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	<title>Pharmacon Net &#187; Psychologie</title>
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	<description>Interaktion: Medizin und Psychologie, Pharmakologie und Pharmazie</description>
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		<title>Hirschfeld &amp; Freud: Wie wird man heterosexuell?</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Dec 2011 12:13:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die biologistische Sichtweise verknüpft Geschlecht und Sexualität miteinander. Demnach gibt es eine männliche und eine weibliche Sexualität, egal ob homo oder hetero. Ilka Quindeau, Professorin für Klinische Psychologie und Psychoanalyse an der FHS Frankfurt, stellt diese Festlegungen in einem originellen Rückgriff auf Freud in Frage&#8230; Ilka Quindeau: Wie wird man heterosexuell? [BESTELLEN?] Sie entwickelt ein Konzept von Bisexualität, die nicht nur in der Richtung des Begehrens offen ist, sondern auch im eigenen Empfinden nicht auf &#8220;männlich&#8221; oder &#8220;weiblich&#8221; festgelegt ist. Lustempfinden und Begehren sind demnach nicht einseitig im Körper verwurzelt, sondern bilden sich als Antwort, als Reaktion auf das heraus, was ihm von außen Befriedigung bereitet. Ihr Vortrag erscheint als Queer Lectures (Heft 10) Herausgegeben von der Initiative &#8220;Queer Nations&#8221;,  einer Allianz von WissenschaftlerInnen, die sich dem Wiederaufbau des 1933 von den Nationalsozialisten zerstörten Instituts für Sexualwissenschaft widmen. Queer Nations will den akademischen Diskurs um &#8220;queere&#8221; Fragestellungen auch öffentlich fruchtbar machen &#8211; zu diesem Zweck erscheinen die Queer Lectures. „Per scientiam ad justitiam“ „Durch Wissenschaft zur Gerechtigkeit“ „Through science to justice“ Dr. med. Magnus Hirschfeld (1868 – 1935)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die biologistische Sichtweise verknüpft Geschlecht und Sexualität miteinander. Demnach gibt es eine männliche und eine weibliche Sexualität, egal ob homo oder hetero. Ilka Quindeau, Professorin für Klinische Psychologie und Psychoanalyse an der FHS Frankfurt, stellt diese Festlegungen in einem originellen Rückgriff auf Freud in Frage&#8230;<span id="more-3705"></span></p>
<p><a href="http://www.hagalil.com/images/personen/hirschfeld.jpg"><img class="alignright" src="http://www.hagalil.com/images/personen/hirschfeld.jpg" alt="M. Hirschfeld" width="298" height="464" /></a><span style="font-size: medium;"><strong><em>Ilka Quindeau:</em></strong></span><br />
<span style="font-size: medium;"><strong><em> Wie wird man heterosexuell?</em></strong></span><br />
[<a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3939542857">BESTELLEN?</a>]</p>
<p>Sie entwickelt ein Konzept von Bisexualität, die nicht nur in der Richtung des Begehrens offen ist, sondern auch im eigenen Empfinden nicht auf &#8220;männlich&#8221; oder &#8220;weiblich&#8221; festgelegt ist. Lustempfinden und Begehren sind demnach nicht einseitig im Körper verwurzelt, sondern bilden sich als Antwort, als Reaktion auf das heraus, was ihm von außen Befriedigung bereitet.</p>
<p>Ihr Vortrag erscheint als Queer Lectures (Heft 10) Herausgegeben von der Initiative <a href="http://www.queer-nations.de/" target="_blank">&#8220;Queer Nations&#8221;</a>,  einer Allianz von WissenschaftlerInnen, die sich dem Wiederaufbau des 1933 von den Nationalsozialisten zerstörten <a href="http://glbt-news.israel-live.de/deutschland/hirschfeld.htm">Instituts für Sexualwissenschaft</a> widmen. Queer Nations will den akademischen Diskurs um &#8220;queere&#8221; Fragestellungen auch öffentlich fruchtbar machen &#8211; zu diesem Zweck erscheinen die Queer Lectures.</p>
<p><strong>„Per scientiam ad justitiam“</strong><br />
<strong>„Durch Wissenschaft zur Gerechtigkeit“</strong><br />
<strong>„Through science to justice“</strong><br />
<em>Dr. med. Magnus Hirschfeld (1868 – 1935)</em></p>
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		<title>Fachtagung: Macht Triebkontrolle sexy?</title>
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		<pubDate>Fri, 14 Oct 2011 13:16:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sexualmedizin]]></category>
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		<description><![CDATA[Menschen werden für andere attraktiver, wenn sie ihre sexuellen Triebe in Zaum halten können. Das erklärt der Wiener Psychotherapeut und Psychiater Raphael Bonelli: &#8220;Wer seinen Trieb aus freien Stücken aufschieben kann, stärkt damit seine innere Freiheit. Krankhaft wird Sex viel eher dann, wenn man nicht zumindest kurzfristig auf ihn verzichten kann&#8221;&#8230; Wien (pte) &#8221; Wie viel Sex der Mensch mindestens braucht, um gesund zu bleiben, diskutieren Sexualtherapeuten, Psychiater und Theologen am kommenden Samstag auf einer Fachtagung (zölibat.at) in Wien. Die mediale Präsenz der Sexualität spielt eine gewichtige Rolle in der Diskussion um das &#8220;nötige Minimum&#8221;: Sex wird häufig als notwendiger Höhepunkt und Ziel jeder Liebesbeziehung dargestellt, verstärkt durch sexistische Abbildungen. Zusätzlich zu diesen künstlich geschaffenen kommen auch von Betroffenen selbst kreierte Bedürfnisse, erklärt Bonelli. &#8220;Viele Männer glauben fest, dass sie dringend Sex brauchen. Noch immer kursieren Unsinns-Argumente, etwa dass alle 14 Tage der Hoden entleert und Dampf abgelassen werden muss &#8211; womit Männer jedoch in erster Linie den Frauen Druck machen wollen.&#8221; Frei versus unfrei Was schwerer wiegt, sind jedoch die psychischen Folgen von ausbleibendem Sex, wobei Sigmund Freuds Thesen weiterhin als Meilenstein gelten. &#8220;Freud wurde jedoch von der 68er-Bewegung und einer banalisierenden Mittelschulpsychologie fälschlich oft so wiedergegeben, dass jeglicher Verzicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Menschen werden für andere attraktiver, wenn sie ihre sexuellen Triebe in Zaum halten können. Das erklärt der Wiener Psychotherapeut und Psychiater Raphael Bonelli: &#8220;Wer seinen Trieb aus freien Stücken aufschieben kann, stärkt damit seine innere Freiheit. Krankhaft wird Sex viel eher dann, wenn man nicht zumindest kurzfristig auf ihn verzichten kann&#8221;&#8230;</p>
<p>Wien (<a href="http://www.pressetext.de">pte</a>) &#8221; Wie viel Sex der Mensch mindestens braucht, um gesund zu bleiben, diskutieren Sexualtherapeuten, Psychiater und Theologen am kommenden Samstag auf einer Fachtagung (<a href="http://z%C3%B6libat.at/">zölibat.at)</a> in Wien.</p>
<p>Die mediale Präsenz der Sexualität spielt eine gewichtige Rolle in der Diskussion um das &#8220;nötige Minimum&#8221;: Sex wird häufig als notwendiger Höhepunkt und Ziel jeder Liebesbeziehung dargestellt, verstärkt durch sexistische Abbildungen. Zusätzlich zu diesen künstlich geschaffenen kommen auch von Betroffenen selbst kreierte Bedürfnisse, erklärt Bonelli. &#8220;Viele Männer glauben fest, dass sie dringend Sex brauchen. Noch immer kursieren Unsinns-Argumente, etwa dass alle 14 Tage der Hoden entleert und Dampf abgelassen werden muss &#8211; womit Männer jedoch in erster Linie den Frauen Druck machen wollen.&#8221;</p>
<p><strong>Frei versus unfrei</strong></p>
<p>Was schwerer wiegt, sind jedoch die psychischen Folgen von ausbleibendem Sex, wobei Sigmund Freuds Thesen weiterhin als Meilenstein gelten. &#8220;Freud wurde jedoch von der 68er-Bewegung und einer banalisierenden Mittelschulpsychologie fälschlich oft so wiedergegeben, dass jeglicher Verzicht auf Sexualität neurotisiere. Er selbst betonte jedoch, dass dies nur bei unfreiwilligem Verzicht zutrifft. Sein Schüler Carl Gustav Jung konkretisierte später, dass freiwillige Enthaltsamkeit &#8211; also ohne Flucht aus Nöten und Verantwortungen &#8211; keinesfalls schädlich ist.&#8221;</p>
<p>Die Freiheit, den Sexualtrieb sowohl ausleben als auch darauf verzichten zu können, sieht Bonelli deshalb als entscheidendes Kriterium. Unfrei sei der Verzicht auf Sex etwa im Falle von Frigidität, bei sexueller Verklemmung oder auch bei halbbewusster Selbststimulierung, die das Bedürfnis nach Befriedigung bloß steigert. &#8220;Der Betroffene gesteht sich selbst den Trieb nicht ein und verdrängt die sexuellen Motive von Vorschubhandlungen. Sexuelle Übergriffe nehmen oft hier ihren Ausgang &#8211; etwa jene der Ephebophilie, der erotischen Anziehung erwachsener Männer zu geschlechtsreifen Knaben.&#8221;</p>
<p><strong>Sprache der Liebe</strong></p>
<p>Bewusster Verzicht, obwohl man die Triebe ausleben könnte, ist hingegen die Wurzel von Kultur, zitiert Bonelli erneut Freud. &#8220;Nur wer auf kurzfristige Befriedigung zugunsten eines längerfristigen Gutes verzichten kann, ist zu Kunst, Arbeit, Beziehung, Freundschaft und Hingabe fähig &#8211; Leistungen, die Grundpfeiler der Gesellschaft bilden.&#8221; Selbst in bestehenden Paarbeziehungen führe deshalb erst das Wartenkönnen aus Rücksicht auf den anderen zur Vermenschlichung der körperlichen Liebe. Aufgabe der Eltern, jedoch auch des schulischen Sexualunterrichts sei es folglich, die in der Pubertät aufblühende Sexualität eines Jugendlichen dafür zu sensibilisieren.</p>
<p>Singles auf Partnersuche rät der Psychotherapeut, bewusst an der Kultivierung ihrer Sexualität zu arbeiten, statt sich bloß zu stimulieren. &#8220;Pornografie und Selbstbefriedigung sind ein kurzfristiges, oft zwanghaftes Ausleben der Triebsehnsucht. Beide erschweren es jedoch, Sex als Sprache der Liebe zu entwickeln. Zudem führt die ständige Sofortbefriedigung in einen Teufelskreis, der viele Männer um ihre attraktive Ausstrahlung bringt. Denn Lüstlinge kommen bei Frauen selten gut an &#8211; und werden von diesen meist auch rasch als solche enttarnt.&#8221;</p>
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		<title>Handbuch der Psychotraumatologie</title>
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		<pubDate>Wed, 12 Oct 2011 17:39:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Psychotherapie]]></category>
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		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Psychiatrie]]></category>
		<category><![CDATA[Psychologie]]></category>
		<category><![CDATA[Trauma]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Psychotraumatologie gehört zur Zeit zu den dynamischsten Gebieten im Bereich der klinischen Psychologie. Im neuen Studiengang Psychotherapiewissenschaft soll das Fach als Teil der universitären Ausbildung von Anfang an fester Bestandteil sein&#8230; Dass Klett-Kotta gerade jetzt ein Referenzwerk vorlegt, das viele der aktuellen Entwicklungen und Neubestimmungen behandelt, ist mehr als erfreulich, da notwendig. Dabei könnte man nicht nur von einer Neuinterpretation sondern auch von einer Wiederentdeckung des Themas sprechen, war doch eigentlich jegliche Psychotherapie von Anfang an Traumatherapie. Ging doch schon Sigmund Freud in seinem ersten Werk, den gemeinsam mit Joseph Breuer durchgeführten &#8220;Studien über Hysterie&#8221;, von psychischen Traumata aus, die, meist aus der Kindheit stammend,  zu neurotischen Störungen führen. Die Ausweitung des Traumabegriffs, insbesondere in den Bereich der &#8220;frühen Störungen&#8221; ist somit fast eine Rückbesinnung auf Früheres. Um so wichtiger erscheint damit ein aktuelles Referenzwerk für Fragen der Psychotraumatologie. Das Handbuch für Psychotraumatologie behandelt systematisch aktuelle Fragen, liefert aber auch das Grundwissen für alle Praktiker, Wissenschaftler, Studierende und Organisationen, die mit traumatisierten Menschen arbeiten. Die Autorinnen und Autoren, allesamt führende Traumaexperten und -therapeuten, bieten eine systematische Zusammenfassung der in Forschung und Klinik gesammelten aktuellen Erkenntnisse und geben einen einzigartigen Überblick über alle Facetten der Traumatologie &#8211; inklusive einem ausführlichem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Psychotraumatologie gehört zur Zeit zu den dynamischsten Gebieten im Bereich der klinischen Psychologie. Im neuen Studiengang Psychotherapiewissenschaft soll das Fach als Teil der universitären Ausbildung von Anfang an fester Bestandteil sein&#8230;<span id="more-3596"></span></p>
<p>Dass Klett-Kotta gerade jetzt ein Referenzwerk vorlegt, das viele der aktuellen Entwicklungen und Neubestimmungen behandelt, ist mehr als erfreulich, da notwendig.<br />
Dabei könnte man nicht nur von einer Neuinterpretation sondern auch von einer Wiederentdeckung des Themas sprechen, war doch eigentlich jegliche Psychotherapie von Anfang an Traumatherapie. Ging doch schon Sigmund Freud in seinem ersten Werk, den gemeinsam mit Joseph Breuer durchgeführten &#8220;Studien über Hysterie&#8221;, von psychischen Traumata aus, die, meist aus der Kindheit stammend,  zu neurotischen Störungen führen. Die Ausweitung des Traumabegriffs, insbesondere in den Bereich der &#8220;frühen Störungen&#8221; ist somit fast eine Rückbesinnung auf Früheres.</p>
<p>Um so wichtiger erscheint damit ein aktuelles Referenzwerk für Fragen der Psychotraumatologie. Das Handbuch für Psychotraumatologie behandelt systematisch aktuelle Fragen, liefert aber auch das Grundwissen für alle Praktiker, Wissenschaftler, Studierende und Organisationen, die mit traumatisierten Menschen arbeiten.</p>
<p>Die Autorinnen und Autoren, allesamt führende Traumaexperten und -therapeuten, bieten eine systematische Zusammenfassung der in Forschung und Klinik gesammelten aktuellen Erkenntnisse und geben einen einzigartigen Überblick über alle Facetten der Traumatologie &#8211; inklusive einem ausführlichem <a href="http://handbuch-psychotraumatologie.de/wp-content/uploads/2011/08/Seidler_HB_Psycho_Register.pdf">Register</a>.<br />
Und dass die Herausgeber mit Ulrich Venzlaff nicht nur ein Wegbereiter der Psychotraumatologie, sondern auch einen mutigen und anständigen Menschen ehren, macht sie doppelt sympathisch. Doch wer war <a href="http://www.hagalil.com/archiv/2011/10/12/psychotraumatologie/"><strong>Ulrich Venzlaff, der sich für eine Entschädigung von im KZ Traumatisierten gegen die Elite der deutschen Psychiatrie durchsetzte?</strong></a></p>
<p>[<a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3608946659">BESTELLEN?</a>]</p>
<p>Die 65 Kapitel befassen sich mit den Themen:<br />
- Definition und Beschreibung der Psychotraumatologie<br />
- Historische Entwicklung<br />
- Krankheitsbilder<br />
- Alle Therapiemöglichkeiten<br />
- Traumatisierungen in bestimmten gesellschaftlichen und kulturellen Kontexten<br />
- Trauma und Justiz<br />
- Traumafolgestörungen in forensischen Kliniken sowie bei helfenden Berufen</p>
<p>Insbesondere wird diskutiert:<br />
- Wie entstehen Psychotraumata?<br />
- Welchen Verlauf können sie nehmen?<br />
- Welche Möglichkeiten der Behandlung, Versorgung und Betreuung gibt es?<br />
- Was sind die gesellschaftlichen Zusammenhänge und Voraussetzungen?</p>
<p>Zielgruppe:<br />
- PsychotraumatologInnen<br />
- PsychotherapeutInnen (insb. mit Trauma-Weiterbildung)<br />
- PsychoanalytikerInnen / Psychiater / PsychologInnen<br />
- Führungskräfte und Mitarbeiter in »Blaulichtberufen« und Beratungsstellen<br />
- SozialarbeiterInnen / SeelsorgerInnen<br />
- ErzieherInnen, insbesondere in Einrichtungen für Schwer- und Schwersterziehbare, Studierende</p>
<p>Sehr zu empfehlen ist auch ein Blick auf die <a href="http://handbuch-psychotraumatologie.de/">Website zum Handbuch der Psychotraumatologie</a>&#8230;</p>
<p>[<a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3608946659">BESTELLEN?</a>]</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Erste Jahre: Kleinkinder vergessen schnell</title>
		<link>http://www.pharmacon.net/2011/05/erste-jahre-kleinkinder-vergessen-schnell/</link>
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		<pubDate>Wed, 18 May 2011 20:19:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Psychotherapie]]></category>
		<category><![CDATA[Entwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Kinder]]></category>
		<category><![CDATA[Psychologie]]></category>

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		<description><![CDATA[Frühe Erlebnisse der ersten Lebensjahre sind bei Kleinkindern noch präsent, verschwinden dann aber im Verlauf der Kindheit aus dem Bewusstsein. Das berichten kanadische Forscher in der Zeitschrift &#8220;Child Development&#8221;&#8230; Frühe Erinnerungen verschwinden im Schulalter wieder pte &#8211; &#8220;Scheinbar werden im Grundschulalter frühere durch spätere Erinnerungen ersetzt. Je älter Kinder werden, desto gefestigter ist ihr Erinnern, das dann bereits jenem von Erwachsenen ähnlich ist&#8221;, so Studienleiterin Carole Peterson von der Memorial University of Newfoundland. 18. Monat noch präsent Die Wissenschaftler befragten 140 Kinder im Alter von vier bis 13 Jahren nach ihren ersten drei Erinnerungen und wiederholten dieselbe Frage zwei Jahre später noch einmal. Die Eltern gaben darüber Auskunft, ob diese Angaben stimmten und mit welchem Alter die Ereignisse geschehen waren. Kleine Kinder, die man beim ersten Mal im Vorschulalter befragt hatte, berichteten von Erlebnissen, die teils bis ins 18. Lebensmonat zurückreichten. Zwei Jahre später konnten sie sich allerdings kaum mehr an die zuvor angegebenen Ereignisse erinnern. Bei den älteren Kindern war dies hingegen weit eher der Fall. Auch Unbewusstes bleibt gespeichert &#8220;Die Studie untersucht bewusst abrufbare Erinnerungen. Der Mensch erinnert sich jedoch an viel mehr, als ihm bewusst ist&#8221;, erklärt die Wiener Entwicklungspsychologin Brigitte Rollett http://psychologie.univie.ac.at/eppd im pressetext-Interview. Frühe Kindheitsereignisse [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Frühe  Erlebnisse der ersten Lebensjahre sind bei Kleinkindern noch präsent,  verschwinden dann aber im Verlauf der Kindheit aus dem Bewusstsein. Das  berichten kanadische Forscher in der Zeitschrift &#8220;Child Development&#8221;&#8230;<span id="more-3336"></span></p>
<p><strong>Frühe Erinnerungen verschwinden im Schulalter wieder</strong></p>
<p><a href="http://www.pressetext.de">pte</a> &#8211; &#8220;Scheinbar werden im Grundschulalter frühere durch spätere Erinnerungen  ersetzt. Je älter Kinder werden, desto gefestigter ist ihr Erinnern, das  dann bereits jenem von Erwachsenen ähnlich ist&#8221;, so Studienleiterin  Carole Peterson von der <a href="http://www.mun.ca">Memorial University</a> of Newfoundland.</p>
<p><strong>18. Monat noch präsent</strong></p>
<p>Die  Wissenschaftler befragten 140 Kinder im Alter von vier bis 13 Jahren  nach ihren ersten drei Erinnerungen und wiederholten dieselbe Frage zwei  Jahre später noch einmal. Die Eltern gaben darüber Auskunft, ob diese  Angaben stimmten und mit welchem Alter die Ereignisse geschehen waren.  Kleine Kinder, die man beim ersten Mal im Vorschulalter befragt hatte,  berichteten von Erlebnissen, die teils bis ins 18. Lebensmonat  zurückreichten. Zwei Jahre später konnten sie sich allerdings kaum mehr  an die zuvor angegebenen Ereignisse erinnern. Bei den älteren Kindern  war dies hingegen weit eher der Fall.</p>
<p><strong>Auch Unbewusstes bleibt  gespeichert</strong></p>
<p>&#8220;Die Studie untersucht bewusst abrufbare  Erinnerungen. Der Mensch erinnert sich jedoch an viel mehr, als ihm  bewusst ist&#8221;, erklärt die Wiener Entwicklungspsychologin Brigitte  Rollett http://psychologie.univie.ac.at/eppd im pressetext-Interview.  Frühe Kindheitsereignisse vergisst man in der Regel, wenn sie für die  Gegenwart nicht mehr relevant sind oder wenn sie derart schmerzen, dass  man Distanz zu ihnen schaffen will. &#8220;Im geschützten Raum der  Psychotherapie kann man sie wieder hervorholen &#8211; etwa wenn es darum  geht, Phobien oder Demotivation durch die Suche nach den Ursachen zu  überwinden&#8221;, so die Expertin.</p>
<p>Unter manchen Bedingungen bleiben  frühe Erlebnisse jedoch nachhaltig im Bewusstsein. Rollett zählt dazu  die Schaffung einer &#8220;Familien-Saga&#8221;, in der Familien Vergangenes durch  ständiges Erinnern daran lebendig halten. Auch Fotos oder Erzählungen  von einstmals Anwesenden bewirken dies, wobei letztere dabei helfen  können, teils verfälschte Erinnerungen richtig zu stellen.</p>
<p><strong>Erinnern an Schönes macht glücklich</strong></p>
<p>Daneben gibt es auch zwei  Sonderformen des Erinnerns. &#8220;Depressives Grübeln holt vergangene  Schmerzen immer wieder hervor. Glückliche Menschen schaffen es hingegen  oft, sich im Vergegenwärtigen von vergangenem Schönen in gute Stimmung  zu versetzen&#8221;, erklärt die Entwicklungspsychologin.</p>
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		<title>Psychiatrie und Chassidismus: Rabbiner Abraham Twerski über die Altersweisheit</title>
		<link>http://www.pharmacon.net/2011/03/psychiatrie-und-chassidismus-rabbiner-abraham-twerski-uber-die-altersweisheit/</link>
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		<pubDate>Thu, 24 Mar 2011 09:54:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Suchterkrankungen]]></category>
		<category><![CDATA[Psychiatrie]]></category>
		<category><![CDATA[Psychologie]]></category>

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		<description><![CDATA[Mehr als 60 Bücher hat er bereits verfasst. Und obwohl längst im Rentenalter, schreibt Rabbiner Dr. med. Abraham Joshua Twerski mit geradezu jugendlichem Schwung jedes Jahr mindestens ein neues Werk. Den 80. Geburtstag im vergangenen Herbst hat er zum Anlass genommen, seine Memoiren zu veröffentlichen&#8230; Yizhak Ahren bespricht die Autobiografie des interdisziplinär gebildeten Abraham J. Twerski Twerski verweist auf frühere autobiografische Schriften und entschuldigt sich im Voraus für Wiederholungen, die ein aufmerksamer Leser möglicherweise finden wird. Dies entspringt einer übertriebenen Befürchtung: Wer ist nicht gerne bereit, gute Geschichten und geistreiche Gedanken mehrfach zu lesen? Twerski stammt aus einer angesehenen chassidischen Familie. Sein Urgroßvater war der erste Bobover Rebbe. Sein Vater wanderte nach Amerika aus und amtierte als Rabbiner in Milwaukee. In chassidischen Kreisen ist es nicht unüblich, dass Söhne den Beruf ihres Vaters ergreifen. Seine Karriere als Gemeinderabbiner hat Twerski aber im Alter von 25 Jahren beendet. Er begann, Medizin zu studieren, und wurde Psychiater. Jahrzehntelang leitete er in Pittsburgh eine Therapiestation für Drogensüchtige. Dass er trotz des Berufswechsels ein frommer Jude und Toralehrer geblieben ist, spürt der Leser auf jeder Seite. Fallgeschichten Als Psychiater hat Twerski unzähligen Patienten helfen können. Seine Fallgeschichten sind unterhaltsam und lehrreich. Er gibt zahlreiche [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mehr als 60 Bücher hat er bereits verfasst. Und obwohl längst im Rentenalter, schreibt Rabbiner Dr. med. Abraham Joshua Twerski mit geradezu jugendlichem Schwung jedes Jahr mindestens ein neues Werk. Den 80. Geburtstag im vergangenen Herbst hat er zum Anlass genommen, seine Memoiren zu veröffentlichen&#8230;</p>
<p><em>Yizhak Ahren bespricht die Autobiografie des interdisziplinär gebildeten Abraham J. Twerski</em></p>
<p>Twerski verweist auf frühere autobiografische Schriften und entschuldigt sich im Voraus für Wiederholungen, die ein aufmerksamer Leser möglicherweise finden wird. Dies entspringt einer übertriebenen Befürchtung: Wer ist nicht gerne bereit, gute Geschichten und geistreiche Gedanken mehrfach zu lesen?</p>
<p>Twerski stammt aus einer angesehenen chassidischen Familie. Sein Urgroßvater war der erste Bobover Rebbe. Sein Vater wanderte nach Amerika aus und amtierte als Rabbiner in Milwaukee. In chassidischen Kreisen ist es nicht unüblich, dass Söhne den Beruf ihres Vaters ergreifen. Seine Karriere als Gemeinderabbiner hat Twerski aber im Alter von 25 Jahren beendet. Er begann, Medizin zu studieren, und wurde Psychiater. Jahrzehntelang leitete er in Pittsburgh eine Therapiestation für Drogensüchtige. Dass er trotz des Berufswechsels ein frommer Jude und Toralehrer geblieben ist, spürt der Leser auf jeder Seite.</p>
<p>Fallgeschichten Als Psychiater hat Twerski unzähligen Patienten helfen können. Seine Fallgeschichten sind unterhaltsam und lehrreich. Er gibt zahlreiche Tipps für den Alltag, etwa für eine gute Ehe. Wohltuend fällt die Bescheidenheit des Autors auf. Er beschreibt sich selbst als Praktiker und Popularisierer der von Freud begründeten Tiefenpsychologie.</p>
<p>So arbeitet er ganz selbstverständlich mit dem Begriff des Unbewussten, äußert sich aber kritisch über Freuds Methode der Traumdeutung. Meines Erachtens verzichtet der chassidische Psychiater damit auf den Königsweg zur Erfassung seelischer Probleme. Bemerkenswert ist, dass Twerski der Hypnosetherapie ein ganzes Kapitel widmet. Er erwähnt, dass Rabbiner Moshe Feinstein in einem halachischen Gutachten Hypnose für medizinische Zwecke erlaubt.</p>
<p>Als orthodoxer Jude lernt Twerski in seiner Freizeit regelmäßig Tora. Er hat einen Band mit Betrachtungen zu den Wochenabschnitten vorgelegt und ein dickes Buch über jüdische Gebete publiziert. In seinen Memoiren zitiert Twerski die täglich ausgesprochene Bitte »Gib unseren Teil an Deiner Lehre« und erläutert dies so: Jeder Jude hat einen spezifischen Anteil an der Tora, den ihm niemand wegnehmen kann. Twerski referiert gleich mehrere seiner originellen Interpretationen biblischer und talmudischer Passagen. Niemand sollte sich wundern, in der Autobiografie eines Rabbiners Tora-Novellen (chidusche tora) zu finden – ohne sie wäre die Bilanz des Erreichten unvollständig.</p>
<p>Selbsttäuschung Ein Thema, auf das der 80-jährige Autor mehrfach zu sprechen kommt, ist die Weisheit, die man durch die Erfahrung eines langen Lebens erwirbt. Twerski empfiehlt jungen Menschen, bei wichtigen Entscheidungen die Alten um Rat zu fragen. Er vermutet, dass viele Brautpaare nicht um Weisheit beten, weil sie der Meinung seien, bereits alles zu wissen, was für ihr Leben von Belang sei – eine gefährliche Selbsttäuschung. Gerade in unserer Zeit, in der Taten der Jugend oft verherrlicht werden, verdient Twerskis Lobrede auf die Altersweisheit große Beachtung.</p>
<p><a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/search?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85Z%C3%95%C3%91&#038;node=198&#038;keywords=twerski&#038;x=0&#038;y=0&#038;preview=">Abraham J. Twerski: Gevurah. My Life, Our World, and the Adventure of Reaching 80. Shaar Press, New York 2010, 276 S., 18,99 $ </a></p>
<p><a href="http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/9955">Jüdische Allgemeine</a></p>
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		<title>Eric Kandel: Die Psychoanalyse muss sich der Biologie zuwenden</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Feb 2011 11:35:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zum Auftakt der neuen Serie »Auf den Spuren des Denkens« in der Süddeutschen Zeitung haben Philipp Mattheis und Klaus Podak den Neurobiologen und Nobelpreisträger Eric Kandel zum Verhältnis von Psychologie und Hirnforschung interviewt. Eric Kandel war als Neunjähriger mit seinem 14 Jahre alten Bruder vor den Nazis aus Wien in die USA geflohen. Der inzwischen über 80 Jahre alte Neurobiologe ist immer noch berufstätig und erforscht an der Columbia-Universität die Biochemie von Lernen und Vergessen, unter anderem an der Meeresschnecke Aplysia&#8230; Kurz notiert / Psychosozial Verlag Kandel spricht sich deutlich für eine Verbindung der Disziplinen aus und betont, dass nur eine Kombination aus Gesprächen und Medikamenten erfolgreich sein kann, um das Verhalten von Menschen zu ändern: »Während Psychopharmaka sehr grob wirken, indem sie bestimmte Enzyme und Hormone freisetzen, können Gespräche feine, aber ebenso wichtige Veränderungen im Gehirn hervorrufen.« So sieht er auch die Zukunft der Psychoanalyse in der Annäherung der Wissenschaften: » Wenn die Psychoanalyse überleben will, ist ihre einzige Chance, sich wieder der Biologie zuzuwenden. (&#8230;) Auch die Biologen sollten ihren Horizont erweitern und über ihre Disziplin hinausdenken.« Dass durch die Hirnforschung die Magie oder Romantik verloren geht, kann Kandel übrigens nicht bestätigen: »Das sind zwei verschiedene Sichtweisen derselben [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zum  Auftakt der neuen Serie »<a href="http://bit.ly/gj4HW5" target="_blank">Auf den Spuren des Denkens</a>«  in der  Süddeutschen Zeitung haben Philipp Mattheis und Klaus Podak den   Neurobiologen und Nobelpreisträger Eric Kandel zum Verhältnis von   Psychologie und Hirnforschung interviewt. Eric Kandel war als   Neunjähriger mit seinem 14 Jahre alten Bruder vor den Nazis aus Wien in   die USA geflohen. Der inzwischen über 80 Jahre alte Neurobiologe ist   immer noch berufstätig und erforscht an der Columbia-Universität die   Biochemie von Lernen und Vergessen, unter anderem an der Meeresschnecke<em> </em>Aplysia&#8230;<span id="more-3104"></span></p>
<p><em><a href="http://www.psychosozial-verlag.de/">Kurz notiert / Psychosozial Verlag</a></em></p>
<p>Kandel  spricht sich deutlich für eine Verbindung der Disziplinen aus  und  betont, dass nur eine Kombination aus Gesprächen und Medikamenten   erfolgreich sein kann, um das Verhalten von Menschen zu ändern:  »Während  Psychopharmaka sehr grob wirken, indem sie bestimmte Enzyme  und Hormone  freisetzen, können Gespräche feine, aber ebenso wichtige  Veränderungen  im Gehirn hervorrufen.« So sieht er auch die Zukunft der  Psychoanalyse  in der Annäherung der Wissenschaften: » Wenn die  Psychoanalyse überleben  will, ist ihre einzige Chance, sich wieder der  Biologie zuzuwenden.  (&#8230;) Auch die Biologen sollten ihren Horizont  erweitern und über ihre  Disziplin hinausdenken.«</p>
<p>Dass durch die Hirnforschung die Magie  oder Romantik verloren geht,  kann Kandel übrigens nicht bestätigen: »Das  sind zwei verschiedene  Sichtweisen derselben Sache; sie schließen sich  nicht aus, sie ergänzen  sich.«</p>
<p><strong>Zum Interview:</strong> <a href="http://bit.ly/gj4HW5" target="_blank">Seite 1</a> <a href="http://bit.ly/hrfn6E" target="_blank">Seite 2</a></p>
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		<title>Fromms Psychoanalyse: Der Mensch als Beziehungswesen</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Feb 2011 11:07:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Misst man die Bekanntheit eines Autors an der Verbreitung seines Schrifttums, dann ist Erich Fromm nach Sigmund Freud und Carl Gustav Jung sicher der weltweit bekannteste Psychoanalytiker. Und doch ist seine Theorie und Praxis der Psychoanalyse gerade im deutschen Sprachraum nicht nur weitgehend unbekannt, sondern auch bedeutungslos geblieben&#8230; Rainer Funk * Nicht wenige neigten und neigen noch immer dazu, den am Berliner Karl-Abraham-Institut Ausgebildeten gar den Anspruch streitig zu machen, ein Psychoanalytiker zu sein. Dabei war Erich Fromm der erste Psychoanalytiker, der den Menschen als Beziehungswesen ernst nahm und damit etwas vorwegnahm, was heute psychoanalytisches und psychotherapeutisches Allgemeingut geworden ist. Jahrzehnte früher, als Bindungsforschung und intersubjektive Psychoanalyse davon sprachen, sah Fromm bereits in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts das Bezogensein des Menschen auf die Wirklichkeit und auf sich selbst als das Kernproblem psychischer Strukturbildung an. Auch die Ausbildung triebhaft erlebter psychischer Strebungen ist für ihn weitgehend das Ergebnis der Internalisierung von Bezogenheitserfahrungen. Entsprechend orientieren sich psychoanalytische Theoriebildung und therapeutische Techniken in erster Linie an Erfahrungen des Bezogenseins in der aktuellen therapeutischen Beziehung und in der Aufdeckung unbewusst wirkender, behindernder und konfliktträchtiger Bezogenheitserfahrungen aus der Geschichte eines Menschen. Und noch etwas verband der promovierte Soziologe Fromm von Anfang an mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Misst man die Bekanntheit eines Autors an der Verbreitung seines  Schrifttums, dann ist Erich Fromm nach Sigmund Freud und Carl  Gustav Jung sicher der weltweit bekannteste Psychoanalytiker. Und  doch ist seine Theorie und Praxis der Psychoanalyse gerade im deutschen  Sprachraum nicht nur weitgehend unbekannt, sondern auch bedeutungslos geblieben&#8230;<span id="more-3081"></span></p>
<p><em>Rainer Funk *</em></p>
<p>Nicht wenige neigten und neigen noch immer  dazu, den am Berliner Karl-Abraham-Institut Ausgebildeten gar den  Anspruch streitig zu machen, ein Psychoanalytiker zu sein. Dabei war  Erich Fromm der erste Psychoanalytiker, der den Menschen als Beziehungswesen  ernst nahm und damit etwas vorwegnahm, was heute psychoanalytisches und  psychotherapeutisches Allgemeingut geworden  ist.</p>
<p>Jahrzehnte früher, als Bindungsforschung und intersubjektive Psychoanalyse davon  sprachen, sah Fromm bereits in den 30er Jahren des  20. Jahrhunderts das Bezogensein des Menschen auf die Wirklichkeit  und auf sich selbst als das Kernproblem psychischer Strukturbildung  an. Auch die Ausbildung triebhaft erlebter psychischer Strebungen ist  für ihn weitgehend das Ergebnis der Internalisierung von Bezogenheitserfahrungen.  Entsprechend orientieren sich psychoanalytische Theoriebildung und  therapeutische Techniken in erster Linie an Erfahrungen  des Bezogenseins in der aktuellen therapeutischen Beziehung und in der  Aufdeckung unbewusst wirkender, behindernder und konfliktträchtiger  Bezogenheitserfahrungen aus der Geschichte eines Menschen.</p>
<p>Und noch etwas verband der promovierte Soziologe Fromm von Anfang an mit seinem bezogenheitstheoretischen (relationalen) Ansatz:  Anders als die interpersonelle Psychoanalyse, wie sie Harry Stack Sullivan  entwickelte, sah Fromm den Einzelnen schon immer durch ein  <strong>gesellschaftliches Bezogensein</strong> geprägt. Dieses manifestiert sich in den  Bezugspersonen (als den Vermittlern gesellschaftlich geforderter  Bezogenheitsmuster) und in deren Art, Bezogensein zu praktizieren. <strong>Das  Individuum ist für Fromm deshalb ein primär soziales Wesen und die  Interaktionen zwischen Individuen sind immer auch von gesellschaftlichen Tabus  und Erfordernissen geprägt</strong>. Entsprechend anders als bei  Freud ist denn auch Fromms Verhältnisbestimmung von Individuum  und Gesellschaft bzw. Kultur.</p>
<p>Tatsächlich waren diese beiden Besonderheiten des psychoanalytischen Ansatzes  von Fromm die wichtigsten Gründe, warum er vom  Mainstream der Psychoanalyse ignoriert wurde. Bereits in den 30er  Jahren war er wegen seiner jüdischen Abstammung aus der Internationalen  Psychoanalytischen Vereinigung ausgeschlossen worden. Später  hatte er wegen seines »unorthodoxen« Ansatzes keine Chance, wieder  ihr Mitglied zu werden. Als unverbrüchlich zu ihr gehörend hielt die  Psychoanalyse an einer bestimmten Triebtheorie sowie an einem Menschenbild fest,  das den Einzelnen als primär unsozial ansah. Nicht, dass  Fromm die Irrationalität und Triebhaftigkeit psychischer Streben nicht  als die eigentliche Herausforderungen von Theorie und Praxis der Psychoanalyse  ansah. Dem triebhaften Erleben muss jedoch keine wie auch  immer geartete instinktive Ausstattung entsprechen. Ebenso erkannte  Fromm im Narzissmus die Hauptursache für eine entstellte Selbst- und  Wirklichkeitswahrnehmung, ohne den Narzissmus zur Ausgangssituation  des Menschen zu erklären. Fromm hatte ganz im Gegenteil mit seiner  Theorie einer <strong>angeborenen Potenz zur Liebesfähigkeit</strong> und seinem Konzept der  Selbstliebe und des Selbstinteresses bereits Ende der 30er Jahre  jene Elemente einer Selbsttheorie ausformuliert, die Jahrzehnte später  durch die Säuglingsforschung, die Entdeckung der Spiegelneuronen und  die Empathieforschung empirisch bestätigt wurden.</p>
<p>Das gerade erschienene Buch &#8220;<a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3837921158">Was den Menschen antreibt: Psychoanalyse als Theorie und Praxis von Beziehung</a>&#8221; will mit der psychoanalytischen Theorie und  Therapie Erich Fromms bekannt machen und, 30 Jahre nach seinem  Tod, eine längst überfällige Rezeption befördern. Vielleicht können die hier zusammen getragenen Beiträge auch zu der ebenfalls seit Langem  ausstehenden Rehabilitierung dieses ungemein produktiven Psychoanalytikers  beitragen.</p>
<p>Fromm fühlte sich zeitlebens auf dem Boden der Freud’schen Psychoanalyse  stehend. Er hielt zahllose Vorträge über die Bedeutung Freuds  und seiner Psychoanalyse und musste schmunzeln, wenn er in der Diskussion danach  mit »Herr Freud« statt mit »Herr Fromm« angesprochen  wurde. Wenn immer sich Fromm anschickte, über ein neues Thema zu  schreiben, arbeitete er die diesbezüglichen Arbeiten bei Freud durch  (wie zahllose Exzerpte in seinem Nachlass belegen), um dann erst seine  eigenen Gedanken zu Papier zu bringen. Mit beißender Kritik wandte  er sich in dem Beitrag »Die Krise der Psychoanalyse« (1970c) gegen die  Ich-Psychologen, weil sie die Haupterkenntnis Freuds verkennen würden, nämlich <strong> wie sehr der Mensch durch die Irrationalität unbewusster  Leidenschaften bestimmt</strong> sei. Auch sah er sich veranlasst zu betonen, wie  wenig ihn mit der Humanistischen Psychologie verbinde und wie sehr  er sich als humanistischer Psychoanalytiker verstünde.</p>
<p>Dass Fromm in der eigenen Zunft so sehr vergessen werden konnte,  muss ihm aber auch zum Teil selbst angelastet werden. Es ist nicht nur  die von Fromm in seinem Buch <a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3548350941">Sigmund Freud. Seine Persönlichkeit und  seine Wirkung</a> (1959a) beklagte Dogmatisierung der Psychoanalyse und  deren ekklesial organisierte Bewegung, die einem Vor- und Querdenker  kein Bleiberecht und Wirkungsfeld innerhalb der psychoanalytischen  Gemeinschaft gewährte.</p>
<p>Fromm hatte sich Mitte der 60er Jahren vorgenommen, ein vierbändiges Werk zu  seinem Verständnis von Psychoanalyse in Theorie  und Praxis zu schreiben, aber abgesehenen von einigen Bruchstücken,  die Eingang in die vorliegende Sammlung gefunden haben, hat er sich  dann lieber ganz der Aggressionsfrage zugewandt und bis 1973 an dem  Band <a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3499170523">Anatomie der menschlichen Destruktivität</a> geschrieben. Sein erster  Versuch, seinen psychoanalytischen Ansatz beim sozialen Bezogensein  des Menschen zu begründen, wurde 1937 als Gegenentwurf zu einer an  der Triebtheorie orientierten Psychoanalyse weitgehend ausformuliert.  Nachdem er jedoch von den Kollegen des Instituts für Sozialforschung  kritisiert und eine Veröffentlichung in der Zeitschrift für Sozialforschung abgelehnt wurde, bemühte Fromm sich nicht mehr um seine Veröffentlichung. Der Beitrag blieb verschollen, bis ich ihn 1990 in einem Teil  des Fromm’schen Nachlasses, der an der New York Public Library  untergebracht ist, wiederentdeckte.</p>
<p>Erst kurz vor seinem Tod erschien 1979 der Band <a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3421018952">Sigmund Freuds  Psychoanalyse – Größe und Grenzen</a>, in dem Fromm im Einzelnen zeigt,  was er Freud verdankt und worin die Entdeckungen Freuds bleibende  Bedeutung haben, aber auch, was seiner Meinung nach an den Freud’schen  Theorien zeitgebunden und revisionsbedürftig ist. Eine Veröffentlichung  zu seiner therapeutischen Praxis, wie er sie in den von ihm mitbegründeten  Instituten, dem William Alanson White Institute in New York und dem  Mexikanischen Psychoanalytischen Institut, praktizierte, blieb er schuldig.</p>
<p>Das Fehlen einer Veröffentlichung zu seiner eigenen therapeutischen  Praxis erklärt auch, warum er in der immer mehr auf ihre therapeutische  Anwendung reduzierten Psychoanalyse so wenig rezipiert wurde.</p>
<p>Es ist vor allem dem Engagement von Verleger Hans-Jürgen Wirth zu  verdanken, dass dieser Band zustande kam und die Beiträge Fromms  zur psychoanalytischen Theorie und Praxis einem interessierten Leserkreis  zugänglich gemacht werden können. Der vorliegende Band bildet  mit den zwei anderen im <a href="http://www.psychosozial-verlag.de">Psychosozial Verlag</a> erschienenen Bänden eine Trilogie zur  Psychoanalyse Fromms:<br />
Macht <a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3837921158">Was den Menschen antreibt: Psychoanalyse als Theorie und Praxis von Beziehung</a> vor allem  den anderen, nämlich psychoanalytisch-sozialpsychologischen Ansatz  Fromms und seine Auswirkungen auf die Theorie und Praxis der Psychoanalyse  deutlich, so führt der Band <a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3421018952">Sigmund Freuds  Psychoanalyse – Größe und Grenzen</a> (1979a) in Fromms Re-Vision der Psychoanalyse  und ihrer wichtigsten Konzept ein, die in vielerlei Hinsicht höchst aktuell ist.  Der Band <a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/383792002X">Erich Fromm als Therapeut</a> (R. Funk 2009) handelt  von der therapeutischen Praxis Fromms: Er enthält vier Vorlesungen  Fromms über seine therapeutische Technik sowie höchst spannende  Einblicke in seine psychoanalytische Praxis aus Sicht seiner Schüler, die  diese in Analysen, Supervisionen und im sonstigen Zusammensein mit  Erich Fromm gewonnen haben.</p>
<p style="font-style: italic;">Anm. Red.: Ein Großteil der  erwähnten Beiträge wurde nicht von Erich Fromm selbst publiziert, sondern erst posthum von Rainer Funk veröffentlicht.</p>
<p>*) Rainer Funk in der Einleitung, als Herausgeber von <a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3837921158">Was den Menschen antreibt: Psychoanalyse als Theorie und Praxis von Beziehung.</a>Aktuell aus dem Psychsozial Verlag</p>
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		<title>Was den Menschen antreibt: Psychoanalyse als Theorie und Praxis von Beziehung</title>
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		<pubDate>Sat, 19 Feb 2011 10:42:19 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Erich Fromm war der erste Psychoanalytiker, der den Menschen als Beziehungswesen ernst nahm. Lange vor der Bindungsforschung und der Etablierung der intersubjektiven Psychoanalyse sah er das Bezogensein des Menschen auf andere Menschen, auf die Wirklichkeit und auf sich selbst als das Kernproblem psychischer Strukturbildung an&#8230; Entsprechend orientieren sich seine psychoanalytische Theoriebildung und therapeutischen Techniken in erster Linie an solchen individuellen und gesellschaftlichen Erfahrungen, deren unbewusste Wirkungen, Behinderungen und Konflikte in der therapeutischen Beziehung aufgedeckt werden sollen. Der im Psychosozial Verlag vorgelegte Band “Was den Menschen antreibt: Psychoanalyse als Theorie und Praxis von Beziehung” versammelt die wichtigsten Beiträge Fromms zu seiner psychoanalytischen Theorie und Praxis, unter anderem seine kritische Auseinandersetzung mit Freud. Erich Fromm (1900-1980) war Soziologe, Psychoanalytiker und langjähriger Leiter der sozialpsychoanalytischen Abteilung des bekannten Frankfurter Instituts für Sozialforschung unter Max Horkheimer. Seine konstruktiven Beiträge u.a. zur Weiterentwicklung der Psychoanalyse, zur Religionspsychologie und zur Gesellschaftskritik machten ihn zu einem der einflussreichsten Denker des vergangenen Jahrhunderts. Herausgegeben wurde das Buch von&#160;Rainer Funk. Er war Erich Fromms letzter Assistent und verwaltet seine Rechte. Funk veröffentlichte zahlreiche Schriften von und über Fromm und ist Psychoanalytiker in Tübingen. Aus der Einleitung des Herausgebers&#8230;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Erich Fromm war der erste Psychoanalytiker, der den Menschen als Beziehungswesen ernst nahm. Lange vor der Bindungsforschung und der Etablierung der intersubjektiven Psychoanalyse sah er das Bezogensein des Menschen auf andere Menschen, auf die Wirklichkeit und auf sich selbst als das Kernproblem psychischer Strukturbildung an&#8230;<span id="more-3076"></span></p>
<p>Entsprechend orientieren sich seine psychoanalytische Theoriebildung und therapeutischen Techniken in erster Linie an solchen individuellen und gesellschaftlichen Erfahrungen, deren unbewusste Wirkungen, Behinderungen und Konflikte in der therapeutischen Beziehung aufgedeckt werden sollen. Der im Psychosozial Verlag vorgelegte Band “<a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3837921158">Was den Menschen antreibt: Psychoanalyse als Theorie und Praxis von Beziehung</a>” versammelt die wichtigsten Beiträge Fromms zu seiner psychoanalytischen Theorie und Praxis, unter anderem seine kritische Auseinandersetzung mit Freud.</p>
<p><strong>Erich Fromm</strong> (1900-1980) war Soziologe, Psychoanalytiker und langjähriger Leiter der sozialpsychoanalytischen Abteilung des bekannten Frankfurter Instituts für Sozialforschung unter Max Horkheimer.<br />
Seine konstruktiven Beiträge u.a. zur Weiterentwicklung der Psychoanalyse, zur Religionspsychologie und zur Gesellschaftskritik machten ihn zu einem der einflussreichsten Denker des vergangenen Jahrhunderts.</p>
<p>Herausgegeben wurde das Buch von&nbsp;<strong>Rainer Funk. </strong>Er war Erich Fromms letzter Assistent und verwaltet seine Rechte. Funk veröffentlichte zahlreiche Schriften von und über Fromm und ist Psychoanalytiker in Tübingen.</p>
<p>Aus der <a target="" title="" href="http://www.pharmacon.net/2011/02/fromm-3/">Einleitung des Herausgebers</a>&#8230;</p>
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		<title>Erinnerungen an Laura Perls: Leben an der Grenze</title>
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		<pubDate>Tue, 11 Jan 2011 17:50:44 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Wer war Lore Perls? Kennengelernt habe ich sie 1978 in einem Seminar und habe mich dann gleich für ein weiteres angemeldet. So gewann ich ihr Vertrauen, einige Seminare für sie in Düsseldorf zu organisieren, und so habe ich sie auch gleich von der praktischen Seite her kennengelernt. Ich fing an, Dinge zu lesen, die sie mir empfahl, und da sie in dieser Zeit regelmäßig in Deutschland war, um sich zu erholen, ihre Heimatstadt Pforzheim zu besuchen und in den Alpen Urlaub zu machen, hatten wir jedes Jahr Gelegenheit, uns zu sehen, und ich habe kein Jahr ausgelassen&#8230; Dr. Kristine Schneider Zugute kam mir meine Freundschaft mit Anna und Milan Sreckovic, wo sie aufs großzügigste untergebracht war und mit denen sie oft wochenlang in Köln lebte. Meine Legitimation, über sie persönlich zu berichten, bezieht sich daher auf ihre späten Lebensjahre, und all das, was ich aus früheren Zeiten über sie weiß, weiß ich durch Berichte, die sie selbst gegeben hat, aus Interviews und Berichten von Freunden. Erv Polster, bei dem ich gelernt habe, hatte mich sehr neugierig auf sie gemacht. Immer wenn er von ihr und von seinem Lernen in ihrem Institut in Cleveland sprach, bekam sein Mund so einen amüsanten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wer war Lore Perls? Kennengelernt habe ich sie 1978 in einem Seminar  und habe mich dann gleich für ein weiteres angemeldet. So gewann ich ihr  Vertrauen, einige Seminare für sie in Düsseldorf zu organisieren, und  so habe ich sie auch gleich von der praktischen Seite her kennengelernt.  Ich fing an, Dinge zu lesen, die sie mir empfahl, und da sie in dieser  Zeit regelmäßig in Deutschland war, um sich zu erholen, ihre Heimatstadt  Pforzheim zu besuchen und in den Alpen Urlaub zu machen, hatten wir  jedes Jahr Gelegenheit, uns zu sehen, und ich habe kein Jahr  ausgelassen&#8230;<span id="more-2979"></span></p>
<p><em>Dr. Kristine Schneider</em></p>
<p>Zugute  kam mir meine Freundschaft mit Anna und Milan Sreckovic, wo sie aufs  großzügigste untergebracht war und mit denen sie oft wochenlang in Köln  lebte. Meine Legitimation, über sie persönlich zu berichten, bezieht  sich daher auf ihre späten Lebensjahre, und all das, was ich aus  früheren Zeiten über sie weiß, weiß ich durch Berichte, die sie selbst  gegeben hat, aus Interviews und Berichten von Freunden. Erv Polster, bei  dem ich gelernt habe, hatte mich sehr neugierig auf sie gemacht. Immer  wenn er von ihr und von seinem Lernen in ihrem Institut in Cleveland  sprach, bekam sein Mund so einen amüsanten Ausdruck. Er sprach sehr  achtungsvoll und heiter von ihr, und ich dachte mir, eine Frau, von der  solch ein Mann so nett spricht, muß ich kennenlernen. Ganz abgesehen von  ihrem Beitrag zur Gestaltpsychotherapie, der Humanisierung der Gestalt.  Das ist auch Lore Perls&#8217; Verdienst, das inzwischen bekanntgeworden ist.</p>
<p>Anderes ist weniger bekannt. &#8220;<a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3779500310">Meine Wildnis ist die Seele des  anderen</a>&#8221; ist gleichzeitig Lores Liebeserklärung an ihren guten Freund  und Schüler, Paul Goodman. Für ihn waren nämlich unsere Straßen die  &#8220;Wildnis&#8221;, und Lore Perls hat in Analogie zu seinem Denken die Seele zu  ihrer Wildnis erklärt, wo sie abenteuern und explorieren konnte, soviel  sie wollte, und ihre häuslichen Pflichten hat sie immer nebenbei  erledigt.</p>
<p>Eine ideale Kombination. Aber sie war auch widersprüchlich, denn sie  sagte: &#8220;Therapie kann man lernen, nicht lehren.&#8221; Das war ihre  Überzeugung. Trotzdem bildete sie über vier Jahrzehnte Therapeuten  heran. Gemeinsam mit ihrem Mann, Fritz Perls, entwickelte und erprobte  sie ein neues, psychodynamisches System existentieller Psychotherapie.  Gemeinsam mit ihm, und dennoch blieb sie hinter den Kulissen. In den  fünfundzwanzig Jahren ihrer Zusammenarbeit reiften Inhalt und Form der  Gestalttherapie, die sich zunächst als Revision der Freudschen  Widerstandstheorie verstand, sich mit Beginn der fünfziger Jahre  emanzipierte und unter einer Bezeichnung, die sie selber gar nicht  unterstützte &#8211; Gestalttherapie &#8211; Weltgeltung erhielt. Wieso stand sie  als Mitbegründerin der Methode so lange im Schatten ihres berühmten  Mannes und eines berühmten Freundes?</p>
<p>Mittlerweile zeichnet sich der Beitrag, den sie für die Entwicklung  geleistet hat, zusehends deutlicher ab. Und so verstehe ich auch meinen  Vortrag, denn es gibt Dinge, die sieht man nicht auf den ersten Blick.  Das war etwas Wesentliches an Lore. Erstens sah sie Dinge, die andere  auf den ersten Blick nicht sehen, und zweitens verbarg sie sich vor dem  sogenannten ersten Blick. Man mußte schon genauer hinschauen, um sie zu  entdecken. Vielleicht ist das im Zusammenhang mit Miriam Polster besser  zu verstehen, die sich in ihrem Buch &#8220;<a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3926176547">Evas Töchter, Frauen als heimliche  Heldinnen</a>&#8221; (EHP 1994) über den weiblichen Heroismus Gedanken gemacht  hat: Es gibt ihn eigentlich nicht. Die Öffentlichkeit bevorzugt  männliche Helden. Die weibliche Heldin ist auch kein Archetypus, also  gibt es keine große gesellschaftliche Empfänglichkeit für eine Frau, die  etwas Großes leistet. Und gerade die Generation von Lore Perls, das  werden wir noch an ihrem Werdegang sehen, hatte wenig, wenn überhaupt  Vorbilder dafür, in der Öffentlichkeit Leistung zu zeigen.</p>
<p>Längst hat sie von ihren Schülern und in der Öffentlichkeit den Platz  erhalten, der ihr aufgrund ihrer Verdienste zusteht, fernab aller  kleinlichen Rivalitätsüberlegungen. In der genialen Unordnung, welche  die geistige Welt von Fritz Perls kennzeichnete, wurde sie durch ihre  Stetigkeit, Klarheit und ihren Ordnungssinn zum unverzichtbaren  Gegengewicht. &#8211; Lore, die Frau von Fritz Perls? Das Bild trügt. Ihr  Selbstverständnis kam aus einer anderen Richtung. Der große Auftritt war  nie ihre Sache. Der Brillanz des Augenblicks erlag sie nicht. Man  begegnete ihr nicht erst, nachdem man heilige Hallen durchquert hatte.  Sie bevorzugte das Unauffällige, die Arbeit im Kleinen, die Erforschung  und den Aufbau des Verhaltens, Details. Ihre Arbeitsweise besaß die  Vertrautheit des Alltäglichen und bot die Sicherheit verläßlicher  Zuwendung und Freundschaft.</p>
<p>Als Fritz Perls zur Westküste ging, führte sie das New Yorker  Gestaltinstitut weiter und prägte es in ihrem Sinne. Ihre  Eigenständigkeit, sagt Jerry Kogan, ist für alle unübersehbar, die Lore  und Fritz in ihrer Arbeit erlebt haben. Lore verfügte über eine  unverwechselbare eigene Handschrift, und dazu bekannte sie sich Zeit  ihres Lebens.</p>
<p><span style="font-size: medium;"><strong>Die 1920er Jahre in Deutschland</strong></span></p>
<p>Ihre therapeutische Laufbahn begann bei der Psychoanalyse. Den  Anstoß, sich damit zu befassen, erhielt sie aus Gesprächen, die Fritz  mit einem Freund führte, der sich wie er in einer Lehranalyse befand.  Die Fachsimpeleien der beiden weckten in ihr den Wunsch, mehr davon zu  verstehen. Mit einundzwanzig Jahren war sie Fritz in einer Vorlesung von  Professor Gelb an der Frankfurter Universität begegnet. Schlagartig  erlag sie der Faszination, die er auf Menschen ausübte, die näher mit  ihm in Berührung kamen. Die lerneifrige Studentin aus der Kleinstadt  Pforzheim, Tochter begüterter und hochgebildeter jüdischer Eltern,  verliebte sich in den Mann von Welt. Das Jurastudium, das sie auf  Anraten einer gestandenen Frauenrechtlerin aufgenommen hatte, gab sie  auf, als sie entdeckte, daß sie sich eigentlich nur für die  psychologischen Aspekte der Juristerei interessierte, und wendete sich  dem Studium der Psychologie zu.</p>
<p>Männer mit legendärem Ruf lehrten zu jener Zeit in Frankfurt; Gelb,  Goldstein, Wertheimer, beschäftigt mit der aufblühenden Gestalttheorie,  Martin Buber und Paul Tillich, bei denen sie Existenzphilosophie hörte.  Sie wußte das Glück zu schätzen, in einer geistig ungemein anregenden  Atmosphäre zu studieren. Ihr Interesse für Gestalttheorie wurde geweckt.  <a href="http://www.pharmacon.net/2009/08/max-wertheimer/">Max Wertheimer</a>, dessen Lebenseinstellung mehr die eines Künstlers als eines  trockenen Wissenschaftlers war und ihrer eigenen künstlerisch gefärbten  Intellektualität entsprach, war ihr Favorit.</p>
<p>Von der Spannung, welche die Vorbereitungen zur Veröffentlichung  seines Buches, &#8220;Produktives Denken&#8221;, begleitete, ließ sie sich  einfangen. Ihre Lehrtherapeuten teilte sie mit Fritz. Erst war sie bei  Clara Happel, dann bei Karl Landauer. Aber Gestalttheorie und  Psychoanalyse galten als unverträglich. Lore geriet zwischen die Fronten  von Gestaltschule und Psychoanalyse, an denen heftige Kontroversen,  wissenschaftliche und persönliche, ausgetragen wurden. Die damals mehr  phänomenologisch ausgerichteten Psychoanalytiker hielten nicht viel vom  experimentellen Vorgehen im psychologischen Laboratorium. Wahrscheinlich  kam Lore bereits damals die in den Kontroversen behauptete  Unvereinbarkeit von Psychodynamik, Phänomenologie und Experiment  verdächtig vor.</p>
<p>Zweieinhalb Jahre später behandelte sie in Berlin die ersten eigenen  Patienten in ihrer soeben eröffneten Praxis. Als Kontrollanalytiker  wählte sie Otto Fenichel, bei dem sie etwas Entscheidendes lernte: sich  auf sich selbst zu besinnen. Fenichel erreichte das durch strikte  Zurückhaltung von Kritik und Anregung. Lore, die sich von einer  Kontrollanalyse etwas anderes versprochen hatte, meinte: &#8220;Von seinem  Buch konnte ich mehr aufnehmen als von ihm persönlich.&#8221; Seine orthodoxe  Zurückhaltung war ihr manchmal unverständlich; es gab Momente, in denen  sie dazu neigte, die Stunden für vertane Zeit und Geldverschwendung zu  halten. Aber unfreiwillig zog sie daraus den Gewinn stärkerer  Eigenständigkeit. Sie begann, ihrer eigenen Erfahrung und ihrer  persönlichen Urteilskraft mehr zu vertrauen.</p>
<p>Gestalttheorie, Psychoanalyse und Integration von Erfahrungen prägten  ihr wissenschaftliches Denken. Was sie an künstlerischer Veranlagung  mitbrachte &#8211; sie spielte seit ihrem sechsten Lebensjahr Klavier und  liebte den Tanz -, vervollkommnete sie zu einem therapeutischen  Verständnis von Körper und Bewegung. In dieser Hinsicht verdankt sie  Elsa Grindlers Bewegungstherapie und Alexanders Körperarbeit vieles, was  später unverzichtbarer Bestandteil der Gestalttherapie wurde. Die  Erfahrungen, die sie bei diesen großen Lehrern machte, waren von  praktischem Wert für ihren Umgang mit Patienten und führten zu der  Entdeckung, daß sich mit ihnen mehr machen läßt als zuhören und  interpretieren.</p>
<p><span style="font-size: medium;"><strong>NS-Terror und Exil</strong></span></p>
<p>Der vielversprechende Anfang in Berlin fand 1932 einen jähen Abbruch.  Lore hatte 1930 geheiratet, ihr erstes Kind bekommen und nach kurzer  Unterbrechung ihre Dissertation über visuelle Wahrnehmung bei Wertheimer  beendet. Beruflich und privat stand alles bestens. Doch die politische  Lage machte das Leben von Psychoanalytikern in Deutschland gefährlich.  Fritz stand auf der schwarzen Liste der Nazis. Das Paar zog es vor,  Deutschland rechtzeitig zu verlassen und entschied sich nach einigen  Monaten Zwischenstation in Amsterdam zur Emigration nach Südafrika. Wie  für viele andere Psychoanalytiker, die ihre Heimat verlassen mußten,  setzte sich Ernest Jones auch für sie ein. Jones kümmerte sich rührend  um alle Leute, die in Amsterdam gelandet waren, um sie in die Welt  hinaus zu verteilen. Es gab eine Art Kontingentierung, wer in welches  Land sozusagen &#8220;psychoanalytisch delegiert&#8221; wurde. Und weil die guten  Posten in Amerika, Südamerika und so weiter schon alle weg waren, blieb  Südafrika, das war gar nicht die Wahl der Perls&#8217;. Sie konnten nach  Südafrika, es war ihr Kontin(g)ent &#8211; und Lore konnte kein Wort Englisch.</p>
<p>Johannesburg wurde zur Wahlheimat der kommenden fünfzehn Jahre.  Gemeinsam eröffneten die Perls eine Praxis &#8211; Lore zunächst mit dem  besagten Handicap, kein Englisch zu sprechen &#8211; und zwei Jahre später das  Psychoanalytische Institut, an dem sie Ausbildungen durchführten. Ihr  Wunsch war ein ungestörtes Arbeitsfeld gewesen, und sie fanden, was sie  gesucht hatten, überdies Sicherheit und Freiheit. Angesichts ihrer  Unternehmungslust und der spärlichen Verbindungen mit Europa, unter  denen auch der Kontakt zur Psychoanalytischen Gesellschaft litt, fiel  ihnen das Experimentieren leicht: &#8220;Wir waren wirklich frei und konnten  machen, was wir wollten.&#8221; Ihre wissenschaftlichen Gedankengänge  resultierten in einer Theorie vom oralen Widerstand, die, als Revision  der Freudschen Auffassung gedacht, für beide unerwartet, auf dem  Internationalen Psychoanalytischen Kongreß 1936 in Marienbad zum Eklat  führte. Beide hatten sich mit den Folgen herumzuschlagen, die der  Ausschluß aus der Psychoanalytischen Vereinigung ihnen aufzwang. Das  Institut mußte geschlossen werden; sie gewannen aber den Vorteil, ohne  weitere Vorschriften und Einschränkungen arbeiten zu können und  auszuprobieren, was sie für besser hielten, sowie Begründungen für das  zu suchen, was sie entdeckten. Die Ergebnisse fanden ihre ausführliche  Formulierung in dem Buch &#8220;Ego, hunger and aggression&#8221;, das sie gemeinsam  erarbeiteten. Lore führte heiße Diskussionen mit Fritz, tippte,  ermutigte und gab ihre klaren Einsichten dazu. Die Kapitel &#8220;Dummy  complex&#8221; und &#8220;Insomnia&#8221; stammen ausschließlich von ihr. Fritz, der sich  im schriftlichen Ausdruck schwertat, schätzte ihre Leichtigkeit beim  Formulieren. Im übrigen bestand sie nicht darauf, an dem literarischen  Erfolg des Buches, das 1942 erschien, teilzuhaben, den Ruhm ließ sie  Fritz.</p>
<p>Zu dieser Zeit hatte Lore längst die Couch aus ihrer Praxis verbannt.  Hinter dem Patienten sitzend, hörte sie aufmerksam zu und &#8211; strickte,  um sich vom Rauchen abzuhalten. Der Anforderung von drei Seiten &#8211;  Familie, die um zwei Kinder gewachsen war, Praxis und ein Lebenspartner  von außergewöhnlicher Lebhaftigkeit &#8211; wurde sie gerecht, denn sie war  gewohnt, daß Dinge ihr glatt von der Hand gingen, wenn sie zupackte. In  der engen Zusammenarbeit mit Fritz wurde ihr langsam klar, wie sehr sich  ihr persönlicher Arbeitsstil von seinem abhob, obwohl beide von  denselben theoretischen Begriffen ausgingen. Die letzten Jahre in  Johannesburg, als Fritz schon in New York war und sie seine Praxis  übernommen hatte, gaben ihr dann Gelegenheit, auf ihren eigenen Kurs zu  gehen, der ihrer entgegenkommenden Art, ihrer Geduld und ihrer  Fähigkeit, auf den richtigen Moment zu warten, mehr Raum gewährte.</p>
<p><span style="font-size: medium;"><strong>New York, USA</strong></span></p>
<p>Ihre Eigenständigkeit wurde ihr lieb, und sie behauptete sich, als  Fritz 1951 ihre Mitarbeit im neugegründeten Gestaltinstitut in New York  wünschte: &#8220;Das ist dein Baby, ich will damit nichts zu tun haben&#8221;,  lautete ihre Ablehnung, und sie blieb bei der Arbeit mit ihren  Patienten. Ihre Stetigkeit, die ihr im Zusammenleben mit Fritz schon oft  zugutegekommen war, bewährte sich erneut, als Fritz sich auf den Weg  zur Westküste machte, um im Esalen Institut in Big Sur zu bleiben. Ihr  Gestaltbaby saß derweilen sozusagen auf ihren Knien und verlangte, in  gewissenhafte Obhut genommen zu werden.</p>
<p>In dieser Zeit gewinnt Lore auch nach außen ihre professionelle  Identität. Fünfundzwanzig Jahre lang hatte sie in engster geistiger  Verbindung mit ihrem Mann gelebt, geplant und experimentiert. Nun steht  sie auf eigenen Füßen. Die getrennte Praxis von Lore und Fritz läßt die  stilistischen Unterschiede wachsen. Fritz, beeinflußt von seinen  Theatererfahrungen, ist direktiv. Er bevorzugt die Kontrolle der  Situation und bleibt die dominante Persönlichkeit, die er auch im  Privatleben ist. Lore dagegen entfaltet ihre Permissivität, die  Vertrauen ohne Unterordnung schafft und die Integrität der  Selbstwahrnehmung des Patienten achtet. Mit erstaunlicher  Selbstdisziplin prägt sie ihre persönlichen Stärken zu einer  therapeutischen Haltung.</p>
<p><strong>Therapie versteht sie als den Weg vom Fremdsupport, der Stütze von  außen, zum Selbstsupport, der Unabhängigkeit von fremder Hilfe. Die  Aufgabe der Therapie sieht sie in der Herstellung einer existentiellen  mitmenschlichen Beziehung zwischen dem Therapeuten und seinem Patienten,  in der Nacherziehung und Umerziehung stattfindet.</strong></p>
<p>Hauptstütze dieser therapeutisch ergänzenden &#8220;Pädagogik&#8221; ist der  direkte und vorbehaltlose Kontakt zum Therapeuten, weil durch ihn der  Kontakt des Patienten zu sich selbst erleichtert wird. Selbstsupport ist  wichtig für die fortlaufende Gestaltbildung. Folgerichtig gibt Lore der  therapeutischen Situation mehr Natürlichkeit: &#8220;Ich habe fünfzehn Jahre  lang Analysen durchgeführt und weiß, was es heißt, ohne die Stütze des  Kontakts zu sein. Der Patient bleibt ohne Selbstsupport, erinnert sich  mehr und mehr, bekommt Interpretationen, die er entweder glaubt oder  nicht. Ich saß hinter dem Patienten, er blickte zur Wand. Wie sollte da  ein Dialog aufkommen?&#8221; Also setzt sie sich dem Patienten gegenüber und  wird für ihn Person. Das Kontakt/-Support-Konzept rückt ins Zentrum. Zu  seiner Orientierung darf der Patient sich auf den Raum, die Zeit und  seine Mitmenschen beziehen, das allein gibt schon Stütze. Ihm wird  wirklich zugehört, er wird wörtlich genommen, und anstatt analysiert zu  werden, erhält er Hilfen, die richtigen Ausdrücke, die passenden  Bewegungen, eine gelockerte Körperhaltung zu finden, mit der er sich  stark genug vorkommt, um die Grenzerfahrung einzugehen. Mit ernsten  Vorbehalten notiert Lore die Fixierung mancher Therapeuten in  konfrontativem Vorgehen. Für sie hat übermäßige Konfrontation  antitherapeutischen Stellenwert: &#8220;Das sind Leute, die den Zusammenbruch  suchen, nicht den kalkulierbaren Durchbruch. Einfach zu durchbrechen,  womit jemand sich schützt, ist kurzsichtig.&#8221; Folgerichtig schont sie den  Rest an Selbstsupport, den der Patient mitbringt, einschließlich seiner  Widerstände. Ihre Begründung: &#8220;Eine neue Stütze findet man nicht  sofort&#8221;, und: &#8220;Das Fehlen des wesentlichen Support führt immer in die  Angst.&#8221;</p>
<p>Ihre Art, Gestalttherapie auszuüben, beruht auf einer Reihe klarer  und einfacher Grundsätze &#8211; was nicht heißt, sie wären einfach zu finden  gewesen. Wie alles Einfache &#8211; und Wahre &#8211; forderten sie viele Jahre  disziplinierter Reflexion: nicht überfordern, an der subjektiven  Wahrnehmung des Patienten bleiben, ihn da abholen, wo er sich innerlich  befindet, ihn die eigenen Grenzen erleben und die Dynamik seiner  Grenzziehung durchsichtig werden lassen. Menschen ohne klare Grenzen  sind für Introjektion und Projektion offen und erkennen nicht mehr, wer  sie selbst sind und wer der andere ist, sie haben das Gespür für das  verloren, was in ihrem Leben wirklich wichtig ist.</p>
<p>Wer mit Lore gearbeitet hat, weiß um ihre Fähigkeit, sich Kummer  wirklich angehen zu lassen, ohne ihn zu ihrem eigenen Kummer zu machen,  sich mitzufreuen und mit aufzuregen; alle konnten sie als Freundin  kennenlernen, die manchmal amüsiert, manchmal neugierig und gelegentlich  betroffen war, die jedoch genügend Distanz zum Geschehen hatte, so daß  ihre Einfälle zur Erprobung des Neuen niemals versiegten. Die  Einfachheit ihrer professionellen Grundsätze hat gelegentlich dazu  verführt, sie zur Weltanschauung und zu Patentrezepten zu versimpeln &#8211;  ein Mißverständnis, das Lore stets dazu herausforderte, die Betreffenden  mit ihrer fehlerhaften intellektuellen Verdauung zu konfrontieren.</p>
<p>Domäne ihrer therapeutischen Arbeit war die Gründlichkeit im Detail.  Fern von allem Kulthaften und Quasireligiösen, das &#8211; zu Lores Leidwesen &#8211;  oft in Verbindung mit Gestalttherapie auftritt und sogar damit  verwechselt wurde, betrieb sie eine Therapie von Eleganz, gepaart mit  Nüchternheit; eine Kleinarbeit, die als gelungene Synthese von  Phänomenologie, genauem Hinsehen, Psychodynamik, dem Erfahren der Tiefe  und dem Experiment, das in der geplanten Verhaltensvariation besteht,  anzusehen ist. Schrittweise spürte sie Blockierungen auf und brachte sie  in den Vordergrund der Awareness durch Übertreibung einer der darin  verwickelten Polaritäten, um von da aus Experimente in verschiedene  Richtungen zu entwickeln. Das Experiment befreit die Dynamik, und  umgekehrt trägt die Dynamik das Experimentieren, bis das volle  Kontakterlebnis sich einstellt.</p>
<p><span style="font-size: medium;"><strong>Ausbilderin</strong></span></p>
<p>Für die Ausbildung dreier Generationen von Gestalttherapeuten  zeichnet sie verantwortlich. Viele ihrer Schüler haben sich über die USA  hinaus einen Namen gemacht: Paul Weiss, Isadore From, Erv und Miriam  Polster, Jim Simkin, Edward Rosenfeld, Joseph Zinker und andere. In der  Festzeitschrift für Lore Perls, die das &#8220;Gestalt Journal&#8221; herausgegeben  hat, äußern sich viele, die bei ihr gelernt haben, mit einer  Herzlichkeit, die Lore verdient hat. Bei ihr fanden sie eine  durchgängige Akzeptanz, die besonders dann spürbar wurde, wenn sie sich  selbst nicht im besten Zustand befanden. &#8220;Auf einen Therapeuten muß man  sich verlassen können,&#8221; sagte Lore und meinte damit professionelle  Verläßlichkeit durch persönliche Stärke und durch Behutsamkeit.</p>
<p>1976 gab sie ihre Privatpraxis auf und widmete sich ausschließlich  der Ausbildung. Drei Monate im Jahr ging sie auf Reisen, um Einführungen  in die Gestalttherapie zu geben. In die Ausarbeitung eines Curriculums  für das New Yorker Gestaltinstitut investierte sie viel Zeit und Kraft,  um sicherzustellen, daß die Entwicklung therapeutischer Persönlichkeiten  den Vorrang vor der Beherrschung oder gar Imitation von Techniken  erlangt. <strong>Der Name Gestalttherapie sollte zu einer Garantie werden, daß  dem Patienten nichts angetan wird, was er nicht will und nicht versteht</strong>.  Ein überzeugenderes Bekenntnis zum Humanen läßt sich schwer denken.  Überzeugend auch ihr Kampf gegen die &#8220;undifferenciated acceptance&#8221;, jene  Verflachung, die gleichermaßen der Psychoanalyse widerfuhr, als sie  populär zu werden begann. Enschiedene Gegnerin von Beweihräucherung und  Schlagworten, versuchte sie der &#8220;undiscriminated greediness&#8221;, die sie in  Deutschland lange Zeit gegenüber allem, was aus den USA kam, am Werk  sah, beizukommen durch Seminare, Vorträge und erfreulicherweise auch  wieder durch Veröffentlichungen.</p>
<p>Warum tritt Lore Perls nach allem, was sie für die Entwicklung der  Gestalttherapie geleistet hat, mit solcher Verspätung in den  Vordergrund? Zwei Anhaltspunkte lassen sich anführen: Einerseits wurde  der Ansatz erst durch Fritz Perls seit 1954 an der Westküste weiteren  Kreisen bekannt. Er erhielt den Rang des Vaters der Gestalttherapie,  während Lore in New York außerhalb des Hauptstromes der  Human-Potential-Bewegung weiterarbeitete, die in Kalifornien ihren  Anfang genommen hatte. Andererseits mag die geringe Zahl ihrer  Publikationen dazu beigetragen haben. Von dem, was sie in ihren  Berufsjahren geschrieben hat, veröffentlichte sie leider nur wenig. Ihre  private Praxis und später die Betreuung der Ausbildung am Institut in  New York, dann auch am Institut in Cleveland, nahmen ihre gesamte  Leistungskraft in Anspruch. Vermutlich ließ die Nüchternheit der  Menschen an der Ostküste keine vergleichbare Bewegung zu. Heute, nachdem  sich die Begeisterungswogen allmählich glätten und die Aufmerksamkeit  mehr auf das Studium der Methode als auf die durch sie kreierbaren  Erlebnisse gerichtet ist, kann sie der fachlichen Öffentlichkeit nicht  länger entgehen.</p>
<p>Auf der Konferenz für Gestalttherapie in Boston im Mai 1980 wurde sie  als die Grand Old Lady gefeiert. Wenn ich den Auftrag gehabt hätte,  dort eine Festrede zu halten, wären vier Gesichtspunkte für mich von  zentraler Bedeutung gewesen: Lores souveräne geistige Haltung, ihr  Umgang mit der Theorie, ihr Verhältnis zur Sprache und zum Sprechen und  ihr stilles Engagement.</p>
<p>Theorie war für sie nicht mehr als eine Arbeitshypothese, die sie  beibehielt, solange sie ihr von Nutzen schien. Trotz profunder  Theoriekenntnis hat sie es immer verstanden, sich ein Feld für  schöpferische Betrachtung offenzuhalten. Theorie wurde ihr niemals zum  Korsett, dennoch besaß ihre Betrachtung stets Methode. Dem Theoriefan  begegnete sie mit dem Dichterwort Goethes: &#8220;Grau ist alle Theorie und  grün des Lebens goldner Baum.&#8221;</p>
<p>Sie meinte, auch diese Idee sollte Teil der Theorie werden. Sie hatte  sich im Verdacht, daß sie dann am besten sei, wenn sie gar nicht  merkte, daß sie theoretisierte. Sie interessierte sich weniger für die  Reflexion dessen, was sie gerade tat, sie war völlig in Anspruch  genommen, zum Beispiel vom Wertesystem eines Klienten. Das nahm sie  unter die Lupe. Und dann wurde sie vielleicht besinnlich und fragte:  &#8220;Was geschieht in Resonanz auf mein Wertesystem als Therapeutin?&#8221; So sah  sie Theorie.</p>
<p>Ein Seminarteilnehmer: &#8220;Sie spricht so von Theorie, daß ich beginne,  mich dafür zu begeistern. Nie hätte ich gedacht, daß reine Theorie  spannend sein könnte.&#8221;</p>
<p>Ihre Liebe zur Sprache brachte sie in eine enge Verbindung zum  gesprochenen Wort. Der Fokus der Gestalttherapie auf die Wortwahl des  Patienten zur Entdeckung von Sprachpathologie geht auf die Anregung von  Lore zurück. Ihren sprachlichen Schwerpunkt sah sie allerdings im  Schriftlichen. Sie sagte von sich, sie habe immer besser geschrieben als  gesprochen. Sie schrieb viel, das ist den meisten nicht bekannt; sie  hat ein Leben lang Gedichte und kleine Geschichten geschrieben, und es  existierte ein sogenanntes Köfferchen, das sie immer bei sich hatte und  nie jemandem öffnete. Dieses Köfferchen hat ihre Tochter Renate nach  Lores Tod bei Anna und Milan Sreckovic deponiert; es ist voll mit  kleinen Erzählungen. Vielleicht lernen wir sie noch einmal kennen. Lore  benutzte jedes Wort ästhetisch, und sie benutzte die Sprache nicht als  Vorteil, sondern als Ermöglichung von Ausdruck.</p>
<p>Dem Zuhörer fiel indessen die Präzision auf, mit der sie  charakteristische Ausdrücke, Sprichwörter oder treffende Metaphern fand.  Persönlich kostbar war mir, als ich Teilnehmerin ihrer Seminare war,  ihr abgerundetes Deutsch, das in der Emigration seine Frische und  Prägnanz bewahrt hatte. Sie gehörte zu den Menschen, die es verstehen,  Sprache gewaltlos zu gebrauchen und die tödliche Klarheit des Wortes zu  vermeiden, welche Lebendigkeit absorbiert. Sie beherrschte die Kunst,  Gefühle durch Besprechen nicht zu töten, sondern erst recht aufkommen zu  lassen. Selbst ihre Pausen sprachen.</p>
<p>Ihr stilles Engagement zielte auf Klärung und Abgrenzung des  Vorhandenen und des Erreichbaren, nicht auf Revolution. Unter diesem  Blickwinkel wird ihre These: &#8220;Therapie ist per se eine politische  Aktivität&#8221; verständlich: &#8220;Das ist Arbeit am Menschen, die Autonomie  wiederherstellt oder zum ersten Mal entstehen läßt.&#8221; Kritisch sah sie  die Verflachung des Gesundheitsbegriffs, der Leiden und die Nähe des  Todes ausblendet, ebenso kritisch die Stigmatisierung des psychisch  Gestörten, wenn das gesamte System der Behandlung bedarf. Sie zog  Parallelen zur Auffassung ihres Schülers und Freundes Paul Goodman, des  Wegbereiters der Gegenkultur. So wie er die Straße zu seiner Wildnis  machte, wurde Lore die Seele des anderen zu ihrer Wildnis.</p>
<p>Ihre Sorge galt dem Durcheinander im Feld der Gestalttherapie: Ein  grauer Markt zweifelhaft ausgebildeter Therapeuten benutzt  Gestaltmethoden, ohne sich im klaren zu sein, welche Wirkungen sie  auslösen können. Die Weiterentwicklung der theoretischen Grundlagen  rückt in den USA in die Nähe der Stagnation, falls die geistigen  Bindungen zur europäischen Phänomenologie nicht erneuert werden. Die  Vielfalt der persönlichen Arbeitsstile von Gestalttherapeuten, von  Happenings bis zu existentiell und technisch gut fundiertem Vorgehen,  macht eine Abstimmung der &#8220;growing edges&#8221; des Gestaltansatzes schwer.  Der Überblick droht verlorenzugehen. Mißverständnisse machen sich breit,  wenn Gestaltelemente aus dem Ansatz herausgelöst werden und, anderen  Methoden angestückt, ihren Dienst tun sollen. Lore fürchtete um den Kern  der Gestalttherapie, der vor allem die vom Existentialismus geprägte  Haltung zum Menschen ist, denn ohne diese existentielle Basis verlieren  die durchschlagenden Techniken ihren Sinn. Ihre Arbeit der letzten Jahre  war von dieser Sorge bestimmt. Ihrem Ziel, den tragfähigen Bestand zu  erhalten und zu verbreiten, hoffte sie mit ihren bewährten Waffen:  Zähigkeit, Klarheit, Geduld und Mut näherzukommen.</p>
<p>Und sie tat sehr viel, sie führte eine Unmenge von Seminaren noch in  ihrem höheren Alter durch. Sie führte sehr viele Gespräche und erklärte  sich bereit zu Interviews. Und sie ergab sich schließlich dem Drängen  der Deutschen Vereinigung für Gestalttherapie (DVG), nach einer  Inkubationszeit von mütterlichen neun Monaten, die Ehrenmitgliedschaft  anzunehmen.</p>
<p>Das letzte Große, was sie leistete, ist ihr Buch &#8220;Leben an der  Grenze&#8221; (Köln 1989), das allerdings ohne Anna und Milan Sreckovic nie  erschienen wäre. Lore scheute es, so sichtbar zu werden, aber es gelang,  und so lagen noch vor ihrem Tod &#8211; sie starb am 13. Juli 1990 &#8211;  ausgewählte und von ihr redigierte Schriften vor, die ihren Anteil an  der Entwicklung und ihre Rolle in der Geschichte der Gestalttherapie  dokumentieren.</p>
<p><span style="font-size: medium;"><strong>&#8230; eine Frau  mittleren Alters &#8211; bis zum 75. Geburtstag.</strong></span></p>
<p>Ich bin jetzt selbst in einem Alter, wo man sich mit dem Alter  beschäftigt. Also dachte ich, schau mal, was Lore zum Alter zu sagen  hat. Sie bemerkte interessanterweise einmal: &#8220;Ich war immer eine Frau  mittleren Alters &#8211; bis ich fünfundsiebzig wurde, da war ich plötzlich  alt. Ich behielt nicht mehr, ich konnte nicht mehr richtig lernen, ich  konnte nichts Neues aufnehmen, und ich hatte nicht die geistige Kraft,  die ich von früher kannte. Und deswegen tue ich etwas, was mich&#8230;&#8221; &#8211;  sie nannte es: &#8220;it keeps me going&#8221; &#8211; &#8220;&#8230;was mich in Bewegung hält, ich  arbeite viel mit der Jugend; dann strömt etwas auf mich zurück.&#8221;</p>
<p>Aber eigentlich hatte sie das Thema Alter und Tod schon als junge  Frau für sich geklärt, und dazu gibt es auch eine Geschichte. Lore wurde  sich der eigenen Sterblichkeit bewußt, was, wie wir ja wissen, ein  Hauptmedikament gegen die Angst ist, die Sterblichkeit zu akzeptieren.  Sie wurde sich dessen bewußt, als sie vierundzwanzig war. Sie ging zu  der Beerdigung eines Freundes, der plötzlich gestorben war. Nur zwei  Jahre älter als sie, an irgendeiner Infektion, ein scheinbar völlig  sinnloser Tod. Zu dieser Zeit gab es kein Penicillin oder etwas  ähnliches, und es war unglaublich schockierend für sie. Als sie aber vom  Friedhof kam, sah sie alles schön und heiter, sie fühlte sich  energiegeladen und bemerkte &#8211; und dies ist ihr Zitat: &#8220;Ich konnte mir  dies nicht erklären, und ich erzählte es am folgenden Tag meinem  Analytiker. Ich sagte über die Zeit, als mich diese Erfahrung traf, wenn  wir uns der Tatsache, daß wir sterben müssen, nicht bewußt sind, würden  wir ja leben wie die Tiere. So sind die Würze und der Hang zum  Erschaffen beim menschlichen Wesen mit dem Bewußtsein verbunden, daß wir  vergänglich sind.&#8221; Sie erzählte ihm noch einiges, und darauf gab es  eine große Pause. Dann sagte der Analytiker: &#8220;Frau Perls, Ihre Analyse  ist beendet.&#8221;</p>
<p>Unabhängig vom Alter aber sind Lores Rolle als Frau und ihr  Verhältnis zur Öffentlichkeit eine besondere Geschichte &#8211; heiße Themen  des Feminismus. Die Frau in der Öffentlichkeit, der Widerstand gegen  Frauen in der Öffentlichkeit &#8211; ich denke, da ist sie in der Tradition  geblieben. Ich finde das traurig, denn so ist etwas Geniales, was sie  besaß, im Dunkel geblieben, und das finde ich schade. Es hat sie vor der  Erprobung, vor der echten Prüfung bewahrt; man mag es bedauern so wie  ich, aber für sie war es Lebensnotwendigkeit. Sie mußte in vielem  verfügbar sein, wie das nunmal Frauenlos ist: unspezifisch verfügbar  sein. Sie mußte kontinuierlich sein, wie das auch Frauenlos ist &#8211;  alleinzubleiben und die Dinge selbst zu erledigen. Sie mußte vielseitig  sein. Ein Beispiel für ihre unspektakuläre Verfügbarkeit, Kontinuität  und Selbständigkeit war, daß Fritz noch lange, wenn er zu ihr nach New  York kam, alles mitbrachte, was nicht in Ordnung war: seine  Korrespondenzen, seine Wäsche, die abgerissenen Knöpfe &#8230; &#8211; Lore machte  alles ordentlich. Und schließlich die Bescheidenheit. Soviel zum  Feminismus.</p>
<p>Zu allerletzt möchte ich etwas über ihre Versöhnungsbereitschaft  sagen. Sie hatte wirklich eine ganz besondere persönliche Geschichte mit  Fritz; und sie hatte ein unglaublich schweres, zeitgeschichtlich  bedingtes Schicksal mit ihrer Familie. Sie hat das aus Höflichkeit und  Versöhnlichkeit Deutschen gegenüber fast nie gesagt. Ihre Schwester  wurde in Theresienstadt ermordet und ihre Mutter auch. Und sie hat sich  mit Deutschland versöhnt. Ich finde, die Stadt Pforzheim hat etwas sehr  Passendes und Angemessenes gemacht: Es gibt dort einen Grabstein mit  tausenden von Namen aller ermordeten jüdischen Mitbürger der Stadt. Das  gibt es nur einmal in Deutschland. Und sie versöhnte sich damit.</p>
<p><span style="font-size: medium;"><strong>Wieder im Schwarzwald</strong></span></p>
<p>Ich bin noch im Mai ihres Todesjahres in New York gewesen und habe  oft versucht, sie anzurufen, aber niemand nahm ab; ihre Tochter konnte  ich auch nicht erreichen, und ich dachte mir, irgendetwas ist passiert.  Ich erfuhr dann später durch Milan Sreckovic, daß sie im Krankenhaus  lag, schwer krank, und sie wurde nach mehreren Wochen entlassen. Und was  tut sie? Sie kommt nach Deutschland, sie reemigriert. Sie möchte ihr  Alter im Nordschwarzwald verbringen, und sie fährt nicht allein. Die  Urne von Fritz hat sie auf dem Schoß, als sie im Flugzeug sitzt. Sie hat  nicht mehr lange hier gelebt, sie war des Lebens wirklich müde. Sie sah  nicht mehr richtig, sie hörte nicht mehr gut, und sie war viel einsam;  es waren ja eigentlich alle weggestorben. Und ihre Freunde und  Freundschaften gehörten zur nächsten oder übernächsten Generation. So  sehr wir alle gewünscht hätten, daß sie ewig lebt, sie selbst wünschte  es scheinbar nicht. So gibt es ein gemeinsames Grab für Fritz und Lore  Perls, geb. Posner, im jüdischen Teil des Friedhofs von Pforzheim.</p>
<p>Zuletzt möchte ich zitieren, was in ihrer Todesanzeige stand; es sind ihre eigenen Worte:</p>
<blockquote><p>&#8220;Die unablässigsten und selbstlosesten Dienste und Opfer bleiben  nicht nur unbezahlt und unbelohnt, sondern müssen für selbstverständlich  gehalten werden. Nur begrenzte Arbeit oder begrenztes Gut kann mit  einem begrenzten Geldbetrag bezahlt werden. Nur der begrenzte Dienst  oder die begrenzte Anstrengung können mit einer Ehrung belohnt werden.  Die grenzenlose Hingabe eines Elternteils oder das lebenslange  Sich-einer-Sache-Widmen kann nicht bezahlt oder belohnt werden. Es kann  nur angenommen werden und bedarf nicht einmal der Anerkennung. Seine  Belohnung besteht in der aktuellen Handlung, in dem Gefühl, die soziale  Ausgewogenheit in einem wechselhaften Prozeß wiederherzustellen.&#8221;</p></blockquote>
<p>(Laura Perls, Psychologie des Gebens und Nehmens, in: <a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3926176113">Leben an der Grenze</a>, Köln: EHP 1989, S.51f)</p>
<p><em>Dr. Kristine Schneider (1935 &#8211; 2001): Fachpsychologin für  Klinische Psychologie und Psychotherapeutin, Mutter von vier Kindern und  fast 30 Jahre in privater Praxis in Köln tätig. Begründerin und  Leiterin des Instituts »AGA &#8211; Angewandte Gestaltanalyse«. Dozentin und  Ausbildungstherapeutin an verschiedenen Ausbildungsinstituten für  Gestalttherapie. Langjährige Lehrtätigkeit in Ericksonscher Hypnose am  Milton Erickson Institut Köln. Vortragstätigkeit, Radiobeiträge, Artikel  in Fachzeitschriften und Buchveröffentlichungen, darunter: »<a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3926176067">Grenzerlebnisse. Zur Praxis der Gestalttherapie</a>« (Edition Humanistische Psychologie).</em></p>
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		<title>Ganzheitliches Denken: Die Dreiteilung in Geist, Verstand und Körper überwinden</title>
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		<pubDate>Sun, 02 Jan 2011 17:57:53 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Bei allem, was einem Menschen widerfährt, gibt es den Aspekt der &#8220;Erfahrung&#8221;. Immer wenn wir etwas sehen, hören, denken, wünschen ist damit eine Erfahrung verknüpft. Diese subjektive Erfahrung kann &#8211; mit Hilfe von Worten &#8211; mitgeteilt werden. Ein anderer Aspekt des Ereignisses ist das, was Außenstehende beobachtet haben. Werden diese Beobachtungen bewusst ausgewertet, sprechen wir gerne von objektiven Beweisen. Gehen wir von gleichzeitiger Erfahrung (empirischer Parallelität) aus, wären eine neurophysiologische bzw. neurochemische Reaktion im Gehirn weder seperat zu betrachten, noch einander bedingend: Weder löst ein bestimmter Gedanke diese bestimmte physiologische Reaktion aus , noch wird er von ihr erzeugt. Sie sind im Gegenteil ein und dasselbe Ereignis. Gleichzeitig erfahren, ist das was, ich erfahre und du beobachtest und was du erfährst, beobachte ich. Zitat aus Ganzheit und Gestalt: Max Wertheimer: Um die Jahrhundertwende dominiert in der Psychologie noch der elementaristische Ansatz: Man stellt sich das Bewusstsein als Zusammenschluss aus kleinsten Einheiten vor, die es zu untersuchen gelte. Wie jede Einseitigkeit ruft auch diese Richtung eine Gegenbewegung hervor, die in dem Fall ganzheitlich denkt: Das ist die Gestaltpsychologie. Bereits 1890 hat der Grazer Philosoph Christian Maria von Ehrenfels (1859-1932) seine berühmte Schrift »Über Gestaltqualitäten« vorgelegt. Er erklärt darin am Beispiel der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bei allem, was einem Menschen widerfährt, gibt es den Aspekt der &#8220;Erfahrung&#8221;. Immer wenn wir etwas sehen, hören, denken, wünschen ist damit eine Erfahrung verknüpft. Diese <em>subjektive</em> Erfahrung kann &#8211; mit Hilfe von Worten &#8211; mitgeteilt werden. Ein anderer Aspekt des Ereignisses ist das, was Außenstehende beobachtet haben. Werden diese Beobachtungen bewusst ausgewertet, sprechen wir gerne von <em>objektiven</em> Beweisen. Gehen wir von gleichzeitiger Erfahrung (empirischer Parallelität) aus, wären eine neurophysiologische bzw. neurochemische Reaktion im Gehirn weder seperat zu betrachten, noch einander bedingend: Weder löst ein bestimmter Gedanke diese bestimmte physiologische Reaktion aus , noch wird er von ihr erzeugt. Sie sind im Gegenteil ein und dasselbe Ereignis. Gleichzeitig erfahren, ist das was, ich erfahre und du beobachtest und was du erfährst, beobachte ich.</p>
<blockquote><p>Zitat aus <a href="http://www.pharmacon.net/2009/08/max-wertheimer/">Ganzheit und Gestalt: Max Wertheimer</a>:<br />
Um die Jahrhundertwende dominiert in der Psychologie noch der elementaristische Ansatz: Man stellt sich das Bewusstsein als Zusammenschluss aus kleinsten Einheiten vor, die es zu untersuchen gelte. Wie jede Einseitigkeit ruft auch diese Richtung eine Gegenbewegung hervor, die in dem Fall ganzheitlich denkt: Das ist die Gestaltpsychologie. Bereits 1890 hat der Grazer Philosoph Christian Maria von Ehrenfels (1859-1932) seine berühmte Schrift »Über Gestaltqualitäten« vorgelegt. Er erklärt darin am Beispiel der Musik, dass die menschliche Wahrnehmung die einzelnen Elemente des sinnlichen Reizes, in diesem Fall die Töne, nicht nur einfach zusammenaddiert. Vielmehr macht sie aus ihnen etwas Neues, Ganzes – etwas, das über die Summe der Einzelelemente hinausgeht, in diesem Fall die Melodie. Das Prinzip, wonach das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile, nennt sich »Übersummenhaftigkeit«. In der Philosophie ist dieser Gedanke der Ganzheit (Holismus) bereits seit der Antike bekannt und hat beispielsweise in Aristoteles, Leibniz, Goethe und Hegel prominente Vertreter gefunden. Doch seine Anwendung auf die Psychologie ist neu und der Grazer Schule um von Ehrenfels zu verdanken. Populär wird die Gestaltpsychologie dann mit der Frankfurter und der Berliner Schule um Max Wertheimer. Am Frankfurter Radtachistoskop erforscht Wertheimer die so genannte Scheinbewegung, auch phänomenale Bewegung genannt. Sie entsteht, wenn eine Bilderfolge schnell genug gezeigt wird, dass sich der Eindruck der Bewegung ergibt, so wie beim Film. Wertheimer nennt diese Bewegungsgestalt »Phi-Phänomen«. Sie belegt, dass Wahrnehmungen sich nicht nur aus Einzelelementen zusammensetzen, sondern als sinnvolle Einheiten, als Gestalten, im Bewusstsein erscheinen, etwa in von Ehrenfels’ Beispiel die Melodie.</p></blockquote>
<p>Dies heisst, bspw. in der therapeutischen Situation, dass was der Klient erfährt, nicht notwendigerweise das ist, was wir sehen. Und was wir sehen, erfährt der Klient vielleicht nicht. Die Einteilung, ob das Problem des Klienten aus einer physischen Störung oder einem emotionalen Ungleichgewicht resultiert, wird zunehmend sinnlos und potentiell sogar destruktiv, zumindest zweischneidig. Nur der Klient selbst kann sein Leiden verstehen oder seine Schwere erklären. Zumindest ist es keine therapeutische Aufgabe zu entscheiden ob jemand krank ist oder nicht. Es ist vielmehr die Aufgabe, dem Klienten zu helfen den Verlauf seines Leidens zu verstehen und, mit diesem Wissen ausgestattet, darauf zu reagieren.</p>
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