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	<title>Pharmacon Net &#187; Judentum</title>
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	<description>Interaktion: Medizin und Psychologie, Pharmakologie und Pharmazie</description>
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		<title>Jüdische Patienten: Psychotherapie ist ein Maßanzug</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Dec 2011 08:05:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Psychotherapie]]></category>
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		<description><![CDATA[Eine orthodoxe Jüdin wird mit schwersten Depressionen und Zwangsstörungen in ein Krankenhaus eingewiesen. Der Aufnahme ging ein monatelanges Martyrium in der Familie, im Berufsleben und im Freundeskreis voraus. Die Ärzte diagnostizieren einen klassischen &#8220;Nervenzusammenbruch&#8221; und behandeln ebenso &#8220;klassisch&#8221;: viel Ruhe, Psychopharmaka, autogenes Training, schließlich die Entlassung und die Überweisung in eine ambulante psychotherapeutische Betreuung&#8230; Musik erwünscht? &#8230; aus Radio haGalil&#8230; Im Gespräch mit dem jüdischen Psychotherapeuten Nicolai Stern Von Lutz Lorenz Für den nichtjüdischen Therapeuten ist die Ursache der Erkrankung dann sehr vorschnell gefunden: die streng orthodoxe Lebensweise der Patientin, die nicht mit den alltäglichen Anforderungen einer modernen Gesellschaft einhergehen würde, seien schuld an ihrer Krankheit. &#8220;Orthodoxie als Zwangsstörung&#8221;, diagnostizierte der Mediziner &#8211; und findet sich dabei durchaus in Übereinstimmung mit Sigmund Freud, dem Vater der Psychotherapie, der jede Religiosität als Zwangsstörung ansah und auch als solche behandelt wissen wollte. Der hier geschilderte Fall steht nicht allein. Schulbuchmediziner sind mit den Anforderungen ihrer religiösen Patienten oft überfordert, das weiß auch Nicolai Stern. Der junge Mann betreibt in der Berliner Innenstadt eine psychotherapeutische Praxis und spricht mit mir über die Besonderheiten der Betreuung jüdischer Patienten. Als ehrenamtlicher psychotherapeutischer Berater in der Sozialabteilung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin wird Stern häufig mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eine orthodoxe Jüdin wird mit schwersten Depressionen und Zwangsstörungen in ein Krankenhaus eingewiesen. Der Aufnahme ging ein monatelanges Martyrium in der Familie, im Berufsleben und im Freundeskreis voraus. Die Ärzte diagnostizieren einen klassischen &#8220;Nervenzusammenbruch&#8221; und behandeln ebenso &#8220;klassisch&#8221;: viel Ruhe, Psychopharmaka, autogenes Training, schließlich die Entlassung und die Überweisung in eine ambulante psychotherapeutische Betreuung&#8230;<span id="more-3678"></span></p>
<p>Musik erwünscht? &#8230; <a href="http://www.hagalil.com/sound/mp/nov-2011.mp3" target="_blank">aus Radio haGalil</a>&#8230;</p>
<h2 dir="LTR">Im Gespräch mit dem jüdischen Psychotherapeuten Nicolai Stern</h2>
<p><em>Von Lutz Lorenz</em></p>
<p dir="LTR">Für den nichtjüdischen Therapeuten ist die Ursache der Erkrankung dann sehr vorschnell gefunden: die streng orthodoxe Lebensweise der Patientin, die nicht mit den alltäglichen Anforderungen einer modernen Gesellschaft einhergehen würde, seien schuld an ihrer Krankheit. &#8220;Orthodoxie als Zwangsstörung&#8221;, diagnostizierte der Mediziner &#8211; und findet sich dabei durchaus in Übereinstimmung mit Sigmund Freud, dem Vater der Psychotherapie, der jede Religiosität als Zwangsstörung ansah und auch als solche behandelt wissen wollte.</p>
<p dir="LTR">Der hier geschilderte Fall steht nicht allein. Schulbuchmediziner sind mit den Anforderungen ihrer religiösen Patienten oft überfordert, das weiß auch Nicolai Stern. Der junge Mann betreibt in der Berliner Innenstadt eine psychotherapeutische Praxis und spricht mit mir über die Besonderheiten der Betreuung jüdischer Patienten. Als ehrenamtlicher psychotherapeutischer Berater in der Sozialabteilung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin wird Stern häufig mit solchen Problemfällen betraut.</p>
<p>Nach der Ausbildung trat Stern eine Stelle als Psychologe im &#8220;Auguste Viktoria Krankenhaus&#8221; an und wurde zu Beginn seiner Tätigkeit mehr von muslimischen Patienten konsultiert. &#8220;Da habe ich so eine Art &#8220;positiven Antisemitismus&#8221; erlebt&#8221;, erinnert sich Stern. Auch für Muslime war ein Mediziner, der sich ganz offen zu seiner Religion bekennt, lieber als ein Atheist: Stern trägt seinen Davidstern, für jeden sichtbar, als Kette um den Hals. Später wurde er verstärkt bei der Behandlung zugewanderter russisch-jüdischer Patienten hinzugezogen. Stern hatte zu psychologischen Aspekten der russischjüdischen Zuwanderung seine Diplomarbeit geschrieben, die sich mit der späteren Stressverarbeitung auf Grund des Zusammenfalls von Pubertät und Emigration befasst. Somit war Stern der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Platz. Seine Kollegen bemerkten schnell, wie sehr sich die Patienten bei Stern aufgehoben und zunehmend wohler fühlten, so wurde bald die Mitbehandlung der jüdischen Patienten durch Nicolai Stern fast selbstverständlich. Auch nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus wollten diese Patienten weiter von ihm betreut werden, in der Synagoge sprach sich seine Tätigkeit schnell herum.</p>
<p>Nicolai Stern widmete sich nun zunehmend diesem Aufgabenbereich, las sich verstärkt in die denkbaren Problematiken jüdischer Patienten ein, beschäftigt sich seitdem intensiv und auch in seiner Praxis schwerpunktmäßig mit transgenerationalen Problemen. Zu deren Lösung hat er sich explizit ausbilden lassen und kann nun vielfältige Rückschlüsse ziehen, Verständnis entwickeln und seinen Patienten Lösungswege aus ihren persönlichen Krisensituationen anbieten.</p>
<h3 dir="LTR">Spezielle Symptome</h3>
<p dir="LTR">Ich möchte von Nicolai Stern wissen, welche besonderen Krankheitsbilder ihm in seiner Praxis vorgetragen werden. Er spricht von Depressionen, Angststörungen, etwa um den Arbeitsplatz, Mobbing. Häufig sei auch eine Mehrfachstörung zu beobachten, so Stern, etwa Depressionen plus Angst oder auch Autoaggressivität plus einer Suchtproblematik. Das alles ist für mich als Laien noch keine Besonderheit &#8211; und ich frage nach: Stern erklärt mir, dass insbesondere bei jungen Leuten emotionale frühe Störungen im Kindesalter, so genannte &#8220;Strukturstörungen&#8221;, aus der Zeitgleichheit von Heranwachsen und Emigration entstehen würden. In einer Phase, in der sich erste wirkliche soziale Kontakte entwickeln, wird der junge Mensch aus eben diesem sozialen Umfeld herausgerissen: er wechselt nicht nur die Stadt, was alleine schon die Trennung von Freunden und Familie bedeute, er wechselt zugleich die Sprache, die Kultur, nicht selten sogar das Gesellschaftssystem.</p>
<p>In der Aufnahmegesellschaft Deutschland angelangt, kommt dann eine weitere Spezifik hinzu: Nicht selten leben sich Heranwachsende zwar wesentlich besser in der neuen Heimat ein, sprechen schneller die Sprache und kommen mit den Anforderungen der Gesellschaft gut zurecht &#8211; doch müssten sie nun oft die Rolle ihrer Eltern übernehmen, denen genau das nicht gelinge. So werden die Jugendlichen &#8220;parentifiziert&#8221; und müssen in einer Art &#8220;Rollentausch&#8221; oft die Alltagsaufgaben übernehmen, die normalerweise den Eltern zufallen: Vom Behördengang bis zum Ausfüllen von Formularen oder dem Aufbau von Kontakten zu den Nachbarn. Die Eltern, nicht selten Akademiker, haben dabei ihrerseits mit einem Verlust an Identität zu kämpfen, spätestens dann, wenn sie keine Arbeit finden, die ihren Fähigkeiten und Abschlüssen entspricht. Massiver Ansehensverlust sei die Folge. So ein &#8220;Rollentausch&#8221; führe schließlich oft zu schwer schädigenden Irritationen bei den Heranwachsenden wie den Älteren. Die Jungen merken durchaus, wie massiv die ältere Generation sich innerlich und schweigend gegen die &#8220;Führungsrolle&#8221; ihrer Kinder auflehnt, auch wenn sie das hinnehmen müssen. Kommt dann noch manifester oder auch &#8220;nur&#8221; gefühlter Antisemitismus hinzu, seien oft Bindungsstörungen zwischen den Generationen und das Zerstören der traditionellen Familienstrukturen die Folge.</p>
<p>Auch in der Generation der Senioren sind spezielle psychische Störungen zu diagnostizieren, so Stern, die er als &#8220;posttraumatische Belastungsstörungen&#8221; bezeichnet. &#8220;Diese Menschen haben zum ersten Mal Zeit, über sich nachzudenken, ob nun über die Geschehnisse während der Schoah, die Zeit der Unterdrückung des Judentums in den sozialistischen Ländern der Nachkriegszeit oder die Erinnerungen an die immerwährenden Kriege und Bürgerkriege in Israel &#8211; je nachdem, woher sie nach Deutschland gekommen sind. Für sie wäre es wichtig ihre Geschichte erzählen zu können &#8211; doch die diesbezüglichen Blockaden sind nicht erst hier und heute ein Problem: Die Angst davor, sich zu erinnern, sich und anderen erklären zu müssen, warum Dies oder Jenes so oder so gemacht wurde, die Scham, überlebt zu haben &#8211; ob nun den Holocaust, ein Lager, wo auch immer, einen Krieg vielleicht &#8211; das alles beim Erinnern und Erzählen noch einmal vor seinem &#8220;geistigen Auge&#8221; ablaufen lassen zu müssen, sei für viele aus der so genannten Ersten und Zweiten Generation noch immer nicht möglich, trotz der Liebe, der Geborgenheit aber eben auch wegen der ungestillten und unnachgiebigen Neugier der Jungen.</p>
<h3 dir="LTR">&#8220;Wenn ich tot bin&#8230;&#8221;</h3>
<p>Ich erinnere mich an eine eigene Begegnung mit einer Jüdin, die einer bedeutenden deutsch-jüdischen Industriellenfamilie angehörte und als Kind mit ihren Elten: noch rechtzeitig vor dem Naziterror in die USA emigrieren konnte. Fast 90-jährig besuchte sie mit ihren Enkeln Berlin und ich hatte die einmalige Chance, die Familie drei Tage durch die Stadt begleiten zu dürfen. Zum Abschied erklärte mir die mir die stolze alte Dame, die in diesen Tagen ihren Enkeln und mir ununterbrochen von &#8220;damals&#8221; erzählt und viele Orte und Erinnerungen wiedergefunden hatte, sie müsse mir leider rigoros verbieten, ihre Geschichte zu veröffentlichen, so lange sie selbst noch lebe. Sie würde es nicht ertragen, dass vielleicht jemand von &#8220;damals&#8221; sie lesen, sich darin wieder finden oder die Nachkommen dies könnten. &#8220;Ich sage nicht &#8220;auf Wiedersehen&#8221;, denn das wird es zwischen uns nicht mehr geben, junger Mann. Aber meine Enkel werden Sie anrufen, wenn ich tot bin &#8211; und dann machen Sie mit der Geschichte was Sie !&#8221; Bis heute liegen die Aufzeichnungen in meinem Schreibtisch.</p>
<p dir="LTR">Insbesondere das Gefühl, nirgendwo dazuzugehören, belaste stark:<br />
weder ins alte Russland, noch nach Israel, wohin der Weg vieler zuerst geführt habe, noch hier in Deutschland.</p>
<p>Insbesondere die postsowjetischen Zuwanderer, die, trotz Verfolgung ihrer Religion, in einem hohen Maße gesellschaftlich und beruflich anerkannt waren und über einen relativen Wohlstand, mit Datscha und großem Auto verfügten, sehen sich nun in Deutschland oft an der Grenze der Grundsicherung lebend und haben Angst, zu verarmen.</p>
<p dir="LTR">Doch auch millionenschwere Zuwanderer aus den USA und Südamerika mit &#8220;Verarmungswahn&#8221; zählen zu Sterns Patienten: Er berichtet mir von einer mehrfachen Millionärin, die nach jeder Konsultation das Toilettenpapier aus der Patiententoilette und die Pfandflasche vom Tisch &#8220;mitgehen&#8221; lassen wollte.</p>
<h3 dir="LTR">Allgemeines und Spezielles</h3>
<p dir="LTR">Stern sieht sich tagtäglich den klassischen Krankheitsbildern seines Berufes gegenüber, die von speziellen jüdischen Problemen noch wesentlich verstärkt werden. Insbesondere das Gefühl, nirgendwo dazuzugehören, belaste stark: weder ins alte Russland, noch nach Israel, wohin der Weg vieler zuerst geführt habe, noch hier in Deutschland.</p>
<p>Dieses Gefühl lasse sich jedoch nicht nur bei Einwanderern beobachten. Auch &#8220;Alteingesessene&#8221; würden oft von einem Gefühl der Fremdheit berichten, einem &#8220;Trauma der De-klassierung&#8221;, beides in der Familiengeschichte und der Geschichte der Juden in Deutschland ganz allgemein begründet. Oft bringe dann ein winziger Tropfen, der von deutschen Patienten oft noch ganz gut &#8220;weggesteckt&#8221; werden könne, das &#8220;Faß zum Überlaufen&#8221; und führe zu schweren psychischen Schäden.</p>
<p dir="LTR">Eine besondere Belastung sieht Stern auch in der kulturspezifisch jüdischen Erinnerungskultur. Kaum eine christliche Familie werde sich an der Inquisition des Mittelalters orientieren, doch berichtet er mir von einer Patientin, in deren Familie immer wieder von der Verbrennung einer namentlich sogar bekannten Vorfahrin als Hexe vor mehreren hundert Jahren erzählt wurde. Im Kopf seiner Patientin führe sich diese Hexenverbrennung mit den Pogromen vieler späterer Jahrhunderte bis zum Holocaust weiter, &#8220;und jetzt bin ich die einzige Überlebende&#8221;, resümiert die Dame ihre Familiengeschichte, die mit ihrem Tod, ausgerechnet in Deutschland, nun bald enden werde.</p>
<p dir="LTR">Stern sieht bei vielen seiner Patienten ein &#8220;Konglomerat aus Angst&#8221;, das mit einem übergroßen Assimilationswunsch einhergehe, zugleich wiederum mit der Angst verbunden, dass eine Assimilation den deutschen Juden in der Nazizeit auch nicht geholfen habe. Solche Gedankengänge würden nicht selten zu &#8220;jüdischem Selbsthass&#8221; fuhren und damit dem Wunsch, mit &#8220;den Juden&#8221; nichts zu tun haben zu wollen. Wenn man das dann aber &#8220;müsse&#8221;, eben weil die Gemeinden Sozialleistungen und andere Betreuungen anbieten, die die deutsche Aufnahmegesellschaft nicht erbringen kann und auch nicht erbringen will, schließe sich ein Teufelskreis, aus dem viele nicht mehr selbst herausfänden, mehr noch, auch andere Familienmitglieder mit hineinzögen.</p>
<p>Die Verzweiflung ist oft groß &#8211; und es scheint nur zu einfach, das eigene Versagen mit einer solchen Verzweiflung zu begründen und auf andere abzuwälzen: &#8220;die Deutschen&#8221;, die deutsche Gesellschaft, die deutsche Geschichte. Auch solche Patienten sitzen bei Stern. &#8220;Das hat mit &#8220;den Deutschen&#8221; nichts zu tun&#8221;, erklärt er ihnen immer wieder. In Selbstmitleid zu zerfließen, Sozialbetrug zu begehen und mit der &#8220;Schuld&#8221; der Deutschen zu begründen, ist nicht die Lösung. &#8220;Als jüdischer Therapeut kann ich meinen jüdischen Patienten das auch so deutlich sagen&#8221;, weiß Stern und berichtet mir von nichtjüdischen Kollegen, die dann schon mal als Nazi bezeichnet werden.</p>
<h3 dir="LTR">Erste Schritte</h3>
<p>Nur zwei Prozent aller psychisch Kranken oder Menschen, die an sich selbst merken, &#8220;dass etwas nicht stimmt&#8221;, gingen überhaupt zum Psychotherapeuten. &#8220;Der erste Schritt ist der schwerste&#8221;, weiß Stern und wirbt um Vertrauen in seine speziellen Fähigkeiten als Diplompsychologe, verbunden mit seiner tiefen eigenen Verwurzelung in das Judentum. &#8220;Psychotherapie ist ein Maßanzug! Niemand wird von mir null-acht-fünfzehn behandelt&#8221;, versichert er mir.</p>
<p dir="LTR">Derzeit kämpft Stern für eine &#8220;Sonderbedarfszulasssung&#8221; für seine Praxis, denn der &#8220;Zulassungsausschuss für Ärzte und Psychotherapeuten der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin&#8221; ist leider noch nicht so weit, die Spezifik jüdischer Patienten anzuerkennen. Der Ausschuss hält diese Patienten nicht &#8220;für eine besondere Patientengruppe&#8221;, wohl aber der &#8220;Landesverband der Jüdischen Ärzte und Psychologen&#8221; und die Jüdische Gemeinde zu Berlin, die beide Nicolai Stern bei seiner Antragstellung nach Kräften unterstützen. &#8220;Nach unseren Erfahrungen kam es immer wieder zu Fehllokationen bei wenig in diesen Thematiken erfahrenen Psychotherapeuten, wodurch es zu Nichtbehandlungen, Therapieabbrüchen und wirkungslosen Therapien kam. Für diese Patienten [...] ist es wichtig, dass es einen garantiert diskriminierungsfreien Raum im therapeutischen Setting gibt, einen vertrauensvollen und haltgebenden Raum für die psychische Bearbeitung und Nachreifung&#8221;, argumentiert der Verband für die Sonderbedarfszulassung Sterns.</p>
<p dir="LTR">So ist eine Behandlung mit einer normalen Überweisung vom Hausarzt oder auf Krankenschein bei Nicolai Stern noch nicht möglich. Dennoch kann und darf er Patienten betreuen und behandeln. Dazu sind jedoch eine &#8220;Notwendigkeitsbescheinigung&#8221; des behandelnden Arztes erforderlich und ein &#8220;Antrag auf außervertragliche Psychotherapie&#8221; bei der Krankenkasse zu stellen. &#8220;Die Krankenkassen würdigen diese besondere Betreuung schon&#8221;, erklärt Stern dazu. Bisher sei keiner dieser Anträge abgelehnt worden und damit eine Behandlung durch ihn gesichert. &#8220;Die Kassen folgen meiner Argumentation, dass meine Patienten nicht länger nur als &#8220;deutsche&#8221; Patienten behandelt werden müssen, sondern als &#8220;deutsch-jüdische&#8221;.&#8221; Auch das habe etwas mit ihrer Anerkennung durch die Aufnahmegesellschaft zu tun und tue ihnen gut für ihre Identitätsfindung. Beides seien wichtige Grundlagen dafür, zu jenen zwei Prozent gehören zu wollen und zu können, die ihr Schicksal in die Hand nehmen. &#8220;Ich freue mich über jeden, der den Wunsch hat, an seinen Problemen zu arbeiten &#8211; ich freue mich aber noch mehr über jeden, der irgendwann nicht mehr zu mir kommen muss!&#8221;</p>
<blockquote>
<p dir="LTR">Liebe Leserinnen und Leser,<br />
für Fragen und Probleme können Sie sich an Dipl. Psych. Nicolai Stern auch über Ihre &#8220;Jüdische Zeitung&#8221; wenden: Schreiben Sie uns dazu in einem verschlossenen Umschlag (nicht als Postkarte). Nicolai Stern wird ihre Frage dann anonym in einer eigenen Rubrik beantworten, die wir bei Bedarf ab Januar 2012 in loser Folge veröffentlichen werden.</p>
<p>Jüdische Zeitung &#8220;Fragen an Nicolai Stern&#8221; Großbeerenstr. 186-192 12277 Berlin</p>
<p dir="LTR">Diplom-Psychologe Nicolai Stern<br />
Praxis am Theodor-Heuss-Platz • Berlin-Charlottenburg<br />
Telefon für Terminabsprachen und Informationen: (030) 22 39 31 74</p>
</blockquote>
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		<title>Wie Religion bioethische Debatten beeinflusst – LMU präsentiert Sammelband</title>
		<link>http://www.pharmacon.net/2010/10/bioethik/</link>
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		<pubDate>Sun, 10 Oct 2010 12:14:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
		<category><![CDATA[Judentum]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>

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		<description><![CDATA[Ob Stammzellforschung, Gentechnik oder das Selbstbestimmungsrecht von Patienten am Lebensende: In bioethischen Diskussionen treffen häufig nicht nur sachliche Argumente, sondern auch unterschiedliche Weltanschauungen aufeinander&#8230; Dabei wird deutlich, dass selbst vor dem Hintergrund gleicher theologischer Traditionen die Positionen oft weit auseinandergehen. Dies gilt umso mehr, wenn verschiedene Religionen und Nationalitäten berücksichtigt werden müssen. Dieser vergleichende Ansatz sei für die Bewertung bioethischer Fragestellungen sehr wertvoll, betont Privatdozent Dr. Friedemann Voigt, Leiter der Forschergruppe „Religion in bioethischen Diskursen“ an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, „denn die Anerkennung der relativen Berechtigung anderer Ansichten schließt einseitige und rücksichtslose Optionen von vorneherein aus“. Wann beginnt menschliches Leben? Auch religiöse Akteure sind sich uneins darüber, ab wann ein Embryo als Mensch betrachtet werden muss. Dieser Zeitpunkt gilt vielfach als Schlüssel für gesetzliche Regelungen und ist entsprechend umstritten. Aber auch bei zahlreichen anderen Fragen der Bioethik kollidieren sehr unterschiedliche Standpunkte: „Religiöse und theologische Positionen zu konkreten Herausforderungen, etwa der Stammzellforschung oder der In-vitro-Fertilisation, sind im internationalen und interreligiösen Vergleich sehr unterschiedlich“, sagt Voigt. Insbesondere hat die Einbindung religiöser Akteure in ihre jeweilige Kultur großen Einfluss auf deren Positionen. Eine Gruppe internationaler Experten diskutierte die vielfältige Beeinflussung bioethischer Debatten durch die Religion im Rahmen einer Tagung im Februar 2009 an [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ob Stammzellforschung, Gentechnik oder das Selbstbestimmungsrecht von Patienten am Lebensende: In bioethischen Diskussionen treffen häufig nicht nur sachliche Argumente, sondern auch unterschiedliche Weltanschauungen aufeinander&#8230;<span id="more-2388"></span></p>
<p>Dabei wird deutlich, dass selbst vor dem Hintergrund gleicher theologischer Traditionen die Positionen oft weit auseinandergehen. Dies gilt umso mehr, wenn verschiedene Religionen und Nationalitäten berücksichtigt werden müssen. Dieser vergleichende Ansatz sei für die Bewertung bioethischer Fragestellungen sehr wertvoll, betont Privatdozent Dr. Friedemann Voigt, Leiter der Forschergruppe  „Religion in bioethischen Diskursen“ an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, „denn die Anerkennung der relativen Berechtigung anderer Ansichten schließt einseitige und rücksichtslose Optionen von vorneherein aus“.</p>
<p><strong>Wann beginnt menschliches Leben? </strong></p>
<p>Auch religiöse Akteure sind sich uneins darüber, ab wann ein Embryo als Mensch betrachtet werden muss. Dieser Zeitpunkt gilt vielfach als Schlüssel für gesetzliche Regelungen und ist entsprechend umstritten. Aber auch bei zahlreichen anderen Fragen der Bioethik kollidieren sehr unterschiedliche Standpunkte: „Religiöse und theologische Positionen zu konkreten Herausforderungen, etwa der Stammzellforschung oder der In-vitro-Fertilisation, sind im internationalen und interreligiösen Vergleich sehr unterschiedlich“, sagt Voigt. Insbesondere hat die Einbindung religiöser Akteure in ihre jeweilige Kultur großen Einfluss auf deren Positionen.</p>
<p>Eine Gruppe internationaler Experten diskutierte die vielfältige Beeinflussung bioethischer Debatten durch die Religion im Rahmen einer Tagung im Februar 2009 an der LMU. Die vertiefte und erweiterte Dokumentation dieses Treffens ist nun als Sammelband „Religion in bioethischen Diskursen“ erschienen. Der Band versammelt exemplarisch Beiträge aus Theologie, Rechtswissenschaft, Medizin und Soziologie, internationale Analysen aus Europa, Israel und der arabischen Welt sowie Untersuchungen zur christlichen, jüdischen und muslimischen Bioethik. Grundidee ist es, der Vielgestaltigkeit der Religion in bioethischen Diskursen durch internationale und interdisziplinäre Analysen gerecht zu werden.</p>
<p>Die Beiträge zeigen sehr unterschiedliche Ansichten, aber auch Übereinstimmungen, die manchmal durch Kontroversen innerhalb einer Disziplin verdeckt werden. Der medizinische Beitrag beispielsweise macht deutlich, dass der Konflikt zwischen medizinischem Machbarkeitsstreben und religiösem Endlichkeitsbewusstsein häufig den Blick auf erstaunliche Gemeinsamkeiten medizinischer und religiöser Standpunkte verstellt. Die Beiträge zu den drei großen Weltreligionen Christentum, Judentum und Islam zeigen die große Relevanz, die unterschiedliche Auslegungen überlieferter religiöser Inhalte für bioethische Stellungnahmen haben.</p>
<p>Offensichtlich ist der Einfluss der Religion komplexer und weit weniger eindeutig, als dies allgemein erwartet wird. Der Band gibt Einblick in diese Vielgestaltigkeit und erlaubt so neben dem vergleichenden Aspekt auch, die eigene Perspektive einzuordnen. Dabei zeigt sich, dass Religion kein Garant für Eindeutigkeit in der Bioethik ist, „denn Antworten auf die ethischen Fragen der modernen Lebenswissenschaften gehen aus dem Glauben nicht unmittelbar hervor“, so Voigt.</p>
<p>Publikation:<br />
Friedemann Voigt (Hrsg.): „<a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3110224372">Religion in bioethischen Diskursen. Interdisziplinäre, internationale und interreligiöse Perspektiven</a>“, Berlin /New York: de Gruyter 2010.</p>
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		<title>Vernunft oder Leidenschaft: Der freie Wille</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Mar 2010 23:46:10 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Psychologie allg.]]></category>
		<category><![CDATA[Gehirn]]></category>
		<category><![CDATA[Judentum]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie frei ist der freie Wille? Die Begriffspaare Vernunft oder Leidenschaft, Schöpfung oder Evolution, Chance oder Schicksal sowie Fisch oder Fleisch betiteln vier Diskussionsabende zur Frage nach dem freien Willen des Menschen unter dem Generalthema &#8220;Die Vermessung des freien Willens.&#8221;&#8230; Im ersten Kremser Kamingespräch diskutieren Dr. Thomas Müller, Kriminalpsychologe und Univ. Profin. i. R. Maga. Drin. Rotraud A. Perner, Juristin und Psychotherapeutin über &#8220;Vernunft oder Leidenschaft&#8221; Während in Daniel Kehlmanns Roman &#8220;Die Vermessung der Welt&#8221; die Geistesgrößen der deutschen Aufklärung die Welt im wortwörtlichen Sinn durchmessen, liegt das Eldorado der Erkenntnis der heutigen Forschung und Wissenschaft in der Welt der Moleküle, der Botenstoffe und der neuronalen Netzwerke. Seit den jüngsten Forschungsergebnissen der Neurobiologie wird die Frage nach der Selbstbestimmtheit des Menschen, oder jene nach seinem freien Willen, wieder neu gestellt. Ist der freie Wille letztendlich nur eine Illusion? Der Mensch ist solch vielfältigen Einflüssen und Reglements unterworfen, dass er zunehmend als Spielball von Werbung, Gesetzen, Gesellschaft und neurobiologischen Prozessen erscheint. Vernunft oder Leidenschaft Im abendländischen Denken stehen Leidenschaft und Vernunft durch die Jahrhunderte konträr zueinander. Heute werden Vernunft, Leidenschaft, Emotion und Impuls wertfrei als dem Prozess der Willensbildung inne wohnende Komponenten betrachtet. Hat sich der freie Wille also längstens frei [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie frei ist der freie Wille? Die Begriffspaare Vernunft oder Leidenschaft, Schöpfung oder Evolution, Chance oder Schicksal sowie Fisch oder Fleisch betiteln vier Diskussionsabende zur Frage nach dem freien Willen des Menschen unter dem Generalthema &#8220;Die Vermessung des freien Willens.&#8221;&#8230;<span id="more-1865"></span></p>
<p><em>Im ersten Kremser Kamingespräch diskutieren Dr. Thomas Müller, Kriminalpsychologe und Univ. Profin. i. R. Maga. Drin. Rotraud A. Perner, Juristin und Psychotherapeutin über &#8220;Vernunft oder Leidenschaft&#8221;</em></p>
<p>Während in Daniel Kehlmanns Roman &#8220;Die Vermessung der Welt&#8221; die Geistesgrößen der deutschen Aufklärung die Welt im wortwörtlichen Sinn durchmessen, liegt das Eldorado der Erkenntnis der heutigen Forschung und Wissenschaft in der Welt der Moleküle, der Botenstoffe und der neuronalen Netzwerke.</p>
<p>Seit den jüngsten Forschungsergebnissen der Neurobiologie wird die Frage nach der Selbstbestimmtheit des Menschen, oder jene nach seinem freien Willen, wieder neu gestellt. Ist der freie Wille letztendlich nur eine Illusion? Der Mensch ist solch vielfältigen Einflüssen und Reglements unterworfen, dass er zunehmend als Spielball von Werbung, Gesetzen, Gesellschaft und neurobiologischen Prozessen erscheint.</p>
<p><strong>Vernunft oder Leidenschaft</strong></p>
<p>Im abendländischen Denken stehen Leidenschaft und Vernunft durch die Jahrhunderte konträr zueinander. Heute werden Vernunft, Leidenschaft, Emotion und Impuls wertfrei als dem Prozess der Willensbildung inne wohnende Komponenten betrachtet. Hat sich der freie Wille also längstens frei gespielt?</p>
<p>Neurobiologen können ethisches Handeln im Gehirn lokalisieren. Dennoch ist der freie Wille mehr als der funktionale Output einer Gehirnregion: Der gute Wille bildet den grundlegenden Maßstab ethischen Handelns und sittlichen Verhaltens. Die &#8220;willentlichen&#8221; Verstöße dagegen reichen vom Kavaliersdelikt bis zum schweren Verbrechen und führen bis an die Abgründe des Menschseins.</p>
<p>Was macht uns nun zum guten oder bösen Menschen? Wie viele Gebote und Regeln brauchen wir oder tun uns gut, um als Einzelner oder als Gesellschaft sowohl leidenschaftlich als auch vernünftig zu fühlen, zu wünschen und zu handeln?</p>
<p><em>Termin 10. März 2010, 18.00h</em></p>
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		<item>
		<title>Organspende: Friedensnobelpreisträger Peres unterzeichnet Ausweis</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Dec 2009 14:13:39 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Israels Präsident Shimon Peres hat am Dienstag ein Zeichen gesetzt und einen persönlichen Organspendeausweis unterzeichnet. Im Falle seines Ablebens können somit seine Organe entnommen werden, um das Leben eines anderen Menschen zu retten&#8230; Zuvor hatte der Präsident beklagt, dass nur 10% aller Israelis diesen Schritt gemacht und sich damit eines der wichtigsten jüdischen Prinzipien zu Eigen gemacht hätten – dass die Rettung eines Menschenlebens jedes andere Gesetz im Judentum aufhebt. „Es gibt nichts Edleres als die Rettung des Lebens einer Person, die den Spendern unbekannt ist“, sagte Peres bei einer Veranstaltung in seiner Residenz, zu der Angehörige von Organspendern sowie Organempfänger geladen waren. The Jerusalem Post, 23.12.09]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Israels Präsident Shimon Peres hat am Dienstag ein Zeichen gesetzt und einen persönlichen Organspendeausweis unterzeichnet. Im Falle seines Ablebens können somit seine Organe entnommen werden, um das Leben eines anderen Menschen zu retten&#8230;<span id="more-1503"></span></p>
<p>Zuvor hatte der Präsident beklagt, dass nur 10% aller Israelis diesen Schritt gemacht und sich damit eines der wichtigsten jüdischen Prinzipien zu Eigen gemacht hätten – dass die Rettung eines Menschenlebens jedes andere Gesetz im Judentum aufhebt.</p>
<p>„Es gibt nichts Edleres als die Rettung des Lebens einer Person, die den Spendern unbekannt ist“, sagte Peres bei einer Veranstaltung in seiner Residenz, zu der Angehörige von Organspendern sowie Organempfänger geladen waren.</p>
<p><em>The Jerusalem Post, 23.12.09</em></p>
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		<title>Diätetisches Sendschreiben des Maimonides: Beherrschung der Affekte</title>
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		<pubDate>Fri, 11 Dec 2009 12:11:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Psychosomatik]]></category>
		<category><![CDATA[Ernährung]]></category>
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		<category><![CDATA[Psychologie]]></category>
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		<description><![CDATA[Meinem Fürsten &#8211; Gott erhalte ihn! &#8211; ist es bekannt, wie Affekte im Körper wichtige und sichtbare Veränderungen hervorbringen. Dies beweist folgendes&#8230; Diätetisches Sendschreiben an den Sultan Alafdhal, den Sohn Saladins. Übersetzt vom Arabischen ins Deutsche von H. Kroner, Leiden 1925. Beherrschung der Affekte Man sehe einen starken, blühenden Menschen plötzlich von Abscheu ergriffen werden; augenblicklich wird sein Angesicht verfallen, die Heiterkeit von seinem Gesicht schwinden, die Gesichtsfarbe wechseln; er verliert die Haltung, seine Stimme wird schwach, und strengt er sich auch noch so sehr an, sie zu erheben &#8211; es ist umsonst &#8230; &#8211; Die Ursache aller dieser Erscheinungen ist das Zurücktreten der natürlichen Wärme von der Peripherie nach innen. Wiederum sehen wir einen schwächlichen, bleichen Menschen, der kaum reden kann, wenn ihm eine fröhliche Botschaft wird, augenblicklich erstarken; sein Antlitz strahlt, seine Stimme tönt kräftig&#8230;, Freude und Wonne sieht man in seiner Miene, in seinem ganzen Wesen unverkennbar ausgedrückt. Die Ursache aller dieser Erscheinungen ist das Hinströmen der natürlichen Wärme und des Blutes nach der Peripherie des Körpers. — So kennen wir auch die Weise des Fürchtenden, des Hoffenden, des Sehnsuchtsvollen; der plötzliche Übergang vom Glück zum Unglück raubt dem Menschen sogar bisweilen die Sehkraft, während der unverhofft [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Meinem Fürsten &#8211; Gott erhalte ihn! &#8211; ist es bekannt, wie Affekte im Körper wichtige und sichtbare Veränderungen hervorbringen. Dies beweist folgendes&#8230;<span id="more-1442"></span></p>
<p><em>Diätetisches Sendschreiben an den Sultan Alafdhal, den Sohn Saladins. Übersetzt vom Arabischen ins Deutsche von H. Kroner, Leiden 1925.</em></p>
<p><strong>Beherrschung der Affekte</strong></p>
<p>Man  sehe einen starken, blühenden Menschen plötzlich von Abscheu ergriffen werden;  augenblicklich wird sein Angesicht verfallen, die Heiterkeit von seinem Gesicht  schwinden, die Gesichtsfarbe wechseln; er verliert die Haltung, seine Stimme  wird schwach, und strengt er sich auch noch so sehr an, sie zu erheben &#8211; es ist  umsonst &#8230; &#8211; Die Ursache aller dieser Erscheinungen ist das Zurücktreten der  natürlichen Wärme von der Peripherie nach innen.</p>
<p>Wiederum sehen wir einen schwächlichen, bleichen Menschen, der kaum reden  kann, wenn ihm eine fröhliche Botschaft wird, augenblicklich erstarken; sein  Antlitz strahlt, seine Stimme tönt kräftig&#8230;, Freude und Wonne sieht man in  seiner Miene, in seinem ganzen Wesen unverkennbar ausgedrückt. Die Ursache aller  dieser Erscheinungen ist das Hinströmen der natürlichen Wärme und des Blutes  nach der Peripherie des Körpers. — So kennen wir auch die Weise des Fürchtenden,  des Hoffenden, des Sehnsuchtsvollen; der plötzliche Übergang vom Glück zum  Unglück raubt dem Menschen sogar bisweilen die Sehkraft, während der unverhofft  Beglückte an Sehkraft zunimmt, so daß ihm ist, als ob die Lichtquelle sich  verstärke. Alles dieses ist allgemein bekannt&#8230;</p>
<p>Der Arzt, der die Beherrschung der Affekte nicht anrät, wird seine Kunst  niemals gründlich erfassen. Die Maßregeln hierzu wird er aus der Philosophie und  der Sittenlehre entnehmen: denn, so wie die Weltweisen über die mannigfaltigen  wissenschaftlichen Gebiete Bücher verfassten, so schrieben sie auch moralische  Werke zur Aufrechterhaltung der äußeren Sittlichkeit und der moralische  Gesinnung. Aus der Aneignung anständiger Sitten geht auch die gute Handlung  hervor&#8230;</p>
<p>Je mehr moralische Grundsätze der Mensch besitzt, desto weniger wird er von  den Wechselverhältnissen des Glücks und Unglücks beirrt. Erreicht er eines von  den größeren Gütern der Welt, was die Philosophen jedoch scheinbare Güter  nennen, so wird er es nicht überschätzen, vielmehr als nichtig erkennen. Und  wird er vom zeitlichen Unglück heimgesucht, was die Philosophen jedoch  scheinbares Unglück nennen, so zittert und bebt er nicht, er wird es mit  Gleichmut ertragen&#8230;</p>
<p>Mit Recht nannten die Philosophen das Gute und das Übel im Leben scheinbares  Gut und scheinbares Übel; denn wie vieles halten wir nicht für ein Gut, das in  der Tat ein Übel ist? Da sammelt der Mensch Schätze auf Schätze, gelangt zu  Ansehen und Würden, und dies wird der Grund zu seinem körperlichen und  sittlichen Verderben! Durch die Aneignung eines sittenlosen Wandels einerseits,  wodurch das physische Leben verkürzt wird, durch die Irreligiosität andererseits  und den Abfall von Gott, da doch die wahre, ewige Glückseligkeit in dem  Festhalten an Gott besteht. Wie oft verarmt dagegen der Reiche, ein König  verliert den Thron, und gerade diese Zufälle veranlassen sie, den Körper  abzuhärten und den Geist durch Sittlichkeit zu veredeln, das Leben so zu  verlängern und sich der Gottheit zu nähern, jenem ewig dauernden Gute!</p>
<p>In diesem Sinne spreche ich es aus, was schon Ärzte, Philosophen und  Moralisten vor der mohammedanischen Lehre behauptet haben: &#8220;Der Mensch kann  selbst sein Leben verlängern oder verkürzen!&#8221;</p>
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		<title>Hans Keilson: Der jüdische Psychoanalytiker, Schriftsteller und Pädagoge wird 100</title>
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		<pubDate>Fri, 11 Dec 2009 10:11:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Psychotherapie]]></category>
		<category><![CDATA[Judentum]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Psychoanalyse]]></category>
		<category><![CDATA[Trauma]]></category>

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		<description><![CDATA[Hans Keilson ist eine Jahrhundertgestalt. Am 12. Dezember diesen Jahres wird er 100 Jahre alt  - und ist weiterhin geistig sprühend und voller Lebensenergie. Er ist Arzt, Psychoanalytiker und Pädagoge, publizierte bereits als 23jähriger eine bemerkenswerte Erzählung. Als Jude wurde er verfolgt, floh aus Deutschland in die Niederlande. Er arbeitete dort in der Untergrundbewegung, wurde nach dem Krieg Psychoanalytiker und arbeitete auf der Basis der freudschen Schriften mehrere Jahrzehnte lang mit schwer traumatisierten jüdischen Kindern und Jugendlichen&#8230; Lex.: Hans Keilson, geb. 12. Dezember 1909 in Bad Freienwalde an der Oder ist ein deutschsprachiger Schriftsteller sowie niederländischer Arzt und Psychoanalytiker. &#8220;Literatur ist das Gedächtnis der Menschheit&#8221;&#8230; &#8230;&#8221;Bücher kann man wieder neu auflegen. Von Büchern gibt es schließlich Archivexemplare. Von Menschen nicht.&#8221; Hans Keilson Von Roland Kaufhold Knapp 70jährig verfasste er eine Promotion über Traumatisierungsprozesse, welche zu einem Grundlagenwerk eines pädagogisch-therapeutischen Verständnisses von schweren Traumatisierungen wurde. Erst in den letzten Jahren erhielt das Werk des in Bussum in den Niederlanden lebenden Intellektuellen zahlreiche Auszeichnungen. Ein Anlass, sich dieser bedeutenden jüdischen Biographie anzunähern. Studium und frühes Engagement Abb.: 2007, wikipedia Hans Keilson wird am 12. Dezember 1909 als Sohn einer liberalen jüdischen Familie in Bad Freienwalde/Oder geboren; sein Vater arbeitete als Textilhändler. 17jährig [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hans Keilson ist eine Jahrhundertgestalt. Am 12. Dezember diesen Jahres wird er 100 Jahre alt  - und ist weiterhin geistig sprühend und voller Lebensenergie. Er ist Arzt, Psychoanalytiker und Pädagoge, publizierte bereits als 23jähriger eine bemerkenswerte Erzählung. Als Jude wurde er verfolgt, floh aus Deutschland in die Niederlande. Er arbeitete dort in der Untergrundbewegung, wurde nach dem Krieg Psychoanalytiker und arbeitete auf der Basis der freudschen Schriften mehrere Jahrzehnte lang mit schwer traumatisierten jüdischen Kindern und Jugendlichen&#8230;<span id="more-1432"></span></p>
<p><em>Lex.: Hans Keilson, geb. 12. Dezember 1909 in Bad Freienwalde an der Oder ist ein deutschsprachiger Schriftsteller sowie niederländischer Arzt und Psychoanalytiker.</em></p>
<p><em></em><strong>&#8220;Literatur ist das Gedächtnis der Menschheit&#8221;</strong>&#8230;<br />
<strong>&#8230;&#8221;Bücher kann man wieder neu auflegen. Von Büchern gibt es schließlich Archivexemplare. Von Menschen nicht.&#8221;</strong><br />
Hans Keilson</p>
<p><em>Von Roland Kaufhold</em></p>
<p>Knapp 70jährig verfasste er eine Promotion über Traumatisierungsprozesse, welche zu einem Grundlagenwerk eines pädagogisch-therapeutischen  	Verständnisses von schweren Traumatisierungen wurde. Erst in den letzten  	Jahren erhielt das Werk des in Bussum in den Niederlanden lebenden 	Intellektuellen zahlreiche Auszeichnungen. Ein Anlass, sich dieser  	bedeutenden jüdischen Biographie anzunähern.</p>
<p><strong> Studium und frühes  	Engagement</strong></p>
<p><img class="alignright" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/a/ab/Hans_keilson2007.jpg" alt="" width="200" height="263" /><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Keilson"><em>Abb.: 2007, wikipedia</em></a></p>
<p>Hans Keilson wird am 12. Dezember 1909 als Sohn einer liberalen jüdischen  	Familie in Bad Freienwalde/Oder geboren; sein Vater arbeitete als  	Textilhändler. 17jährig gewinnt er bei einem Schülerwettbewerb des  	Börsenvereins mit einem Text zu Hesses &#8220;Demian&#8221; den dritten Preis. Im 1984  	verfassten Nachwort zu seiner Erzählung<em> &#8220;Das Leben geht weiter&#8221; </em>(S.  	246-251) erinnert sich Keilson im autobiographischen Rückblick:</p>
<p>&#8220;Von den gewonnenen 30 Mark erwarb ich drei Bücher, es dauerte Wochen, bis  	der neugierig-entrüstete Buchhändler des Städtchens sie mir aushändigte:  	&#8216;Eros im Zuchthaus&#8217; von Karl Plättner (&#8230;) den Novellenband &#8216;Erstes  	Erlebnis&#8217; von Stefan Zweig und die wunderschöne ledergebundene  	Dünndruck-Taschenausgabe der &#8216;Vorlesungen&#8217; von Sigmund Freud (&#8230;) die ich  	über die Jahre gerettet habe, die beste, beglückende Einführung in das Fach,  	das ich auch heute, wenn gleich kritischer geworden, noch ausübe.&#8221; (Keilson  	1933/1984, S. 247f.)</p>
<p>Hans Keilson studiert von 1928 &#8211; 1934 in Berlin Medizin und macht zeitgleich  	an der Preußischen Hochschule für Leibeserziehung in Spandau eine Ausbildung  	als Turn-, Sport- und Schwimmlehrer. &#8220;Nebenbei&#8221; ist der junge Intellektuelle  	als Schriftsteller und als Musiker tätig. Mit seiner Trompete und seiner  	Geige verdient er in Cafes und Varietés sein Geld. Den Dichter Oskar Loerke  	beeindruckt dies so sehr, dass er 1933 in seinem Tagebuch notiert: &#8220;K. ist  	Sportlehrer, Medizin im 10. Semester, Musikant auf Trompete, Geige,  	Harmonika. Imponierend, wie sich junge Leute dieser Art durchschlagen.&#8221;  	(vgl. Scheller 2005, S. 164)</p>
<p>1933 erscheint beim Fischer-Verlag der erste Roman des 23jährigen:<em> &#8220;Das  	Leben geht weiter. Eine Jugend in der Zwischenkriegszeit</em>&#8221; &#8211; &#8220;gerade noch  	rechtzeitig, um verboten zu werden&#8221;, merkt Keilson (1998, S. 127f.) ironisch  	an.</p>
<p>Diese autobiographische, selbstanalytische Erzählung beschreibt den  	wirtschaftlichen Niedergang eines kleinen Selbständigen am Ende der Weimarer  	Republik. Der begabte junge Mann hatte ein sehr persönliches, widerständiges  	Motiv für diesen autobiographisch inspirierten Roman, sein  	psychoanalytisches Interesse wurde bereits früh geweckt:</p>
<p>&#8220;Auf Anregung einer amerikanischen Kommilitonin, die am Berliner  	Psychoanalytischen Institut ihre Ausbildung erhielt, meldete ich mich eines  	Tages dort an, wurde empfangen und erzählte &#8216;mein Leiden&#8217;. Der betreffende  	Analytiker – war es Sachs? – hörte mich ernsthaft an und teilte mir  	schließlich mit, er sehe keinen Anlass für eine psychoanalytische  	Behandlung. Wütend ging ich nach Hause und schrieb die ersten Sätze.&#8221;  	(Keilson 1933/1984, S. 248)</p>
<p>Diese frühe Erzählung, zugleich das letzte Buch eines jüdischen Autors bei  	&#8220;Fischer&#8221;, wird wenige Monate später verboten &#8211; und erst 51 Jahre später vom  	Fischer-Verlag wieder neu aufgelegt, in der Reihe &#8220;Verboten und verbrannt –  	Bücher aus dem Exil&#8221;.</p>
<p>Keilson wird 1934, unmittelbar nach seinem ärztlichen Staatsexamen, ein  	Publikations- sowie Praxisverbot erteilt. Der Not folgend arbeitet er  	daraufhin als Erzieher und Sportlehrer in verschiedenen jüdischen Schulen,  	u.a. am Waisenhaus Weissensee sowie am Landschulheim Caputh bei Potsdam,  	später auch an der Theodor-Herzl-Schule in Berlin; er vermag sich im Leben  	durchzuschlagen. Am Ende seines 1984 verfassten Nachwortes zu <em>&#8220;Das Leben  	geht weiter&#8221;</em> zeichnet Keilson die innere Zusammengehörigkeit zwischen  	seiner damaligen pädagogisch sowie seiner späteren psychotherapeutischen  	Tätigkeit nach, wie auch zu seinem literarischen Engagement. Dies alles  	stellte eine <em>Erinnerungsarbeit</em> dar, an den biographischen Brüchen in  	den Seelen seiner Schüler und Patienten, wie auch an seinen eigenen  	biographischen Erschütterungen. Sein lebenslanges Engagement war auch ein  	humaner Versuch, all jenes am Leben zu erhalten, zum Leben zu erwecken, was  	durch den Nationalsozialismus zerstört worden ist. Hans Keilson, der als  	Jude nur mit Glück überlebte, schreibt:</p>
<p>&#8220;Die Literatur ist das Gedächtnis der Menschheit. Wer schreibt, erinnert  	sich, und wer liest, hat an Erfahrungen teil. Bücher kann man wieder neu  	auflegen. Von Büchern gibt es schließlich Archivexemplare. Von Menschen  	nicht.&#8221; (Keilson 1984, S. 251)</p>
<p><strong> Emigration,  	Untergrundtätigkeit und erste therapeutische Versuche</strong></p>
<p>Im Oktober 1936 überzeugt ihn seine Frau Gertrud Manz, aus Deutschland zu  	emigrieren. Von einer Reise in die Niederlande bringt sie ihm eine Platte  	mit niederländischen Kinderliedern mit, um ihm zu beweisen: &#8220;In Holland gibt  	es auch Kinder, für die du arbeiten kannst.&#8221; (Heyl 1999) Keilson arbeitet  	unter einem Decknamen als Arzt für die illegale Untergrundgruppe &#8220;Vrije  	Groepen Amsterdam&#8221;. Bereits im Untergrund arbeitet er  	pädagogisch-therapeutisch mit untergetauchten jüdischen Kindern, wie auch  	mit Erwachsenen (Keilson 1994, S. 74f.) &#8211; und findet sich selbst wieder: In  	einer öffentlichen Bibliothek in Holland entdeckt er bald nach seiner  	Emigration sein Buch wieder. Keilson schreibt im Untergrund, unter dem  	Pseudonym Benjamin Cooper, für verschiedene niederländische Anthologien  	Gedichte und verfasst 38jährig die Novelle &#8220;<em>Komödie in Moll</em>&#8220;. Diese  	wird 1947 in Holland im Exilantenverlag <em>Querido</em> publiziert und  	erscheint erst 40 Jahre später, 1988, auf Deutsch. Diese tragisch-bizarre  	Erzählung, ganz von Keilsons illegaler Untergrundtätigkeit geprägt,  	beschreibt den Versuch zweier Holländern, die Leiche eines Juden, der bei  	ihnen Unterschlupf gefunden hatte und in ihrem Versteck verstarb, vor den  	Augen der deutschen Besatzer verschwinden zu lassen, ohne hierbei die  	Widerstandsbewegung zu gefährden.</p>
<p>Hans Keilson überlebt die Nazizeit, seine Eltern hingegen wurden in Birkenau  	ermordet.</p>
<p><strong> Die Anfänge seiner  	Forschungen zur &#8220;sequentiellen Traumatisierung&#8221;</strong></p>
<p>Unmittelbar nach dem Krieg gründet Keilson, durch eine gewissse &#8220;euphorische  	Stimmung&#8221; (Keilson 1984, S. 921) angesichts der konkreten Möglichkeit, den  	zahllosen Opfern der Nazis handelnd zu helfen, beflügelt, zusammen mit  	anderen Überlebenden die <em>jüdische</em> <em>Kriegswaisenorganisation &#8220;Le  	Ezrat Hajeled&#8221;</em><a href="http://www.hagalil.com/archiv/2007/11/keilson.htm#_ftn1">[1]</a> (&#8220;Zur Hilfe des Kindes&#8221;), für die er bis 1970 wirkt. Da seine  	wissenschaftlichen Ausbildungen nicht anerkannt werden studiert er in den  	Niederlanden noch einmal Medizin, welches er als Facharzt für Psychiatrie  	abschließt. Zugleich macht er eine Ausbildung als Psychoanalytiker. 1967  	wird er Mitarbeiter der kinderpsychiatrischen Universitätsklinik Amsterdam.  	Seine dortige psychotherapeutische und gutachterliche Tätigkeit bildet den  	Ausgangspunkt für seine umfangreiche, auf einer elfjährigen  	Forschungstätigkeit beruhenden empirischen Studie über die langfristigen und  	tiefgreifenden Traumatisierungsprozessen bei jüdischen Kriegswaisen, bei  	&#8220;hidden children&#8221; (s. Keilson 1949). 1979 promoviert der inzwischen  	70jährige hierüber. Da ihm ein Zugang zu einem Großteil der Akten der mehr  	als 2000 &#8220;jüdischen Kriegswaisen in den Niederlanden&#8221; ermöglicht wird  	analysiert er exemplarisch das Schicksal von 204 jüdischen Kindern.</p>
<p>Seine wegweisende Studie erscheint im gleichen Jahr unter dem Titel &#8220;<em>Sequentielle  	Traumatisierung bei Kindern. Deskriptiv-klinische und  	quantifizierend-statistische follow-up-Untersuchung zum Schicksal der  	jüdischen Kriegswaisen in den Niederlanden.&#8221;</em> Dem Buch voran stellt er  	den Satz: &#8220;An Stelle eines Kaddisch.&#8221; Das umfangreiche Werk, dessen  	statistischen Teil er in Zusammenarbeit mit einem befreundeten Mathematiker  	erarbeitet, wird immer wieder von neuen Verlagen aufgelegt, kürzlich wurde  	ihr dauerhafter Erhalt durch eine Neuauflage beim renommierten Gießener  	Psychosozial-Verlag gesichert. Schrittweise avancierte sie in der  	Fachliteratur zu einem unverzichtbaren Grundlagenwerk für eine Arbeit auch  	für die schrecklich vielen traumatisierten Kinder und Jugendlichen, die  	heute bei uns Zuflucht suchen (vgl. Becker 1992, Hirsch 2007, Kaufhold  	2001).</p>
<p>Im Nachwort zu <em>&#8220;Das Leben geht weiter&#8221;</em> (Keilson 1984, S. 250) bemerkt  	Keilson über die biographischen Hintergründe seiner Studie:</p>
<p>&#8220;1934 hätte ich, wie man mir damals in Berlin bedeutete, bei einer  	eventuellen Promotion zum Dr. med. meine Staatsbürgerschaft aufgeben müssen.  	Ich verzichtete und tat es fündundvierzig Jahre später. Das holländische  	Justiz- und das Sozialministerium unterstützten meine Arbeit.&#8221;</p>
<p>Insofern war diese Promotion, aus einem jahrzehntelangen unmittelbaren  	Engagement für schwer traumatisierte Kinder und Jugendliche erwachsen, auch  	ein biographischer Rehabilitationsversuch, eine Kompensation der auch  	wissenschaftlichen Schädigung, die ihm die deutschen Nationalsozialisten  	zugefügt hatten.</p>
<p>&#8220;Mit dieser Arbeit&#8221; – fügt Keilson 1984 hinzu – &#8220;habe ich endlich Kaddisch  	gesagt, das Totengebet, das ich lange nicht sprechen konnte.&#8221; (Keilson 1984,  	S. 250) Keilson versucht mit dieser Studie, sowie mit zahlreichen weiteren  	klinischen Behandlungsberichten, den Gerichten sowie den zuständigen  	Versorgungsinstitutionen in den Niederlanden das erschütternde Leid zu  	verdeutlichen, welches die deutschen Nationalsozialisten diesen jüdischen  	Kindern zugefügt hatten: Keilson erinnert sich:</p>
<p>&#8220;Ich habe unzählige Rapporte geschrieben über Kinder und Erwachsene, die ich  	untersucht oder behandelt habe, um Gerichte und andere Instanzen im Idiom  	meines Faches von dem Leid zu überzeugen, das sie in schweren Jahren  	überkommen hatte. Diese Arbeit bestimmt im Grunde mein persönliches  	Verhältnis zur Literatur.&#8221; (1933/1984, S. 250f.)</p>
<p>Seine klinischen Beschreibungen und Untersuchungen dienten auch dazu, die  	Frage der Vormundschaften zu klären: Ob die jüdischen Waisenkinder nach  	Kriegsende in ihren &#8220;Kriegspflegefamilien&#8221; verbleiben oder aber in ein  	jüdisches &#8211; und somit ebenfalls schwer traumatisiertes &#8211; Milieu zurückkehren  	sollten, was für diese Kinder möglicherweise eine erneute traumatisierende  	Trennungserfahrung dargestellt hätte.</p>
<p>Diese schwer geschädigten Kinder hatten die nationalsozialistische  	Verfolgung in den Niederlanden in einem, häufig mehreren inprovisierten  	Kriegspflegefamilien überlebt; ca. 10% von ihnen kamen aus KZ-Lagern zurück,  	wohin sie zusammen mit ihren Eltern verschleppt worden waren. Schließlich  	versuchte Keilson in seiner Studie &#8220;im Rückblick&#8221; zu eruieren, welche  	posttraumatischen Erfahrungen sich eher kurativ und welche sich als  	zusätzlich traumatisierend ausgewirkt hatten. Möglich wurde ihm diese in der  	Fachliteratur wohl einmalige Studie nur durch in Holland gegebene  	außergewöhnlich günstige Rahmenbedingungen. Keilson konnte die Entwicklung  	dieser ehemaligen Waisenkinder in einer Nachuntersuchung ca. 30 Jahre später  	systematisch wissenschaftlich analysieren.</p>
<p>Er entwickelt in seiner Studie den Begriff der &#8220;<em>sequentiellen  	Traumatisierung</em>&#8220;, welcher heute als allgemein anerkannter Fachterminus  	in die Literatur eingegangen ist (vgl. Becker, 1992, S. 131f, Kaufhold  	2001). Er differenziert hierbei zwischen drei traumatischen Sequenzen in der  	Biographie dieser Kinder:</p>
<p>1. Angriff auf die Niederlande, Beginn  	des rassistischen Terrors gegen die jüdischen Familien.</p>
<p>2. Direkte Verfolgung: Deportation der Kinder, meist einschließlich ihrer  	Eltern; z.T. Trennung von den Eltern, Deportation in ein  	Konzentrationslager, Ermordung der Eltern.</p>
<p>3. Nachkriegsperiode mit der Vormundschaftszuweisung als zentrales Thema;  	ggf. gesellschaftliche Akzeptanz ihrer durch die nationalsozialistische  	Verfolgung bedingten psychischen Schädigungen.</p>
<p>Erst eine Zusammenschau dieser sequentiell aufeinander folgenden  	Traumatisierungsprozesse ermögliche ein angemessenes Verständnis der  	psychischen Entwicklung dieser Kinder. Das individuell erlittene Trauma ist</p>
<p>unauflösbar verknüpft mit den es prägenden gesellschaftlichen  	Rahmenbedingungen. Ob dieses Trauma nun von der Gesellschaft als solches <em> anerkannt</em> oder aber <em>verleugnet</em> wird wirkt sich maßgeblich auf den  	weiteren Verlauf dieser Traumatisierungen aus.</p>
<p><strong> Weitere literarische  	Versuche</strong></p>
<p><em> Zurück zu Hans  	Keilsons Biographie</em> und literarischem sowie pädagogisch-therapeutischem Wirken: Noch im  	Untergrund beginnt Keilson, der inzwischen die niederländische  	Staatsbürgerschaft erlangt hat, mit einer Fortsetzung seines  	Erstlingsromans. Die ersten 40 Seiten seiner Parabel &#8220;<em>Der Tod des  	Widersachers</em>&#8221; schreibt er 1942 im Untergrund. Er vergräbt sie in einem  	Garten, um die Arbeit nach dem Krieg fortzusetzen. Das Buch, in dem die  	Verführbarkeit des Menschen durch totalitäre Machtverhältnisse, die  	Identifikation mit dem Aggressor sowie die Ambivalenz der menschlichen Seele  	in großer Offenheit beschrieben wird, erscheint 1959 auf Deutsch, findet  	wegen seines literarischen Niveaus Anerkennung, erfährt jedoch auch  	entschiedene Ablehnung &#8211; gerade in Israel. Letztlich aber blieb es in  	Deutschland weitestgehend unbekannt. Das Thema war nicht dazu angetan, in  	dem um Verdrängung und Verleugnung bemühten Nachkriegsdeutschland Interesse  	zu finden: Ein junger, idealistischer Jude versucht, die Widersprüche seiner  	Umwelt zu überwinden. Er verstrickt sich in eine Hassliebe mit seinem  	Widersacher. In den USA hingegen findet dieses anspruchsvolle Werk sehr viel  	mehr Anklang. 1962 steht es auf einer von der <em>Time</em> erstellten Liste  	der zehn bedeutendsten Neuerscheinungen des Jahres.Keilson muss viel Geduld  	aufbringen, bis er eine angemessene öffentliche Anerkennung seiner  	Bemühungen erlebt. 1963 erscheint mit &#8220;Sprachwurzellos&#8221; ein Band mit seinen  	Gedichten in einem Kleinverlag. Auch in seinen Gedichten umkreist der  	jüdische Exilant das Thema der geistig-kulturellen und seelischen  	Entwurzelung: Heimisch werden vermochte er nirgends mehr wirklich, auch  	nicht in seinem neuen Heimatland, den Niederlanden. Es finden sich in diesem  	Band die Zeilen:</p>
<p>&#8220;um die geheimnisse<br />
des konjunktivs<br />
die zeit der bunten bälle<br />
mühte ich mich vergebens<br />
an den grachten die neuen<br />
freunde grüßend und sie nennen mich<br />
mijnheer&#8221;</p>
<p>Auch in dem 1947 verfassten Gedicht &#8220;Schizoid&#8221; umkreist der Psychoanalytiker  	und Jude Hans Keilson seine trauererfüllte Suche nach Heimat:</p>
<p>&#8220;Steuern zahl ich in holland<br />
Auf fetter klei<br />
nur<br />
die fußspur durchzieht noch<br />
den sand der mark<br />
und mein herz<br />
trauert um jerusalem&#8221;</p>
<p><strong> Begegnungen mit einem  	jugendlichen Shoa &#8211; Überlebenden aus Bergen Belsen</strong></p>
<p>Zu einigen weiteren Beiträgen Hans Keilsons über Traumatisierungsprozesse  	und -verarbeitungen: 1984, fünf Jahre nach dem Erscheinen seiner  	umfangreichen Studie zu kumulativen Traumatisierungsprozessen,  	veröffentlicht Keilson in der psychoanalytischen Fachzeitschrift &#8220;Psyche&#8221;  	zwei Studien über seine psychotherapeutische Arbeit mit einem 12jährigen  	Jugendlichen, der von den Nationalsozialisten nach Bergen Belsen verschleppt  	worden war und dieses fürchterliche Trauma überlebt hatte: <em>&#8220;Wohin die  	Sprache nicht reicht&#8221;</em> (1984) sowie, zehn Jahre später, <em>&#8220;Die  	fragmentierte Psychotherapie eines aus Bergen-Belsen zurückgekehrten Jungen&#8221;</em> (1994)&#8230; <a href="http://www.hagalil.com/archiv/2007/11/keilson.htm">weiter&#8230;</a></p>
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		<title>Maimonides: Von der Heilung der Seelenkrankheiten (b)</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Dec 2009 09:50:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Judentum]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<description><![CDATA[In den Werken unserer Propheten und unserer Gesetzüberlieferer sehen wir, dass sie darauf hinarbeiteten, das rechte Maass zu halten und Seele und Körper in der Verfassung zu erhalten, zu welcher das Gesetz und jene Antwort verpflichtet, die Gott der Allerhöchste durch seinen Propheten Denjenigen ertheilte, welche hinsichtlich des Einen jährlichen Fasttages die Frage gestellt hatten, ob sie dabei beharren sollten oder nicht&#8230; VON DER HEILUNG DER SEELENKRANKHEITEN &#8220;Soll ich — so lautete ihre Frage an den Propheten Zacharia — weinen im fünften Monate in Enthaltsamkeit, wie ich es gethan diese vielen Jahre?&#8221; Darauf antwortete Gott: &#8220;Da ihr gefastet und geklagt habt im fünften und im siebenten Monate diese siebenzig Jahre, habt ihr etwa mir gefastet? Und wenn ihr esset und wenn ihr trinket, seid nicht ihr die Essenden und ihr die Trinkenden?&#8221; Hierauf schrieb er ihnen nur Mäßigkeit und Tugend, keineswegs aber Fasten vor, indem er also sprach: &#8220;So spricht der Herr der Heerscharen: richtet wahrhaftiges Gericht und erweiset Liebe und Barmherzigkeit Einer dem Andern.&#8221; Dann heißt es ferner: &#8220;So spricht der Herr der Heerscharen: das Fasten des vierten und das Fasten des fünften und das Fasten des zehnten (Monates) werden dem Hause Juda zur Wonne und Freude und zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In den Werken unserer Propheten und unserer Gesetzüberlieferer sehen wir, dass sie darauf hinarbeiteten, das rechte Maass zu halten und Seele und Körper in der Verfassung zu erhalten, zu welcher das Gesetz und jene Antwort verpflichtet, die Gott der Allerhöchste durch seinen Propheten Denjenigen ertheilte, welche hinsichtlich des Einen jährlichen Fasttages die Frage gestellt hatten, ob sie dabei beharren sollten oder nicht&#8230;<span id="more-1418"></span></p>
<p><strong>VON DER HEILUNG DER SEELENKRANKHEITEN</strong></p>
<p>&#8220;Soll ich — so lautete ihre Frage an den Propheten Zacharia — weinen im fünften Monate in Enthaltsamkeit, wie ich es gethan diese vielen Jahre?&#8221; Darauf antwortete Gott: &#8220;Da ihr gefastet und geklagt habt im fünften und im siebenten Monate diese siebenzig Jahre, habt ihr etwa mir gefastet? Und wenn ihr esset und wenn ihr trinket, seid nicht ihr die Essenden und ihr die Trinkenden?&#8221;</p>
<p>Hierauf schrieb er ihnen nur Mäßigkeit und Tugend, keineswegs aber Fasten vor, indem er also sprach: &#8220;So spricht der Herr der Heerscharen: richtet wahrhaftiges Gericht und erweiset Liebe und Barmherzigkeit Einer dem Andern.&#8221; Dann heißt es ferner: &#8220;So spricht der Herr der Heerscharen: das Fasten des vierten und das Fasten des fünften und das Fasten des zehnten (Monates) werden dem Hause Juda zur Wonne und Freude und zu fröhlichen Festzeiten, aber Wahrheit und Friede liebet&#8221;. Wisse nun, dass &#8220;Wahrheit&#8221; die intellektuellen Tugenden bedeutet, indem sie — wie wir in dem zweiten Kapitel dargetan — unwandelbare Wahrheit sind; &#8220;Friede&#8221; dagegen die moralischen Tugenden bezeichnet, auf welchen der Friede in der Welt beruht.</p>
<p>Ich kehre nun zu meinem Gegenstande zurück. Wenn jene Bekenner unseres Gesetzes, — denn nur von diesem rede ich, — welche andern Religionen nachahmen, sagen, dass sie das, was sie tun, nämlich dass sie ihren Körper kasteien und sich jedes Vergnügens enthalten, nur in der Absicht tun, um die körperlichen Kräfte in Zucht zu halten und ein wenig mehr zu dem einen Extrem hinzuneigen, — wie wir in diesem Kapitel dargetan, dass der Mensch sich notwendig in einer solchen Verfassung zu erhalten hat: — so ist das, wie wir zeigen werden, von ihrer Seite ein Irrtum. Es hat uns nämlich das göttliche Gesetz seine Verbote und Gebote nur zu eben diesem Zwecke gegeben, nämlich dass wir uns vermittelst strenger Sittenzucht von dem einen Extrem weiter entfernen sollen. Denn das Verbot aller unerlaubten Speisen, der Gegenstände unerlaubter fleischlicher Vermischung, des Umganges mit einer Buhlerin, ferner die Verpflichtung zum gesetzlichen Eingehen der Ehe, in welcher bei alledem der eheliche Umgang nicht zu jeder Zeit gestattet, sondern in der Zeit der Menstruation und nach der Niederkunft verboten ist, und außerdem nach Vorschrift unserer Alten beschränkt und am Tage ganz unterlassen werden soll, wie wir in dem Tractat Sanhedrin gezeigt haben, — dies alles hat Gott nur deshalb gesetzlich festgestellt, damit wir uns von dem Extrem der Genusssucht weit entfernen und von der rechten Mitte ein wenig nach der Seite der Fühllosigkeit für den Genuss hinneigen, um so in unserer Seele die Disposition der Enthaltsamkeit zu befestigen.</p>
<p>In gleicher Weise verhält es sich mit allen gesetzlichen Bestimmungen über das  Entrichten des Zehnten, über die  <a href="http://www.hagalil.com/judentum/gebet/elu-devarim.htm">Nachlese</a>, über die (auf dem Felde) vergessenen Garben, über das Stehenlassen der Ecken des Feldes, das Auflesen der abgefallenen Beeren und Trauben (im Weingarten), ebenso mit der gesetzlichen Anordnung des Brach- und Jubeljahres, des <a href="http://www.hagalil.com/judentum/rambam/zedaka.htm">Spendens</a> milder Gaben an den Armen, soweit er deren bedürftig ist, — alles dies nähert sich der Verschwendung nur deshalb, damit wir uns selbst von dem Extrem der Knickerei weit entfernen und uns dem Extrem des verschwenderischen Gebrauchs unseres Vermögens nähern sollen, auf dass sich die Generosität in uns befestige. — Wenn du von diesem Gesichtspunkte aus die meisten Gesetze betrachtest, so wirst du bei ihnen allen finden, dass sie die Seelenkräfte in Zucht zu halten bestimmt sind, wie sie z. B. Rache zu nehmen und Wiedervergeltung zu üben schlechthin durch die göttlichen Worte untersagen: &#8220;Du sollst dich nicht rächen und nicht Groll nachtragen&#8221; (Lev. 19, 19), &#8220;du sollst es leichter mit ihm machen&#8221; (dem unter seiner Last erliegenden Esel deines Feindes aufhelfen (Exod. 23, 5), „du sollst ihn aufrichten&#8221; (den auf dem Wege hinfallenden Esel oder Ochsen deines Feindes (Deut. 22, 4), damit die Kraft des Zornes und des Grimmes geschwächt werde; desgleichen ist das Wort: &#8220;du sollst sie ihm zurückbringen&#8221; (die verirrten Tiere deines Bruders (Deut. 22, 1), dazu bestimmt, die Disposition zur Habsucht hinwegzuschaffen; ebenso die Worte: &#8220;vor einem grauen Haupte sollst du aufstehen und ehren sollst du den Greis&#8221; (Lev. 19, 32), &#8220;ehre deinen Vater&#8221; u. s. w. (Exod. 20, 12), „du sollst nicht abweichen von dem, was sie dir sagen werden&#8221; u. s. w. (Deut. 17, 11), dazu bestimmt, die Disposition zur Frechheit hinwegzuschaffen und dagegen die zur ehrerbietigen Scheu zu erzeugen.</p>
<p>Dann aber will das Gesetz wiederum vom andern Extrem, ich meine von der übermässigen Schüchternheit, zurückhalten, und darum heisst es: &#8220;du sollst deinen Nächsten zurecht-weisen&#8221; (Lev. 19, 17), &#8220;du sollst dich nicht vor ihm fürchten&#8221; (dem falschen Propheten [Deut. 18, 22]), damit die zu große Schüchternheit schwinde und wir auf dem Mittelwege bleiben. Wenn nun aber ein, ohne Zweifel törichter, Mensch kommt und zu diesen Dingen noch mehr hinzufügen will, z. B. über die verbotenen Speisen hinaus das Essen und Trinken überhaupt und über den verbotenen geschlechtlichen Umgang hinaus die Ehe untersagt, über die im Gesetze vorgeschriebenen milden Gaben, frommen Spenden und Schätzungen hinaus sein ganzes Vermögen an Arme oder zu heiligen Zwecken hingibt, so übt er, ohne es zu wissen, die Handlungen schlechtgearteter Menschen und verfällt, die rechte Mitte gänzlich verlassend, in das eine der beiden Extreme.</p>
<p>Die Weisen haben über diesen Gegenstand einen Ausspruch, wie mir nie ein originellerer vorgekommen ist. Er findet sich im Jerusalemischen Talmud, im neunten Abschnitte des Tractats Nedarim. Sie sprechen dort tadelnd von Denjenigen, welche sieh durch Schwüre und Gelübde Fesseln anlegen, so dass sie Gefangenen ähnlich werden, und hierbei tun sie folgenden Ausspruch: &#8220;R. Adai sagt im Namen des R. Isaac: Hast du an dem nicht genug, was das Gesetz dir untersagt hat, dass du dir noch andere Dinge untersagst?&#8221; Das ist dem Sinne nach genau dasselbe, was wir gesagt haben, weder mehr noch weniger.</p>
<p>Aus Allem nun, was wir in diesem Kapitel dargelegt haben, geht klar hervor, dass man sich die Handlungen der rechten Mitte zum Ziele setzen müsse und sich nicht von ihnen hinweg einem der beiden Extreme zuwenden dürfe, außer zu Heilzwecken und um durch das Gegenteil (für die Seelenkrankheiten) Abhilfe zu schaffen. Und gleichwie der in der Arzneiwissenschaft Erfahrene, wenn er sieht, dass sein körperlicher Zustand die geringste nachtheilige Veränderung erlitten hat, nicht sorglos hinlebt und die Krankheit sich nicht so festsetzen lässt, dass er dann eine äußerst starke Cur nöthig hätte, und gleichwie er, wenn er erkennt, dass eines der Glieder seines Körpers krank geworden ist, es fortwährend schont, die ihm schädlichen Dinge meidet und das aufsucht, was ihm helfen kann, damit dieses Glied wieder gesund oder wenigstens nicht noch kränker werde: so muss auch der Mensch, wie er sein soll, seine moralischen Eigenschaften stets sorgfältig prüfen, seine Handlungen abwägen, die Disposition seiner Seele täglich untersuchen, und so oft er dieselbe zu irgend einem Extreme sich hinneigen sieht, schnell das richtige Heilverfahren anwenden und nicht zulassen, dass die böse Disposition durch wiederholte Ausübung des Schlechten sich, wie wir gezeigt haben, festsetze. In gleicher Weise soll er auch die moralischen Mängel, die ihm anhaften, sich vor Augen halten und nach unserer obigen Anweisung fortwährend sie zu heilen bestrebt sein, da nun einmal der Mensch nicht ganz fehlerfrei sein kann. Denn, sagen die Philosophen, es ist schwer und kaum möglich, Jemanden zu finden, der von Natur zu allen Tugenden, den moralischen sowohl, als auch den intellektuellen, befähigt wäre.</p>
<p>Und auch in den Büchern der Propheten ist Vieles der Art ausgesprochen. Es heisst: &#8220;Siehe, seinen Dienern traut er nicht&#8221; u. s. w. (Job 4, 18), &#8220;Kann ein Mensch gerecht sein vor Gott, wie kann rein sein ein Weibgeborener?&#8221; (Job 25, 4). Und Salomo sagt vom Menschen im Allgemeinen: &#8220;Es ist kein Mensch so gerecht auf Erden, dass er nur Gutes thäte und nie sündigte.&#8221; (Pred. 7, 20). Du weisst aber auch, dass Gott der Allerhöchste zu dem Meister aller Früheren und Späteren, unserm Lehrer Mose sprach: &#8220;Weil ihr nicht an mich geglaubt&#8221;, &#8220;weil ihr widerspenstig gewesen, mich nicht verherrlicht habt&#8221; u. s. w. Dies alles (sprach Gott) obschon Mose&#8217;s — Heil über ihn! — Schuld bloss darin bestand, dass er sich von einer moralischen Tugend, und zwar der Sanftmuth, ab- und einem der beiden Extreme, nämlich dem Jähzorne, zugewandt hatte, indem er sprach: &#8220;Hört doch, ihr Widerspenstigen!&#8221; (Num. 20, 10), Gott rügte es nun an ihm, dass ein Mann, wie er in Gegenwart der Gemeinde Israels an einem Orte ergrimmte, wo sich dies nicht geziemte. Eine derartige Handlungsweise war für diesen (hervorragenden) Mann eine Entweihung des göttlichen Namens, weil man sich alle seine Handlungen und seine Worte zum Muster nahm und dadurch die zeitliche und ewige Glückseligkeit zu erlangen hoffte. Wie durfte er sich also ergrimmt zeigen, was, wie wir dargethan, zu den Handlungen schlechter Menschen gehört und nur aus einer bösen Seelendisposition hervorgeht. Das sich hierauf beziehende göttliche Wort aber: &#8220;ihr seid widerspenstig gegen mich gewesen&#8221; ist nach unserer Auffassung so zu verstehen. Mose redete hier nicht Ungebildete und Untugendhafte an, sondern Menschen von der Beschaffenheit, dass nach dem Ausspruche unserer Weisen selbst die Geringste unter ihren Frauen dem Ezechiel, Sohn Busi&#8217;s gleich war, (Menschen), die Alles, was er sprach und that, genau beachteten. Als nun die Israeliten sahen, wie er in Grimm gerieth sagten sie: &#8220;Er — Heil über ihn! — gehört ja nicht zu Denen, die einen moralischen Fehler an sich haben, und wüsste er nicht, dass Gott über uns zürnt, weil wir Wasser begehrten, und dass wir des Allerhöchsten Unwillen erregt, so würde er nicht ergrimmen.&#8221; Wir finden aber nicht, dass der Allerhöchste, als er mit ihm über diese Angelegenheit sprach, ergrimmt oder zornig gewesen wäre, sondern er sagte nur: &#8220;Nimm den Stab — und gieb der Gemeinde und ihrem Viehe zu trinken.&#8221;</p>
<p>Wir sind hiermit zwar ganz von dem Gegenstande unseres Kapitels abgekommen, haben aber eine von den in der heiligen Schrift uns aufstoßenden Schwierigkeiten gelöst, über die schon oft gesprochen worden ist, und doch wird noch oft gefragt, worin Mose&#8217;s Sünde bestanden habe. Halte nun gegen einander, was wir selbst darüber gesagt haben und was sonst darüber gesagt worden ist, und die Wahrheit wird sich ihren Weg zum Ziele bahnen.</p>
<p>Um nun auf meinen Gegenstand zurückzukommen (so sage ich): wenn der Mensch seine Handlungen immer genau abwägt und es auf solche anlegt, welche am besten die rechte Mitte halten, so erreicht er die höchste menschliche Stufe, kommt dadurch Gott näher und wird Dessen was Er besitzt (der ewigen Seligkeit) theilhaftig. Dies ist die vollkommenste Art der Gottesverehrung. Diesen Gegenstand haben auch die Weisen besprochen und ausdrücklich davon gehandelt. Sie sagen hierüber: &#8220;Jeder der seine Pfade ordnet, wird würdig das göttliche Heil zu schauen; denn es heisst (Ps. 50, 23): ,Wer seinen Wandel richtet, den lasse ich das Heil Gottes schauen&#8217;; lies nicht <em>wesam</em>, sondern <em>wescham derech</em>&#8220;. Schuma aber bedeutet allgemeine Massbestimmung und Abschätzung. Und dies ist gerade der Gedanke, den wir in diesem ganzen Capitel entwickelt haben. — So viel haben wir über diesen Gegenstand zu sagen für nöthig befunden.</p>
<p><strong>Schmonah Prakim / Acht Kapitel</strong><br />
<a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3787310819">Eine Abhandlung zur jüdischen Ethik und Gotteserkenntnis </a><br />
<em>Nach der Übersetzung von Maurice Wolff</em><br />
Dieser religiöse Traktat ist das herausragende Zeugnis der engen und fruchtbaren Verzahnung arabischen, jüdischen und griechischen Denkens in der philosophischen Ethik des Mittelalters. Gegen die Orthodoxie vertritt Maimonides die Auffassung, das Gebot der Ethik des Judentums verlange nicht den strengen Gehorsam gegenüber dem ›strafenden Vater‹, sondern die Entfaltung der freien, sittlichen Persönlichkeit&#8230;</p>
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		<title>Maimonides: Von der Heilung der Seelenkrankheiten (a)</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Dec 2009 09:40:15 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Die guten Handlungen sind diejenigen, welche gleichmäßig temperiert sind, die Mitte haltend zwischen zwei Extremen, welche beide verwerflich sind und von denen das eine ein Zuviel, das andere ein Zuwenig ist. Die Tugenden aber sind solche Seelendispositionen und habituelle Zustände, welche zwischen zwei schlechten Dispositionen die Mitte halten, deren eine durch ein Zuviel und deren andere durch ein Zuwenig fehlt&#8230; Das IV. Kapitel aus der Abhandlung &#8220;Schmonah Prakim&#8221; / &#8220;Acht Kapitel&#8221; des RaMBaM (Rabbi Moses Ben Maimon, Maimonides) VIERTES CAPITEL: VON DER HEILUNG DER SEELENKRANKHEITEN Aus jenen Dispositionen gehen nothwendig die ersterwähnten Handlungen hervor. Ein Beispiel hiervon ist die Enthaltsamkeit, denn sie ist eine Handlungsweise, welche die Mitte hält zwischen der Genussucht und der Fühllosigkeit für das Vergnügen; es gehört also die Enthaltsamkeit zu den guten Handlungsweisen; die Seelendisposition aber, aus welcher nothwendig die Enthaltsamkeit hervorgeht, ist eine moralische Tugend. Die Genussucht ist nun das erste, und die gänzliche Fühllosigkeit für das Vergnügen das entgegengesetzte Extrem; beide sind durchaus schlecht. Was die beiden Seelendispositionen betrifft, aus deren einer die Genussucht, d.i. die durch das Zuviel fehlende Disposition, und aus deren zweiter die Fühllosigkeit d. i. die durch Zuwenig fehlende Disposition, nothwendig hervorgeht, so gehören sie beide in gleicher Weise zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die guten Handlungen sind diejenigen, welche gleichmäßig temperiert sind, die Mitte haltend zwischen zwei Extremen, welche beide verwerflich sind und von denen das eine ein Zuviel, das andere ein Zuwenig ist. Die Tugenden aber sind solche Seelendispositionen und habituelle Zustände, welche zwischen zwei schlechten Dispositionen die Mitte halten, deren eine durch ein Zuviel und deren andere durch ein Zuwenig fehlt&#8230;<span id="more-1400"></span></p>
<p><strong>Das IV. Kapitel aus der Abhandlung &#8220;Schmonah Prakim&#8221; / &#8220;Acht Kapitel&#8221; des RaMBaM (Rabbi Moses Ben Maimon, Maimonides) </strong></p>
<p><strong>VIERTES CAPITEL: VON DER HEILUNG DER SEELENKRANKHEITEN</strong></p>
<p>Aus jenen Dispositionen gehen nothwendig die  ersterwähnten Handlungen hervor. Ein Beispiel hiervon ist die Enthaltsamkeit,  denn sie ist eine Handlungsweise, welche die Mitte hält zwischen der Genussucht  und der Fühllosigkeit für das Vergnügen; es gehört also die Enthaltsamkeit zu  den guten Handlungsweisen; die Seelendisposition aber, aus welcher nothwendig  die Enthaltsamkeit hervorgeht, ist eine moralische Tugend. Die <strong>Genussucht</strong> ist  nun das erste, und die gänzliche <strong>Fühllosigkeit</strong> für das Vergnügen das  entgegengesetzte Extrem; beide sind durchaus schlecht.</p>
<p>Was die beiden Seelendispositionen betrifft, aus deren einer die Genussucht,  d.i. die durch das Zuviel fehlende Disposition, und aus deren zweiter die  Fühllosigkeit d. i. die durch Zuwenig fehlende Disposition, nothwendig  hervorgeht, so gehören sie beide in gleicher Weise zu den moralischen Fehlern.  Ebenso hält die <strong>Freigebigkeit</strong> die Mitte zwischen der Kargheit und der  Verschwendung, die <strong>Tapferkeit</strong> die Mitte zwischen der Verwegenheit und der  Feigheit, die <strong>Scherzhaftigkeit</strong> — zwischen der Possenreisserei und der  Tölpelhaftigkeit, die <strong>Demuth</strong> — zwischei dem Hochmuth und der Selbsterniedrigung,  die <strong>Generosität </strong>— zwischen dem übermässigen Aufwande und der Knickerei, die  <strong>Genügsamkeit</strong> — zwischen der Begehrlichkeit und der Trägheit, die <strong>Sanftmuth</strong> —  zwischen dem Jähzorn und der Unempfindlichkeit, die <strong>Schamhaftigkeit</strong> — zwischen  der Frechheit und der übermässigen Schüchternheit, und ebenso die übrigen  Dispositionen; doch brauchst du nicht nothwendig die ihnen beigelegten Namen zu  wissen, wenn nur die Begriffe klar vor deinem Verstande stehen.</p>
<p>Die Menschen  irren sich aber oft über dergleichen Handlungen, indem sie das eine oder das  andere der beiden Extreme für etwas Gutes halten und für eine der Tugenden der  Seele ansehen. Bisweilen halten sie das erste Extrem für gut, wie sie z. B. die  Verwegenheit für eine Tugend ansehen, einen Verwegenen tapfer nennen und, wenn  sie sehen, wie Jemand im höchsten Grade verwegen ist, wie er sich selbst in  Gefahren stürzt und absichtlich dem Verderben entgegenrennt, vielleicht aber  durch Zufall entkommt, ihn deshalb loben und sagen: das ist ein tapferer Mann!</p>
<p>Bisweilen aber glauben sie, das entgegengesetzte Extrem sei etwas Gutes, und  nennen darum den Unempfindlichen sanftmüthig, den Trägen genügsam, den wegen der  Stumpfheit seines Naturells für jedes Vergnügen Fühllosen enthaltsam. Durch  dieselbe irrige Auffassung halten sie die Verschwendung und den übertriebenen  Aufwand für lobenswerthe Handlungen. Dies alles aber ist Irrthum:<strong> in Wahrheit  lobenswerth ist nur die rechte Mitte</strong>; darauf muss auch der Mensch sein Streben  richten und alle seine Handlungen immer so genau abwägen, dass sie diese Mitte  halten.</p>
<p>Wisse aber, dass diese moralischen Tugenden und Fehler sich nur durch sehr  häufige und lange Zeit anhaltende Wiederholung der aus der entsprechenden  moralischen Disposition hervorgehenden Handlungen und durch Gewöhnung an sie in  der Seele ausbilden und befestigen.</p>
<p>Wenn nun solche Handlungen gut sind, so ist das, was sich dadurch in uns  ausbildet, die entsprechende <strong>Tugend</strong>; sind sie aber schlecht, so ist das, was  sich dadurch in uns ausbildet, der entsprechende <strong>Fehler</strong>. Da aber der Mensch  seiner Natur nach ursprünglich weder Tugenden noch Fehler hat — wie wir im  achten Capitel darthun werden — und er ohne Zweifel von Kindheit an durch die  Lebensweise seiner Angehörigen und seiner Heimath an gewisse Handlungen sich  gewöhnt, diese Handlungen aber bald die rechte Mitte halten, bald das rechte  Maas überschreiten oder auch hinter demselben zurückbleiben, wie wir gezeigt  haben, hierin aber eine Krankheit seiner Seele gegeben ist: so wird bei der  Heilung derselben nothwendig ganz in derselben Weise zu verfahren sein, wie bei  der Heilung des Körpers.</p>
<p>Wie wir beim Körper, wenn er aus seiner regelmäßigen Verfassung  herauskommt, untersuchen, nach welcher Seite hin er sich geneigt und das rechte Maass überschritten hat, und wie wir ihm dann mit dem Entgegengesetzten  begegnen, damit er wieder in die regelmäßige Verfassung komme, dann aber, wenn  dies geschehen, von dem Entgegenwirkenden abstehen und dasjenige bei ihm  anwenden, wodurch er in der regelmäßigen Verfassung erhalten wird: ganz so  müssen wir auch hinsichtlich des Sittlichen zu Wege gehen.</p>
<p>Sehen wir z. B. einen  Menschen, in dessen Seele sich eine Disposition ausgebildet hat, vermöge deren  er sich Alles abdarbt, — dies aber ist, wie wir in diesem Abschnitte gezeigt  haben, einer von den Fehlern der Seele und die Handlung, die er begeht, gehört  zu den Handlungen schlechter Menschen —, und wir wollen diesen Kranken heilen,  so werden wir ihm nicht Freigebigkeit vorschreiben; denn dies wäre so, wie wenn  Jemand Einen, der an zu großer Hitze leidet, durch Anwendung desjenigen, was  zwischen Hitze und Kälte die Mitte hält, heilen wollte, was ihn keineswegs von  seiner Krankheit befreien würde. Vielmehr ist es noth-wendig, ihn (den erwähnten  Seelenkranken), dahin zu bringen, dass er einmal über das andere Verschwendung  übt und die Ausübung der Verschwendung sich so oft bei ihm wiederholt, bis aus  seiner Seele die Disposition schwindet, welche die übertriebene Kargheit  verursacht, und sich beinahe die Disposition zur Verschwendung in ihm ausbildet  oder er (wenigstens) sich ihr nähert. Dann werden wir ihm das verschwenderische  Treiben untersagen und ihm vorschreiben, beständig Werke der Freigebigkeit zu  üben und daran festzuhalten, ohne das rechte Maass zu überschreiten oder hinter  demselben zurückzubleiben. In gleicher Weise lassen wir ihn, wenn wir sehen,  dass er verschwenderisch ist, Handlungen der Kargheit üben und mehrmals  wiederholen; jedoch lassen wir die Ausübung der Kargheit sich bei ihm nicht so  viele Male wiederholen, wie wir ihn die Ausübung der Verschwendung wiederholen  lassen.</p>
<p>Die Beachtung dieses feinen Unterschiedes ist das <strong>Grundgesetz und  Geheimnis des richtigen Heilverfahrens</strong>. Es ist nämlich dem Menschen leichter  und schneller erreichbar, von der Verschwendung zur Freigebigkeit, als von der  Kargheit zur Freigebigkeit zurückzukommen. So kann auch der für jeden Genuss  Fühllose leichter und schneller zur Enthaltsamkeit zurückkommen als der  Genussüchtige, und deshalb werden wir den Letztern häufiger die Uebung der  Enthaltsamkeit vom Genusse, als Jenen die Befriedigung der Genussucht  wiederholen lassen. Ebenso werden wir den Furchtsamen mehr zur Verwegenheit als  den Vewegenen zur Furchtsamkeit anhalten, den Knicker mehr zu übermäßigem  Aufwand als den, solchen Aufwand Liebenden zur Knickerei anleiten. Dies ist das  Grundgesetz der Sittenheilkunde, welches du also wohl beachten mögest.</p>
<p>Aus Rücksicht hierauf pflegten die Tugendhaften ihre Seelendisposition nicht  gerade durchaus in der rechten Mitte zu erhalten, sondern vorsichtiger Weise  einigermaassen zu dem Zuviel oder Zuwenig hinzulenken, ich meine z. B. von der  Enthaltsamkeit ein wenig zur Fühllosigkeit gegen jedes Vergnügen, von der  Tapferkeit ein wenig zur Verwegenheit, von der Generosität ein wenig zu  übermäßigem Aufwand, von der Demuth ein wenig zur Selbsterniedrigung, und  ebenso hinsichtlich der übrigen (Seelendispositionen). Dies erinnert an den  stehenden Ausdruck der Weisen: &#8220;innerhalb der Grenzlinie des Rechts&#8221;.</p>
<p>Was aber die Tugendhaften und auch einige Weise bisweilen thaten, dass sie sich  nämlich zu dem einen Extrem hinwandten, indem sie z. B. fasteten, in der Nacht  (zu frommen Übungen) aufstanden, weder Fleisch assen noch Wein tranken, die  Frauen von sich fern hielten, wollene und härene Gewänder trugen, auf Bergen  wohnten und sich in Wüsten zurückzogen: so geschah dies nur aus medizinischen  Gründen, wie wir dies schon früher gesagt haben, und auch wegen der  Sittenlosigkeit der Bewohner größerer Städte, wenn sie sahen, dass sie durch  die gesellige Berührung mit ihnen und durch den beständigen Anblick ihrer  Handlungen verderbt werden könnten und durch den Umgang mit ihnen selbst an  ihrer Sittlichkeit Schaden zu leiden befürchten mussten. Demnach trennten sie  sich von ihnen und suchten Wüsten und solche Orte auf, wo kein böser Mensch zu  finden war, wie der Prophet sagt: &#8220;Wer mich doch in die Wüste brächte, in die  Nachtherberge der Wanderer&#8221;.<br />
Da nun aber Thoren jene Tugendhaften also handeln sahen, ohne mit deren Absicht bekannt zu sein, so hielten sie diese  Handlungen für etwas (an und für sich) Gutes, nahmen sie sich zum Vorbild in der  Meinung, sie würden Jenen dadurch gleich werden, peinigten ihren Körper auf  jegliche Weise und meinten, sie hätten etwas Tugendhaftes gethan und Gutes geübt  und man komme dadurch Gott näher, als wenn Gott der Feind des Körpers wäre, der  dessen Zerstörung und Untergang wolle; wobei sie nicht merkten, dass jene  Handlungen (an und für sich) böse sind und sich dadurch irgend ein Seelenfehler  ausbildet.</p>
<p>Diese Menschen kann man mit einem der Arzneiwissenschaft Unkundigen  vergleichen, der sieht, dass erfahrene Ärzte Todkranken das Fleisch von  Koloquinten, Scammonium, Aloe und dergleichen einnehmen lassen, die  (gewöhnliche) Nahrung aber ihnen entziehen, und diese dann von ihrer Krankheit  genesen und in wunderbarer Weise dem Tode entgehen; da denkt dieser Unkundige:  wenn diese Dinge von der Krankheit heilen, so müssen sie um so viel mehr  vermögen dem Gesunden die Gesundheit zu erhalten oder sie noch zu vermehren.  Nimmt er nun aber wirklich fortwährend jene Dinge zu sich und richtet seine  Lebensweise nach Art der Kranken ein, so wird er ohne Zweifel krank werden. In  gleicher Weise ziehen sich auch Jene unzweifelhaft Seelenkraukheiten dadurch  zu, dass sie in (geistig-) gesundem Zustande Heilmittel anwenden. Auch lehrt  das göttliche Gesetz, das, selbst vollkommen, uns zur Vollkommenheit führt, —  wie ein trefflicher Kenner desselben von ihm bezeugt: &#8220;Gottes Lehre ist  vollkommen, labet die Seele — macht weise den Einfältigen&#8221; — nichts  dergleichen, es arbeitet vielmehr darauf hin, dass der Mensch der Natur gemäß  lebe, den Mittelweg einhalte, so dass er mit Maass esse was ihm zu essen, mit  Maass trinke was ihm zu trinken gestattet ist, ferner mit Maass den erlaubten  ehelichen Umgang pflege, Gerechtigkeit und Billigkeit übend mit andern in  Ortschaften zusammenlebe, nicht aber Höhlen und Gebirge zu seinem Aufenthalte  wähle, nicht sich in Haare und Wolle hülle, nicht seinen Körper kasteie und  peinige. Es ist dies verboten durch das, was uns die Tradition von dem Nasiräer  lehrt: &#8220;Er (der Priester) sühne ihn darum, dass er sich vergangen an der Seele.&#8221;  (Num. 6, 11). Da fragen nun unsere Weisen: An welcher Seele hat er sich denn  vergangen? Sie antworten: An seiner eigenen, weil er sich den Wein versagt hat.  Haben wir hier nicht von dem Kleineren auf das Größere zu schließen: wenn  dieser, der sich nur den Wein versagt hat, der Sühnung bedarf, um wie viel mehr  derjenige, der sich jedes Genusses enthält?&#8230; <a href="http://www.pharmacon.net/2009/12/rambam-4/">weiter&#8230;</a></p>
<p><strong>Schmonah Prakim / Acht Kapitel</strong><br />
<a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3787310819">Eine Abhandlung zur jüdischen Ethik und Gotteserkenntnis </a><br />
<em>Nach der Übersetzung von Maurice Wolff</em><br />
Dieser religiöse Traktat ist das herausragende Zeugnis der engen und fruchtbaren Verzahnung arabischen, jüdischen und griechischen Denkens in der philosophischen Ethik des Mittelalters. Gegen die Orthodoxie vertritt Maimonides die Auffassung, das Gebot der Ethik des Judentums verlange nicht den strengen Gehorsam gegenüber dem ›strafenden Vater‹, sondern die Entfaltung der freien, sittlichen Persönlichkeit&#8230;</p>
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		<title>Moses Ben Maimon: Von den Krankheiten der Seele</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Dec 2009 09:18:11 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Psychologie allg.]]></category>
		<category><![CDATA[Psychosomatik]]></category>
		<category><![CDATA[Judentum]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Alten sagten: es findet bei der Seele, wie bei dem Körper Gesundheit und Krankheit statt. Die Gesundheit der Seele besteht darin, dass ihre und ihrer Theile Beschaffenheit von der Art ist, dass sie stets Gutes, Schönes und Geziemendes, die Krankheit dagegen darin, dass sie und ihre Theile so beschaffen sind, dass sie stets Böses, Schlechtes und Unziemliches thut&#8230; Das III. Kapitel aus der Abhandlung &#8220;Schmonah Prakim&#8221; / &#8220;Acht Kapitel&#8221; des RaMBaM (Rabbi Moses Ben Maimon, Maimonides) DRITTES CAPITEL: VON DEN KRANKHEITEN DER SEELE Ueber des Körpers Gesundheit und Krankheit stellt die Heilkunde Untersuchungen an. Aber gleichwie Denen, die an körperlichen Krankheiten leiden, ihre gestörte Sinnesthätigkeit das Süsse bitter und das Bittere süss erscheinen lässt, so dass sie sich das Zuträgliche als unzuträglich vorstellen und starkes Gelüst nach und grossen Genuss an solchen Dingen haben, die für die Gesunden in keiner Weise eine Quelle des Genusses, vielmehr zumeist eine Quelle des Schmerzes sind, wie z. B. das Essen von Walkererde, Kohle, Staub, sehr scharfen und sehr sauern Dingen und dergleichen Speisen mehr, nach denen die Gesunden nie verlangen, gegen die sie vielmehr Widerwillen haben: also auch erscheint den Seelenkranken d. i. den Bösen und Lasterhaften, das Böse als gut und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Alten sagten: es findet bei der Seele, wie bei dem Körper Gesundheit und Krankheit statt. Die Gesundheit der Seele besteht darin, dass ihre und ihrer Theile Beschaffenheit von der Art ist, dass sie stets Gutes, Schönes und Geziemendes, die Krankheit dagegen darin, dass sie und ihre Theile so beschaffen sind, dass sie stets Böses, Schlechtes und Unziemliches thut&#8230;<span id="more-1396"></span></p>
<p><strong>Das III. Kapitel aus der Abhandlung &#8220;Schmonah Prakim&#8221; / &#8220;Acht Kapitel&#8221; des RaMBaM (Rabbi Moses Ben Maimon, Maimonides) </strong></p>
<p><strong>DRITTES CAPITEL: VON DEN KRANKHEITEN DER SEELE</strong></p>
<p>Ueber des Körpers  Gesundheit und Krankheit stellt die Heilkunde Untersuchungen an. Aber gleichwie  Denen, die an körperlichen Krankheiten leiden, ihre gestörte Sinnesthätigkeit  das Süsse bitter und das Bittere süss erscheinen lässt, so dass sie sich das  Zuträgliche als unzuträglich vorstellen und starkes Gelüst nach und grossen  Genuss an solchen Dingen haben, die für die Gesunden in keiner Weise eine Quelle  des Genusses, vielmehr zumeist eine Quelle des Schmerzes sind, wie z. B. das  Essen von Walkererde, Kohle, Staub, sehr scharfen und sehr sauern Dingen und  dergleichen Speisen mehr, nach denen die Gesunden nie verlangen, gegen die sie  vielmehr Widerwillen haben: also auch erscheint den Seelenkranken d. i. den  Bösen und Lasterhaften, das Böse als gut und das Gute als böse; ferner verlangt  der Böse stets nach den Extremen, welche in Wirklichkeit etwas Böses sind, ihm  aber wegen der Krankheit seiner Seele etwas Gutes zu sein dünken.</p>
<p>Wie nun die (körperlich) Kranken, wenn sie ihrer Krankheit sich bewusst  werden, der Arzneiwissenschaft aber selbst unkundig sind, Aerzte um Rath fragen  und diese sie dann mit dem bekannt machen, was sie noth-wendig zu beobachten  haben, das aber, was sie sich selbst als genussreich vorstellen, ihnen  untersagen und sie dazu nöthigen, unangenehme und bittere Dinge einzunehmen,  damit ihr Körper wieder gesund werde und sie wieder die Fähigkeit erlangen, das  Angenehme angenehm und das Unangenehme unangenehm zu finden: also müssen auch  die Seelenkranken die Gelehrten — denn dies sind die Seelenärzte — um Rath  fragen, auf dass diese sie von dem Bösen, das ihnen als etwas Gutes erscheint,  zurückhalten und durch die — im nächsten Capitel darzustellende — Kunst der  Heilung der Sitten wieder gesund machen. — Was aber die Seelenkranken anbelangt,  die kein Gefühl von ihrer Krankheit haben und sie für Gesundheit halten, oder  auch dieselbe zwar fühlen, jedoch kein Heilmittel dagegen anwenden, so kommt ihr  Zustand auf denjenigen hinaus, in den ein (körperlich) Kranker geräth, wenn er  dem, wie ihm angenehm ist nachgeht und kein Heilmittel gebraucht, darum auch  unzweifelhaft umkommt.</p>
<p>— In Betreff Derjenigen, die ihre Krankheit fühlen, aber dennoch ihren  Genüssen nachgehen, sagt die Wahrheit verkündende Schrift, deren eigene Worte  anführend: „in dem Uebermuthe (den bösen Gedanken und Begierden) meines Herzens  will ich fortwandeln&#8221; u. s. w. (Deut. 29,18), das heisst: indem er seinen Durst  zu stillen strebt, vermehrt er denselben in sich.</p>
<p>— Diejenigen, die ihre Krankheit gar nicht fühlen, schildert Salomo oft. Er  sagt: „des Thoren Weg dünkt ihm gerade: wer aber auf Rath hört, der ist weise&#8221; (Spr.  12. 15). d. i. wer den Rath des Unterrichteten annimmt, der ihn lehrt den Weg,  welcher in Wahrheit recht ist, nicht aber den er selbst für recht hält. So sagt  er auch: „mancher Weg ist gerade in den Augen des Mannes, aber am Ende sind es  Wege des Todes.&#8221; (Das. 14, 12). Von jenen Seelenkranken, insofern sie nicht  wissen, was ihnen schädlich, noch was ihnen nützlich ist, sagt er: „der Weg der  Sünder ist wie Dunkel; sie wissen nicht, woran sie straucheln.&#8221; (Das. 4, 19).  Was die Kunst der Heilung der Seele anbetrifft, so ist sie so beschaffen, wie  ich in dem folgenden vierten Capitel angeben werde.</p>
<p>Chazil, Sumsum und Dlaat: <strong><a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outbound/article/israel.hagalil.com');" href="http://israel.hagalil.com/israel/eretz-israel/rambam.htm">Die Heilpflanzen des RaMBaM</a></strong><br />
Nisim Krispils Standardwerk wurde neu aufgelegt…</p>
<p>Parshas Vayishlach: <a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outbound/article/forum.hagalil.com');" href="http://forum.hagalil.com/blog/05-blog/Betzalel.php?itemid=50&amp;catid=17"><strong>Health and Healing in the Bible</strong></a><br />
What is the connection between Sabbath Observance, the Torah, and health? Below we will discover not just hints at health and healing in the Bible, in particular, mental health, but the health benefits hinted at in the practice and study of the Torah…</p>
<p>Lexikon: <strong><a href="http://www.hagalil.com/lexikon/index.php?title=Moses_Maimonides">Moses Maimonides</a></strong></p>
<p><strong>Schmonah Prakim / Acht Kapitel</strong><br />
<a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3787310819">Eine Abhandlung zur jüdischen Ethik und Gotteserkenntnis </a><br />
<em>Nach der Übersetzung von Maurice Wolff</em><br />
Dieser religiöse Traktat ist das herausragende Zeugnis der engen und fruchtbaren Verzahnung arabischen, jüdischen und griechischen Denkens in der philosophischen Ethik des Mittelalters. Gegen die Orthodoxie vertritt Maimonides die Auffassung, das Gebot der Ethik des Judentums verlange nicht den strengen Gehorsam gegenüber dem ›strafenden Vater‹, sondern die Entfaltung der freien, sittlichen Persönlichkeit&#8230;</p>
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		<title>Zur Jahrzeit: Dan Bar-On und der TRT–Prozess</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Sep 2009 07:51:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Psychotherapie]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
		<category><![CDATA[Judentum]]></category>
		<category><![CDATA[Trauma]]></category>

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		<description><![CDATA[Beifall brandet auf. Zwei Männer schütteln sich die Hand. Die etwa tausend Zuhörer in der Würzburger Kongresshalle erheben sich von ihren Plätzen. Damit ehren sie die beiden Redner, Sami Adwan und Dan Bar-On. Der Israeli und der Palästinenser umarmen sich. Eine unglaubliche Geste, damals&#8230; [Hebräisch] Eine unglaubliche Geste im Mai 2001: Dort, wo beide herkommen, herrscht Krieg: täglich sterben Menschen auf den Strassen und in ihren Häusern. Der Kreislauf von Gewalt und Vergeltung in Israel und Palästina geht bereits in die dritte Generation. Der Beifall will nicht enden. Da erhebt sich in der zweiten Reihe ein älterer Herr, geht nach vorn und legt seine Arme um beide. Es ist Martin Bormann, dessen Vater >Reichsleiter< Martin Bormann, ein hochrangiger Nazi und enger Vertrauter Hitlers gewesen ist. Was viele der Anwesenden, in der Mehrheit Therapeuten, so berührt, ist die Ehrlichkeit der Versöhnungsgeste, deren Zeugen sie sind. Eben haben sie zwei Lebensgeschichten gehört, die davon handelten, wie sich Feindbilder auflösen konnten und wie daraus Zusammenarbeit und Freundschaft entstand. Der Israeli und der Palästinenser hatten jeder, zwecks Verteidigung der eigenen Rechte, die andere Nation bekämpft. Inzwischen arbeiten beide im Rahmen von „PRIME – Peace Research Institute in the Middle East" – dessen Gründer und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Beifall brandet auf. Zwei Männer schütteln sich die Hand. Die etwa tausend Zuhörer in der Würzburger Kongresshalle erheben sich von ihren Plätzen. Damit ehren sie die beiden Redner, Sami Adwan und Dan Bar-On. Der Israeli und der Palästinenser umarmen sich. Eine unglaubliche Geste, damals&#8230;<span id="more-1151"></span></p>
<p>[<a href="http://www.nahost-politik.de/psychologie/dialogue-hebrew.htm">Hebräisch</a>]</p>
<p>Eine unglaubliche Geste im Mai 2001: Dort, wo beide herkommen, herrscht Krieg: täglich sterben Menschen auf den Strassen und in ihren Häusern. Der Kreislauf von Gewalt und Vergeltung in Israel und Palästina geht bereits in die dritte Generation. Der Beifall will nicht enden. Da erhebt sich in der zweiten Reihe ein älterer Herr, geht nach vorn und legt seine Arme um beide. Es ist Martin Bormann, dessen Vater >Reichsleiter< Martin Bormann, ein hochrangiger Nazi und enger Vertrauter Hitlers gewesen ist.</p>
<p>Was viele der Anwesenden, in der Mehrheit Therapeuten, so berührt, ist die Ehrlichkeit der Versöhnungsgeste, deren Zeugen sie sind. Eben haben sie zwei Lebensgeschichten gehört, die davon handelten, wie sich Feindbilder auflösen konnten und wie daraus Zusammenarbeit und Freundschaft entstand. Der Israeli und der Palästinenser hatten jeder, zwecks Verteidigung der eigenen Rechte, die andere Nation bekämpft. Inzwischen arbeiten beide im Rahmen von „PRIME – Peace Research Institute in the Middle East" – dessen Gründer und Kodirektoren sie sind, für den Frieden zwischen beiden Völkern. Dan Bar-On, der 1938 in Haifa geborene Sohn eines aus Hamburg immigrierten jüdischen Arztes und ehemaliger Offizier der israelischen Armee in drei Nahostkriegen; und Sami Adwan, heute Professor für Pädagogik an der Universität Bethlehem, der als Palästinenser im Westjordanland in der ersten Intifada gegen die Besatzungsmacht gekämpft und dies mit Haft in einem israelischen Spezialgefängnis in der Negev-Wüste gebüßt hat. Der Weg von der Feindschaft zur Versöhnung, in einem Umfeld, wo der Kreislauf von Gewalt, Rache und Gegengewalt unauflöslich zu sein scheint, war ein langer, langsamer und schwieriger. „TRT – To Reflect and Trust", haben ihn diejenigen genannt, die ihn mitgegangen sind. Martin Bormann war einer von ihnen.</p>
<p>Initiator des TRT-Prozesses ist Dan Bar-On, heute Professor für klinische Psychologie an der Ben-Gurion-Universität in Beersheva. Die Anfänge von TRT liegen Jahrzehnte zurück. TRT ist keine neue Therapieform. Es ist ein Dialogprozess, der in seiner Vielschichtigkeit und Komplexität nur zu verstehen ist, wenn man bis an die Wurzeln zurückgeht. Einer der Anfänge liegt im Juni 1992. Damals trafen sich an der Universität Wuppertal achtzehn Menschen zu einem mehrtägigen Dialog. Alle teilten ein Schicksal: Das Schweigen ihrer Eltern über einen zentralen Teil der eigenen Biografie. Die Eltern aller Teilnehmer der Wuppertaler Gruppe waren entweder Opfer und Überlebende des Holocaust oder aber Mittäter und Organisatoren des Völkermordes. Opferkinder trafen mit Täterkindern zusammen. Schon allein die Tatsache, sich zu treffen, mehrere Tage miteinander zu verbringen, sich in einem Raum gegenüber zu sitzen und miteinander zu sprechen, bedeutete für die meisten einen schwierigen Schritt. Fast alle waren voller Ängste, Befürchtungen und Albträume nach Wuppertal gefahren. Sie hatten diesen Schritt getan in der Hoffnung, dass es auch eine Erlösung sein könnte, aus dem Gefängnis der Sprachlosigkeit des Schweigens, das ihr Leben gezeichnet hatte.</p>
<p>Überlebende des Holocaust sind meist schwer traumatisiert. Das Verschweigen der erlittenen Erniedrigungen ist auch eine Strategie der Rückkehr in ein normales Leben. Im Israel der fünfziger und sechziger Jahre, einer Nation der Starken und Siegreichen, war für eine ausführliche Würdigung dieses Leids der Opfer, außerhalb der offiziellen Gedenkrituale, kein Raum. Auch für die Nazitäter war das Verschweigen ihrer Taten und das Verleugnen der Verantwortung für den Massenmord eine Grundbedingung dafür, in bürgerlicher Normalität weiterzuleben. Auch im Land der Täter war das Verdrängen Teil der offiziellen Kultur: Erst Anfang der 60iger Jahre, fast zwei Jahrzehnte nach Kriegsende, wurde durch den Frankfurter Auschwitzprozess mit der öffentlichen Aufarbeitung des Holocaust begonnen. So hatte z. B. Hertha F., die 1992 in Wuppertal mit dabei war, erst im Alter von 20 Jahren durch die Verhaftung ihres Vaters und den anschließenden Prozess davon erfahren, dass als er SS-Offizier an Massenmorden in der Ukraine beteiligt war. Die Erkenntnis, einen Massenmörder zum Vater zu haben, bestimmte ihr weiteres Leben.</p>
<p>Verdrängen und Verschweigen machen auf die Dauer krank, physisch und psychisch, was immer die kulturellen Ursachen und die gesellschaftlichen Kontexte dieser Sprachlosigkeit sind. Einer strukturellen Ähnlichkeit der Leiden von Täterkindern und Opferkindern in ihren Auswirkungen auf das Individuum war Dan Bar-On auf die Spur gekommen, nachdem er in den siebziger und achtziger Jahren in seiner therapeutischen Praxis mit den traumatisierten Holocaustopfern gearbeitet hatte, die an Spätfolgen litten. Er begann sich zu fragen, wie es wohl den Kindern der Täter ergangen sei. Da sich bisher noch niemand dafür interessiert hatte, macht Dan Bar-On dies zu seinem Forschungsthema.</p>
<p>Als Angehöriger einer Nation, die ihre Entstehung aus dem Holocaust definierte, war er niemals „unabhängiger Wissenschaftler" oder „objektiver Beobachter", sondern aufgrund seiner Biografie, stets als Beteiligter und Betroffener in den Forschungsprozess involviert. Durch den Weitblick seines Vaters, hatte die engere Familie Dan Bar-Ons überlebt: Hans Bruno, ein Hamburger jüdischer Arzt, der aus Heidelberg stammte, war bereits 1933, nach den ersten diskriminierenden Nazigesetzen, die seine freie Praxis zerstörten, nach Palästina ausgewandert, das damals unter britischer Mandatshoheit stand. Dort wurde Dan 1938 als zweiter Sohn geboren: „Ich wuchs in Haifa deutscher Kultur auf", erinnert sich der Israeli. Er spricht akzentfrei Deutsch, weil in seinem Elternhaus, mit den Großeltern nur Deutsch gesprochen wurde. Als Jugendlicher, Anfang der fünfziger Jahre im eben gegründeten Staat Israel, kappte Dan Bar-On diese deutschen Wurzeln, hebräisierte seinen Namen und zog in ein Kibbuz. In den Kriegen von 1956, 1967 und 1973 kämpfte er als Offizier einer Aufklärungseinheit.</p>
<p>Doch das Verdrängen und Verleugnen der eigenen Herkunft hat seinen Preis. In einer Psychotherapie, die der Israeli in einer Lebenskrise nach dem Oktoberkrieg von 1973 begonnen hatte, besann sich Dan Bar-On auf seine deutschen Herkunft: Diesen Aspekt seiner Identität hatte er als Teil des Nazifeindbildes lange Zeit aus seinem Bewusstsein ausgeklammert. 1983, inzwischen ausgebildeter Psychologe und Hochschullehrer, stieß bei einem Forschungsaufenthalt in den USA die Frage nach den Täterkindern. 1985 kam er zum ersten mal in seinem Leben nach Deutschland und führte in den folgenden drei Jahren mehr als 90 qualitative Interviews mit erwachsenen Kindern von Nazitätern durch, um Aufschluss über die psychischen Folgen des Holocaustes für sie zu gewinnen. (1989 veröffentlicht: „Legacy of Silence: Encounter with Children of the Third Reich", Harvard University Press, frz., dt. japanisch, hebräisch).</p>
<p>Bei dieser Arbeit nahm er auch mit Martin Bormann Kontakt auf und lernte ihn persönlich kennen. „Es war ein hartes Stück Arbeit und mühsamer Weg dahin", erinnert sich Dan Bar-On. Fast anderthalb Jahre lang hatten wir uns geschrieben und miteinander telefoniert, und ich sah unserer ersten persönlichen Begegnung mit Angst und Unsicherheit entgegen." Sein Gegenüber litt unter ähnlichen Befürchtungen. Dass beide Männer sich diese Gefühle gegenseitig eingestehen konnten, legte den Grund für eine persönliche Beziehung.</p>
<p>Aufgrund dieser heilsamen Erfahrung des persönlichen Dialoges als Opferkind mit einem Täterkind initiierte Dan Bar-On 1992 das erste Treffen in Wuppertal. Die Gruppe gab sich den Namen TRT und traf sich bis 1997 jedes Jahr, in Deutschland, Israel oder den USA. Gearbeitet wurde mit der Methode des „story telling": jeder Teilnehmer erzählte der Gruppe seine persönliche Lebensgeschichte, während die anderen zuhörten und darauf eingingen. In Wuppertal eröffnete Lena, die jüdische Ehefrau von Dirk, dem Sohn eines Gestapokommandanten, die Runde. Sie erzählte, wie sie 1941, im Alter von drei Jahren, das Massaker an den jüdischen Dorfbewohnern Ukraine überlebt hatte; wie ihre christlichen Großmutter sie aus einer Schlange vor dem jüdischen Ghetto heraus riss, den Gestapokommandanten um das Leben ihrer Enkelin anflehte und sie bis zur Befreiung durch die Rote Armee 1944 auf einem Dachboden versteckte. Lena berichtete, wie sie später ihre Mutter in Israel wieder fand, nach Deutschland ging und dort heiratete.</p>
<p>Anschließend erzählte Martin Bormann seine Lebensgeschichte: Geboren wurde er 1930, Hitler war sein Taufpate. Martin Bormann besuchte die „NAPOLA", eine Eliteschule für Kinder von Nazis. Bei Kriegsende verschlug es ihn nach Österreich, wo er von da an getrennt von seiner Familie lebte. Er wurde katholisch, trat in einen Orden ein und arbeitete in den sechziger Jahren in der Mission in Afrika. Aus Gesundheitsgründen gab er den Missionsdienst auf. Später verließ er den Orden, heiratete und arbeitete bis zu seiner Pensionierung als Lehrer für katholische Religion und Philosophie.</p>
<p>Insgesamt dauerte es bei diesem ersten Treffen in Wuppertal dreieinhalb Tage, bis alle Beteiligten ihre Geschichte erzählt hatten. „Es entstand ein Gefühl der Offenheit und Energie, das ein Außenstehender wahrscheinlich nicht hätte einordnen können", erinnert sich ein Teilnehmer. Alle wollten mit diesem positiven Anfang weiterarbeiten und erklärten sich zu weiteren Treffen bereit. Ein Ergebnis des Wuppertaler Treffens war, dass die deutschen Täterkinder eine Selbsthilfegruppe gründeten, die sich mehrere Jahre lang regelmäßig traf. Das zweite Treffen, dass 1993 in Israel stattfand, war aus mehreren Gründen sehr viel schwieriger: Zum erstenmal fuhren Täterkinder offiziell in den Staat der Holocaustopfer, besondere Sicherheitsmaßnahmen waren, z.B. für Martin Bormann, nötig.</p>
<p>Da die BBC das Treffen für eine Dokumentationssendung filmte, entstand eine Hierarchie in der Gruppe – ein Widerspruch zu ihrer ursprünglich symmetrischen Struktur. Auch inhaltlich war die Fortsetzung des Prozesses schwierig: nach der Euphorie des Anfangs war jedes Mitglied in seinen soziales Umfeld zurückgekehrt. Fast alle hatten bei ihren Familien und Freunden, jüdischen wie deutschen, Ablehnung und Unverständnis erlebt. Die TRT-Gruppe stand also vor dem Dilemma, sich zu isolieren oder aber dem Druck nachzugeben und sich aufzulösen. Die TRT-Gruppe entschied sich dafür, die Spannung auszuhalten und weder das positive Gefühl des Vertrauens, das durch die Begegnung entstanden war, aufzugeben, noch die Beziehungen außerhalb der Gruppe. Nicht alle konnten das Dilemma ertragen: Einige Mitglieder verließen die Gruppe, andere kamen hinzu. Am dritten Treffen nahm Martin Bormann deshalb nicht teil, weil er fürchten musste, dass seine Anwesenheit von amerikanische Nazis für ihre Propaganda genutzt würde. Hier zeigte sich, welchen Einfluss die Geschichte, auch nach fast einem halben Jahrhundert, auf das persönliche Leben einzelner Teilnehmer der TRT-Gruppe hatte.</p>
<p>Während des sechs Jahre dauernden Dialogprozesses, den Dan Bar-On begleitete, stellte der israelische Forscher zahlreiche strukturelle Ähnlichkeiten im Leben der Opferkinder und der Täterkinder fest. Angehörige beider Gruppen mußten mit der ständigen Präsenz des Holocaustes leben. Sie fühlten sich entfremdet und entwurzelt und erlebten die Ablösung von den eigenen Eltern als ausgesprochen schwierig. Der Dialog war für alle ein befreiender, aber auch schmerzhafter Lernprozess, der es ihnen ermöglichte, einen neuen Weg zu finden, mit der Vergangenheit zu leben. Für einige bedeutete es, Teile der eigenen Identität, nämlich als Opfer im Hass auf die Täter im Recht zu sein, aufzugeben. „Mein Hass war grenzenlos und instinktiv, er wuchs mit jedem Buch, Film oder Artikel, den ich über den Holocaust las", erinnert sich die Miriam K. an ihre Befindlichkeit vor dem TRT-Prozess. „Doch in dieser Gruppe begriff ich, dass es ehrliche anständige Deutsche gibt, die für das, was ihre Landsleute während des Zweiten Weltkrieges begangen haben, große Scham und starke Schulgefühle empfinden, obwohl sie selbst unschuldig sind. Es ist mir klar geworden, dass es unwahrscheinlich hilfreich ist, die Geschichte der anderen zu hören und die eigenen Geschichte in einer Umgebung zu erzählen, die Sicherheit bietet. Dieser Heilungsprozess kann nur dann geschehen, wenn Menschen von beiden Seiten zusammenkommen. Wenn man in der eigenen Familie und in der Gruppe der Opfer ist, ist es so einfach, im Schmerz und in der Wut, ja sogar im Hass zu verharren und sich an die Opferrolle zu gewöhnen. In der Gruppe der Täter scheint es die größte Hürde zu sein, sich von den immensen Schulgefühlen frei zu machen. Da ich drei Töchter habe, musste ich mich einfach diesen Problemen stellen, denn ich möchte auf keinen Fall, dass sie eine ganze Nation aufgrund von historischen Ereignissen hassen", fasst die jüdische Amerikanerin ihre Motivation, sich dem schwierigen Prozess zu stellen, zusammen.</p>
<p>Dass der Holocaust bei den Nachkommen von Tätern und Opfern immer präsent ist, sei unvermeidlich, resümiert Dan Bar-On seine Untersuchung. Doch der negative Einfluss auf das Leben kann durch den bewussten Verarbeitungsprozess, der im TRT-Dialog stattfindet, vermindert werden. Die Folgen werden weniger bedrohlich und selbstzerstörerisch, denn durch den Dialog wird es allen Betroffenen möglich auf eine erträgliche Art damit zu leben... <a href="http://www.nahost-politik.de/psychologie/dialog.htm">weiter&#8230; &#8230;</a></p>
<p>Dan Bar-On:<br />
<strong> <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3434504206/buchundjudenhaga"> Furcht und Hoffnung</a></strong><br />
Europaeische Verlagsanstalt, Hamburg 1997</p>
<p>Dan Bar-On -Hg.-:<br />
<strong> <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3896840312/buchundjudenhaga"> Den Abgrund ueberbruecken</a></strong><br />
Mit persoenlichen Geschichten politischen Feindschaften begegnen. Edition  Koerber-Stiftung, Hamburg 2000</p>
<p>Ausserdem:<br />
<strong><a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3896840347/buchundjudenhaga">Die &#8216;Anderen&#8217; in uns</a></strong><br />
Dialog als Modell der interkulturellen Konfliktbewaeltigung<br />
und:<br />
<strong><a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3593355000/buchundjudenhaga">Da ist etwas kaputtgegangen an den Wurzeln</a></strong></p>
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