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	<title>Pharmacon Net &#187; Gestalt</title>
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	<description>Interaktion: Medizin und Psychologie, Pharmakologie und Pharmazie</description>
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		<title>Persönlichkeitsstörungen verstehen: Zum Umgang mit schwierigen Klienten</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Dec 2011 23:52:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Psychotherapie]]></category>
		<category><![CDATA[Entwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Gestalt]]></category>
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		<description><![CDATA[Patienten mit Persönlichkeitsstörungen gelten als schwierig und »nervig«. Sie stehen im Ruf, psychiatrische Teams aufzumischen und schwer behandelbar zu sein. Rainer Sachse zeigt, wie man Verständnis und Zugang zu diesen Menschen entwickeln kann. Für ihn stellen sich Persönlichkeitsstörungen im Kern als Beziehungsstörungen dar&#8230; Rainer Sachse Anhand des von ihm entwickelten Modells der doppelten Handlungsregulation zeichnet er nach, wie diese ungünstigen Beziehungsmuster entstehen, in der Familie verstärkt werden, sich im späteren Verlauf der Biografie entwickeln und welche Probleme daraus für Klienten mit Persönlichkeitsstörungen und die Menschen, die mit ihnen umgehen, entstehen. In je eigenen Kapiteln werden die unterschiedlichen Persönlichkeitsstile und die ihnen spezifischen Ausprägungen beschrieben und erklärt. Zahlreiche Beispiele illustrieren die Beziehungsfallen und Tests, mit denen Therapeuten und psychosoziale Profis häufig konfrontiert werden, und zeigen, wie man konstruktiv damit umgehen kann. Kapitel zu den speziellen Problemen bei der Team- und Angehörigenarbeit runden das Buch ab. Zielgruppen: Professionell-psychiatrisch Tätige in stationären und ambulanten Settings: Krankenschwestern und -pfleger, Erzieher, Sozialarbeiter und -pädagogen, ärztliche und psychologische Therapeuten. Die Berücksichtigung und Würdigung der Pflegekräfte, die ja oft mehr alltäglichen Kontakt mit den Klienten haben, ist ein besonderes Verdienst dieses Buches. [BESTELLEN?] Das Buch ist gut strukturiert aufgebaut. Erkenntnisse und Begriffe werden zunächst genau in ihrer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Patienten mit Persönlichkeitsstörungen gelten als schwierig und »nervig«. Sie stehen im Ruf, psychiatrische Teams aufzumischen und schwer behandelbar zu sein. Rainer Sachse zeigt, wie man Verständnis und Zugang zu diesen Menschen entwickeln kann. Für ihn stellen sich Persönlichkeitsstörungen im Kern als Beziehungsstörungen dar&#8230;<span id="more-3699"></span></p>
<p><em><a href="http://www.psychiatrie-verlag.de/autorenautorinnen/details/author/rainer-sachse.html">Rainer Sachse</a></em></p>
<p>Anhand des von ihm entwickelten Modells der doppelten Handlungsregulation zeichnet er nach, wie diese ungünstigen Beziehungsmuster entstehen, in der Familie verstärkt werden, sich im späteren Verlauf der Biografie entwickeln und welche Probleme daraus für Klienten mit Persönlichkeitsstörungen und die Menschen, die mit ihnen umgehen, entstehen.</p>
<p>In je eigenen Kapiteln werden die unterschiedlichen Persönlichkeitsstile und die ihnen spezifischen Ausprägungen beschrieben und erklärt. Zahlreiche Beispiele illustrieren die Beziehungsfallen und Tests, mit denen Therapeuten und psychosoziale Profis häufig konfrontiert werden, und zeigen, wie man konstruktiv damit umgehen kann. Kapitel zu den speziellen Problemen bei der Team- und Angehörigenarbeit runden das Buch ab.</p>
<p>Zielgruppen: Professionell-psychiatrisch Tätige in stationären und ambulanten Settings: Krankenschwestern und -pfleger, Erzieher, Sozialarbeiter und -pädagogen, ärztliche und psychologische Therapeuten. Die Berücksichtigung und Würdigung der Pflegekräfte, die ja oft mehr alltäglichen Kontakt mit den Klienten haben, ist ein besonderes Verdienst dieses Buches.</p>
<p><strong>[<a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3884145088">BESTELLEN?</a>]</strong></p>
<blockquote><p>Das Buch ist gut strukturiert aufgebaut. Erkenntnisse und Begriffe werden zunächst genau in ihrer Verwendung und Bedeutung erklärt und dann weiter verwendet. Die Erklärungen fallen manchmal zu genau und somit zu lang aus, aber bieten so auch Themenneulingen die Möglichkeit, alles genau zu verstehen. Der Aufbau des Buches hat aber auch seine Tücken: Es ist kein Buch zum Hineinschnuppern oder Querlesen, sondern muss »gezwungenermaßen« einmal durchgelesen werden. Da der Inhalt aber auch sehr lesenswert ist, ist dies nicht unbedingt von großem Nachteil.<br />
<em>Kadriye Kaynak in Sozialpsychiatrische Informationen</em></p>
<p>Das Buch von Prof. Dr. Rainer Sachse hilft, Zusammenhänge zu erkennen und Behandlungsmöglichkeiten danach auszurichten. Ein Buch, das Hoffnung macht.<br />
<em>Dr. Verena Liebers im Eppendorfer</em></p></blockquote>
<p>Prof. Dr. Rainer Sachse, Jg. 1948, ist Leiter des Instituts für Psychologische Psychotherapie (IPP) in Bochum, Therapeut und Supervisor im Zentrum für Psychotherapie der Ruhr-Universität Bochum, Dozent in postgradualen Ausbildungsgängen in Amsterdam, Basel, Bern, Bochum, Bonn, Dresden, Frankfurt, Freiburg, Gent, Toronto und Zürich. Zahlreiche Veröffentlichungen vor allem zur Psychotherapieforschung und zur therapeutischen Beziehungsgestaltung.</p>
<p>Aktuelle Arbeitsschwerpunkte: Konzeptentwicklung in der Klärungsorientierten Psychotherapie, Persönlichkeitsstörungen, Psychosomatik und Prozessforschung.</p>
<p><strong>[<a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3884145088">BESTELLEN?</a>]</strong></p>
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		<title>Frei von stereotyper Erwartung: Liebe</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Dec 2011 12:25:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Sexualmedizin]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Formen, in denen sich die Liebe manifestiert, reicht von der unverbindlichen Freundlichkeit über Verführung, Sexualspiele, Ergebenheit, bis hin zum süchtigmachenden Zustand des Verliebtseins. Ohne die süchtigmachenden Eigenschaften der Liebe würde ein Großteil des Risikos, das das Lieben enthält, verschwinden &#8211; sowohl in wie auch außerhalb der Therapie&#8230; pp. 184, Erving und Miriam Polster, Gestalttherapie Innerhalb der Therapie, wo Liebe praktisch unausweichlich ist, kann man lernen, zwischen Liebe und Abhängigkeit, Liebe und Besessenheit und vielleicht sogar zwischen Liebe und Sexualität zu unterscheiden. Der Durcharbeitungsprozeß verlangt vom Betreffenden, daß er Gefühlsregungen als ein Produkt seiner Persönlichkeit akzeptiert und daß er erkennt, daß seine Gefühle auf so viele Arten zu befriedigen sind, wie seine Findigkeit nur erdenken kann. Wenn er unter den günstigen Bedingungen der Therapie seinen gewohnheitsmäßigen Widerstand gegen die Liebe überwunden hat, dann hat er entdeckt, wie er das Lieben ohne List, Strategie oder Stereotype erfahren kann. Wenn er einmal über die reinen Konventionen des Liebens hinausgegangen ist, dann wird er fähiger, alle Befriedigungen zu erlangen, die therapeutische Beziehung trotz ihrer natürlichen Grenzen bietet. Wenn dann die gleichen Gefühle anderswo auftauchen &#8211; solange sie nicht an irgendwelchen vorgeformten Arten der Liebe hängenbleiben -, sind die Chancen zur Befriedigung im allgemeinen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p dir="LTR">Die Formen, in denen sich die Liebe manifestiert, reicht von der unverbindlichen Freundlichkeit über Verführung, Sexualspiele, Ergebenheit, bis hin zum süchtigmachenden Zustand des Verliebtseins. Ohne die süchtigmachenden Eigenschaften der Liebe würde ein Großteil des Risikos, das das Lieben enthält, verschwinden &#8211; sowohl in wie auch außerhalb der Therapie&#8230;<span id="more-3685"></span></p>
<p dir="LTR"><a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3872948725"><em>pp. 184, Erving und Miriam Polster, Gestalttherapie</em></a></p>
<p dir="LTR">Innerhalb der Therapie, wo Liebe praktisch unausweichlich ist, kann man lernen, zwischen Liebe und Abhängigkeit, Liebe und Besessenheit und vielleicht sogar zwischen Liebe und Sexualität zu unterscheiden. Der Durcharbeitungsprozeß verlangt vom Betreffenden, daß er Gefühlsregungen als ein Produkt seiner Persönlichkeit akzeptiert und daß er erkennt, daß seine Gefühle auf so viele Arten zu befriedigen sind, wie seine Findigkeit nur erdenken kann.</p>
<p dir="LTR">Wenn er unter den günstigen Bedingungen der Therapie seinen gewohnheitsmäßigen Widerstand gegen die Liebe überwunden hat, dann hat er entdeckt, wie er das Lieben ohne List, Strategie oder Stereotype erfahren kann. Wenn er einmal über die reinen Konventionen des Liebens hinausgegangen ist, dann wird er fähiger, alle Befriedigungen zu erlangen, die therapeutische Beziehung trotz ihrer natürlichen Grenzen bietet. Wenn dann die gleichen Gefühle anderswo auftauchen &#8211; solange sie nicht an irgendwelchen vorgeformten Arten der Liebe hängenbleiben -, sind die Chancen zur Befriedigung im allgemeinen wesentlich größer. <strong>Mit solcher Freiheit, Erfahrung ohne stereotype Forderungen zu akzeptieren, sind die süchtigmachenden Qualitäten der Liebe nicht so drohend, und der Erfolg wird nicht auf eine einseitige Konzentration auf nur einen Menschen reduziert.</strong></p>
<p dir="LTR">Wenn ein Patient zum Beispiel den Therapeuten liebt, dann wird er mit ihm vielleicht Geschlechtsverkehr haben wollen. Wahrscheinlich wird er es nicht tun, aber dennoch ist er immer noch offen für die vielen Interaktionen, die die Beziehung erregend und bedeutungsvoll machen. Der Patient, obwohl er Vorteile daraus zieht, braucht immer noch jemand, mit dem er Geschlechtsverkehr haben kann. Wenn einmal dieses Bedürfnis nach Liebe an die Oberfläche gedrungen ist, wird der Patient dazu angeregt, das, was er benötigt, aus anderen Beziehungen zu bekommen, so wie sie sich ergeben. Ist dies denn nicht nur eine Verlagerung des sexuellen Drangs vom Therapeuten auf einen anderen Menschen &#8211; eine Ersatzerfahrung, die sich einfach auf ein Gefühl der Ablehnung gründet? Möglich, aber nur dann, wenn der Mensch weiterhin verbissen an seinem Ideal festhält und versucht, wenigstens einen Ersatz zu finden.</p>
<p dir="LTR">Das Gegenmittel gegen das Festhalten ist die Entdeckung der Vielgestaltigkeit, <strong>die Erkenntnis, daß jede Erfahrung in sich gültig ist und nicht nur einen Ersatz für eine andere Erfahrung darstellt</strong>. Der gesunde Mensch ist nicht nur der Gefangne seiner Gefühlsregungen. Gefühle weisen nur auf ihr eigenes Verschwinden hin.</p>
<p dir="LTR">Gefühle <em><strong>wollen </strong></em>verschwinden &#8211; sie haben keinen Anspruch auf Unsterblichkeit. Sie gehen den für sie bestimmten Weg bis ans Ende. Dann sind sie fort, nur um von neuen Gefühlen ersetzt zu werden, die genauso entbehrlich und bescheiden sind. Nur <strong>Sentimentalität, die auf der vagen Furcht vor der verfrühten Unterbrechung basiert, führt zu dem Bedürfnis, sich anzuklammern</strong>, führt zum Gefühl der Unverletzlichkeit und zum Bedürfnis nach einer Garantie, wo man versucht, das zu erhalten, was vom Wesen her unbeständig ist.</p>
<p dir="LTR">Unsere Aufgabe in der Therapie ist es, bei der Wiederentdeckung der Progression im Leben zu helfen. Wenn eine Erfahrungseinheit endet, dann beginnt die nächste, und dieser Prozeß ist es, der die Unsterblichkeit ausmacht, nicht das Idolisieren einer Einzelerfahrung.</p>
<p dir="LTR">Aber wir wollen das tatsächliche Dilemma, das in der Therapie durch die Intensität der Gefühle entsteht, nicht unterschätzen. Das Gefühl der Dringlichkeit kann stark werden, der Weg zur Vollendung kann mit Schwierigkeiten gepflastert sein, und das Bedürfnis, in der Hoffnung auf ein vorherbestimmtes Kriterium der Vollendung auszuharren, kann den Betreffenden gefangenhalten. <strong>Es ist nicht einfach zu begreifen, daß Liebe nicht Bindung bedeutet</strong>, besonders dann, wenn die Liebe nicht mit den bekannten, hochgepriesenen Aufmerksamkeiten belohnt wird, die unser sozialer Kodex vorschreibt.</p>
<p dir="LTR">Ruth war beispielsweise wütend und sogar desillusioniert, als ich sie bei einem Krankenhausaufenthalt nicht besuchte. Sie hatte meine Zuneigung bei unserer Zusammenarbeit häufig erfahren und glaubte jetzt, da ich sie nicht besucht hatte, daß meine Zuneigung nur vorgetäuscht gewesen sei, eine reine Technik, um sie zu heilen. Ruth mußte lernen, daß die herzlichen Reaktionen auf ihren Humor, auf ihre Traurigkeit, auf ihre Einfälle tatsächlich ehrlich waren. Sie führten einfach nicht dazu, daß ich sie im Krankenhaus besuchte. Dies mag nun einen echten Grund für ihren Zorn und ihre Enttäuschung geliefert haben, aber es negierte weder die Wärme, die ich für sie empfand, noch die Anziehungskraft, die Ruth durch meine Zuneigung in sich selbst entdeckt hatte.<br />
Ihre Anziehungskraft hing jedoch nicht davon ab, daß ich diese entsprechend ihrer stereotypen Forderungen ständig bestätigte. Es ist sehr schwer einzusehen, daß auch unerwiderte Liebe gesund und stärkend sein kann. Die Konfrontation mit der Wirklichkeit der Liebe anstatt nur mit ihren gewohnten Formen bringt den Patienten dazu, die Liebe zu sehen, wie sie ist und nicht wie sie sein <em> sollte.</em></p>
<p dir="LTR">Dies mag wie eine nüchterne Auffassung der Liebe erscheinen, bei welcher der eine Partner keine Verantwortung empfindet, auf die Erwartungen zu reagieren, die manche Kontakte entstehen lassen, doch es verhält sich anders. Es gibt Erwartungen, die zurecht entscheidend sind für das Niveau bestimmter Beziehungen. Doch diese Erwartungen dürfen keinesfalls stereotype Schuldscheine sein, die aus früheren gesellschaftlichen Verträgen abgeleitet werden. Sie sind Teil des Prozesses der gegenseitigen Entdeckung und stellen eine sensible Aussage darüber dar, in welcher Beziehung ein Mensch zu einem anderen steht.</p>
<p dir="LTR">Ruth kam also zu der Erkenntnis, daß meine Zuneigung für sie ehrlich war, aber daß sie nicht unbedingt zu einem Krankenhausbesuch führen mußte.</p>
<p dir="LTR">Es wäre eine große Verlockung, Ruths Verhalten als eine dumme Wiederholung der unerledigten Geschäfte in bezug auf ihren Vater interpretieren zu können, der ihr nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt hatte. Der Druck einer aktuellen Liebesbeziehung kann sehr stark sein. Breuer hat dies vor langer Zeit entdeckt, als er deswegen die psychoanalytische Richtung verlassen musste. Freud erwies sich als fähiger, diesen Druck zu ertragen, aber selbst er musste das Prinzip der Übertragung einführen, um sich abzusichern. Mit Hilfe des Prinzips der Übertragung war es ihm und seinen Nachfolgern möglich, den Kontakt dadurch zu entpersonalisieren, daß sie ihn als völlig unabhängig von der Persönlichkeit des Therapeuten darstellten.</p>
<p dir="LTR">In der Gestalttherapie versuchen wir, uns auf die Beziehung an sich zu konzentrieren. Sich selbst wieder als liebevoll zu erfahren, bedeutet die Wiederentdeckung eines Aspekts der vollen Selbsterfahrung, die im täglichen Leben vieler Menschen schwach oder gar nicht vorhanden ist. Liebe ist mehr als nur eine Cause celebre oder ein gesellschaftsfähiger Fall der Monomanie. <strong>Sie ist nicht unwiderruflich an ein auslösendes Objekt gebunden, sondern sie ist eine Funktion des liebenden Menschen. Je mehr er also lernen kann, viele Menschen auf vielerlei Weise zu lieben, desto größer werden seine Chancen der Erfüllung und Befriedigung</strong>. In der Sicherheit der Therapie oder der Gruppe, in der Kontinuität der Interaktionen, in der Erregung, attraktive Menschen kennenzulernen, in der Tiefe und Intimität eines guten Kontakts, selbst angesichts der Verletzbarkeit, die das Bedürfnis nach Liebe häufig mit sich bringt, entstehen für den Patienten optimale Bedingungen, einen anderen Menschen zu lieben.</p>
<p dir="LTR">Wir wissen alle, daß Liebe schön und bereichernd sein kann, ohne die begleitenden Stereotype und Verpflichtungen, die aus solchen Erscheinungen wie Permanenz, Ausschließlichkeit und Leidenschaft entstehen können. Die Liebe zu seinem Universitätsprofessor kann einen Studenten dazu anspornen, sich selbst und seine Ausbildung ernst zu nehmen und ihn in neue Richtungen beim Lesen, Denken und in der Kommunikation lenken. Es ist verwerflich, den Menschen ihre liebenden Gefühle auszureden. Die Menschen müssen vielmehr lernen, daß jemanden zu lieben nicht bedeutet, daß sie den Betreffenden heiraten, mit ihm schlafen, ihn auf die Universität schicken, auf Parties einladen oder immer mit ihm Zusammensein müssen. Es kann so sein, muß aber nicht. Erwartungen, ja; Forderungen, nein!</p>
<p dir="LTR"><a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3872948725">[BESTELLEN?]</a></p>
<p><em>Miriam und Erving Polster gehören zu den bekanntesten und profiliertesten Gestalttherapeuten der Welt. Vor rund 30 Jahren veröffentlichten sie ihr Grundlagenwerk der Gestalttherapie, das auch heute noch ein wichtiges Lehrbuch der Gestalttherapie ist.</em><br />
<em>Seit über 40 Jahren haben Miriam und Erving Polster Gestalttherapeutinnen und Gestalttherapeuten aus vielen Ländern ausgebildet und in besonderer Weise geprägt: Immer wieder betonen sie, daß es Wohlwollen und Achtung der Therapeutinnen und Therapeuten sind, die es den Klientinnen und Klienten in der Gestalttherapie ermöglichen, sich angstfrei zu öffnen und so neue bereichernde Erfahrungen zu machen.</em></p>
<p><strong>À propos: <a href="http://www.hagalil.com/judentum/samson-hirsch/chorew-16.htm">Liebe</a></strong><br />
Samson Rafael Hirsch, Rabbiner, meint&#8230;</p>
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		<title>Guter Sex braucht alte Werte: Tugenden überwinden Schräglage der Beziehungen</title>
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		<pubDate>Fri, 07 Oct 2011 12:56:35 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Paare müssen alte Werte in das moderne Leben integrieren, um mit der heutigen Freiheit zurechtzukommen. &#8220;Die Menschen sehnen sich nach lebendiger Lust. Diese fällt einem jedoch nur am Anfang einer Beziehung zu&#8230; Gerti Senger: Aktive Beziehungsarbeit wichtig pte &#8211; Um auch später ein Klima der Erotik und des Begehrens zu erreichen, muss man Lust kultivieren und sie mitgestalten statt nur Bedürfnisse befriedigen&#8221;, erklärt Sexualtherapeutin Gerti Senger im pressetext-Interview. Am gestrigen Donnerstag präsentierte die Fachfrau gemeinsam mit Walter Hoffmann das bei Goldegg erschienene Buch &#8220;Schräglage&#8221;. Überforderung durch Freiheit &#8220;Als die 1960er- und 1970er-Jahre das frühere Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern weitgehend aufhoben, keimten große Hoffnungen auf: Auf Glück ohne Verlogenheit, auf wahres Fühlen und Erleben. Die Ansprüche wurden jedoch enttäuscht. Viele Beziehungen bleiben farblose Respektgemeinschaften ohne Glut oder emotionale Nähe, die ganz nach dem &#8216;everything goes&#8217;-Prinzip nur noch unverbindlich und auf Selbstverwirklichung ausgerichtet sind&#8221;, analysiert Senger. Viele Beziehungen wackeln aufgrund von Schräglagen oft, da Partner voneinander zu viel Freiheit oder auch unrealistisch viel Nähe einfordern. Einige Warnsignale zeigen für die Expertin, dass eine Beziehung aus der Balance geraten ist. &#8220;Ein glückliches Paar fragt sich nicht dauernd, ob es denn wirklich glücklich ist. Weitere Indizien sind, wenn ein bestimmtes Streitthema immer wieder aufgekocht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Paare müssen alte Werte in das moderne Leben integrieren, um mit der heutigen Freiheit zurechtzukommen. &#8220;Die Menschen sehnen sich nach lebendiger Lust. Diese fällt einem jedoch nur am Anfang einer Beziehung zu&#8230;<span id="more-3572"></span></p>
<p>Gerti Senger: Aktive Beziehungsarbeit wichtig</p>
<p><a href="http://www.pressetext.de">pte</a> &#8211; Um auch später ein Klima der Erotik und des Begehrens zu erreichen, muss man Lust kultivieren und sie mitgestalten statt nur Bedürfnisse befriedigen&#8221;, erklärt Sexualtherapeutin Gerti Senger im pressetext-Interview. Am gestrigen Donnerstag präsentierte die Fachfrau gemeinsam mit Walter Hoffmann das bei Goldegg erschienene <a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3902729392">Buch &#8220;Schräglage&#8221;</a>.</p>
<p><strong>Überforderung durch Freiheit </strong></p>
<p>&#8220;Als die 1960er- und 1970er-Jahre das frühere Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern weitgehend aufhoben, keimten große Hoffnungen auf: Auf Glück ohne Verlogenheit, auf wahres Fühlen und Erleben. Die Ansprüche wurden jedoch enttäuscht. Viele Beziehungen bleiben farblose Respektgemeinschaften ohne Glut oder emotionale Nähe, die ganz nach dem &#8216;everything goes&#8217;-Prinzip nur noch unverbindlich und auf Selbstverwirklichung ausgerichtet sind&#8221;, analysiert Senger. Viele Beziehungen wackeln aufgrund von Schräglagen oft, da Partner voneinander zu viel Freiheit oder auch unrealistisch viel Nähe einfordern.</p>
<p>Einige Warnsignale zeigen für die Expertin, dass eine Beziehung aus der Balance geraten ist. &#8220;Ein glückliches Paar fragt sich nicht dauernd, ob es denn wirklich glücklich ist. Weitere Indizien sind, wenn ein bestimmtes Streitthema immer wieder aufgekocht wird oder wenn jemand völlig von der Bestätigung des anderen abhängt und bei einem &#8216;Nein&#8217; beim Sex gleich alles in Frage stellt.&#8221; Auch fehlende Häuslichkeit sei ein Problem. &#8220;Sie betreibt Dinner-Cancelling, er isst abends lieber einen Toast in der Kantine. Damit geht auch eine wichtige Möglichkeit des täglichen Austausches verloren.&#8221;</p>
<p><strong>Warten lernen </strong></p>
<p>Schräglagen gibt es in &#8220;unendlich vielen&#8221; Formen, die in hohem Maß durch Konflikte in der frühen Kindheit geprägt werden. &#8220;Viele haben als Kind zu wenig Nähe, Anerkennung und Entfaltung erfahren, was die spätere Entwicklung der Persönlichkeit bestimmt.&#8221; Jeder sei damit Kind seiner Zeit &#8211; Zeiten, die lange von Konsum und Wünschen geprägt waren. Für die Generationen der Zukunft ist Senger jedoch optimistisch. &#8220;Immer mehr sind unzufrieden mit der Schräglage in Politik und Arbeit. Immer mehr Menschen merken, dass es Wichtigeres gibt als den neuesten Flachbrett-Fernseher und widmen den Beziehungen wieder mehr Zeit.&#8221;</p>
<p>Die nötige Balance kann gelingen, wenn Nähe und Distanz, Bindung und Autonomie sowie Lust und Verzicht im Lot sind. &#8220;Wird jedes Bedürfnis immer sofort befriedigt, verlernt man das Warten bald. Beziehungen brauchen Zeit. Diese erreicht man vor allem durch fixe Abmachungen &#8211; etwa, dass der Sonntag &#8216;nur uns&#8217; gehört&#8221;, empfiehlt Senger. Förderlich seien jedoch vor allem die alten Tugenden. &#8220;Verlässlichkeit, Verbindlichkeit, Freundlichkeit, Höflichkeit, Respekt, Mitleid und Gerechtigkeit bilden einen Katalog von Werten, die wieder modern sind. Wer sie pflegt, entwickelt Persönlichkeit und arbeitet an der Beziehung.&#8221;</p>
<p><strong>Prof. Dr. Gerti Senger</strong> ist Psychotherapeutin, Paartherapeutin und Klinische Psychologin, Vortragende an der Universität Wien und der Sigmund Freud-Universität. Sie ist Autorin zahlreicher Bücher und der wöchentlichen Kolumne “Lust &amp; Liebe” in der KRONE. 2009 wurde sie mit dem Sachbuchpreis „Buchliebling 2009“ ausgezeichnet.<br />
<strong>Dr. Walter Hoffmann</strong> ist Psychoanalytiker, Klinischer Psychologe sowie Gesundheits-, Wirtschafts- und Arbeitspsychologe. Er leitet das Institut für Angewandte Tiefenpsychologie und ist Autor mehrerer erfolgreicher Sachbücher.</p>
<p><a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3902729392">Bestellen?</a></p>
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		<title>Die Fähigkeit zur Transformation: Trauma-Heilung</title>
		<link>http://www.pharmacon.net/2011/08/trauma-heilung-1/</link>
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		<pubDate>Wed, 10 Aug 2011 11:36:43 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Viel zu lange hat die europäische Wissenschaft Körper und Geist getrennt wahrgenommen. Peter Levin, einer der bekanntesten Traumaforscher, spricht von einer &#8220;undifferenzierten und verschmolzenen Einheit von Körper und Geist&#8221;. Dabei geht es ihm weniger um Philosophie als um Wissenschaft und neuere neurophysiologische oder auch psychoneuroimmunologische Studien, die diese Einheit bestätigen&#8230; &#8230; &#8220;Alles, was die Handlungsfähigkeit des Körpers steigert, verringert, einschränkt oder erweitert, steigert, verringert, beschränkt oder erweitert auch die Handlungsfähigkeit des Geistes. Und alles, was die Handlungsfähigkeit des Geistes steigert, verringert, beschränkt oder erweitert, steigert, verringert, beschränkt oder erweitert auch die Handlungsfähigkeil des Körpers&#8221;&#8230; Baruch Spinoza (1632-1677) Laura Perls, die Begründerin der Gestalttherapie, brachte es einmal auf eine einfache Formel, als sie betonte, man habe keinen Körper, sondern sei ein Körper: &#8220;You are some-body&#8221;, und wenn du keiner bist, dann bist du schnell ein &#8220;no-body&#8221;. Peter Levin erforscht die Mysterien des Traumas und der PTBS (Posttraumatischen Belastungsstörung) seit drei Jahrzehnten und wenn dies auch eine Konfrontation mit unsäglichen Qualen und &#8220;schrecklichem Wissen&#8221; ist, faszinierte ihn auch  die komplizierte Beziehung des Themas zu Naturwissenschaften, Philosophie, Mythologie und Kunst. Wie die frühen Gestaltherapeuten fühlt auch Levin sich dem Erbe von Wilhelm Reich, Ida Rolf u.a. verpflichtet. Dieser humanistischer und ganzheitliche Ansatz half [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Viel zu lange hat die europäische <a href="http://www.pharmacon.net/2011/01/psychiatrie-1/">Wissenschaft</a> Körper und Geist getrennt wahrgenommen. Peter Levin, einer der bekanntesten Traumaforscher, spricht von einer &#8220;undifferenzierten und verschmolzenen Einheit von Körper und Geist&#8221;. Dabei geht es ihm weniger um Philosophie als um Wissenschaft und neuere neurophysiologische oder auch psychoneuroimmunologische Studien, die diese Einheit bestätigen&#8230;<span id="more-3463"></span></p>
<p style="text-align: right;"><span style="font-size: x-small;"><em>&#8230; &#8220;Alles, was die Handlungsfähigkeit des Körpers steigert, verringert, einschränkt oder erweitert, steigert, verringert, beschränkt oder erweitert auch die Handlungsfähigkeit des Geistes.<br />
Und alles, was die Handlungsfähigkeit des Geistes steigert, verringert, beschränkt oder erweitert, steigert, verringert, beschränkt oder erweitert auch die Handlungsfähigkeil des Körpers&#8221;&#8230;<br />
Baruch Spinoza (1632-1677)</em></span></p>
<p><a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3922026915"><img class="alignright" src="http://ecx.images-amazon.com/images/I/41BXCJCN5AL._SL210_.jpg" alt="" width="144" height="210" /></a>Laura Perls, die Begründerin der Gestalttherapie, brachte es einmal auf eine einfache Formel, als sie betonte, man habe keinen Körper, sondern sei ein Körper: &#8220;You are some-body&#8221;, und wenn du keiner bist, dann bist du schnell ein &#8220;no-body&#8221;.</p>
<p>Peter Levin erforscht die Mysterien des Traumas und der PTBS (Posttraumatischen Belastungsstörung) seit drei Jahrzehnten und wenn dies auch eine Konfrontation mit unsäglichen Qualen und &#8220;schrecklichem Wissen&#8221; ist, faszinierte ihn auch  die komplizierte Beziehung des Themas zu Naturwissenschaften, Philosophie, Mythologie und Kunst.</p>
<p>Wie die frühen Gestaltherapeuten fühlt auch Levin sich dem Erbe von Wilhelm Reich, Ida Rolf u.a. verpflichtet. Dieser humanistischer und ganzheitliche Ansatz half ihm, den Sinn des Leidens zu verstehen. Und so schwört auch Levin die Macht der Gegenwart, wenn er sagt: &#8220;<strong>Die Vergangenheit spielt für uns keine Rolle, wenn wir lernen, in der Gegenwart präsent zu sein.</strong> Jeder Augenblick entfaltet dann sein kreatives Potential.&#8221;</p>
<p>Traditionell werden Traumata als Störungen geistiger Prozesse verstanden und auch wenn Medizin und Psychologie inzwischen die Wichtigkeit der Beziehung zwischen Geist und Körper bestätigen, wird deren Bedeutung bei der Heilung von Traumata noch immer stark unterschätzt und findet in unserem modernen Verständnis des Traumas und seiner Behandlung fast keine Beachtung.</p>
<p>Zwischen Geist und Körper findet, z.T. vermittelt durch Neuropeptid-Botenstoffe, eine äußerst komplizierte wechselseitige Kommunikation statt. Demnach kann man sagen, dass jedes Organ des Körpers, einschließlich des Gehirns, eigene &#8220;Gedanken&#8221;, &#8220;Gefühle&#8221; und &#8220;Eingebungen&#8221; hat und diese Phänomene auch bei den jeweiligen anderen zur Kenntnis nimmt.</p>
<p>Jenseits der heute so verbreiteten mechanistischen und reduktionistischen Sicht des Lebens existiert also ein wahrnehmender, fühlender, wissender und lebender Organismus. Dieser lebende Körper, der uns mit allen fühlenden Wesen verbindet, informiert uns über unsere angeborene Fähigkeit, von den Auswirkungen eines Traumas zu genesen.</p>
<blockquote><p>&#8230;&#8221;Die meisten Traumatherapien wenden sich mit sprachlichen Mitteln an den Geist und beeinflussen mit Medikamenten dessen Moleküle. Beide Ansätze können nützlich sein. Doch wird die vollständige <strong>Heilung eines Traumas niemals gelingen, wenn nicht gleichzeitig die wichtige Rolle, die der Körper selbst bei der Entstehung dieser Störung spielt</strong>, gesehen und in die Betrachtung einbezogen wird. Wir müssen herausfinden, was bei der Entstehung eines Traumas mit unserem Körper geschieht, und wir müssen seine zentrale Bedeutung bei der Heilung der Traumafolgen erkennen&#8221;, so Peter Levin in einem seiner ersten Bücher*, in dem er sich intensiv mit der &#8220;Weisheitsgabe, die wir empfangen, wenn wir lernen, die ehrwürdigen, ursprünglichen und intelligenten Energien unseres Körpers zu nutzen und zu transformieren&#8221; befasst: &#8220;<strong>Gelingt es uns, die zerstörerische Kraft des Traumas zu überwinden, erhebt unser angeborenes Potential uns in neue Höhen der Meisterschaft und des Wissens</strong>&#8220;.</p></blockquote>
<p>Nach Levin müssen Traumata keine lebenslängliche Strafe sein. Für ihn sind sie nicht nur &#8220;heilbar&#8221;, sie können sogar transformierend wirken. Er zählt sie zu den &#8220;wichtigsten Kräften der menschlichen Entwicklung, des psychischen, sozialen und spirituellen Erwachens&#8221;.</p>
<p><em>Der Autor:</em></p>
<p><a href="http://www.amazon.de/s?ie=UTF8&amp;ref_=rdr_ext_aut&amp;index=books&amp;field-author=Peter%20A.%20Levine#?_encoding=UTF8&amp;site-redirect=de&amp;tag=buchundjudenhaga&amp;linkCode=ur2&amp;camp=1638&amp;creative=19454">Peter Levine</a>, Ph.D., Biologe, Physiker und Psychologe, widmet sich seit 35 Jahren dem Studium von Stress und Trauma und ist einer der anerkanntesten Trauma-Spezialisten weltweit. Nach seinem Bestseller Das Erwachen des Tigers (<a href="http://www.synthesis-verlag.com/">Synthesis Verlag</a>) und seinem Grundlagenwerk über Traumaheilung bei Kindern und Jugendlichen (Kösel 2005, über 5000 verkaufte Exemplare) erschienen noch weitere Bücher auf Deutsch. Seine Methode <a href="http://www.somatic-experiencing.de/">Somatic Experiencing</a> unterrichtet er in vielen Ländern. Zusätzlich zu seiner fachlichen Tätigkeit stellt er sich für die Basisarbeit in Gemeinschaften und Gesellschaften, die durch Krieg oder Naturkatastrophen traumatisiert worden sind, beratend und leitend zur Verfügung.</p>
<p><em>Das Buch:</em><br />
*) <a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3922026915">Peter a. Levine: Trauma-Heilung &#8211; Das Erwachen des Tigers</a></p>
<p>Im Gegensatz zur allgemein verbreiteten Sicht können Traumata geheilt werden. In vielen Fällen sind dazu nicht einmal langwierige Therapien, kein schmerzhaftes Reaktivieren von Erinnerungen und keine Dauermedikation erforderlich. Wir müssen verstehen, daß es weder notwendig noch möglich ist, Ereignisse, die in der Vergangenheit liegen, zu verändern. Alte Traumasymptome sind Beispiele für gebundene Energie und vergessene Lektionen des Lebens. Die Vergangenheit spielt für uns keine Rolle, wenn wir lernen, in der Gegenwart präsent zu sein. Jeder Augenblick entfaltet dann sein kreatives Potential.<br />
Mit der Information und den Hilfsmitteln, die Ihnen dieses Buch an die Hand gibt, können Sie vermeiden, daß potentiell traumatische Erfahrungen ihre destruktive Wirkung entfalten, und besser mit bedrohlichen Situationen umgehen. In vielen Fällen ermöglichen die hier vorgestellten Methoden auch, die Symptome älterer Traumata in bereichernde Lebenserfahrungen umzuwandeln.</p>
<p><a href="http://www.amazon.de/s?ie=UTF8&amp;ref_=rdr_ext_aut&amp;index=books&amp;field-author=Peter%20A.%20Levine#?_encoding=UTF8&amp;site-redirect=de&amp;tag=buchundjudenhaga&amp;linkCode=ur2&amp;camp=1638&amp;creative=19454">Peter Levine bei amazon.de</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="https://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buchundjudenhaga&amp;l=ur2&amp;o=3" alt="" width="1" height="1" border="0" /></p>
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		<title>Gestalt-Traumatherapie: Vom Überleben zum Leben</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Mar 2011 21:14:05 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Psychotherapie]]></category>
		<category><![CDATA[Depression]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Präsentation theoretischen und praktischen Wissens von Gestaltherapeutlnnen, die mit traumatisierten Menschen arbeiten, erscheint uns gerade zu einem Zeitpunkt besonders wichtig, da einerseits immer mehr manualisierte Herangehensweisen vorgelegt werden, die suggerieren, auch unerfahrene Psychotherapeutinnen könnten mit schwer Traumatisierten arbeiten, wenn sie nur das Manual einhielten, andererseits eine Überwindung des starren Anhaftens an Therapieschulen und Methoden in Aussicht ist, die sich zunehmend am dringenden Bedarf der Betroffenenen orientiert&#8230; Aus dem Vorwort zu Gestalt-Traumatherapie &#8211; Vom Überleben zum Leben Mit traumatisierten Menschen arbeiten Also &#8211; noch ein Buch über Traumatherapie? Die Statistiken sind fatal. Etwa 30 Prozent der Kinder, die unter schweren Lebensereignissen oder suboptimaler Versorgung litten, erkranken im Laufe ihres Lebens an einer majoren Depression, nicht erst im Erwachsenenalter, sondern schon als Kinder oder als Jugendliche. Und das ist nur eine mögliche Traumafolgestörung. Jede Form der Traumafolgestörung stellt einen Versuch dar, mit dem traumatisierenden Ereignis und den Schäden, die es angerichtet hat, zurechtzukommen. Jede einzelne stellt einen Versuch dar, eine unterbrochene Handlung zu Ende zu bringen, eine Gestalt zu schließen. Man könnte sagen, Gestalttherapie ist aus diesem Grund genuin Traumatherapie. Wolfgang Wirth belegt dies in seiner Darstellung der Lebens- und Traumageschichte von Fritz Perls auf eindrucksvolle Weise. Im Herbst 2007 fand [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Präsentation theoretischen und praktischen Wissens von Gestaltherapeutlnnen, die mit traumatisierten Menschen arbeiten, erscheint uns gerade zu einem Zeitpunkt besonders wichtig, da einerseits immer mehr manualisierte Herangehensweisen vorgelegt werden, die suggerieren, auch unerfahrene Psychotherapeutinnen könnten mit schwer Traumatisierten arbeiten, wenn sie nur das Manual einhielten, andererseits eine Überwindung des starren Anhaftens an Therapieschulen und Methoden in Aussicht ist, die sich zunehmend am dringenden Bedarf der Betroffenenen orientiert&#8230;<span id="more-3216"></span></p>
<p><em>Aus dem Vorwort zu <a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3897979012">Gestalt-Traumatherapie &#8211; Vom Überleben zum Leben</a><br />
Mit traumatisierten Menschen arbeiten</em></p>
<p><strong>Also &#8211; noch ein Buch über Traumatherapie?</strong></p>
<p>Die Statistiken sind fatal.<br />
Etwa 30 Prozent der Kinder, die unter schweren Lebensereignissen oder suboptimaler Versorgung litten, erkranken im Laufe ihres Lebens an einer majoren Depression, nicht erst im Erwachsenenalter, sondern schon als Kinder oder als Jugendliche. Und das ist nur <em>eine</em> mögliche Traumafolgestörung.<br />
Jede Form der Traumafolgestörung stellt einen Versuch dar, mit dem traumatisierenden Ereignis und den Schäden, die es angerichtet hat, zurechtzukommen. Jede einzelne stellt einen Versuch dar, eine unterbrochene Handlung zu Ende zu bringen, eine Gestalt zu schließen.</p>
<p>Man könnte sagen, Gestalttherapie ist aus diesem Grund genuin Traumatherapie.</p>
<p>Wolfgang Wirth belegt dies in seiner Darstellung der Lebens- und Traumageschichte von Fritz Perls auf eindrucksvolle Weise. Im Herbst 2007 fand in Wien eine Ausstellung zu Leben und Werk <a href="http://www.hagalil.com/archiv/2007/11/reich-0.htm">Wilhelm Reichs</a> statt. Auch dies eine Traumageschichte, von Bedeutung durch das Erkennen der Wichtigkeit des Körpergedächtnisses für die Aufrechterhaltung der seelischen Belastung.</p>
<p>Viele Gestalttherapeutinnen arbeiten in ihrer täglichen Praxis mit traumatisierten Menschen. Wenig ist bisher publiziert worden, wie sie dies tun und wie sie sich in ihrer Arbeit theoretisch und methodisch auf die Gestalttherapie beziehen.</p>
<p>Bekannt sind die Arbeiten von Butollo und seinen Kolleginnen (z.B. Butollo et al. 1998 und 2003) zum Umgang mit traumatischen Folgen durch Krieg.<br />
Imke Deistler und Angelika Vogler legten 2005 ein Buch zur therapeutischen Begleitung von schwer traumatisierten Menschen vor, welches<br />
zugleich eine Einführung in das Verständnis der dissoziativen Identitätsstörung abgibt. Sie reflektieren dieses Störungsbild aus der Sicht der Gestalttherapie und zeigen Therapiemöglichkeiten auf aus ihrer Arbeit mit Opfern sexueller Gewalt.</p>
<p>Eine weitere Möglichkeit der Traumatisierung wurde 2006 von Michaela Pröpper thematisiert: Die traumatisierenden Folgen einer Krebsdiagnose.<br />
Neben diesen größeren Publikationen ist eine Reihe kleinerer Beiträge erschienen, auf welche in diesem Band Bezug genommen wird. Weiter wird die Notwendigkeit deutlich gemacht, sich verschiedene Sichtweisen und Techniken anderer Methoden zunutze zu machen, um die Patientinnen optimal zu behandeln. Mit diesem Buch wollten wir Gestaltherapeutlnnen Gelegenheit geben, aus ihrer Praxis zu berichten. Wir wollen damit die theoretische Diskussion wie auch den Austausch über Praxiserfahrungen in der Arbeit mit traumatisierten Menschen anregen und beleben. Die meisten Autorinnen schauen in Theorie und Praxis auch über den »Tellerrand«. Sie beziehen sich nicht nur auf die Gestalttherapie sondern auch auf den aktuellen Forschungsstand der Traumatherapie. Stabilisierende Vorgehensweisen und Techniken sind grundlegend für jede psychotherapeutische Methode, und die Sammlung imaginativer Techniken, die Luise Reddemann vorgelegt hat, ist ein wertvolles Schatzkästchen für all jene, die beim gestalttherapeutischen Experimentieren Unterstützung suchen.<br />
Alle Autorinnen dieses Bandes arbeiten in unterschiedlicher und beeindruckender Weise eine Verankerung mit der Theorie und den Konzepten der Gestalttherapie heraus und zeigen, wie gut diese sich eignet, um mit traumatisierten Menschen zu arbeiten. Sie fördern damit die gestalttherapeutische Theoriebildung.<br />
Wir wollen in diesem Band einerseits den aktuellen Wissensstand widerspiegeln, andererseits Einblick in die individuellen gestalttherapeutischen Vorgangsweisen der Autorinnen geben und schließlich ermutigen, auf der Basis gestalttherapeutischen Grundverständnisses von Annahme, Kontakt und Stütze Anregungen für die Behandlung der wachsenden Personengruppe mit diagnostizierten Traumafolgestörungen zu bieten.</p>
<p>Den Auftakt macht <strong>Wolfgang Wirth</strong> mit einer überblicksartigen Aufarbeitung der theoretischen Anknüpfungspunkte zu einer gestalttherapeutischen Konzeption der Traumatherapie. Spannend sind u.a. seine biografischen Ausführungen zu Fritz Perls, welche ihn als durch Kriegserlebnisse und familiäre Gewalt Traumatisierten darstellen, was wesentlichen Einfluss auf die Konzeption der Gestalttherapie hatte. Sie enthält, wie anhand einer genauen Durchsicht von Gestalttherapie (Perls et al 2006) gezeigt wird, schon in ihrer originären Konzeption wesentliche Elemente und Stützen zu einer Traumatherapie. Wirth arbeitet mit Hörgeschädigten und rundet seinen Beitrag mit einer Fallvignette über eine gehörlose Frau ab, die miterlebte, wie ihre Freundin von einer Lawine erfasst und getötet wurde. Bemerkenswert ist, dass die Therapie in der Gebärdensprache erfolgt.</p>
<p><strong>Anja Jossen</strong> präsentiert in ihrem Beitrag ein eindrückliches Fallbeispiel einer Überlebenden eines Gemetzels aus dem Kosovokrieg. Es gelang der Frau, in die Schweiz zu flüchten und dort um Asyl anzusuchen, welches ihr im Behandlungszeitraum auch gewährt wurde, was mit zu einer Stabilisierung beitrug. Jossen gelingt es, hautnah zu schildern, was passiert war, wie der Therapieprozess verlief und den Beitrag durch gestalttheoretische Reflexion zu bereichern. Der Artikel wird abgerundet durch die Schilderung eines Treffens fünf Jahre nach Abschluss der Therapie. Erwähnenswert ist, dass in dieser Therapie einer aus einer anderen Kultur stammenden Patientin aus sprachlichen Gründen immer eine Drittperson als Übersetzerin mitwirkte. Das gehört nicht selten zu den Therapiebedingungen in der Arbeit mit Fremdsprachigen, mit Asylsuchenden, und diese sind häufig traumatisiert.</p>
<p>Im anschließenden Beitrag interviewt <strong>Almut Ladisich-Raine</strong> den bekannten Psychologieprofessor <strong>Willi Butollo</strong> aus München. Butollo wirkte im Auftrag der UNICEF während des Bosnienkrieges an einem Projekt mit, welches bosnische Psychotherapeutinnen zur Arbeit mit traumatisierten Kriegsopfern befähigen sollte. Er führt aus, wie er als kriegsunversehrter Deutscher, ohne wirkliche Erfahrung in der Therapie Kriegstraumatisierter, keine billigen Therapierezepte anzubieten hatte, sondern in dialogischer Weise gemeinsam mit den Beteiligten erarbeitete, welche Unterstützung sie brauchten. Was er zu bieten hatte, waren generelle Kenntnisse aus der Traumatherapie, was die einheimischen Therapeutinnen zu bieten hatten, war deren eigene Erfahrung als vom Krieg Geprägte. Gemeinsam konnten Wege zur therapeutischen Bewältigung gefunden werden. Die Würdigung der Bosnier als Experten auf gleicher Ebene ermöglichte eine Begegnungsqualität, welche für sich heilend war und einer gestalttherapeutischen Haltung entspricht. Deutlich wird im Interview, dass es bei den bosnischen Therapeutinnen keine Unterscheidung gab zwischen unbetroffenem Helfer und betroffenem Patienten. Alle waren sie traumatisiert und geprägt von ihrer je eigenen Kriegserfahrung und familiären Verlusten. Das ergab eine besondere Grundlage für die therapeutische Arbeit, für Abgrenzungen zwischen dem Erleben von Therapeutin und Patientin und die Psychohygiene der Therapeutinnen.</p>
<p>Ladisich-Raine war nach dem Krieg als Ausbildnerin in Kroatien tätig und hat dort auch erlebt, wie die auszubildenden Therapeutinnen immer zugleich auch Betroffene des Kriegs waren.</p>
<p><strong>Irena Besic</strong> ist Gestalttherapeutin und Psychiaterin aus Kroatien. Sie war am Projekt Butollos in Bosnien beteiligt wie auch am gestalttherapeutischen Ausbildungsgang, in welchem Ladisich-Raine mitwirkte. Sie erlebte die Kriegszeit und die Nachkriegszeit in einer Doppelrolle als professionelle Helferin und Betroffene. Sie leistete in manchen der neuen Staaten professionelle Hilfe im Umgang mit schweren Traumafolgen. Ihr kurzer Erfahrungsbericht lässt erahnen, wie nachhaltig diese Folgen sind und wie prägend auch für die Therapeutinnen.<br />
<strong></strong></p>
<p><strong>Colette Jansen Estermann</strong> berichtet über die Therapie eines durch sexuelle Gewalt traumatisierten Mannes im bolivianischen Hochland. Sie reflektiert dabei auch eine aus feldtheoretischer Sicht wichtige Dimension, die der strukturellen Gewalt.<br />
Sie zeigt auf, wie gesellschaftliche Machtverhältnisse, insbesondere in Ländern mit großer Armut, durch strukturelle Gewalt &#8211; im Sinne Johan Galtungs &#8211; Traumatisierungen im familiären, kirchlichen und behördlichen Rahmen begünstigen. Aber auch wie die Permanenz struktureller Gewalt (z.B. keine Aussicht auf Arbeit und Teilhabe an gesellschaftlichen Werten, Bedrohung durch militärische und paramilitärische Truppen) dauerhafte psychische Veränderungen bewirkt, die die Menschen überhaupt erst in die Lage versetzen, ihre Situation zu ertragen.</p>
<p>Eine weitere sehr anschauliche und theoretisch gut reflektierte Fallgeschichte präsentiert <strong>Rotraud Kerner</strong>. Es handelt sich um die Schilderung der stabilisierenden Therapie einer traumatisierten Frau, welche wiederholt sexuelle Gewalt im Familienkontext erlebt hatte und eine Dissoziative Identitätsstörung entwickelte. Kerner verbindet Stabilisierungstechniken, die sie bei Reddemann, Sachsse und Huber fand, und das Ego-state-Konzept (Systemische Therapie mit der inneren Familie, vergleichbar dem Konzept der Selbst-Anteile in der Gestalttherapie) mit der Haltung, den Prinzipien und Techniken der Gestalttherapie. Sie zeigt, wie ein nachhaltiger Therapieerfolg im Hinblick auf ein befriedigendes Alltagsleben auch durch die konsequente Verwendung von Stabilisierungstechniken allein erreicht werden kann, ohne dass Traumaexposition sich je als erforderlich zeigt.</p>
<p>Da viele Traumatisierungen bereits im Kindesalter erfolgen, schien uns ein Beitrag über die Traumabehandlung bei Kindern und Jugendlichen unentbehrlich. <strong>Thomas Schön</strong> arbeitet seit vielen Jahren in freier Praxis und in einer therapeutischen Wohngemeinschaft mit Kindern und Jugendlichen. Er zeigt die Wichtigkeit einer frühen Traumabehandlung im Kindesalter auf, gibt Fallvignetten und reflektiert diese auf gestalttherapeutischem Theoriehintergrund. Wichtig auch sein Exkurs zu Psychohygiene von Helfenden.</p>
<p>Mit der Präsentation des »Luziden Träumens« als Therapieansatz für den Umgang mit Albträumen offeriert <strong>Brigitte Holzinger</strong> einen Ansatz, wie auch Albträume im Zusammenhang mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung von der träumenden Person beeinflusst werden können, so dass eine symptommildernde, stabilisierende Wirkung erreicht wird.</p>
<p>Der Band wird abgerundet mit einem Beitrag von <strong>Beatrix Wimmer</strong> zu genderspezifischen Bewältigungsstrategien von traumatisierenden Gewalterfahrungen aus der Sicht gestalttherapeutischer Theorie.</p>
<p><strong>Bestellen: <a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3897979012">Gestalt-Traumatherapie &#8211; Vom Überleben zum Leben</a><br />
Mit traumatisierten Menschen arbeiten</strong></p>
<p>Das Buch sei allen Patientinnen und Patienten gewidmet, denen wir eine Fülle an Erfahrungen und eine wesentliche Verbesserung unserer Kenntnisse verdanken und all den Helfenden, die mit traumatisierten Menschen arbeiten.<br />
<em>Heide Anger und Peter Schulthess<br />
Wien und Zürich, Januar 2008</em></p>
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		<title>Erinnerungen an Laura Perls: Leben an der Grenze</title>
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		<pubDate>Tue, 11 Jan 2011 17:50:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gestalt]]></category>
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		<category><![CDATA[Psychoanalyse]]></category>
		<category><![CDATA[Psychologie]]></category>
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		<description><![CDATA[Wer war Lore Perls? Kennengelernt habe ich sie 1978 in einem Seminar und habe mich dann gleich für ein weiteres angemeldet. So gewann ich ihr Vertrauen, einige Seminare für sie in Düsseldorf zu organisieren, und so habe ich sie auch gleich von der praktischen Seite her kennengelernt. Ich fing an, Dinge zu lesen, die sie mir empfahl, und da sie in dieser Zeit regelmäßig in Deutschland war, um sich zu erholen, ihre Heimatstadt Pforzheim zu besuchen und in den Alpen Urlaub zu machen, hatten wir jedes Jahr Gelegenheit, uns zu sehen, und ich habe kein Jahr ausgelassen&#8230; Dr. Kristine Schneider Zugute kam mir meine Freundschaft mit Anna und Milan Sreckovic, wo sie aufs großzügigste untergebracht war und mit denen sie oft wochenlang in Köln lebte. Meine Legitimation, über sie persönlich zu berichten, bezieht sich daher auf ihre späten Lebensjahre, und all das, was ich aus früheren Zeiten über sie weiß, weiß ich durch Berichte, die sie selbst gegeben hat, aus Interviews und Berichten von Freunden. Erv Polster, bei dem ich gelernt habe, hatte mich sehr neugierig auf sie gemacht. Immer wenn er von ihr und von seinem Lernen in ihrem Institut in Cleveland sprach, bekam sein Mund so einen amüsanten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wer war Lore Perls? Kennengelernt habe ich sie 1978 in einem Seminar  und habe mich dann gleich für ein weiteres angemeldet. So gewann ich ihr  Vertrauen, einige Seminare für sie in Düsseldorf zu organisieren, und  so habe ich sie auch gleich von der praktischen Seite her kennengelernt.  Ich fing an, Dinge zu lesen, die sie mir empfahl, und da sie in dieser  Zeit regelmäßig in Deutschland war, um sich zu erholen, ihre Heimatstadt  Pforzheim zu besuchen und in den Alpen Urlaub zu machen, hatten wir  jedes Jahr Gelegenheit, uns zu sehen, und ich habe kein Jahr  ausgelassen&#8230;<span id="more-2979"></span></p>
<p><em>Dr. Kristine Schneider</em></p>
<p>Zugute  kam mir meine Freundschaft mit Anna und Milan Sreckovic, wo sie aufs  großzügigste untergebracht war und mit denen sie oft wochenlang in Köln  lebte. Meine Legitimation, über sie persönlich zu berichten, bezieht  sich daher auf ihre späten Lebensjahre, und all das, was ich aus  früheren Zeiten über sie weiß, weiß ich durch Berichte, die sie selbst  gegeben hat, aus Interviews und Berichten von Freunden. Erv Polster, bei  dem ich gelernt habe, hatte mich sehr neugierig auf sie gemacht. Immer  wenn er von ihr und von seinem Lernen in ihrem Institut in Cleveland  sprach, bekam sein Mund so einen amüsanten Ausdruck. Er sprach sehr  achtungsvoll und heiter von ihr, und ich dachte mir, eine Frau, von der  solch ein Mann so nett spricht, muß ich kennenlernen. Ganz abgesehen von  ihrem Beitrag zur Gestaltpsychotherapie, der Humanisierung der Gestalt.  Das ist auch Lore Perls&#8217; Verdienst, das inzwischen bekanntgeworden ist.</p>
<p>Anderes ist weniger bekannt. &#8220;<a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3779500310">Meine Wildnis ist die Seele des  anderen</a>&#8221; ist gleichzeitig Lores Liebeserklärung an ihren guten Freund  und Schüler, Paul Goodman. Für ihn waren nämlich unsere Straßen die  &#8220;Wildnis&#8221;, und Lore Perls hat in Analogie zu seinem Denken die Seele zu  ihrer Wildnis erklärt, wo sie abenteuern und explorieren konnte, soviel  sie wollte, und ihre häuslichen Pflichten hat sie immer nebenbei  erledigt.</p>
<p>Eine ideale Kombination. Aber sie war auch widersprüchlich, denn sie  sagte: &#8220;Therapie kann man lernen, nicht lehren.&#8221; Das war ihre  Überzeugung. Trotzdem bildete sie über vier Jahrzehnte Therapeuten  heran. Gemeinsam mit ihrem Mann, Fritz Perls, entwickelte und erprobte  sie ein neues, psychodynamisches System existentieller Psychotherapie.  Gemeinsam mit ihm, und dennoch blieb sie hinter den Kulissen. In den  fünfundzwanzig Jahren ihrer Zusammenarbeit reiften Inhalt und Form der  Gestalttherapie, die sich zunächst als Revision der Freudschen  Widerstandstheorie verstand, sich mit Beginn der fünfziger Jahre  emanzipierte und unter einer Bezeichnung, die sie selber gar nicht  unterstützte &#8211; Gestalttherapie &#8211; Weltgeltung erhielt. Wieso stand sie  als Mitbegründerin der Methode so lange im Schatten ihres berühmten  Mannes und eines berühmten Freundes?</p>
<p>Mittlerweile zeichnet sich der Beitrag, den sie für die Entwicklung  geleistet hat, zusehends deutlicher ab. Und so verstehe ich auch meinen  Vortrag, denn es gibt Dinge, die sieht man nicht auf den ersten Blick.  Das war etwas Wesentliches an Lore. Erstens sah sie Dinge, die andere  auf den ersten Blick nicht sehen, und zweitens verbarg sie sich vor dem  sogenannten ersten Blick. Man mußte schon genauer hinschauen, um sie zu  entdecken. Vielleicht ist das im Zusammenhang mit Miriam Polster besser  zu verstehen, die sich in ihrem Buch &#8220;<a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3926176547">Evas Töchter, Frauen als heimliche  Heldinnen</a>&#8221; (EHP 1994) über den weiblichen Heroismus Gedanken gemacht  hat: Es gibt ihn eigentlich nicht. Die Öffentlichkeit bevorzugt  männliche Helden. Die weibliche Heldin ist auch kein Archetypus, also  gibt es keine große gesellschaftliche Empfänglichkeit für eine Frau, die  etwas Großes leistet. Und gerade die Generation von Lore Perls, das  werden wir noch an ihrem Werdegang sehen, hatte wenig, wenn überhaupt  Vorbilder dafür, in der Öffentlichkeit Leistung zu zeigen.</p>
<p>Längst hat sie von ihren Schülern und in der Öffentlichkeit den Platz  erhalten, der ihr aufgrund ihrer Verdienste zusteht, fernab aller  kleinlichen Rivalitätsüberlegungen. In der genialen Unordnung, welche  die geistige Welt von Fritz Perls kennzeichnete, wurde sie durch ihre  Stetigkeit, Klarheit und ihren Ordnungssinn zum unverzichtbaren  Gegengewicht. &#8211; Lore, die Frau von Fritz Perls? Das Bild trügt. Ihr  Selbstverständnis kam aus einer anderen Richtung. Der große Auftritt war  nie ihre Sache. Der Brillanz des Augenblicks erlag sie nicht. Man  begegnete ihr nicht erst, nachdem man heilige Hallen durchquert hatte.  Sie bevorzugte das Unauffällige, die Arbeit im Kleinen, die Erforschung  und den Aufbau des Verhaltens, Details. Ihre Arbeitsweise besaß die  Vertrautheit des Alltäglichen und bot die Sicherheit verläßlicher  Zuwendung und Freundschaft.</p>
<p>Als Fritz Perls zur Westküste ging, führte sie das New Yorker  Gestaltinstitut weiter und prägte es in ihrem Sinne. Ihre  Eigenständigkeit, sagt Jerry Kogan, ist für alle unübersehbar, die Lore  und Fritz in ihrer Arbeit erlebt haben. Lore verfügte über eine  unverwechselbare eigene Handschrift, und dazu bekannte sie sich Zeit  ihres Lebens.</p>
<p><span style="font-size: medium;"><strong>Die 1920er Jahre in Deutschland</strong></span></p>
<p>Ihre therapeutische Laufbahn begann bei der Psychoanalyse. Den  Anstoß, sich damit zu befassen, erhielt sie aus Gesprächen, die Fritz  mit einem Freund führte, der sich wie er in einer Lehranalyse befand.  Die Fachsimpeleien der beiden weckten in ihr den Wunsch, mehr davon zu  verstehen. Mit einundzwanzig Jahren war sie Fritz in einer Vorlesung von  Professor Gelb an der Frankfurter Universität begegnet. Schlagartig  erlag sie der Faszination, die er auf Menschen ausübte, die näher mit  ihm in Berührung kamen. Die lerneifrige Studentin aus der Kleinstadt  Pforzheim, Tochter begüterter und hochgebildeter jüdischer Eltern,  verliebte sich in den Mann von Welt. Das Jurastudium, das sie auf  Anraten einer gestandenen Frauenrechtlerin aufgenommen hatte, gab sie  auf, als sie entdeckte, daß sie sich eigentlich nur für die  psychologischen Aspekte der Juristerei interessierte, und wendete sich  dem Studium der Psychologie zu.</p>
<p>Männer mit legendärem Ruf lehrten zu jener Zeit in Frankfurt; Gelb,  Goldstein, Wertheimer, beschäftigt mit der aufblühenden Gestalttheorie,  Martin Buber und Paul Tillich, bei denen sie Existenzphilosophie hörte.  Sie wußte das Glück zu schätzen, in einer geistig ungemein anregenden  Atmosphäre zu studieren. Ihr Interesse für Gestalttheorie wurde geweckt.  <a href="http://www.pharmacon.net/2009/08/max-wertheimer/">Max Wertheimer</a>, dessen Lebenseinstellung mehr die eines Künstlers als eines  trockenen Wissenschaftlers war und ihrer eigenen künstlerisch gefärbten  Intellektualität entsprach, war ihr Favorit.</p>
<p>Von der Spannung, welche die Vorbereitungen zur Veröffentlichung  seines Buches, &#8220;Produktives Denken&#8221;, begleitete, ließ sie sich  einfangen. Ihre Lehrtherapeuten teilte sie mit Fritz. Erst war sie bei  Clara Happel, dann bei Karl Landauer. Aber Gestalttheorie und  Psychoanalyse galten als unverträglich. Lore geriet zwischen die Fronten  von Gestaltschule und Psychoanalyse, an denen heftige Kontroversen,  wissenschaftliche und persönliche, ausgetragen wurden. Die damals mehr  phänomenologisch ausgerichteten Psychoanalytiker hielten nicht viel vom  experimentellen Vorgehen im psychologischen Laboratorium. Wahrscheinlich  kam Lore bereits damals die in den Kontroversen behauptete  Unvereinbarkeit von Psychodynamik, Phänomenologie und Experiment  verdächtig vor.</p>
<p>Zweieinhalb Jahre später behandelte sie in Berlin die ersten eigenen  Patienten in ihrer soeben eröffneten Praxis. Als Kontrollanalytiker  wählte sie Otto Fenichel, bei dem sie etwas Entscheidendes lernte: sich  auf sich selbst zu besinnen. Fenichel erreichte das durch strikte  Zurückhaltung von Kritik und Anregung. Lore, die sich von einer  Kontrollanalyse etwas anderes versprochen hatte, meinte: &#8220;Von seinem  Buch konnte ich mehr aufnehmen als von ihm persönlich.&#8221; Seine orthodoxe  Zurückhaltung war ihr manchmal unverständlich; es gab Momente, in denen  sie dazu neigte, die Stunden für vertane Zeit und Geldverschwendung zu  halten. Aber unfreiwillig zog sie daraus den Gewinn stärkerer  Eigenständigkeit. Sie begann, ihrer eigenen Erfahrung und ihrer  persönlichen Urteilskraft mehr zu vertrauen.</p>
<p>Gestalttheorie, Psychoanalyse und Integration von Erfahrungen prägten  ihr wissenschaftliches Denken. Was sie an künstlerischer Veranlagung  mitbrachte &#8211; sie spielte seit ihrem sechsten Lebensjahr Klavier und  liebte den Tanz -, vervollkommnete sie zu einem therapeutischen  Verständnis von Körper und Bewegung. In dieser Hinsicht verdankt sie  Elsa Grindlers Bewegungstherapie und Alexanders Körperarbeit vieles, was  später unverzichtbarer Bestandteil der Gestalttherapie wurde. Die  Erfahrungen, die sie bei diesen großen Lehrern machte, waren von  praktischem Wert für ihren Umgang mit Patienten und führten zu der  Entdeckung, daß sich mit ihnen mehr machen läßt als zuhören und  interpretieren.</p>
<p><span style="font-size: medium;"><strong>NS-Terror und Exil</strong></span></p>
<p>Der vielversprechende Anfang in Berlin fand 1932 einen jähen Abbruch.  Lore hatte 1930 geheiratet, ihr erstes Kind bekommen und nach kurzer  Unterbrechung ihre Dissertation über visuelle Wahrnehmung bei Wertheimer  beendet. Beruflich und privat stand alles bestens. Doch die politische  Lage machte das Leben von Psychoanalytikern in Deutschland gefährlich.  Fritz stand auf der schwarzen Liste der Nazis. Das Paar zog es vor,  Deutschland rechtzeitig zu verlassen und entschied sich nach einigen  Monaten Zwischenstation in Amsterdam zur Emigration nach Südafrika. Wie  für viele andere Psychoanalytiker, die ihre Heimat verlassen mußten,  setzte sich Ernest Jones auch für sie ein. Jones kümmerte sich rührend  um alle Leute, die in Amsterdam gelandet waren, um sie in die Welt  hinaus zu verteilen. Es gab eine Art Kontingentierung, wer in welches  Land sozusagen &#8220;psychoanalytisch delegiert&#8221; wurde. Und weil die guten  Posten in Amerika, Südamerika und so weiter schon alle weg waren, blieb  Südafrika, das war gar nicht die Wahl der Perls&#8217;. Sie konnten nach  Südafrika, es war ihr Kontin(g)ent &#8211; und Lore konnte kein Wort Englisch.</p>
<p>Johannesburg wurde zur Wahlheimat der kommenden fünfzehn Jahre.  Gemeinsam eröffneten die Perls eine Praxis &#8211; Lore zunächst mit dem  besagten Handicap, kein Englisch zu sprechen &#8211; und zwei Jahre später das  Psychoanalytische Institut, an dem sie Ausbildungen durchführten. Ihr  Wunsch war ein ungestörtes Arbeitsfeld gewesen, und sie fanden, was sie  gesucht hatten, überdies Sicherheit und Freiheit. Angesichts ihrer  Unternehmungslust und der spärlichen Verbindungen mit Europa, unter  denen auch der Kontakt zur Psychoanalytischen Gesellschaft litt, fiel  ihnen das Experimentieren leicht: &#8220;Wir waren wirklich frei und konnten  machen, was wir wollten.&#8221; Ihre wissenschaftlichen Gedankengänge  resultierten in einer Theorie vom oralen Widerstand, die, als Revision  der Freudschen Auffassung gedacht, für beide unerwartet, auf dem  Internationalen Psychoanalytischen Kongreß 1936 in Marienbad zum Eklat  führte. Beide hatten sich mit den Folgen herumzuschlagen, die der  Ausschluß aus der Psychoanalytischen Vereinigung ihnen aufzwang. Das  Institut mußte geschlossen werden; sie gewannen aber den Vorteil, ohne  weitere Vorschriften und Einschränkungen arbeiten zu können und  auszuprobieren, was sie für besser hielten, sowie Begründungen für das  zu suchen, was sie entdeckten. Die Ergebnisse fanden ihre ausführliche  Formulierung in dem Buch &#8220;Ego, hunger and aggression&#8221;, das sie gemeinsam  erarbeiteten. Lore führte heiße Diskussionen mit Fritz, tippte,  ermutigte und gab ihre klaren Einsichten dazu. Die Kapitel &#8220;Dummy  complex&#8221; und &#8220;Insomnia&#8221; stammen ausschließlich von ihr. Fritz, der sich  im schriftlichen Ausdruck schwertat, schätzte ihre Leichtigkeit beim  Formulieren. Im übrigen bestand sie nicht darauf, an dem literarischen  Erfolg des Buches, das 1942 erschien, teilzuhaben, den Ruhm ließ sie  Fritz.</p>
<p>Zu dieser Zeit hatte Lore längst die Couch aus ihrer Praxis verbannt.  Hinter dem Patienten sitzend, hörte sie aufmerksam zu und &#8211; strickte,  um sich vom Rauchen abzuhalten. Der Anforderung von drei Seiten &#8211;  Familie, die um zwei Kinder gewachsen war, Praxis und ein Lebenspartner  von außergewöhnlicher Lebhaftigkeit &#8211; wurde sie gerecht, denn sie war  gewohnt, daß Dinge ihr glatt von der Hand gingen, wenn sie zupackte. In  der engen Zusammenarbeit mit Fritz wurde ihr langsam klar, wie sehr sich  ihr persönlicher Arbeitsstil von seinem abhob, obwohl beide von  denselben theoretischen Begriffen ausgingen. Die letzten Jahre in  Johannesburg, als Fritz schon in New York war und sie seine Praxis  übernommen hatte, gaben ihr dann Gelegenheit, auf ihren eigenen Kurs zu  gehen, der ihrer entgegenkommenden Art, ihrer Geduld und ihrer  Fähigkeit, auf den richtigen Moment zu warten, mehr Raum gewährte.</p>
<p><span style="font-size: medium;"><strong>New York, USA</strong></span></p>
<p>Ihre Eigenständigkeit wurde ihr lieb, und sie behauptete sich, als  Fritz 1951 ihre Mitarbeit im neugegründeten Gestaltinstitut in New York  wünschte: &#8220;Das ist dein Baby, ich will damit nichts zu tun haben&#8221;,  lautete ihre Ablehnung, und sie blieb bei der Arbeit mit ihren  Patienten. Ihre Stetigkeit, die ihr im Zusammenleben mit Fritz schon oft  zugutegekommen war, bewährte sich erneut, als Fritz sich auf den Weg  zur Westküste machte, um im Esalen Institut in Big Sur zu bleiben. Ihr  Gestaltbaby saß derweilen sozusagen auf ihren Knien und verlangte, in  gewissenhafte Obhut genommen zu werden.</p>
<p>In dieser Zeit gewinnt Lore auch nach außen ihre professionelle  Identität. Fünfundzwanzig Jahre lang hatte sie in engster geistiger  Verbindung mit ihrem Mann gelebt, geplant und experimentiert. Nun steht  sie auf eigenen Füßen. Die getrennte Praxis von Lore und Fritz läßt die  stilistischen Unterschiede wachsen. Fritz, beeinflußt von seinen  Theatererfahrungen, ist direktiv. Er bevorzugt die Kontrolle der  Situation und bleibt die dominante Persönlichkeit, die er auch im  Privatleben ist. Lore dagegen entfaltet ihre Permissivität, die  Vertrauen ohne Unterordnung schafft und die Integrität der  Selbstwahrnehmung des Patienten achtet. Mit erstaunlicher  Selbstdisziplin prägt sie ihre persönlichen Stärken zu einer  therapeutischen Haltung.</p>
<p><strong>Therapie versteht sie als den Weg vom Fremdsupport, der Stütze von  außen, zum Selbstsupport, der Unabhängigkeit von fremder Hilfe. Die  Aufgabe der Therapie sieht sie in der Herstellung einer existentiellen  mitmenschlichen Beziehung zwischen dem Therapeuten und seinem Patienten,  in der Nacherziehung und Umerziehung stattfindet.</strong></p>
<p>Hauptstütze dieser therapeutisch ergänzenden &#8220;Pädagogik&#8221; ist der  direkte und vorbehaltlose Kontakt zum Therapeuten, weil durch ihn der  Kontakt des Patienten zu sich selbst erleichtert wird. Selbstsupport ist  wichtig für die fortlaufende Gestaltbildung. Folgerichtig gibt Lore der  therapeutischen Situation mehr Natürlichkeit: &#8220;Ich habe fünfzehn Jahre  lang Analysen durchgeführt und weiß, was es heißt, ohne die Stütze des  Kontakts zu sein. Der Patient bleibt ohne Selbstsupport, erinnert sich  mehr und mehr, bekommt Interpretationen, die er entweder glaubt oder  nicht. Ich saß hinter dem Patienten, er blickte zur Wand. Wie sollte da  ein Dialog aufkommen?&#8221; Also setzt sie sich dem Patienten gegenüber und  wird für ihn Person. Das Kontakt/-Support-Konzept rückt ins Zentrum. Zu  seiner Orientierung darf der Patient sich auf den Raum, die Zeit und  seine Mitmenschen beziehen, das allein gibt schon Stütze. Ihm wird  wirklich zugehört, er wird wörtlich genommen, und anstatt analysiert zu  werden, erhält er Hilfen, die richtigen Ausdrücke, die passenden  Bewegungen, eine gelockerte Körperhaltung zu finden, mit der er sich  stark genug vorkommt, um die Grenzerfahrung einzugehen. Mit ernsten  Vorbehalten notiert Lore die Fixierung mancher Therapeuten in  konfrontativem Vorgehen. Für sie hat übermäßige Konfrontation  antitherapeutischen Stellenwert: &#8220;Das sind Leute, die den Zusammenbruch  suchen, nicht den kalkulierbaren Durchbruch. Einfach zu durchbrechen,  womit jemand sich schützt, ist kurzsichtig.&#8221; Folgerichtig schont sie den  Rest an Selbstsupport, den der Patient mitbringt, einschließlich seiner  Widerstände. Ihre Begründung: &#8220;Eine neue Stütze findet man nicht  sofort&#8221;, und: &#8220;Das Fehlen des wesentlichen Support führt immer in die  Angst.&#8221;</p>
<p>Ihre Art, Gestalttherapie auszuüben, beruht auf einer Reihe klarer  und einfacher Grundsätze &#8211; was nicht heißt, sie wären einfach zu finden  gewesen. Wie alles Einfache &#8211; und Wahre &#8211; forderten sie viele Jahre  disziplinierter Reflexion: nicht überfordern, an der subjektiven  Wahrnehmung des Patienten bleiben, ihn da abholen, wo er sich innerlich  befindet, ihn die eigenen Grenzen erleben und die Dynamik seiner  Grenzziehung durchsichtig werden lassen. Menschen ohne klare Grenzen  sind für Introjektion und Projektion offen und erkennen nicht mehr, wer  sie selbst sind und wer der andere ist, sie haben das Gespür für das  verloren, was in ihrem Leben wirklich wichtig ist.</p>
<p>Wer mit Lore gearbeitet hat, weiß um ihre Fähigkeit, sich Kummer  wirklich angehen zu lassen, ohne ihn zu ihrem eigenen Kummer zu machen,  sich mitzufreuen und mit aufzuregen; alle konnten sie als Freundin  kennenlernen, die manchmal amüsiert, manchmal neugierig und gelegentlich  betroffen war, die jedoch genügend Distanz zum Geschehen hatte, so daß  ihre Einfälle zur Erprobung des Neuen niemals versiegten. Die  Einfachheit ihrer professionellen Grundsätze hat gelegentlich dazu  verführt, sie zur Weltanschauung und zu Patentrezepten zu versimpeln &#8211;  ein Mißverständnis, das Lore stets dazu herausforderte, die Betreffenden  mit ihrer fehlerhaften intellektuellen Verdauung zu konfrontieren.</p>
<p>Domäne ihrer therapeutischen Arbeit war die Gründlichkeit im Detail.  Fern von allem Kulthaften und Quasireligiösen, das &#8211; zu Lores Leidwesen &#8211;  oft in Verbindung mit Gestalttherapie auftritt und sogar damit  verwechselt wurde, betrieb sie eine Therapie von Eleganz, gepaart mit  Nüchternheit; eine Kleinarbeit, die als gelungene Synthese von  Phänomenologie, genauem Hinsehen, Psychodynamik, dem Erfahren der Tiefe  und dem Experiment, das in der geplanten Verhaltensvariation besteht,  anzusehen ist. Schrittweise spürte sie Blockierungen auf und brachte sie  in den Vordergrund der Awareness durch Übertreibung einer der darin  verwickelten Polaritäten, um von da aus Experimente in verschiedene  Richtungen zu entwickeln. Das Experiment befreit die Dynamik, und  umgekehrt trägt die Dynamik das Experimentieren, bis das volle  Kontakterlebnis sich einstellt.</p>
<p><span style="font-size: medium;"><strong>Ausbilderin</strong></span></p>
<p>Für die Ausbildung dreier Generationen von Gestalttherapeuten  zeichnet sie verantwortlich. Viele ihrer Schüler haben sich über die USA  hinaus einen Namen gemacht: Paul Weiss, Isadore From, Erv und Miriam  Polster, Jim Simkin, Edward Rosenfeld, Joseph Zinker und andere. In der  Festzeitschrift für Lore Perls, die das &#8220;Gestalt Journal&#8221; herausgegeben  hat, äußern sich viele, die bei ihr gelernt haben, mit einer  Herzlichkeit, die Lore verdient hat. Bei ihr fanden sie eine  durchgängige Akzeptanz, die besonders dann spürbar wurde, wenn sie sich  selbst nicht im besten Zustand befanden. &#8220;Auf einen Therapeuten muß man  sich verlassen können,&#8221; sagte Lore und meinte damit professionelle  Verläßlichkeit durch persönliche Stärke und durch Behutsamkeit.</p>
<p>1976 gab sie ihre Privatpraxis auf und widmete sich ausschließlich  der Ausbildung. Drei Monate im Jahr ging sie auf Reisen, um Einführungen  in die Gestalttherapie zu geben. In die Ausarbeitung eines Curriculums  für das New Yorker Gestaltinstitut investierte sie viel Zeit und Kraft,  um sicherzustellen, daß die Entwicklung therapeutischer Persönlichkeiten  den Vorrang vor der Beherrschung oder gar Imitation von Techniken  erlangt. <strong>Der Name Gestalttherapie sollte zu einer Garantie werden, daß  dem Patienten nichts angetan wird, was er nicht will und nicht versteht</strong>.  Ein überzeugenderes Bekenntnis zum Humanen läßt sich schwer denken.  Überzeugend auch ihr Kampf gegen die &#8220;undifferenciated acceptance&#8221;, jene  Verflachung, die gleichermaßen der Psychoanalyse widerfuhr, als sie  populär zu werden begann. Enschiedene Gegnerin von Beweihräucherung und  Schlagworten, versuchte sie der &#8220;undiscriminated greediness&#8221;, die sie in  Deutschland lange Zeit gegenüber allem, was aus den USA kam, am Werk  sah, beizukommen durch Seminare, Vorträge und erfreulicherweise auch  wieder durch Veröffentlichungen.</p>
<p>Warum tritt Lore Perls nach allem, was sie für die Entwicklung der  Gestalttherapie geleistet hat, mit solcher Verspätung in den  Vordergrund? Zwei Anhaltspunkte lassen sich anführen: Einerseits wurde  der Ansatz erst durch Fritz Perls seit 1954 an der Westküste weiteren  Kreisen bekannt. Er erhielt den Rang des Vaters der Gestalttherapie,  während Lore in New York außerhalb des Hauptstromes der  Human-Potential-Bewegung weiterarbeitete, die in Kalifornien ihren  Anfang genommen hatte. Andererseits mag die geringe Zahl ihrer  Publikationen dazu beigetragen haben. Von dem, was sie in ihren  Berufsjahren geschrieben hat, veröffentlichte sie leider nur wenig. Ihre  private Praxis und später die Betreuung der Ausbildung am Institut in  New York, dann auch am Institut in Cleveland, nahmen ihre gesamte  Leistungskraft in Anspruch. Vermutlich ließ die Nüchternheit der  Menschen an der Ostküste keine vergleichbare Bewegung zu. Heute, nachdem  sich die Begeisterungswogen allmählich glätten und die Aufmerksamkeit  mehr auf das Studium der Methode als auf die durch sie kreierbaren  Erlebnisse gerichtet ist, kann sie der fachlichen Öffentlichkeit nicht  länger entgehen.</p>
<p>Auf der Konferenz für Gestalttherapie in Boston im Mai 1980 wurde sie  als die Grand Old Lady gefeiert. Wenn ich den Auftrag gehabt hätte,  dort eine Festrede zu halten, wären vier Gesichtspunkte für mich von  zentraler Bedeutung gewesen: Lores souveräne geistige Haltung, ihr  Umgang mit der Theorie, ihr Verhältnis zur Sprache und zum Sprechen und  ihr stilles Engagement.</p>
<p>Theorie war für sie nicht mehr als eine Arbeitshypothese, die sie  beibehielt, solange sie ihr von Nutzen schien. Trotz profunder  Theoriekenntnis hat sie es immer verstanden, sich ein Feld für  schöpferische Betrachtung offenzuhalten. Theorie wurde ihr niemals zum  Korsett, dennoch besaß ihre Betrachtung stets Methode. Dem Theoriefan  begegnete sie mit dem Dichterwort Goethes: &#8220;Grau ist alle Theorie und  grün des Lebens goldner Baum.&#8221;</p>
<p>Sie meinte, auch diese Idee sollte Teil der Theorie werden. Sie hatte  sich im Verdacht, daß sie dann am besten sei, wenn sie gar nicht  merkte, daß sie theoretisierte. Sie interessierte sich weniger für die  Reflexion dessen, was sie gerade tat, sie war völlig in Anspruch  genommen, zum Beispiel vom Wertesystem eines Klienten. Das nahm sie  unter die Lupe. Und dann wurde sie vielleicht besinnlich und fragte:  &#8220;Was geschieht in Resonanz auf mein Wertesystem als Therapeutin?&#8221; So sah  sie Theorie.</p>
<p>Ein Seminarteilnehmer: &#8220;Sie spricht so von Theorie, daß ich beginne,  mich dafür zu begeistern. Nie hätte ich gedacht, daß reine Theorie  spannend sein könnte.&#8221;</p>
<p>Ihre Liebe zur Sprache brachte sie in eine enge Verbindung zum  gesprochenen Wort. Der Fokus der Gestalttherapie auf die Wortwahl des  Patienten zur Entdeckung von Sprachpathologie geht auf die Anregung von  Lore zurück. Ihren sprachlichen Schwerpunkt sah sie allerdings im  Schriftlichen. Sie sagte von sich, sie habe immer besser geschrieben als  gesprochen. Sie schrieb viel, das ist den meisten nicht bekannt; sie  hat ein Leben lang Gedichte und kleine Geschichten geschrieben, und es  existierte ein sogenanntes Köfferchen, das sie immer bei sich hatte und  nie jemandem öffnete. Dieses Köfferchen hat ihre Tochter Renate nach  Lores Tod bei Anna und Milan Sreckovic deponiert; es ist voll mit  kleinen Erzählungen. Vielleicht lernen wir sie noch einmal kennen. Lore  benutzte jedes Wort ästhetisch, und sie benutzte die Sprache nicht als  Vorteil, sondern als Ermöglichung von Ausdruck.</p>
<p>Dem Zuhörer fiel indessen die Präzision auf, mit der sie  charakteristische Ausdrücke, Sprichwörter oder treffende Metaphern fand.  Persönlich kostbar war mir, als ich Teilnehmerin ihrer Seminare war,  ihr abgerundetes Deutsch, das in der Emigration seine Frische und  Prägnanz bewahrt hatte. Sie gehörte zu den Menschen, die es verstehen,  Sprache gewaltlos zu gebrauchen und die tödliche Klarheit des Wortes zu  vermeiden, welche Lebendigkeit absorbiert. Sie beherrschte die Kunst,  Gefühle durch Besprechen nicht zu töten, sondern erst recht aufkommen zu  lassen. Selbst ihre Pausen sprachen.</p>
<p>Ihr stilles Engagement zielte auf Klärung und Abgrenzung des  Vorhandenen und des Erreichbaren, nicht auf Revolution. Unter diesem  Blickwinkel wird ihre These: &#8220;Therapie ist per se eine politische  Aktivität&#8221; verständlich: &#8220;Das ist Arbeit am Menschen, die Autonomie  wiederherstellt oder zum ersten Mal entstehen läßt.&#8221; Kritisch sah sie  die Verflachung des Gesundheitsbegriffs, der Leiden und die Nähe des  Todes ausblendet, ebenso kritisch die Stigmatisierung des psychisch  Gestörten, wenn das gesamte System der Behandlung bedarf. Sie zog  Parallelen zur Auffassung ihres Schülers und Freundes Paul Goodman, des  Wegbereiters der Gegenkultur. So wie er die Straße zu seiner Wildnis  machte, wurde Lore die Seele des anderen zu ihrer Wildnis.</p>
<p>Ihre Sorge galt dem Durcheinander im Feld der Gestalttherapie: Ein  grauer Markt zweifelhaft ausgebildeter Therapeuten benutzt  Gestaltmethoden, ohne sich im klaren zu sein, welche Wirkungen sie  auslösen können. Die Weiterentwicklung der theoretischen Grundlagen  rückt in den USA in die Nähe der Stagnation, falls die geistigen  Bindungen zur europäischen Phänomenologie nicht erneuert werden. Die  Vielfalt der persönlichen Arbeitsstile von Gestalttherapeuten, von  Happenings bis zu existentiell und technisch gut fundiertem Vorgehen,  macht eine Abstimmung der &#8220;growing edges&#8221; des Gestaltansatzes schwer.  Der Überblick droht verlorenzugehen. Mißverständnisse machen sich breit,  wenn Gestaltelemente aus dem Ansatz herausgelöst werden und, anderen  Methoden angestückt, ihren Dienst tun sollen. Lore fürchtete um den Kern  der Gestalttherapie, der vor allem die vom Existentialismus geprägte  Haltung zum Menschen ist, denn ohne diese existentielle Basis verlieren  die durchschlagenden Techniken ihren Sinn. Ihre Arbeit der letzten Jahre  war von dieser Sorge bestimmt. Ihrem Ziel, den tragfähigen Bestand zu  erhalten und zu verbreiten, hoffte sie mit ihren bewährten Waffen:  Zähigkeit, Klarheit, Geduld und Mut näherzukommen.</p>
<p>Und sie tat sehr viel, sie führte eine Unmenge von Seminaren noch in  ihrem höheren Alter durch. Sie führte sehr viele Gespräche und erklärte  sich bereit zu Interviews. Und sie ergab sich schließlich dem Drängen  der Deutschen Vereinigung für Gestalttherapie (DVG), nach einer  Inkubationszeit von mütterlichen neun Monaten, die Ehrenmitgliedschaft  anzunehmen.</p>
<p>Das letzte Große, was sie leistete, ist ihr Buch &#8220;Leben an der  Grenze&#8221; (Köln 1989), das allerdings ohne Anna und Milan Sreckovic nie  erschienen wäre. Lore scheute es, so sichtbar zu werden, aber es gelang,  und so lagen noch vor ihrem Tod &#8211; sie starb am 13. Juli 1990 &#8211;  ausgewählte und von ihr redigierte Schriften vor, die ihren Anteil an  der Entwicklung und ihre Rolle in der Geschichte der Gestalttherapie  dokumentieren.</p>
<p><span style="font-size: medium;"><strong>&#8230; eine Frau  mittleren Alters &#8211; bis zum 75. Geburtstag.</strong></span></p>
<p>Ich bin jetzt selbst in einem Alter, wo man sich mit dem Alter  beschäftigt. Also dachte ich, schau mal, was Lore zum Alter zu sagen  hat. Sie bemerkte interessanterweise einmal: &#8220;Ich war immer eine Frau  mittleren Alters &#8211; bis ich fünfundsiebzig wurde, da war ich plötzlich  alt. Ich behielt nicht mehr, ich konnte nicht mehr richtig lernen, ich  konnte nichts Neues aufnehmen, und ich hatte nicht die geistige Kraft,  die ich von früher kannte. Und deswegen tue ich etwas, was mich&#8230;&#8221; &#8211;  sie nannte es: &#8220;it keeps me going&#8221; &#8211; &#8220;&#8230;was mich in Bewegung hält, ich  arbeite viel mit der Jugend; dann strömt etwas auf mich zurück.&#8221;</p>
<p>Aber eigentlich hatte sie das Thema Alter und Tod schon als junge  Frau für sich geklärt, und dazu gibt es auch eine Geschichte. Lore wurde  sich der eigenen Sterblichkeit bewußt, was, wie wir ja wissen, ein  Hauptmedikament gegen die Angst ist, die Sterblichkeit zu akzeptieren.  Sie wurde sich dessen bewußt, als sie vierundzwanzig war. Sie ging zu  der Beerdigung eines Freundes, der plötzlich gestorben war. Nur zwei  Jahre älter als sie, an irgendeiner Infektion, ein scheinbar völlig  sinnloser Tod. Zu dieser Zeit gab es kein Penicillin oder etwas  ähnliches, und es war unglaublich schockierend für sie. Als sie aber vom  Friedhof kam, sah sie alles schön und heiter, sie fühlte sich  energiegeladen und bemerkte &#8211; und dies ist ihr Zitat: &#8220;Ich konnte mir  dies nicht erklären, und ich erzählte es am folgenden Tag meinem  Analytiker. Ich sagte über die Zeit, als mich diese Erfahrung traf, wenn  wir uns der Tatsache, daß wir sterben müssen, nicht bewußt sind, würden  wir ja leben wie die Tiere. So sind die Würze und der Hang zum  Erschaffen beim menschlichen Wesen mit dem Bewußtsein verbunden, daß wir  vergänglich sind.&#8221; Sie erzählte ihm noch einiges, und darauf gab es  eine große Pause. Dann sagte der Analytiker: &#8220;Frau Perls, Ihre Analyse  ist beendet.&#8221;</p>
<p>Unabhängig vom Alter aber sind Lores Rolle als Frau und ihr  Verhältnis zur Öffentlichkeit eine besondere Geschichte &#8211; heiße Themen  des Feminismus. Die Frau in der Öffentlichkeit, der Widerstand gegen  Frauen in der Öffentlichkeit &#8211; ich denke, da ist sie in der Tradition  geblieben. Ich finde das traurig, denn so ist etwas Geniales, was sie  besaß, im Dunkel geblieben, und das finde ich schade. Es hat sie vor der  Erprobung, vor der echten Prüfung bewahrt; man mag es bedauern so wie  ich, aber für sie war es Lebensnotwendigkeit. Sie mußte in vielem  verfügbar sein, wie das nunmal Frauenlos ist: unspezifisch verfügbar  sein. Sie mußte kontinuierlich sein, wie das auch Frauenlos ist &#8211;  alleinzubleiben und die Dinge selbst zu erledigen. Sie mußte vielseitig  sein. Ein Beispiel für ihre unspektakuläre Verfügbarkeit, Kontinuität  und Selbständigkeit war, daß Fritz noch lange, wenn er zu ihr nach New  York kam, alles mitbrachte, was nicht in Ordnung war: seine  Korrespondenzen, seine Wäsche, die abgerissenen Knöpfe &#8230; &#8211; Lore machte  alles ordentlich. Und schließlich die Bescheidenheit. Soviel zum  Feminismus.</p>
<p>Zu allerletzt möchte ich etwas über ihre Versöhnungsbereitschaft  sagen. Sie hatte wirklich eine ganz besondere persönliche Geschichte mit  Fritz; und sie hatte ein unglaublich schweres, zeitgeschichtlich  bedingtes Schicksal mit ihrer Familie. Sie hat das aus Höflichkeit und  Versöhnlichkeit Deutschen gegenüber fast nie gesagt. Ihre Schwester  wurde in Theresienstadt ermordet und ihre Mutter auch. Und sie hat sich  mit Deutschland versöhnt. Ich finde, die Stadt Pforzheim hat etwas sehr  Passendes und Angemessenes gemacht: Es gibt dort einen Grabstein mit  tausenden von Namen aller ermordeten jüdischen Mitbürger der Stadt. Das  gibt es nur einmal in Deutschland. Und sie versöhnte sich damit.</p>
<p><span style="font-size: medium;"><strong>Wieder im Schwarzwald</strong></span></p>
<p>Ich bin noch im Mai ihres Todesjahres in New York gewesen und habe  oft versucht, sie anzurufen, aber niemand nahm ab; ihre Tochter konnte  ich auch nicht erreichen, und ich dachte mir, irgendetwas ist passiert.  Ich erfuhr dann später durch Milan Sreckovic, daß sie im Krankenhaus  lag, schwer krank, und sie wurde nach mehreren Wochen entlassen. Und was  tut sie? Sie kommt nach Deutschland, sie reemigriert. Sie möchte ihr  Alter im Nordschwarzwald verbringen, und sie fährt nicht allein. Die  Urne von Fritz hat sie auf dem Schoß, als sie im Flugzeug sitzt. Sie hat  nicht mehr lange hier gelebt, sie war des Lebens wirklich müde. Sie sah  nicht mehr richtig, sie hörte nicht mehr gut, und sie war viel einsam;  es waren ja eigentlich alle weggestorben. Und ihre Freunde und  Freundschaften gehörten zur nächsten oder übernächsten Generation. So  sehr wir alle gewünscht hätten, daß sie ewig lebt, sie selbst wünschte  es scheinbar nicht. So gibt es ein gemeinsames Grab für Fritz und Lore  Perls, geb. Posner, im jüdischen Teil des Friedhofs von Pforzheim.</p>
<p>Zuletzt möchte ich zitieren, was in ihrer Todesanzeige stand; es sind ihre eigenen Worte:</p>
<blockquote><p>&#8220;Die unablässigsten und selbstlosesten Dienste und Opfer bleiben  nicht nur unbezahlt und unbelohnt, sondern müssen für selbstverständlich  gehalten werden. Nur begrenzte Arbeit oder begrenztes Gut kann mit  einem begrenzten Geldbetrag bezahlt werden. Nur der begrenzte Dienst  oder die begrenzte Anstrengung können mit einer Ehrung belohnt werden.  Die grenzenlose Hingabe eines Elternteils oder das lebenslange  Sich-einer-Sache-Widmen kann nicht bezahlt oder belohnt werden. Es kann  nur angenommen werden und bedarf nicht einmal der Anerkennung. Seine  Belohnung besteht in der aktuellen Handlung, in dem Gefühl, die soziale  Ausgewogenheit in einem wechselhaften Prozeß wiederherzustellen.&#8221;</p></blockquote>
<p>(Laura Perls, Psychologie des Gebens und Nehmens, in: <a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3926176113">Leben an der Grenze</a>, Köln: EHP 1989, S.51f)</p>
<p><em>Dr. Kristine Schneider (1935 &#8211; 2001): Fachpsychologin für  Klinische Psychologie und Psychotherapeutin, Mutter von vier Kindern und  fast 30 Jahre in privater Praxis in Köln tätig. Begründerin und  Leiterin des Instituts »AGA &#8211; Angewandte Gestaltanalyse«. Dozentin und  Ausbildungstherapeutin an verschiedenen Ausbildungsinstituten für  Gestalttherapie. Langjährige Lehrtätigkeit in Ericksonscher Hypnose am  Milton Erickson Institut Köln. Vortragstätigkeit, Radiobeiträge, Artikel  in Fachzeitschriften und Buchveröffentlichungen, darunter: »<a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3926176067">Grenzerlebnisse. Zur Praxis der Gestalttherapie</a>« (Edition Humanistische Psychologie).</em></p>
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		<title>Ganzheitliches Denken: Die Dreiteilung in Geist, Verstand und Körper überwinden</title>
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		<pubDate>Sun, 02 Jan 2011 17:57:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Bei allem, was einem Menschen widerfährt, gibt es den Aspekt der &#8220;Erfahrung&#8221;. Immer wenn wir etwas sehen, hören, denken, wünschen ist damit eine Erfahrung verknüpft. Diese subjektive Erfahrung kann &#8211; mit Hilfe von Worten &#8211; mitgeteilt werden. Ein anderer Aspekt des Ereignisses ist das, was Außenstehende beobachtet haben. Werden diese Beobachtungen bewusst ausgewertet, sprechen wir gerne von objektiven Beweisen. Gehen wir von gleichzeitiger Erfahrung (empirischer Parallelität) aus, wären eine neurophysiologische bzw. neurochemische Reaktion im Gehirn weder seperat zu betrachten, noch einander bedingend: Weder löst ein bestimmter Gedanke diese bestimmte physiologische Reaktion aus , noch wird er von ihr erzeugt. Sie sind im Gegenteil ein und dasselbe Ereignis. Gleichzeitig erfahren, ist das was, ich erfahre und du beobachtest und was du erfährst, beobachte ich. Zitat aus Ganzheit und Gestalt: Max Wertheimer: Um die Jahrhundertwende dominiert in der Psychologie noch der elementaristische Ansatz: Man stellt sich das Bewusstsein als Zusammenschluss aus kleinsten Einheiten vor, die es zu untersuchen gelte. Wie jede Einseitigkeit ruft auch diese Richtung eine Gegenbewegung hervor, die in dem Fall ganzheitlich denkt: Das ist die Gestaltpsychologie. Bereits 1890 hat der Grazer Philosoph Christian Maria von Ehrenfels (1859-1932) seine berühmte Schrift »Über Gestaltqualitäten« vorgelegt. Er erklärt darin am Beispiel der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bei allem, was einem Menschen widerfährt, gibt es den Aspekt der &#8220;Erfahrung&#8221;. Immer wenn wir etwas sehen, hören, denken, wünschen ist damit eine Erfahrung verknüpft. Diese <em>subjektive</em> Erfahrung kann &#8211; mit Hilfe von Worten &#8211; mitgeteilt werden. Ein anderer Aspekt des Ereignisses ist das, was Außenstehende beobachtet haben. Werden diese Beobachtungen bewusst ausgewertet, sprechen wir gerne von <em>objektiven</em> Beweisen. Gehen wir von gleichzeitiger Erfahrung (empirischer Parallelität) aus, wären eine neurophysiologische bzw. neurochemische Reaktion im Gehirn weder seperat zu betrachten, noch einander bedingend: Weder löst ein bestimmter Gedanke diese bestimmte physiologische Reaktion aus , noch wird er von ihr erzeugt. Sie sind im Gegenteil ein und dasselbe Ereignis. Gleichzeitig erfahren, ist das was, ich erfahre und du beobachtest und was du erfährst, beobachte ich.</p>
<blockquote><p>Zitat aus <a href="http://www.pharmacon.net/2009/08/max-wertheimer/">Ganzheit und Gestalt: Max Wertheimer</a>:<br />
Um die Jahrhundertwende dominiert in der Psychologie noch der elementaristische Ansatz: Man stellt sich das Bewusstsein als Zusammenschluss aus kleinsten Einheiten vor, die es zu untersuchen gelte. Wie jede Einseitigkeit ruft auch diese Richtung eine Gegenbewegung hervor, die in dem Fall ganzheitlich denkt: Das ist die Gestaltpsychologie. Bereits 1890 hat der Grazer Philosoph Christian Maria von Ehrenfels (1859-1932) seine berühmte Schrift »Über Gestaltqualitäten« vorgelegt. Er erklärt darin am Beispiel der Musik, dass die menschliche Wahrnehmung die einzelnen Elemente des sinnlichen Reizes, in diesem Fall die Töne, nicht nur einfach zusammenaddiert. Vielmehr macht sie aus ihnen etwas Neues, Ganzes – etwas, das über die Summe der Einzelelemente hinausgeht, in diesem Fall die Melodie. Das Prinzip, wonach das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile, nennt sich »Übersummenhaftigkeit«. In der Philosophie ist dieser Gedanke der Ganzheit (Holismus) bereits seit der Antike bekannt und hat beispielsweise in Aristoteles, Leibniz, Goethe und Hegel prominente Vertreter gefunden. Doch seine Anwendung auf die Psychologie ist neu und der Grazer Schule um von Ehrenfels zu verdanken. Populär wird die Gestaltpsychologie dann mit der Frankfurter und der Berliner Schule um Max Wertheimer. Am Frankfurter Radtachistoskop erforscht Wertheimer die so genannte Scheinbewegung, auch phänomenale Bewegung genannt. Sie entsteht, wenn eine Bilderfolge schnell genug gezeigt wird, dass sich der Eindruck der Bewegung ergibt, so wie beim Film. Wertheimer nennt diese Bewegungsgestalt »Phi-Phänomen«. Sie belegt, dass Wahrnehmungen sich nicht nur aus Einzelelementen zusammensetzen, sondern als sinnvolle Einheiten, als Gestalten, im Bewusstsein erscheinen, etwa in von Ehrenfels’ Beispiel die Melodie.</p></blockquote>
<p>Dies heisst, bspw. in der therapeutischen Situation, dass was der Klient erfährt, nicht notwendigerweise das ist, was wir sehen. Und was wir sehen, erfährt der Klient vielleicht nicht. Die Einteilung, ob das Problem des Klienten aus einer physischen Störung oder einem emotionalen Ungleichgewicht resultiert, wird zunehmend sinnlos und potentiell sogar destruktiv, zumindest zweischneidig. Nur der Klient selbst kann sein Leiden verstehen oder seine Schwere erklären. Zumindest ist es keine therapeutische Aufgabe zu entscheiden ob jemand krank ist oder nicht. Es ist vielmehr die Aufgabe, dem Klienten zu helfen den Verlauf seines Leidens zu verstehen und, mit diesem Wissen ausgestattet, darauf zu reagieren.</p>
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		<title>Buber und Psychotherapie: Heilende chassidische Geschichten</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Mar 2010 17:59:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Psychotherapie]]></category>
		<category><![CDATA[Freud]]></category>
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		<description><![CDATA[Begründer des osteuropäischen Chassidismus ist Israel ben Elieser (um 1700-1760), genannt Baal Schem Tow (Meister des guten Namens). Zu seinen wichtigsten Schülern gehören Rabbi Dow Bär (der Große Magid von Meseritsch) und Rabbi Jakob Josef von Polonoje&#8230; Bekannt wurde der Chassidismus in Westeuropa auch durch Martin Bubers &#8220;Chassidische Erzählungen&#8221;. Die Psychotherapeutin Cornelia Muth hat 23 dieser Geschichten nach den fünf Grundaussagen Bubers über Heilungsprozesse (in &#8220;Wachstum und Begegnung: Eine dialogische Perspektive&#8221;) gruppiert und kommentiert. 1. Kranksein weist auf dysfunktionale Kontakte mit der Welt und mit den Menschen hin. 2. Kranksein ist bedingt durch die so genannte Verkapselung des Menschen und der Dinge. 3. Dem kranken Menschen fehlen existentielle Begegnungen. 4. Die Therapeutinnen sind Begegnungspartnerinnen auf dem heilenden Weg. 5. Das heilende Feld ist ein paradoxes. Was ist der Chassidismus? Der Chassidismus betont weniger die rationelle Auseinandersetzung mit den religiösen Texten, als vielmehr Freude und Mystik. Die größte Anerkennung wird einem Zadik zuteil, einem Gerechten. Viele dieser Gerechten sind weise Rabbiner, die oft auch als Heiler und Ratgeber Wunder wirken. Manche zogen Hunderte oder Tausende von Anhängern an, die oft ganze Höfe um das geistige Oberhaupt bildeten. Aus der Kabalah, der jüdischen Mystik, kommt der Glaube an die göttlichen Funken, die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Begründer des osteuropäischen Chassidismus ist Israel ben Elieser (um 1700-1760), genannt Baal Schem Tow  (Meister des guten Namens). Zu seinen wichtigsten Schülern gehören Rabbi Dow Bär (der Große Magid von Meseritsch) und Rabbi Jakob Josef von Polonoje&#8230;<span id="more-1843"></span></p>
<p>Bekannt wurde der Chassidismus in Westeuropa auch durch Martin Bubers &#8220;Chassidische Erzählungen&#8221;. Die Psychotherapeutin <a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3779501570">Cornelia Muth</a> hat 23 dieser Geschichten nach den fünf Grundaussagen Bubers über Heilungsprozesse (in &#8220;Wachstum und Begegnung: Eine dialogische Perspektive&#8221;) gruppiert und kommentiert.</p>
<ul>
<li>1. Kranksein weist auf dysfunktionale Kontakte mit der Welt und mit den Menschen hin.</li>
<li>2. Kranksein ist bedingt durch die so genannte Verkapselung des  Menschen und der Dinge.</li>
<li>3. Dem kranken Menschen fehlen existentielle Begegnungen.</li>
<li>4. Die Therapeutinnen sind Begegnungspartnerinnen auf dem heilenden  Weg.</li>
<li>5. Das heilende Feld ist ein paradoxes.</li>
</ul>
<p><strong>Was ist der Chassidismus?</strong></p>
<p>Der Chassidismus betont weniger die rationelle Auseinandersetzung  mit den religiösen Texten, als vielmehr Freude und Mystik. Die größte  Anerkennung wird einem Zadik zuteil, einem Gerechten. Viele dieser Gerechten  sind weise Rabbiner, die oft auch als Heiler und Ratgeber Wunder wirken. Manche  zogen Hunderte oder Tausende von Anhängern an, die oft ganze Höfe um das  geistige Oberhaupt bildeten.</p>
<p>Aus der Kabalah, der jüdischen Mystik, kommt der Glaube an die  göttlichen Funken, die sich während dem Bersten der Gefäße und Schalen in der  ersten Schöpfungsphase überall in der Welt verteilt haben. Viele wurden schon  geborgen, aber um die Welt ganz zu heilen, braucht es noch viele weitere Funken,  und gerade jene Splitter, die besonders tief in der Dunkelheit oder im Schmutz  verborgen sind, müssen noch immer gesucht und geborgen werden.</p>
<p>Die Zadikim sind, wegen ihrer Verdienste in besonderer Weise dazu  prädestiniert, verborgene oder in Schalen verkapselte Funken zu bergen. Diese Funken sind zerbrochenen Reste der ersten kosmischen Katastrophen, nicht gelungener Welten, die Gott vor unserer jetzigen Welt versucht hat zu  bauen. Die ersten Welten konnten die göttliche Liebe nicht wirklich aufnehmen,  unter der Wucht ihres Lichts barsten alle Gefäße und zersplitterten. An den  Splittern blieben leuchtende Funken des Lichts, der Liebe. Wir finden sie in der  heutigen Welt. Die Funken sind in Verkapselungen gefangen und verborgen. Martin Buber  sprach von &#8220;trennenden, hindernden, dämonischen Umschließungen, die allein &#8216;das  Böse&#8217; sind&#8221;. Dorthin sind die Funken gefallen, &#8220;aber sie fielen, um gehoben zu  werden: um des Wirkens des Menschen an der Erlösung willen sind jene Welten  gewesen und vergangen&#8221;, so Buber 1955.</p>
<p>Cornelia Muth schreibt in ihrer Einleitung über &#8220;<a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3779501570">Heilende  chassidsche Geschichten</a>&#8220;, es gelte nun einerseits diese Funken zu bergen und  andererseits dabei anzuerkennen, dass die bergende Heilung eine polare  Wiedervereinigung zwischen Hell und Dunkel herausfordert. Um ganz (whole, holy,  heilig) zu werden, braucht der chassidische Mensch &#8211; Buber bezieht dies auch auf  die heutigen Menschen &#8211; nicht perfekt zu sein. Vielmehr geht es darum, dass &#8220;der  Mensch wird, der zu werden er, dieser einzelne Mensch da, erschaffen ist&#8221;,  (Martin Buber 1963, 947). Selbstbesinnende Verwirklichung ist damit gemeint und  bedeutet, &#8220;Kontakt mit den Dingen und Wesen&#8221; aufzunehmen. Kontakt heißt im  Chassidismus &#8220;den heilgen Umgang mit allem Seienden&#8221; zu üben und zu pflegen.</p>
<p>Überall können die Funken geborgen werden: In der Blumenvase, beim  Schuheputzen, in einer Suppe, &#8211; beim Schreiben und Lesen dieses Textes&#8230;</p>
<p>Der Mensch &#8220;kann keine Auslese nehmen, keine Scheidung; denn es ist  nicht an ihm, zu bestimmen, was ihm zu begegnen hat und was nicht; und es gibt  ja das Nichtheilige nicht, es gibt nur das noch nicht Geheiligte, noch nicht zur  seiner Heiligkeit Erlöste, das er heiligen soll&#8221;.</p>
<p>Helfen ist bedingt durch die Einsicht, &#8230; &#8220;dass alle Seelen eine  sind, denn jede ist ein Funke aus der Urseele, und sie ist ganz in ihnen allen&#8221;  (Martin Buber 1963, 45).</p>
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		<title>Gestalt und Umgebung: Optische Täuschungen bei Kindern wirkungslos</title>
		<link>http://www.pharmacon.net/2010/02/kinder-4/</link>
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		<pubDate>Sat, 13 Feb 2010 19:43:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Psychologie allg.]]></category>
		<category><![CDATA[Gehirn]]></category>
		<category><![CDATA[Gestalt]]></category>
		<category><![CDATA[Kinder]]></category>
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		<description><![CDATA[Kinder kommen optischen Täuschungen viel eher auf die Schliche als Erwachsene. Selbst zehnjährige Kinder nehmen die Umgebung eines fokussierten Objekts noch nicht wie Erwachsene wahr. Das macht sie weniger anfällig, bestimmten optischen Illusionen auf den Leim zu gehen&#8230; pte &#8211; Zumindest behaupten das schottische Forscher im Online-Journal Developmental Science. &#8220;Falls die visuelle Umgebung in die Irre führt, sieht ein Erwachsener die Welt weniger genau als ihm dies als Kind gelang&#8221;, berichtet Studienleiter Martin Doherty von der Universität Stirling. Dass der zweite Kreis größer ist, denken nur Erwachsene, denn nur Erwachsene lassen sich vom Kontext eines Objekts irreführen (Abb.: Wikimedia Commons) Die Forscher beziehen sich auf eine bestimmte optische Täuschung, die den Namen ihres Entdeckers Hermann Ebbinghaus trägt. Ihr wesentliches Merkmal sind zwei identisch große, nebeneinander abgebildete Kreise, von denen der erste von großen, der andere von kleinen weiteren Kreisen umgeben ist. Der erste Kreis erscheint für den erwachsenen Blick kleiner als der zweite, scheinbar da größere umgebende Kreise nicht nur deren Nähe zum zentralen Kreis verändern, sondern auch die Erscheinung ändern. Fehlende Entwicklung schützt vor Trugbild Um den Nachweis zu erbringen, zeigte Doherty 150 Kindern im Kindergarten- und Volksschulalter mehrere Bilder mit dem Ebbinghaus-Effekt und verglich die Daten mit denen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kinder kommen optischen Täuschungen viel eher auf die Schliche als  Erwachsene. Selbst  zehnjährige Kinder nehmen die Umgebung eines fokussierten Objekts noch nicht  wie Erwachsene wahr. Das macht sie weniger anfällig, bestimmten  optischen Illusionen auf den Leim zu gehen&#8230;<span id="more-1678"></span></p>
<p><img class="alignright" src="http://img.pte.at//lowrespics/1259151538i22065.jpg" alt="" width="300" height="186" /><a href="http://www.pressetext.ch">pte</a> &#8211; Zumindest behaupten das schottische Forscher im Online-Journal Developmental Science. &#8220;Falls die visuelle Umgebung in die Irre führt, sieht ein Erwachsener die Welt weniger genau als ihm dies als Kind gelang&#8221;, berichtet Studienleiter Martin Doherty von der <a href="http://www.stir.ac.uk">Universität Stirling</a>.</p>
<p><em>Dass der zweite Kreis größer ist, denken nur Erwachsene, denn nur Erwachsene lassen sich vom Kontext eines Objekts irreführen (Abb.: Wikimedia Commons)</em></p>
<p>Die Forscher beziehen sich auf eine bestimmte optische Täuschung, die den Namen ihres Entdeckers Hermann Ebbinghaus trägt. Ihr wesentliches Merkmal sind zwei identisch große, nebeneinander abgebildete Kreise, von denen der erste von großen, der andere von kleinen weiteren Kreisen umgeben ist. Der erste Kreis erscheint für den erwachsenen Blick kleiner als der zweite, scheinbar da größere umgebende Kreise nicht nur deren Nähe zum zentralen Kreis verändern, sondern auch die Erscheinung ändern.</p>
<p><strong>Fehlende Entwicklung schützt vor Trugbild</strong></p>
<p>Um den Nachweis zu erbringen, zeigte Doherty 150 Kindern im Kindergarten- und Volksschulalter mehrere Bilder mit dem Ebbinghaus-Effekt und verglich die Daten mit denen von 24 Studenten. Beide Gruppen sollten von zwei abgebildeten, teils verschieden großen Kreisen den größeren bestimmen. Es zeigte sich, dass sich die meisten Erwachsenen von den Kreisen in der Umgebung irreführen ließen, was bei Sieben- bis Zehnjährigen weit seltener der Fall war. Die Vier- bis Sechsjährigen rieten hingegen eher nach dem Zufallsprinzip.</p>
<p>Die Forscher sehen dies als Hinweis dafür, wie sich die optische Wahrnehmung erst im Lauf der Kindheit entwickelt. &#8220;Kinder bringen die Größe von Zielobjekten weniger mit ihrem Kontext in Verbindung als dies im Erwachsenenalter der Fall ist. Sobald das Gehirn voll entwickelt ist, kann sich die Gehirnrinde kaum mehr auf einzelne Teile einer Szene konzentrieren. Damit verliert es auch die Fähigkeit, täuschende Komponenten einer optischen Illusion aufzudecken&#8221;, so Doherty.</p>
<p><strong>Kleineres Netzhaut-Areal als Entscheidungsgrundlage</strong></p>
<p>&#8220;Bisher kennt man bereits mehrere Altersunterschiede in der optischen Wahrnehmung&#8221;, bestätigt Axel Buchner vom <a href="http://www.psycho.uni-duesseldorf.de">Institut für experimentelle Psychologie</a> der Universität Düsseldorf. Um ein Urteil über Gesehenes zu fällen, könnten Kinder nur kleinere Areale der Netzhaut berücksichtigen als Erwachsene. &#8220;Von Säuglingen ist etwa bekannt, dass Objekte nicht zu klein, nicht zu groß und von bestimmter Schärfe sein müssen, um als solche erkannt zu werden&#8221;, so der Psychologe.</p>
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		<title>Jorge Bucay: Komm, ich erzähl dir eine Geschichte</title>
		<link>http://www.pharmacon.net/2009/12/bucay/</link>
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		<pubDate>Mon, 07 Dec 2009 10:55:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Psychotherapie]]></category>
		<category><![CDATA[Gestalt]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie begegnet man den Wirrnissen des Lebens? Mit Geschichten, sagt Jorge Bucay, der die Gabe hat, das Komplizierte einfach werden zu lassen. Und er hilft seinem Zuhörer Demian, seine Ängste und Probleme besser zu verstehen, indem er ihm Märchen aus aller Welt, Sufi-Gleichnisse, Zen-Weisheiten, antike Sagen, selbst Erfundenes erzählt&#8230; Stefan Kellerer Komm, ich erzähl dir eine Geschichte ist ein Buch aus Büchern. Sefardische Legenden und griechische Sagen spielen darin eine Rolle, Sufi-Gleichnisse, japanische Parabeln, Lehren des Zen-Buddhismus, Geschichten aus Tibet, Argentinien, Frankreich, Russland oder Afrika, genauso wie bei Paolo Coelho, nur viel dichter. Die Geschichten sind eine Art sanfte Therapie, die der etwas füllige Psychotherapeut Jorge nutzt, um schwierige Dinge für seine Patienten ganz leicht verständlich zu machen, bei einer schönen Tasse Tee, in seinem Reich. Einer dieser Patienten ist Demian, der alles schwarz und schwierig sieht. Der kommt öfters zu Jorges Teestunden vorbei, und hört sich die nacherzählten &#8212; oder schnell selbst erfundenen &#8212; Geschichten gerne an. Und &#8212; natürlich: Es funktioniert! Bei Demian, und beim Leser glücklicherweise auch. Der 55-jährige argentinische Autor Jorge Bucay hat eine Botschaft, die ebenso einfach wie tröstlich ist &#8212; so einfach und tröstlich, wie es sich für einen klugen Psychiater und Gestalttherapeuten, vielleicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie begegnet man den Wirrnissen des Lebens? Mit Geschichten, sagt  Jorge Bucay, der die Gabe hat, das Komplizierte einfach werden zu lassen. Und er  hilft seinem Zuhörer Demian, seine Ängste und Probleme besser zu verstehen,  indem er ihm Märchen aus aller Welt, Sufi-Gleichnisse, Zen-Weisheiten, antike  Sagen, selbst Erfundenes erzählt&#8230;<span id="more-1392"></span></p>
<p><em>Stefan Kellerer</em></p>
<p><a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3596170923">Komm, ich erzähl dir eine Geschichte</a> ist ein Buch aus Büchern.  Sefardische Legenden und griechische Sagen spielen darin eine Rolle,  Sufi-Gleichnisse, japanische Parabeln, Lehren des Zen-Buddhismus, Geschichten  aus Tibet, Argentinien, Frankreich, Russland oder Afrika, genauso wie bei Paolo  Coelho, nur viel dichter. Die Geschichten sind eine Art sanfte Therapie, die der  etwas füllige Psychotherapeut Jorge nutzt, um schwierige Dinge für seine  Patienten ganz leicht verständlich zu machen, bei einer schönen Tasse Tee, in  seinem Reich. Einer dieser Patienten ist Demian, der alles schwarz und schwierig  sieht. Der kommt öfters zu Jorges Teestunden vorbei, und hört sich die  nacherzählten &#8212; oder schnell selbst erfundenen &#8212; Geschichten gerne an. Und &#8212;  natürlich: Es funktioniert! Bei Demian, und beim Leser glücklicherweise auch.</p>
<p>Der 55-jährige argentinische Autor Jorge Bucay hat eine Botschaft, die ebenso  einfach wie tröstlich ist &#8212; so einfach und tröstlich, wie es sich für einen  klugen Psychiater und Gestalttherapeuten, vielleicht gehört: “Jeder Mensch kann  auch Lehrer sein”, heißt diese Botschaft, “ein kleiner Meister, der Auslöser  einer Kettenreaktion, die die Welt verändern kann.“<br />
Auch wenn man sich eine Welt voller Lehrer irgendwie gar nicht wünschen will und  sich die dadurch ausgelöste Kettenreaktion an Veränderungen in den düstersten  Farben ausmalen mag, so will man sich von Bucay trotzdem seine schöne Geschichte  erzählen lassen. Denn die kommt irgendwie trotz ihrer Botschaft erfrischend  unterhaltsam und unaufdringlich lebensklug &#8212; eben ohne den erhobenen  Zeigefinger des Oberlehrers &#8212; daher. Vielleicht sollte sich Paolo Coelho von  Bucays lebensweiser Erzählkunst einmal eine Scheibe abschneiden.</p>
<p>Jorge Bucay: 1949 in Buenos Aires, Argentinien, geboren, ist ein  angesehener Psychiater und befasst sich mit Gestalttherapie. Mit großem Erfolg  hat er bislang elf Bücher veröffentlicht. &#8220;Komm, ich erzähl dir eine Geschichte&#8221;  ist seine erste Publikation in deutscher Sprache. Zuletzt erschien in deutscher  Übersetzung: &#8216;<a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3250601179">Liebe mit offenen Augen</a>&#8216;, Zürich 2008.</p>
<p><a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3596510384">Bestellen?</a></p>
<p><strong>Zum Beispiel:<br />
<a href="http://buecher.hagalil.com/2009/12/bucay/">Die Geschichte vom Holzfäller</a></strong><br />
Das Leben ist eine komplizierte Angelegenheit. Nicht so sehr jedoch für Jorge,  der in Buenos Aires als Psychiater und Gestalttherapeut das Schwierige erklären  muss. Denn er weiß, wie er Demian, dem neugierigen jungen Mann, der auf seine  vielen Fragen alleine keine Antwort findet, helfen kann – mit Geschichten:  Sefardische Legenden, Sagen der klassischen Antike, Märchen aus aller Welt,  Sufi-Gleichnisse, Zen-Weisheiten aus Japan und China…</p>
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