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	<title>Pharmacon Net &#187; Trauer</title>
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	<description>Interaktion: Medizin und Psychologie, Pharmakologie und Pharmazie</description>
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		<title>Trauer bricht das Herz: Erhöhtes Infarktrisiko nach Tod eines Nahestehenden</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Jan 2012 11:30:47 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Psychosomatik]]></category>
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		<description><![CDATA[Wer ein sensibles Herz hat, sollte im Trauerfall besonders auf seine Gesundheit achten. Das zeigen Harvard-Forscher vom Beth Israel Deaconess Medical Center in der Fachzeitschrift &#8220;Circulation&#8221;. In der Woche nach dem Tod eines Nahestehenden steigt das Risiko des Herzinfarkts auf das Achtfache, am unmittelbaren Tag nach dem Ereignis sogar auf das 21-fache, so das Ergebnis ihrer Studie&#8230; Trauer: Hohe Belastung für Seele und Körper bidmc.org &#8211; pte &#8211; Die Wissenschaftler befragten 2.000 Patienten, die einen Herzinfarkt überlebt hatten, nach einem möglichen Auslöserereignis im Vorfeld. 270 von ihnen berichteten von einem Todesfall im nahen Umfeld in den sechs Monaten davor, 19 innerhalb eines Zeitraums von bloß 24 Stunden. Am deutlichsten war der Zusammenhang zwischen Todesfall und Herzinfarkt bei jenen, die schon zuvor herzkrank waren. Körper leidet mit &#8220;Trauer ist verbunden mit Depression, Angst und Wut &#8211; Gefühle, die Herzschlag und Blutdruck steigen und das Blut leichter verklumpen lassen&#8221;, erklärt Studienleiterin Elizabeth Mostofsky das erhöhte Risiko. Stress trifft sensible Stelle Auch Christine Pernlochner-Kügler, Chefredakteurin des Trauerportals Aspetos http://aspetos.at , hebt das enorme Stressempfinden von Hinterbliebenen hervor. &#8220;Todesfälle gehören neben der Diagnose schwerer Krankheiten, Scheidung und Eheschließung zu den größten Stresssituationen im Leben. Je nachdem, wo ein Mensch körperliche Dispositionen hat &#8211; etwa [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wer ein sensibles Herz hat, sollte im Trauerfall besonders auf seine Gesundheit achten. Das zeigen Harvard-Forscher vom Beth Israel Deaconess Medical Center in der Fachzeitschrift &#8220;Circulation&#8221;. In der Woche nach dem Tod eines Nahestehenden steigt das Risiko des Herzinfarkts auf das Achtfache, am unmittelbaren Tag nach dem Ereignis sogar auf das 21-fache, so das Ergebnis ihrer Studie&#8230;<span id="more-3793"></span></p>
<p>Trauer: Hohe Belastung für Seele und Körper</p>
<p><a href="http://bidmc.org">bidmc.org</a> &#8211; <a href="http://www.pressetext.de">pte</a> &#8211; Die Wissenschaftler befragten 2.000 Patienten, die einen Herzinfarkt überlebt hatten, nach einem möglichen Auslöserereignis im Vorfeld. 270 von ihnen berichteten von einem Todesfall im nahen Umfeld in den sechs Monaten davor, 19 innerhalb eines Zeitraums von bloß 24 Stunden. Am deutlichsten war der Zusammenhang zwischen Todesfall und Herzinfarkt bei jenen, die schon zuvor herzkrank waren. </p>
<p><strong>Körper leidet mit</strong> </p>
<p>&#8220;Trauer ist verbunden mit Depression, Angst und Wut &#8211; Gefühle, die Herzschlag und Blutdruck steigen und das Blut leichter verklumpen lassen&#8221;, erklärt Studienleiterin Elizabeth Mostofsky das erhöhte Risiko. </p>
<p><strong>Stress trifft sensible Stelle</strong> </p>
<p>Auch Christine Pernlochner-Kügler, Chefredakteurin des Trauerportals Aspetos http://aspetos.at , hebt das enorme Stressempfinden von Hinterbliebenen hervor. &#8220;Todesfälle gehören neben der Diagnose schwerer Krankheiten, Scheidung und Eheschließung zu den größten Stresssituationen im Leben. Je nachdem, wo ein Mensch körperliche Dispositionen hat &#8211; etwa bei der Verdauung, beim Schlaf oder beim Herz &#8211; steigt bei diesem Gefühlschaos das Risiko eines Zusammenbruchs&#8221;, so die Trauerpsychologin im pressetext-Interview.</p>
<p>Dabei macht Trauer nicht per se krank, sondern ist vielmehr ein notwendiger und sinnvoller Prozess der Bewältigung. &#8220;Es ist gesund, die mit der Trauer verbundenen Gefühle zuzulassen, sofern sie richtig kanalisiert werden. Vielen geht es jedoch in der Schocksituation so, dass sie den Boden unter den Füßen verlieren&#8221;, berichtet Pernlochner-Kügler. Strukturen und Tagesabläufe brechen zusammen, was wohl auch ein entscheidender Grund dafür ist, dass viele auf die Einnahme wichtiger Herzmedikamente vergessen.</p>
<p><strong>Hinterbliebene nicht alleine lassen</strong></p>
<p>Unterstützen kann man trauernde Angehörige am besten darin, indem man sie nicht alleine lässt. &#8220;Primär geht es nicht um das Reden oder tröstende Worte für die Hinterbliebenen, sondern darum, dass in Akutsituation 24 Stunden jemand bei ihnen ist oder sie bei Angehörigen oder Nachbarn übernachten können. Personen, die dieses Auffangnetz bilden, sollten sich durchaus abwechseln&#8221;, rät die Expertin. Mit diesem Rückhalt falle es leichter, Gefühle zu normalisieren, Struktur zurückzugewinnen und damit zugleich Gesundheitsrisiken abzuwenden.</p>
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		</item>
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		<title>Geriatrie und Sucht: Immer mehr Ältere haben Alkoholproblem</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Jan 2012 13:30:24 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Geriatrie]]></category>
		<category><![CDATA[Suchterkrankungen]]></category>
		<category><![CDATA[Alkohol]]></category>
		<category><![CDATA[Trauer]]></category>

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		<description><![CDATA[Immer mehr ältere Menschen werden in London gegen Probleme mit dem Trinken von Alkohol behandelt. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre ist es bei Menschen über 65 Jahren zu einem Anstieg von 163 Prozent bei Krankenhausaufenthalten durch Alkoholmissbrauch gekommen&#8230; Krankheit in dieser Altersgruppe ein Tabu &#8211; Ärzte auf Junge fokussiert pte &#8211; Das zeigen Daten, die vom NHS Information Centre für BBC Inside Out London zusammengestellt wurden. Die Zahlen steigen in dieser Altersgruppe stärker als in jeder anderen. Nur im Nordosten Englands werden mehr Menschen aus diesem Grund im Krankenhaus behandelt als in London. Laut einer NHS-Studie neigen insbesondere ältere Menschen eher als andere Altersgruppen dazu, jeden Tag Alkohol zu trinken. Der Rest der Bevölkerung konsumiert etwas weniger Alkohol und auch weniger oft, berichtet die BBC. Laut Tony Rao vom Royal College of Psychiatrists (RCPsych) gibt es in London Bezirke wie Hammersmith, Fulham, Southwark und Camden, in denen mehr Menschen an alkoholbedingten Krankheiten sterben als im Rest von England. Die praktischen Ärzte neigen die Alkoholprobleme der älteren Menschen aufgrund einer Reihe von Faktoren zu übersehen. Dazu gehören Zeitmangel, fehlendes Fachwissen und auch die Scheu der Betroffenen um Hilfe zu bitten. Claire Gerado, Vorsitzende des Royal College of GPs, betont, dass sich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Immer mehr ältere Menschen werden in London gegen Probleme mit dem Trinken von Alkohol behandelt. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre ist es bei Menschen über 65 Jahren zu einem Anstieg von 163 Prozent bei Krankenhausaufenthalten durch Alkoholmissbrauch gekommen&#8230;<span id="more-3786"></span></p>
<p><strong>Krankheit in dieser Altersgruppe ein Tabu &#8211; Ärzte auf Junge fokussiert</strong></p>
<p><a href="http://www.pressetext.de">pte</a> &#8211; Das zeigen Daten, die vom <a href="http://www.ic.nhs.uk">NHS Information Centre</a> für BBC Inside Out London zusammengestellt wurden. Die Zahlen steigen in dieser Altersgruppe stärker als in jeder anderen. Nur im Nordosten Englands werden mehr Menschen aus diesem Grund im Krankenhaus behandelt als in London. Laut einer NHS-Studie neigen insbesondere ältere Menschen eher als andere Altersgruppen dazu, jeden Tag Alkohol zu trinken. Der Rest der Bevölkerung konsumiert etwas weniger Alkohol und auch weniger oft, berichtet die BBC.</p>
<p>Laut Tony Rao vom <a href="http://rcpsych.ac.uk">Royal College of Psychiatrists</a> (RCPsych) gibt es in London Bezirke wie Hammersmith, Fulham, Southwark und Camden, in denen mehr Menschen an alkoholbedingten Krankheiten sterben als im Rest von England.</p>
<p>Die praktischen Ärzte neigen die Alkoholprobleme der älteren Menschen aufgrund einer Reihe von Faktoren zu übersehen. Dazu gehören Zeitmangel, fehlendes Fachwissen und auch die Scheu der Betroffenen um Hilfe zu bitten. Claire Gerado, Vorsitzende des <a href="http://www.rcgp.org.uk">Royal College of GPs</a>, betont, dass sich viele Ärzte zu sehr auf junge Menschen konzentrieren. &#8220;Die jüngeren Alkoholiker sind viel sichtbarer. Sie erbrechen auf den Straßen. Das wird bei einem pensionierten Bankmanager eher nicht der Fall sein.&#8221;</p>
<p><strong>Trinken aus Langeweile</strong></p>
<p>Studien der NHS kommen zu dem Ergebnis, dass ältere Alkoholiker ihr Trinkproblem häufig als Tabu ansehen. Sie gehen davon aus, dass es für Hilfe zu spät ist, dass die Hilfsangebote nicht für sie gedacht sind oder dass sie überhaupt kein Problem mit dem Alkohol haben. Laut Experten ist eine Reihe von Gründen dafür verantwortlich, dass ältere Menschen sehr viel Alkohol trinken. Dazu gehören Langeweile, Einsamkeit, die Veränderung des Lebensstils durch die Pensionierung, Trauerfälle und Selbstmedikation.<br />
Es gibt allerdings nur sehr wenige Institutionen, die älteren Alkoholikern spezifische Unterstützung anbieten. Die Erfahrungen von <a href="http://foundation66.org.uk">Foundation 66</a> zeigen, dass 40 Prozent der Hilfesuchenden noch nie vorher eine derartige Einrichtung in Anspruch genommen haben. Laut Sean Dudley wurde für sie der Alkohol wahrscheinlich erst mit Ende 40 oder noch später zum Problem.</p>
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		<title>Horst-Eberhard Richter: Psychotherapeut der Nation</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Jan 2012 15:14:43 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Psychotherapie]]></category>
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		<description><![CDATA[Zum Tode von Horst-Eberhard Richter (1923–2011)&#8230; Von Hans-Jürgen Wirth Vor mehr als 40 Jahren, im Sommer 1970, ich war noch keine 20 Jahre alt, zog mich Horst-Eberhard Richters Patient Familie in einen wahren Leserausch. Neben Sigmund Freuds Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse und Erich Fromms Die Furcht vor der Freiheit bescherte mir dieses Buch eine Leseerfahrung, wie ich sie seit den Tagen meiner Hermann-Hesse-Lektüre nicht mehr erlebt hatte. Es eröffnete sich mir eine neue Welt, und in mir wurde die Neugier geweckt, die psychoanalytische Erkundung der komplexen Zusammenhänge zwischen Psyche und Gesellschaft (den Begriff »psychosozial« hatte Richter damals noch nicht geprägt) zum Zentrum meines weiteren Lebens zu machen. Was ich bei Richter las, wirkte – religiös gesprochen – fast wie eine Offenbarung. Ich erinnere mich tatsächlich noch immer an jenen Lese-Nachmittag, weil plötzlich meine Familie und meine mit ihr verknüpften Ängste und Konflikte so offen vor mir lagen. Seither hat mich die Frage, was die psychosoziale Welt im Innersten zusammenhält, nicht mehr losgelassen. Biografisches Am 28. April 1923 in Berlin geboren, wächst Horst-Eberhard Richter als Einzelkind auf. Die Mutter schildert er als eine sehr emotionale Frau, die sich stark an ihn geklammert habe. Den Vater, ein erfolgreicher Ingenieur und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zum Tode von Horst-Eberhard Richter (1923–2011)&#8230;<span id="more-3779"></span></p>
<p><em>Von Hans-Jürgen Wirth</em></p>
<p>Vor mehr als 40 Jahren, im Sommer 1970, ich war noch keine 20 Jahre alt, zog mich Horst-Eberhard Richters <em>Patient Familie</em> in einen wahren Leserausch. Neben Sigmund Freuds <em>Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse</em> und Erich Fromms <em>Die Furcht vor der Freiheit</em> bescherte mir dieses Buch eine Leseerfahrung, wie ich sie seit den Tagen meiner Hermann-Hesse-Lektüre nicht mehr erlebt hatte. Es eröffnete sich mir eine neue Welt, und in mir wurde die Neugier geweckt, die psychoanalytische Erkundung der komplexen Zusammenhänge zwischen Psyche und Gesellschaft (den Begriff »psychosozial« hatte Richter damals noch nicht geprägt) zum Zentrum meines weiteren Lebens zu machen. Was ich bei Richter las, wirkte – religiös gesprochen – fast wie eine Offenbarung. Ich erinnere mich tatsächlich noch immer an jenen Lese-Nachmittag, weil plötzlich meine Familie und meine mit ihr verknüpften Ängste und Konflikte so offen vor mir lagen. Seither hat mich die Frage, was die psychosoziale Welt im Innersten zusammenhält, nicht mehr losgelassen.</p>
<p><strong><img class="alignright size-medium wp-image-24061" title="Horst-Eberhard Richter" src="http://www.hagalil.com/archiv/wp-content/uploads/richter-216x300.jpg" alt="" width="216" height="300" />Biografisches</strong></p>
<p>Am 28. April 1923 in Berlin geboren, wächst Horst-Eberhard Richter als Einzelkind auf. Die Mutter schildert er als eine sehr emotionale Frau, die sich stark an ihn geklammert habe. Den Vater, ein erfolgreicher Ingenieur und Abteilungsleiter einer großen Firma, erlebt Richter als »stillen, in sich gekehrten Grübler«. Nach Hitlerjugend und Arbeitsdienst wird Richter 18-jährig zum Militär eingezogen und dient in einem Artillerieregiment an der Front in Russland. Kurz vor der Verlegung seiner Truppe nach Stalingrad erkrankt er lebensgefährlich an Diphtherie. Mit 22 Jahren gerät er in Kriegsgefangenschaft und erfährt erst bei seiner Rückkehr vom Tod seiner Eltern, die zwei Monate nach Kriegsende auf einem Spaziergang in der Nähe ihres Dorfes von zwei betrunkenen Russen ermordet worden waren.</p>
<p>Nach Studium der Medizin, Philosophie und Psychologie in Berlin promoviert Richter 1949 zum Dr. phil. und 1957 zum Dr. med. 1950 beginnt er seine psychoanalytische Ausbildung am Berliner Psychoanalytischen Institut, die er 1954 abschließt. Bereits fünf Jahre später, 1959, wird Richter Leiter dieses Instituts und übt diese Funktion bis 1962 aus. Gerade 41-jährig wird er 1964 zum Vorsitzenden der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV) gewählt und engagiert sich in dieser Position bis 1968.</p>
<p><strong>Eltern, Kind und Neurose</strong></p>
<p>Im Jahr 1963, ein Jahr nachdem er auf den zweiten deutschen Lehrstuhl für Psychosomatische Medizin, neben dem von Alexander Mitscherlich in Heidelberg, berufen worden ist, publiziert Horst-Eberhard Richter sein Buch <em>Eltern, Kind und Neurose. Zur Psychoanalyse der kindlichen Rolle in der Familie</em>, das kurioserweise als Habilitationsschrift abgelehnt worden war. Richter wird ohne Habilitation Professor und für drei Jahrzehnte Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Psychosomatische Medizin an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Sein Buch wird in den folgenden Jahren zum einflussreichen Grundlagenwerk für die neue psychoanalytische Behandlungsmethode der Familientherapie, die er im deutschsprachigen Raum als Erster entwickelt. Auf der Grundlage seiner Erfahrungen als leitender Arzt (1952 bis 1962) der »Beratungs- und Forschungsstelle für seelische Störungen im Kindesalter« am Berliner Kinderkrankenhaus im Bezirk Wedding hat er seine psychoanalytische Theorie formuliert, die es erlaubt, das Fehlverhalten von Kindern als symptomatischen Ausdruck unbewusster Konflikte zu verstehen, an denen die Eltern bzw. die ganze Familie leiden. »Die Rolle des Kindes«, schreibt Richter (1963, S. 73), »bestimmt sich also aus der Bedeutung, die ihm im Rahmen des elterlichen Versuches zufällt, ihren eigenen Konflikt zu bewältigen.« Der Konflikt des Kindes wird hervorgerufen durch die »Narzißtischen Projektionen der Eltern auf das Kind« (Richter 1960) – so der Titel seines Aufsatzes im <em>Jahrbuch der Psychoanalyse</em>, zu dessen Herausgeberkreis er bis zu seinem Tod gehört.</p>
<p>Diese Gedanken sind uns heute so vertraut, dass man sich kaum noch vorstellen kann, wie revolutionär – und damit sowohl anziehend als auch irritierend – sie damals sowohl auf die psychoanalytische Fachwelt als auch auf das interessierte Laienpublikum gewirkt haben müssen. Vergleicht man die psychoanalytische Paar- und Familientherapie mit anderen Formen der angewandten Psychoanalyse, wie beispielsweise der Gruppentherapie oder der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie, so findet die Paar- und Familientherapie noch immer nicht die Anerkennung durch die psychoanalytischen Fachgesellschaften, die ihr eigentlich zukommen müsste. Man kann die paar- und familientherapeutischen Konzepte durchaus als frühe Vorläufer der heute maßgeblichen psychoanalytischen Schulrichtung ansehen, die unter der Bezeichnung »relationale Psychoanalyse« bekannt ist. Der theoretische Vordenker der relationalen Psychoanalyse, der amerikanische Psychoanalytiker Stephen Mitchell, nimmt zwar in seinen Büchern immer wieder auf die grundlegende Bedeutung der Paardynamik Bezug, allerdings ohne den naheliegenden Schritt zum paartherapeutischen Setting zu gehen.</p>
<p>Als Richter 1970 sein zweites grundlegendes Buch zur psychoanalytischen Familientherapie <em>Patient Familie. Entstehung, Struktur und Therapie von Konflikten in Ehe und Familie</em> veröffentlicht, ist er bereits ein bekannter Autor und die psychoanalytische Familientherapie, als deren Nestor er in Deutschland gelten kann, befindet sich auf dem besten Wege, ein einflussreiches psychotherapeutisches Konzept zu werden. Während Richter mit seinem theoretischen Hauptwerk <em>Eltern, Kind und Neurose</em> wissenschaftliches Neuland betritt, entfaltet er in <em>Patient Familie</em> seine Meisterschaft als sprachgewandter Autor, der mit psychoanalytischer Einfühlung seelisches Leid zu beschreiben und in seine beziehungsdynamischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge einzuordnen weiß.</p>
<p><strong>Hoffnung auf einen neuen Weg, sich selbst und andere zu befreien</strong></p>
<p>Persönlich lernte ich Horst-Eberhard Richter 1970 zu Beginn meines Psychologiestudiums im Rahmen einer studentischen Initiativgruppe kennen, die in der Gießener Obdachlosensiedlung »Eulenkopf« sozialpolitisch und sozialpädagogisch tätig ist. Wie viele meiner sich im Aufbruch befindlichen Generation fühle ich mich durch Richters Gedanken angezogen, und seine in den 70er Jahren publizierten Bücher <em>Die Gruppe</em> (1972), <em>Lernziel Solidarität</em> (1974), <em>Flüchten oder Standhalten</em> (1976) und <em>Engagierte Analysen</em> (1978) begleiteten mich in diesen Jahren. <em>Die Gruppe</em> hat den Untertitel <em>Hoffnung auf einen neuen Weg, sich selbst und andere zu befreien. Psychoanalyse in Kooperation mit Gruppeninitiativen</em>. Dieses Buch ist Ausdruck des geistig-kulturellen Klimas der frühen 70er Jahre und bietet zugleich Interpretationen und Reflexionen an, um die mit dem Jahr 1968 angebrochene Zeitenwende und die damit einhergehende psychosoziale Neuorientierung besser verstehen und für die Gestaltung des eigenen Lebens nutzen zu können. Richter ist kein Anhänger der antiautoritären Studentenbewegung der Jahre 68/69, sondern ein Sympathisant der sanfteren Initiativ-, Alternativ- und Ökologiebewegung der 70er Jahre und der Friedensbewegung der 80er Jahre. Er greift die Aufbruchstimmung der 70er Jahre auf, reflektiert aber auch die inneren Brüche, die überzogenen Ansprüche, die wir an uns selbst und an andere stellen, und hilft auf diese Weise dabei mit, dass wir zu realistischeren politischen Konzepten kommen. Dies macht die damalige Bedeutung seines Buches aus.</p>
<p>Richter hat – anders als die meisten Autoren der damaligen Zeit, die sich mit dem Phänomen der Gruppe beschäftigten – sowohl deren politische als auch ihre psychologische und psychotherapeutische Bedeutung erkannt. Er hat deutlich gemacht, dass es sich hierbei tatsächlich um eine soziale Neuerfindung handelt: Der Typus der spontanen, hierarchiefreien und mit den Mitteln der Selbstreflexion sich organisierenden Gruppe stellt in der Tat ein gesellschaftliches Novum dar, das vom emanzipatorischen Teil der Jugend- und Studentenbewegung kreiert worden ist.</p>
<p>Für Richter ist die Psychoanalyse nicht nur eine tiefenpsychologische Behandlungsmethode, sondern, und vielleicht zuallererst, ein Instrument der Aufklärung einer sich sozialanalytisch begreifenden Wissenschaft von Mensch und Gesellschaft. Allein in den Jahren 1972 bis 1981 schreibt er die fünf Bücher, die diese neue Ära eines ganzheitlichen Konzepts von Psychoanalyse einleiten und quasi zur Pflichtlektüre für eine breite Schicht politisch aufgeklärter Bürger werden.</p>
<p><strong>Psychiatrie-Reform</strong></p>
<p>Von den sozialpolitischen Experimenten der 70er Jahre und den neuen Arbeitsansätzen der Initiativ-, Spontan- und Selbsthilfegruppen, von denen Richter inspiriert wird und die er seinerseits anregt, gehen weitreichende Innovationen im Bereich der psychosozialen Beratung und Therapie aus. Die Besinnung auf die psychischen und sozialen Voraussetzungen von Krankheit und Therapie und die Entwicklung eines auf das Psychosoziale bezogenen Gesundheits- und Krankheitsbegriffs sind ohne die kritischen Impulse aus der Initiativgruppen-Bewegung kaum vorstellbar. Es sind Anfang der 70er Jahre fast ausschließlich kritische Studenten, die sich den benachteiligten Gruppen der Gesellschaft, den Heimzöglingen, Obdachlosen, Psychiatriepatienten usw. zuwenden, das Gewissen der Gesellschaft wecken und sowohl die Öffentlichkeit als auch die Fachdisziplinen zwingen, sich mit diesen verdrängten Problembereichen auseinanderzusetzen. Maßgeblich beteiligt ist Richter an der Reform der deutschen Psychiatrie und Sozialpsychiatrie, wofür er 1980 den Theodor-Heuss-Preis erhält. Die in der Psychiatrie-Enquête als Modell der regionalen Selbstorganisation der psychosozialen Versorgungsdienste empfohlene »Psychosoziale Arbeitsgemeinschaft« wird beispielsweise auf Richters Vorschlag hin dort aufgenommen und ganz nach dem Modell der Initiativgruppe konzipiert. Richters Fähigkeit, jeweils von allen seinen Partnern etwas zu lernen und die in einem Feld gewonnenen Erkenntnisse auf andere Zusammenhänge zu übertragen, stellt eine seiner großen Stärken dar. Nachdem Richter in der Initiativgruppe einiges über die Kreativität von hierarchiearmen Spontangruppen erfahren hat, versucht er sofort, etwas von dem freien Geist, der diese Initiativgruppen prägt, in die institutionelle Struktur seines Psychosomatischen Zentrums und auch der »Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft« in Gießen zu integrieren.</p>
<p><strong>»psychosozial«: Von der Zeitschrift zum Verlag</strong></p>
<p>Durch seine zahllosen Bücher, Artikel, Vorträge und Interviews trägt Richter maßgeblich dazu bei, dass diese zukunftsweisenden Experimente keine Einzelerscheinungen bleiben. Dank seiner Funktion als Vermittler, Botschafter, Interpret und kritischer Begleiter der »Neuen Sozialen Bewegungen« – zu denen die Frauen-, die Ökologie- und die Friedensbewegung gehören – werden sie zu Vorläufern einer Bewusstseinsveränderung, die unsere Gesellschaft erheblich geprägt hat.</p>
<p>Zu seinen publizistischen Aktivitäten gehört auch die Gründung der Zeitschrift <em>psychosozial</em>, in deren Herausgeberkreis Richter mich früh holt. Aus <em>psychosozial</em> geht später der von mir gegründete <a href="http://www.psychosozial-verlag.de/">Psychosozial-Verlag</a> hervor, den Richter nachhaltig unterstützt, indem er uns seine Erfolgsbücher zur Zweitverwertung überlässt. Danach kommen als Erstausgaben <a href="http://www.amazon.de/Die-Krise-Männlichkeit-unerwachsenen-Gesellschaft/dp/3898065707/buchundjudenhaga"><em>Die Krise der Männlichkeit in der unerwachsenen Gesellschaft</em></a> (2006) und <a href="http://www.amazon.de/Die-seelische-Krankheit-Friedlosigkeit-heilbar/dp/3898068366/buchundjudenhaga"><em>Die seelische Krankheit Friedlosigkeit ist heilbar</em></a> (2008) heraus. Richter ist insofern Namensgeber des Psychosozial-Verlages, der sich der von ihm vertretenen Auffassung von Psychoanalyse verpflichtet weiß.</p>
<p><strong>Psychoanalyse und empirische Forschung</strong></p>
<p>Eine Vorreiterrolle hat Richter auch in Bezug auf die Kooperation von Psychoanalyse und empirischer Psychologie: Zusammen mit Dieter Beckmann entwickelt er bereits Anfang der 70er Jahre einen Persönlichkeitstest, bei dessen Konzeption psychoanalytisch relevante Kategorien besonderes Gewicht haben.</p>
<p>Dieses psychologische Testverfahren bekommt den Namen Gießen-Test (Beckmann/Richter 1972). Er wird in zahlreichen Untersuchungen verwendet, z. B. auch in der für die psychosomatische Medizin wegweisenden Studie über die »Herzneurose« (Richter, Beckmann 1969). Der Gießen-Test ist im deutschsprachigen Raum auch heute noch einer der am häufigsten verwandten Fragebögen zur Psychodiagnostik. Zusammen mit Elmar Brähler führt Richter periodisch Befragungen durch, mit denen die Befindlichkeit und die Einstellungen in der Bevölkerung erhoben werden. In weit über 1.000 Publikationen wird der Gießen-Test bislang zitiert. Er ist in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt. Mithilfe dieses Tests wird der Name Gießens buchstäblich in die weite Welt getragen – zumindest in die psychologische Fachwelt.</p>
<p>Die Existenz eines psychoanalytisch fundierten Tests, der auch bei den Methodikern der empirischen Psychologie Anerkennung findet, erlaubt ganzen Generationen von psychoanalytisch orientierten Forscherinnen und Forschern, sich in der empirischen Psychologie wissenschaftlich zu qualifizieren, ohne ihre psychoanalytische Orientierung aufgeben zu müssen. Viele psychoanalytische Kolleginnen und Kollegen verdanken ihre wissenschaftliche Karriere nicht zuletzt dem Gießen-Test und damit Richters frühzeitiger Öffnung der Psychoanalyse für die empirische Forschung. Auch in der Psychotherapie-Forschung wird der Gießen-Test häufig angewandt. Unter Richters Leitung betreiben wir schon in den 70er Jahren Psychotherapie-Verlaufsforschungen und katamnestische Studien, in denen wir die Wirksamkeit von Psychotherapie, beispielsweise die der Paar-Kurztherapie (vgl. Richter/Wirth 1978), untersuchen. Inzwischen sieht sich die Psychoanalyse unter dem Druck der Gesundheitsreform und in der stärker gewordenen Konkurrenz mit anderen psychotherapeutischen Verfahren genötigt, sich der Psychotherapie-Erfolgsforschung zu stellen.</p>
<p><strong>Friedensbewegung und IPPNW</strong></p>
<p>Bereits ab 1980 engagiert sich Richter in der Friedensbewegung und ist 1981 einer der maßgeblichen Gründer der westdeutschen Sektion der Ärzte gegen den Atomkrieg (IPPNW). Er beeinflusst die politische und inhaltliche Orientierung der bundesdeutschen IPPNW von Anfang an in Richtung Basisdemokratie und eines kollegialen Miteinanders. Das Engagement in der Friedensbewegung gewinnt immer größeres Gewicht in Richters Leben. Er verfasst die berühmte »Frankfurter Erklärung«, in der jeder Unterzeichner sich mit seiner Unterschrift dazu bekennt, sich jeglicher kriegsmedizinischen Schulung und Fortbildung zu verweigern. In etwas abgewandelter Form, als »New Physicians’ Oath«, wird diese Erklärung, nachdem Richter sie auf dem 2. IPPNW-Weltkongress in Cambridge eingebracht hat, von der Weltföderation übernommen. Im Jahr 1985, als das atomare Wettrüsten seinen Höhepunkt erreicht, erhalten die Internationalen Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges – und mit ihnen Horst-Eberhard Richter – den Friedensnobelpreis. Der Friedensnobelpreis dürfte die wohl höchste Ehrung sein, die man erhalten kann. Dennoch sind nicht alle begeistert von der Verleihung. Besonders in der damaligen deutschen Regierung unter Helmut Kohl ist die Empörung groß, dass eine Organisation, die man als »Moskau-gesteuert« bezeichnet, so geehrt wird. Richter grenzt sich immer gegen eine Vereinnahmung durch falsche Freunde ab, lässt sich aber umgekehrt durch Verdächtigungen auch nicht von seinem eigenen Weg abbringen.</p>
<p>Sein friedenspolitisches Engagement auf internationaler Ebene bringt Richter 1987 auch in Kontakt mit einer Arbeitsgruppe unter der Schirmherrschaft von Michail Gorbatschow. Zu dieser Vereinigung, die sich »für eine atomwaffenfreie Welt und für das Überleben der Menschheit« einsetzt, gehören unter anderem der russische Atomwissenschaftler und Menschenrechtler Andrej Sacharow, Ex-US-Verteidigungsminister und Weltbank-Chef Robert McNamara und der Gründer von Greenpeace, David McTaggart. Von den Projekten, die diese Gruppe ins Leben ruft, holt Richter eines an seine Klinik: Es geht um eine psychologische Untersuchung, in der 1.400 Studierende der Justus-Liebig-Universität Gießen und 1.000 Moskauer Studierende zu ihren Einstellungen, politischen Meinungen, Wünsche und Ängste befragt werden. Natürlich kommt auch der Gießen-Test zum Einsatz. Das zentrale Ergebnis dieser Untersuchung – die noch vor dem Ende des Kalten Krieges, noch vor der Maueröffnung stattfindet – gibt an, dass junge Russen und Deutsche sich psychologisch viel näher sind und viel weniger Vorurteile über den jeweils anderen haben, als die offizielle Politik vermuten lässt. Die Ergebnisse publiziert Richter 1990 in dem Buch <em>Russen und Deutsche. Alte Feindbilder weichen neuen Hoffnungen</em>. Wieder taucht das Wort Hoffnung in einem seiner Buchtitel auf.</p>
<p>Als die Friedensbewegung nach dem NATO-Krieg gegen Jugoslawien 1999 von den Medien für tot erklärt wird, organisiert Richter als Antwort darauf zusammen mit der IPPNW den Kongress »Kultur des Friedens« (Richter 1999): Die große Teilnehmerzahl demonstriert, dass die Friedensbewegung in Deutschland sich gewandelt hat, aber keineswegs gestorben ist.</p>
<p><strong>»Erinnern hilft vorbeugen«</strong></p>
<p>Die erinnernde Bearbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit stellt das zentrale Motiv für Richters politisches Engagement dar. Schon mit <em>Eltern, Kind und Neurose</em> hatte Richter ein theoretisches Konzept formuliert, mit dem die unbewussten Verstrickungen der Generationen, die transgenerationale Weitergabe von Traumata und von unbewussten Konflikten, psychoanalytisch verstanden werden konnte. Der Begriff der transgenerationale Weitergabe von Traumata sollte erst viele Jahre später von der Holocaustforschung geprägt werden, aber die zugrundeliegende Psycho- und Beziehungsdynamik wird von Richter bereits Anfang der 60er Jahre konzeptuell begriffen. Er selbst und andere Autoren haben diese Koinzidenz rückblickend auch so gesehen. Bemerkenswert ist allerdings, dass auch Richter seinerzeit die übergreifende historisch-politische Bedeutung seines Eltern-Kind-Konzepts nicht klar war. Der Holocaust und die anderen Verbrechen des Nationalsozialismus waren noch so abgespalten vom allgemeinen Bewusstsein, dass sie nicht thematisierbar waren. In »Patient Familie« drängt sich die latente Bedrohung durch das verleugnete Thema Nationalsozialismus noch eindringlicher auf, ohne dass es zu einer bewussten Thematisierung gekommen wäre. Die massenhafte Verbreitung angstneurotischer Familienstrukturen, die Richter für die fünfziger und sechziger Jahre konstatiert, lässt sich nach Überlegungen von Tilman Moser (1995) auf die »Schweigegebote« über die »Schrecken der Vergangenheit« zurückführen. Um sich nicht mit der nationalsozialistischen Vergangenheit konfrontieren zu müssen, klammerten sich viele Familien »mit Hilfe von Vermeidungs- und Verleugnungstaktiken an die Illusion einer friedlichen, guten, geordneten Welt« (Richter 1970) und organisierten ihr familiäres Zusammenleben nach dem Vorbild eines harmonischen und konfliktfreien Sanatoriums. Für das Verhältnis der Eltern zu ihren Kindern hatte dies zur Folge, dass diese ängstlich überbehütet und phobisch gebunden wurden. Die Jugend- und Protestbewegung der sechziger Jahre kann unter anderem auch als ein Aufstand gegen diese überfürsorgliche und als einengend empfundene Bevormundung sowie als erste emotional bedeutsame Thematisierung der verleugneten deutschen Vergangenheit verstanden werden.</p>
<p>Erst im Zusammenhang mit der Nachrüstungsdebatte und dem erneuten Wettrüsten zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt Anfang der 80er Jahre kommen Richter die Erinnerungen an die Grausamkeiten des zweiten Weltkrieges, seine eigenen Kriegserlebnisse und die Unmenschlichkeit des Nationalsozialismus zu vollem Bewusstsein. Richter prägt das Motto »erinnern hilft vorbeugen«, unter das die bundesdeutsche Sektion der »Internationalen Ärzte für die Verhütung eines Atomkrieges« (IPPNW) ihre Kampagne von 1985 stellt, mit der sie die öffentliche Diskussion und Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit zu einem zentralen Anliegen ihres Kampfes für die Beendigung des Wettrüstens macht. Dem liegt der Gedanke zugrunde, die Beschäftigung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus könne unsere Wahrnehmung für die psychischen und sozialen Umstände sensibilisieren, die die »psychische Krankheit Friedlosigkeit« (eine Formulierung, die Richter von Carl Friedrich von Weizsäcker [1967] übernimmt) bedingen. Unsere Friedensfähigkeit heute – so lautet Richters Überlegung – hänge entscheidend von der Bereitschaft ab, zu erinnern und im Gedächtnis zu bewahren, welche Verbrechen von den Deutschen an den Juden und an den Nachbarvölkern begangen wurden, so wie umgekehrt das aktive Eintreten für die Überwindung der Konfrontation zwischen den Militärblöcken und die Beschäftigung mit den psychischen und gesellschaftlichen Bedingungen des paranoiden Freund-Feind-Denkens nahezu zwangsläufig dazu führe, dass man sich mit der nationalsozialistischen Vergangenheit auseinanderzusetzen beginne. Insofern knüpft Richter an die berühmte <em>Zeitdiagnose</em> Alexander und Margarete Mitscherlichs von der <em>Unfähigkeit zu trauern</em> (1967) an, wendet diese aber in ein sozialtherapeutisches Konzept, das originär psychoanalytischen Erfahrungen folgt: die erinnernde Bearbeitung der traumatischen Vergangenheit befreit auch auf der kollektiven Ebene von dem Zwang, die alten Traumata zu wiederholen und eröffnet neue Denk- und Handlungsräume.</p>
<p><strong>Die RAF verstehen?</strong></p>
<p>Es gehört zur zentralen Aufgabe des Psychoanalytikers, sich mit den dunklen, den verdrängten, ja auch den bösen und destruktiven Seiten des menschlichen Lebens zu beschäftigen. Da ein tieferes psychologisches Verständnis nur möglich ist, wenn man sich einfühlend und emotional nachvollziehend auf den anderen einlässt, entsteht für den Außenstehenden oft das Missverständnis, Verstehen sei mit Rechtfertigung, gar mit Parteinahme gleichzusetzen. Als Richter die Ex-Terroristin Birgit Hogefeld im Gefängnis betreut, wird ihm genau dieser Vorwurf gemacht, er sei ein »RAF-Versteher« und rechtfertige damit – zumindest indirekt – deren terroristische Taten. Tatsächlich geht es Richter jedoch darum, über das mitfühlende Verständnis der ehemaligen Terroristin die Rückkehr in die Gesellschaft zu ermöglichen.</p>
<p><strong>Psychoanalyse als Sozialphilosophie</strong></p>
<p>Richter hat nicht nur seine theoretischen Interessen, sondern ebenso seine praktischen Forschungsstrategien und schließlich auch seine Versuche der praktisch-therapeutisch-politischen Beeinflussung vom Individuum auf die Zweierbeziehung, von dort auf die Familie, von der Familie auf die Gruppe, von der Gruppe auf den Stadtteil und die regionalen psychosozialen Versorgungssysteme ausgeweitet, um bei sozialen Bewegungen, politischen Entscheidungsträgern (<em>Die hohe Kunst der Korruption</em>), der Interaktion zwischen Völkern (<em>Russen und Deutsche</em>) und schließlich bei philosophischen Betrachtungen (<em>Der Gotteskomplex</em>) anzukommen. <em>Der Gotteskomplex</em> (1979) wird sein psychoanalytisch-sozialphilosophisches Hauptwerk, in dem er, auf <em>Eltern, Kind und Neurose</em> aufbauend, an Sigmund Freuds Begriff des »Prothesengottes« aus dem <em>Unbehagen in der Kultur</em> (1933) anknüpfend, sein Verständnis des Grundproblems des modernen Menschen entwickelt. Richters weit ausholende These setzt beim Übergang aus der religiösen Geborgenheit des Mittelalters in die aufgeklärte Neuzeit an. Nach dem Verlust der mittelalterlichen Gotteskindschaft floh der Mensch in die Identifizierung mit göttlicher Allmacht und Allwissenheit. Der Glaube an Gott wurde durch den Glauben an die Allmacht des Menschen ersetzt. »Die grandiose Selbstgewissheit des Ich ist an die Stelle der Geborgenheit in der großen idealisierten Elternfigur getreten. Das individuelle Ich wird zum Abbild Gottes.« Der Versuch, die Schattenseiten des Lebens – Alter, Krankheit, Gebrechlichkeit, Schwäche, Ohnmacht und schließlich der Tod – durch die übertriebene Betonung der entgegengesetzten Eigenschaften – Jugendlichkeit, Gesundheit, Fitness, Stärke, Macht und Todesverachtung – zu verleugnen, bezeichnet Richter als »Krankheit, nicht leiden zu können«. Wer aber nicht leiden will, der muss hassen und sucht sich dafür Sündenböcke, auf die er die eigenen verleugneten schwachen Seiten projizieren kann, so lautet seine psychoanalytisch fundierte Schlussfolgerung.</p>
<p><strong>Botschafter der Psychoanalyse</strong></p>
<p>Es bedarf eines großen Mutes und einer starken Selbstgewissheit, um mit der sozialen Isolationsdrohung und Ächtung fertig zu werden, die Richter aus der Professoren-Kollegenschaft der Ärzte, teilweise aber auch von seinen Psychoanalytiker-Kollegen nicht selten entgegenschlagen. Indem er sich beharrlich der Auseinandersetzung mit dieser Kollegenschaft stellt, gewinnt er die Kraft, sich von den Zwängen und Denkverboten, die die verschiedenen Rollen mit sich bringen, zu distanzieren. Ich schätze an Richter besonders, dass er ein Neuerer des psychoanalytischen Denkens ist, der den Kontakt zur Psychoanalyse nicht abgebrochen hat, der keine eigene, mehr oder weniger sektiererische Schule gegründet hat, wie es in der Geschichte der Psychoanalyse so häufig passiert ist. Vielmehr hat er seine Gedanken in den Strom der psychoanalytischen Diskussion einfließen lassen. Bezeichnenderweise ist er es, der nach seiner Emeritierung in Gießen von 1992 bis 2002 die Leitung des unmittelbar von der Schließung bedrohten Sigmund-Freud-Instituts in Frankfurt übernimmt und dieses in eine gesicherte Zukunft führt.</p>
<p>Richter wirkt in der Öffentlichkeit als ein Botschafter der Psychoanalyse, der in Deutschland neben Alexander und Margarete Mitscherlich wie kein anderer dazu beigetragen hat, dass psychoanalytische Argumente in der Öffentlichkeit Gehör finden. Mit seinen Publikationen, die sich an eine breite Leserschaft richten, betreibt er eine Art »psychoanalytischer Volksaufklärung«, wie sie in den Anfängen der psychoanalytischen Bewegung zum Selbstverständnis vieler Psychoanalytiker gehörte. Sowohl die Psychoanalyse in Deutschland als auch die Öffentlichkeit haben dem »psychoanalytischen Publizisten« Richter viel zu verdanken: Unzählige Menschen sind durch ihn darauf aufmerksam gemacht worden, dass es so etwas wie Psychoanalyse und psychotherapeutische Hilfe für ihre seelischen Probleme überhaupt gibt. Auf der anderen Seite wäre auch die psychoanalytische Gemeinschaft ohne den »politischen Psychoanalytiker« Richter ärmer: Seine Bücher und Ideen haben unsere Sensibilität für die Bedeutung sozialer und politischer Probleme bei der Bewältigung unserer unbewussten Konflikte geschärft und deutlich gemacht, dass die Psychoanalyse nicht in einem gesellschaftsfreien Raum existiert. Zugleich ermutigt und motiviert sein konstruktives politisches Engagement viele Menschen – außerhalb und innerhalb der Psychoanalyse –, eigene Initiativen zu ergreifen, um sich in gesellschaftliche Konflikte einzumischen.</p>
<p><strong>Horst-Eberhard Richter als Charismatiker</strong></p>
<p>Doch wie gelang es Horst-Eberhard Richter, über einen Zeitraum von fast 50 Jahren, so beständig und einflussreich in der öffentlichen Diskussion präsent zu bleiben, und das mit so belastenden Themen wie Randgruppen, Vorurteilen und Krieg? Dies hängt mit einer Eigenschaft zusammen, die der Soziologe Max Weber als Charisma bezeichnet. Die charismatische Persönlichkeit wird von einer besonderen Aura umgeben, die auf andere motivierend und faszinierend wirkt. Charismatische Persönlichkeiten haben die Vision einer besseren Zukunft, sie verfügen über Selbstvertrauen, Entschlossenheit und Ausdauer, sie besitzen eine außergewöhnliche Bereitschaft zum Risiko und scheuen keine persönlichen Wagnisse, sie leben ihre Vision vor, fungieren als Sprachrohr der Gemeinschaft und sind anregende Kommunikatoren, die ihre Botschaften einfallsreich und emotional ansprechend vermitteln. Richter verkörpert wie kaum ein Zweiter den Glauben und die Hoffnung auf eine bessere, friedlichere und gerechtere Welt, auch wenn er diese Utopie häufig in eine Frage kleidet: <em>Sind wir zum Frieden fähig? </em>(1980) oder:<em> Ist eine andere Welt möglich?</em> (2003). Richter ist deshalb häufig als »Gutmensch« belächelt worden. Das hat ihn zwar geärgert und gekränkt, aber er hat diese Bezeichnung auch als Auszeichnung verstanden und sich in der Rolle des »Mahners«, des »Gutmenschen«, des »Gewissens der Nation«, gar des »Psychotherapeuten der Nation« (Johannes Rau) wohlgefühlt.</p>
<p>Horst-Eberhard Richter war nicht nur der Mahner, der gesellschaftliche Missstände anprangert, sondern auch der Verkünder des Prinzips Hoffnung, der konkrete Modelle entwirft, wie etwas zum Besseren gewendet werden kann. Es ist diese besondere Kombination von mahnender Kritik und hoffnungsvollem Optimismus, die seinen Botschaften bei so vielen Menschen so große Resonanz beschert hat.</p>
<p><a href="http://web.psychosozial-verlag.de/psychosozial/index.php?parent=43&amp;sub=yes&amp;idcat=43&amp;lang=1&amp;&amp;idart=19&amp;idau=102">Weitere Werke von Horst-Eberhard Richter</a></p>
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		<title>Mehr Hilfe bei Krisen in Schwangerschaft nötig: Bedeutung der Psychologen und Hebammen nimmt zu</title>
		<link>http://www.pharmacon.net/2011/08/prenatal/</link>
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		<pubDate>Wed, 31 Aug 2011 06:51:03 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Die Situation der Geburtshilfe ist heute grundlegend anders als noch vor Jahrzehnten, legt der Experte dar. &#8220;Die Pränataldiagnostik erlaubt einen neuen Blick auf die Kindesentwicklung, bewirkt jedoch gleichzeitig eine ständige Verunsicherung der werdenden Mutter, die von Termin zu Termin auf Entwarnung hofft.&#8221;&#8230; Bregenz (pte) Krisen und Zwischenfälle in der Schwangerschaft und Geburt überfordern werdende Eltern häufig. Diesem Thema widmen sich demnächst die Bodensee-Dialoge http://www.bodenseedialoge.li . &#8220;Das Tabu der psychologischen Begleitung der Schwangerschaft muss fallen. Fehlgeburten wurden etwa über lange Zeit bagatellisiert, wodurch betroffene Frauen und Paare keinen Trauerprozess durchlaufen konnten und oft noch Jahre später ein Trauma entwickelten&#8221;, so Tagungsleiter Christoph Jochum im pressetext-Interview. Hoffnung auf Entwarnung Die Zunahme an Untersuchungen geht unter anderem auf das steigende Bedürfnis der Ärzte nach rechtlicher Absicherung zurück. Zudem hat ein Kind heute eine andere Bedeutung als früher. &#8220;Da viele nur mehr ein Kind statt drei bis vier Kinder bekommen, ist der Druck und die Erwartungshaltung in das &#8216;Projekt Kind&#8217; ungleich größer. Alles muss passen und wird geplant, weshalb man immer öfter von Wunschkind, Wunschtermin und vom geplanten Kaiserschnitt spricht&#8221;, so Jochum. Kinder sind nicht planbar Die Realität sieht anders aus, denn das Kinderkriegen ist trotz der hohen Technisierung der Schwangerschaft nicht planbar. Ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Situation der Geburtshilfe ist heute grundlegend anders als noch vor Jahrzehnten, legt der Experte dar. &#8220;Die Pränataldiagnostik erlaubt einen neuen Blick auf die Kindesentwicklung, bewirkt jedoch gleichzeitig eine ständige Verunsicherung der werdenden Mutter, die von Termin zu Termin auf Entwarnung hofft.&#8221;&#8230;<span id="more-3547"></span></p>
<p>Bregenz (<a href="http://www.pressetext.de">pte</a>) Krisen und Zwischenfälle in der Schwangerschaft und Geburt überfordern werdende Eltern häufig. Diesem Thema widmen sich demnächst die Bodensee-Dialoge <a href="http://www.bodenseedialoge.li/">http://www.bodenseedialoge.li</a> . &#8220;Das Tabu der psychologischen Begleitung der Schwangerschaft muss fallen. Fehlgeburten wurden etwa über lange Zeit bagatellisiert, wodurch betroffene Frauen und Paare keinen Trauerprozess durchlaufen konnten und oft noch Jahre später ein Trauma entwickelten&#8221;, so Tagungsleiter Christoph Jochum im pressetext-Interview.</p>
<p><strong>Hoffnung auf Entwarnung</strong></p>
<p>Die Zunahme an Untersuchungen geht unter anderem auf das steigende Bedürfnis der Ärzte nach rechtlicher Absicherung zurück. Zudem hat ein Kind heute eine andere Bedeutung als früher. &#8220;Da viele nur mehr ein Kind statt drei bis vier Kinder bekommen, ist der Druck und die Erwartungshaltung in das &#8216;Projekt Kind&#8217; ungleich größer. Alles muss passen und wird geplant, weshalb man immer öfter von Wunschkind, Wunschtermin und vom geplanten Kaiserschnitt spricht&#8221;, so Jochum.</p>
<p><strong>Kinder sind nicht planbar</strong></p>
<p>Die Realität sieht anders aus, denn das Kinderkriegen ist trotz der hohen Technisierung der Schwangerschaft nicht planbar. Ein guter Teil der Paare ist trotz vielen Versuchen nicht in der Lage, ein Kind zu bekommen, und nach wie vor enden 15 Prozent der Schwangerschaften mit einer Fehlgeburt. Schwierig verlaufende frühere Geburten oder auch die negative Darstellung in den Medien bereiten vielen Frauen Angst vor weiteren Schwangerschaften oder Geburten (pressetext berichtete: <a href="http://pressetext.com/news/20110629002">http://pressetext.com/news/20110629002</a> ).</p>
<p>Speziell wenn Frauen oder Paare erfahren, dass ihr Kind schwerkrank oder behindert sein wird, belastet dies psychisch enorm. &#8220;Betroffene brauchen Hilfe von Außen zur Stabilisierung. Erst so können sie eine reflektierte Entscheidung treffen, zu der sie später auch stehen können&#8221;, betont Jochum. Ärzte sind mit dieser Aufgabe meist überfordert, zumal in vielen Fällen ein Zeitproblem besteht.</p>
<p><strong>Hebammen immer wichtiger</strong></p>
<p>Experten machen sich daher für mehr Zusammenarbeit zwischen den Disziplinen stark, um neben den medizinischen auch psychologische, soziale, ethische und spirituelle Aspekte zu berücksichtigen. So können etwa Hebammen der Frau dabei helfen, den natürlichen Zugang zur Geburt wieder zu finden. Immer öfter übernehmen sie bereits heute während der Schwangerschaft die Begleiterrolle, etwa in Geburtsvorbereitungskursen oder bei der Mutter-Kind-Pass-Untersuchung.</p>
<p>Die Sensibilität für psychologische Nöte während der Schwangerschaft wächst jedoch auch bei den Gynäkologen, beobachtet Jochum. &#8220;90 Prozent der nachkommenden Fachärzte sind Frauen, was für einen Kulturwandel spricht. Frauen sind auf ganz andere Weise sensibel für weibliche Problemstellungen als Männer.&#8221;</p>
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		<title>Holocaust und Trauma: Die Kinder der Überlebenden</title>
		<link>http://www.pharmacon.net/2011/03/holocaust-und-trauma-4/</link>
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		<pubDate>Mon, 21 Mar 2011 16:08:27 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Die transgenerationalen Auswirkungen des Holocaust auf die Nachkommen von Überlebenden bleibt ein ziemlich kontroverses Thema. Einige meinen, das Konzept der „2.Generation“ (2nd Generation) sei eine Illusion und der Prozess der Transmission eine Täuschung ist. Andere fragen sich, ob es eine spezifische Psychopathologie für Kinder von Überlebenden gibt. Noch andere behaupten, dass die Nachkommen, sowie die Holocaustüberlebenden selbst, solch eine heterogene Gruppe sind, dass sich jegliche Generalisierung verbietet&#8230; Von Natan Kellermann, AMCHA Übersetzt von Anna Jaitner. Quelle: Kellermann, Natan P.F. (2001). The Long-term Psychological Effects and Treatment of Holocaust Trauma. Journal of Loss and Trauma. 6:197-218. s.p. 211 Einige Therapeuten nehmen an, dass es unmöglich ist, in einer Familie von Holocaustüberlebenden aufzuwachsen, ohne einige der emotionalen Narben der Eltern zu absorbieren. Forscher stimmen mit dem jedoch nicht überein, indem sie aufzeigen, dass Nachkommen im Allgemeinen keine oder sogar weniger Symptome der Psychopathologie aufweisen, als Vergeichsgruppen. Tatsächlich wurde erst kürzlich nahegelegt, dass das Vermächtnis des Holocaust die persönlichen Lebensläufe der Nachkommen in einer positiven Weise beeinflusst hat, indem dieser bedeutsamer wird und das Mitgefühl für menschliche Leiden ansteigt. Wenn Nachkommen von Holocausüberlebenden die 50 erreichen (45-55, wenn sie zwischen 1945 und 1955 geboren wurden), erwägen sie die Auswirkungen des Holocaust auf sich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die transgenerationalen Auswirkungen  des Holocaust auf die Nachkommen von Überlebenden bleibt ein ziemlich  kontroverses Thema. Einige meinen, das Konzept der „2.Generation“ (2nd Generation) sei eine Illusion und der Prozess der Transmission eine Täuschung ist.  Andere fragen sich, ob es eine spezifische Psychopathologie für Kinder  von Überlebenden gibt. Noch andere behaupten, dass die Nachkommen, sowie  die Holocaustüberlebenden selbst, solch eine heterogene Gruppe sind,  dass sich jegliche Generalisierung verbietet&#8230;<span id="more-3179"></span></p>
<p><em>Von Natan Kellermann, AMCHA<br />
Übersetzt von Anna Jaitner. Quelle: Kellermann, Natan P.F. (2001). <a href="http://www.amcha.org/Upload/folgen.pdf">The Long-term Psychological Effects and Treatment of Holocaust Trauma</a>. Journal of Loss and Trauma. 6:197-218.</em></p>
<p>s.p. 211 Einige Therapeuten nehmen  an, dass es unmöglich ist, in einer Familie von Holocaustüberlebenden aufzuwachsen, ohne einige der emotionalen Narben der Eltern zu  absorbieren. Forscher stimmen mit dem jedoch nicht überein, indem sie  aufzeigen, dass Nachkommen im Allgemeinen keine oder sogar weniger Symptome  der Psychopathologie aufweisen, als Vergeichsgruppen.</p>
<p>Tatsächlich  wurde erst kürzlich nahegelegt, dass das Vermächtnis des Holocaust die  persönlichen Lebensläufe der Nachkommen in einer positiven Weise  beeinflusst hat, indem dieser bedeutsamer wird und das Mitgefühl für  menschliche Leiden ansteigt. Wenn Nachkommen von Holocausüberlebenden  die 50 erreichen (45-55, wenn sie zwischen 1945 und 1955 geboren  wurden), erwägen sie die Auswirkungen des Holocaust auf sich selbst und  ihr Leben, besonders bzgl. Ihrer eigenen elterlichen Einflüsse, was dann  die „3. Generation“ betrifft. Während der letzten Jahrzehnte ist die  Menge der Literatur über transgenerationale Übertragung von  Holocausttraumata gestiegen und erreichte das einzigartige psychologische  Wissen von mehr als 400 Publikationen. Dieses Wissen entwickelte sich in  einer kumulativen Form , ähnlich wie das der meisten psychologischen  Forschungen: von Beobachtung zu Verallgemeinerung zu Theoretisierung,  welche die empirische Forschung weitgehend stimuliert hat.</p>
<p>Die  Übertragung von Holocausttraumata der Eltern auf ihre Nachkommen  differieren zwischen „<strong>direkter und spezifischer“ Übertragung</strong> (ein  mentales Syndrom in dem überlebenden Elternteil führt direkt zu dem  selben spezifischen Syndrom in dem Kind) und <strong>„indirekter und  allgemeiner“ Übertragung</strong> (eine Störung im Elternteil macht diesen  unfähig, sich als Eltern zu verhalten, was indirekt zu einem allgemeinen  Gefühl von Deprivation auf Seiten des Kindes führt). Während eine  solche Unterscheidung valide erscheint, werden Aspekte im Prozess der  Übertragung, welche mehr oder weniger „offen oder versteckt“, „manifest  oder stillschweigend“ und „bewusst oder unbewusst“ sind, nicht genügend  ausdifferenziert. Des weiteren gelingt es nicht, die Etiologie der  Übertragung (oder die angenommene Ursache) von der Manifestation der  Übertragung (oder den angenommenen Auswirkungen) eindeutig abzugrenzen.  Offenbar gibt es noch keinen Konsens darüber, wie dieses Gebiet  definiert werden kann. Einige reduzieren es auf seine deskriptive  Bedeutung, andere beziehen Erklärungen ihrer Etiologie mit ein.<br />
Um solch  eine Ambiguität zu reduzieren, werde ich hier zwischen dem Prozess der  Übertragung (wie das Trauma von einer Generatione zu der nächsten  weitergegeben wurde) und dem Inhalt der Übertragung (was wirklich  übertragen wurde) differenzieren. Ersteres würde die angenommenen  Ursache der Übertragung beinhalten bezogen auf das, was die Eltern mit  ihren Kindern gemacht haben s.p. 212 und Letzteres würde die  Auswirkungen beinhalten, bzgl. Der psychologischen Reaktionen des  Kindes.<br />
Während beide Perspektiven anscheinend sowohl direkte, als auch  indirekte (sowie auch spezifische und allgemeine) Aspekte  miteinbeziehen, ist die grundlegende <strong>Unterscheidung von elterlichen  Einflüssen und kindlicher Reaktion</strong> essentiell, um den kompexen Theorien  und verfügbaren Forschungsergebnissen einen Sinn zu geben.</p>
<p><span style="font-size: medium;"><strong>Prozess der Transmission</strong></span></p>
<p>Wie tritt transgenerationale Übertragung auf? Wie erfolgt die Vermittlung von einer  Generation zur nächsten? Der intergenerationale Mechanismus von  Übertragung in Kulturen war immer ein zentrales antropologisches  Postulat und auch das Aussterben von sozialen Normen und Glaube von  Generation zu Generation wird in der Sozialpsychologie ausführlich  thematisiert. Es wird angenommen, dass der Mechanismus der Übertragung  ein sehr facettenreicher Prozess ist, welcher eine große Anzahl von  offenen und verdeckten Arten von Eltern-Kind Lernprozessen  miteinbezieht, sowie Internalisation, Projektive Identifikation,  Modellernen, Sozialisation und stellvertretendes Lernen.  Offensichtlich scheint dies einerseits indirekt durch implizite  Einflüsse in der frühen Kindheit, andererseits direkt durch die  Kommunikationsstile, Erziehung, Übungen und Interaktion zwischen den  Eltern später im Leben beeinflusst zu werden.</p>
<p>Die Übertragung von  Traumata kann somit wie eine Art subtiler elterlicher  Vermittlungsprozess abgesehen werden, durch den die psychologische Last  der Überlebenden auf irgendeine Weise auf ihre Kinder übertragen wird,  angefangen im Säuglingsalter, weiter durch die Kindheit, Jugend, das  Erwachsenenalter und darüber hinaus. Solch eine indirekte und oft  unbewusste Übertragung von Holocausttraumata wird in verschiedenen  psychoanalytischen Ausdrücken beschrieben als „<strong>Das Erinnern des  Unbekannten</strong>“ (Fresco, 1984), als ein „<strong>Schrei stummer Kinder</strong>“ (Kogan,  1995) oder als Gefühl, wie „<strong>Gedächtniskerzen in Holocaustumhang</strong>“ angesehen zu werden (Wardi, 1992, p.40). Es wurde also angenommen, dass  Traumata durch einen unbewussten Identifikationsprozess und durch das  Misslingen von Selbst-Objekt-Unterscheidung übertragen werden. Daraus  resultierend empfinden die Kinder ein Bedürfnis, in der  Holocaustvergangenheit ihrer Eltern zu leben (Kogan, 1995, p.26).  Ähnlich erklärten auch Auherhahn und Laub (1998) wie „das massive  psychische Trauma die internale Repräsentation die Realität formt und  wie es ein unbewusster organisierender Grundsatz wird, der von den  Eltern auf die Kinder übertragen und von denen internalisiert wird“  (p.22).</p>
<p>Interessanterweise enthalten eine Reihe von  stillschweigenden Einflüssen nicht so sehr das, was  holocaustüberlebende Eltern mit ihren Kindern gemacht haben, also die  tatsächliche Erziehung, sondern eher wie sie sich als inadäquate  Rollenmodelle verhalten haben. Offensichtlich schließt kindliche  Sozialisation sowohl das Lernen von dem elterlichen Handeln als auch das  ihrer Einstellungen mit ein. Das Aufwachsen mit gequälten Eltern selbst  muss eine Art kumulatives Trauma für das Kind gewesen sein, welches  stillschweigend die Störungen der Eltern absorbiert hat. Gemäß Shoshan  (1989) wird lediglich auf Grund ihres Zusammenlebens „die Depression,  die durch das Trauma der Eltern und ihren Anstrengungen dies zu  unterdrücken entsteht, auf die Kinder übertragen“ (p.198).</p>
<p>Durch die  übertriebenen Sorgen der ängstlichen Eltern kann ein vager Sinn einer  drohenden Gefahr geschaffen und übermittelt werden. Tatsächlich hatten  viele Eltern, die mit der Trauer um ihre immensen Verluste beschäftigt  waren, häufig Schwierigkeiten, auf ihre Kinder in einer adäquaten Art  und Weise einzugehen. Außerdem nahmen viele eltern an, eine ökonomische  Sicherheit sei wichtiger, als emotionales Wohlergehen.  Nichtsdestoweniger wurden diese Familien als ein sehr geschlossenes, in  sich verstricktes System beschrieben, in dem beide Seiten darauf  bedacht sind, den anderen von den schmwerzvollen Erfahrungen  abzuschirmen, indem sich die Eltern gegenüber ihren Kindern vollkommen  verpflichtet fühlen und die Kinder um die Fürsorge ihrer Eltern sehr  besorgt sind. Durch gegenseitige Identifikation sehen sich Eltern als  würden sie stellvertretend in ihren Kindern leben wodurch so die Kinder  stellvertretend die erschreckende Vergangenheit ihrer Eltern durchleben.  In Anbetracht solch starker interpersonalen Familiendynamiken ist es  nicht überraschend, dass <strong>Probleme bzgl. Individualisierung, Trennung und  Bindung </strong>häufig auftreten.</p>
<p>Empirische Forschung über den Prozess  der Transmission legt den Fokus weitgehend auf das von den Nachkommen  wahrgenommene überbeschützende elterliche Verhalten. Im Gegensatz zu den  Annahmen den oben beschriebenen Studien entwickelt sich ein  vieldeutiges Bild über den Zustand von parentalen  Holocaustüberlebenden. Einerseits berichten einigen Studien über einen  erhöhten Grad an Aufdringlichkeit, überbeschützendem Verhalten, Mangel  an Differenzierung, und Rollenkonfusion, welche die 2. Generation  daran gehindert haben könnte, eine gesunde Unabhängigkeitsentwicklung zu  durchleben.</p>
<p>Andererseits fanden andere Studien keine  signifikanten Unterschiede zwischen Kindern von Holocaustüberlebenden und  anderen Kindern bzgl. Der Einstellungen zu ihren Eltern. Kellermann  (2001a) fand in einer erst kürzlich durchgeführten Studie über  elterliches Verhalten von Holocaust-überlebenden, dass israelische Kinder  von Überlebenden ihre Eltern allgemein in einem positiven Licht sehen. Ausserdem zeigte sich, dass die Unterschiede zwischen Holocaust überlebenden und anderen israelischen Eltern bzgl. Zuneigung,  Bestrafung und über-beschützendem Verhalten sehr klein erscheinen. (if  taken as a whole?, S.214).</p>
<p>Trotz ihrer Hingebung und weitgehend  erfolgreichem Verhalten in der Kindeserziehung werden Holocaust überlebende als unfähig angesehen zu verhindern, dass der  Holocaust eine signifikante Einwirkung auf ihre Nachkommen hat. In  Anlehnung an die Funde dieser Studie hat die Vergangenheit der Eltern  weiterhin einen starken Einfluss auf die individuelle Entwicklung der  Nachkommen, welche spüren, dass sie den inneren Schmerz ihrer Eltern in  sich absorbieren. Es scheint, als ob sie eine Art emotionale Last ihrer  Eltern auf sich selbst übernommen haben welche einen grossen Einfluss auf  ihr Leben hatte. Beschrieben als „Rollen-Umkehr mit den Eltern“,  Verstrickung, „Eltern-Kind-Rollendiffusion“ oder „elterliches Kind“,  scheint der „Übertragungsfaktor“ in solchen Familien eine der  wichtigsten Charakteristika der Eltern-Kind Beziehung zu sein.</p>
<p><strong><span style="font-size: medium;">Content der Transmission</span></strong></p>
<p>Was wurde von Eltern, die den Holocaust überlebten, auf ihre Kinder  übertragen? Was sind die Charakteristika von Traumata, wenn es solche  gibt, die bei den Kindern von Überlebenden beobachtet werden können? In  der klinischen Literatur wird häufig die Annahme geäussert, dass eine  „zweite posttraumatische Stress-Störung“ übertragen wird, ausgehend von  dem Wissen, dass viele Holocausüberlebende an PTSD leiden und somit ihre  Nachkommen an einem Syndrom mit ähnlichem, jedoch leicht vermindertem  Ausmaß leiden werden (Barozas et al)</p>
<p>Beim freien Assoziieren  über den Holocaust zeigte sich, dass die Nachkommen scheinbar  stellvertretend von den entsetzenden Erfahrungen ihrer Eltern  traumatisiert waren, obwohl sie selber keine direkten Erlebnisse mit  diesem Thema hatten. Es wurde angenommen, dass solch eine direkte  „Transposition“ (Kestenberg, 1982) eines Traumas ererbt, vom Kind  absorbiert oder zugezogen wird, als ob der Verfolgungskomplex der Eltern  ansteckend wäre und die Nachkommen über mehrere Generationen hinweg  infizieren würde. Wie eine Übertragung (Carry over) der Vergangenheit  wurde dieses Trauma vermutlich verleugnet oder „vergessen“, trotzdem  wurde angenommen, dass dieses in emotional labilem oder gereiztem  Verhalten Ausdruck findet. Wenn Kinder also lernen, solche gestörten  Verhaltensweisen zu zeigen, die ähnlich zu denen ihrer Eltern sind,  zeigt sich eine direkte Transposition einer distinkten Störung (wie das  KZ-Syndrom, PTSD, Depressionen oder allgemeine Angststörungen). Auch  kann ein „Jahrestag Syndrom“ auftreten, an welchem die Nachkommen das  Trauma ihrer Eltern oder sogar Grosseltern zu dem Zeitpunkt  „nacherleben“, an dem sie sich im ähnlichen Alter oder am gleichen Tag  befinden, an dem das eigentliche Trauma Jahre zuvor stattgefunden hat.</p>
<p>Das Thema mit den grössten Unstimmigkeiten zwischen klinischen  Psychologen und Forschern stellt die Frage nach der Existenz oder  Nichtexistenz von spezifischen oder allgemeinen Manifestationen in der  Psychopathologie der Nachkommen von Holocaustüberlebenden dar. Während  Psychotherapeuten eine Reihe von charakteristischen Manifestationen von  emotionalen Qualen beobachten und beschreiben, gelang es Forschern  nicht, diese Beobachtungen mit objektiveren und reliableren Instrumenten  zu bestätigen. Ein aktueller Überblick (Kellermann, 2001b) über die  empirische Forschung des Umfangs von Transmission macht den Versuch,  frühere Funde über den mentalen Zustand der Kinder von  Holocaustüberlebenden mit aktuellen zu verbinden. Bei der  Zusammenfassung der Ergebnisse dieser Studien misslang es den meisten,  die Annahme zu bestätigen, dass die Nachkommen von Holocaustüberlebenden  im Vergleich zu Kontrollgruppen eine höhere Rate an Psychopathologie  vorweisen. 2/3 dieser Studien fanden keine oder nicht signifikante  Unterschiede bzgl. der mentalen Gesundheit von Nachkommen von  Überlebenden verglichen mit Kontrolgruppen. Lediglich 1/3 dieser Studien  fanden Unterschiede in einigen Messungen.</p>
<p>Wie  erwartet wurden in den Studien über die nichtklinischen Gruppen keine  höhere Anzahl von Psychopathologie unter den Nachkommen gefunden. Unter  den Nachkommen in der klinischen Gruppe ist es weniger überraschend,  dass Zeichen von psychologischen Störungen in einer Reihe von Studien  vorgewiesen werden konnten. Diese Studien wiesen darauf hin, dass die  klinische Gruppe der Kinder von Holocaust überlebenden im Vergleich mit  anderen Personen mit emotionalen Problemen einige spezifische  Charakteristika vorzuweisen schienen. Diese beinhalten hauptsächlich  Schwierigkeiten im Umgang mit Stress (Coping) und eine höhere Anfälligkeit für  PTDS. Interessanterweise stimmen empirische Studien mit klinischen  Gruppen bei Vergleichen von Kindern von Überlebenden mit anderen Gruppen  weitgehend mit der umfassenden Anzahl von deskriptiven Studien überein.  Die Ergebnisse zeigen, dass in der ersten Gruppe spezifischen  Manifestationen psychiatrischer Symptome zu beobachten waren.</p>
<p>Die  obige Differenzierung zwischen klinischen und nichtklinischen Nachkommen  hat die Redundanz der früheren Ungleichheit zwischen Klinikern und  Forschern vorgewiesen. Jedoch, auch wenn sich die 2. Generation  allgemein nicht von anderen bzgl. Anzeichen von Psychopathologie  unterscheidet, manifestiert sich ihre latente Anfälligkeit für  psychologische Störungen nach gehäuften Stresssituationen mehr und mehr  (Dasberg, 1987). So scheinen die Nachkommen von Holocaustüberlebenden  eine sich widersprechende <strong>Mischung aus Verwundbarkeit und Elastizität</strong> zu  erleben, welche ähnlich ist zu der ihrer Eltern. Ausgezeichnete  Beschäftigung, soziale und emotionale Tätigkeit unter normalen  Umständen können von temporären Zuständen von Angst und Depression  unterbrochen werden, welche in Krisenzeiten einen klaren  „Holocaustbeigeschmack“ haben können.<br />
Im letzten Jahrzehnt wurden in  einer Reihe von Studien solche Anzeichen <strong>spezifischer Vulnerabilitäten </strong> bei Nachkommen von Holocaustüberlebenden gefunden.</p>
<p><strong><span style="font-size: medium;">Behandlung der 2. Generation</span></strong></p>
<p>In der Literatur sind eine Reihe von Behandlungsmethoden zu finden,  welche auch bei AMCHA angeboten werden, um die mentalen Schwierigkeiten  der Kinder von Holocaustüberlebenden zu lindern. Die meisten Prozeduren  schließen Wege mit ein, die Klienten zu ermutigen, Gefühle, Gedanken und  Assoziationen frei auszudrücken, welche bis dahin weitgehend verborgen  waren.</p>
<p>Aufgrund der Tatsache, dass viele Nachkommen von  Holocaustüberlebenden nur ein vages Bewusstsein über den Einfluss des  Holocaust auf ihr Leben besitzen, sind viele unfähig, eine passende  Erklärung für ihren scheinbar unberechtigten Ärger, ihre Angst und  Depressionen zu finden. Häufig wird deshalb psychoanalytisch orientierte  Psychotherapie angeboten, um zu erreichen, dass der un- oder  vorbewusste Prozess wahrgenommen werden kann, der die Übertragung des  Traumas von einer Generation zur nächsten vorantreibt.</p>
<p>Manchmal wird  Individualtherapie mit analytischer Gruppentherapie kombiniert. Aber  auch innerhalb der Gruppentherapie stellt eine Reihe von Orientierungen  bereit, wie expressive Formen von Musik, Kunst, Psychodrama und  Bibliographie. Der übliche Aspekt dieser Herangehensweisen ist  dieser, dass die Kinder von Überlebenden Möglichkeiten bereitgestellt  bekommen, einen Einblick in die Wurzeln ihrer Probleme wahrzunehmen, was  gefolgt wird von einem allmählichen Prozess des Durcharbeitens und der  Reintegration des Problems. Die Methode der Gruppentherapie stellt  ein für die Kinder von Überlebenden passendes Setting dar, um  Erfahrungen zu vergleichen, sich so akzeptiert zu fühlen, wie sie sind  und um eine Identität der „2. Generation“ zu entwickeln.</p>
<p>Da ein  großer Teil der Probleme der 2. Generation aus Konflikten um ein &#8220;Verwobensein&#8221; (enmeshment)  bestehen, ist es ein Hauptanliegen der Therapie, bei der Lösung von den Eltern und dem Finden der eigenen Identität zu helfen. Wenn die Beziehung zwischen Eltern und Kindern so  eng ist, dass es unmöglich erscheint, die Gefühle des Anderen  wiederzugeben, ist professionelle Hilfe erforderlich, um solch eine  Unterscheidung zu lernen. Wenn Kinder demnach fühlen, dass sie mit der  Umgebung ihrer Holocaustüberlebendenfamilie nicht mehr umgehen können,  bedarf es der Hilfe, ihr Elternhaus, sowohl in der Realität als auch in  der Fantasie, verlassen zu können. Wie bereits beschrieben wurde ist  dies leichter gesagt als getan. Besonders in Familien, welche viele  traumatische Verlusste erleiden mussten und so viele Hoffnungen und  Erwartungen in die Nachkommen gesteckt wurden, stellt dies eine größe  Schwierigkeit dar.</p>
<p>Aufgrund dessen brauchen viele Patienten der 2.  Generation intensive Hilfe und Unterstützung, um solch einen  Identifikationsprozess Schritt für Schritt zu beschreiten.<br />
Gleichzeitig versuchen sie auch, sich von den lästigen, dunklen  Einflüssen der Holocausttraumata zu befreien, welche bei den Kindern von  Überlebenden häufig wiederkehren.</p>
<p>&#8220;Siegel der Erinnerung&#8221;: <a href="http://www.schoah.org/zweite-generation/wardi-0.htm"><br />
Über die Weitergabe des stummen Entsetzens</a><br />
Die »Gedenkkerzen« und die Wucht der seelischen Deformation der Opferkinder&#8230;</p>
<p>Dina Wardi: <a href="http://www.schoah.org/zweite-generation/wardi.htm"><br />
Siegel der Erinnerung</a><br />
In den letzten zwanzig Jahren meiner Tätigkeit als Psychotherapeutin habe ich, in einer Kombination von Einzel- und Gruppentherapie, Dutzende von Söhnen und Töchtern Holocaust-Überlebender behandelt&#8230;</p>
<p>Reden ist besser als Schweigen: <a href="http://www.hagalil.com/archiv/99/03/2nd-gener.htm"><br />
Auch die Enkel leiden am Holocaust</a><br />
Die Wunden des Holocaust bluten noch immer. Zu diesem Schluß kommen Psychotherapeuten, die mit den Kindern von Opfern und von Tätern des Nationalsozialismus arbeiten&#8230;</p>
<p>Ilani Kogan: <a href="http://www.schoah.org/zweite-generation/kogan.htm">Der stumme Schrei der Kinder</a><br />
In sieben ebenso eindrucksvollen wie verstörenden psychoanalytischen Fallstudien zeigt Ilany Kogan, wie Angehörige der sogenannten zweiten Generation, also Kinder von Überlebenden des Holocaust, auf ihre Weise an den schrecklichen Folgen einer Vergangenheit leiden, die nicht ihre eigene ist&#8230;</p>
<p>Posttraumatische Belastungsstörung: <a href="http://www.hagalil.com/archiv/2004/09/cannabis.htm"><br />
Cannabis gegen Kriegstrauma</a><br />
Der israelische Forscher Rafael Meshulam von der School of Pharmacy an der Hebräischen Universität zu Jerusalem, hat mit Cannabis gute Erfolge erzielt&#8230;</p>
<p>Die dritte Generation:<br />
<a href="http://www.schoah.org/auschwitz/enkel.htm">Enkel des Holocaust</a><br />
Ich  kann nicht mit Sicherheit sagen, warum ich  	meine Gedanken zum  Schicksal meiner Großmutter und zum Holocaust  	aufschreiben musste. Ich  hatte wohl das Gefühl, einen persönlichen Abschluss  	mit dem Thema  herbeiführen zu müssen, das mich schon so lange beschäftigt&#8230;</p>
<p><strong>Schlussfolgerung/Abschluss</strong></p>
<p>AMCHA hat ein reichhaltiges und einzigartiges Wissen über die  Spätfolgen von Holocausttraumatisierung und intergenerationaler  Übertragung entwickelt. Dieses Wissen beschränkt sich nicht nur auf die  Therapie von Holocausttraumatisierung, sondern kann auch darüber hinaus  angewand werden, wie z.B. bei der allgemeinen Behandlung von  Nachkriegsfolgen. Ob in Kambodscha, Ruanda, Bosnien oder anderswo, Opfer  von Gewalt an verschiedenen Orten der Welt könnnen von den gesamten  Erfahrungen von AMCHA profitieren. Dies bezieht sich nicht nur darauf,  wie die Überlebenden selbst mit psychosozialer Langzeittherapie  unterstützt werden können, sondern auch auf die Behandlung ihrer  Nachkommen, als auch auf Personen mit einer sekundären  Traumatisierung.</p>
<p><span style="font-size: small;"> </span><span style="font-size: xx-small;"><br />
</span></p>
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		<title>Child-Surviver: Überleben als Kind</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Mar 2011 16:07:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Psychotherapie]]></category>
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		<description><![CDATA[Den Krieg als Kind überlebt zu haben scheint eine fundamental andere Erfahrung zu sein als ihn als Erwachsener zu überleben. Kinder sind im Gegensatz zu Erwachsenen gleichzeitig verwundbarer als auch anpassungsfähiger. Sie erlebten die Schrecken des Krieges in vielen Etappen ihrer kognitiven, emotionalen und persönlichen Entwicklung und erlitten während der vielen Jahre prägende Erfahrungen&#8230; Von Natan Kellermann, AMCHA, übersetzt von Anna Jaitner. Quelle: Kellermann, Natan P.F. (2001). The Long-term Psychological Effects and Treatment of Holocaust Trauma. Journal of Loss and Trauma. 6:197-218. Zusätzlich eigneten sie sich eine große Zahl unterschiedlicher und aussergewöhnlicher Überlebensstrategien an, um mit extremer Deprivation und Traumatisierung fertigzuwerden. Es ist daher nicht überraschend, daß ein ziemlich variierendes klinisches Bild von Holocaustüberlebenden, die zu Kriegsende jünger als sechzehn Jahre alt waren (Durst, 1995) existiert. Wie erwartet spiegelt sich solche eine frühe Traumatisierung in der gesamten Lebensspanne des „Child Survivor“ wider und viele der früheren Strategien werden während des ganzen Lebens beibehalten. Am offensichtlichsten ist, daß sich die „Child Survivors“ fühlen, als ob sie daran gehindert wurden, eine normale Kindheit zu haben. Das führt dazu, dass es ein konstant bleibendes Streben gibt, s.p.207 welches nach (infantiler) Bedürfnisbefriedigung sucht. Auf Grund der Umstände, unter denen sie aufwuchsen, wurden sie zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Den Krieg als Kind überlebt zu haben scheint eine fundamental andere Erfahrung zu sein als ihn als Erwachsener zu überleben. Kinder sind im Gegensatz zu Erwachsenen gleichzeitig verwundbarer als auch anpassungsfähiger. Sie erlebten die Schrecken des Krieges in vielen Etappen ihrer kognitiven, emotionalen und persönlichen Entwicklung und erlitten während der vielen Jahre prägende Erfahrungen&#8230;<span id="more-3172"></span></p>
<p><em>Von Natan Kellermann, AMCHA, übersetzt von Anna Jaitner. Quelle: Kellermann, Natan P.F. (2001). <a href="http://www.amcha.org/Upload/folgen.pdf">The Long-term Psychological Effects and Treatment of Holocaust Trauma</a>. Journal of Loss and Trauma. 6:197-218.</em></p>
<p>Zusätzlich eigneten sie sich eine große Zahl unterschiedlicher und aussergewöhnlicher Überlebensstrategien an, um mit extremer Deprivation und Traumatisierung fertigzuwerden. Es ist daher nicht überraschend, daß ein ziemlich variierendes klinisches Bild von Holocaustüberlebenden, die zu Kriegsende jünger als sechzehn Jahre alt waren (Durst, 1995) existiert. Wie erwartet spiegelt sich solche eine frühe Traumatisierung in der gesamten Lebensspanne des „Child Survivor“ wider und viele der früheren Strategien werden während des ganzen Lebens beibehalten.</p>
<p>Am offensichtlichsten ist, daß sich die „Child Survivors“ fühlen, als ob sie daran gehindert wurden, eine normale Kindheit zu haben. Das führt dazu, dass es ein konstant bleibendes Streben gibt, s.p.207 welches nach (infantiler) Bedürfnisbefriedigung sucht. Auf Grund der Umstände, unter denen sie aufwuchsen, wurden sie zu „kleinen Erwachsenen“, mit frühreifer, vorzeitiger Verantwortung. Ein weiblicher „Child Survivor“ berichtete:</p>
<blockquote><p>„Ich hatte keine richtige Kindheit. Als Kind musste ich wie eine Erwachsene sein. Es war gefährlich, ein Kind zu sein. Ich musste das Kind in mir verstecken und so tun, als ob ich jemand anderes wäre. Deswegen sehnt sich das Kind in mir immernoch nach Anerkennung und Unterstützung. Menschen finden es jedoch komisch eine alte Frau zu treffen, die in Wirklichkeit nur ein Kind ist und ich bin vorsichtig damit, mein Geheimnis zu enthüllen. Wenn ich aber mit Kindern zusammen bin, fühlen sie es direkt.“</p></blockquote>
<p>„Child Survivors“ sind heute (2001) zwischen 55 und 70 Jahren alt, abhängig von ihrem Alter am Ende des Krieges. Es wäre vielleicht richtiger, diese Population in drei Subgruppen zu unterteilen:</p>
<ul>
<li>1. Säuglinge oder Kinder, die nicht älter als 6 Jahre alt waren</li>
<li>2. „Child Survivors“, die zwischen zwölf und sechzehn Jahren alt waren und</li>
<li>3. Jugendliche, die am Ende des Krieges zwischen zwölf und achtzehn waren.</li>
</ul>
<p>Offensichtlich macht das Alter einen großen Unterschied bzgl. der Entwicklungsphase aus, in der das Trauma stattgefunden hat, wie z.B. bzgl. der bereits erworbenen kognitiven Fähigkeit zu verstehen, was vor sich geht, oder der Fixationen, die in bestimmten <strong>Etappen des Erwerbs von Vertrauen und Mißtrauen, Autonomie und Zweifel, Schuld und Identität</strong> auftraten. Anscheinend sind die Umstäde umso traumatischer und das Einwirken der Kriegserlebnisse um so schädigender, je jünger der/die Überlebende war. Im Folgenden werden einige der Probleme angeführt und erläutert, mit denen „Child Survivors“ zu kämpfen haben:</p>
<ul>
<li>a. erlernte Hilflosigkeit;</li>
<li>b. Verlassensein und Isolation;</li>
<li>c. unterbrochene Trauer um Verlusterlebnisse;</li>
<li>d. Identitätsprobleme;</li>
<li>e. Gedächtnisverluste und</li>
<li>f. primitive Verteidigungsstrategien s.p. 208</li>
</ul>
<p>Dadurch, dass die „Child Survivors“ sehr früh in ihrem Leben lernten, dass ihr Schicksal durch äußere Kräfte gesteuert wird, über die sie keine Kontrolle haben, entstand ein starkes Gefühl von erlernter Hilflosigkeit und Opfer-Gefühlen, indem sie sich als in der Gewalt von Anderen empfinden. Zusätzlich wird der Mangel an Sicherheit, Vorhersagbarkeit und Vertrauen gepaart mit überwältigender Angst, Machtlosigkeit und Verlust an Kontrolle zu einer permanenten Lernerfahrung, die ihr <strong>Gefühl von Unabhängigkeit und Autonomie beeinträchtigt</strong>.<br />
Des weiteren gibt es ein innewohnendes Gefühl von Verlassensein, existentieller Einsamkeit oder einer vagen <strong>Empfindung von Nichtgewolltsein</strong>, was zur Folge hat, dass manche „Child Survivors“ ständig meinen, ihren Wert beweisen zu müssen. Nach all den Jahren fühlen sie sich immer noch danach, sich verstecken zu müssen und empfinden eine starke <strong>Isolation</strong> von Anderen und sich selber. Das verstärkt die selbstauferlegte Stille und die Unterdrückung ihren Innenlebens, bis sie spüren, dass die Außenwelt sie so akzeptiert, wie sie wirklich sind. Miteinander in Konflikt tretende Gefühle wie Schuld, die Eltern und Geschwister zurückgelassen zu haben werden vermischt mit Wut darauf, nicht richtig beschützt worden zu sein.</p>
<p>Die zahlreichen und frühen Verluste von Eltern und Kindern verfolgen die „Child Survivors“ ihr ganzes Leben hindurch. Kinder wurden auf vielen verschiedenen und schmerzhaften Wegen von ihren Eltern und Geschwistern getrennt. Sie wurden an Pflegeeltern oder Klöster übergeben und in falsche Namen umbenannt. Sie wurden aus Zügen geworfen oder auf Dachböden, in Kellern oder Wäldern zurückgelassen und versteckt. Sie wurden in Züge gesteckt und in weit entfernte Länder gebracht, oder sie wurden auf brutale Weise von ihren Eltern in Konzentrationslagern getrennt. Selten war es möglich gewesen, auf Wiedersehen zu sagen.</p>
<p>Für viele „Child Survivors“ bleibt der unterbrochene Kummer mit einer häufigen und langanhaltenden Tendenz, die überwältigenden Verluste zu leugnen ein lebenslanger Kampf. Daraus resultiert, dass normale Trennungen im Laufe des Lebens auch weiterhin als sehr belastend empfunden werden, wodurch<strong> zwischenmenschliche Beziehungen immer an der Oberfläche gehalten</strong> werden.</p>
<p>Häufig treten bei den „Child Surivors“, die dazu gezwungen wurden, während des Krieges eine andere Identität anzunehmen, Identitätsprobleme auf. Während einer entscheidenden Phase ihrer Jugend wurden solche Kinder einer radikal anderen Sozialisation ausgesetzt, die in jedem Fall zu Identitätsverwirrungen, im schlimmsten Fall zu einer vollständigen Unterdrückung ihres früheren Selbst führen kann. In einigen der neueren Fällen wird es für viele Jugendliche nach dem Krieg schwierig, zu ihren eigentlichen Familien zurückzukehren und ihre ursprünglichen Namen wieder anzunehmen.</p>
<p>Der Verlust von Erinnerungen hinterlässt eine Leere in der inneren Welt der jugendlichen „Child Survivors“. Die Abstinenz jeglicher Kindheitserinnerungen führt zu einem Bruch in dem natürlichen Lauf einer Lebenserzählung.</p>
<p>Minderjährige „Child Survivors“ suchen also weiterhin mit Inbrunst nach etwas in sich selbst oder außerhalb von ihnen, was Spuren der Vergangenheit und ihrer Eltern zurückbringen kann. Sie suchen nach nichtsprachlichen Zeichen, wie z.B. bekannte Gerüche, ein Geräusch oder ein Bild, dass ein paar Fragmente des Hauses der Mutter, des Vaters oder des eigenen heraufbeschwört, um etwas ihrer verlorenen Kindheit wiederzuerleben und zu spüren. Ein „Child Survivor“, der von seinen Eltern getrennt wurde und von welchen er in seinen ersten fünf Lebensjahren keine Erinnerungen hat, erinnert nur eine einzige Sache seiner Kindheit: das Laufen im Matsch umgeben von Soldaten. Jemand hielt seine Hand, ohne zu wissen, wer dieser jemand war. Er erinnert nur, dass er fallen musste und dass jemand ihm hilft. Nach mehr als 50 Jahren fühlt sich der“Child Survivor“ noch immer als ob er tief im Schlamm liefe und nach Hilfe suche, dass jemand seine Hand hielte, um ihm den Weg zu weisen.</p>
<p>Ein Ergebnis des überwältigenden Schmerzes, der Machtlosigkeit und Isolation ist die häufigste Entwicklung von primitiven Abwehrmechanismen unter den „Child Survivors“, um emotional überleben zu können. Solche Verteidigungsmechanismen dienten, um sich nicht zu verraten s.p. 209, sowie darum, keine Gefühle zu zeigen, denn „Kinder die weinten, starben.“ Wenn aber die Wahrnehmung der Realität zu bedrohlich und überwältigend wurde, hinterließ dies „sprachloses Entsetzen“,… hinter den Worten. Somit wurden Gefühle häufig dissoziiert oder vollständig vergessen. Im Erwachsenenalter manifestiert sich dies manchmal in einer Form emotionaler Abkapselung, psychischer Taubheit und totaler Amnesie. Weniger dramatische Überlebensstrategien, die auch noch im Erwachsenenalter auftreten können, ist der Drang nach „Nichtgesehen werden wollen“, Nichtauffallen, leise, folgsam und brav zu sein. Ein 13-jähriges Mädchen sitzt nach einem Progrom, bei dem ihr Vater verhaftet und bei der Polizei geschlagen wurde, auf einer Fensterbank, offenbar unbeeinflusst von der Außenwelt. Sie liest ein Buch und lässt ihre überwältigenden Emotionen eingeschlossen, als wäre sie nicht da. Die emotionale Entwicklung hörte jedoch zu diesem Zeitpunkt auf. Sie gründete nie eine eigene Familie und es scheint als ob sie selbst jetzt noch, mit Ende sechzig, auf der Fensterbank säße um auf die Rückkehr ihres Vaters zu wartet.<br />
Während Childsurvivors häufig zu angepasst und „funktionstüchtig“ sind, bilden diese eine Gruppe, die ein hohes Risiko für emotionale Instabilität und Qualen in sich trägt (Dasberg, 1987). Einige sind auf eine besessene Weise besorgt um ihre unantastbaren Erinnerungen an die Vergangenheit, während andere diese vollständig zu vermeiden versuchen. Wenn sie dazu aufgefordert werden, immer widerkehrende Stresssituationen zu bewältigen, tendieren sie dazu, die schmerzvollen Momente der Vergangenheit von Trennung und Verlust wiederzuempfinden und an temporären Dysfunktionen im Verhalten und steigender Angst und Depressionen zu leiden.</p>
<p>Das klinische Bild von Childsurvivors des Holocaust scheint in vielen Bereichen den oben erwähnten PTSD Charakteristika zu ähneln, welches eine Reihe von traumatischen Erlebnissen über eine lange Zeitspanne miteinbezieht. Typischerweise manifesteieren sich viele verschiedene Persönlichkeitsstörungen durch Verhaltenshemmungen in frühen Jahren des Lebens, indem die Struktur der Erwachsenenpersönlichkeit von unerfüllten Bedürfnissen des traumatisierten Kindes dominiert wird. So ist Mißtrauen in Beziehungen ein häufig hinzukommender emotionaler Bestandteil.</p>
<p><strong>Behandlung von Childsurvivors</strong></p>
<p>Solche emotionale Charakteristika machen die Behandling von Erwachsenen, die als Kinder traumatisiert wurden, zu einer heiklen Angelegenheit. Über den offensichtlichen Focus auf unterstützende Therapie hinaus gibt es große Unterschiede sowohl im Ansatz als auch in der Dauer auf die eine solche therapeutischen Strategie angelegt wird. Für den Anfang werden zögernden Klienten zu kurzen Sitzungen eingeladen, um eine Umgebung zu schaffen, in der ein Erinnerungsprozess, Problemlösen und Symptomlinderung autreten kann. Das Ziel einer solchen Sitzung besteht darin, den Klienten in ein emotionales Gleichgewicht zu bringen und adäquates functioning so schnell wie möglich zu erreichen.</p>
<p>Zu diesem Zweck werden existierende Schutzmaßnahmen und Bewältigungsmechanismen in einem Rahmen von positivem Denken und kognititvem refraiming gestärkt. Außerdem werden die Klienten dazu ermutigt, Stressquellen in der Gegenwart ausfindig zu machen, die physische Reaktion auf solchen Stress zu beobachten und Wege zu finden, um die überwältigenden Gefühle zu kontrollieren. Zu diesem Zweck können Entspannungstraining, Meditation, Traumreisen, Desensibilisierungsprozeduren und ähnliche Techniken angewand werden. Da häufig emotional schmerzhaft besetztes Material nicht mit Worten zu beschrieben möglich ist…, bieten sich s.p. 210 expressive Therapien, wie Kunst, kreatives Schreiben, Musik und/oder Bewegungstherapie an. Gruppeninteraktionen und gemeinsames Teilhaben kann fördernde Ressourcen liefern, um mit dem Druck im Leben fertig zu werden.</p>
<p>Während der Zweck solch einer einleitenden Sitzung aus einer Linderung von Symptomen und/oder Lösung von gleichzeitig auftretenden familiären Problemen besteht, muss die Behandlung von Childsurvivors zu guter Letzt auch den Umgang mit der Erfahrung des Holocaust selbst einbeziehen. Deshalb wird eine<strong> explorative psychotherapeutische Methode </strong>vorgeschlagen, um einige unterdrückte oder dissoziierte Erinnerungen der traumatischen Kindheit durchzuarbeiten. Infolge der zweifelhaften Wirksamkeit von klassischer psychoanalytischer Therapie mit diesem Klientel basiert explorative Langzeit Psychotherapie häufig eher auf einer Art Psychology of the self, als auf den nach Innen gerichteten Focus zur Interpretation von unbewußten Konflikten. Schritt für Schritt zielt solch eien Therapie darauf ab, das Selbst zu stärken, damit es achtsamer und fähiger wird, um überwältigende Gefühle zu regulieren. Dies kann den Childsurvivors helfen, das schreckliche Ereignis von Verlassensein und gewaltsamen Trennungen von ihren engen Verwandten letztendlich zu bearbeiten.</p>
<p>Der Prozess der Vorwärts- und Rückwärtsbewegung zwischen Kummer/Traurigkeit und Zorn/Amgst steht im Mittelpunkt von Traumata (Shoshan, 1989, p. 193). Bis zu diesem Zeitpunkt, wo solche Erinnerungen an die Oberfläche gebracht werden&#8230; s.p. 211</p>
<p>Aus diesem Grunde sollten traumatische Erlebnisse innerhalb einer haltgebenden vertrauensvollen Umgebung langsam aufarbeitet werden, in welcher der Therapeut die Rolle einer guten Elternfigur einnimmt, die den Klienten beschützt, beruhigt und ermutigt. Durch stellvertretende Identifikation mit der elterlichen Seite des Therapeuten ist der Childsurvivor mit einer Art „korrektiver emotionaler Erfahrung“ versorgt, in welcher er/sie neue Kraft schöpfen kann, um mit Verlusten umzugehen. Außderdem kann solch eine Erfahrung ihm oder ihr zusätzlich neue Persektiven im Leben und neue Identifikationsmöglichkeiten bereitstellen.</p>
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		<title>Amcha: Hilfen für Überlebende des Holocaust</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Mar 2011 15:07:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zwischen den verschiedenen Gruppen und Individuen der Holocaustüberlebenden gibt es deutliche Unterschiede. So differieren z.B. ihre Persönlichkeiten vor dem Krieg, ihre verschiedenen traumatischen Kriegserlebnisse und ihre Wiederanpassung nach dem Krieg&#8230; Von Natan Kellermann, AMCHA, übersetzt von Anna Jaitner. Quelle: Kellermann, Natan P.F. (2001). The Long-term Psychological Effects and Treatment of Holocaust Trauma. Journal of Loss and Trauma. 6:197-218. Aufgrund all dieser Unterschiede ist ihre weit differierende Anfälligkeit und Elastizität bzgl. Stress am zutreffendsten, wenn es darum geht eine Einschätzung des Risikos bzw. der Empfänglichkeit für mentale Leiden abzugeben. Diese Variablilität ist für die Differenzierung zwischen klinischen und nichtklinischen Holocaustüberlebenden relevant. Während der größte Teil der Überlebenden ein unüblich hohes Maß an psychischer Stärke zeigt, um die Folgen ihrer traumatschen Erfahrungen und zahlreichen Verluste zu überwinden (viele kämpften als Soldaten in israelischen Kriegen und halfen, den Staat nach seiner Gründung in jedem möglichen Bereich mitzuformen), litt eine klinische Minderheit weiterhin an Depressionen, irrationalen Ängsten, Schlafstörungen und psychosomatischen Symptomen, welche eindeutig auf die Naziverfolgung zurückzuführen sind. Im Folgenden sollen einige typische Beispiele erläutert werden. Eine achtzigjährige Holocaustüberlebende wurde von ihrere Tochter an AMCHA verwiesen auf Grund ihres übertriebenen Vorrats an Nahrung. Seit Jahren war dies eine für sie übliche Tätigkeit gewesen, stets [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zwischen den verschiedenen Gruppen und Individuen der Holocaustüberlebenden gibt es deutliche Unterschiede. So differieren z.B. ihre Persönlichkeiten vor dem Krieg, ihre verschiedenen traumatischen Kriegserlebnisse und ihre Wiederanpassung nach dem Krieg&#8230; <span id="more-3166"></span></p>
<p><em>Von Natan Kellermann, AMCHA, übersetzt von Anna Jaitner. Quelle: Kellermann, Natan P.F. (2001). <a href="http://www.amcha.org/Upload/folgen.pdf">The Long-term Psychological Effects and Treatment of Holocaust Trauma</a>. Journal of Loss and Trauma. 6:197-218.</em></p>
<p>Aufgrund all dieser Unterschiede ist ihre weit differierende Anfälligkeit und Elastizität bzgl. Stress am zutreffendsten, wenn es darum geht eine Einschätzung des Risikos bzw. der Empfänglichkeit für mentale Leiden abzugeben. Diese Variablilität ist für die Differenzierung zwischen klinischen und nichtklinischen Holocaustüberlebenden relevant. Während der größte Teil der Überlebenden ein <strong>unüblich hohes Maß an psychischer Stärke</strong> zeigt, um die Folgen ihrer traumatschen Erfahrungen und zahlreichen Verluste zu überwinden (viele kämpften als Soldaten in israelischen Kriegen und halfen, den Staat nach seiner Gründung in jedem möglichen Bereich mitzuformen), litt eine klinische Minderheit weiterhin an <strong>Depressionen, irrationalen Ängsten, Schlafstörungen und psychosomatischen Symptomen</strong>, welche eindeutig auf die Naziverfolgung zurückzuführen sind.</p>
<p>Im Folgenden sollen einige typische Beispiele erläutert werden.</p>
<blockquote><p>Eine achtzigjährige Holocaustüberlebende wurde von ihrere Tochter an AMCHA verwiesen auf Grund ihres übertriebenen Vorrats an Nahrung. Seit Jahren war dies eine für sie übliche Tätigkeit gewesen, stets war der Kühlschrank vollgepackt mit Essen, jedoch hatte diese Tätigkeit seit dem Tod des Ehemannes zugenommen. Die Situation verschlechterte sich noch mehr durch die Weigerung der Mutter, verdorbenes Essen wegzuwerfen, sowie durch deren Beschuldigung, die Tochter würde stehlen. “Dort hatten wir nichts zu essen, wie kannst Du unser Essen jetzt wegwerfen?”, fragte sie ihre Tochter, was diese so estaunte, dass sie nicht wusste, wie sie darauf reagieren sollte.</p>
<p>Ein älterer Mann konsultieerte AMCHA auf Grund von starken  Schlafstörungen. Jede Nacht erwachte er völlig durchnässt und es war ihm  unmöglich, wieder einzuschlafen. Schmerzhafte Erinnerungen des  Holocaust kamen wieder zurück, mit all ihren Begleitemotionen? und er  wurde überwaeltigt von Entsetzen. Er erzählte von immer wiederkehrenden  Albträumen, in denen ihn die Gestapo auf Motorrädern verfolgt. Für Juden  war es verboten, sich nachts draußen aufzuhalten und in seinem Traum  rennt er um sein Leben, bis er an die Tür seines Hauses ankommt, die er  verschlossen vorfindet. Während er vor der großen Tür steht, ruft er  nach seinem Vater, um ihm die Tür zu öffnen. Er schreit “Papa! Papa!”,  aber niemand öffnet ihm. Während er laut schreit wird ihm bewusst, dass  seine Frau versucht, ihn aufzuwecken und er realisiert, dass alles nur  ein Traum gewesen war. Danach war es ihm aber nicht möglich, mit den  Erinnerungen an seine getötete Familie wieder einzuschlafen und mit  Erinnerungen, an Dinge, die er unter Zwang tat, die er aber für  unverzeihlich hält. Die Tatsache, dass er noch am Leben war, war ein  absurder Unfall, weil das Leben für ihn seinen Sinn verloren hatte.  “Vorher war es Leben”, sagte er. “Heute ist es nur Vorhandensein”.</p></blockquote>
<p>Bei den Holocaustüberlebenden, die sich wegen einer psychiatrischen Behandlung an AMCHA wenden, wurden folgende zehn Charakteristika häufig beobachtet:</p>
<ul>
<li>a. massive Unterdrückung,…, Amnesien und Alexitymie;</li>
<li>b. zudringliche Erinnerungen, Holocaustbezogene Assoziationen und …;</li>
<li>c. Annedonia, Selbstmordidealisierung, Depressionen und chronische Trauerzustände;</li>
<li>d. Überlebendsschuld;</li>
<li>e. Schlafstörungen und Albträume;</li>
<li>f. Probleme bzgl. der Regulation von Ärger und dem Umgang mit zwischenmenschlichen Konflikten;</li>
<li>g. exsessive Sorgen, Ängste, Erwartungen einer Katastrophe? und Angst vor erneuter Verfolgung;</li>
<li>h. Misstrauen, Paranoia, Isolation, Mangel an Vertrauen und Einsamkeit;</li>
<li>i. Nutzung von Überlebensstrategien und</li>
<li> j. Eine niedrige Toleranzschwelle in schwierigen Situationen.</li>
</ul>
<p>Bei Holocaustüberlebenden sind habituelle Panikreaktionen am üblichsten, wenn der Auslöser in irgendeiner Weise den Holocaust symbolisiert. Solche holocaustbezogenen Auslöser können einige oder alle der folgenden darstellen: dicht gedrängte Züge, Bahnhöfe, medizinische Untersuchungen, ein Klopfen an der Tür, Uniformen, Ausrottung (von Insekten), die Farbe Gelb, Selektionen, Gas, Duschen, Stacheldrahtzaun, weggeworfenes Essen, (vor Allem Brot), Zäune, Grausamkeit, bellende Hunde, … oder Diskriminierung, Trennungen, der Geruch von verbranntem Fleisch, verschlossene Räume, Öfen, das Stehen in einer Reihe, Kälte, Musik von Wagner, die deutsche Sprache und deutsche Produkte im Allgemeinen.</p>
<p>Jeder dieser Reize kann eine gewaltige emotionale Reaktion bei Überlebenden hervorrufen, die sich zu diesem Zeitpunkt in eine lebensbedrohliche Situation während des Holocaust zurueckgesetzt fühlen. Aber auch glückliche Begebenheiten, wie Hochzeiten, jüdische Feiertage und Familienfeiern können plötzliche Reaktionen von Kummer evozieren und Erinnerungen an die immensen Verluste wiedererwecken und an all die Menschen, die nicht mehr leben, da sie auf brutale Weise getötet wurden. Daraus ergibt sich häufig eine sich widersprechende Anstrengung, sich einerseits zu erinnern, und gleichzeitig auch zu vergessen, beides mit dem Ziel, sich dem traumatischen Ereignis anzunähern und es zu vermeiden…. S202</p>
<p>Wie eine beschädigte Kassette, die immer wieder das selbe abspielt, werden auch schmerzhafte Erinnerungen und zudringlich erlebte Bilder immer wieder erlebt, während gleichzeitig eine bewusste Anstrengung unternommen wird, diese Erinnerungen zu vermeiden und nicht über sie nachdenken zu müssen. In diesem Verhalten zeigt sich, dass es <strong>im fortgeschrittenen Alter schwieriger</strong> wird, solche Schutzmaßnahmen zur Abwehr von Angst und Depression einzusetzen, als es in jungen Jahren erfogreich war. Allmählich oder plötzlich können die untilgbaren Wunden, die durch unmögliche? Entscheidungen über Leben und Tod während des Holocaust enstanden sind, aufbrechen und die Überlebenden können erneut später in ihrem Leben von einer Mischung aus Überlebensschuld und unterdrückter Aggression gequält werden. Während sie bis dahin alles unternommen haben, um ihren Schmerz zu verdecken und ihre erschreckenden Erinnerungen zu unterdrücken, erwachen jetzt alte Traumata wieder zum Leben und nicht zu Ende gebrachte emotionale Anliegen drängen nach Lösungen.</p>
<blockquote><p>“Als ich aus Buchenwald befreit wurde”, sagte ein Überlebender, “bestand der einzige Weg mein Leben fortzusetzen darin, indem ich die Vergangenheit hinter mir ließ. Ich gab mein Bestes nicht daran zu denken und nicht darüber zu sprechen, um so besser in der Lage zu sein, mit der Vergangenheit fertig zu werden. Ich beschäftigte mich mit anderen Dingen.”<br />
Die schien auch für mehr als fünfzig Jahre zu funktionieren, bis die Vergangenheit ihn einholte und dazu zwang, alles in seinen Träumen wiederzuerleben.</p></blockquote>
<p>Frühe Literatur über Holocaustüberlebende zeigte ein düsteres Bild von schwerer Symptomatik mit beträchtlichen affektiven, kognitiven und behavioralen Beeinträchtigungen. Die üblichen Beschwerden von Holocaustüberlebenden umfassten solche Symptome wie <strong>beharrliche Ängste, Furcht vor erneuter Verfolgung, chronische Depression, psychosomatische Symptome , Konzentrations- und Gedächtnisdefizite, mangelhafte Anpassung, Schlafstörungen mit erschreckenden Alpträumen und einer großen Schwierigkeit, die traumatischen Emotionen (oder Alexithymia) zu verbalisieren</strong>. Niederland, Chodoff, Eilington, Krystal et al. schlugen das Konzept des “<strong>KZ-Syndrom</strong>s” vor, welches diese spezifische Psychopathologie beschreibt (umfasst). Kritisiert wurde daran jedoch die Tatsache, dass die Beschreibungen nur auf nichtrepräsentativen klinischen Fallbeispielen basieren. Dasbergs Überblick (1987) einiger späteren vergleichbaren Studien, die auf Ergebnissen von nichtklinischen Teilen der Holocaustüberlebendenpopulation basierten s.p. 203 offenbarte ein gemischtes Bild bzgl. der Nachkriegsanpassung. … s.p. 203</p>
<p>Die Psychopathologie von Holocaustüberlebenden bleibt also ein kontroverses Thema. Jegliche Beschreibung dieser Generation als emotional gestört trifft auf starken Protest, … Entgegengesetzte Meinungen, dass diese Population nicht emotional gestört ist führt gleichermassen zu Protest.</p>
<p>Die Argumente erscheinen eher affektiv als informativ. Neben der Unterscheidung zwischen klinischen und nichtklinischen Menschen muss außerdem auch eine Differenzierung der Vielzahl der mentalen Leiden der Überlebenden vorgenommen werden. Es ist möglich, dass die klinische Gruppe der chronisch Kranken bereits vor dem Holocaust eine Disposition für schwere mentale Störungen hatte und so emotionale Probleme während des ganzen Lebens präsent bleiben. Die nichtklinische Gruppe bleibt beständiger, zeigt jedoch beim Unterziehen einer psychologischen Evaluation spezifische Holocaustbezogene Ideation.</p>
<p>Besonders in Zeiten von erneutem Stress und Traumatisierung scheinen jedoch alle Überlebenden anfällig für mentale Leiden zu sein. Die wahrscheinlich passendste Diagnose wäre das “<strong>chronic posttraumatic stress disorder</strong>”- Syndrom (<strong>PTSD</strong>), mit Depression als ein häufig damit verbundenes Merkmal (Kellermann, 1999).</p>
<p><strong>Behandlung von Holocaustüberlebenden</strong></p>
<p>Holocaustüberlebende wollen nicht wie psychiatrische Patienten behandelt werden und zeigen außerdem bzgl. Beratung und Psychotherapie häufig wenig Interesse. Die meissten bitten mit großem Zögern und Zweifeln um Hilfe. Wenn sie es tun ist ihr Bedarf an Linderung der aufgetretenen Symptome oft dringend. Es ist deshalb sehr wichtig, möglichst schnell eine vertraute Beziehung aufzubauen um Hoffnung zu geben, dass die Anstrengungen und Überwindungen Hilfe zu suchen, es der Muehe wert waren. Der häufigste Weg dies zu tun, ist sie fühlen zu lassen, dass sie so wie sie sind verstanden und akzeptiert werden, innerhalb eines Raumes von anderen Überlebenden. Eine wichtige Vorraussetzung für diese Art von Beziehung ist das Eintreten in die Privatsphäre des Patienten, um darin zu Hause zu sein. Dies ist ein zentraler Startpunkt für jede Art von intervenierender Behandlung bei AMCHA.</p>
<p>Nach dem Aufbau von Sicherheit und Vertrauen… s.p. 204 wird den Überlebenden zu Beginn des Kontaktes mit AMCHA vorgeschlagen, ihre Erlebnisse während des Krieges zu erzählen. Diejenigen Überlebenden, die ihre schmerzhaften Erinnerungen verdrängt haben, reagieren meistens ambivalent gegenüber solcher Aufforderung, ihre Geschichten wiederzugeben. “Warum alte Wunden öffnen und die Schmerzen wiedererleben? Warum die erschreckenden Gespenster der Vergangenheit zum Vorschein kommen lassen? Warum sollen wir sie nicht ruhen lassen? Was ist gut daran, sich in solch schreckliche Erinnerungen einzumischen, die vor so langer Zeit stattgefunden haben? Lass uns lieber vergessen und mit das Leben weiteleben, wie es heute ist!”</p>
<p>Diese Ambivalenz basiert z.T. auf des Schwierigkeiten, traumatische Erinnerungen zu verbalisieren, wie es von Elie Wiesel (1978) erfasst wurde: <strong>“Wie kann man über solche Dinge sprechen, ohne den Kopf zu verlieren und gegen die Wand zu schlagen? Es ist genauso unmöglich, darüber zu sprechen, wie nicht darüber zu sprechen. Zu viele Körper zeichnen sich auf unserem Horizont ab; sie wiegen auf jedem einzelnen unserer Worte, ihre leeren Augen halten uns in Schach. Jemand müsste ein neues Vokabular, eine neue Sprache erfinden, um zu sagen, was kein Lebewesen jemals gesagt hat.”</strong> (S.236).</p>
<p>Trotz dieses Widerstandes wollen die meisten Überlebenden heute ihre Geschichten erzaehlen, sobald sie fühlen, dass jemand da ist, der bereit ist, ihnen zuzuhören. Auch wenn es keine allgemeine Empfehlung gibt bzgl. Reden oder Schweigen, gibt es aus der Perspektive der Traumaheilung eine Übereinstimmung darüber, dass es besser ist, das bis dahin Verschwiegene herauszulassen, als zu versuchen, die schmerzhaften Erinnerungen zu unterdrücken und sie zu vergessen (Hermann, 1992). Mit anderen Worten ”Erinnern erhält Vorrang über Vergessen”. So ist das Erinnern an den Holocaust und das Bewusstsein seines Vermächtnisses mit Sicherheit ein essentieller Bestandteil der Unterstützung für die Überlebenden. s.p. 204</p>
<p>Aus individueller Sicht ist das Verlältnis zwischen Vergessen und Erinnern meistens nicht bewusst und nicht intendiert. Während die Überlebenden verzweifelt versuchen, eine Art innere Balance und emotionale Ausgewogenheit wiederzuerlangen, erleben sie das Trauma erneut in Form von lebhaften Erinnerungen und Albträumen. Das Reden über ihre Erfahrungen während des Holocaust im Rahmen einer Therapie kann ihnen paradoxerweise auch emotionale Erleichterung verschaffen. Eine Frau z.B. litt lange Jahre an Schlaflosigkeit und Albträumen. Sie träumte, sie wäre wieder im Lager und müsste sterben. Als sie anfing, über ihre Erinnerungen zu sprechen und sie aufzuschreiben, legten sich ihre Albträume und sie schlief besser. Es schien, als ob ihr die verbale Aufarbeitung ihrer Geschichte helfen würde. <strong>Das bloße Verbalisieren ihrer Erinnerungen und das Übersetzen von Gefühlen in Worte scheint die Reorganisation zu erleichtern, um die Gefühle dann besser zu ordnen und zu überdenken</strong> (Freud, 1958).</p>
<p>Während man über den Nutzen des Redens über den Holocaust mit den Überlebenden einig ist, bleiben einige Fragen offen, wie solche über die passende Behandlungsmethode dieser Population. Welche Therapiemethode sollte empfohlen werden? Was ist am besten für wen in welchem Kontext? Sollte man Lang-, Mittel-, Kurz- oder zeitbegrenzte Behandlungen empfehlen? In welchen Fällen können wir individuelle-, Gruppen-, Familien-, Milieu-, und/oder Psychopharmazeutische Behandlung vorschlagen? Sollte Psychotherapie unterstützend und anleitend, oder forschend und wiederaufgbauend sein? s.p. 205</p>
<p>Offensichtlich scheint es unmöglich zu sein, bei solch einer Vielfalt an sich offenbarenden Problemen irgendeine spezifische Empfehlung zu geben. Ferner ist hinsichtlich der reichen Literatur über Holocausttraumata vergleichsweise wenig über aktuelle Behandlungsmethoden geschrieben worden (Chodoff, 1980). Aus diesem Grund wird es in diesem Artikel lediglich möglich sein,<strong> allgemeine Richtlinien von bereits entwickelten Behandlungen zu beschreiben, sowie eine Liste von einigen vorgeschlagenen Methoden zu präsentieren</strong>.</p>
<p>Die Behandlung von älteren Holocausüberlebenden unterscheidet sich hinsichtlich einiger Gesichtspunkte von der ihrer jüngeren Geschwister, sowie von der kürzlich traumatisierter Personen. Mentale Qualen nehmen durch den Verlust von Familienangehörigen, durch die Gesellschaft von Kindern, verminderte Kraft und abnehmende physische Kapazitäten kombiniert mit der Rückkehr von Erinnerungen an den Holocaust zu. Um ihre persönlichen Wünsche und individuellen therapeutischen Bedürfnisse aneinander anzupassen, ergibt sich ein großes Angebot an Behandlungslternativen, für die Überlebenden, die zu AMCHA kommen.</p>
<p>Häufig angewandt wird eine Kombination aus psychologischen, sozialen sowie speziellen Beschäftigungsmethoden, welche individuelle und/oder Gruppentherapien, psychosoziale Milieutherapie und soziale Führsorgearbeit umfassen. Zusätzlich versucht AMCHA innovative Behandlungsmethoden zu entwickeln, und auch psychologische Dienste bereitzustellen, sodass die älter werdenden Überlebenden ihren neuentstehenden Bedürfnissen begegnen können.</p>
<p>Bei älteren, meist chronisch traumatisierten Menschen werden bescheidene Behandlungs- und therapeutische Ziele vorgeschlagen. Neben dem offensichtlichen Fokus auf die Linderung der Wunden des Holocaust verfolgt die Therapie zusätzlich das Ziel, den Menschen ihre Ängste vor dem Altern zu nehmen. Sie soll helfen, mit Depressionen umgehen zu lernen, sowie mit dem Kummer über den Tod von Familienmitgliedern und Freunden, mit Zurückgezogenheit und Lustlosigkeit, mit den Schwierigkeiten des Alleinlebens und der Abhängigkeit von Anderen, sowie mit dem immer näherrückenden Tod.</p>
<p>Um einige der zwischenmenschlichen Isolationen zu durchbrechen, um Haltung zu festigen s.p. 206 und um Rückzug und mentaler Desorientierung entgegenzuwirken, wird bei AMCHA eine Reihe von Gruppenaktivitäten, sowie soziale Clubs als auch Hausbesuche von Freiwilligen angeboten. Vorgeschlagen werden auch spezifische Rehabilitationsaktivitäten, wie geeignete Freiwilligenarbeit für schon pensionierte, jedoch noch aktive ältere Menschen oder das Nachkommen ihrer Hobbies, durch das Bereitstellen bestimmter Gelegenheiten wie Lesungen oder Diskussionen. Auch körperliche Übungen werden angeboten, einerseits als Entlastung von Muskelspannung, andererseits als ein Mittel um abzuschalten und nicht an emotional belastende Dinge zu denken. Soziale Fühsorgearbeit zielt darauf ab, eine Hilfestellung zur Lösung von Problemen häuslicher, gesundheitlicher, beruflicher oder gesellschaftlicher Art auf einer praktischen Basis bereitzustellen.</p>
<p>Passende Information und Anleitung ist manchmal alles, was eine ältere Person braucht, um Selbstrespekt und –genügsamkeit aufrechtzuerhalten. In Fällen von schwerer Depression, starken Ängsten und chronischen Schlafstörungen werden in der Psychotherapie häufig zusätzlich Medikamente hinzugefügt. Die folgenden Phasen werden bei der psychotherapeutischen Behandlung von Holocaustüberlebenden häufig durchlaufen. Die erste Stufe in der Therapie schließt das Errichten einer sicheren und vertrauensvollen Beziehung ein, in der sich die Überlebenden akzeptiert und verstanden fühlen. Hier bedarf es sowohl an besonderem Verständnis und Erfahrung auf Seiten des Psychotherapeuten, als auch an beträchtlicher Achtsamkeit bezüglich der eigenen „conterresponses“ s.p.206.</p>
<p>Anschließend werden die Überlebenden dazu ermutigt, ihre persönliche Lebensgeschichte zu erzählen, die Erinnerungen an Erfahrungen beinhalten, die vor, während oder nach dem Holocaust gemacht wurden, um diese dann mit der Gegenwart zu verbinden. Traumatische Vorkommnisse werden direkt angesprochen und, wenn möglich, werden auch die damit verbundenen Emotionen, Gedanken und physischen Empfindungen tiefgründig erforscht. Die emotionale Aufarbeitung dieser persönlichen Ereignisse (so wie diese erinnert werden) verfolgt also die Absicht der Rekonstruktion der tatsächlichen Ereignisse. Dies beinhaltet ausnahmslos eine Phase emotionaler Ventilation und Trauer um die zahlreichen Verluste in der Vergangenheit.</p>
<p>Schließlich wird ein Versuch unternommen, eine Art Entschluss oder Transformation der traumatischen Vergangenheit zu erreichen. Dies kann einige Verbindungen mit der bisher vernachlässigten traumatischen Vergangenheit miteinschließen, wie beispielsweise Gedächtnisfeiern, eine Veränderung der persönlichen Bedeutung des Holocaust, was sich z.B. durch eine tiefgründige Suche nach Bedeutung des Überlebens ausdrückt, was an die Stelle von Schuld tritt, oder auch die Integration des Traumas in die eigene oder Familiengeschichte, wenn das Vermächtnis des Holocausts an die nächsten Generationen weitergegeben wird.<br />
In diesem Stadium wäre <a href="http://buecher.hagalil.com/2008/11/frankl-1/">Frankls „Logotherapie“</a> geeignet, in der Überlebende ermutigt werden, existentielle Bereiche bezüglich der Bedeutung von Leben und Tod zu durchdenken. Natürlich ist eine Bearbeitung von Holocausttraumata nie vollständig. Es wird immer eine beträchtliche Menge an Zorn, Sorge, Angst und Sehnsucht nach einer anderen Realität bestehen bleiben. Jedoch kann auch ein Gefühl von Abschluss/Vervollständigung und Stolz entstehen das getan zu haben, was unter diesen spezifischen Umständen möglich war.</p>
<p><strong>PTBS: <a aria-describedby="ui-tooltip-1-content" href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3211838821/buchundjudenhaga"><br />
Die Posttraumatische Belastungsstörung </a><br />
</strong>„Zeit heilt nicht alle Wunden“ &#8211; die schweren Folgen des Psychotraumas  werden ebenso oft fehl-, wie überhaupt nicht diagnostiziert. Die psychischen  Folgen massiver traumatischer Ereignisse traten erst in den letzten Jahrzehnten  in den Mittelpunkt intensiver psychiatrischer Forschungsarbeit, obwohl sie schon  seit dem ausklingenden 19. Jahrhundert unter den verschiedensten Begriffen zur  Diskussion stehen&#8230;</p>
<p><strong>&#8220;Care, Cure and Justice&#8221;:<br />
<a href="http://www.hagalil.com/esra/esra-0.htm"> esra für Schoah-Überlebende</a></strong><br />
esra &#8211; hebräisch Hilfe &#8211; wurde 1991 in Berlin,  mehrheitlich von international bekannten ausländischen Fachkräften, für die  psychosozialen Folgen der Schoah ins Leben gerufen&#8230;</p>
<p><strong>Hilfe für die Überlebenden der  Schoah:<br />
<a href="http://www.hagalil.com/esra/amkha.htm"> AMCHA</a></strong><br />
Das bekannte Wort &#8216;AMKHA!&#8217; steht auch heute für die Hoffnung auf ein  verstehendes Gegenüber. Amcha bietet eine Möglichkeit für Überlebende und ihre  Kinder ihr Herz zu erleichtern und zu spüren, dass sie nicht allein sind&#8230;<strong></strong></p>
<p><strong></strong><strong>Die dünne Trennlinie:<br />
<a href="http://www.hagalil.com/01/de/Israel.php?itemid=2188"> Was träumten die Insassen von Konzentrationslagern?</a></strong><br />
Eines Tages beschloss Dov Freiberg, der im Konzentrationslager Sobibor  eingesperrt war, am nächsten Tag Selbstmord zu begehen. Nach der abendlichen  Überprüfung der Insassen, legte er sich auf einer Bodendiele schlafen und hatte  einen Traum&#8230;</p>
<p><strong>Allgemeine Psychotraumatologie:<br />
<a href="http://www.hagalil.com/esra/psychotraumatologie-01.htm"> Kulturpolitische Aspekte</a></strong><br />
Die Geschichte der Menschheit war von allem  Anfang an auch eine Geschichte individuellen Unglücks und gemeinschaftlicher  Katastrophen &#8211; Mord und Totschlag, Kriege und Hungersnöte, tödliche Epidemien  und natürliche Kataklysmen sind schon in den ältesten Schriften dokumentiert&#8230;</p>
<p><strong>Viel zu wenig Interesse an den Überlebenden:</strong><br />
<strong> <a href="http://www.schoah.org/zweite-generation/esra-1.htm"> Die Spätfolgen der Nazi-Verbrechen</a></strong><br />
Das Interesse an Ausbau der Behandlungsmöglichkeiten von Spätfolgen bei den  Überlebenden hing in hohem Maße von persönlicher Betroffenheit und persönlichen  Beziehungen ab. Der Idealismus und die erforderliche Beharrlichkeit, um bei  dieser Arbeit zu bleiben und sie weiterzuentwickeln, wurden immer wieder auf  harte Proben gestellt&#8230;</p>
<p><strong>Der Preis des Überlebens:<br />
</strong><strong> <a href="http://www.hagalil.com/archiv/2005/03/kz.htm"> Begrijpt u nu waarom ik huil?</a></strong><br />
Entstanden ist das bestürzende Porträt eines  Vaters, der unter dem Eindruck eines posttraumatischen Stress-Symptoms seine  Lagererfahrungen an seine Frau und seine Kinder weitergibt&#8230;</p>
<p><strong>Posttraumatische Belastungsstörung:<br />
<a href="http://www.hagalil.com/archiv/2004/09/cannabis.htm"> Cannabis gegen Kriegstrauma</a></strong><br />
Der israelische Forscher Rafael Meshulam von der  School of Pharmacy an der Hebräischen Universität zu Jerusalem, hat mit Cannabis  gute Erfolge erzielt&#8230;</p>
<p><strong>Versöhnung:<br />
<a href="http://www.hagalil.com/archiv/2005/04/bar-on.htm"> Mit Lebensgeschichten Feindschaften abbauen</a></strong><br />
Der israelische Psychologe Dan Bar-On sammelt  Erfahrungen mit psychosozialen Aussöhnungsprozessen&#8230;</p>
<p><strong>&#8220;Den Abgrund  überbrücken&#8221;:<br />
<a href="http://www.hagalil.com/archiv/2001/01/bar-on.htm"> Geschichten gegen den Hass</a></strong><br />
Nachdem der israelische Psychologe Dan Bar-On bereits Anfang der 90er Jahre in  einem außergewöhnlichen Projekt Nachkommen von Nazi-Tätern und Kinder von  Holocaust-Überlebenden zusammen gemacht hat, regte er auf Grundlage desselben  Prinzips 1998 eine neue Friedensinitiative an&#8230;</p>
<p><strong>TRT</strong>:<br />
<a href="http://www.nahost-politik.de/psychologie/dialog.htm"> <strong>Dialog mit dem Feind</strong> </a><br />
Beifall brandet auf. Zwei Männer schütteln sich die Hand. Die etwa tausend  Zuhörer in der Würzburger Kongresshalle erheben sich von ihren Plätzen. Damit  ehren sie die beiden Redner, Sami Adwan und Dan Bar-On&#8230;</p>
<p><strong>Depression und Familie:<br />
<a href="http://www.pharmacon.net/2008/depression-01.htm"> &#8220;Sie haben es doch gut gemeint&#8221;</a><br />
</strong>Die Wurzeln der Depression liegen in der Kindheit. Hier werden die  Verhaltensmuster vorbereitet, die sich später bei Erwachsenen hinter depressiven  Zuständen verbergen&#8230;</p>
<p><strong>Berliner Lektionen zu den Spätfolgen der Schoah:<br />
<a href="http://www.schoah.org/zweite-generation/esra-buch.htm"> Das Schweigen brechen</a></strong><br />
Die &#8220;Berliner Lektionen zu den Spätfolgen der  Schoah&#8221; sind schwerpunktmäßig in vier Teile unterteilt&#8230;</p>
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		<title>Holocaust und Trauma: Die Spätfolgen</title>
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		<pubDate>Sun, 20 Mar 2011 16:44:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Psychotherapie]]></category>
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		<category><![CDATA[Trauer]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Langzeitfolgen von Holocaust-Traumata sind weitreichend. Mehr als ein halbes Jahrhundert nach dem Krieg setzt der Holocaust seine Präsenz auf verschiedene Weisen fort. Wie eine Atombombe, die ihre Radioaktivität oft lange nach der aktuellen Explosion an weit entfernten Orten streut, vergiftet auch der Holocaust weiterhin jeden, der diesem Ereignis auf eine bestimmte Art und Weise ausgesetzt war. Bei älteren Überlebenden, die jahrelang beruflich exzessiv gearbeitet haben und damit beschäftigt waren, ihre schmerzhaften Erinnerungen zu unterdrücken, können im Laufe der Pensionierung, sowie auch durch Beeinträchtigung der Gesundheit erneut Albträume und Flashbacks auftreten… Von Natan Kellermann, AMCHA Übersetzt von Anna Jaitner. Quelle: Kellermann, Natan P.F. (2001). The Long-term Psychological Effects and Treatment of Holocaust Trauma. Journal of Loss and Trauma. 6:197-218. Die Überlebenden, die während des Krieges Kinder waren, ringen weiterhin mit ihren grundlegenden Unsicherheiten und mit der Trauer um ihre Eltern, die sie kaum oder garnicht kannten. Die Nachkommen dieser beiden Gruppen, die sogenannte “2. Generation” erreichen mehr Bewusstsein über den unterdrückten Schmerz, den sie indirekt durch ihre Eltern übernommen haben. … Sogar in der dritten Generation können Spuren von Holocaust-Assoziationen beobachtet werden, wenn sich diese auf die Suche nach ihren Wurzeln machen und die frühzeitig abgebrochenen Linien des Stammbaumes entdecken. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Langzeitfolgen von Holocaust-Traumata sind weitreichend. Mehr als ein halbes Jahrhundert nach dem Krieg setzt der Holocaust seine Präsenz auf verschiedene Weisen fort. Wie eine Atombombe, die ihre Radioaktivität oft lange nach der aktuellen Explosion an weit entfernten Orten streut, vergiftet auch der Holocaust weiterhin jeden, der diesem Ereignis auf eine bestimmte Art und Weise ausgesetzt war. Bei älteren Überlebenden, die jahrelang beruflich exzessiv gearbeitet haben und damit beschäftigt waren, ihre schmerzhaften Erinnerungen zu unterdrücken, können im Laufe der Pensionierung, sowie auch durch Beeinträchtigung der Gesundheit erneut Albträume und Flashbacks auftreten…<span id="more-3153"></span></p>
<p><em>Von Natan Kellermann, AMCHA<br />
Übersetzt von Anna Jaitner. Quelle: Kellermann, Natan P.F. (2001). <a href="http://www.amcha.org/Upload/folgen.pdf">The Long-term Psychological Effects and Treatment of Holocaust Trauma</a>. Journal of Loss and Trauma. 6:197-218.</em></p>
<p>Die Überlebenden, die während des Krieges Kinder waren, ringen weiterhin mit ihren grundlegenden Unsicherheiten und mit der Trauer um ihre Eltern, die sie kaum oder garnicht kannten. Die Nachkommen dieser beiden Gruppen, die sogenannte “2. Generation” erreichen mehr Bewusstsein über den unterdrückten Schmerz, den sie indirekt durch ihre Eltern übernommen haben. … Sogar in der dritten Generation können Spuren von Holocaust-Assoziationen beobachtet werden, wenn sich diese auf die Suche nach ihren Wurzeln machen und die frühzeitig abgebrochenen Linien des Stammbaumes entdecken. …<br />
Es scheint, als hätte Elie Wiesel (1978) Recht gehabt, als er konstatierte, die Zeit heile eben nicht alle Wunden, “denn es gibt einige, die schmerzhaft offen bleiben” (p.222).</p>
<p>Obwohl Holocaustüberlebende und ihre Familien sich starken Anstrengungen unterziehen, um ihr Leben fortzusetzen, ohne immer wieder an die schrecklichen Ereignisse der Vergangenheit erinnert zu werden, kehren traumatische Erinnerungen und ihre begleitenden Emotionen wieder und wieder zurueck. Judith Hermann beschreibt dies in ihrem Buch “Trauma und Wiederentdeckung”, 1992 so, dass “Grausamkeit sich dagegen wehrt, begraben zu werden” (p.1). Diese Grausamkeiten, die die bewussten und unbewussten Erinnerungen der Überlebenden und ihrer Nachkommen durchdringen, müssen vollständig erinnert, betrauert und verarbeitet werden, innerhalb einer sicheren, heilenden Bindung.</p>
<p>[Herman Lewis Judith: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/0465087302/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=buchundjudenhaga&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=0465087302">Trauma and Recovery: The Aftermath of Violence - from Domestic Abuse to Political Terror</a>]</p>
<p>Auf Deutsch: Herman Lewis Judith: <a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/387387525X">Die Narben der Gewalt &#8211; Traumatische Erfahrungen verstehen und überwinden.</a></p>
<p>Die Absicht des folgenden Artikels ist die Beschreibung der  Langzeiteffekte von Holocausttraumata der Überlebenden und ihrer  Nachkommen, sowie der Vorschlag möglicher Behandlungsstrategien für  diese Klienten. Aufbauend auf Gesprächen und Behandlungen Hunderter  solcher Betroffenen, sowie auf einer intensiven Auseinandersetzung mit  der relevanten Literatur, sollen auch Erfahrungen von AMCHA, dem  Nationalen Israelischen Zentrum für psychologische Unterstützung von  Holocaustüberlebenden und der 2. Generation, vermittelt werden. &#8230;</p>
<p>AMCHA (hebräisch/jiddisch fuer &#8220;dein Volk&#8221;) diente als Codewort, das  Juden im besetzten Europa half, sich gegenseitig zu erkennen. Seit der  Gründung von AMCHA im Jahre 1987 steht dieses in Israel für ein  Hilfsangebot, das versucht, Überlebenden und ihren Kindern eine  Möglichkeit zu geben, um ihre Herzen &#8220;auszuschütten&#8221; und zu erleichtern.  &#8230;</p>
<p>Warum brauchte man mehr als 40 Jahre nach dem Ende des Krieges, um  eine solche Organisation aufzubauen? Hierzu können einige Gründe genannt  werden. Erstens entwickelte sich nach dem <a href="http://www.hagalil.com/archiv/2011/03/16/eichmann-4/">Eichmann Prozess in Jerusalem </a>in den sechziger Jahren eine neue soziale Aufmerksamkeit bzgl. des Holocaust. Nachdem sie viele Jahre geschwiegen hatten, waren jetzt mehr Überlebende als je zuvor bereit zu sprechen und offen ihre Erinnerungen und ihr vorherrschendes Leiden mit anderen zu teilen. Durch das wachsende Interesse der jungen Menschen an der Vergangenheit ihrer Eltern, welches sich durch Fragen und der Suche nach Antworten äusserte, wurde an das Vermächtnis von Schuld und Scham gerührt. … S198</p>
<p><strong>Video: Der älteste Überlebende in Israel ist 106 Jahre alt.</strong><br />
<p><a href="http://www.pharmacon.net/2011/03/holocaust-und-trauma-1/"><em>Click here to view the embedded video.</em></a></p></p>
<p><span style="font-size: xx-small;"><em>When  the Nazi&#8217;s approached the small town of Brzozów in southern Poland,  Issachar&#8217;s mother gave him some bread and told him to escape in the  direction of the Russian border. The last sentence she told him was:  &#8220;Shochi, Zei nit fergessen zoy yiddishkeit!&#8221; (Issachar, don&#8217;t forget  your Jewish roots!). After that moment, he never saw her again. He heard  that she was killed together with the rest of the family in Auschwitz.  But the last words of his mother continue to follow Issachar during his  entire life until today and he views it as a precious legacy from his  mother. He learned the Holy Scriptures, practiced righteousness and was  also a cantor in the local synagogue for many years. In his advanced age  of today, however, Issachar is not able any longer to function on a  daily basis. After five strokes which left him almost totally paralyzed,  he is totally dependent on the help of a Philippine caretaker. But when  he gets home visits from Amcha, he lightens up and gets the spark back  in his eyes. As the old legacy of his mother is translated into action,  he finds expression for his Yiddishkeit again. It helps him to find  meaning with life despite all his difficulties, and helps him continue  to survive for another day. In the following clip (here), we see  Issachar sitting in his wheel chair, singing a moving hymn in which he  appeals to the Almighty: אל נא רפא נא לה !</em></span></p>
<p>Die psychologische Auswirkung von generationsuebergreifender Transmission von Traumata auf die Nachkommen wurde immer häufiger bestätigt. Des Weiteren wussten die Familien der Überlebenden von deren privaten und meist verheimlichten Leiden, während es nach aussen hin so schien, als führten sie ein normales Leben in guter Gesundheit. So kam in den achtziger Jahren ein Sinn für Dringlichkeit auf, um “jetzt oder nie” eine emotionale Hilfe bereitzustellen. Das Leiden des Alterns, Pensionierung, Krankheiten und Todesfälle der Ehepartner weckten neue emotionale Krisen, die das alte Trauma aktivierten. Das führte dazu, dass viele nach professioneller Hilfe suchten, teilweise zum ersten Mal in ihren Leben. So begann es, dass die Vielseitigkeit an psychologischen Bedürfnissen der Holocaustüberlebenden mehr und mehr anerkannt und bestätigt wurde, was auch Prof. Haim Dasberg (1987) in seiner Schrift “Psychologische Not von Holocaustüberlebenden und ihren Nachkommen in Israel, 40 Jahre danach” proklamiert. Jedoch stellten sich die Hilfestellen, die dafür bereitgestellt wurden, als insuffizient und überaus inadequat heraus. Es schien, als ob professionelle Hilfe genau diese Gruppe von chronischen Patienten meiden würde, ja eine Art “Holocaust-Opferphobie” entwickelt hätte. …   s199</p>
<p>Ein “Holocaustüberlebender” könnte grob als Person definiert werden, die als Jude unter Nazibesatzung während des 2. Weltkriegs verfolgt wurde und von der “Endlösung” betroffen/bedroht war, es jedoch schaffen konnte, am Leben zu bleiben. Dies umfasst Menschen, die in Ghettos eingesperrt waren, die als Zwangsarbeiter in Arbeitslager und/oder in Konzentrationslager verschleppt wurden, solche, die im Versteck oder unter falscher Identität überlebten, Flüchtlinge, die ihre Familien verlassen mussten, die mit Partisanen kämpften, die in Folge eines “Kindertransportes” weggeschickt wurden usw. All diese Menschen erlitten Traumata, indem sie in einem Zustand ständiger Bedrohung oder Tötung lebten, zahlreiche Verluste erleiden mussten, oder unter dem Schatten der Holocaustverfolgung leben mussten. Im Augenblick leben über 350.000 Holocaustüberlebende in Israel (Anm.: galt 2001, heute, 2011, 200.000). Wenn die Nachkommen und nahe Familienangehörige miteinbezogen werden, ergibt sich eine Zahl von einer Millionen Menschen, die direkt oder indirekt vom Holocaust betroffen sind. Auch wenn nur ein kleiner Anteil dieser Menschen anfällig für geistige Qualen ist, stellt diese Gruppe eine große Zahl an Menschen dar, die spezielle Hilfe benötigen, die bisher nicht bereitgestellt wurde.</p>
<p>Nach einem bescheidenen Anfang in Jerusalem beschäftigt AMCHA laufend (2001) über 130 professionelle Mitarbeiter (Sozialarbeiter, Psychologen, Bewegungstherapeuten, Psychiater und Beschäftigungstherapeuten). Diese arbeiten in den vier größten Städten Israels (Jerusalem, Tel-Aviv, Haifa und Beer Sheva), sowie in weiteren Städten und stellen eine Hilfe für tausende von Klienten dar. AMCHA wurde zum Pionier im Bereich der lebenslangen Leiden von posttraumatischem Stress. Viele ihrer Erfahrungen und Forschungen bzgl. der mentalen Gesundheit von Holocaustüberlebenden sind einzigartig. … Daraus resultiert eine reichhaltige Auswahl von Hilfen, die regelmäßig angeboten werden. (im Orig. siehe Table one)…</p>
<p><a href="../holocaust-und-trauma-2/" title="Permalink to Amcha: Hilfen für Holocaustüberlebende" rel="bookmark">2 &#8211; Amcha: Hilfen für Holocaustüberlebende</a></p>
<p class="excerpt">Zwischen<br />
 den verschiedenen Gruppen und Individuen der Holocaustüberlebenden gibt<br />
 es deutliche Unterschiede. So differieren z.B. ihre Persönlichkeiten<br />
vor dem Krieg, ihre verschiedenen traumatischen Kriegserlebnisse und<br />
ihre Wiederanpassung nach dem Krieg…<a href="../holocaust-und-trauma-3/" rel="bookmark"><span style="font-family: Georgia,Times,serif;"><br />
</span></a></p>
<p class="excerpt"><a href="../holocaust-und-trauma-3/" rel="bookmark"><span style="font-family: Georgia,Times,serif;"></span>3 &#8211; Child-Surviver: Überleben als Kind</a>
</p>
<p class="excerpt">Den<br />
Krieg als Kind überlebt zu haben scheint eine fundamental andere<br />
Erfahrung zu sein als ihn als Erwachsener zu überleben. Kinder sind im<br />
Gegensatz zu Erwachsenen gleichzeitig verwundbarer als auch<br />
anpassungsfähiger. Sie erlebten die Schrecken des Krieges in vielen<br />
Etappen ihrer kognitiven, emotionalen und persönlichen Entwicklung und<br />
erlitten während der vielen Jahre prägende Erfahrungen…</p>
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		<title>Tod eines Angehörigen: Trauernde erleiden Gesundheitskrisen</title>
		<link>http://www.pharmacon.net/2010/02/trauer/</link>
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		<pubDate>Sat, 13 Feb 2010 00:29:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Psychosomatik]]></category>
		<category><![CDATA[Depression]]></category>
		<category><![CDATA[EQ]]></category>
		<category><![CDATA[Herz]]></category>
		<category><![CDATA[Trauer]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine australische Untersuchung ist der Frage nachgegangen, warum Trauernde, die einen Nahestehenden verloren haben, häufiger an Herzkrankheiten erkranken&#8230; Der Verlust eines Menschen kann krank machen pte/18.09.2009/15:35) &#8211; Durchgeführt wurde die Untersuchung von Klinikern der Sydney Medical School und der Faculty of Nursery and Midwifery der Universität Sydney. Bisher wurden die Gründe für das erhöhte Erkrankungsrisiko im akuten Stress der Betroffenen gesehen, die weiteren Zusammenhänge blieben jedoch weitgehend unklar. Die Ergebnisse der Studie &#8220;Cardiovascular Risk in Bereavement&#8221; (CARBER) wurden bei der Konferenz der Australisch-Neuseeländischen Herzgesellschaft vorgestellt. &#8220;Bisher gab es keine aussagekräftigen Studien, die die Gesundheitssituation der Hinterbliebenen in den ersten Wochen nach einem Todesfall genauer untersuchten&#8221;, so Studien-Leitautor Thomas Buckley. CARBER sei die erste derartige Untersuchung, die quer durch alle Altersgruppen beider Geschlechter ging. Emotionen und Stimmungswechsel waren während dieser Zeit am stärksten. Generell litten die CARBER-Studienteilnehmer während dieser Zeit an Ängsten, Depressionen, Zornsymptomen, erhöhten Stresshormon-Werten sowie an verringertem Schlaf und Appetit. Bei den Untersuchungen von Buckley und seinem Team zeigten sich bei den Trauernden zudem auch eine Zunahme des Blutdrucks und der Herzfrequenz. Verändert waren auch die Immunantworten sowie die Blutgerinnung. All diese Veränderungen gebe es auch bei Menschen, die vor einem Herzinfarkt stehen. Ungefähr sechs Monate nach dem Todesfall [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eine australische Untersuchung ist der Frage nachgegangen, warum Trauernde, die einen Nahestehenden verloren haben, häufiger an Herzkrankheiten erkranken&#8230;<span id="more-1645"></span></p>
<p><strong>Der Verlust eines Menschen kann krank machen</strong></p>
<p><a href="http://www.pressetext.de">pte</a>/18.09.2009/15:35) &#8211; Durchgeführt wurde die Untersuchung von Klinikern der <a href="http://www.medfac.usyd.edu.au">Sydney Medical School</a> und der Faculty of Nursery and Midwifery der Universität Sydney. Bisher wurden die Gründe für das erhöhte Erkrankungsrisiko im akuten Stress der Betroffenen gesehen, die weiteren Zusammenhänge blieben jedoch weitgehend unklar. Die Ergebnisse der Studie &#8220;Cardiovascular Risk in Bereavement&#8221; (CARBER) wurden bei der Konferenz der Australisch-Neuseeländischen Herzgesellschaft vorgestellt. </p>
<p>&#8220;Bisher gab es keine aussagekräftigen Studien, die die Gesundheitssituation der Hinterbliebenen in den ersten Wochen nach einem Todesfall genauer untersuchten&#8221;, so Studien-Leitautor Thomas Buckley. CARBER sei die erste derartige Untersuchung, die quer durch alle Altersgruppen beider Geschlechter ging. Emotionen und Stimmungswechsel waren während dieser Zeit am stärksten. Generell litten die CARBER-Studienteilnehmer während dieser Zeit an Ängsten, Depressionen, Zornsymptomen, erhöhten Stresshormon-Werten sowie an verringertem Schlaf und Appetit. Bei den Untersuchungen von Buckley und seinem Team zeigten sich bei den Trauernden zudem auch eine Zunahme des Blutdrucks und der Herzfrequenz. Verändert waren auch die Immunantworten sowie die Blutgerinnung. All diese Veränderungen gebe es auch bei Menschen, die vor einem Herzinfarkt stehen.</p>
<p>Ungefähr sechs Monate nach dem Todesfall sei bei den meisten eine Verbesserung des Gesundheitszustands aufgefallen, obwohl einige Werte immer noch deutlich höher waren als in der Vergleichsgruppe der Nicht-Trauernden. Buckley berichtet auch über einige Fälle, bei denen sich der Gesundheitszustand auch nach längerer Zeit nicht verbesserte. </p>
<p>&#8220;Vielen Angehörigen hilft zunächst die Information über die genaue Todesursache des Verstorbenen&#8221;, meint der Gemeindearzt Christian Lehner im pressetext-Interview. Es sei wichtig für die Trauerarbeit. &#8220;Je mehr man sich mit der Aufarbeitung eines Todesfalles beschäftigt, desto besser ist es&#8221;, erklärt Lehner, der auch Erfahrung mit traditionellen samoanischen Medizin hat. In der traditionellen Medizin der meisten Völker gibt es eine intensive Auseinandersetzung nach dem Verlust eines Familienangehörigen. Das sei Teil des philosophischen Unterbaus. &#8220;Im Prinzip wäre das auch hier dringend zu empfehlen. An wen man sich hier wendet, ob es sich um eine Selbsthilfegruppe oder einen Psychologen handelt, ist egal, solange es gelingt das Thema aufzuarbeiten&#8221;, meint Lehner. </p>
<p>Hintergrund:</p>
<p>Polynesische Pflanzenheilkunde:<br />
Österreicher als Erforscher samoanischer Medizin</p>
<p>Der burgenländische Mediziner Christian Lehner beschäftigt sich seit einigen Jahren mit der traditionellen Medizin Samoas. Lehner, der als Arzt in Mattersburg tätig ist, hat neben seinem Medizinstudium auch Ethnologie und Psychologie studiert. Sein Werk &#8220;Die Heiler von Samoa &#8211; O Le Fofo&#8221;, das im Schweizer Peter Lang Verlag erschienen ist, zählt mittlerweile zu den Standardwerken über die bis dato selten beschriebene Heilkunde der polynesischen Inselgruppe.</p>
<p>&#8220;Das Buch beinhaltet eine umfassende Darstellung der medizinischen Glaubensvorstellungen und der medizinischen Praktiken, welche die Samoaner als die eingeborene Medizin bezeichnen und für ihre einheimische Heilkunde halten&#8221;, so Lehner. Der Autor war während der vergangenen Jahre mehrmals auf den Inseln Upolu und Savai&#8217;i, um die Medizin und die traditionellen Rituale zu studieren. Ein wesentlicher Aspekt für den Wissenschaftler stellt auch die Tatsache dar, die traditionelle Medizin als Kulturgut in Samoa zu erhalten. &#8220;Drohende Verwestlichung macht auch vor dem Inselstaat West-Samoa nicht halt&#8221;, so der Experte. &#8220;In Anbetracht der zunehmenden Abwendung der westlichen Medizin von der hoch technisierten Heilkunst erscheint die jahrtausende alte Medizin der polynesischen Völker, die vor allem in Samoa ihre ursprünglichste Form erhalten hat, als Alternative. Sie stellt eine beachtenswerte Form der medizinischen Heilkunst dar, deren Inhalte für Wissenschaft und Forschung bewahrenswert erscheinen&#8221;, führt Lehner aus.</p>
<p>Nicht nur die Ernährungsexperten, sondern auch die traditionellen Heiler sind davon überzeugt, dass sich der Gesundheitszustand der Polynesier nach der zunehmenden Zahl importierter Nahrungsmittel drastisch verschlechtert hat. &#8220;Mit Ausnahme von Reis sind damit in erster Linie Nahrungsmittel aus Europa und den USA verantwortlich&#8221;, so Lehner. Dazu zählen unter anderem neben Dosennahrungsmitteln auch Zucker und importierte Getränke wie Alkohol, Limonaden und Säuglingsmilchpulver.</p>
<p>Die Samoaner kennen als älteste Behandlungsform ihrer traditionellen Medizin auch vier verschiedene Arten der Massage. Eine davon wird beispielsweise bei Verstauchungen und Knochenbrüchen angewendet. &#8220;Die Samoaner besitzen ein ungeheuer großes Repertoire für die Behandlung von Krankheiten. Die große Zahl von Behandlungen ist jedoch einer beinahe dauernden Änderung unterworfen. Dazu zählt zum Beispiel auch die Verwendung neuer, eingeführter Pflanzen als Arzneimittel&#8221;, erklärt Lehner.</p>
<p>Lehner beschreibt in seinem Buch die verschiedenen Vorstellungen von der Philosophie des &#8220;Krankseins&#8221; und den Ursachen von Krankheit, aber auch die Glaubensvorstellungen der Heiler über den menschlichen Körper und seine Zusammensetzung. Dabei wird dem Leser die Grundlage der diagnostischen Praxis erklärt. Auch die einzelnen Heilmittel, angefangen von Pflanzen und ihren Bestandteilen bis hin zu Elementen wie Salzwasser, Quellwasser, roher Fisch und Muttermilch, werden erklärt. Als Heilmittel werden Blattasche, Rauch und Holzkohle verwendet. Das Werk enthält ein umfassendes Wörterbuch der samoanischen Sprache mit Schwerpunkt auf Körperteilen und Erkrankungen. Die Einführung in die Entstehungsmythologie der Erde und der Menschen stammt von Moelani Jackson, eine der angesehensten Heilerinnen der Inselgruppe.</p>
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		<title>Tränen: &#8220;Weinen zuzulassen ist der beste Trost&#8221;</title>
		<link>http://www.pharmacon.net/2008/12/weinen/</link>
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		<pubDate>Sun, 21 Dec 2008 00:48:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Trauer]]></category>

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		<description><![CDATA[Weinen kann in schwierigen Situationen sowohl zu einer Besserung des Gemütszustands führen als auch zu dessen Verschlimmerung. Wie sich Weinen auswirkt, hängt auch von äußeren Umständen ab, zeigten Psychologen der niederländischen Universität Tilburg&#8230; Ihre Analyse von 3.000 Weinsituationen außerhalb des Labors, deren Ergebnisse in der Fachzeitschrift &#8220;Current Directions in Psychological Science&#8221; veröffentlicht wurden, zeigt eher positive langfristige Folgen des Weinens. Äußere Umstände wie die Unterstützung einer anwesenden Person oder die Persönlichkeit des Weinenden sind demnach wichtige Kriterien. Weinen hilft dem Gemüt: Danach fühlen sich die meisten Menschen besser Weinen führt laut Studie in den meisten Fällen zu einer Besserung des Gemütszustands. Bei jedem Dritten stellte sich dieser Effekt jedoch nicht ein, jeder Zehnte fühlte sich nachher sogar schlechter als zuvor. Als positiv empfanden die befragten Personen, wenn sie beim Weinen nicht alleine waren, sondern von jemandem Unterstützung erfuhren. Problematisch war das Weinen hingegen bei Menschen, die an Angst- und Verwirrungszuständen leiden, sowie bei &#8220;gefühlsblinden&#8221; Menschen. Darunter werden Menschen verstanden, die eigene Gefühle kaum wahrnehmen und beschreiben können. Die Studienautoren vermuten, dass bei diesen Menschen der Mangel an Selbsterkenntnis die kognitive Umwandlung einer traurigen in eine positive Erfahrung verhindert. Die Wiener Psychotherapeutin Sonja Kinigadner beschreibt im pressetext-Interview zwei grundsätzlich verschiedene Formen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Weinen kann in schwierigen Situationen sowohl zu einer Besserung des Gemütszustands führen als auch zu dessen Verschlimmerung. Wie sich Weinen auswirkt, hängt auch von äußeren Umständen ab, zeigten Psychologen der niederländischen <a href="http://www.tilburguniversity.nl">Universität Tilburg</a>&#8230;<span id="more-213"></span></p>
<p>Ihre Analyse von 3.000 Weinsituationen außerhalb des Labors, deren Ergebnisse in der Fachzeitschrift &#8220;Current Directions in Psychological Science&#8221; veröffentlicht wurden, zeigt eher positive langfristige Folgen des Weinens. Äußere Umstände wie die Unterstützung einer anwesenden Person oder die Persönlichkeit des Weinenden sind demnach wichtige Kriterien.</p>
<p><strong>Weinen hilft dem Gemüt: Danach fühlen sich die meisten Menschen besser</strong></p>
<p>Weinen führt laut Studie in den meisten Fällen zu einer Besserung des Gemütszustands. Bei jedem Dritten stellte sich dieser Effekt jedoch nicht ein, jeder Zehnte fühlte sich nachher sogar schlechter als zuvor. Als positiv empfanden die befragten Personen, wenn sie beim Weinen nicht alleine waren, sondern von jemandem Unterstützung erfuhren. Problematisch war das Weinen hingegen bei Menschen, die an Angst- und Verwirrungszuständen leiden, sowie bei &#8220;gefühlsblinden&#8221; Menschen. Darunter werden Menschen verstanden, die eigene Gefühle kaum wahrnehmen und beschreiben können. Die Studienautoren vermuten, dass bei diesen Menschen der Mangel an Selbsterkenntnis die kognitive Umwandlung einer traurigen in eine positive Erfahrung verhindert. </p>
<p>Die Wiener Psychotherapeutin Sonja Kinigadner beschreibt im pressetext-Interview zwei grundsätzlich verschiedene Formen des Weinens. &#8220;Wohltuendes Weinen schafft Lösung, ermöglicht Abschied sowie Loslassen und ist Teil der Trauer. Ganz anders ist hingegen das ohnmächtige in sich hinein Schluchzen, das Gefühle wie Wut, Verzweiflung und Zorn ersetzen soll. Dieses kraftlose, depressive Weinen gibt kaum Aussicht auf Veränderung.&#8221; Die beste Unterstützung eines Anwesenden sei in diesem Fall, feinfühlig dem Weinen Platz zu geben. &#8220;Wer trösten möchte, soll nicht das Gefühl geben, dass gleich etwas verändert werden muss. Einfach dabei zu sein, zu verstehen und Zustimmung zu zeigen hinterlässt das Gefühl, dass das Weinen ankommt.&#8221; Wird das Weinen zum Dauerzustand und überschreitet es das Ausmaß der Belastung oder Trauer, sei es ratsam, professionelle therapeutische Hilfe zu suchen, so Kinigadner. </p>
<p>Die Erforschung des Weinens bedeutet hohe methodische Herausforderungen. Die niederländischen Psychologen wählten die Beobachtung außerhalb des Labors, um Scham und andere negative Gefühle zu reduzieren, die Beobachtung und Videoaufnahme bei zum Weinen gebrachten freiwilligen Testpersonen bewirken. Solche früheren Laborexperimente konnten jedoch die körperlichen Folgen des Weinens zeigen. Weinen verursacht zunächst unangenehme Erregungen, hohen Puls und Schwitzen, später setzen jedoch beruhigende Mechanismen ein wie die langsame Atmung. Diese positiven Effekte wirken länger als die anfängliche Anspannung, weshalb bei der Mehrheit der Betroffenen das Weinen in guter Erinnerung bleibt.</p>
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