit einer bi-exponentiellen Kurve
(Plasmakonzentration vs. Zeitachse) mit entsprechender
®
a-(Verteilungs-) sowie ®
b-(Eliminations)phase.
Zytokine
Heterogene Familie von bioaktiven Polypeptiden (Immunologie,
Entzündungsprozesse), die von T-, B-Zellen, Monozyten etc. synthetisiert
werden. ®Interleukine IL,
®
Chemokine (NAP-I, NAP-2, Abk. für "neutrophil attractant protein"), MIP-I
a und b, Abk. für
"macrophage inflammatory protein", MCAF/MCP-1, Abk. für "monocyte
chemotactic and activating factor"/"monocyte chemoattractant protein",
MGSA, Abk. für "melanoma growth stimulating activity", RANTES, Abk. für
"regulated upon activation normal T expressed and secreted",
®
Tumor-Nekrosis-Faktoren (TNF-a und -b),
® Interferone (INF-a,b,g),
® Colony-stimulating-factors (G-CSF, M-CSF,
GM-CSF, IL-3 etc.), ® Wachstumsfaktoren (EGF,
FGF, PDGF, TGF-a und -b,
ECGF), ® Neuropoietine (MIF, Abk. für
"migration inhibitory factor", CNTF, Abk. für "ciliary neurotrophic
factor", OM, Abk. für "human oncostatin M", IL-6), ®
Neurotrophine (BDNF, NGF, NT-3-NT-6, GDNF). Zytokine wie IL-Ib
(partiell über ® Bk1-Rezeptoren),
IL-8, TNF-a haben hyperalgetische,
proinflammatorische Eigenschaften, andere wiederum antiinflammatorische
(z. B. IL-4, IL-10, IL-13). Zytokine funktionieren auch als
"Botschafter" zwischen Immunsystem und ZNS (z. B. periphergeneriertes
IL-1 induziert über den zentralen Sensor OVLT die Aktivierung der iCOX-2
bzw. eine zentrale pyrogene Reaktion.
Zytokinsturm, posttraumatischer
Beim multiplen Organdysfunktionssyndrom (MODS, Abk. für "multiple
organ dysfunction syndrome", chirurgische Großeingriffe, ausgedehnte
Verbrennungen, Sepsis) auftretend. Postulierte Wirkmechanismen sind:
makrophageninduzierte Zytokinkaskade (TNF-a,
IL-1) Þ Zytokine IL-6, IL-8 etc.
Þ Wachstumsfaktoren, Adhäsionsmoleküle,
Komplementreaktionen, NO, Eikosanoide etc. mit Resultat einer
entgleisten generalisierten Entzündungsreaktion mit Organversagen.
Quelle: Glossar
zum "Handbuch
der Schmerztherapie" (Hsg.: Herman Hans
Waldvogel), gewidmet Ernst von der Porten, einem der Wegbereiter der
moderenen Schmerztherapie. Ernst von der Porten wurde von der Gestapo,
gemeinsam mit seiner Frau, im "freien Teil Frankreichs" in den Tod
getrieben.
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haGalil onLine 14-10-2001
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