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	<title>Pharmacon Net &#187; Freud</title>
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		<title>Horst-Eberhard Richter: Psychotherapeut der Nation</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Jan 2012 15:14:43 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Psychotherapie]]></category>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Zum Tode von Horst-Eberhard Richter (1923–2011)&#8230;<span id="more-3779"></span></p>
<p><em>Von Hans-Jürgen Wirth</em></p>
<p>Vor mehr als 40 Jahren, im Sommer 1970, ich war noch keine 20 Jahre alt, zog mich Horst-Eberhard Richters <em>Patient Familie</em> in einen wahren Leserausch. Neben Sigmund Freuds <em>Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse</em> und Erich Fromms <em>Die Furcht vor der Freiheit</em> bescherte mir dieses Buch eine Leseerfahrung, wie ich sie seit den Tagen meiner Hermann-Hesse-Lektüre nicht mehr erlebt hatte. Es eröffnete sich mir eine neue Welt, und in mir wurde die Neugier geweckt, die psychoanalytische Erkundung der komplexen Zusammenhänge zwischen Psyche und Gesellschaft (den Begriff »psychosozial« hatte Richter damals noch nicht geprägt) zum Zentrum meines weiteren Lebens zu machen. Was ich bei Richter las, wirkte – religiös gesprochen – fast wie eine Offenbarung. Ich erinnere mich tatsächlich noch immer an jenen Lese-Nachmittag, weil plötzlich meine Familie und meine mit ihr verknüpften Ängste und Konflikte so offen vor mir lagen. Seither hat mich die Frage, was die psychosoziale Welt im Innersten zusammenhält, nicht mehr losgelassen.</p>
<p><strong><img class="alignright size-medium wp-image-24061" title="Horst-Eberhard Richter" src="http://www.hagalil.com/archiv/wp-content/uploads/richter-216x300.jpg" alt="" width="216" height="300" />Biografisches</strong></p>
<p>Am 28. April 1923 in Berlin geboren, wächst Horst-Eberhard Richter als Einzelkind auf. Die Mutter schildert er als eine sehr emotionale Frau, die sich stark an ihn geklammert habe. Den Vater, ein erfolgreicher Ingenieur und Abteilungsleiter einer großen Firma, erlebt Richter als »stillen, in sich gekehrten Grübler«. Nach Hitlerjugend und Arbeitsdienst wird Richter 18-jährig zum Militär eingezogen und dient in einem Artillerieregiment an der Front in Russland. Kurz vor der Verlegung seiner Truppe nach Stalingrad erkrankt er lebensgefährlich an Diphtherie. Mit 22 Jahren gerät er in Kriegsgefangenschaft und erfährt erst bei seiner Rückkehr vom Tod seiner Eltern, die zwei Monate nach Kriegsende auf einem Spaziergang in der Nähe ihres Dorfes von zwei betrunkenen Russen ermordet worden waren.</p>
<p>Nach Studium der Medizin, Philosophie und Psychologie in Berlin promoviert Richter 1949 zum Dr. phil. und 1957 zum Dr. med. 1950 beginnt er seine psychoanalytische Ausbildung am Berliner Psychoanalytischen Institut, die er 1954 abschließt. Bereits fünf Jahre später, 1959, wird Richter Leiter dieses Instituts und übt diese Funktion bis 1962 aus. Gerade 41-jährig wird er 1964 zum Vorsitzenden der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV) gewählt und engagiert sich in dieser Position bis 1968.</p>
<p><strong>Eltern, Kind und Neurose</strong></p>
<p>Im Jahr 1963, ein Jahr nachdem er auf den zweiten deutschen Lehrstuhl für Psychosomatische Medizin, neben dem von Alexander Mitscherlich in Heidelberg, berufen worden ist, publiziert Horst-Eberhard Richter sein Buch <em>Eltern, Kind und Neurose. Zur Psychoanalyse der kindlichen Rolle in der Familie</em>, das kurioserweise als Habilitationsschrift abgelehnt worden war. Richter wird ohne Habilitation Professor und für drei Jahrzehnte Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Psychosomatische Medizin an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Sein Buch wird in den folgenden Jahren zum einflussreichen Grundlagenwerk für die neue psychoanalytische Behandlungsmethode der Familientherapie, die er im deutschsprachigen Raum als Erster entwickelt. Auf der Grundlage seiner Erfahrungen als leitender Arzt (1952 bis 1962) der »Beratungs- und Forschungsstelle für seelische Störungen im Kindesalter« am Berliner Kinderkrankenhaus im Bezirk Wedding hat er seine psychoanalytische Theorie formuliert, die es erlaubt, das Fehlverhalten von Kindern als symptomatischen Ausdruck unbewusster Konflikte zu verstehen, an denen die Eltern bzw. die ganze Familie leiden. »Die Rolle des Kindes«, schreibt Richter (1963, S. 73), »bestimmt sich also aus der Bedeutung, die ihm im Rahmen des elterlichen Versuches zufällt, ihren eigenen Konflikt zu bewältigen.« Der Konflikt des Kindes wird hervorgerufen durch die »Narzißtischen Projektionen der Eltern auf das Kind« (Richter 1960) – so der Titel seines Aufsatzes im <em>Jahrbuch der Psychoanalyse</em>, zu dessen Herausgeberkreis er bis zu seinem Tod gehört.</p>
<p>Diese Gedanken sind uns heute so vertraut, dass man sich kaum noch vorstellen kann, wie revolutionär – und damit sowohl anziehend als auch irritierend – sie damals sowohl auf die psychoanalytische Fachwelt als auch auf das interessierte Laienpublikum gewirkt haben müssen. Vergleicht man die psychoanalytische Paar- und Familientherapie mit anderen Formen der angewandten Psychoanalyse, wie beispielsweise der Gruppentherapie oder der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie, so findet die Paar- und Familientherapie noch immer nicht die Anerkennung durch die psychoanalytischen Fachgesellschaften, die ihr eigentlich zukommen müsste. Man kann die paar- und familientherapeutischen Konzepte durchaus als frühe Vorläufer der heute maßgeblichen psychoanalytischen Schulrichtung ansehen, die unter der Bezeichnung »relationale Psychoanalyse« bekannt ist. Der theoretische Vordenker der relationalen Psychoanalyse, der amerikanische Psychoanalytiker Stephen Mitchell, nimmt zwar in seinen Büchern immer wieder auf die grundlegende Bedeutung der Paardynamik Bezug, allerdings ohne den naheliegenden Schritt zum paartherapeutischen Setting zu gehen.</p>
<p>Als Richter 1970 sein zweites grundlegendes Buch zur psychoanalytischen Familientherapie <em>Patient Familie. Entstehung, Struktur und Therapie von Konflikten in Ehe und Familie</em> veröffentlicht, ist er bereits ein bekannter Autor und die psychoanalytische Familientherapie, als deren Nestor er in Deutschland gelten kann, befindet sich auf dem besten Wege, ein einflussreiches psychotherapeutisches Konzept zu werden. Während Richter mit seinem theoretischen Hauptwerk <em>Eltern, Kind und Neurose</em> wissenschaftliches Neuland betritt, entfaltet er in <em>Patient Familie</em> seine Meisterschaft als sprachgewandter Autor, der mit psychoanalytischer Einfühlung seelisches Leid zu beschreiben und in seine beziehungsdynamischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge einzuordnen weiß.</p>
<p><strong>Hoffnung auf einen neuen Weg, sich selbst und andere zu befreien</strong></p>
<p>Persönlich lernte ich Horst-Eberhard Richter 1970 zu Beginn meines Psychologiestudiums im Rahmen einer studentischen Initiativgruppe kennen, die in der Gießener Obdachlosensiedlung »Eulenkopf« sozialpolitisch und sozialpädagogisch tätig ist. Wie viele meiner sich im Aufbruch befindlichen Generation fühle ich mich durch Richters Gedanken angezogen, und seine in den 70er Jahren publizierten Bücher <em>Die Gruppe</em> (1972), <em>Lernziel Solidarität</em> (1974), <em>Flüchten oder Standhalten</em> (1976) und <em>Engagierte Analysen</em> (1978) begleiteten mich in diesen Jahren. <em>Die Gruppe</em> hat den Untertitel <em>Hoffnung auf einen neuen Weg, sich selbst und andere zu befreien. Psychoanalyse in Kooperation mit Gruppeninitiativen</em>. Dieses Buch ist Ausdruck des geistig-kulturellen Klimas der frühen 70er Jahre und bietet zugleich Interpretationen und Reflexionen an, um die mit dem Jahr 1968 angebrochene Zeitenwende und die damit einhergehende psychosoziale Neuorientierung besser verstehen und für die Gestaltung des eigenen Lebens nutzen zu können. Richter ist kein Anhänger der antiautoritären Studentenbewegung der Jahre 68/69, sondern ein Sympathisant der sanfteren Initiativ-, Alternativ- und Ökologiebewegung der 70er Jahre und der Friedensbewegung der 80er Jahre. Er greift die Aufbruchstimmung der 70er Jahre auf, reflektiert aber auch die inneren Brüche, die überzogenen Ansprüche, die wir an uns selbst und an andere stellen, und hilft auf diese Weise dabei mit, dass wir zu realistischeren politischen Konzepten kommen. Dies macht die damalige Bedeutung seines Buches aus.</p>
<p>Richter hat – anders als die meisten Autoren der damaligen Zeit, die sich mit dem Phänomen der Gruppe beschäftigten – sowohl deren politische als auch ihre psychologische und psychotherapeutische Bedeutung erkannt. Er hat deutlich gemacht, dass es sich hierbei tatsächlich um eine soziale Neuerfindung handelt: Der Typus der spontanen, hierarchiefreien und mit den Mitteln der Selbstreflexion sich organisierenden Gruppe stellt in der Tat ein gesellschaftliches Novum dar, das vom emanzipatorischen Teil der Jugend- und Studentenbewegung kreiert worden ist.</p>
<p>Für Richter ist die Psychoanalyse nicht nur eine tiefenpsychologische Behandlungsmethode, sondern, und vielleicht zuallererst, ein Instrument der Aufklärung einer sich sozialanalytisch begreifenden Wissenschaft von Mensch und Gesellschaft. Allein in den Jahren 1972 bis 1981 schreibt er die fünf Bücher, die diese neue Ära eines ganzheitlichen Konzepts von Psychoanalyse einleiten und quasi zur Pflichtlektüre für eine breite Schicht politisch aufgeklärter Bürger werden.</p>
<p><strong>Psychiatrie-Reform</strong></p>
<p>Von den sozialpolitischen Experimenten der 70er Jahre und den neuen Arbeitsansätzen der Initiativ-, Spontan- und Selbsthilfegruppen, von denen Richter inspiriert wird und die er seinerseits anregt, gehen weitreichende Innovationen im Bereich der psychosozialen Beratung und Therapie aus. Die Besinnung auf die psychischen und sozialen Voraussetzungen von Krankheit und Therapie und die Entwicklung eines auf das Psychosoziale bezogenen Gesundheits- und Krankheitsbegriffs sind ohne die kritischen Impulse aus der Initiativgruppen-Bewegung kaum vorstellbar. Es sind Anfang der 70er Jahre fast ausschließlich kritische Studenten, die sich den benachteiligten Gruppen der Gesellschaft, den Heimzöglingen, Obdachlosen, Psychiatriepatienten usw. zuwenden, das Gewissen der Gesellschaft wecken und sowohl die Öffentlichkeit als auch die Fachdisziplinen zwingen, sich mit diesen verdrängten Problembereichen auseinanderzusetzen. Maßgeblich beteiligt ist Richter an der Reform der deutschen Psychiatrie und Sozialpsychiatrie, wofür er 1980 den Theodor-Heuss-Preis erhält. Die in der Psychiatrie-Enquête als Modell der regionalen Selbstorganisation der psychosozialen Versorgungsdienste empfohlene »Psychosoziale Arbeitsgemeinschaft« wird beispielsweise auf Richters Vorschlag hin dort aufgenommen und ganz nach dem Modell der Initiativgruppe konzipiert. Richters Fähigkeit, jeweils von allen seinen Partnern etwas zu lernen und die in einem Feld gewonnenen Erkenntnisse auf andere Zusammenhänge zu übertragen, stellt eine seiner großen Stärken dar. Nachdem Richter in der Initiativgruppe einiges über die Kreativität von hierarchiearmen Spontangruppen erfahren hat, versucht er sofort, etwas von dem freien Geist, der diese Initiativgruppen prägt, in die institutionelle Struktur seines Psychosomatischen Zentrums und auch der »Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft« in Gießen zu integrieren.</p>
<p><strong>»psychosozial«: Von der Zeitschrift zum Verlag</strong></p>
<p>Durch seine zahllosen Bücher, Artikel, Vorträge und Interviews trägt Richter maßgeblich dazu bei, dass diese zukunftsweisenden Experimente keine Einzelerscheinungen bleiben. Dank seiner Funktion als Vermittler, Botschafter, Interpret und kritischer Begleiter der »Neuen Sozialen Bewegungen« – zu denen die Frauen-, die Ökologie- und die Friedensbewegung gehören – werden sie zu Vorläufern einer Bewusstseinsveränderung, die unsere Gesellschaft erheblich geprägt hat.</p>
<p>Zu seinen publizistischen Aktivitäten gehört auch die Gründung der Zeitschrift <em>psychosozial</em>, in deren Herausgeberkreis Richter mich früh holt. Aus <em>psychosozial</em> geht später der von mir gegründete <a href="http://www.psychosozial-verlag.de/">Psychosozial-Verlag</a> hervor, den Richter nachhaltig unterstützt, indem er uns seine Erfolgsbücher zur Zweitverwertung überlässt. Danach kommen als Erstausgaben <a href="http://www.amazon.de/Die-Krise-Männlichkeit-unerwachsenen-Gesellschaft/dp/3898065707/buchundjudenhaga"><em>Die Krise der Männlichkeit in der unerwachsenen Gesellschaft</em></a> (2006) und <a href="http://www.amazon.de/Die-seelische-Krankheit-Friedlosigkeit-heilbar/dp/3898068366/buchundjudenhaga"><em>Die seelische Krankheit Friedlosigkeit ist heilbar</em></a> (2008) heraus. Richter ist insofern Namensgeber des Psychosozial-Verlages, der sich der von ihm vertretenen Auffassung von Psychoanalyse verpflichtet weiß.</p>
<p><strong>Psychoanalyse und empirische Forschung</strong></p>
<p>Eine Vorreiterrolle hat Richter auch in Bezug auf die Kooperation von Psychoanalyse und empirischer Psychologie: Zusammen mit Dieter Beckmann entwickelt er bereits Anfang der 70er Jahre einen Persönlichkeitstest, bei dessen Konzeption psychoanalytisch relevante Kategorien besonderes Gewicht haben.</p>
<p>Dieses psychologische Testverfahren bekommt den Namen Gießen-Test (Beckmann/Richter 1972). Er wird in zahlreichen Untersuchungen verwendet, z. B. auch in der für die psychosomatische Medizin wegweisenden Studie über die »Herzneurose« (Richter, Beckmann 1969). Der Gießen-Test ist im deutschsprachigen Raum auch heute noch einer der am häufigsten verwandten Fragebögen zur Psychodiagnostik. Zusammen mit Elmar Brähler führt Richter periodisch Befragungen durch, mit denen die Befindlichkeit und die Einstellungen in der Bevölkerung erhoben werden. In weit über 1.000 Publikationen wird der Gießen-Test bislang zitiert. Er ist in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt. Mithilfe dieses Tests wird der Name Gießens buchstäblich in die weite Welt getragen – zumindest in die psychologische Fachwelt.</p>
<p>Die Existenz eines psychoanalytisch fundierten Tests, der auch bei den Methodikern der empirischen Psychologie Anerkennung findet, erlaubt ganzen Generationen von psychoanalytisch orientierten Forscherinnen und Forschern, sich in der empirischen Psychologie wissenschaftlich zu qualifizieren, ohne ihre psychoanalytische Orientierung aufgeben zu müssen. Viele psychoanalytische Kolleginnen und Kollegen verdanken ihre wissenschaftliche Karriere nicht zuletzt dem Gießen-Test und damit Richters frühzeitiger Öffnung der Psychoanalyse für die empirische Forschung. Auch in der Psychotherapie-Forschung wird der Gießen-Test häufig angewandt. Unter Richters Leitung betreiben wir schon in den 70er Jahren Psychotherapie-Verlaufsforschungen und katamnestische Studien, in denen wir die Wirksamkeit von Psychotherapie, beispielsweise die der Paar-Kurztherapie (vgl. Richter/Wirth 1978), untersuchen. Inzwischen sieht sich die Psychoanalyse unter dem Druck der Gesundheitsreform und in der stärker gewordenen Konkurrenz mit anderen psychotherapeutischen Verfahren genötigt, sich der Psychotherapie-Erfolgsforschung zu stellen.</p>
<p><strong>Friedensbewegung und IPPNW</strong></p>
<p>Bereits ab 1980 engagiert sich Richter in der Friedensbewegung und ist 1981 einer der maßgeblichen Gründer der westdeutschen Sektion der Ärzte gegen den Atomkrieg (IPPNW). Er beeinflusst die politische und inhaltliche Orientierung der bundesdeutschen IPPNW von Anfang an in Richtung Basisdemokratie und eines kollegialen Miteinanders. Das Engagement in der Friedensbewegung gewinnt immer größeres Gewicht in Richters Leben. Er verfasst die berühmte »Frankfurter Erklärung«, in der jeder Unterzeichner sich mit seiner Unterschrift dazu bekennt, sich jeglicher kriegsmedizinischen Schulung und Fortbildung zu verweigern. In etwas abgewandelter Form, als »New Physicians’ Oath«, wird diese Erklärung, nachdem Richter sie auf dem 2. IPPNW-Weltkongress in Cambridge eingebracht hat, von der Weltföderation übernommen. Im Jahr 1985, als das atomare Wettrüsten seinen Höhepunkt erreicht, erhalten die Internationalen Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges – und mit ihnen Horst-Eberhard Richter – den Friedensnobelpreis. Der Friedensnobelpreis dürfte die wohl höchste Ehrung sein, die man erhalten kann. Dennoch sind nicht alle begeistert von der Verleihung. Besonders in der damaligen deutschen Regierung unter Helmut Kohl ist die Empörung groß, dass eine Organisation, die man als »Moskau-gesteuert« bezeichnet, so geehrt wird. Richter grenzt sich immer gegen eine Vereinnahmung durch falsche Freunde ab, lässt sich aber umgekehrt durch Verdächtigungen auch nicht von seinem eigenen Weg abbringen.</p>
<p>Sein friedenspolitisches Engagement auf internationaler Ebene bringt Richter 1987 auch in Kontakt mit einer Arbeitsgruppe unter der Schirmherrschaft von Michail Gorbatschow. Zu dieser Vereinigung, die sich »für eine atomwaffenfreie Welt und für das Überleben der Menschheit« einsetzt, gehören unter anderem der russische Atomwissenschaftler und Menschenrechtler Andrej Sacharow, Ex-US-Verteidigungsminister und Weltbank-Chef Robert McNamara und der Gründer von Greenpeace, David McTaggart. Von den Projekten, die diese Gruppe ins Leben ruft, holt Richter eines an seine Klinik: Es geht um eine psychologische Untersuchung, in der 1.400 Studierende der Justus-Liebig-Universität Gießen und 1.000 Moskauer Studierende zu ihren Einstellungen, politischen Meinungen, Wünsche und Ängste befragt werden. Natürlich kommt auch der Gießen-Test zum Einsatz. Das zentrale Ergebnis dieser Untersuchung – die noch vor dem Ende des Kalten Krieges, noch vor der Maueröffnung stattfindet – gibt an, dass junge Russen und Deutsche sich psychologisch viel näher sind und viel weniger Vorurteile über den jeweils anderen haben, als die offizielle Politik vermuten lässt. Die Ergebnisse publiziert Richter 1990 in dem Buch <em>Russen und Deutsche. Alte Feindbilder weichen neuen Hoffnungen</em>. Wieder taucht das Wort Hoffnung in einem seiner Buchtitel auf.</p>
<p>Als die Friedensbewegung nach dem NATO-Krieg gegen Jugoslawien 1999 von den Medien für tot erklärt wird, organisiert Richter als Antwort darauf zusammen mit der IPPNW den Kongress »Kultur des Friedens« (Richter 1999): Die große Teilnehmerzahl demonstriert, dass die Friedensbewegung in Deutschland sich gewandelt hat, aber keineswegs gestorben ist.</p>
<p><strong>»Erinnern hilft vorbeugen«</strong></p>
<p>Die erinnernde Bearbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit stellt das zentrale Motiv für Richters politisches Engagement dar. Schon mit <em>Eltern, Kind und Neurose</em> hatte Richter ein theoretisches Konzept formuliert, mit dem die unbewussten Verstrickungen der Generationen, die transgenerationale Weitergabe von Traumata und von unbewussten Konflikten, psychoanalytisch verstanden werden konnte. Der Begriff der transgenerationale Weitergabe von Traumata sollte erst viele Jahre später von der Holocaustforschung geprägt werden, aber die zugrundeliegende Psycho- und Beziehungsdynamik wird von Richter bereits Anfang der 60er Jahre konzeptuell begriffen. Er selbst und andere Autoren haben diese Koinzidenz rückblickend auch so gesehen. Bemerkenswert ist allerdings, dass auch Richter seinerzeit die übergreifende historisch-politische Bedeutung seines Eltern-Kind-Konzepts nicht klar war. Der Holocaust und die anderen Verbrechen des Nationalsozialismus waren noch so abgespalten vom allgemeinen Bewusstsein, dass sie nicht thematisierbar waren. In »Patient Familie« drängt sich die latente Bedrohung durch das verleugnete Thema Nationalsozialismus noch eindringlicher auf, ohne dass es zu einer bewussten Thematisierung gekommen wäre. Die massenhafte Verbreitung angstneurotischer Familienstrukturen, die Richter für die fünfziger und sechziger Jahre konstatiert, lässt sich nach Überlegungen von Tilman Moser (1995) auf die »Schweigegebote« über die »Schrecken der Vergangenheit« zurückführen. Um sich nicht mit der nationalsozialistischen Vergangenheit konfrontieren zu müssen, klammerten sich viele Familien »mit Hilfe von Vermeidungs- und Verleugnungstaktiken an die Illusion einer friedlichen, guten, geordneten Welt« (Richter 1970) und organisierten ihr familiäres Zusammenleben nach dem Vorbild eines harmonischen und konfliktfreien Sanatoriums. Für das Verhältnis der Eltern zu ihren Kindern hatte dies zur Folge, dass diese ängstlich überbehütet und phobisch gebunden wurden. Die Jugend- und Protestbewegung der sechziger Jahre kann unter anderem auch als ein Aufstand gegen diese überfürsorgliche und als einengend empfundene Bevormundung sowie als erste emotional bedeutsame Thematisierung der verleugneten deutschen Vergangenheit verstanden werden.</p>
<p>Erst im Zusammenhang mit der Nachrüstungsdebatte und dem erneuten Wettrüsten zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt Anfang der 80er Jahre kommen Richter die Erinnerungen an die Grausamkeiten des zweiten Weltkrieges, seine eigenen Kriegserlebnisse und die Unmenschlichkeit des Nationalsozialismus zu vollem Bewusstsein. Richter prägt das Motto »erinnern hilft vorbeugen«, unter das die bundesdeutsche Sektion der »Internationalen Ärzte für die Verhütung eines Atomkrieges« (IPPNW) ihre Kampagne von 1985 stellt, mit der sie die öffentliche Diskussion und Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit zu einem zentralen Anliegen ihres Kampfes für die Beendigung des Wettrüstens macht. Dem liegt der Gedanke zugrunde, die Beschäftigung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus könne unsere Wahrnehmung für die psychischen und sozialen Umstände sensibilisieren, die die »psychische Krankheit Friedlosigkeit« (eine Formulierung, die Richter von Carl Friedrich von Weizsäcker [1967] übernimmt) bedingen. Unsere Friedensfähigkeit heute – so lautet Richters Überlegung – hänge entscheidend von der Bereitschaft ab, zu erinnern und im Gedächtnis zu bewahren, welche Verbrechen von den Deutschen an den Juden und an den Nachbarvölkern begangen wurden, so wie umgekehrt das aktive Eintreten für die Überwindung der Konfrontation zwischen den Militärblöcken und die Beschäftigung mit den psychischen und gesellschaftlichen Bedingungen des paranoiden Freund-Feind-Denkens nahezu zwangsläufig dazu führe, dass man sich mit der nationalsozialistischen Vergangenheit auseinanderzusetzen beginne. Insofern knüpft Richter an die berühmte <em>Zeitdiagnose</em> Alexander und Margarete Mitscherlichs von der <em>Unfähigkeit zu trauern</em> (1967) an, wendet diese aber in ein sozialtherapeutisches Konzept, das originär psychoanalytischen Erfahrungen folgt: die erinnernde Bearbeitung der traumatischen Vergangenheit befreit auch auf der kollektiven Ebene von dem Zwang, die alten Traumata zu wiederholen und eröffnet neue Denk- und Handlungsräume.</p>
<p><strong>Die RAF verstehen?</strong></p>
<p>Es gehört zur zentralen Aufgabe des Psychoanalytikers, sich mit den dunklen, den verdrängten, ja auch den bösen und destruktiven Seiten des menschlichen Lebens zu beschäftigen. Da ein tieferes psychologisches Verständnis nur möglich ist, wenn man sich einfühlend und emotional nachvollziehend auf den anderen einlässt, entsteht für den Außenstehenden oft das Missverständnis, Verstehen sei mit Rechtfertigung, gar mit Parteinahme gleichzusetzen. Als Richter die Ex-Terroristin Birgit Hogefeld im Gefängnis betreut, wird ihm genau dieser Vorwurf gemacht, er sei ein »RAF-Versteher« und rechtfertige damit – zumindest indirekt – deren terroristische Taten. Tatsächlich geht es Richter jedoch darum, über das mitfühlende Verständnis der ehemaligen Terroristin die Rückkehr in die Gesellschaft zu ermöglichen.</p>
<p><strong>Psychoanalyse als Sozialphilosophie</strong></p>
<p>Richter hat nicht nur seine theoretischen Interessen, sondern ebenso seine praktischen Forschungsstrategien und schließlich auch seine Versuche der praktisch-therapeutisch-politischen Beeinflussung vom Individuum auf die Zweierbeziehung, von dort auf die Familie, von der Familie auf die Gruppe, von der Gruppe auf den Stadtteil und die regionalen psychosozialen Versorgungssysteme ausgeweitet, um bei sozialen Bewegungen, politischen Entscheidungsträgern (<em>Die hohe Kunst der Korruption</em>), der Interaktion zwischen Völkern (<em>Russen und Deutsche</em>) und schließlich bei philosophischen Betrachtungen (<em>Der Gotteskomplex</em>) anzukommen. <em>Der Gotteskomplex</em> (1979) wird sein psychoanalytisch-sozialphilosophisches Hauptwerk, in dem er, auf <em>Eltern, Kind und Neurose</em> aufbauend, an Sigmund Freuds Begriff des »Prothesengottes« aus dem <em>Unbehagen in der Kultur</em> (1933) anknüpfend, sein Verständnis des Grundproblems des modernen Menschen entwickelt. Richters weit ausholende These setzt beim Übergang aus der religiösen Geborgenheit des Mittelalters in die aufgeklärte Neuzeit an. Nach dem Verlust der mittelalterlichen Gotteskindschaft floh der Mensch in die Identifizierung mit göttlicher Allmacht und Allwissenheit. Der Glaube an Gott wurde durch den Glauben an die Allmacht des Menschen ersetzt. »Die grandiose Selbstgewissheit des Ich ist an die Stelle der Geborgenheit in der großen idealisierten Elternfigur getreten. Das individuelle Ich wird zum Abbild Gottes.« Der Versuch, die Schattenseiten des Lebens – Alter, Krankheit, Gebrechlichkeit, Schwäche, Ohnmacht und schließlich der Tod – durch die übertriebene Betonung der entgegengesetzten Eigenschaften – Jugendlichkeit, Gesundheit, Fitness, Stärke, Macht und Todesverachtung – zu verleugnen, bezeichnet Richter als »Krankheit, nicht leiden zu können«. Wer aber nicht leiden will, der muss hassen und sucht sich dafür Sündenböcke, auf die er die eigenen verleugneten schwachen Seiten projizieren kann, so lautet seine psychoanalytisch fundierte Schlussfolgerung.</p>
<p><strong>Botschafter der Psychoanalyse</strong></p>
<p>Es bedarf eines großen Mutes und einer starken Selbstgewissheit, um mit der sozialen Isolationsdrohung und Ächtung fertig zu werden, die Richter aus der Professoren-Kollegenschaft der Ärzte, teilweise aber auch von seinen Psychoanalytiker-Kollegen nicht selten entgegenschlagen. Indem er sich beharrlich der Auseinandersetzung mit dieser Kollegenschaft stellt, gewinnt er die Kraft, sich von den Zwängen und Denkverboten, die die verschiedenen Rollen mit sich bringen, zu distanzieren. Ich schätze an Richter besonders, dass er ein Neuerer des psychoanalytischen Denkens ist, der den Kontakt zur Psychoanalyse nicht abgebrochen hat, der keine eigene, mehr oder weniger sektiererische Schule gegründet hat, wie es in der Geschichte der Psychoanalyse so häufig passiert ist. Vielmehr hat er seine Gedanken in den Strom der psychoanalytischen Diskussion einfließen lassen. Bezeichnenderweise ist er es, der nach seiner Emeritierung in Gießen von 1992 bis 2002 die Leitung des unmittelbar von der Schließung bedrohten Sigmund-Freud-Instituts in Frankfurt übernimmt und dieses in eine gesicherte Zukunft führt.</p>
<p>Richter wirkt in der Öffentlichkeit als ein Botschafter der Psychoanalyse, der in Deutschland neben Alexander und Margarete Mitscherlich wie kein anderer dazu beigetragen hat, dass psychoanalytische Argumente in der Öffentlichkeit Gehör finden. Mit seinen Publikationen, die sich an eine breite Leserschaft richten, betreibt er eine Art »psychoanalytischer Volksaufklärung«, wie sie in den Anfängen der psychoanalytischen Bewegung zum Selbstverständnis vieler Psychoanalytiker gehörte. Sowohl die Psychoanalyse in Deutschland als auch die Öffentlichkeit haben dem »psychoanalytischen Publizisten« Richter viel zu verdanken: Unzählige Menschen sind durch ihn darauf aufmerksam gemacht worden, dass es so etwas wie Psychoanalyse und psychotherapeutische Hilfe für ihre seelischen Probleme überhaupt gibt. Auf der anderen Seite wäre auch die psychoanalytische Gemeinschaft ohne den »politischen Psychoanalytiker« Richter ärmer: Seine Bücher und Ideen haben unsere Sensibilität für die Bedeutung sozialer und politischer Probleme bei der Bewältigung unserer unbewussten Konflikte geschärft und deutlich gemacht, dass die Psychoanalyse nicht in einem gesellschaftsfreien Raum existiert. Zugleich ermutigt und motiviert sein konstruktives politisches Engagement viele Menschen – außerhalb und innerhalb der Psychoanalyse –, eigene Initiativen zu ergreifen, um sich in gesellschaftliche Konflikte einzumischen.</p>
<p><strong>Horst-Eberhard Richter als Charismatiker</strong></p>
<p>Doch wie gelang es Horst-Eberhard Richter, über einen Zeitraum von fast 50 Jahren, so beständig und einflussreich in der öffentlichen Diskussion präsent zu bleiben, und das mit so belastenden Themen wie Randgruppen, Vorurteilen und Krieg? Dies hängt mit einer Eigenschaft zusammen, die der Soziologe Max Weber als Charisma bezeichnet. Die charismatische Persönlichkeit wird von einer besonderen Aura umgeben, die auf andere motivierend und faszinierend wirkt. Charismatische Persönlichkeiten haben die Vision einer besseren Zukunft, sie verfügen über Selbstvertrauen, Entschlossenheit und Ausdauer, sie besitzen eine außergewöhnliche Bereitschaft zum Risiko und scheuen keine persönlichen Wagnisse, sie leben ihre Vision vor, fungieren als Sprachrohr der Gemeinschaft und sind anregende Kommunikatoren, die ihre Botschaften einfallsreich und emotional ansprechend vermitteln. Richter verkörpert wie kaum ein Zweiter den Glauben und die Hoffnung auf eine bessere, friedlichere und gerechtere Welt, auch wenn er diese Utopie häufig in eine Frage kleidet: <em>Sind wir zum Frieden fähig? </em>(1980) oder:<em> Ist eine andere Welt möglich?</em> (2003). Richter ist deshalb häufig als »Gutmensch« belächelt worden. Das hat ihn zwar geärgert und gekränkt, aber er hat diese Bezeichnung auch als Auszeichnung verstanden und sich in der Rolle des »Mahners«, des »Gutmenschen«, des »Gewissens der Nation«, gar des »Psychotherapeuten der Nation« (Johannes Rau) wohlgefühlt.</p>
<p>Horst-Eberhard Richter war nicht nur der Mahner, der gesellschaftliche Missstände anprangert, sondern auch der Verkünder des Prinzips Hoffnung, der konkrete Modelle entwirft, wie etwas zum Besseren gewendet werden kann. Es ist diese besondere Kombination von mahnender Kritik und hoffnungsvollem Optimismus, die seinen Botschaften bei so vielen Menschen so große Resonanz beschert hat.</p>
<p><a href="http://web.psychosozial-verlag.de/psychosozial/index.php?parent=43&amp;sub=yes&amp;idcat=43&amp;lang=1&amp;&amp;idart=19&amp;idau=102">Weitere Werke von Horst-Eberhard Richter</a></p>
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		<title>Hirschfeld &amp; Freud: Wie wird man heterosexuell?</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Dec 2011 12:13:09 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Die biologistische Sichtweise verknüpft Geschlecht und Sexualität miteinander. Demnach gibt es eine männliche und eine weibliche Sexualität, egal ob homo oder hetero. Ilka Quindeau, Professorin für Klinische Psychologie und Psychoanalyse an der FHS Frankfurt, stellt diese Festlegungen in einem originellen Rückgriff auf Freud in Frage&#8230; Ilka Quindeau: Wie wird man heterosexuell? [BESTELLEN?] Sie entwickelt ein Konzept von Bisexualität, die nicht nur in der Richtung des Begehrens offen ist, sondern auch im eigenen Empfinden nicht auf &#8220;männlich&#8221; oder &#8220;weiblich&#8221; festgelegt ist. Lustempfinden und Begehren sind demnach nicht einseitig im Körper verwurzelt, sondern bilden sich als Antwort, als Reaktion auf das heraus, was ihm von außen Befriedigung bereitet. Ihr Vortrag erscheint als Queer Lectures (Heft 10) Herausgegeben von der Initiative &#8220;Queer Nations&#8221;,  einer Allianz von WissenschaftlerInnen, die sich dem Wiederaufbau des 1933 von den Nationalsozialisten zerstörten Instituts für Sexualwissenschaft widmen. Queer Nations will den akademischen Diskurs um &#8220;queere&#8221; Fragestellungen auch öffentlich fruchtbar machen &#8211; zu diesem Zweck erscheinen die Queer Lectures. „Per scientiam ad justitiam“ „Durch Wissenschaft zur Gerechtigkeit“ „Through science to justice“ Dr. med. Magnus Hirschfeld (1868 – 1935)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die biologistische Sichtweise verknüpft Geschlecht und Sexualität miteinander. Demnach gibt es eine männliche und eine weibliche Sexualität, egal ob homo oder hetero. Ilka Quindeau, Professorin für Klinische Psychologie und Psychoanalyse an der FHS Frankfurt, stellt diese Festlegungen in einem originellen Rückgriff auf Freud in Frage&#8230;<span id="more-3705"></span></p>
<p><a href="http://www.hagalil.com/images/personen/hirschfeld.jpg"><img class="alignright" src="http://www.hagalil.com/images/personen/hirschfeld.jpg" alt="M. Hirschfeld" width="298" height="464" /></a><span style="font-size: medium;"><strong><em>Ilka Quindeau:</em></strong></span><br />
<span style="font-size: medium;"><strong><em> Wie wird man heterosexuell?</em></strong></span><br />
[<a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3939542857">BESTELLEN?</a>]</p>
<p>Sie entwickelt ein Konzept von Bisexualität, die nicht nur in der Richtung des Begehrens offen ist, sondern auch im eigenen Empfinden nicht auf &#8220;männlich&#8221; oder &#8220;weiblich&#8221; festgelegt ist. Lustempfinden und Begehren sind demnach nicht einseitig im Körper verwurzelt, sondern bilden sich als Antwort, als Reaktion auf das heraus, was ihm von außen Befriedigung bereitet.</p>
<p>Ihr Vortrag erscheint als Queer Lectures (Heft 10) Herausgegeben von der Initiative <a href="http://www.queer-nations.de/" target="_blank">&#8220;Queer Nations&#8221;</a>,  einer Allianz von WissenschaftlerInnen, die sich dem Wiederaufbau des 1933 von den Nationalsozialisten zerstörten <a href="http://glbt-news.israel-live.de/deutschland/hirschfeld.htm">Instituts für Sexualwissenschaft</a> widmen. Queer Nations will den akademischen Diskurs um &#8220;queere&#8221; Fragestellungen auch öffentlich fruchtbar machen &#8211; zu diesem Zweck erscheinen die Queer Lectures.</p>
<p><strong>„Per scientiam ad justitiam“</strong><br />
<strong>„Durch Wissenschaft zur Gerechtigkeit“</strong><br />
<strong>„Through science to justice“</strong><br />
<em>Dr. med. Magnus Hirschfeld (1868 – 1935)</em></p>
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		<title>Frei von stereotyper Erwartung: Liebe</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Dec 2011 12:25:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Psychotherapie]]></category>
		<category><![CDATA[Sexualmedizin]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Formen, in denen sich die Liebe manifestiert, reicht von der unverbindlichen Freundlichkeit über Verführung, Sexualspiele, Ergebenheit, bis hin zum süchtigmachenden Zustand des Verliebtseins. Ohne die süchtigmachenden Eigenschaften der Liebe würde ein Großteil des Risikos, das das Lieben enthält, verschwinden &#8211; sowohl in wie auch außerhalb der Therapie&#8230; pp. 184, Erving und Miriam Polster, Gestalttherapie Innerhalb der Therapie, wo Liebe praktisch unausweichlich ist, kann man lernen, zwischen Liebe und Abhängigkeit, Liebe und Besessenheit und vielleicht sogar zwischen Liebe und Sexualität zu unterscheiden. Der Durcharbeitungsprozeß verlangt vom Betreffenden, daß er Gefühlsregungen als ein Produkt seiner Persönlichkeit akzeptiert und daß er erkennt, daß seine Gefühle auf so viele Arten zu befriedigen sind, wie seine Findigkeit nur erdenken kann. Wenn er unter den günstigen Bedingungen der Therapie seinen gewohnheitsmäßigen Widerstand gegen die Liebe überwunden hat, dann hat er entdeckt, wie er das Lieben ohne List, Strategie oder Stereotype erfahren kann. Wenn er einmal über die reinen Konventionen des Liebens hinausgegangen ist, dann wird er fähiger, alle Befriedigungen zu erlangen, die therapeutische Beziehung trotz ihrer natürlichen Grenzen bietet. Wenn dann die gleichen Gefühle anderswo auftauchen &#8211; solange sie nicht an irgendwelchen vorgeformten Arten der Liebe hängenbleiben -, sind die Chancen zur Befriedigung im allgemeinen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p dir="LTR">Die Formen, in denen sich die Liebe manifestiert, reicht von der unverbindlichen Freundlichkeit über Verführung, Sexualspiele, Ergebenheit, bis hin zum süchtigmachenden Zustand des Verliebtseins. Ohne die süchtigmachenden Eigenschaften der Liebe würde ein Großteil des Risikos, das das Lieben enthält, verschwinden &#8211; sowohl in wie auch außerhalb der Therapie&#8230;<span id="more-3685"></span></p>
<p dir="LTR"><a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3872948725"><em>pp. 184, Erving und Miriam Polster, Gestalttherapie</em></a></p>
<p dir="LTR">Innerhalb der Therapie, wo Liebe praktisch unausweichlich ist, kann man lernen, zwischen Liebe und Abhängigkeit, Liebe und Besessenheit und vielleicht sogar zwischen Liebe und Sexualität zu unterscheiden. Der Durcharbeitungsprozeß verlangt vom Betreffenden, daß er Gefühlsregungen als ein Produkt seiner Persönlichkeit akzeptiert und daß er erkennt, daß seine Gefühle auf so viele Arten zu befriedigen sind, wie seine Findigkeit nur erdenken kann.</p>
<p dir="LTR">Wenn er unter den günstigen Bedingungen der Therapie seinen gewohnheitsmäßigen Widerstand gegen die Liebe überwunden hat, dann hat er entdeckt, wie er das Lieben ohne List, Strategie oder Stereotype erfahren kann. Wenn er einmal über die reinen Konventionen des Liebens hinausgegangen ist, dann wird er fähiger, alle Befriedigungen zu erlangen, die therapeutische Beziehung trotz ihrer natürlichen Grenzen bietet. Wenn dann die gleichen Gefühle anderswo auftauchen &#8211; solange sie nicht an irgendwelchen vorgeformten Arten der Liebe hängenbleiben -, sind die Chancen zur Befriedigung im allgemeinen wesentlich größer. <strong>Mit solcher Freiheit, Erfahrung ohne stereotype Forderungen zu akzeptieren, sind die süchtigmachenden Qualitäten der Liebe nicht so drohend, und der Erfolg wird nicht auf eine einseitige Konzentration auf nur einen Menschen reduziert.</strong></p>
<p dir="LTR">Wenn ein Patient zum Beispiel den Therapeuten liebt, dann wird er mit ihm vielleicht Geschlechtsverkehr haben wollen. Wahrscheinlich wird er es nicht tun, aber dennoch ist er immer noch offen für die vielen Interaktionen, die die Beziehung erregend und bedeutungsvoll machen. Der Patient, obwohl er Vorteile daraus zieht, braucht immer noch jemand, mit dem er Geschlechtsverkehr haben kann. Wenn einmal dieses Bedürfnis nach Liebe an die Oberfläche gedrungen ist, wird der Patient dazu angeregt, das, was er benötigt, aus anderen Beziehungen zu bekommen, so wie sie sich ergeben. Ist dies denn nicht nur eine Verlagerung des sexuellen Drangs vom Therapeuten auf einen anderen Menschen &#8211; eine Ersatzerfahrung, die sich einfach auf ein Gefühl der Ablehnung gründet? Möglich, aber nur dann, wenn der Mensch weiterhin verbissen an seinem Ideal festhält und versucht, wenigstens einen Ersatz zu finden.</p>
<p dir="LTR">Das Gegenmittel gegen das Festhalten ist die Entdeckung der Vielgestaltigkeit, <strong>die Erkenntnis, daß jede Erfahrung in sich gültig ist und nicht nur einen Ersatz für eine andere Erfahrung darstellt</strong>. Der gesunde Mensch ist nicht nur der Gefangne seiner Gefühlsregungen. Gefühle weisen nur auf ihr eigenes Verschwinden hin.</p>
<p dir="LTR">Gefühle <em><strong>wollen </strong></em>verschwinden &#8211; sie haben keinen Anspruch auf Unsterblichkeit. Sie gehen den für sie bestimmten Weg bis ans Ende. Dann sind sie fort, nur um von neuen Gefühlen ersetzt zu werden, die genauso entbehrlich und bescheiden sind. Nur <strong>Sentimentalität, die auf der vagen Furcht vor der verfrühten Unterbrechung basiert, führt zu dem Bedürfnis, sich anzuklammern</strong>, führt zum Gefühl der Unverletzlichkeit und zum Bedürfnis nach einer Garantie, wo man versucht, das zu erhalten, was vom Wesen her unbeständig ist.</p>
<p dir="LTR">Unsere Aufgabe in der Therapie ist es, bei der Wiederentdeckung der Progression im Leben zu helfen. Wenn eine Erfahrungseinheit endet, dann beginnt die nächste, und dieser Prozeß ist es, der die Unsterblichkeit ausmacht, nicht das Idolisieren einer Einzelerfahrung.</p>
<p dir="LTR">Aber wir wollen das tatsächliche Dilemma, das in der Therapie durch die Intensität der Gefühle entsteht, nicht unterschätzen. Das Gefühl der Dringlichkeit kann stark werden, der Weg zur Vollendung kann mit Schwierigkeiten gepflastert sein, und das Bedürfnis, in der Hoffnung auf ein vorherbestimmtes Kriterium der Vollendung auszuharren, kann den Betreffenden gefangenhalten. <strong>Es ist nicht einfach zu begreifen, daß Liebe nicht Bindung bedeutet</strong>, besonders dann, wenn die Liebe nicht mit den bekannten, hochgepriesenen Aufmerksamkeiten belohnt wird, die unser sozialer Kodex vorschreibt.</p>
<p dir="LTR">Ruth war beispielsweise wütend und sogar desillusioniert, als ich sie bei einem Krankenhausaufenthalt nicht besuchte. Sie hatte meine Zuneigung bei unserer Zusammenarbeit häufig erfahren und glaubte jetzt, da ich sie nicht besucht hatte, daß meine Zuneigung nur vorgetäuscht gewesen sei, eine reine Technik, um sie zu heilen. Ruth mußte lernen, daß die herzlichen Reaktionen auf ihren Humor, auf ihre Traurigkeit, auf ihre Einfälle tatsächlich ehrlich waren. Sie führten einfach nicht dazu, daß ich sie im Krankenhaus besuchte. Dies mag nun einen echten Grund für ihren Zorn und ihre Enttäuschung geliefert haben, aber es negierte weder die Wärme, die ich für sie empfand, noch die Anziehungskraft, die Ruth durch meine Zuneigung in sich selbst entdeckt hatte.<br />
Ihre Anziehungskraft hing jedoch nicht davon ab, daß ich diese entsprechend ihrer stereotypen Forderungen ständig bestätigte. Es ist sehr schwer einzusehen, daß auch unerwiderte Liebe gesund und stärkend sein kann. Die Konfrontation mit der Wirklichkeit der Liebe anstatt nur mit ihren gewohnten Formen bringt den Patienten dazu, die Liebe zu sehen, wie sie ist und nicht wie sie sein <em> sollte.</em></p>
<p dir="LTR">Dies mag wie eine nüchterne Auffassung der Liebe erscheinen, bei welcher der eine Partner keine Verantwortung empfindet, auf die Erwartungen zu reagieren, die manche Kontakte entstehen lassen, doch es verhält sich anders. Es gibt Erwartungen, die zurecht entscheidend sind für das Niveau bestimmter Beziehungen. Doch diese Erwartungen dürfen keinesfalls stereotype Schuldscheine sein, die aus früheren gesellschaftlichen Verträgen abgeleitet werden. Sie sind Teil des Prozesses der gegenseitigen Entdeckung und stellen eine sensible Aussage darüber dar, in welcher Beziehung ein Mensch zu einem anderen steht.</p>
<p dir="LTR">Ruth kam also zu der Erkenntnis, daß meine Zuneigung für sie ehrlich war, aber daß sie nicht unbedingt zu einem Krankenhausbesuch führen mußte.</p>
<p dir="LTR">Es wäre eine große Verlockung, Ruths Verhalten als eine dumme Wiederholung der unerledigten Geschäfte in bezug auf ihren Vater interpretieren zu können, der ihr nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt hatte. Der Druck einer aktuellen Liebesbeziehung kann sehr stark sein. Breuer hat dies vor langer Zeit entdeckt, als er deswegen die psychoanalytische Richtung verlassen musste. Freud erwies sich als fähiger, diesen Druck zu ertragen, aber selbst er musste das Prinzip der Übertragung einführen, um sich abzusichern. Mit Hilfe des Prinzips der Übertragung war es ihm und seinen Nachfolgern möglich, den Kontakt dadurch zu entpersonalisieren, daß sie ihn als völlig unabhängig von der Persönlichkeit des Therapeuten darstellten.</p>
<p dir="LTR">In der Gestalttherapie versuchen wir, uns auf die Beziehung an sich zu konzentrieren. Sich selbst wieder als liebevoll zu erfahren, bedeutet die Wiederentdeckung eines Aspekts der vollen Selbsterfahrung, die im täglichen Leben vieler Menschen schwach oder gar nicht vorhanden ist. Liebe ist mehr als nur eine Cause celebre oder ein gesellschaftsfähiger Fall der Monomanie. <strong>Sie ist nicht unwiderruflich an ein auslösendes Objekt gebunden, sondern sie ist eine Funktion des liebenden Menschen. Je mehr er also lernen kann, viele Menschen auf vielerlei Weise zu lieben, desto größer werden seine Chancen der Erfüllung und Befriedigung</strong>. In der Sicherheit der Therapie oder der Gruppe, in der Kontinuität der Interaktionen, in der Erregung, attraktive Menschen kennenzulernen, in der Tiefe und Intimität eines guten Kontakts, selbst angesichts der Verletzbarkeit, die das Bedürfnis nach Liebe häufig mit sich bringt, entstehen für den Patienten optimale Bedingungen, einen anderen Menschen zu lieben.</p>
<p dir="LTR">Wir wissen alle, daß Liebe schön und bereichernd sein kann, ohne die begleitenden Stereotype und Verpflichtungen, die aus solchen Erscheinungen wie Permanenz, Ausschließlichkeit und Leidenschaft entstehen können. Die Liebe zu seinem Universitätsprofessor kann einen Studenten dazu anspornen, sich selbst und seine Ausbildung ernst zu nehmen und ihn in neue Richtungen beim Lesen, Denken und in der Kommunikation lenken. Es ist verwerflich, den Menschen ihre liebenden Gefühle auszureden. Die Menschen müssen vielmehr lernen, daß jemanden zu lieben nicht bedeutet, daß sie den Betreffenden heiraten, mit ihm schlafen, ihn auf die Universität schicken, auf Parties einladen oder immer mit ihm Zusammensein müssen. Es kann so sein, muß aber nicht. Erwartungen, ja; Forderungen, nein!</p>
<p dir="LTR"><a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3872948725">[BESTELLEN?]</a></p>
<p><em>Miriam und Erving Polster gehören zu den bekanntesten und profiliertesten Gestalttherapeuten der Welt. Vor rund 30 Jahren veröffentlichten sie ihr Grundlagenwerk der Gestalttherapie, das auch heute noch ein wichtiges Lehrbuch der Gestalttherapie ist.</em><br />
<em>Seit über 40 Jahren haben Miriam und Erving Polster Gestalttherapeutinnen und Gestalttherapeuten aus vielen Ländern ausgebildet und in besonderer Weise geprägt: Immer wieder betonen sie, daß es Wohlwollen und Achtung der Therapeutinnen und Therapeuten sind, die es den Klientinnen und Klienten in der Gestalttherapie ermöglichen, sich angstfrei zu öffnen und so neue bereichernde Erfahrungen zu machen.</em></p>
<p><strong>À propos: <a href="http://www.hagalil.com/judentum/samson-hirsch/chorew-16.htm">Liebe</a></strong><br />
Samson Rafael Hirsch, Rabbiner, meint&#8230;</p>
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		<title>Freud lesen &#8211; heute?</title>
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		<pubDate>Sun, 16 Oct 2011 16:19:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Psychotherapie]]></category>
		<category><![CDATA[Entwicklung]]></category>
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		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Psychoanalyse]]></category>

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		<description><![CDATA[Ist Freud heute noch aktuell? Haben seine Gedanken ihren allgemeinen Wert bewahrt? Und die therapeutische Methode, die aus ihnen folgt, die psychoanalytische Behandlung &#8211; welchen Platz hat sie in unserer Zeit?&#8230; »Man versteht die Psychoanalyse immer noch am besten, wenn man ihre Entstehung und Entwicklung verfolgt.« (Freud 1923a, GW XIII, S. 211) Jean-Michel Quinodoz Denen, die so fragen, antworte ich, dass die Psychoanalyse sehr lebendig ist; die »Revolution der Psychoanalyse«, von der Marthe Robert (1964) sprach, ist immer noch in Gang. Zum Beweis dafür habe ich Freud lesen als einen Zugang zu den Gedanken Freuds und zur Psychoanalyse konzipiert, der ihre Kraft und Lebendigkeit deutlich macht. Ich habe, soweit es möglich war, Worte aus der Alltagssprache benutzt, so wie Freud es im Deutschen tat, was seinem Denken nichts von seiner Komplexität nimmt. Mir scheint es wichtig, die Texte und die Gedanken Freuds jedem zugänglich zu machen, damit die Lektüre des einen oder anderen seiner Werke uns etwas sagt und gibt, das uns persönlich berührt. Indem sie in der Tiefe unseres Seins etwas zum Klingen bringt, kann die Lektüre Freuds zum Ausgangspunkt einer Selbstbefragung werden. So gesehen, fordert Freud uns auf, unsererseits den ganzen Parcours zu durchlaufen, dem er gefolgt ist, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ist Freud heute noch aktuell? Haben seine Gedanken ihren allgemeinen Wert bewahrt? Und die therapeutische Methode, die aus ihnen folgt, die psychoanalytische Behandlung &#8211; welchen Platz hat sie in unserer Zeit?&#8230;<span id="more-3629"></span></p>
<blockquote>
<p style="text-align: right;"><em>»Man versteht die Psychoanalyse immer noch am besten, wenn man ihre Entstehung und Entwicklung verfolgt.«</em><br />
<span style="font-size: x-small;"><em> (Freud 1923a, GW XIII, S. 211)</em></span></p>
</blockquote>
<p><em>Jean-Michel Quinodoz</em></p>
<p><em></em>Denen, die so fragen, antworte ich, dass die Psychoanalyse sehr lebendig ist; die »Revolution der Psychoanalyse«, von der Marthe Robert (1964) sprach, ist immer noch in Gang. Zum Beweis dafür habe ich <a href="http://buecher.hagalil.com/2011/10/freud-3/">Freud lesen</a> als einen Zugang zu den Gedanken Freuds und zur Psychoanalyse konzipiert, der ihre Kraft und Lebendigkeit deutlich macht.</p>
<p>Ich habe, soweit es möglich war, Worte aus der Alltagssprache benutzt, so wie Freud es im Deutschen tat, was seinem Denken nichts von seiner Komplexität nimmt. Mir scheint es wichtig, die Texte und die Gedanken Freuds jedem zugänglich zu machen, damit die Lektüre des einen oder anderen seiner Werke uns etwas sagt und gibt, das uns persönlich berührt. Indem sie in der Tiefe unseres Seins etwas zum Klingen bringt, kann die Lektüre Freuds zum Ausgangspunkt einer Selbstbefragung werden.</p>
<p>So gesehen, fordert Freud uns auf, unsererseits den ganzen Parcours zu durchlaufen, dem er gefolgt ist, seit er bei seiner Selbstanalyse das Unbewusste entdeckte. Freud hat nicht eine Entdeckung gemacht, sondern im Laufe seines ganzen Lebens eine Abfolge von Entdeckungen, von denen eine die nächste nach sich zog. Die Freudschen Werke in chronologischer Reihenfolge zu lesen, ist daher nicht nur von historischem Interesse: Es handelt sich um den Bericht von einer Expedition, der uns bei unseren eigenen inneren Forschungen als Führer dienen kann, bis wir unseren eigenen Weg gefunden haben.</p>
<p>Am Ende dieses Werkes wird der Leser gewiss bemerkt haben, dass Freud uns ein Erbe mit riesigem Entwicklungspotential hinterlassen hat &#8211; ein Potential, das von den Beiträgen postfreudianischer Psychoanalytiker aufgegriffen und entfaltet worden ist. Dieses Potential ist noch längst nicht erschöpft &#8211; und damit stellt sich uns die Frage: Was werden wir mit diesem Erbe anfangen? Jeder Psychoanalytiker gibt darauf eine andere Antwort, und die Frage, wie wir dieses Erbe antreten, hängt von der Trauerarbeit ab, die wir angesichts des Todes von Freud leisten. Seinem Erbe treu zu sein, bedeutet für den einen, es zu bewahren, wie es ist, auf die Gefahr hin, es einzufrieren &#8211; etwa indem man, wie Danielle Quinodoz gesagt hat, »Freuds wertvolle Texte in einer Vitrine so in Sicherheit [bringt] wie das Porzellan meiner Vorfahren, das nicht spülmaschinenfest ist« ([2002] 2004, S. 208). Für andere heißt Freud treu sein, sich eines Teils des Erbes zu bemächtigen und es isoliert, zum Nachteil des Ganzen, weiterzuentwickeln &#8211; auf die Gefahr hin, die Psychoanalyse zu fragmentieren, bis es schließlich ebenso viele Richtungen der Psychoanalyse wie Psychoanalytiker gibt.</p>
<p>Wie kann man die Klippen, die heute auf uns lauern, mit der Zeit umgehen? Ich denke, dass die beste Art und Weise, das von Freud hinterlassene Erbe lebendig zu halten, darin liegt, es in seiner ganzen Dynamik weiterzugeben, indem man &#8211; anhand seines Vermächtnisses &#8211; in einen Dialog mit Freud eintritt. Ich hoffe, dass Freud lesen dem Leser nicht nur die Gelegenheit einer Begegnung mit Freud bieten wird, sondern auch eine Einladung darstellt, weiterzugehen und mit ihm, vermittelt über seine Originaltexte, in einen Dialog zu treten.</p>
<p>Freud ist nicht mehr. Und dennoch bleibt er nicht nur in seinen Schriften lebendig, sondern auch in der psychoanalytischen Praxis, die er uns überliefert hat. Die Texte Freuds zu lesen und sich einer Psychoanalyse zu unterziehen, sind zwei unterschiedliche Zugangsweisen. Aber auch die letztere ist eine Art, mit Freud in Dialog zu treten, vermittelt freilich über die Übertragungs- und Gegenübertragungsbeziehung zwischen Analysand und Analytiker. Doch das ist eine andere Geschichte &#8230;</p>
<p><em>Jean-Michel Quinodoz ist Mitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Psychoanalyse und Ehrenmitglied der Britischen Psychoanalytischen Vereinigung. Nach zehn Jahren aktiver Herausgebertätigkeit für die europäische Ausgabe des »International Journal of Psychoanalysis« ist er heute verantwortlich für das Jahrbuch. </em></p>
<p>Siehe auch:<br />
Im letzten Kapitel (p. 431 – 445) von “Freud lesen” befasst sich Quinodoz mit Freuds letztem Werk, “<a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/359626300X">Der Mann Moses und die monotheistische Religion</a>“, welches Quinodoz als ein testamentarisches Werk bezeichnet, das mehr Fragen stellt, als es löst.</p>
<ul>
<li>Neben Analyse und Besprechung des Werks geht Quinodoz auch auf <a href="http://www.hagalil.com/archiv/2011/10/16/freud/">biographische und zeitgeschichtliche Aspekte</a> ein.</li>
<li>Ein weiterer Abschnitt befasst sich mit <a href="http://www.hagalil.com/archiv/2011/10/16/freud-2">Rezeption, Wirkung und aktueller Bedeutung</a>.</li>
</ul>
<p><a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3898067823">Bestellen?</a></p>
<ul>
<li><a href="http://www.hagalil.com/lexikon/index.php?title=Sigmund_Freud">Sigmund Freud / haGapedia</a></li>
<li><a href="http://www.hagalil.com/lexikon/index.php?title=Moses_und_die_monotheistische_Religion"> Moses und die monotheistische Religion / haGapedia</a></li>
</ul>
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		<title>Fachtagung: Macht Triebkontrolle sexy?</title>
		<link>http://www.pharmacon.net/2011/10/sex-5/</link>
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		<pubDate>Fri, 14 Oct 2011 13:16:58 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Sexualmedizin]]></category>
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		<category><![CDATA[Psychologie]]></category>
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		<description><![CDATA[Menschen werden für andere attraktiver, wenn sie ihre sexuellen Triebe in Zaum halten können. Das erklärt der Wiener Psychotherapeut und Psychiater Raphael Bonelli: &#8220;Wer seinen Trieb aus freien Stücken aufschieben kann, stärkt damit seine innere Freiheit. Krankhaft wird Sex viel eher dann, wenn man nicht zumindest kurzfristig auf ihn verzichten kann&#8221;&#8230; Wien (pte) &#8221; Wie viel Sex der Mensch mindestens braucht, um gesund zu bleiben, diskutieren Sexualtherapeuten, Psychiater und Theologen am kommenden Samstag auf einer Fachtagung (zölibat.at) in Wien. Die mediale Präsenz der Sexualität spielt eine gewichtige Rolle in der Diskussion um das &#8220;nötige Minimum&#8221;: Sex wird häufig als notwendiger Höhepunkt und Ziel jeder Liebesbeziehung dargestellt, verstärkt durch sexistische Abbildungen. Zusätzlich zu diesen künstlich geschaffenen kommen auch von Betroffenen selbst kreierte Bedürfnisse, erklärt Bonelli. &#8220;Viele Männer glauben fest, dass sie dringend Sex brauchen. Noch immer kursieren Unsinns-Argumente, etwa dass alle 14 Tage der Hoden entleert und Dampf abgelassen werden muss &#8211; womit Männer jedoch in erster Linie den Frauen Druck machen wollen.&#8221; Frei versus unfrei Was schwerer wiegt, sind jedoch die psychischen Folgen von ausbleibendem Sex, wobei Sigmund Freuds Thesen weiterhin als Meilenstein gelten. &#8220;Freud wurde jedoch von der 68er-Bewegung und einer banalisierenden Mittelschulpsychologie fälschlich oft so wiedergegeben, dass jeglicher Verzicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Menschen werden für andere attraktiver, wenn sie ihre sexuellen Triebe in Zaum halten können. Das erklärt der Wiener Psychotherapeut und Psychiater Raphael Bonelli: &#8220;Wer seinen Trieb aus freien Stücken aufschieben kann, stärkt damit seine innere Freiheit. Krankhaft wird Sex viel eher dann, wenn man nicht zumindest kurzfristig auf ihn verzichten kann&#8221;&#8230;</p>
<p>Wien (<a href="http://www.pressetext.de">pte</a>) &#8221; Wie viel Sex der Mensch mindestens braucht, um gesund zu bleiben, diskutieren Sexualtherapeuten, Psychiater und Theologen am kommenden Samstag auf einer Fachtagung (<a href="http://z%C3%B6libat.at/">zölibat.at)</a> in Wien.</p>
<p>Die mediale Präsenz der Sexualität spielt eine gewichtige Rolle in der Diskussion um das &#8220;nötige Minimum&#8221;: Sex wird häufig als notwendiger Höhepunkt und Ziel jeder Liebesbeziehung dargestellt, verstärkt durch sexistische Abbildungen. Zusätzlich zu diesen künstlich geschaffenen kommen auch von Betroffenen selbst kreierte Bedürfnisse, erklärt Bonelli. &#8220;Viele Männer glauben fest, dass sie dringend Sex brauchen. Noch immer kursieren Unsinns-Argumente, etwa dass alle 14 Tage der Hoden entleert und Dampf abgelassen werden muss &#8211; womit Männer jedoch in erster Linie den Frauen Druck machen wollen.&#8221;</p>
<p><strong>Frei versus unfrei</strong></p>
<p>Was schwerer wiegt, sind jedoch die psychischen Folgen von ausbleibendem Sex, wobei Sigmund Freuds Thesen weiterhin als Meilenstein gelten. &#8220;Freud wurde jedoch von der 68er-Bewegung und einer banalisierenden Mittelschulpsychologie fälschlich oft so wiedergegeben, dass jeglicher Verzicht auf Sexualität neurotisiere. Er selbst betonte jedoch, dass dies nur bei unfreiwilligem Verzicht zutrifft. Sein Schüler Carl Gustav Jung konkretisierte später, dass freiwillige Enthaltsamkeit &#8211; also ohne Flucht aus Nöten und Verantwortungen &#8211; keinesfalls schädlich ist.&#8221;</p>
<p>Die Freiheit, den Sexualtrieb sowohl ausleben als auch darauf verzichten zu können, sieht Bonelli deshalb als entscheidendes Kriterium. Unfrei sei der Verzicht auf Sex etwa im Falle von Frigidität, bei sexueller Verklemmung oder auch bei halbbewusster Selbststimulierung, die das Bedürfnis nach Befriedigung bloß steigert. &#8220;Der Betroffene gesteht sich selbst den Trieb nicht ein und verdrängt die sexuellen Motive von Vorschubhandlungen. Sexuelle Übergriffe nehmen oft hier ihren Ausgang &#8211; etwa jene der Ephebophilie, der erotischen Anziehung erwachsener Männer zu geschlechtsreifen Knaben.&#8221;</p>
<p><strong>Sprache der Liebe</strong></p>
<p>Bewusster Verzicht, obwohl man die Triebe ausleben könnte, ist hingegen die Wurzel von Kultur, zitiert Bonelli erneut Freud. &#8220;Nur wer auf kurzfristige Befriedigung zugunsten eines längerfristigen Gutes verzichten kann, ist zu Kunst, Arbeit, Beziehung, Freundschaft und Hingabe fähig &#8211; Leistungen, die Grundpfeiler der Gesellschaft bilden.&#8221; Selbst in bestehenden Paarbeziehungen führe deshalb erst das Wartenkönnen aus Rücksicht auf den anderen zur Vermenschlichung der körperlichen Liebe. Aufgabe der Eltern, jedoch auch des schulischen Sexualunterrichts sei es folglich, die in der Pubertät aufblühende Sexualität eines Jugendlichen dafür zu sensibilisieren.</p>
<p>Singles auf Partnersuche rät der Psychotherapeut, bewusst an der Kultivierung ihrer Sexualität zu arbeiten, statt sich bloß zu stimulieren. &#8220;Pornografie und Selbstbefriedigung sind ein kurzfristiges, oft zwanghaftes Ausleben der Triebsehnsucht. Beide erschweren es jedoch, Sex als Sprache der Liebe zu entwickeln. Zudem führt die ständige Sofortbefriedigung in einen Teufelskreis, der viele Männer um ihre attraktive Ausstrahlung bringt. Denn Lüstlinge kommen bei Frauen selten gut an &#8211; und werden von diesen meist auch rasch als solche enttarnt.&#8221;</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Handbuch der Psychotraumatologie</title>
		<link>http://www.pharmacon.net/2011/10/psychotraumatologie/</link>
		<comments>http://www.pharmacon.net/2011/10/psychotraumatologie/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 12 Oct 2011 17:39:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Psychotherapie]]></category>
		<category><![CDATA[Freud]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Psychiatrie]]></category>
		<category><![CDATA[Psychologie]]></category>
		<category><![CDATA[Trauma]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Psychotraumatologie gehört zur Zeit zu den dynamischsten Gebieten im Bereich der klinischen Psychologie. Im neuen Studiengang Psychotherapiewissenschaft soll das Fach als Teil der universitären Ausbildung von Anfang an fester Bestandteil sein&#8230; Dass Klett-Kotta gerade jetzt ein Referenzwerk vorlegt, das viele der aktuellen Entwicklungen und Neubestimmungen behandelt, ist mehr als erfreulich, da notwendig. Dabei könnte man nicht nur von einer Neuinterpretation sondern auch von einer Wiederentdeckung des Themas sprechen, war doch eigentlich jegliche Psychotherapie von Anfang an Traumatherapie. Ging doch schon Sigmund Freud in seinem ersten Werk, den gemeinsam mit Joseph Breuer durchgeführten &#8220;Studien über Hysterie&#8221;, von psychischen Traumata aus, die, meist aus der Kindheit stammend,  zu neurotischen Störungen führen. Die Ausweitung des Traumabegriffs, insbesondere in den Bereich der &#8220;frühen Störungen&#8221; ist somit fast eine Rückbesinnung auf Früheres. Um so wichtiger erscheint damit ein aktuelles Referenzwerk für Fragen der Psychotraumatologie. Das Handbuch für Psychotraumatologie behandelt systematisch aktuelle Fragen, liefert aber auch das Grundwissen für alle Praktiker, Wissenschaftler, Studierende und Organisationen, die mit traumatisierten Menschen arbeiten. Die Autorinnen und Autoren, allesamt führende Traumaexperten und -therapeuten, bieten eine systematische Zusammenfassung der in Forschung und Klinik gesammelten aktuellen Erkenntnisse und geben einen einzigartigen Überblick über alle Facetten der Traumatologie &#8211; inklusive einem ausführlichem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Psychotraumatologie gehört zur Zeit zu den dynamischsten Gebieten im Bereich der klinischen Psychologie. Im neuen Studiengang Psychotherapiewissenschaft soll das Fach als Teil der universitären Ausbildung von Anfang an fester Bestandteil sein&#8230;<span id="more-3596"></span></p>
<p>Dass Klett-Kotta gerade jetzt ein Referenzwerk vorlegt, das viele der aktuellen Entwicklungen und Neubestimmungen behandelt, ist mehr als erfreulich, da notwendig.<br />
Dabei könnte man nicht nur von einer Neuinterpretation sondern auch von einer Wiederentdeckung des Themas sprechen, war doch eigentlich jegliche Psychotherapie von Anfang an Traumatherapie. Ging doch schon Sigmund Freud in seinem ersten Werk, den gemeinsam mit Joseph Breuer durchgeführten &#8220;Studien über Hysterie&#8221;, von psychischen Traumata aus, die, meist aus der Kindheit stammend,  zu neurotischen Störungen führen. Die Ausweitung des Traumabegriffs, insbesondere in den Bereich der &#8220;frühen Störungen&#8221; ist somit fast eine Rückbesinnung auf Früheres.</p>
<p>Um so wichtiger erscheint damit ein aktuelles Referenzwerk für Fragen der Psychotraumatologie. Das Handbuch für Psychotraumatologie behandelt systematisch aktuelle Fragen, liefert aber auch das Grundwissen für alle Praktiker, Wissenschaftler, Studierende und Organisationen, die mit traumatisierten Menschen arbeiten.</p>
<p>Die Autorinnen und Autoren, allesamt führende Traumaexperten und -therapeuten, bieten eine systematische Zusammenfassung der in Forschung und Klinik gesammelten aktuellen Erkenntnisse und geben einen einzigartigen Überblick über alle Facetten der Traumatologie &#8211; inklusive einem ausführlichem <a href="http://handbuch-psychotraumatologie.de/wp-content/uploads/2011/08/Seidler_HB_Psycho_Register.pdf">Register</a>.<br />
Und dass die Herausgeber mit Ulrich Venzlaff nicht nur ein Wegbereiter der Psychotraumatologie, sondern auch einen mutigen und anständigen Menschen ehren, macht sie doppelt sympathisch. Doch wer war <a href="http://www.hagalil.com/archiv/2011/10/12/psychotraumatologie/"><strong>Ulrich Venzlaff, der sich für eine Entschädigung von im KZ Traumatisierten gegen die Elite der deutschen Psychiatrie durchsetzte?</strong></a></p>
<p>[<a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3608946659">BESTELLEN?</a>]</p>
<p>Die 65 Kapitel befassen sich mit den Themen:<br />
- Definition und Beschreibung der Psychotraumatologie<br />
- Historische Entwicklung<br />
- Krankheitsbilder<br />
- Alle Therapiemöglichkeiten<br />
- Traumatisierungen in bestimmten gesellschaftlichen und kulturellen Kontexten<br />
- Trauma und Justiz<br />
- Traumafolgestörungen in forensischen Kliniken sowie bei helfenden Berufen</p>
<p>Insbesondere wird diskutiert:<br />
- Wie entstehen Psychotraumata?<br />
- Welchen Verlauf können sie nehmen?<br />
- Welche Möglichkeiten der Behandlung, Versorgung und Betreuung gibt es?<br />
- Was sind die gesellschaftlichen Zusammenhänge und Voraussetzungen?</p>
<p>Zielgruppe:<br />
- PsychotraumatologInnen<br />
- PsychotherapeutInnen (insb. mit Trauma-Weiterbildung)<br />
- PsychoanalytikerInnen / Psychiater / PsychologInnen<br />
- Führungskräfte und Mitarbeiter in »Blaulichtberufen« und Beratungsstellen<br />
- SozialarbeiterInnen / SeelsorgerInnen<br />
- ErzieherInnen, insbesondere in Einrichtungen für Schwer- und Schwersterziehbare, Studierende</p>
<p>Sehr zu empfehlen ist auch ein Blick auf die <a href="http://handbuch-psychotraumatologie.de/">Website zum Handbuch der Psychotraumatologie</a>&#8230;</p>
<p>[<a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3608946659">BESTELLEN?</a>]</p>
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		<item>
		<title>Fromms Psychoanalyse: Der Mensch als Beziehungswesen</title>
		<link>http://www.pharmacon.net/2011/02/fromm-3/</link>
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		<pubDate>Mon, 21 Feb 2011 11:07:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Freud]]></category>
		<category><![CDATA[Gehirn]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Psychoanalyse]]></category>
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		<description><![CDATA[Misst man die Bekanntheit eines Autors an der Verbreitung seines Schrifttums, dann ist Erich Fromm nach Sigmund Freud und Carl Gustav Jung sicher der weltweit bekannteste Psychoanalytiker. Und doch ist seine Theorie und Praxis der Psychoanalyse gerade im deutschen Sprachraum nicht nur weitgehend unbekannt, sondern auch bedeutungslos geblieben&#8230; Rainer Funk * Nicht wenige neigten und neigen noch immer dazu, den am Berliner Karl-Abraham-Institut Ausgebildeten gar den Anspruch streitig zu machen, ein Psychoanalytiker zu sein. Dabei war Erich Fromm der erste Psychoanalytiker, der den Menschen als Beziehungswesen ernst nahm und damit etwas vorwegnahm, was heute psychoanalytisches und psychotherapeutisches Allgemeingut geworden ist. Jahrzehnte früher, als Bindungsforschung und intersubjektive Psychoanalyse davon sprachen, sah Fromm bereits in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts das Bezogensein des Menschen auf die Wirklichkeit und auf sich selbst als das Kernproblem psychischer Strukturbildung an. Auch die Ausbildung triebhaft erlebter psychischer Strebungen ist für ihn weitgehend das Ergebnis der Internalisierung von Bezogenheitserfahrungen. Entsprechend orientieren sich psychoanalytische Theoriebildung und therapeutische Techniken in erster Linie an Erfahrungen des Bezogenseins in der aktuellen therapeutischen Beziehung und in der Aufdeckung unbewusst wirkender, behindernder und konfliktträchtiger Bezogenheitserfahrungen aus der Geschichte eines Menschen. Und noch etwas verband der promovierte Soziologe Fromm von Anfang an mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Misst man die Bekanntheit eines Autors an der Verbreitung seines  Schrifttums, dann ist Erich Fromm nach Sigmund Freud und Carl  Gustav Jung sicher der weltweit bekannteste Psychoanalytiker. Und  doch ist seine Theorie und Praxis der Psychoanalyse gerade im deutschen  Sprachraum nicht nur weitgehend unbekannt, sondern auch bedeutungslos geblieben&#8230;<span id="more-3081"></span></p>
<p><em>Rainer Funk *</em></p>
<p>Nicht wenige neigten und neigen noch immer  dazu, den am Berliner Karl-Abraham-Institut Ausgebildeten gar den  Anspruch streitig zu machen, ein Psychoanalytiker zu sein. Dabei war  Erich Fromm der erste Psychoanalytiker, der den Menschen als Beziehungswesen  ernst nahm und damit etwas vorwegnahm, was heute psychoanalytisches und  psychotherapeutisches Allgemeingut geworden  ist.</p>
<p>Jahrzehnte früher, als Bindungsforschung und intersubjektive Psychoanalyse davon  sprachen, sah Fromm bereits in den 30er Jahren des  20. Jahrhunderts das Bezogensein des Menschen auf die Wirklichkeit  und auf sich selbst als das Kernproblem psychischer Strukturbildung  an. Auch die Ausbildung triebhaft erlebter psychischer Strebungen ist  für ihn weitgehend das Ergebnis der Internalisierung von Bezogenheitserfahrungen.  Entsprechend orientieren sich psychoanalytische Theoriebildung und  therapeutische Techniken in erster Linie an Erfahrungen  des Bezogenseins in der aktuellen therapeutischen Beziehung und in der  Aufdeckung unbewusst wirkender, behindernder und konfliktträchtiger  Bezogenheitserfahrungen aus der Geschichte eines Menschen.</p>
<p>Und noch etwas verband der promovierte Soziologe Fromm von Anfang an mit seinem bezogenheitstheoretischen (relationalen) Ansatz:  Anders als die interpersonelle Psychoanalyse, wie sie Harry Stack Sullivan  entwickelte, sah Fromm den Einzelnen schon immer durch ein  <strong>gesellschaftliches Bezogensein</strong> geprägt. Dieses manifestiert sich in den  Bezugspersonen (als den Vermittlern gesellschaftlich geforderter  Bezogenheitsmuster) und in deren Art, Bezogensein zu praktizieren. <strong>Das  Individuum ist für Fromm deshalb ein primär soziales Wesen und die  Interaktionen zwischen Individuen sind immer auch von gesellschaftlichen Tabus  und Erfordernissen geprägt</strong>. Entsprechend anders als bei  Freud ist denn auch Fromms Verhältnisbestimmung von Individuum  und Gesellschaft bzw. Kultur.</p>
<p>Tatsächlich waren diese beiden Besonderheiten des psychoanalytischen Ansatzes  von Fromm die wichtigsten Gründe, warum er vom  Mainstream der Psychoanalyse ignoriert wurde. Bereits in den 30er  Jahren war er wegen seiner jüdischen Abstammung aus der Internationalen  Psychoanalytischen Vereinigung ausgeschlossen worden. Später  hatte er wegen seines »unorthodoxen« Ansatzes keine Chance, wieder  ihr Mitglied zu werden. Als unverbrüchlich zu ihr gehörend hielt die  Psychoanalyse an einer bestimmten Triebtheorie sowie an einem Menschenbild fest,  das den Einzelnen als primär unsozial ansah. Nicht, dass  Fromm die Irrationalität und Triebhaftigkeit psychischer Streben nicht  als die eigentliche Herausforderungen von Theorie und Praxis der Psychoanalyse  ansah. Dem triebhaften Erleben muss jedoch keine wie auch  immer geartete instinktive Ausstattung entsprechen. Ebenso erkannte  Fromm im Narzissmus die Hauptursache für eine entstellte Selbst- und  Wirklichkeitswahrnehmung, ohne den Narzissmus zur Ausgangssituation  des Menschen zu erklären. Fromm hatte ganz im Gegenteil mit seiner  Theorie einer <strong>angeborenen Potenz zur Liebesfähigkeit</strong> und seinem Konzept der  Selbstliebe und des Selbstinteresses bereits Ende der 30er Jahre  jene Elemente einer Selbsttheorie ausformuliert, die Jahrzehnte später  durch die Säuglingsforschung, die Entdeckung der Spiegelneuronen und  die Empathieforschung empirisch bestätigt wurden.</p>
<p>Das gerade erschienene Buch &#8220;<a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3837921158">Was den Menschen antreibt: Psychoanalyse als Theorie und Praxis von Beziehung</a>&#8221; will mit der psychoanalytischen Theorie und  Therapie Erich Fromms bekannt machen und, 30 Jahre nach seinem  Tod, eine längst überfällige Rezeption befördern. Vielleicht können die hier zusammen getragenen Beiträge auch zu der ebenfalls seit Langem  ausstehenden Rehabilitierung dieses ungemein produktiven Psychoanalytikers  beitragen.</p>
<p>Fromm fühlte sich zeitlebens auf dem Boden der Freud’schen Psychoanalyse  stehend. Er hielt zahllose Vorträge über die Bedeutung Freuds  und seiner Psychoanalyse und musste schmunzeln, wenn er in der Diskussion danach  mit »Herr Freud« statt mit »Herr Fromm« angesprochen  wurde. Wenn immer sich Fromm anschickte, über ein neues Thema zu  schreiben, arbeitete er die diesbezüglichen Arbeiten bei Freud durch  (wie zahllose Exzerpte in seinem Nachlass belegen), um dann erst seine  eigenen Gedanken zu Papier zu bringen. Mit beißender Kritik wandte  er sich in dem Beitrag »Die Krise der Psychoanalyse« (1970c) gegen die  Ich-Psychologen, weil sie die Haupterkenntnis Freuds verkennen würden, nämlich <strong> wie sehr der Mensch durch die Irrationalität unbewusster  Leidenschaften bestimmt</strong> sei. Auch sah er sich veranlasst zu betonen, wie  wenig ihn mit der Humanistischen Psychologie verbinde und wie sehr  er sich als humanistischer Psychoanalytiker verstünde.</p>
<p>Dass Fromm in der eigenen Zunft so sehr vergessen werden konnte,  muss ihm aber auch zum Teil selbst angelastet werden. Es ist nicht nur  die von Fromm in seinem Buch <a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3548350941">Sigmund Freud. Seine Persönlichkeit und  seine Wirkung</a> (1959a) beklagte Dogmatisierung der Psychoanalyse und  deren ekklesial organisierte Bewegung, die einem Vor- und Querdenker  kein Bleiberecht und Wirkungsfeld innerhalb der psychoanalytischen  Gemeinschaft gewährte.</p>
<p>Fromm hatte sich Mitte der 60er Jahren vorgenommen, ein vierbändiges Werk zu  seinem Verständnis von Psychoanalyse in Theorie  und Praxis zu schreiben, aber abgesehenen von einigen Bruchstücken,  die Eingang in die vorliegende Sammlung gefunden haben, hat er sich  dann lieber ganz der Aggressionsfrage zugewandt und bis 1973 an dem  Band <a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3499170523">Anatomie der menschlichen Destruktivität</a> geschrieben. Sein erster  Versuch, seinen psychoanalytischen Ansatz beim sozialen Bezogensein  des Menschen zu begründen, wurde 1937 als Gegenentwurf zu einer an  der Triebtheorie orientierten Psychoanalyse weitgehend ausformuliert.  Nachdem er jedoch von den Kollegen des Instituts für Sozialforschung  kritisiert und eine Veröffentlichung in der Zeitschrift für Sozialforschung abgelehnt wurde, bemühte Fromm sich nicht mehr um seine Veröffentlichung. Der Beitrag blieb verschollen, bis ich ihn 1990 in einem Teil  des Fromm’schen Nachlasses, der an der New York Public Library  untergebracht ist, wiederentdeckte.</p>
<p>Erst kurz vor seinem Tod erschien 1979 der Band <a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3421018952">Sigmund Freuds  Psychoanalyse – Größe und Grenzen</a>, in dem Fromm im Einzelnen zeigt,  was er Freud verdankt und worin die Entdeckungen Freuds bleibende  Bedeutung haben, aber auch, was seiner Meinung nach an den Freud’schen  Theorien zeitgebunden und revisionsbedürftig ist. Eine Veröffentlichung  zu seiner therapeutischen Praxis, wie er sie in den von ihm mitbegründeten  Instituten, dem William Alanson White Institute in New York und dem  Mexikanischen Psychoanalytischen Institut, praktizierte, blieb er schuldig.</p>
<p>Das Fehlen einer Veröffentlichung zu seiner eigenen therapeutischen  Praxis erklärt auch, warum er in der immer mehr auf ihre therapeutische  Anwendung reduzierten Psychoanalyse so wenig rezipiert wurde.</p>
<p>Es ist vor allem dem Engagement von Verleger Hans-Jürgen Wirth zu  verdanken, dass dieser Band zustande kam und die Beiträge Fromms  zur psychoanalytischen Theorie und Praxis einem interessierten Leserkreis  zugänglich gemacht werden können. Der vorliegende Band bildet  mit den zwei anderen im <a href="http://www.psychosozial-verlag.de">Psychosozial Verlag</a> erschienenen Bänden eine Trilogie zur  Psychoanalyse Fromms:<br />
Macht <a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3837921158">Was den Menschen antreibt: Psychoanalyse als Theorie und Praxis von Beziehung</a> vor allem  den anderen, nämlich psychoanalytisch-sozialpsychologischen Ansatz  Fromms und seine Auswirkungen auf die Theorie und Praxis der Psychoanalyse  deutlich, so führt der Band <a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3421018952">Sigmund Freuds  Psychoanalyse – Größe und Grenzen</a> (1979a) in Fromms Re-Vision der Psychoanalyse  und ihrer wichtigsten Konzept ein, die in vielerlei Hinsicht höchst aktuell ist.  Der Band <a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/383792002X">Erich Fromm als Therapeut</a> (R. Funk 2009) handelt  von der therapeutischen Praxis Fromms: Er enthält vier Vorlesungen  Fromms über seine therapeutische Technik sowie höchst spannende  Einblicke in seine psychoanalytische Praxis aus Sicht seiner Schüler, die  diese in Analysen, Supervisionen und im sonstigen Zusammensein mit  Erich Fromm gewonnen haben.</p>
<p style="font-style: italic;">Anm. Red.: Ein Großteil der  erwähnten Beiträge wurde nicht von Erich Fromm selbst publiziert, sondern erst posthum von Rainer Funk veröffentlicht.</p>
<p>*) Rainer Funk in der Einleitung, als Herausgeber von <a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3837921158">Was den Menschen antreibt: Psychoanalyse als Theorie und Praxis von Beziehung.</a>Aktuell aus dem Psychsozial Verlag</p>
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		<title>Was den Menschen antreibt: Psychoanalyse als Theorie und Praxis von Beziehung</title>
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		<pubDate>Sat, 19 Feb 2011 10:42:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Erich Fromm war der erste Psychoanalytiker, der den Menschen als Beziehungswesen ernst nahm. Lange vor der Bindungsforschung und der Etablierung der intersubjektiven Psychoanalyse sah er das Bezogensein des Menschen auf andere Menschen, auf die Wirklichkeit und auf sich selbst als das Kernproblem psychischer Strukturbildung an&#8230; Entsprechend orientieren sich seine psychoanalytische Theoriebildung und therapeutischen Techniken in erster Linie an solchen individuellen und gesellschaftlichen Erfahrungen, deren unbewusste Wirkungen, Behinderungen und Konflikte in der therapeutischen Beziehung aufgedeckt werden sollen. Der im Psychosozial Verlag vorgelegte Band “Was den Menschen antreibt: Psychoanalyse als Theorie und Praxis von Beziehung” versammelt die wichtigsten Beiträge Fromms zu seiner psychoanalytischen Theorie und Praxis, unter anderem seine kritische Auseinandersetzung mit Freud. Erich Fromm (1900-1980) war Soziologe, Psychoanalytiker und langjähriger Leiter der sozialpsychoanalytischen Abteilung des bekannten Frankfurter Instituts für Sozialforschung unter Max Horkheimer. Seine konstruktiven Beiträge u.a. zur Weiterentwicklung der Psychoanalyse, zur Religionspsychologie und zur Gesellschaftskritik machten ihn zu einem der einflussreichsten Denker des vergangenen Jahrhunderts. Herausgegeben wurde das Buch von&#160;Rainer Funk. Er war Erich Fromms letzter Assistent und verwaltet seine Rechte. Funk veröffentlichte zahlreiche Schriften von und über Fromm und ist Psychoanalytiker in Tübingen. Aus der Einleitung des Herausgebers&#8230;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Erich Fromm war der erste Psychoanalytiker, der den Menschen als Beziehungswesen ernst nahm. Lange vor der Bindungsforschung und der Etablierung der intersubjektiven Psychoanalyse sah er das Bezogensein des Menschen auf andere Menschen, auf die Wirklichkeit und auf sich selbst als das Kernproblem psychischer Strukturbildung an&#8230;<span id="more-3076"></span></p>
<p>Entsprechend orientieren sich seine psychoanalytische Theoriebildung und therapeutischen Techniken in erster Linie an solchen individuellen und gesellschaftlichen Erfahrungen, deren unbewusste Wirkungen, Behinderungen und Konflikte in der therapeutischen Beziehung aufgedeckt werden sollen. Der im Psychosozial Verlag vorgelegte Band “<a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3837921158">Was den Menschen antreibt: Psychoanalyse als Theorie und Praxis von Beziehung</a>” versammelt die wichtigsten Beiträge Fromms zu seiner psychoanalytischen Theorie und Praxis, unter anderem seine kritische Auseinandersetzung mit Freud.</p>
<p><strong>Erich Fromm</strong> (1900-1980) war Soziologe, Psychoanalytiker und langjähriger Leiter der sozialpsychoanalytischen Abteilung des bekannten Frankfurter Instituts für Sozialforschung unter Max Horkheimer.<br />
Seine konstruktiven Beiträge u.a. zur Weiterentwicklung der Psychoanalyse, zur Religionspsychologie und zur Gesellschaftskritik machten ihn zu einem der einflussreichsten Denker des vergangenen Jahrhunderts.</p>
<p>Herausgegeben wurde das Buch von&nbsp;<strong>Rainer Funk. </strong>Er war Erich Fromms letzter Assistent und verwaltet seine Rechte. Funk veröffentlichte zahlreiche Schriften von und über Fromm und ist Psychoanalytiker in Tübingen.</p>
<p>Aus der <a target="" title="" href="http://www.pharmacon.net/2011/02/fromm-3/">Einleitung des Herausgebers</a>&#8230;</p>
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		<title>Pionier der Sexualforschung: Iwan Bloch</title>
		<link>http://www.pharmacon.net/2010/12/iwan-bloch/</link>
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		<pubDate>Sun, 12 Dec 2010 19:57:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sexualmedizin]]></category>
		<category><![CDATA[Freud]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<category><![CDATA[Sex]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine rein medizinische Auffassung des Geschlechtslebens, obgleich sie immer den Kern der Sexualwissenschaft bilden wird, reicht nicht aus, um den vielseitigen Beziehungen des Sexuellen zu allen Gebieten des menschlichen Lebens gerecht zu werden. Um die ganze Bedeutung der Liebe für das individuelle und soziale Leben und für die kulturelle Entwicklung der Menschheit zu würdigen, muß sie eingereiht werden in die Wissenschaft vom Menschen überhaupt, in der und zu der sich alle anderen Wissenschaften vereinen, die allgemeine Biologie, die Anthropologie und Völkerkunde, die Philosophie und Psychologie, die Medizin, die Geschichte der Literatur und diejenige der Kultur in ihrem ganzen Umfange&#8230; So schrieb Iwan Bloch in &#8220;Das Sexualleben unserer Zeit in seinen Beziehungen zur modernen Kultur&#8221; bzw. im Vorwort zu &#8220;Ausschweifungen im Sexualleben&#8220;. Quelle: Wikipedia, die freie Enzyklopädie: Navigation, Suche Iwan Bloch, Pseudonym Eugen Dühren, (* 8. April 1872 in Delmenhorst; † 19. November 1922 in Berlin) war ein deutscher Arzt und Sexualforscher. Mit Eulenburg, Hirschfeld, Krafft-Ebing,&#160;Theilhaber u.a. zählt er zu den Pionieren der Sexualkunde. Sein Sohn, der Biologe&#160;Robert Bloch war in den USA (Philadelphia), wohin er vor den Nationalsozialisten&#160;emigriert&#160;war, an der Entwicklung neuer Antibiotika beteiligt. Später erlangte er als Jadekundler weltweiten Ruf. Seine Witwe, Erika Bloch, starb 2009 in München. Das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eine rein medizinische Auffassung des Geschlechtslebens, obgleich sie immer den Kern der Sexualwissenschaft bilden wird, reicht nicht aus, um den vielseitigen Beziehungen des Sexuellen zu allen Gebieten des menschlichen Lebens gerecht zu werden. Um die ganze Bedeutung der Liebe für das individuelle und soziale Leben und für die kulturelle Entwicklung der Menschheit zu würdigen, muß sie eingereiht werden in die Wissenschaft vom Menschen überhaupt, in der und zu der sich alle anderen Wissenschaften vereinen, die allgemeine Biologie, die Anthropologie und Völkerkunde, die Philosophie und Psychologie, die Medizin, die Geschichte der Literatur und diejenige der Kultur in ihrem ganzen Umfange&#8230;<span id="more-2688"></span></p>
<p>So schrieb Iwan Bloch in &#8220;Das Sexualleben unserer Zeit in seinen Beziehungen zur modernen Kultur&#8221; bzw. im Vorwort zu &#8220;<a href="http://www.pharmacon.net/2010/12/bloch/">Ausschweifungen im Sexualleben</a>&#8220;.</p>
<p><em>Quelle: Wikipedia, die freie Enzyklopädie: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Iwan_Bloch#mw-head">Navigation</a>, 	<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Iwan_Bloch#p-search">Suche</a></em></p>
<p><strong>Iwan Bloch</strong>, Pseudonym Eugen Dühren, (* 8. April 1872 in Delmenhorst; † 19. November 1922 in Berlin) war ein deutscher Arzt und Sexualforscher. Mit Eulenburg, Hirschfeld, Krafft-Ebing,&nbsp;Theilhaber u.a. zählt er zu den Pionieren der Sexualkunde.<br />
Sein Sohn, der Biologe&nbsp;<b>Robert Bloch</b> war in den USA (Philadelphia), wohin er vor den Nationalsozialisten&nbsp;emigriert&nbsp;war, an der Entwicklung neuer Antibiotika beteiligt. Später erlangte er als Jadekundler weltweiten Ruf. Seine Witwe, Erika Bloch, starb 2009 in München.</p>
<p><a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Iwan_Bloch_-_Das_Sexualleben_unserer_Zeit.jpg&amp;filetimestamp=20080712124030"><img class="alignright" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/7/79/Iwan_Bloch_-_Das_Sexualleben_unserer_Zeit.jpg/220px-Iwan_Bloch_-_Das_Sexualleben_unserer_Zeit.jpg" alt="" width="141" height="209"/></a><a title="vergrößern" href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Iwan_Bloch_-_Das_Sexualleben_unserer_Zeit.jpg&amp;filetimestamp=20080712124030"><img src="http://bits.wikimedia.org/skins-1.5/common/images/magnify-clip.png" alt="" width="15" height="11"/></a><em>Das Sexualleben unserer Zeit</em>, 1907</p>
<p>Iwan Bloch hat 1907 in der Monografie <em>Das Sexualleben unserer Zeit</em> den Begriff der <em><a title="Sexualwissenschaft" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sexualwissenschaft">Sexualwissenschaft</a></em> eingeführt. In der Vorrede zu diesem Buch definiert er die  Sexualwissenschaft als fächerübergreifend arbeitende Disziplin.</p>
<p>Bloch schrieb, auch unter Pseudonymen (<em>Eugen Dühren</em>, <em>Albert Hagen</em>, <em>Veriphantor</em>, <em>Gerhard von Welsenburg</em>), sittengeschichtliche und sexualwissenschaftliche Werke.</p>
<h2>Werke (in Auswahl)</h2>
<ul>
<li><em>Anthropological Studies on the Strange Sexual Practices of All Races and All Ages</em> (2001, Reprint der englischen Ausgabe von 1933)</li>
<li><em>Beiträge zur Aetiologie der <a title="Psychopathia sexualis (Krafft-Ebing)" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Psychopathia_sexualis_%28Krafft-Ebing%29">Psychopathia sexualis</a></em> Vorrede Albert Eulenburg (1902)</li>
<li><em>Englische Sittengeschichte (früher: Das Geschlechtsleben in England)</em> (zwei Bände, 1912, als Dühren)</li>
<li><em>Der Fetischismus</em> (1903, als Veriphantor)</li>
<li><em>Irrungen menschlicher Liebe</em> (o.J., als Veriphantor)</li>
<li><em>Der <a title="Donatien Alphonse François de Sade" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Donatien_Alphonse_Fran%C3%A7ois_de_Sade">Marquis de Sade</a> und seine Zeit. Ein Beitrag zur Cultur- und Sittengeschichte des 18.  Jahrhunderts. Mit besonderer Beziehung auf die Lehre von der  Psychopathia Sexualis</em> 1900, als Dühren. -1. Aufl. Barsdorf, Berlin  1900; Max von Harrwitz, Berlin 1904; 5. Aufl. Barsdorf, Berlin 1915  (Reihe: Studien zur Geschichte des menschlichen Geschlechtslebens Bd.  1.). Inges. 7 Aufl. zu Lebzeiten. Zuletzt 1978: Heyne, München <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3453501241">ISBN 3453501241</a>
<ul>
<li>in Engl. (Auszüge): <em>Marquis de Sade. His life and his works</em> Übers. James Bruce. Castle/ Book Sales, <a title="NY" href="http://de.wikipedia.org/wiki/NY">NY</a> 1948 (128 S.). Weitere Übers. ins Frz. und Span.</li>
</ul>
</li>
<li><em>Neue Forschungen über den Marquis de Sade und seine Zeit. Mit  besonderer Berücksichtigung der Sexualphilosophie de Sade&#8217;s auf Grund  des neuentdeckten Original-Manuskriptes seines Hauptwerkes</em> (als Dühren); Nachdruck 1965; wieder <a title="VDM Publishing" href="http://de.wikipedia.org/wiki/VDM_Publishing">VDM Verlag Dr. Müller</a>, Saarbrücken 2007</li>
<li><em>Die Prostitution</em> (Band 1, 1912; der 2. Band erschien posthum 1925)</li>
<li><em>Rétif-Bibliothek. Verzeichnis der französischen und deutschen Ausgaben und Schriften von und über <a title="Nicolas Edme Restif de la Bretonne" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nicolas_Edme_Restif_de_la_Bretonne">Nicolas Edme Restif de la Bretonne</a></em> (1906, u. d. Pseudonym Eugen Dühren)</li>
<li><em>Rétif de la Bretonne. Der Mensch, der Schriftsteller, der Reformator</em> (1906, gleiches Pseud.)</li>
<li><em>Das Sexualleben unserer Zeit in seinen Beziehungen zur modernen Kultur</em> (1907, das grundlegende Werk erlebte in der Folgezeit mehrere Auflagen.)</li>
<li><em>Die sexuelle Osphresiologie</em> (1906, als Albert Hagen)</li>
<li><em>Der Ursprung der <a title="Syphilis" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Syphilis">Syphilis</a>. Eine medizinische und kulturgeschichtliche Untersuchung</em> (1901)</li>
<li><em>Das Versehen der Frauen in Vergangenheit und Gegenwart und die Anschauungen der Aerzte, Naturforscher und Philosophen darüber</em> (1899, als Gerhard von Welsenburg)</li>
<li><a title="Projekt Gutenberg-DE" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Projekt_Gutenberg-DE">Projekt Gutenberg-DE</a>: <em>Bibliothek der Sexualwissenschaft</em> 36 Klassiker als Faksimile auf DVD. Hille &amp; Partner <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783865115249">ISBN 978-3-86511-524-9</a></li>
</ul>
<h2>Herausgabe von Zeitschriften</h2>
<ul>
<li><em>Zeitschrift für Sexualwissenschaft</em> (begründet von <a title="Albert Eulenburg" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Albert_Eulenburg">Albert Eulenburg</a> und Iwan Bloch, fortgeführt von <a title="Max Marcuse" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Max_Marcuse">Max Marcuse</a>; später unter dem Titel „Zeitschrift für Sexualwissenschaft und Sexualpolitik“)</li>
</ul>
<h2>Sekundärliteratur</h2>
<ul>
<li><a title="Volkmar Sigusch" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Volkmar_Sigusch">Volkmar Sigusch</a>: <em>Geschichte der Sexualwissenschaft</em>, Frankfurt/M., New York: Campus 2008, S. 52-80, 285-307 und 597-599 &#8211; <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783593385754">ISBN 978-3-593-38575-4</a></li>
<li><a title="Volkmar Sigusch" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Volkmar_Sigusch">Volkmar Sigusch</a> und Günter Grau (Hg.): <em>Personenlexikon der Sexualforschung</em>, Frankfurt/M., New York: Campus 2009, S. 52-61 – <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783593390499">ISBN 978-3-593-39049-9</a></li>
<li><a title="Erwin J. Haeberle" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Erwin_J._Haeberle">Erwin J. Haeberle</a>: <em>Iwan Bloch (1872 &#8211; 1922)</em> In: <em>„Meinetwegen ist die Welt erschaffen“. Das intellektuelle Vermächtnis des deutschsprachigen Judentums. 58 Portraits</em> Frankfurt, Campus 1997, S. 165-172</li>
<li>Wolfgang Büsing: <em>Ido Wolff und seine Sippe. Ein berühmter Wundarzt des 17. Jahrhunderts aus Oldenburg</em> in: ders.: <em>Glück, Heil und Segen angewünschet. Familiengeschichtliche und heimatkundliche Beiträge aus dem Oldenburgishen</em> Heinz Holzberg, Oldenburg 1988 <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3873583054">ISBN 3-87358-305-4</a> S. 43-51 (Rez.: Gerold Schmidt, Oldenburgische Familienkunde, Jg. 30 H 4/1988, S. 766-767)</li>
<li>Günther Grau: <em>Iwan Bloch. Hautarzt &#8211; Medizinhistoriker &#8211; Sexualforscher</em>, Hentrich &amp; Hentrich Verlag, Berlin 2007, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783938485415">ISBN 978-3-938485-41-5</a>.</li>
</ul>
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		<title>Siegfried Bernfeld: Psychoanalyse, Pädagogik und Zionismus</title>
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		<pubDate>Sun, 16 May 2010 20:34:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Psychotherapie]]></category>
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		<description><![CDATA[Siegfried Bernfeld (1892 – 1953) war einer der  produktivsten jüdischen Psychoanalytiker und Pädagogen. Er gehörte in Wien zu dem engen Kreis um Sigmund Freud, sein reformpädagogisches Werk gehört zu den pädagogisch-psychoanalytischen Klassikern. Bernfeld wuchs in Wien auf und engagierte sich in den Jahren von 1914 – 1921 in der zionistischen Bewegung. Sein “Kinderheim Baumgarten” war ein wegweisendes psychoanalytisch-pädagogisches Modellprojekt für jüdische Waisenkinder. Mehrere seiner Schüler und Kollegen emigrierten in den 1930er Jahren in das damalige Palästina, engagierten sich in der Kibbuzbewegung und bauten die Israelische Psychoanalytische Vereinigung auf. Bernfelds Wirken als Zionist ist hingegen im deutschsprachigen Raum weitgehend in Vergessenheit geraten… Von Roland Kaufhold Bernfeld, dessen Leben durch zwei Weltkriege, enttäuschte Utopien und Emigration erschüttert wurde, starb am 2. April 1953 in San Francisco. In Folge der 1968er – Bewegung wurden Bernfelds Schriften wiederentdeckt und neu aufgelegt; in mehreren Sammelbänden ist sein breitgefächertes Werk aufgearbeitet und dokumentiert worden.[01] Kindheit und Jugendbewegung in Wien Siegfried Bernfeld wurde am 7.5.1892 in Lemberg, Galizien, geboren. Seine Biographie wies vielfältige Ähnlichkeiten mit der seines Lehrmeisters Sigmund Freud auf: Sein Vater Isidor Bernfeld war im Textil-Großhandel tätig, seine Familie wuchs in der Nähe Freuds auf. Er kam wie Freud als Erstgeborener einer jungen Mutter zur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Siegfried Bernfeld (1892 – 1953)  war einer der  produktivsten jüdischen   Psychoanalytiker und Pädagogen. Er gehörte in Wien zu dem engen Kreis um Sigmund Freud, sein  reformpädagogisches Werk gehört zu den pädagogisch-psychoanalytischen  Klassikern. Bernfeld wuchs in Wien auf und engagierte sich in den Jahren  von 1914 – 1921 in der zionistischen Bewegung. Sein “Kinderheim  Baumgarten” war ein wegweisendes psychoanalytisch-pädagogisches  Modellprojekt für jüdische Waisenkinder. Mehrere seiner Schüler und  Kollegen emigrierten in den 1930er Jahren in das damalige Palästina,  engagierten sich in der Kibbuzbewegung und bauten die Israelische  Psychoanalytische Vereinigung auf. Bernfelds Wirken als Zionist ist  hingegen im deutschsprachigen Raum weitgehend in Vergessenheit geraten…<span id="more-2063"></span></p>
<p><em>Von  Roland Kaufhold</em></p>
<p>Bernfeld, dessen Leben durch zwei Weltkriege, enttäuschte Utopien und  Emigration erschüttert wurde, starb am 2. April 1953 in San Francisco.  In Folge der 1968er – Bewegung wurden Bernfelds Schriften wiederentdeckt  und neu aufgelegt; in mehreren Sammelbänden ist sein breitgefächertes  Werk aufgearbeitet und dokumentiert worden.[<a id="identifier_0_11656" title="Fallend, K./Reichmayr, J. (Hg.) (1992): Siegfried Bernfeld Oder  die Grenzen der Psychoanalyse. Materialien zu Leben und Werk,  Frankfurt/M.; Hörster, R./ Müller, B. (Hrsg.) (1992): Jugend, Erziehung  und Psychoanalyse. Zur Sozialpädagogik Siegfried Bernfelds. Neuwied." href="http://www.hagalil.com/archiv/2010/05/16/bernfeld/#footnote_0_11656">01</a>]</p>
<p><strong>Kindheit und Jugendbewegung  in Wien</strong></p>
<p><em><a href="http://www.hagalil.com/archiv/wp-content/uploads/bernfeld1.jpg"><img class="alignright" title="bernfeld1" src="http://www.hagalil.com/archiv/wp-content/uploads/bernfeld1.jpg" alt="" width="200" height="266" /></a></em>Siegfried Bernfeld wurde am  7.5.1892 in Lemberg, Galizien, geboren.</p>
<p>Seine Biographie wies vielfältige Ähnlichkeiten mit der seines  Lehrmeisters Sigmund Freud auf: Sein Vater Isidor Bernfeld war im  Textil-Großhandel tätig, seine Familie wuchs in der Nähe Freuds auf. Er  kam wie Freud als Erstgeborener einer jungen Mutter zur Welt, seine  Familie war jüdisch. Die Familie siedelte bald darauf nach Wien über, wo  Bernfeld die Grundschule und ein Gymnasium besuchte. 1911 machte er  sein Abitur und studierte bis 1915 an der philosophischen Fakultät in  Wien anfangs Mathematik, Biologie, Zoologie und Geologie, wechselte bald  zu Naturwissenschaften, Pädagogik und Psychologie.</p>
<p>Bernfeld war bereits als Jugendlicher einer der herausragenden  Vertreter der Wiener Jugendbewegung. Diese war Ende des 19. Jahrhunderts  entstanden. In Wien formierte sich rasch der radikalste Flügel dieser  von mächtigen Veränderungswünschen sowie von den verstörend-ermutigenden  Freudschen Erkenntnissen zur Bedeutung der Sexualität inspirierten  Bewegung. Die Mitglieder der Wiener Wandervogel-Gruppen setzten sich aus  jüdischen Jugendlichen, aus höheren Schülern, aber auch aus  proletarischen Jugendlichen zusammen. Auch viele Anhänger der jungen  Wiener psychoanalytisch-pädagogischen Reformbewegung engagierten sich  beim Wandervogel, u.a. Bernfelds befreundeter Kollege Otto Fenichel  (1897 – 1946), <a href="http://www.hagalil.com/archiv/2010/03/09/bettelheim/">Bruno  Bettelheim</a>[<a id="identifier_1_11656" title="Siehe Kaufhold, R. (2001): Bettelheim, Ekstein, Federn: Impulse  für die psychoanalytisch-pädagogische Bewegung. Gießen  (Psychosozial-Verlag); Kaufhold, R. (Hg.) (1993): Pioniere der  psychoanalytischen Pädagogik: Bruno Bettelheim, Rudolf Ekstein, Ernst  Federn und Siegfried Bernfeld, psychosozial Nr. 53 (1/1993); Kaufhold,  R. (Mithg.) (2003): “So können sie nicht leben” – Bruno Bettelheim (1903  – 1990). Zeitschrift für Politische Psychologie 1-3/2003." href="http://www.hagalil.com/archiv/2010/05/16/bernfeld/#footnote_1_11656">02</a>]  (1903 – 1990) sowie dessen Cousine <a href="http://www.edithbuxbaum.com/">Edith  Buxbaum</a> (1902 – 1982).</p>
<p>Die Zeitschrift “<em>Der Anfang. Zeitschrift für die Jugend</em>”  erschien 1913 zum ersten Mal. Sie wurde von dem seinerzeit 21-jährigen  Siegfried Bernfeld sowie Georges Barbizon herausgegeben; die Redaktion  traf sich im im 1. Wiener Bezirk gelegenen väterlichen Geschäft.  Bernfeld verfasste in diesem Journal zahlreiche kämpferische Beiträge  und formulierte entschiedene Reformwünsche für die Schule und das  Elternhaus.</p>
<p>Die Jugendbewegung wuchs in den Jahren vor dem 1. Weltkrieg immer  weiter an: Im Oktober 1913 versammelten sich 2000 – 3000 Delegierte von  Jugendverbänden am Hohen Meißner bei Kassel. Im gleichen Jahr gründete  Bernfeld das “<em>Akademische Comité für Schulreform</em>“, ein  öffentliches Diskussionsforum, in welchem Schülern und Studenten die  Möglichkeit geboten wurde, ihre Vorstellungen von der Jugendkultur zu  diskutieren.</p>
<p>1914 publizierte der 22-jährige sein erstes Buch: “<em>Die neue</em> <em>Jugend  und die Frauen</em>“.</p>
<p>1915 promovierte Bernfeld mit der Schrift “<em>Über den Begriff der</em> <em>Jugend</em>“. Im gleichen Jahr heiratete er Anne Salomon (1892 –  1941). Diese kam gleichfalls aus der Jugendbewegung und hatte ebenfalls  als Ärztin im <em>Kinderheim Baumgarten</em> gearbeitet. Das Paar bekam  zwei Kinder, die Ehe hielt nur bis Mitte der 1920er Jahre. Anne Salomon  ging nach Moskau, wo sie erneut heiratete. Als die Deutschen vor Moskau  standen floh Anne Salomon erneut, mittellos, und nahm sich am 12.12.1941  voller Verzweiflung das Leben.</p>
<p>Die Erinnerungen der österreichischen Politikerin Käthe Leichter  vermitteln ein lebhaftes, unmittelbares Bild von der außergewöhnlichen  Überzeugungskraft, die Bernfeld bei seinen zahlreichen öffentlichen  Auftritten ausstrahlte: “Der große schöne Psychologiestudent mit den  pechschwarzen, zurückliegenden Haaren und den riesigen schwarzen Augen  hatte nicht nur ein mitreißendes Äußeres, er hatte tatsächlich alles  Zeug zu einem Jugendführer in sich: Leidenschaft und doch eine ruhige  verhaltene Art, jeden einzelnen anzuhören und auf ihn einzugehen,  umfassendes Wissen (und eine) ausgesprochene Begabung für Gemeinschafts-  und Organisationsarbeit.”[<a id="identifier_2_11656" title="in: Fallend, K. (1992): Siegfried Bernfeld – Von der  Jugendbewegung zur Psychoanalyse, in: Fallend/Reichmayr, a.a.O., S. 50." href="http://www.hagalil.com/archiv/2010/05/16/bernfeld/#footnote_2_11656">03</a>]</p>
<p><strong>Mitglied des engeren Kreises  um Sigmund Freud</strong></p>
<p>Bernfeld hatte Freuds “<em>Traumdeutung</em>” (1900) bereits als  16-jähriger gelesen. 1915 nahm er als Gast an den Sitzungen der <em>Wiener  Psychoanalytischen Vereinigung</em> teil. Diese tagte regelmäßig  Mittwochs, seit 1902, unter der Leitung von Sigmund Freud. In einer sehr  offenen Weise entwickelte sich so die psychoanalytische Theorie und  Praxis in einem kollektiven Reflexionsprozess. Diese historisch  außergewöhnlich wertvollen Protokolle wurden in den 1960er und 1970er  Jahren von dem kürzlich verstorbenen <a href="http://buecher.hagalil.com/2010/03/federn/">Ernst Federn</a><strong> </strong>(s. Kaufhold 2001, 2007) – einem Pionier einer Psychoanalyse  des Terrors (Federn 1999) – sowie von H. Nunberg in einer vierbändigen  Werkausgabe publiziert. 1919 wurde Bernfeld mit dem Vortrag über “<em>Das  Dichten Jugendlicher</em>” ordentliches Mitglied der WPV und prägte  deren Diskussionen nun regelmäßig mittels seiner außergewöhnlichen  Redekunst. Es gelang es ihm, viele Interessierte für die junge  psychoanalytisch-pädagogische Aufbruchbewegung zu gewinnen.</p>
<p><a href="http://www.hagalil.com/archiv/wp-content/uploads/bernfeld5.jpg"><img class="alignright" title="bernfeld5" src="http://www.hagalil.com/archiv/wp-content/uploads/bernfeld5.jpg" alt="" width="200" height="289" /></a>Weitere Stationen seines  wissenschaftlichen Schaffens: 1921 erschien im “Jüdischen Verlag” sein  Buch “<em>Kinderheim Baumgarten: Bericht über einen ernsthaften Versuch  mit neuer Erziehung</em>“, 1925 wandte er sich mit seiner “<em>Psychologie</em> <em>des Säuglings</em>” der Säuglingsforschung zu. Ebenfalls 1925  erschien sein bekanntestes Werk: “<em>Sisyphos oder die Grenzen der  Erziehung</em>” – ein, wie es der österreichisch-amerikanische  Psychoanalytische Pädagoge <a href="http://www.hagalil.com/archiv/2008/12/ekstein.htm">Rudolf Ekstein</a> (s. Kaufhold 2001) formuliert hat – “erster Beitrag zum Verhältnis von  Psychoanalyse und Marxismus und gleichzeitig eine fundamentale, im  Freistil formulierte Kritik der Theorie und Praxis der Erziehung.”[<a id="identifier_3_11656" title="Ekstein, R./Fallend, K./Reichmayr, J. (1988): „Too late to start  life afresh“. Siegfried Bernfeld auf dem Weg ins Exil. In: Stadler, F.  (Hg., 1988): Vertriebene Vernunft II. Emigration und Exil  österreichischer Wissenschaft 1930-40. Wien-München, S. 230-241." href="http://www.hagalil.com/archiv/2010/05/16/bernfeld/#footnote_3_11656">04</a>]</p>
<p>In geschliffener, teils polemischer Weise attackierte Bernfeld hierin  konservative Bildungs- gleichermaßen wie pädagogische  Allmachtsvorstellungen: “Hier sei nur eben angedeutet. Das Schulwesen  und die Erziehungseinrichtungen sind veraltet, sie bedürfen der  Erneuerung”, stellt Bernfeld[<a id="identifier_4_11656" title="Bernfeld, S. (1925/1981): Sisyphos oder die Grenzen der  Erziehung, Frankfurt/M. (Suhrkamp Tb), S. 10." href="http://www.hagalil.com/archiv/2010/05/16/bernfeld/#footnote_4_11656">05</a>] unzweideutig  fest. “Anders als ihre Teildisziplin Didaktik, ist die gesamte Pädagogik  in keinem Sinn und in keinem Maß wissenschaftlich. Dieser Satz gilt  wörtlich” (ebda.).</p>
<p>Der Pädagoge steht, gleich Sisyphos, vor einer wahrlich  überfordernden Situation: Sein Handeln unterliegt den von ihm nicht zu  beeinflussenden gesellschaftlich gesetzten Grenzen und  Rahmenbedingungen. Zugleich begegnet er dem von unbewussten Trieben  beeinflussten Verhaltensweisen von Kindern, die zu verstehen dem  psychoanalytisch Ungeschulten kaum  möglich ist. Und in ihm werden,  hierüber hinaus, in der Arbeit, in der Begegnung mit Kindern die eigenen  verdrängten frühkindlichen Konflikte geweckt. Bernfeld, der  unverbesserliche Querdenker, musste wahrlich gegen viele Windräder  ankämpfen.</p>
<p>Innerhalb der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung setzte sich  Bernfeld für eine Öffnung der psychoanalytischen Ausbildung für  Nicht-Mediziner ein – und dachte hierbei insbesondere an Pädagogen (vgl.  Kaufhold 2001, S. 21-50). Er baute eine “Laiengesellschaft” auf und  beteiligte sich an der Entwicklung einer eigenständigen  Psychoanalytischen Pädagogik. Doch trotz seiner außergewöhnlichen  Produktivität war seine ökonomische Lebenssituation in den Jahren nach  dem 1. Weltkrieg schwierig.</p>
<p>In seinen Briefen an seine zweite Ehefrau, die Schauspielerin <em>Elisabeth</em> <em>Neumann</em>, beleuchtete er seine prekäre finanzielle Situation.  Am 9.10.1924 schrieb er:</p>
<p>“Ich habe Zeit wie ein Baron. Eine namenlose Pleite. Bisher eine  Stunde täglich à 20.000 Kr., macht ein Monatseinkommen von 1/2 Million.  Na immerhin sind unsere Früh-Zigaretten gedeckt. Die schlimmste Laune  ist damit zu verhindern, ich habe sie aber gar nicht. Ich sehe dieser  abgründigen Pleite mit einem gewissen verschmitzten Behagen zu. (…)  Phantastische Stadt, jedermann borgt sich von jedem, und keiner hat.  Aber – ich kann Wien nicht verlassen, wenn ich nicht ökonomischen  Selbstmord begehe.”[<a id="identifier_5_11656" title="in: Reichmayr, J. (1990): Spurensuche zur Geschichte der  Psychoanalyse, Frankfurt/M. (Nexus), S. 88." href="http://www.hagalil.com/archiv/2010/05/16/bernfeld/#footnote_5_11656">06</a>]</p>
<p><strong>Zionistische Hoffnungen –  das Kinderheim Baumgarten</strong></p>
<p>Ab 1914 engagierte sich Bernfeld im linken Zweig der zionistischen  Jugendbewegung. Von 1917 – 1921 hatte er leitende Funktionen beim  zionistischen Zentralrat für West-Österreich inne und war Mitherausgeber  der “<em>Blätter aus der jüdischen</em> <em>Jugendbewegung</em>” sowie  der Zeitschrift “<em>Jerubbaal. Eine Zeitschrift der jüdischen Jugend</em>“,  in welchen er rege als Autor in Erscheinung trat. Vom 18. – 20.5. 1918  leitete er in Wien den “Österreichisch-jüdischen Jugendtag” und wurde  Mitbegründer des “Verbands für jüdische Jugendfürsorge”. 1919 setzte er  mit dem Buch “<em>Das jüdische Volk und</em> <em>seine Jugend</em>”  seine Publikationstätigkeit fort.</p>
<p>In Folge des Zustroms jüdischer Kriegsflüchtlinge aus Galizien  erlebte die zionistische Bewegung in Wien einen enormen Aufschwung.  Zahlreiche jüdische Kinder wurden durch den 1. Weltkrieg zu  Kriegswaisen. Auf Anregung des “American Joint Distribution Committee  for jewish warshippers” gründete Bernfeld gemeinsam mit seinem ebenfalls  zionistisch engagierten Freund und Kollegen Wilhelm Hoffer (1897 –  1967) im August 1919 für etwa 240 – 300 jüdische Kriegswaisen im Alter  von 6 – 14 Jahren ein auf reformpädagogischen und psychoanalytischen  Ansätzen bestehendes Erziehungsprojekt: das <em>Kinderheim Baumgarten </em>-  ein, wie es Anna Freud formuliert hat, “<em>erste(s) Experiment zur  Anwendung psychoanalytischer Erkenntnisse auf die Erziehung” (Grubrich</em>-Simitis,  1988, S. 14)</p>
<p>Die jüdischen Kinder fanden hier Zuflucht und sollten nach  Reformideen erzogen und für eine Arbeit als Handwerker und Bauern  ausgebildet werden. Orientierung boten das Wissen um die erzieherische  Wirkung einer pädagogisch gestalteten Umgebung sowie der  Situationsunterricht. Nicht nur die Förderung der intellektuellen  Entwicklung der Jugendlichen wurde gefördert, sondern insbesondere die  Bildung ihrer Affekte und Triebe. Dem Leben in einer sich selbst  steuernden Gruppe Gleichaltriger wurde eine hohe sozialisierende  Bedeutung zugemessen – alles Orientierungen, die einige dieser Wiener  Psychoanalytischen Pädagogen einige Jahre später in der jungen  Kibbuzbewegung Palästinas weiterentwickeln sollten. Fernziel war eine  Übersiedlung der jüdischen Kriegswaisen nach Palästina.</p>
<p>In seinem diese Arbeit reflektierenden Buch “<em>Kinderheim  Baumgarten: Bericht über einen ernsthaften Versuch mit neuer Erziehung</em>”  (1921) formulierte Bernfeld: “Indem die Kinder wochen-, ja monatelang  über ihr aktuelles Elend klagten, haben sie ihr latentes und durch Jahre  aufgespeichertes Unglück `abreagiert´, haben sie jene psychischen  Wunden gründlich geheilt, die ihnen die Vergangenheit geschlagen hatte  und die zur Quelle ihrer Entartung und Verwahrlosung geworden waren. (…)  Während dieser Zeit der Abreaktion begannen ganz leise, unbewusst und  unartikuliert, die bisher völlig gehemmten oder falsch (z. B. auf das  Essen) fixierten und in dieser Zeit sich lösenden und frei gewordenen  Affekte neu zu binden, an die Lehrer, an die Freunde, an die  Schulgemeinde, an die Histadruth, an die Kwuzoth (Kameradschaften)  allgemein.”[<a id="identifier_6_11656" title="Müller, P. W. (1993): Siegfried Bernfeld, in: Müller, P. W.  (1993): Kinderseele zwischen Analyse und Erziehung, Zürich, S. 61f." href="http://www.hagalil.com/archiv/2010/05/16/bernfeld/#footnote_6_11656">07</a>]</p>
<p><a href="http://www.hagalil.com/archiv/wp-content/uploads/bernfeld4.jpg"><img title="bernfeld4" src="http://www.hagalil.com/archiv/wp-content/uploads/bernfeld4.jpg" alt="" width="540" height="350" /></a></p>
<p>Die Heimordnung im Kinderheim Baumgarten wurde von der Identifikation  mit jüdischen Glaubensgrundlagen und jüdischen Kameradschaften geprägt.  Bernfeld führte aus:</p>
<p>“… Die Histadrut war viel mehr als eine Arbeitsvereinigung, sie war  durchpulst von Freundschaft und Liebe und das war ihre affektive, ihre  pädagogische Leistung, zunächst wurde auch sie zu einem wichtigen Mittel  der Sublimierung von sado-masochistischen Triebanteilen (…) Noch  wichtiger ist aber vielleicht die Tatsache, dass sich ein sehr  deutliches Gesamt-Ich `Histadruth´ bildete, dem ein großer Beitrag  narzisstischer Libido zugeführt wurde, die hier im engeren Rahmen zu  einer sehr tiefen Fixierung an die Teile des Gesamt-Ichs führte. (…)  offenbar geht der Weg vom Ich zum Du sehr oft über den Freund, in dem  noch ein gut Stück des eigenen Ich geliebt wird” (ebda., S. 63f)&#8230; <a href="http://www.hagalil.com/archiv/2010/05/16/bernfeld/">weiter&#8230;</a></p>
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