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	<title>Pharmacon Net &#187; Perls</title>
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	<description>Interaktion: Medizin und Psychologie, Pharmakologie und Pharmazie</description>
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		<title>Gestalt-Traumatherapie: Vom Überleben zum Leben</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Mar 2011 21:14:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Psychotherapie]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Präsentation theoretischen und praktischen Wissens von Gestaltherapeutlnnen, die mit traumatisierten Menschen arbeiten, erscheint uns gerade zu einem Zeitpunkt besonders wichtig, da einerseits immer mehr manualisierte Herangehensweisen vorgelegt werden, die suggerieren, auch unerfahrene Psychotherapeutinnen könnten mit schwer Traumatisierten arbeiten, wenn sie nur das Manual einhielten, andererseits eine Überwindung des starren Anhaftens an Therapieschulen und Methoden in Aussicht ist, die sich zunehmend am dringenden Bedarf der Betroffenenen orientiert&#8230; Aus dem Vorwort zu Gestalt-Traumatherapie &#8211; Vom Überleben zum Leben Mit traumatisierten Menschen arbeiten Also &#8211; noch ein Buch über Traumatherapie? Die Statistiken sind fatal. Etwa 30 Prozent der Kinder, die unter schweren Lebensereignissen oder suboptimaler Versorgung litten, erkranken im Laufe ihres Lebens an einer majoren Depression, nicht erst im Erwachsenenalter, sondern schon als Kinder oder als Jugendliche. Und das ist nur eine mögliche Traumafolgestörung. Jede Form der Traumafolgestörung stellt einen Versuch dar, mit dem traumatisierenden Ereignis und den Schäden, die es angerichtet hat, zurechtzukommen. Jede einzelne stellt einen Versuch dar, eine unterbrochene Handlung zu Ende zu bringen, eine Gestalt zu schließen. Man könnte sagen, Gestalttherapie ist aus diesem Grund genuin Traumatherapie. Wolfgang Wirth belegt dies in seiner Darstellung der Lebens- und Traumageschichte von Fritz Perls auf eindrucksvolle Weise. Im Herbst 2007 fand [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Präsentation theoretischen und praktischen Wissens von Gestaltherapeutlnnen, die mit traumatisierten Menschen arbeiten, erscheint uns gerade zu einem Zeitpunkt besonders wichtig, da einerseits immer mehr manualisierte Herangehensweisen vorgelegt werden, die suggerieren, auch unerfahrene Psychotherapeutinnen könnten mit schwer Traumatisierten arbeiten, wenn sie nur das Manual einhielten, andererseits eine Überwindung des starren Anhaftens an Therapieschulen und Methoden in Aussicht ist, die sich zunehmend am dringenden Bedarf der Betroffenenen orientiert&#8230;<span id="more-3216"></span></p>
<p><em>Aus dem Vorwort zu <a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3897979012">Gestalt-Traumatherapie &#8211; Vom Überleben zum Leben</a><br />
Mit traumatisierten Menschen arbeiten</em></p>
<p><strong>Also &#8211; noch ein Buch über Traumatherapie?</strong></p>
<p>Die Statistiken sind fatal.<br />
Etwa 30 Prozent der Kinder, die unter schweren Lebensereignissen oder suboptimaler Versorgung litten, erkranken im Laufe ihres Lebens an einer majoren Depression, nicht erst im Erwachsenenalter, sondern schon als Kinder oder als Jugendliche. Und das ist nur <em>eine</em> mögliche Traumafolgestörung.<br />
Jede Form der Traumafolgestörung stellt einen Versuch dar, mit dem traumatisierenden Ereignis und den Schäden, die es angerichtet hat, zurechtzukommen. Jede einzelne stellt einen Versuch dar, eine unterbrochene Handlung zu Ende zu bringen, eine Gestalt zu schließen.</p>
<p>Man könnte sagen, Gestalttherapie ist aus diesem Grund genuin Traumatherapie.</p>
<p>Wolfgang Wirth belegt dies in seiner Darstellung der Lebens- und Traumageschichte von Fritz Perls auf eindrucksvolle Weise. Im Herbst 2007 fand in Wien eine Ausstellung zu Leben und Werk <a href="http://www.hagalil.com/archiv/2007/11/reich-0.htm">Wilhelm Reichs</a> statt. Auch dies eine Traumageschichte, von Bedeutung durch das Erkennen der Wichtigkeit des Körpergedächtnisses für die Aufrechterhaltung der seelischen Belastung.</p>
<p>Viele Gestalttherapeutinnen arbeiten in ihrer täglichen Praxis mit traumatisierten Menschen. Wenig ist bisher publiziert worden, wie sie dies tun und wie sie sich in ihrer Arbeit theoretisch und methodisch auf die Gestalttherapie beziehen.</p>
<p>Bekannt sind die Arbeiten von Butollo und seinen Kolleginnen (z.B. Butollo et al. 1998 und 2003) zum Umgang mit traumatischen Folgen durch Krieg.<br />
Imke Deistler und Angelika Vogler legten 2005 ein Buch zur therapeutischen Begleitung von schwer traumatisierten Menschen vor, welches<br />
zugleich eine Einführung in das Verständnis der dissoziativen Identitätsstörung abgibt. Sie reflektieren dieses Störungsbild aus der Sicht der Gestalttherapie und zeigen Therapiemöglichkeiten auf aus ihrer Arbeit mit Opfern sexueller Gewalt.</p>
<p>Eine weitere Möglichkeit der Traumatisierung wurde 2006 von Michaela Pröpper thematisiert: Die traumatisierenden Folgen einer Krebsdiagnose.<br />
Neben diesen größeren Publikationen ist eine Reihe kleinerer Beiträge erschienen, auf welche in diesem Band Bezug genommen wird. Weiter wird die Notwendigkeit deutlich gemacht, sich verschiedene Sichtweisen und Techniken anderer Methoden zunutze zu machen, um die Patientinnen optimal zu behandeln. Mit diesem Buch wollten wir Gestaltherapeutlnnen Gelegenheit geben, aus ihrer Praxis zu berichten. Wir wollen damit die theoretische Diskussion wie auch den Austausch über Praxiserfahrungen in der Arbeit mit traumatisierten Menschen anregen und beleben. Die meisten Autorinnen schauen in Theorie und Praxis auch über den »Tellerrand«. Sie beziehen sich nicht nur auf die Gestalttherapie sondern auch auf den aktuellen Forschungsstand der Traumatherapie. Stabilisierende Vorgehensweisen und Techniken sind grundlegend für jede psychotherapeutische Methode, und die Sammlung imaginativer Techniken, die Luise Reddemann vorgelegt hat, ist ein wertvolles Schatzkästchen für all jene, die beim gestalttherapeutischen Experimentieren Unterstützung suchen.<br />
Alle Autorinnen dieses Bandes arbeiten in unterschiedlicher und beeindruckender Weise eine Verankerung mit der Theorie und den Konzepten der Gestalttherapie heraus und zeigen, wie gut diese sich eignet, um mit traumatisierten Menschen zu arbeiten. Sie fördern damit die gestalttherapeutische Theoriebildung.<br />
Wir wollen in diesem Band einerseits den aktuellen Wissensstand widerspiegeln, andererseits Einblick in die individuellen gestalttherapeutischen Vorgangsweisen der Autorinnen geben und schließlich ermutigen, auf der Basis gestalttherapeutischen Grundverständnisses von Annahme, Kontakt und Stütze Anregungen für die Behandlung der wachsenden Personengruppe mit diagnostizierten Traumafolgestörungen zu bieten.</p>
<p>Den Auftakt macht <strong>Wolfgang Wirth</strong> mit einer überblicksartigen Aufarbeitung der theoretischen Anknüpfungspunkte zu einer gestalttherapeutischen Konzeption der Traumatherapie. Spannend sind u.a. seine biografischen Ausführungen zu Fritz Perls, welche ihn als durch Kriegserlebnisse und familiäre Gewalt Traumatisierten darstellen, was wesentlichen Einfluss auf die Konzeption der Gestalttherapie hatte. Sie enthält, wie anhand einer genauen Durchsicht von Gestalttherapie (Perls et al 2006) gezeigt wird, schon in ihrer originären Konzeption wesentliche Elemente und Stützen zu einer Traumatherapie. Wirth arbeitet mit Hörgeschädigten und rundet seinen Beitrag mit einer Fallvignette über eine gehörlose Frau ab, die miterlebte, wie ihre Freundin von einer Lawine erfasst und getötet wurde. Bemerkenswert ist, dass die Therapie in der Gebärdensprache erfolgt.</p>
<p><strong>Anja Jossen</strong> präsentiert in ihrem Beitrag ein eindrückliches Fallbeispiel einer Überlebenden eines Gemetzels aus dem Kosovokrieg. Es gelang der Frau, in die Schweiz zu flüchten und dort um Asyl anzusuchen, welches ihr im Behandlungszeitraum auch gewährt wurde, was mit zu einer Stabilisierung beitrug. Jossen gelingt es, hautnah zu schildern, was passiert war, wie der Therapieprozess verlief und den Beitrag durch gestalttheoretische Reflexion zu bereichern. Der Artikel wird abgerundet durch die Schilderung eines Treffens fünf Jahre nach Abschluss der Therapie. Erwähnenswert ist, dass in dieser Therapie einer aus einer anderen Kultur stammenden Patientin aus sprachlichen Gründen immer eine Drittperson als Übersetzerin mitwirkte. Das gehört nicht selten zu den Therapiebedingungen in der Arbeit mit Fremdsprachigen, mit Asylsuchenden, und diese sind häufig traumatisiert.</p>
<p>Im anschließenden Beitrag interviewt <strong>Almut Ladisich-Raine</strong> den bekannten Psychologieprofessor <strong>Willi Butollo</strong> aus München. Butollo wirkte im Auftrag der UNICEF während des Bosnienkrieges an einem Projekt mit, welches bosnische Psychotherapeutinnen zur Arbeit mit traumatisierten Kriegsopfern befähigen sollte. Er führt aus, wie er als kriegsunversehrter Deutscher, ohne wirkliche Erfahrung in der Therapie Kriegstraumatisierter, keine billigen Therapierezepte anzubieten hatte, sondern in dialogischer Weise gemeinsam mit den Beteiligten erarbeitete, welche Unterstützung sie brauchten. Was er zu bieten hatte, waren generelle Kenntnisse aus der Traumatherapie, was die einheimischen Therapeutinnen zu bieten hatten, war deren eigene Erfahrung als vom Krieg Geprägte. Gemeinsam konnten Wege zur therapeutischen Bewältigung gefunden werden. Die Würdigung der Bosnier als Experten auf gleicher Ebene ermöglichte eine Begegnungsqualität, welche für sich heilend war und einer gestalttherapeutischen Haltung entspricht. Deutlich wird im Interview, dass es bei den bosnischen Therapeutinnen keine Unterscheidung gab zwischen unbetroffenem Helfer und betroffenem Patienten. Alle waren sie traumatisiert und geprägt von ihrer je eigenen Kriegserfahrung und familiären Verlusten. Das ergab eine besondere Grundlage für die therapeutische Arbeit, für Abgrenzungen zwischen dem Erleben von Therapeutin und Patientin und die Psychohygiene der Therapeutinnen.</p>
<p>Ladisich-Raine war nach dem Krieg als Ausbildnerin in Kroatien tätig und hat dort auch erlebt, wie die auszubildenden Therapeutinnen immer zugleich auch Betroffene des Kriegs waren.</p>
<p><strong>Irena Besic</strong> ist Gestalttherapeutin und Psychiaterin aus Kroatien. Sie war am Projekt Butollos in Bosnien beteiligt wie auch am gestalttherapeutischen Ausbildungsgang, in welchem Ladisich-Raine mitwirkte. Sie erlebte die Kriegszeit und die Nachkriegszeit in einer Doppelrolle als professionelle Helferin und Betroffene. Sie leistete in manchen der neuen Staaten professionelle Hilfe im Umgang mit schweren Traumafolgen. Ihr kurzer Erfahrungsbericht lässt erahnen, wie nachhaltig diese Folgen sind und wie prägend auch für die Therapeutinnen.<br />
<strong></strong></p>
<p><strong>Colette Jansen Estermann</strong> berichtet über die Therapie eines durch sexuelle Gewalt traumatisierten Mannes im bolivianischen Hochland. Sie reflektiert dabei auch eine aus feldtheoretischer Sicht wichtige Dimension, die der strukturellen Gewalt.<br />
Sie zeigt auf, wie gesellschaftliche Machtverhältnisse, insbesondere in Ländern mit großer Armut, durch strukturelle Gewalt &#8211; im Sinne Johan Galtungs &#8211; Traumatisierungen im familiären, kirchlichen und behördlichen Rahmen begünstigen. Aber auch wie die Permanenz struktureller Gewalt (z.B. keine Aussicht auf Arbeit und Teilhabe an gesellschaftlichen Werten, Bedrohung durch militärische und paramilitärische Truppen) dauerhafte psychische Veränderungen bewirkt, die die Menschen überhaupt erst in die Lage versetzen, ihre Situation zu ertragen.</p>
<p>Eine weitere sehr anschauliche und theoretisch gut reflektierte Fallgeschichte präsentiert <strong>Rotraud Kerner</strong>. Es handelt sich um die Schilderung der stabilisierenden Therapie einer traumatisierten Frau, welche wiederholt sexuelle Gewalt im Familienkontext erlebt hatte und eine Dissoziative Identitätsstörung entwickelte. Kerner verbindet Stabilisierungstechniken, die sie bei Reddemann, Sachsse und Huber fand, und das Ego-state-Konzept (Systemische Therapie mit der inneren Familie, vergleichbar dem Konzept der Selbst-Anteile in der Gestalttherapie) mit der Haltung, den Prinzipien und Techniken der Gestalttherapie. Sie zeigt, wie ein nachhaltiger Therapieerfolg im Hinblick auf ein befriedigendes Alltagsleben auch durch die konsequente Verwendung von Stabilisierungstechniken allein erreicht werden kann, ohne dass Traumaexposition sich je als erforderlich zeigt.</p>
<p>Da viele Traumatisierungen bereits im Kindesalter erfolgen, schien uns ein Beitrag über die Traumabehandlung bei Kindern und Jugendlichen unentbehrlich. <strong>Thomas Schön</strong> arbeitet seit vielen Jahren in freier Praxis und in einer therapeutischen Wohngemeinschaft mit Kindern und Jugendlichen. Er zeigt die Wichtigkeit einer frühen Traumabehandlung im Kindesalter auf, gibt Fallvignetten und reflektiert diese auf gestalttherapeutischem Theoriehintergrund. Wichtig auch sein Exkurs zu Psychohygiene von Helfenden.</p>
<p>Mit der Präsentation des »Luziden Träumens« als Therapieansatz für den Umgang mit Albträumen offeriert <strong>Brigitte Holzinger</strong> einen Ansatz, wie auch Albträume im Zusammenhang mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung von der träumenden Person beeinflusst werden können, so dass eine symptommildernde, stabilisierende Wirkung erreicht wird.</p>
<p>Der Band wird abgerundet mit einem Beitrag von <strong>Beatrix Wimmer</strong> zu genderspezifischen Bewältigungsstrategien von traumatisierenden Gewalterfahrungen aus der Sicht gestalttherapeutischer Theorie.</p>
<p><strong>Bestellen: <a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3897979012">Gestalt-Traumatherapie &#8211; Vom Überleben zum Leben</a><br />
Mit traumatisierten Menschen arbeiten</strong></p>
<p>Das Buch sei allen Patientinnen und Patienten gewidmet, denen wir eine Fülle an Erfahrungen und eine wesentliche Verbesserung unserer Kenntnisse verdanken und all den Helfenden, die mit traumatisierten Menschen arbeiten.<br />
<em>Heide Anger und Peter Schulthess<br />
Wien und Zürich, Januar 2008</em></p>
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		<title>Erinnerungen an Laura Perls: Leben an der Grenze</title>
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		<pubDate>Tue, 11 Jan 2011 17:50:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wer war Lore Perls? Kennengelernt habe ich sie 1978 in einem Seminar und habe mich dann gleich für ein weiteres angemeldet. So gewann ich ihr Vertrauen, einige Seminare für sie in Düsseldorf zu organisieren, und so habe ich sie auch gleich von der praktischen Seite her kennengelernt. Ich fing an, Dinge zu lesen, die sie mir empfahl, und da sie in dieser Zeit regelmäßig in Deutschland war, um sich zu erholen, ihre Heimatstadt Pforzheim zu besuchen und in den Alpen Urlaub zu machen, hatten wir jedes Jahr Gelegenheit, uns zu sehen, und ich habe kein Jahr ausgelassen&#8230; Dr. Kristine Schneider Zugute kam mir meine Freundschaft mit Anna und Milan Sreckovic, wo sie aufs großzügigste untergebracht war und mit denen sie oft wochenlang in Köln lebte. Meine Legitimation, über sie persönlich zu berichten, bezieht sich daher auf ihre späten Lebensjahre, und all das, was ich aus früheren Zeiten über sie weiß, weiß ich durch Berichte, die sie selbst gegeben hat, aus Interviews und Berichten von Freunden. Erv Polster, bei dem ich gelernt habe, hatte mich sehr neugierig auf sie gemacht. Immer wenn er von ihr und von seinem Lernen in ihrem Institut in Cleveland sprach, bekam sein Mund so einen amüsanten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wer war Lore Perls? Kennengelernt habe ich sie 1978 in einem Seminar  und habe mich dann gleich für ein weiteres angemeldet. So gewann ich ihr  Vertrauen, einige Seminare für sie in Düsseldorf zu organisieren, und  so habe ich sie auch gleich von der praktischen Seite her kennengelernt.  Ich fing an, Dinge zu lesen, die sie mir empfahl, und da sie in dieser  Zeit regelmäßig in Deutschland war, um sich zu erholen, ihre Heimatstadt  Pforzheim zu besuchen und in den Alpen Urlaub zu machen, hatten wir  jedes Jahr Gelegenheit, uns zu sehen, und ich habe kein Jahr  ausgelassen&#8230;<span id="more-2979"></span></p>
<p><em>Dr. Kristine Schneider</em></p>
<p>Zugute  kam mir meine Freundschaft mit Anna und Milan Sreckovic, wo sie aufs  großzügigste untergebracht war und mit denen sie oft wochenlang in Köln  lebte. Meine Legitimation, über sie persönlich zu berichten, bezieht  sich daher auf ihre späten Lebensjahre, und all das, was ich aus  früheren Zeiten über sie weiß, weiß ich durch Berichte, die sie selbst  gegeben hat, aus Interviews und Berichten von Freunden. Erv Polster, bei  dem ich gelernt habe, hatte mich sehr neugierig auf sie gemacht. Immer  wenn er von ihr und von seinem Lernen in ihrem Institut in Cleveland  sprach, bekam sein Mund so einen amüsanten Ausdruck. Er sprach sehr  achtungsvoll und heiter von ihr, und ich dachte mir, eine Frau, von der  solch ein Mann so nett spricht, muß ich kennenlernen. Ganz abgesehen von  ihrem Beitrag zur Gestaltpsychotherapie, der Humanisierung der Gestalt.  Das ist auch Lore Perls&#8217; Verdienst, das inzwischen bekanntgeworden ist.</p>
<p>Anderes ist weniger bekannt. &#8220;<a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3779500310">Meine Wildnis ist die Seele des  anderen</a>&#8221; ist gleichzeitig Lores Liebeserklärung an ihren guten Freund  und Schüler, Paul Goodman. Für ihn waren nämlich unsere Straßen die  &#8220;Wildnis&#8221;, und Lore Perls hat in Analogie zu seinem Denken die Seele zu  ihrer Wildnis erklärt, wo sie abenteuern und explorieren konnte, soviel  sie wollte, und ihre häuslichen Pflichten hat sie immer nebenbei  erledigt.</p>
<p>Eine ideale Kombination. Aber sie war auch widersprüchlich, denn sie  sagte: &#8220;Therapie kann man lernen, nicht lehren.&#8221; Das war ihre  Überzeugung. Trotzdem bildete sie über vier Jahrzehnte Therapeuten  heran. Gemeinsam mit ihrem Mann, Fritz Perls, entwickelte und erprobte  sie ein neues, psychodynamisches System existentieller Psychotherapie.  Gemeinsam mit ihm, und dennoch blieb sie hinter den Kulissen. In den  fünfundzwanzig Jahren ihrer Zusammenarbeit reiften Inhalt und Form der  Gestalttherapie, die sich zunächst als Revision der Freudschen  Widerstandstheorie verstand, sich mit Beginn der fünfziger Jahre  emanzipierte und unter einer Bezeichnung, die sie selber gar nicht  unterstützte &#8211; Gestalttherapie &#8211; Weltgeltung erhielt. Wieso stand sie  als Mitbegründerin der Methode so lange im Schatten ihres berühmten  Mannes und eines berühmten Freundes?</p>
<p>Mittlerweile zeichnet sich der Beitrag, den sie für die Entwicklung  geleistet hat, zusehends deutlicher ab. Und so verstehe ich auch meinen  Vortrag, denn es gibt Dinge, die sieht man nicht auf den ersten Blick.  Das war etwas Wesentliches an Lore. Erstens sah sie Dinge, die andere  auf den ersten Blick nicht sehen, und zweitens verbarg sie sich vor dem  sogenannten ersten Blick. Man mußte schon genauer hinschauen, um sie zu  entdecken. Vielleicht ist das im Zusammenhang mit Miriam Polster besser  zu verstehen, die sich in ihrem Buch &#8220;<a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3926176547">Evas Töchter, Frauen als heimliche  Heldinnen</a>&#8221; (EHP 1994) über den weiblichen Heroismus Gedanken gemacht  hat: Es gibt ihn eigentlich nicht. Die Öffentlichkeit bevorzugt  männliche Helden. Die weibliche Heldin ist auch kein Archetypus, also  gibt es keine große gesellschaftliche Empfänglichkeit für eine Frau, die  etwas Großes leistet. Und gerade die Generation von Lore Perls, das  werden wir noch an ihrem Werdegang sehen, hatte wenig, wenn überhaupt  Vorbilder dafür, in der Öffentlichkeit Leistung zu zeigen.</p>
<p>Längst hat sie von ihren Schülern und in der Öffentlichkeit den Platz  erhalten, der ihr aufgrund ihrer Verdienste zusteht, fernab aller  kleinlichen Rivalitätsüberlegungen. In der genialen Unordnung, welche  die geistige Welt von Fritz Perls kennzeichnete, wurde sie durch ihre  Stetigkeit, Klarheit und ihren Ordnungssinn zum unverzichtbaren  Gegengewicht. &#8211; Lore, die Frau von Fritz Perls? Das Bild trügt. Ihr  Selbstverständnis kam aus einer anderen Richtung. Der große Auftritt war  nie ihre Sache. Der Brillanz des Augenblicks erlag sie nicht. Man  begegnete ihr nicht erst, nachdem man heilige Hallen durchquert hatte.  Sie bevorzugte das Unauffällige, die Arbeit im Kleinen, die Erforschung  und den Aufbau des Verhaltens, Details. Ihre Arbeitsweise besaß die  Vertrautheit des Alltäglichen und bot die Sicherheit verläßlicher  Zuwendung und Freundschaft.</p>
<p>Als Fritz Perls zur Westküste ging, führte sie das New Yorker  Gestaltinstitut weiter und prägte es in ihrem Sinne. Ihre  Eigenständigkeit, sagt Jerry Kogan, ist für alle unübersehbar, die Lore  und Fritz in ihrer Arbeit erlebt haben. Lore verfügte über eine  unverwechselbare eigene Handschrift, und dazu bekannte sie sich Zeit  ihres Lebens.</p>
<p><span style="font-size: medium;"><strong>Die 1920er Jahre in Deutschland</strong></span></p>
<p>Ihre therapeutische Laufbahn begann bei der Psychoanalyse. Den  Anstoß, sich damit zu befassen, erhielt sie aus Gesprächen, die Fritz  mit einem Freund führte, der sich wie er in einer Lehranalyse befand.  Die Fachsimpeleien der beiden weckten in ihr den Wunsch, mehr davon zu  verstehen. Mit einundzwanzig Jahren war sie Fritz in einer Vorlesung von  Professor Gelb an der Frankfurter Universität begegnet. Schlagartig  erlag sie der Faszination, die er auf Menschen ausübte, die näher mit  ihm in Berührung kamen. Die lerneifrige Studentin aus der Kleinstadt  Pforzheim, Tochter begüterter und hochgebildeter jüdischer Eltern,  verliebte sich in den Mann von Welt. Das Jurastudium, das sie auf  Anraten einer gestandenen Frauenrechtlerin aufgenommen hatte, gab sie  auf, als sie entdeckte, daß sie sich eigentlich nur für die  psychologischen Aspekte der Juristerei interessierte, und wendete sich  dem Studium der Psychologie zu.</p>
<p>Männer mit legendärem Ruf lehrten zu jener Zeit in Frankfurt; Gelb,  Goldstein, Wertheimer, beschäftigt mit der aufblühenden Gestalttheorie,  Martin Buber und Paul Tillich, bei denen sie Existenzphilosophie hörte.  Sie wußte das Glück zu schätzen, in einer geistig ungemein anregenden  Atmosphäre zu studieren. Ihr Interesse für Gestalttheorie wurde geweckt.  <a href="http://www.pharmacon.net/2009/08/max-wertheimer/">Max Wertheimer</a>, dessen Lebenseinstellung mehr die eines Künstlers als eines  trockenen Wissenschaftlers war und ihrer eigenen künstlerisch gefärbten  Intellektualität entsprach, war ihr Favorit.</p>
<p>Von der Spannung, welche die Vorbereitungen zur Veröffentlichung  seines Buches, &#8220;Produktives Denken&#8221;, begleitete, ließ sie sich  einfangen. Ihre Lehrtherapeuten teilte sie mit Fritz. Erst war sie bei  Clara Happel, dann bei Karl Landauer. Aber Gestalttheorie und  Psychoanalyse galten als unverträglich. Lore geriet zwischen die Fronten  von Gestaltschule und Psychoanalyse, an denen heftige Kontroversen,  wissenschaftliche und persönliche, ausgetragen wurden. Die damals mehr  phänomenologisch ausgerichteten Psychoanalytiker hielten nicht viel vom  experimentellen Vorgehen im psychologischen Laboratorium. Wahrscheinlich  kam Lore bereits damals die in den Kontroversen behauptete  Unvereinbarkeit von Psychodynamik, Phänomenologie und Experiment  verdächtig vor.</p>
<p>Zweieinhalb Jahre später behandelte sie in Berlin die ersten eigenen  Patienten in ihrer soeben eröffneten Praxis. Als Kontrollanalytiker  wählte sie Otto Fenichel, bei dem sie etwas Entscheidendes lernte: sich  auf sich selbst zu besinnen. Fenichel erreichte das durch strikte  Zurückhaltung von Kritik und Anregung. Lore, die sich von einer  Kontrollanalyse etwas anderes versprochen hatte, meinte: &#8220;Von seinem  Buch konnte ich mehr aufnehmen als von ihm persönlich.&#8221; Seine orthodoxe  Zurückhaltung war ihr manchmal unverständlich; es gab Momente, in denen  sie dazu neigte, die Stunden für vertane Zeit und Geldverschwendung zu  halten. Aber unfreiwillig zog sie daraus den Gewinn stärkerer  Eigenständigkeit. Sie begann, ihrer eigenen Erfahrung und ihrer  persönlichen Urteilskraft mehr zu vertrauen.</p>
<p>Gestalttheorie, Psychoanalyse und Integration von Erfahrungen prägten  ihr wissenschaftliches Denken. Was sie an künstlerischer Veranlagung  mitbrachte &#8211; sie spielte seit ihrem sechsten Lebensjahr Klavier und  liebte den Tanz -, vervollkommnete sie zu einem therapeutischen  Verständnis von Körper und Bewegung. In dieser Hinsicht verdankt sie  Elsa Grindlers Bewegungstherapie und Alexanders Körperarbeit vieles, was  später unverzichtbarer Bestandteil der Gestalttherapie wurde. Die  Erfahrungen, die sie bei diesen großen Lehrern machte, waren von  praktischem Wert für ihren Umgang mit Patienten und führten zu der  Entdeckung, daß sich mit ihnen mehr machen läßt als zuhören und  interpretieren.</p>
<p><span style="font-size: medium;"><strong>NS-Terror und Exil</strong></span></p>
<p>Der vielversprechende Anfang in Berlin fand 1932 einen jähen Abbruch.  Lore hatte 1930 geheiratet, ihr erstes Kind bekommen und nach kurzer  Unterbrechung ihre Dissertation über visuelle Wahrnehmung bei Wertheimer  beendet. Beruflich und privat stand alles bestens. Doch die politische  Lage machte das Leben von Psychoanalytikern in Deutschland gefährlich.  Fritz stand auf der schwarzen Liste der Nazis. Das Paar zog es vor,  Deutschland rechtzeitig zu verlassen und entschied sich nach einigen  Monaten Zwischenstation in Amsterdam zur Emigration nach Südafrika. Wie  für viele andere Psychoanalytiker, die ihre Heimat verlassen mußten,  setzte sich Ernest Jones auch für sie ein. Jones kümmerte sich rührend  um alle Leute, die in Amsterdam gelandet waren, um sie in die Welt  hinaus zu verteilen. Es gab eine Art Kontingentierung, wer in welches  Land sozusagen &#8220;psychoanalytisch delegiert&#8221; wurde. Und weil die guten  Posten in Amerika, Südamerika und so weiter schon alle weg waren, blieb  Südafrika, das war gar nicht die Wahl der Perls&#8217;. Sie konnten nach  Südafrika, es war ihr Kontin(g)ent &#8211; und Lore konnte kein Wort Englisch.</p>
<p>Johannesburg wurde zur Wahlheimat der kommenden fünfzehn Jahre.  Gemeinsam eröffneten die Perls eine Praxis &#8211; Lore zunächst mit dem  besagten Handicap, kein Englisch zu sprechen &#8211; und zwei Jahre später das  Psychoanalytische Institut, an dem sie Ausbildungen durchführten. Ihr  Wunsch war ein ungestörtes Arbeitsfeld gewesen, und sie fanden, was sie  gesucht hatten, überdies Sicherheit und Freiheit. Angesichts ihrer  Unternehmungslust und der spärlichen Verbindungen mit Europa, unter  denen auch der Kontakt zur Psychoanalytischen Gesellschaft litt, fiel  ihnen das Experimentieren leicht: &#8220;Wir waren wirklich frei und konnten  machen, was wir wollten.&#8221; Ihre wissenschaftlichen Gedankengänge  resultierten in einer Theorie vom oralen Widerstand, die, als Revision  der Freudschen Auffassung gedacht, für beide unerwartet, auf dem  Internationalen Psychoanalytischen Kongreß 1936 in Marienbad zum Eklat  führte. Beide hatten sich mit den Folgen herumzuschlagen, die der  Ausschluß aus der Psychoanalytischen Vereinigung ihnen aufzwang. Das  Institut mußte geschlossen werden; sie gewannen aber den Vorteil, ohne  weitere Vorschriften und Einschränkungen arbeiten zu können und  auszuprobieren, was sie für besser hielten, sowie Begründungen für das  zu suchen, was sie entdeckten. Die Ergebnisse fanden ihre ausführliche  Formulierung in dem Buch &#8220;Ego, hunger and aggression&#8221;, das sie gemeinsam  erarbeiteten. Lore führte heiße Diskussionen mit Fritz, tippte,  ermutigte und gab ihre klaren Einsichten dazu. Die Kapitel &#8220;Dummy  complex&#8221; und &#8220;Insomnia&#8221; stammen ausschließlich von ihr. Fritz, der sich  im schriftlichen Ausdruck schwertat, schätzte ihre Leichtigkeit beim  Formulieren. Im übrigen bestand sie nicht darauf, an dem literarischen  Erfolg des Buches, das 1942 erschien, teilzuhaben, den Ruhm ließ sie  Fritz.</p>
<p>Zu dieser Zeit hatte Lore längst die Couch aus ihrer Praxis verbannt.  Hinter dem Patienten sitzend, hörte sie aufmerksam zu und &#8211; strickte,  um sich vom Rauchen abzuhalten. Der Anforderung von drei Seiten &#8211;  Familie, die um zwei Kinder gewachsen war, Praxis und ein Lebenspartner  von außergewöhnlicher Lebhaftigkeit &#8211; wurde sie gerecht, denn sie war  gewohnt, daß Dinge ihr glatt von der Hand gingen, wenn sie zupackte. In  der engen Zusammenarbeit mit Fritz wurde ihr langsam klar, wie sehr sich  ihr persönlicher Arbeitsstil von seinem abhob, obwohl beide von  denselben theoretischen Begriffen ausgingen. Die letzten Jahre in  Johannesburg, als Fritz schon in New York war und sie seine Praxis  übernommen hatte, gaben ihr dann Gelegenheit, auf ihren eigenen Kurs zu  gehen, der ihrer entgegenkommenden Art, ihrer Geduld und ihrer  Fähigkeit, auf den richtigen Moment zu warten, mehr Raum gewährte.</p>
<p><span style="font-size: medium;"><strong>New York, USA</strong></span></p>
<p>Ihre Eigenständigkeit wurde ihr lieb, und sie behauptete sich, als  Fritz 1951 ihre Mitarbeit im neugegründeten Gestaltinstitut in New York  wünschte: &#8220;Das ist dein Baby, ich will damit nichts zu tun haben&#8221;,  lautete ihre Ablehnung, und sie blieb bei der Arbeit mit ihren  Patienten. Ihre Stetigkeit, die ihr im Zusammenleben mit Fritz schon oft  zugutegekommen war, bewährte sich erneut, als Fritz sich auf den Weg  zur Westküste machte, um im Esalen Institut in Big Sur zu bleiben. Ihr  Gestaltbaby saß derweilen sozusagen auf ihren Knien und verlangte, in  gewissenhafte Obhut genommen zu werden.</p>
<p>In dieser Zeit gewinnt Lore auch nach außen ihre professionelle  Identität. Fünfundzwanzig Jahre lang hatte sie in engster geistiger  Verbindung mit ihrem Mann gelebt, geplant und experimentiert. Nun steht  sie auf eigenen Füßen. Die getrennte Praxis von Lore und Fritz läßt die  stilistischen Unterschiede wachsen. Fritz, beeinflußt von seinen  Theatererfahrungen, ist direktiv. Er bevorzugt die Kontrolle der  Situation und bleibt die dominante Persönlichkeit, die er auch im  Privatleben ist. Lore dagegen entfaltet ihre Permissivität, die  Vertrauen ohne Unterordnung schafft und die Integrität der  Selbstwahrnehmung des Patienten achtet. Mit erstaunlicher  Selbstdisziplin prägt sie ihre persönlichen Stärken zu einer  therapeutischen Haltung.</p>
<p><strong>Therapie versteht sie als den Weg vom Fremdsupport, der Stütze von  außen, zum Selbstsupport, der Unabhängigkeit von fremder Hilfe. Die  Aufgabe der Therapie sieht sie in der Herstellung einer existentiellen  mitmenschlichen Beziehung zwischen dem Therapeuten und seinem Patienten,  in der Nacherziehung und Umerziehung stattfindet.</strong></p>
<p>Hauptstütze dieser therapeutisch ergänzenden &#8220;Pädagogik&#8221; ist der  direkte und vorbehaltlose Kontakt zum Therapeuten, weil durch ihn der  Kontakt des Patienten zu sich selbst erleichtert wird. Selbstsupport ist  wichtig für die fortlaufende Gestaltbildung. Folgerichtig gibt Lore der  therapeutischen Situation mehr Natürlichkeit: &#8220;Ich habe fünfzehn Jahre  lang Analysen durchgeführt und weiß, was es heißt, ohne die Stütze des  Kontakts zu sein. Der Patient bleibt ohne Selbstsupport, erinnert sich  mehr und mehr, bekommt Interpretationen, die er entweder glaubt oder  nicht. Ich saß hinter dem Patienten, er blickte zur Wand. Wie sollte da  ein Dialog aufkommen?&#8221; Also setzt sie sich dem Patienten gegenüber und  wird für ihn Person. Das Kontakt/-Support-Konzept rückt ins Zentrum. Zu  seiner Orientierung darf der Patient sich auf den Raum, die Zeit und  seine Mitmenschen beziehen, das allein gibt schon Stütze. Ihm wird  wirklich zugehört, er wird wörtlich genommen, und anstatt analysiert zu  werden, erhält er Hilfen, die richtigen Ausdrücke, die passenden  Bewegungen, eine gelockerte Körperhaltung zu finden, mit der er sich  stark genug vorkommt, um die Grenzerfahrung einzugehen. Mit ernsten  Vorbehalten notiert Lore die Fixierung mancher Therapeuten in  konfrontativem Vorgehen. Für sie hat übermäßige Konfrontation  antitherapeutischen Stellenwert: &#8220;Das sind Leute, die den Zusammenbruch  suchen, nicht den kalkulierbaren Durchbruch. Einfach zu durchbrechen,  womit jemand sich schützt, ist kurzsichtig.&#8221; Folgerichtig schont sie den  Rest an Selbstsupport, den der Patient mitbringt, einschließlich seiner  Widerstände. Ihre Begründung: &#8220;Eine neue Stütze findet man nicht  sofort&#8221;, und: &#8220;Das Fehlen des wesentlichen Support führt immer in die  Angst.&#8221;</p>
<p>Ihre Art, Gestalttherapie auszuüben, beruht auf einer Reihe klarer  und einfacher Grundsätze &#8211; was nicht heißt, sie wären einfach zu finden  gewesen. Wie alles Einfache &#8211; und Wahre &#8211; forderten sie viele Jahre  disziplinierter Reflexion: nicht überfordern, an der subjektiven  Wahrnehmung des Patienten bleiben, ihn da abholen, wo er sich innerlich  befindet, ihn die eigenen Grenzen erleben und die Dynamik seiner  Grenzziehung durchsichtig werden lassen. Menschen ohne klare Grenzen  sind für Introjektion und Projektion offen und erkennen nicht mehr, wer  sie selbst sind und wer der andere ist, sie haben das Gespür für das  verloren, was in ihrem Leben wirklich wichtig ist.</p>
<p>Wer mit Lore gearbeitet hat, weiß um ihre Fähigkeit, sich Kummer  wirklich angehen zu lassen, ohne ihn zu ihrem eigenen Kummer zu machen,  sich mitzufreuen und mit aufzuregen; alle konnten sie als Freundin  kennenlernen, die manchmal amüsiert, manchmal neugierig und gelegentlich  betroffen war, die jedoch genügend Distanz zum Geschehen hatte, so daß  ihre Einfälle zur Erprobung des Neuen niemals versiegten. Die  Einfachheit ihrer professionellen Grundsätze hat gelegentlich dazu  verführt, sie zur Weltanschauung und zu Patentrezepten zu versimpeln &#8211;  ein Mißverständnis, das Lore stets dazu herausforderte, die Betreffenden  mit ihrer fehlerhaften intellektuellen Verdauung zu konfrontieren.</p>
<p>Domäne ihrer therapeutischen Arbeit war die Gründlichkeit im Detail.  Fern von allem Kulthaften und Quasireligiösen, das &#8211; zu Lores Leidwesen &#8211;  oft in Verbindung mit Gestalttherapie auftritt und sogar damit  verwechselt wurde, betrieb sie eine Therapie von Eleganz, gepaart mit  Nüchternheit; eine Kleinarbeit, die als gelungene Synthese von  Phänomenologie, genauem Hinsehen, Psychodynamik, dem Erfahren der Tiefe  und dem Experiment, das in der geplanten Verhaltensvariation besteht,  anzusehen ist. Schrittweise spürte sie Blockierungen auf und brachte sie  in den Vordergrund der Awareness durch Übertreibung einer der darin  verwickelten Polaritäten, um von da aus Experimente in verschiedene  Richtungen zu entwickeln. Das Experiment befreit die Dynamik, und  umgekehrt trägt die Dynamik das Experimentieren, bis das volle  Kontakterlebnis sich einstellt.</p>
<p><span style="font-size: medium;"><strong>Ausbilderin</strong></span></p>
<p>Für die Ausbildung dreier Generationen von Gestalttherapeuten  zeichnet sie verantwortlich. Viele ihrer Schüler haben sich über die USA  hinaus einen Namen gemacht: Paul Weiss, Isadore From, Erv und Miriam  Polster, Jim Simkin, Edward Rosenfeld, Joseph Zinker und andere. In der  Festzeitschrift für Lore Perls, die das &#8220;Gestalt Journal&#8221; herausgegeben  hat, äußern sich viele, die bei ihr gelernt haben, mit einer  Herzlichkeit, die Lore verdient hat. Bei ihr fanden sie eine  durchgängige Akzeptanz, die besonders dann spürbar wurde, wenn sie sich  selbst nicht im besten Zustand befanden. &#8220;Auf einen Therapeuten muß man  sich verlassen können,&#8221; sagte Lore und meinte damit professionelle  Verläßlichkeit durch persönliche Stärke und durch Behutsamkeit.</p>
<p>1976 gab sie ihre Privatpraxis auf und widmete sich ausschließlich  der Ausbildung. Drei Monate im Jahr ging sie auf Reisen, um Einführungen  in die Gestalttherapie zu geben. In die Ausarbeitung eines Curriculums  für das New Yorker Gestaltinstitut investierte sie viel Zeit und Kraft,  um sicherzustellen, daß die Entwicklung therapeutischer Persönlichkeiten  den Vorrang vor der Beherrschung oder gar Imitation von Techniken  erlangt. <strong>Der Name Gestalttherapie sollte zu einer Garantie werden, daß  dem Patienten nichts angetan wird, was er nicht will und nicht versteht</strong>.  Ein überzeugenderes Bekenntnis zum Humanen läßt sich schwer denken.  Überzeugend auch ihr Kampf gegen die &#8220;undifferenciated acceptance&#8221;, jene  Verflachung, die gleichermaßen der Psychoanalyse widerfuhr, als sie  populär zu werden begann. Enschiedene Gegnerin von Beweihräucherung und  Schlagworten, versuchte sie der &#8220;undiscriminated greediness&#8221;, die sie in  Deutschland lange Zeit gegenüber allem, was aus den USA kam, am Werk  sah, beizukommen durch Seminare, Vorträge und erfreulicherweise auch  wieder durch Veröffentlichungen.</p>
<p>Warum tritt Lore Perls nach allem, was sie für die Entwicklung der  Gestalttherapie geleistet hat, mit solcher Verspätung in den  Vordergrund? Zwei Anhaltspunkte lassen sich anführen: Einerseits wurde  der Ansatz erst durch Fritz Perls seit 1954 an der Westküste weiteren  Kreisen bekannt. Er erhielt den Rang des Vaters der Gestalttherapie,  während Lore in New York außerhalb des Hauptstromes der  Human-Potential-Bewegung weiterarbeitete, die in Kalifornien ihren  Anfang genommen hatte. Andererseits mag die geringe Zahl ihrer  Publikationen dazu beigetragen haben. Von dem, was sie in ihren  Berufsjahren geschrieben hat, veröffentlichte sie leider nur wenig. Ihre  private Praxis und später die Betreuung der Ausbildung am Institut in  New York, dann auch am Institut in Cleveland, nahmen ihre gesamte  Leistungskraft in Anspruch. Vermutlich ließ die Nüchternheit der  Menschen an der Ostküste keine vergleichbare Bewegung zu. Heute, nachdem  sich die Begeisterungswogen allmählich glätten und die Aufmerksamkeit  mehr auf das Studium der Methode als auf die durch sie kreierbaren  Erlebnisse gerichtet ist, kann sie der fachlichen Öffentlichkeit nicht  länger entgehen.</p>
<p>Auf der Konferenz für Gestalttherapie in Boston im Mai 1980 wurde sie  als die Grand Old Lady gefeiert. Wenn ich den Auftrag gehabt hätte,  dort eine Festrede zu halten, wären vier Gesichtspunkte für mich von  zentraler Bedeutung gewesen: Lores souveräne geistige Haltung, ihr  Umgang mit der Theorie, ihr Verhältnis zur Sprache und zum Sprechen und  ihr stilles Engagement.</p>
<p>Theorie war für sie nicht mehr als eine Arbeitshypothese, die sie  beibehielt, solange sie ihr von Nutzen schien. Trotz profunder  Theoriekenntnis hat sie es immer verstanden, sich ein Feld für  schöpferische Betrachtung offenzuhalten. Theorie wurde ihr niemals zum  Korsett, dennoch besaß ihre Betrachtung stets Methode. Dem Theoriefan  begegnete sie mit dem Dichterwort Goethes: &#8220;Grau ist alle Theorie und  grün des Lebens goldner Baum.&#8221;</p>
<p>Sie meinte, auch diese Idee sollte Teil der Theorie werden. Sie hatte  sich im Verdacht, daß sie dann am besten sei, wenn sie gar nicht  merkte, daß sie theoretisierte. Sie interessierte sich weniger für die  Reflexion dessen, was sie gerade tat, sie war völlig in Anspruch  genommen, zum Beispiel vom Wertesystem eines Klienten. Das nahm sie  unter die Lupe. Und dann wurde sie vielleicht besinnlich und fragte:  &#8220;Was geschieht in Resonanz auf mein Wertesystem als Therapeutin?&#8221; So sah  sie Theorie.</p>
<p>Ein Seminarteilnehmer: &#8220;Sie spricht so von Theorie, daß ich beginne,  mich dafür zu begeistern. Nie hätte ich gedacht, daß reine Theorie  spannend sein könnte.&#8221;</p>
<p>Ihre Liebe zur Sprache brachte sie in eine enge Verbindung zum  gesprochenen Wort. Der Fokus der Gestalttherapie auf die Wortwahl des  Patienten zur Entdeckung von Sprachpathologie geht auf die Anregung von  Lore zurück. Ihren sprachlichen Schwerpunkt sah sie allerdings im  Schriftlichen. Sie sagte von sich, sie habe immer besser geschrieben als  gesprochen. Sie schrieb viel, das ist den meisten nicht bekannt; sie  hat ein Leben lang Gedichte und kleine Geschichten geschrieben, und es  existierte ein sogenanntes Köfferchen, das sie immer bei sich hatte und  nie jemandem öffnete. Dieses Köfferchen hat ihre Tochter Renate nach  Lores Tod bei Anna und Milan Sreckovic deponiert; es ist voll mit  kleinen Erzählungen. Vielleicht lernen wir sie noch einmal kennen. Lore  benutzte jedes Wort ästhetisch, und sie benutzte die Sprache nicht als  Vorteil, sondern als Ermöglichung von Ausdruck.</p>
<p>Dem Zuhörer fiel indessen die Präzision auf, mit der sie  charakteristische Ausdrücke, Sprichwörter oder treffende Metaphern fand.  Persönlich kostbar war mir, als ich Teilnehmerin ihrer Seminare war,  ihr abgerundetes Deutsch, das in der Emigration seine Frische und  Prägnanz bewahrt hatte. Sie gehörte zu den Menschen, die es verstehen,  Sprache gewaltlos zu gebrauchen und die tödliche Klarheit des Wortes zu  vermeiden, welche Lebendigkeit absorbiert. Sie beherrschte die Kunst,  Gefühle durch Besprechen nicht zu töten, sondern erst recht aufkommen zu  lassen. Selbst ihre Pausen sprachen.</p>
<p>Ihr stilles Engagement zielte auf Klärung und Abgrenzung des  Vorhandenen und des Erreichbaren, nicht auf Revolution. Unter diesem  Blickwinkel wird ihre These: &#8220;Therapie ist per se eine politische  Aktivität&#8221; verständlich: &#8220;Das ist Arbeit am Menschen, die Autonomie  wiederherstellt oder zum ersten Mal entstehen läßt.&#8221; Kritisch sah sie  die Verflachung des Gesundheitsbegriffs, der Leiden und die Nähe des  Todes ausblendet, ebenso kritisch die Stigmatisierung des psychisch  Gestörten, wenn das gesamte System der Behandlung bedarf. Sie zog  Parallelen zur Auffassung ihres Schülers und Freundes Paul Goodman, des  Wegbereiters der Gegenkultur. So wie er die Straße zu seiner Wildnis  machte, wurde Lore die Seele des anderen zu ihrer Wildnis.</p>
<p>Ihre Sorge galt dem Durcheinander im Feld der Gestalttherapie: Ein  grauer Markt zweifelhaft ausgebildeter Therapeuten benutzt  Gestaltmethoden, ohne sich im klaren zu sein, welche Wirkungen sie  auslösen können. Die Weiterentwicklung der theoretischen Grundlagen  rückt in den USA in die Nähe der Stagnation, falls die geistigen  Bindungen zur europäischen Phänomenologie nicht erneuert werden. Die  Vielfalt der persönlichen Arbeitsstile von Gestalttherapeuten, von  Happenings bis zu existentiell und technisch gut fundiertem Vorgehen,  macht eine Abstimmung der &#8220;growing edges&#8221; des Gestaltansatzes schwer.  Der Überblick droht verlorenzugehen. Mißverständnisse machen sich breit,  wenn Gestaltelemente aus dem Ansatz herausgelöst werden und, anderen  Methoden angestückt, ihren Dienst tun sollen. Lore fürchtete um den Kern  der Gestalttherapie, der vor allem die vom Existentialismus geprägte  Haltung zum Menschen ist, denn ohne diese existentielle Basis verlieren  die durchschlagenden Techniken ihren Sinn. Ihre Arbeit der letzten Jahre  war von dieser Sorge bestimmt. Ihrem Ziel, den tragfähigen Bestand zu  erhalten und zu verbreiten, hoffte sie mit ihren bewährten Waffen:  Zähigkeit, Klarheit, Geduld und Mut näherzukommen.</p>
<p>Und sie tat sehr viel, sie führte eine Unmenge von Seminaren noch in  ihrem höheren Alter durch. Sie führte sehr viele Gespräche und erklärte  sich bereit zu Interviews. Und sie ergab sich schließlich dem Drängen  der Deutschen Vereinigung für Gestalttherapie (DVG), nach einer  Inkubationszeit von mütterlichen neun Monaten, die Ehrenmitgliedschaft  anzunehmen.</p>
<p>Das letzte Große, was sie leistete, ist ihr Buch &#8220;Leben an der  Grenze&#8221; (Köln 1989), das allerdings ohne Anna und Milan Sreckovic nie  erschienen wäre. Lore scheute es, so sichtbar zu werden, aber es gelang,  und so lagen noch vor ihrem Tod &#8211; sie starb am 13. Juli 1990 &#8211;  ausgewählte und von ihr redigierte Schriften vor, die ihren Anteil an  der Entwicklung und ihre Rolle in der Geschichte der Gestalttherapie  dokumentieren.</p>
<p><span style="font-size: medium;"><strong>&#8230; eine Frau  mittleren Alters &#8211; bis zum 75. Geburtstag.</strong></span></p>
<p>Ich bin jetzt selbst in einem Alter, wo man sich mit dem Alter  beschäftigt. Also dachte ich, schau mal, was Lore zum Alter zu sagen  hat. Sie bemerkte interessanterweise einmal: &#8220;Ich war immer eine Frau  mittleren Alters &#8211; bis ich fünfundsiebzig wurde, da war ich plötzlich  alt. Ich behielt nicht mehr, ich konnte nicht mehr richtig lernen, ich  konnte nichts Neues aufnehmen, und ich hatte nicht die geistige Kraft,  die ich von früher kannte. Und deswegen tue ich etwas, was mich&#8230;&#8221; &#8211;  sie nannte es: &#8220;it keeps me going&#8221; &#8211; &#8220;&#8230;was mich in Bewegung hält, ich  arbeite viel mit der Jugend; dann strömt etwas auf mich zurück.&#8221;</p>
<p>Aber eigentlich hatte sie das Thema Alter und Tod schon als junge  Frau für sich geklärt, und dazu gibt es auch eine Geschichte. Lore wurde  sich der eigenen Sterblichkeit bewußt, was, wie wir ja wissen, ein  Hauptmedikament gegen die Angst ist, die Sterblichkeit zu akzeptieren.  Sie wurde sich dessen bewußt, als sie vierundzwanzig war. Sie ging zu  der Beerdigung eines Freundes, der plötzlich gestorben war. Nur zwei  Jahre älter als sie, an irgendeiner Infektion, ein scheinbar völlig  sinnloser Tod. Zu dieser Zeit gab es kein Penicillin oder etwas  ähnliches, und es war unglaublich schockierend für sie. Als sie aber vom  Friedhof kam, sah sie alles schön und heiter, sie fühlte sich  energiegeladen und bemerkte &#8211; und dies ist ihr Zitat: &#8220;Ich konnte mir  dies nicht erklären, und ich erzählte es am folgenden Tag meinem  Analytiker. Ich sagte über die Zeit, als mich diese Erfahrung traf, wenn  wir uns der Tatsache, daß wir sterben müssen, nicht bewußt sind, würden  wir ja leben wie die Tiere. So sind die Würze und der Hang zum  Erschaffen beim menschlichen Wesen mit dem Bewußtsein verbunden, daß wir  vergänglich sind.&#8221; Sie erzählte ihm noch einiges, und darauf gab es  eine große Pause. Dann sagte der Analytiker: &#8220;Frau Perls, Ihre Analyse  ist beendet.&#8221;</p>
<p>Unabhängig vom Alter aber sind Lores Rolle als Frau und ihr  Verhältnis zur Öffentlichkeit eine besondere Geschichte &#8211; heiße Themen  des Feminismus. Die Frau in der Öffentlichkeit, der Widerstand gegen  Frauen in der Öffentlichkeit &#8211; ich denke, da ist sie in der Tradition  geblieben. Ich finde das traurig, denn so ist etwas Geniales, was sie  besaß, im Dunkel geblieben, und das finde ich schade. Es hat sie vor der  Erprobung, vor der echten Prüfung bewahrt; man mag es bedauern so wie  ich, aber für sie war es Lebensnotwendigkeit. Sie mußte in vielem  verfügbar sein, wie das nunmal Frauenlos ist: unspezifisch verfügbar  sein. Sie mußte kontinuierlich sein, wie das auch Frauenlos ist &#8211;  alleinzubleiben und die Dinge selbst zu erledigen. Sie mußte vielseitig  sein. Ein Beispiel für ihre unspektakuläre Verfügbarkeit, Kontinuität  und Selbständigkeit war, daß Fritz noch lange, wenn er zu ihr nach New  York kam, alles mitbrachte, was nicht in Ordnung war: seine  Korrespondenzen, seine Wäsche, die abgerissenen Knöpfe &#8230; &#8211; Lore machte  alles ordentlich. Und schließlich die Bescheidenheit. Soviel zum  Feminismus.</p>
<p>Zu allerletzt möchte ich etwas über ihre Versöhnungsbereitschaft  sagen. Sie hatte wirklich eine ganz besondere persönliche Geschichte mit  Fritz; und sie hatte ein unglaublich schweres, zeitgeschichtlich  bedingtes Schicksal mit ihrer Familie. Sie hat das aus Höflichkeit und  Versöhnlichkeit Deutschen gegenüber fast nie gesagt. Ihre Schwester  wurde in Theresienstadt ermordet und ihre Mutter auch. Und sie hat sich  mit Deutschland versöhnt. Ich finde, die Stadt Pforzheim hat etwas sehr  Passendes und Angemessenes gemacht: Es gibt dort einen Grabstein mit  tausenden von Namen aller ermordeten jüdischen Mitbürger der Stadt. Das  gibt es nur einmal in Deutschland. Und sie versöhnte sich damit.</p>
<p><span style="font-size: medium;"><strong>Wieder im Schwarzwald</strong></span></p>
<p>Ich bin noch im Mai ihres Todesjahres in New York gewesen und habe  oft versucht, sie anzurufen, aber niemand nahm ab; ihre Tochter konnte  ich auch nicht erreichen, und ich dachte mir, irgendetwas ist passiert.  Ich erfuhr dann später durch Milan Sreckovic, daß sie im Krankenhaus  lag, schwer krank, und sie wurde nach mehreren Wochen entlassen. Und was  tut sie? Sie kommt nach Deutschland, sie reemigriert. Sie möchte ihr  Alter im Nordschwarzwald verbringen, und sie fährt nicht allein. Die  Urne von Fritz hat sie auf dem Schoß, als sie im Flugzeug sitzt. Sie hat  nicht mehr lange hier gelebt, sie war des Lebens wirklich müde. Sie sah  nicht mehr richtig, sie hörte nicht mehr gut, und sie war viel einsam;  es waren ja eigentlich alle weggestorben. Und ihre Freunde und  Freundschaften gehörten zur nächsten oder übernächsten Generation. So  sehr wir alle gewünscht hätten, daß sie ewig lebt, sie selbst wünschte  es scheinbar nicht. So gibt es ein gemeinsames Grab für Fritz und Lore  Perls, geb. Posner, im jüdischen Teil des Friedhofs von Pforzheim.</p>
<p>Zuletzt möchte ich zitieren, was in ihrer Todesanzeige stand; es sind ihre eigenen Worte:</p>
<blockquote><p>&#8220;Die unablässigsten und selbstlosesten Dienste und Opfer bleiben  nicht nur unbezahlt und unbelohnt, sondern müssen für selbstverständlich  gehalten werden. Nur begrenzte Arbeit oder begrenztes Gut kann mit  einem begrenzten Geldbetrag bezahlt werden. Nur der begrenzte Dienst  oder die begrenzte Anstrengung können mit einer Ehrung belohnt werden.  Die grenzenlose Hingabe eines Elternteils oder das lebenslange  Sich-einer-Sache-Widmen kann nicht bezahlt oder belohnt werden. Es kann  nur angenommen werden und bedarf nicht einmal der Anerkennung. Seine  Belohnung besteht in der aktuellen Handlung, in dem Gefühl, die soziale  Ausgewogenheit in einem wechselhaften Prozeß wiederherzustellen.&#8221;</p></blockquote>
<p>(Laura Perls, Psychologie des Gebens und Nehmens, in: <a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3926176113">Leben an der Grenze</a>, Köln: EHP 1989, S.51f)</p>
<p><em>Dr. Kristine Schneider (1935 &#8211; 2001): Fachpsychologin für  Klinische Psychologie und Psychotherapeutin, Mutter von vier Kindern und  fast 30 Jahre in privater Praxis in Köln tätig. Begründerin und  Leiterin des Instituts »AGA &#8211; Angewandte Gestaltanalyse«. Dozentin und  Ausbildungstherapeutin an verschiedenen Ausbildungsinstituten für  Gestalttherapie. Langjährige Lehrtätigkeit in Ericksonscher Hypnose am  Milton Erickson Institut Köln. Vortragstätigkeit, Radiobeiträge, Artikel  in Fachzeitschriften und Buchveröffentlichungen, darunter: »<a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3926176067">Grenzerlebnisse. Zur Praxis der Gestalttherapie</a>« (Edition Humanistische Psychologie).</em></p>
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		<title>Buber und Psychotherapie: Heilende chassidische Geschichten</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Mar 2010 17:59:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Begründer des osteuropäischen Chassidismus ist Israel ben Elieser (um 1700-1760), genannt Baal Schem Tow (Meister des guten Namens). Zu seinen wichtigsten Schülern gehören Rabbi Dow Bär (der Große Magid von Meseritsch) und Rabbi Jakob Josef von Polonoje&#8230; Bekannt wurde der Chassidismus in Westeuropa auch durch Martin Bubers &#8220;Chassidische Erzählungen&#8221;. Die Psychotherapeutin Cornelia Muth hat 23 dieser Geschichten nach den fünf Grundaussagen Bubers über Heilungsprozesse (in &#8220;Wachstum und Begegnung: Eine dialogische Perspektive&#8221;) gruppiert und kommentiert. 1. Kranksein weist auf dysfunktionale Kontakte mit der Welt und mit den Menschen hin. 2. Kranksein ist bedingt durch die so genannte Verkapselung des Menschen und der Dinge. 3. Dem kranken Menschen fehlen existentielle Begegnungen. 4. Die Therapeutinnen sind Begegnungspartnerinnen auf dem heilenden Weg. 5. Das heilende Feld ist ein paradoxes. Was ist der Chassidismus? Der Chassidismus betont weniger die rationelle Auseinandersetzung mit den religiösen Texten, als vielmehr Freude und Mystik. Die größte Anerkennung wird einem Zadik zuteil, einem Gerechten. Viele dieser Gerechten sind weise Rabbiner, die oft auch als Heiler und Ratgeber Wunder wirken. Manche zogen Hunderte oder Tausende von Anhängern an, die oft ganze Höfe um das geistige Oberhaupt bildeten. Aus der Kabalah, der jüdischen Mystik, kommt der Glaube an die göttlichen Funken, die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Begründer des osteuropäischen Chassidismus ist Israel ben Elieser (um 1700-1760), genannt Baal Schem Tow  (Meister des guten Namens). Zu seinen wichtigsten Schülern gehören Rabbi Dow Bär (der Große Magid von Meseritsch) und Rabbi Jakob Josef von Polonoje&#8230;<span id="more-1843"></span></p>
<p>Bekannt wurde der Chassidismus in Westeuropa auch durch Martin Bubers &#8220;Chassidische Erzählungen&#8221;. Die Psychotherapeutin <a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3779501570">Cornelia Muth</a> hat 23 dieser Geschichten nach den fünf Grundaussagen Bubers über Heilungsprozesse (in &#8220;Wachstum und Begegnung: Eine dialogische Perspektive&#8221;) gruppiert und kommentiert.</p>
<ul>
<li>1. Kranksein weist auf dysfunktionale Kontakte mit der Welt und mit den Menschen hin.</li>
<li>2. Kranksein ist bedingt durch die so genannte Verkapselung des  Menschen und der Dinge.</li>
<li>3. Dem kranken Menschen fehlen existentielle Begegnungen.</li>
<li>4. Die Therapeutinnen sind Begegnungspartnerinnen auf dem heilenden  Weg.</li>
<li>5. Das heilende Feld ist ein paradoxes.</li>
</ul>
<p><strong>Was ist der Chassidismus?</strong></p>
<p>Der Chassidismus betont weniger die rationelle Auseinandersetzung  mit den religiösen Texten, als vielmehr Freude und Mystik. Die größte  Anerkennung wird einem Zadik zuteil, einem Gerechten. Viele dieser Gerechten  sind weise Rabbiner, die oft auch als Heiler und Ratgeber Wunder wirken. Manche  zogen Hunderte oder Tausende von Anhängern an, die oft ganze Höfe um das  geistige Oberhaupt bildeten.</p>
<p>Aus der Kabalah, der jüdischen Mystik, kommt der Glaube an die  göttlichen Funken, die sich während dem Bersten der Gefäße und Schalen in der  ersten Schöpfungsphase überall in der Welt verteilt haben. Viele wurden schon  geborgen, aber um die Welt ganz zu heilen, braucht es noch viele weitere Funken,  und gerade jene Splitter, die besonders tief in der Dunkelheit oder im Schmutz  verborgen sind, müssen noch immer gesucht und geborgen werden.</p>
<p>Die Zadikim sind, wegen ihrer Verdienste in besonderer Weise dazu  prädestiniert, verborgene oder in Schalen verkapselte Funken zu bergen. Diese Funken sind zerbrochenen Reste der ersten kosmischen Katastrophen, nicht gelungener Welten, die Gott vor unserer jetzigen Welt versucht hat zu  bauen. Die ersten Welten konnten die göttliche Liebe nicht wirklich aufnehmen,  unter der Wucht ihres Lichts barsten alle Gefäße und zersplitterten. An den  Splittern blieben leuchtende Funken des Lichts, der Liebe. Wir finden sie in der  heutigen Welt. Die Funken sind in Verkapselungen gefangen und verborgen. Martin Buber  sprach von &#8220;trennenden, hindernden, dämonischen Umschließungen, die allein &#8216;das  Böse&#8217; sind&#8221;. Dorthin sind die Funken gefallen, &#8220;aber sie fielen, um gehoben zu  werden: um des Wirkens des Menschen an der Erlösung willen sind jene Welten  gewesen und vergangen&#8221;, so Buber 1955.</p>
<p>Cornelia Muth schreibt in ihrer Einleitung über &#8220;<a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3779501570">Heilende  chassidsche Geschichten</a>&#8220;, es gelte nun einerseits diese Funken zu bergen und  andererseits dabei anzuerkennen, dass die bergende Heilung eine polare  Wiedervereinigung zwischen Hell und Dunkel herausfordert. Um ganz (whole, holy,  heilig) zu werden, braucht der chassidische Mensch &#8211; Buber bezieht dies auch auf  die heutigen Menschen &#8211; nicht perfekt zu sein. Vielmehr geht es darum, dass &#8220;der  Mensch wird, der zu werden er, dieser einzelne Mensch da, erschaffen ist&#8221;,  (Martin Buber 1963, 947). Selbstbesinnende Verwirklichung ist damit gemeint und  bedeutet, &#8220;Kontakt mit den Dingen und Wesen&#8221; aufzunehmen. Kontakt heißt im  Chassidismus &#8220;den heilgen Umgang mit allem Seienden&#8221; zu üben und zu pflegen.</p>
<p>Überall können die Funken geborgen werden: In der Blumenvase, beim  Schuheputzen, in einer Suppe, &#8211; beim Schreiben und Lesen dieses Textes&#8230;</p>
<p>Der Mensch &#8220;kann keine Auslese nehmen, keine Scheidung; denn es ist  nicht an ihm, zu bestimmen, was ihm zu begegnen hat und was nicht; und es gibt  ja das Nichtheilige nicht, es gibt nur das noch nicht Geheiligte, noch nicht zur  seiner Heiligkeit Erlöste, das er heiligen soll&#8221;.</p>
<p>Helfen ist bedingt durch die Einsicht, &#8230; &#8220;dass alle Seelen eine  sind, denn jede ist ein Funke aus der Urseele, und sie ist ganz in ihnen allen&#8221;  (Martin Buber 1963, 45).</p>
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		<title>Wissen: Die wichtigsten Psychologen im Porträt</title>
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		<pubDate>Sun, 16 Aug 2009 09:00:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In über 50 biografisch-werkgeschichtlichen Porträts zeichnet das Buch die Entwicklung der psychologischen und psychotherapeutischen Ansätze und Schulen im Kontext ihrer jeweiligen Zeit nach – von den Psychophysikern des 19. Jahrhunderts über die Tiefenpsychologie, die Lern- und Persönlichkeitstheorien bis hin zu den systemischen Ansätzen der Gegenwart. Den Porträts ist ein ausführlicher Abriss über die wichtigsten psychologischen Lehren von der Antike bis zum 19. Jahrhundert vorangestellt&#8230; Aus der Einführung zu Christiane Schlüters &#8220;Die wichtigsten Psychologen im Porträt&#8220;, ersch. in der Reihe marix-wissen, auf marixverlag.de Am Anfang steht ein Widerspruch. »Die Psychologie hat eine lange Vergangenheit, aber nur eine kurze Geschichte«, stellte im Jahr 1908 der Gedächtnisforscher Hermann Ebbinghaus fest. Er hatte Recht. Seit Jahrtausenden beschäftigen sich die Menschen mit den Geheimnissen der Seele, weshalb die Wurzeln der Psychologie weit in die vorchristliche Zeit hinabreichen. Als Wissenschaft im Sinne empirischer, das heißt methodisch überprüfbarer Forschung wird die Psychologie jedoch erst seit dem 19. Jahrhundert betrieben. Seit der Zeit also, da sich die Naturwissenschaften zu emanzipieren begannen und ihrerseits die Deutungshoheit über Mensch und Welt beanspruchten. Was vorher in die Zuständigkeit von Dichtern und Philosophen gefallen war, wurde nun zum Arbeitsfeld für Biologen, Physiker, Chemiker und Mediziner. Die noch junge Wissenschaft der Psychologie verstand [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In über 50 biografisch-werkgeschichtlichen Porträts zeichnet das Buch die Entwicklung der psychologischen und psychotherapeutischen Ansätze und Schulen im Kontext ihrer jeweiligen Zeit nach – von den Psychophysikern des 19. Jahrhunderts über die Tiefenpsychologie, die Lern- und Persönlichkeitstheorien bis hin zu den systemischen Ansätzen der Gegenwart. Den Porträts ist ein ausführlicher Abriss über die wichtigsten psychologischen Lehren von der Antike bis zum 19. Jahrhundert vorangestellt&#8230;<span id="more-819"></span></p>
<p><a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3865399134"><img class="alignright" title="BESTELLEN?" src="http://www.pharmacon.net/wp-content/gallery/buecher/psychologen.jpg" alt="psychologen" width="140" height="225" /></a><br />
<em>Aus der Einführung zu Christiane Schlüters &#8220;<a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3865399134">Die wichtigsten  Psychologen im Porträt</a>&#8220;, ersch. in der Reihe marix-wissen, auf marixverlag.de</em></p>
<p>Am Anfang steht ein Widerspruch. »Die Psychologie hat eine lange  Vergangenheit, aber nur eine kurze Geschichte«, stellte im Jahr 1908 der  Gedächtnisforscher Hermann Ebbinghaus fest. Er hatte Recht. Seit Jahrtausenden  beschäftigen sich die Menschen mit den Geheimnissen der Seele, weshalb die  Wurzeln der Psychologie weit in die vorchristliche Zeit hinabreichen.</p>
<p>Als Wissenschaft im Sinne empirischer, das heißt methodisch  überprüfbarer Forschung wird die Psychologie jedoch erst seit dem 19.  Jahrhundert betrieben. Seit der Zeit also, da sich die Naturwissenschaften zu  emanzipieren begannen und ihrerseits die Deutungshoheit über Mensch und Welt  beanspruchten. Was vorher in die Zuständigkeit von Dichtern und Philosophen  gefallen war, wurde nun zum Arbeitsfeld für Biologen, Physiker, Chemiker und  Mediziner. Die noch junge Wissenschaft der Psychologie verstand sich selbst  überwiegend als naturwissenschaftlicher Forschungszweig der Philosophie. An den  Universitäten blieb sie auch lange, trotz ihrer experimentellen Arbeitsweise,  ein Teil der philosophischen Fakultäten. Doch bestand daneben eine zweite,  geisteswissenschaftlich orientierte Psychologie fort. Sie arbeitete mit dem  Verstehen statt mit dem naturwissenschaftlichen Experiment.</p>
<p>Der doppelte methodische Ansatze prägt die Psychologie bis heute.  Er rührt daher, dass ihre eigenständige Entwicklung just in der Epoche begann,  in der sich Geistes- und Naturwissenschaften voneinander trennten. Innerhalb der  Psychologie kam es dabei zu interessanten Überkreuzungen. Zum Beispiel befassten  sich gerade die Neurologen und Psychiater als Erste mit der unempirischsten  aller psychologischen Richtungen, mit der Psychoanalyse nämlich. Was daran lag,  dass deren Begründer Sigmund Freud selber Arzt war.</p>
<p>Während sich also die Psychoanalyse entfaltete, erforschten andere  die Wahrnehmung und das Verhalten, das menschliche Lernen, die Intelligenz, die  Kommunikation und vieles mehr. In der praktischen Anwendung fanden die  verschiedenen Themen dann nicht selten wieder zusammen und setzten auf diese  Weise neue Forschungen in Gang. So erscheint die Psychologie wie ein dickes Tau  aus vielen verschiedenen Strängen. Je länger dieses Tau wird, desto mehr öffnen  sich die Stränge füreinander und bilden neue Verflechtungen.</p>
<p>Das Buch &#8220;Die wichtigsten Psychologen im Porträt&#8221; versammelt nicht  nur die therapeutischen Richtungen, auf welche die Psychologie im allgemeinen  Verständnis gern reduziert wird. Es stellt auch andere psychologische Ansätze  vor, um ein vielfältiges Bild dieser Wissenschaft zu geben. In der Darstellung  folgt es dem zeitlichen Verlauf und ordnet zugleich die Porträtierten einem  Hauptthema ihrer Arbeit zu. Daraus ergibt sich die Unterteilung in acht große  Abschnitte:</p>
<p><strong>I. Von der Antike bis zum 19. Jahrhundert</strong></p>
<p>Der <em>erste Abschnitt </em>setzt am unteren Ende des beschriebenen  Taus an, dort, wo die Psyche erstmals als wissenschaftlicher Begriff auftritt.  Von da bis zum 19. Jahrhundert markiere ich kurz ein paar Daten an diesem Tau  und stelle einige bedeutende Menschen aus der langen Vergangenheit der  Psychologie vor.</p>
<p><strong>II. Sinnesphysiologie &#8211; Bewusstseinspsychologie -Gestaltpsychologie</strong></p>
<p>Im <em>zweiten Abschnitt </em>geht es um die naturwissenschaftliche  Sicht auf die Leistung der Sinnesorgane, aber auch um die Erforschung des  Bewusstseins und der Wahrnehmung.</p>
<ul dir="ltr">
<li dir="ltr">Das »romantische Land der Psychophysik«: <em>Gustav Theodor 	Fechner</em></li>
<li dir="ltr">Ein materialistischer Eid: <em>Hermann von Helmholtz</em></li>
<li dir="ltr">Das erste psychologische Labor: <em>Wilhelm Wundt</em></li>
<li dir="ltr">Verstehen statt Erklären: <em>Wilhelm Dilthey</em></li>
<li dir="ltr">Dem Gedächtnis auf der Spur: <em>Hermann Ebbinghaus</em></li>
<li dir="ltr">Ganzheit und Gestalt: <a href="http://www.pharmacon.net/max-wertheimer/"><em>Max Wertheimer</em></a></li>
</ul>
<p><strong>III. Tiefenpsychologische Ansätze</strong></p>
<p>Der <em>dritte Abschnitt </em>handelt von der Tiefenpsychologie, die,  beginnend mit der Psychoanalyse, einen völlig anderen blick auf die Seele wirft.</p>
<ul dir="ltr">
<li dir="ltr">Die Entdeckung des Unbewussten: <em>Sigmund Freud</em></li>
<li dir="ltr">Interesse für das Ich: <em>Alfred Adler</em></li>
<li dir="ltr">Märchen, Mythen, Archetypen: <em>Carl Gustav Jung</em></li>
<li dir="ltr">Abschied von der Kindheitsidylle: <em>Melanie Klein</em></li>
<li dir="ltr">Die »sanfte Rebellin der Psychoanalyse«: <em>Karen Horney</em></li>
<li dir="ltr">Die Theorie vom »gehemmten Menschen«: <em>Harald Schultz-Hencke</em></li>
<li dir="ltr">Mehr als nur Vaters Tochter: <em>Anna Freud</em></li>
<li dir="ltr">Bioenergie und Charakterpanzer: <em>Wilhelm Reich</em></li>
<li dir="ltr">Protest eines Humanisten: <em>Erich Fromm</em></li>
<li dir="ltr">Unterwegs zur eigenen Identität: <em>Erik H. Erikson</em></li>
<li dir="ltr">Der »Glanz im Auge der Mutter«: <em>Heinz Kohut</em></li>
<li dir="ltr">Das Unbewusste als Sprache: <em>Jacques Lacan</em></li>
</ul>
<p><strong>IV. Lern- und kognitionspsychologische Ansätze</strong></p>
<p>Im Mittelpunkt des <em>vierten Abschnitts </em>steht das menschliche  Lernen und Verhalten. Manche Wissenschaftler erklären alles Verhalten als  automatische Reaktionen auf Sinnesreize. Andere betrachten den Geist des  Menschen und untersuchen, wie er im Wechselspiel mit der Außenwelt seine eigenen  Vorstellungen von der Realität bildet.</p>
<ul dir="ltr">
<li dir="ltr">Die Hunde und der Glockenton: <em>Iwan P. Pawlow</em></li>
<li dir="ltr">Das Gesetz von Versuch und Irrtum: <em>Edward L. Thorndike</em></li>
<li dir="ltr">Behavioristische Utopie: <em>John B. Watson</em></li>
<li dir="ltr">Kluge Ratten in der Box: <em>Burrhus F. Skinner</em></li>
<li dir="ltr">Geist und Wirklichkeit: <em>Jean Piaget</em></li>
<li dir="ltr">Lernen durch Bezugspersonen: <em>Lew S. Wygotski</em></li>
<li dir="ltr">Eine angeborene Universalgrammatik: <em>Avram Noam Chomsky</em></li>
<li dir="ltr">Die Kraft der Einsicht: <em>Albert Ellis</em></li>
<li dir="ltr">Schluss mit negativen Gedanken: <em>Aaron T. Beck</em></li>
<li dir="ltr">Alles nur Nachahmung: <em>Albert Bandura</em></li>
<li dir="ltr">Hilflos aus Erfahrung: <em>Martin E. P. Seligman</em></li>
</ul>
<p><strong>V. Humanistische und ressourcenorientierte Ansätze</strong></p>
<p>Der <em>fünfte Abschnitt </em>stellt therapeutische Ansätze vor, die  weniger die Störungen der Psyche betrachten als vielmehr ihre  Entwicklungsmöglichkeiten. Die Vertreter dieser ressourcenorientierten  Herangehensweise verstehen sich als Humanisten, das heißt: Sie betonen besonders  die Würde und Entscheidungsfreiheit des Menschen.</p>
<ul dir="ltr">
<li dir="ltr">Eine Bühne für die Seele: <em>Jakob L. Moreno</em></li>
<li dir="ltr">An der Wiege der Humanistischen Psychologie <em>Charlotte Bühler</em></li>
<li dir="ltr">Offene und geschlossene Gestalten: <em>Fritz Perls</em></li>
<li dir="ltr">Behandlung unter Hypnose: <em>Milton H. Erickson</em></li>
<li dir="ltr">Psychotherapie als Gespräch: <em>Carl R. Rogers</em></li>
<li dir="ltr">Heilung durch Sinnfindung: <em>Viktor E. Frankl</em></li>
<li dir="ltr">Die Bedürfnispyramide: <em>Abraham H. Maslow</em></li>
<li dir="ltr">Die »Spiele der Erwachsenen«: <em>Eric Berne</em></li>
<li dir="ltr">Der Mensch, die Gruppe, das Thema: <em>Ruth C. Cohn</em></li>
</ul>
<p><strong>VI. Systemische Ansätze</strong></p>
<p>Im <em>sechsten Abschnitt </em>kommt das Beziehungsgeflecht des  Patienten in den Blick, denn man hat erkannt: Nicht der Einzelne allein ist  behandlungsbedürftig, sondern das zwischenmenschliche System, zu dem er gehört.  Diese Ansätze, die sich zunächst auf die Familientherapie beziehen, werden heute  allgemein als systemisch bezeichnet.</p>
<ul dir="ltr">
<li dir="ltr">Die Familie als Patient: <em>Virginia Satir</em></li>
<li dir="ltr">Mit der Kraft des Paradoxen: <em>Mara Selvini Palazzoli </em></li>
<li dir="ltr">Kommunikation und Wirklichkeit: <em>Paul Watzlawick</em></li>
<li dir="ltr">Von Aufträgen und Vermächtnissen: <em>Helm Stierlin</em></li>
<li dir="ltr">Die unbewusste Komplizenschaft der Liebenden <em>Jürg Willi</em></li>
</ul>
<p><strong>VII. Persönlichkeits- und Intelligenzforschung</strong></p>
<p>Der <em>siebte Abschnitt </em>stellt Wissenschaftler vor, die  Bedeutendes für die Erforschung der menschlichen Eigenschaften und der  Intelligenz geleistet haben.</p>
<ul>
<li>Die getestete Intelligenz:<em> Alfred Binet</em></li>
<li>Auf der Suche nach dem Besonderen<em>: William Stern</em></li>
<li>Sieben menschliche Fähigkeiten: <em>Louis L. Thurstone</em></li>
<li>Die Einzigartigkeit des Individuums:<em> Gordon Willard Allport</em></li>
<li>Klassifizierung der Wesenszüge<em>: Raymond B. Cattell</em></li>
<li>Grundbausteine der Persönlichkeit: <em>Hans ]. Eysenck</em></li>
</ul>
<p><strong>VIII. Sozialpsychologische Ansätze</strong></p>
<p>Im <em>achten Abschnitt </em>geht es um den Menschen als soziales  Wesen, als Mitglied einer Gruppe, der Gesellschaft, des Staates. Hier zeigt sich  noch einmal besonders deutlich, wie vielfältig die Psychologie in ihrer  Anwendung ist.</p>
<ul>
<li>Der Mensch im Lebensraum: <em>Kurt Lewin</em></li>
<li>Von der »Unfähigkeit zu trauern«: <em>Alexander und Margarete Mitscherlich</em></li>
<li>Sympathie und Solidarität: <em>Horsf E. Richter</em></li>
<li>Das Straf-Experiment: <em>Stanley Milgram</em></li>
<li>Die Sprache des Gesichts: <em>Paul Ekman</em></li>
</ul>
<p>Dr. Christiane Schlüter, Jg. 1961, studierte  in Göttingen und Genf und promovierte  1993. 1992–1994 Tageszeitungsvolontariat, anschließend Zeitungs- und Zeitschriftenredakteurin in Goslar und Augsburg. Seit 2004 freiberuflich in Augsburg tätig. Veröffentlichung von rund 30 Sach- und Geschenkbüchern, vor allem in den Bereichen Religion, Philosophie und Psychologie. 2002–2003 zusätzliche seelsorgerliche Ausbildung, seit 2005 Psychodrama-Ausbildung.</p>
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		<title>Reichsche Massage</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Jun 2009 20:39:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Psychotherapie]]></category>
		<category><![CDATA[Sexualmedizin]]></category>
		<category><![CDATA[Alternativen]]></category>
		<category><![CDATA[Perls]]></category>
		<category><![CDATA[Sex]]></category>

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		<description><![CDATA[Der österreichische Psychoanalytiker Wilhelm Reich gilt als einer der Pioniere der Geist-Körper-Revolution. Schon zu Beginn unseres Jahrhunderts erklärte Reich, daß der Körper eines Menschen seinen Gemütszustand widerspiegle, und der Gemütszustand eines Menschen sich in der Verfassung seines Körpers ausdrücke&#8230; Wer wütend, ängstlich oder deprimiert ist, dessen Körper übernimmt auch die deprimierte Haltung. Er ist stets empfänglich für eine Drohung von innen, und Gemütsstörungen äußern sich schließlich in körperlichen Symptomen. Läßt man zu, daß der Körper als Reaktion auf destruktive Gefühle seinen Dienst allmählich verweigert, werden die Muskeln steif, ziehen sich zusammen oder schwellen an. Je stärker sich der Körper eines Menschen verkrampft, desto schlechter wird seine Gemütsverfassung. Er gerät in einen Teufelskreis, in dem sich die emotionalen und die physischen Störungen durch wechselseitigen Einfluß verschlimmern und sich zu einem Zustand der Starre und Kraftlosigkeit verhärten. Kein schönes Bild. Dies wollte Reich mit einer neuen Therapie &#8211; einer besonderen Art von Psychoanalyse, die Körperarbeit mit einbezieht &#8211; auffangen. Reich begann als Schüler Sigmund Freuds, wandte sich in seinem unsteten Berufsleben aber auch vielen anderen Gebieten zu. Seine Ideen bescherten ihm immer wieder politische Unannehmlichkeiten und brachten ihn manchmal in ernste Schwierigkeiten. Er starb 1957 im Gefängnis von Lewisburg, Pennsylvanien. Trotz all [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der österreichische Psychoanalytiker Wilhelm Reich gilt als einer  der Pioniere der Geist-Körper-Revolution. Schon zu Beginn unseres Jahrhunderts  erklärte Reich, daß der Körper eines Menschen seinen Gemütszustand widerspiegle,  und der Gemütszustand eines Menschen sich in der Verfassung seines Körpers  ausdrücke&#8230;<span id="more-559"></span></p>
<p><strong> <span style="font-size: x-small;"> <a href="http://www.hagalil.com/lexikon/index.php?title=Wilhelm_Reich"> <img src="http://www.hagalil.com/archiv/images/reich.gif" border="0" alt="" width="224" height="289" align="right" /></a></span></strong>Wer wütend, ängstlich oder deprimiert ist, dessen Körper übernimmt auch die deprimierte Haltung. Er ist stets empfänglich für eine Drohung von innen, und Gemütsstörungen  äußern sich schließlich in körperlichen Symptomen. Läßt man zu, daß der Körper als  Reaktion auf destruktive Gefühle seinen Dienst allmählich verweigert, werden die  Muskeln steif, ziehen sich zusammen oder schwellen an. Je stärker sich der Körper eines Menschen verkrampft, desto schlechter wird  seine Gemütsverfassung. Er gerät in einen Teufelskreis,  in dem sich die emotionalen und die physischen Störungen durch wechselseitigen  Einfluß verschlimmern und sich zu einem Zustand der  Starre und Kraftlosigkeit verhärten. Kein schönes Bild.</p>
<p>Dies wollte Reich mit einer neuen Therapie &#8211; einer besonderen Art  von Psychoanalyse, die Körperarbeit mit einbezieht &#8211; auffangen.</p>
<p>Reich begann als Schüler Sigmund Freuds, wandte sich in seinem  unsteten Berufsleben aber auch vielen anderen Gebieten zu. Seine Ideen bescherten ihm immer wieder politische  Unannehmlichkeiten und brachten ihn manchmal in ernste Schwierigkeiten. Er starb  1957 im Gefängnis von Lewisburg, Pennsylvanien.</p>
<p>Trotz all dieser Probleme scharte sich um Reich ein erlesener Kreis  von Anhängern und Bewunderern, die heute noch Ansehen genießen; beispielsweise  war er Lehrtherapeut von Fritz Perls, dem Begründer der Gestalttherapie. Reichs Werk ist in  unsere Kultur eingegangen und hat vor allem die Psychotherapie beeinflußt.</p>
<p>Reich trennte sich von Freud, als er zu der Überzeugung gelangte,  daß die meisten körperlichen Störungen durch eine Blockade des Energieflusses  verursacht würden. Emotionen und sexuelle Gefühle existieren im Körper in Form  von Energie, meinte er, und wenn man die Gefühle blockiert, blockiere man  gleichzeitig die Energie. Seiner Auffassung nach bauen die Muskeln eine Art  Panzer im Körper auf, um sich gegen die Emotionen zu verteidigen und den  Energiefluß entlang der Körperachse zu verhindern. Völlige sexuelle Entspannung,  die zur Aufrechterhaltung des Energiegleichgewichts beiträgt, ist unmöglich oder  schwierig, wenn diese Verteidigungen sich festgesetzt haben und erstarrt sind.  Das Ziel der Reichschen Therapie ist es, diesen Panzer zu zerschlagen, die  Konflikte und die aufsteigenden Gefühle zu analysieren, abgeblockte Emotionen zu  befreien und zur Wiedererlangung einer befriedigenden Sexualität beizutragen.</p>
<p>Erst die körperliche Panzerung und dann die Psychoanalyse, sagte  Reich. Wenn man zuerst die Muskelspannung beseitigt, kann man einer schnelleren  emotionalen Genesung sicher sein.</p>
<p>Reich brachte die verschiedenen Emotionen mit verschiedenen  Körperregionen in Verbindung. Dies ist einer der Gründe, warum die Reichsche  Massage eine stark spezialisierte Technik ist. Die muskuläre Panzerung verläuft  laut Reich in Ringen über Augen, Mund und Kinn, Zwerchfell, Bauch und Becken.  Jeder Ring ergibt sich durch eine Kontraktion von Muskelbündeln, und jeder steht  mit verschiedenen Ego-Verteidigungsmechanismen in Beziehung.</p>
<p>Die Reichsche Körperarbeit erfolgt von oben nach unten. Sie beginnt  an höheren Abschnitten und geht dann, im Rahmen einer Reihe von  Therapiesitzungen, zu den unteren über, weil Reich glaubte, daß die  komplizierten Blockaden im Becken als letzte aufgelöst werden sollten.</p>
<p>Bei der Feststellung, wo sein Klient blockiert ist, läßt sich der  Therapeut von seinen eigenen Wahrnehmungen leiten und widmet den Problemzonen  mehr Zeit. Normalerweise ist seine Massage alles andere als sanft —. sie ist  vielmehr ein kraftvolles Kneten, ein Schieben und Ziehen der Haut, das oft mit  starkem Fingerdruck abwechselt. Dies alles dient dazu, die zähen Blockaden  aufzulösen. Gelegentlich wendet der Therapeut leichteres Streichen oder andere  Formen der Berührung an, je nachdem, wie es um den Klienten steht, in welcher  Phase der Therapie er sich befindet und was er speziell benötigt. Genau wie in  der Psychoanalyse, ist auch hier die Erfahrung des Therapeuten sehr wichtig.</p>
<p>Grundlage der Reichschen Massage ist der Fingerdruck, den eine  Vielzahl anderer Techniken für verschiedene Körperteile ergänzt: Augenbewegungen  und wechselnder Gesichtsausdruck sollen die Panzerung aufweichen und Gefühle  hervorlocken. Man löst den Würgereflex aus, um Blockaden in Rachen und Kehle zu  lockern und die dort gefangene Wut und Trauer herauszuholen. Töne &#8211; Kreischen,  Schreien und Stöhnen &#8211; und Bewegungen &#8211; Stoßen, Stampfen, Umsichschlagen &#8211;  sollen die Gefühlsäußerung und den Energiefluß wiederherstellen.</p>
<p>Nachdem Reich seine Spezialtherapie entwickelt hatte, versuchte er,  mehr über die Art der Sexual- oder Lebensenergie, die er freisetzen wollte, in  Erfahrung zu bringen. Er gelangte zu der Überzeugung, daß sie allgegenwärtig sei  &#8211; nicht nur als <em>die </em>Kraft in lebenden Organismen, sondern auch als Fluidum  im Kosmos. Diese Energie nannte er &#8220;Orgon&#8221;, führte Experimente durch, um ihre  Existenz als objektive Wirklichkeit zu beweisen, und erfand dazu den &#8220;Orgonakkumulator&#8221;.  Es handelte sich um eine einfache kastenartige Vorrichtung, die eine höhere  Ladung Energie anziehen und ins Kasteninnere leiten sollte. Dort konnten  Menschen sitzen und in den Genuß der Heileigenschaften der Energie kommen.  Dieser Orgonkasten brachte Reich große Schwierigkeiten ein.</p>
<p>Die moderne Medizin nahm von Reichs klinischer und experimenteller  Arbeit größtenteils kaum Notiz. Vieles davon wurde mißdeutet oder aus dem  Kontext gerissen. Seine Auffassungen galten als extremistisch oder sogar  wahnsinnig. Doch die Reichsche Massage ist noch immer sehr lebendig, mehrere  Generationen von Reichianern haben sie weiterentwickelt und ausgeweitet. Und  heute schenkt man seinen Ideen &#8211; die allerdings etwas gemäßigt wurden &#8211; mehr  Glauben.</p>
<p>Seine Energietheorien &#8211; den Orgonakkumulator einmal ausgenommen &#8211;  sehen für westliche Augen nicht mehr ganz so seltsam aus. Sie haben viel mit den  Vorstellungen der östlichen Medizin von einer &#8220;Universalenergie&#8221; gemeinsam, und  Reich zählte zu den ersten, die östliche Ideen in westliche Systeme  integrierten. Er brachte Freudsche Gedanken über das Unbewußte in das  Energiekonzept ein und legte anschließend wissenschaftliche Arbeiten über die  Existenz und über die Natur der Energie vor.</p>
<p>Die Reichsche Massage sollte nur von darin ausgebildeten  Therapeuten als wesentlicher Bestandteil eines gesamten Psyche-Körper-Programms  versucht werden, das auch die Gesprächstherapie mit einbezieht. Die aufgrund der  Körperarbeit freigesetzten emotionalen Energien können sehr stark sein, deshalb  sind die Gegenwart und die Hilfe eines erfahrenen Therapeuten nötig.</p>
<p>Geeignete Anwendungsgebiete:</p>
<ul>
<li>Psychische Schwierigkeiten, die mit physischer Spannung  einhergehen;</li>
<li>Neigung zu psychosomatischen Leiden (psychische Konflikte führen  zu spezifischen körperlichen Störungen oder Erkrankungen, die von Kopfschmerzen  bis Krebs reichen);</li>
<li>Sexuelle Hemmungen oder Funktionsstörungen, die erfordern, daß  der Patient Kontakt mit seinen körperlichen Empfindungen erlangt und sich  zusätzlich einer verbalen Analyse unterzieht;</li>
<li>Wenn die verbale Psychotherapie die emotionalen Hemmungen nicht  zudurchbrechen vermochte.</li>
</ul>
<p>Zur Massenpsychologie des Faschismus: <a class="external text" title="http://www.hagalil.com/archiv/2007/11/reich.htm" rel="nofollow" href="http://www.hagalil.com/archiv/2007/11/reich.htm">hagalil.com/archiv/2007/11/reich.htm</a></p>
<p><strong>Fundamentalisten und Faschisten:<a href="http://www.antisemitismus.net/rassenlehre/03b.htm"><br />
Einig in der Sexualabwertung</a></strong><br />
Leugnet die Religion das sexualökonomische Prinzip überhaupt,  verurteilt sie das Sexuelle als eine internationale Erscheinung  des Menschentums, von dem nur das Jenseits erlösen könne, so  verlegt der nationalistische Faschismus das Sexuellsinnliche in  die &#8220;fremde Rasse&#8221;, sie so gleichzeitig erniedrigend&#8230;</p>
<p><strong>Wilhelm Reich:<br />
<a href="http://www.hagalil.com/archiv/2007/11/reich-0.htm">Sex! Pol! Energy!<br />
</a></strong>Er zählt zu den umstrittenen Wissenschaftlern des 20. Jahrhunderts, seine Theorien erlebten in der Studentenbewegung der 1968er eine Renaissance und sind bis zum heutigen Tag viel diskutiert &#8212; Wilhelm Reich&#8230;</p>
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		<title>Gestalttherapie: Arnold Beissers Veränderungstheorie</title>
		<link>http://www.pharmacon.net/2008/11/beisser/</link>
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		<pubDate>Fri, 21 Nov 2008 15:47:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Psychotherapie]]></category>
		<category><![CDATA[Beisser]]></category>
		<category><![CDATA[Gestalt]]></category>
		<category><![CDATA[Perls]]></category>

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		<description><![CDATA[Beissers Veränderungstheorie hat ihre große Bedeutung sicher nicht durch Zufall bekommen, denn sie entspricht einem der wichtigsten Prinzipien der Gestalttherapie, der Betonung der unmittelbaren Erfahrung. Seine Theorie ist nicht grau; er hat sie nicht am Schreibtisch entworfen. Sie ist vielmehr aus der eigenen, schicksalhaften Erfahrung mit der psychischen Bewältigung einer schweren Körperbehinderung gewonnen&#8230; LeChajim: Wozu brauche ich Flügel? &#8220;Veränderung geschieht, wenn jemand wird, was er ist, nicht wenn er versucht, etwas zu werden, das er nicht ist.&#8221; Arnold R. Beisser, der diesen Satz in einem Beitrag zur Gestalttherapie schrieb, hatte an der medizinischen Fakultät in Stanford studiert und gerade die nationalen Tennismeisterschaften gewonnen, als er im Alter von 25 Jahren an Polio erkrankte und fast vollständig gelähmt wurde. In seinem Buch schildert Beisser eindrucksvoll seine Versuche, mit diesem radikalen Einschnitt in seinem Leben fertig zu werden&#8230; Arnold Beissers Veränderungstheorie Beissers Veränderungstheorie hat ihre große Bedeutung sicher nicht durch Zufall bekommen, denn sie entspricht einem der wichtigsten Prinzipien der Gestalttherapie, der Betonung der unmittelbaren Erfahrung. Seine Theorie ist nicht grau; er hat sie nicht am Schreibtisch entworfen. Sie ist vielmehr aus der eigenen, schicksalhaften Erfahrung mit der psychischen Bewältigung einer schweren Körperbehinderung gewonnen. Diese fesselte ihn an den Rollstuhl und zwang [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">Beissers Veränderungstheorie hat ihre große Bedeutung sicher nicht durch Zufall bekommen, denn sie entspricht einem der wichtigsten Prinzipien der Gestalttherapie, der Betonung der unmittelbaren Erfahrung. Seine Theorie ist nicht grau; er hat sie nicht am Schreibtisch entworfen. Sie ist vielmehr aus der eigenen, schicksalhaften Erfahrung mit der psychischen Bewältigung einer schweren Körperbehinderung gewonnen&#8230;<span id="more-38"></span></p>
<p style="text-align: left;"><strong>LeChajim:<br />
<a href="http://buecher.hagalil.com/2008/05/beisser/">Wozu brauche ich Flügel?</a></strong><br />
&#8220;Veränderung geschieht, wenn jemand wird, was er ist, nicht wenn er versucht, etwas zu werden, das er nicht ist.&#8221; Arnold R. Beisser, der diesen Satz in einem Beitrag zur Gestalttherapie schrieb, hatte an der medizinischen Fakultät in Stanford studiert und gerade die nationalen Tennismeisterschaften gewonnen, als er im Alter von 25 Jahren an Polio erkrankte und fast vollständig gelähmt wurde. In seinem Buch schildert Beisser eindrucksvoll seine Versuche, mit diesem radikalen Einschnitt in seinem Leben fertig zu werden&#8230;</p>
<p style="text-align: left;"><strong></strong><strong><a href="http://buecher.hagalil.com/2008/05/beisser-1/">Arnold Beissers Veränderungstheorie</a><br />
</strong>Beissers Veränderungstheorie hat ihre große Bedeutung sicher nicht durch Zufall bekommen, denn sie entspricht einem der wichtigsten Prinzipien der Gestalttherapie, der Betonung der unmittelbaren Erfahrung. Seine Theorie ist nicht grau; er hat sie nicht am Schreibtisch entworfen. Sie ist vielmehr aus der eigenen, schicksalhaften Erfahrung mit der psychischen Bewältigung einer schweren Körperbehinderung gewonnen. Diese fesselte ihn an den Rollstuhl und zwang ihn, zu leben wie ein Vogel ohne Flügel&#8230;</p>
<p style="text-align: left;"><strong></strong><strong><a href="http://buecher.hagalil.com/2008/05/beisser-2/">Antäus und das Paradox der Veränderung</a></strong><br />
Die alten griechischen Mythen haben immer eine spezielle Anziehungskraft auf mich ausgeübt. Diese Geschichten von olympischen Göttern und Helden scheinen etwas vom Wesen des Menschen wiederzugeben. Sie zeigen unverhüllt unsere Sehnsüchte und Gefühle, die wir üblicherweise unter dem Schleier der Kultur verstecken. Eine Zeit lang hatte es mir ein Mythos besonders angetan, der Mythos von Antäus.<strong>..</strong></p>
<p style="text-align: left;"><strong><a href="http://buecher.hagalil.com/2008/05/beisser-3/">Beissers Paradox der Veränderung</a><br />
</strong>Ein halbes Jahrhundert lang &#8211; und damit für den größten Teil seines Berufslebens &#8211; befand sich Frederick Perls im Konflikt mit dem psychiatrischen und psychologischen Establishment. Er ging kompromißlos seinen eigenen Weg, was häufig zu Auseinandersetzungen mit den Repräsentanten konventionellerer Ansichten führte. Dennoch befinden Perls und die Gestalttherapie sich in den letzten Jahren im Einklang mit einem zunehmend großen Teil psychologischer Theorie und Praxis. Diese Annäherung fand nicht etwa statt, weil Perls seine Position korrigiert hätte, obwohl seine Arbeit sich auch verändert hat, sondern weil die Trends und Konzepte auf diesem Gebiet ihm und seiner Arbeit entgegengekommen sind&#8230;</p>
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