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	<title>Pharmacon Net &#187; Vorurteil</title>
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	<description>Interaktion: Medizin und Psychologie, Pharmakologie und Pharmazie</description>
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		<title>Horst-Eberhard Richter: Psychotherapeut der Nation</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Jan 2012 15:14:43 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Zum Tode von Horst-Eberhard Richter (1923–2011)&#8230;<span id="more-3779"></span></p>
<p><em>Von Hans-Jürgen Wirth</em></p>
<p>Vor mehr als 40 Jahren, im Sommer 1970, ich war noch keine 20 Jahre alt, zog mich Horst-Eberhard Richters <em>Patient Familie</em> in einen wahren Leserausch. Neben Sigmund Freuds <em>Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse</em> und Erich Fromms <em>Die Furcht vor der Freiheit</em> bescherte mir dieses Buch eine Leseerfahrung, wie ich sie seit den Tagen meiner Hermann-Hesse-Lektüre nicht mehr erlebt hatte. Es eröffnete sich mir eine neue Welt, und in mir wurde die Neugier geweckt, die psychoanalytische Erkundung der komplexen Zusammenhänge zwischen Psyche und Gesellschaft (den Begriff »psychosozial« hatte Richter damals noch nicht geprägt) zum Zentrum meines weiteren Lebens zu machen. Was ich bei Richter las, wirkte – religiös gesprochen – fast wie eine Offenbarung. Ich erinnere mich tatsächlich noch immer an jenen Lese-Nachmittag, weil plötzlich meine Familie und meine mit ihr verknüpften Ängste und Konflikte so offen vor mir lagen. Seither hat mich die Frage, was die psychosoziale Welt im Innersten zusammenhält, nicht mehr losgelassen.</p>
<p><strong><img class="alignright size-medium wp-image-24061" title="Horst-Eberhard Richter" src="http://www.hagalil.com/archiv/wp-content/uploads/richter-216x300.jpg" alt="" width="216" height="300" />Biografisches</strong></p>
<p>Am 28. April 1923 in Berlin geboren, wächst Horst-Eberhard Richter als Einzelkind auf. Die Mutter schildert er als eine sehr emotionale Frau, die sich stark an ihn geklammert habe. Den Vater, ein erfolgreicher Ingenieur und Abteilungsleiter einer großen Firma, erlebt Richter als »stillen, in sich gekehrten Grübler«. Nach Hitlerjugend und Arbeitsdienst wird Richter 18-jährig zum Militär eingezogen und dient in einem Artillerieregiment an der Front in Russland. Kurz vor der Verlegung seiner Truppe nach Stalingrad erkrankt er lebensgefährlich an Diphtherie. Mit 22 Jahren gerät er in Kriegsgefangenschaft und erfährt erst bei seiner Rückkehr vom Tod seiner Eltern, die zwei Monate nach Kriegsende auf einem Spaziergang in der Nähe ihres Dorfes von zwei betrunkenen Russen ermordet worden waren.</p>
<p>Nach Studium der Medizin, Philosophie und Psychologie in Berlin promoviert Richter 1949 zum Dr. phil. und 1957 zum Dr. med. 1950 beginnt er seine psychoanalytische Ausbildung am Berliner Psychoanalytischen Institut, die er 1954 abschließt. Bereits fünf Jahre später, 1959, wird Richter Leiter dieses Instituts und übt diese Funktion bis 1962 aus. Gerade 41-jährig wird er 1964 zum Vorsitzenden der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV) gewählt und engagiert sich in dieser Position bis 1968.</p>
<p><strong>Eltern, Kind und Neurose</strong></p>
<p>Im Jahr 1963, ein Jahr nachdem er auf den zweiten deutschen Lehrstuhl für Psychosomatische Medizin, neben dem von Alexander Mitscherlich in Heidelberg, berufen worden ist, publiziert Horst-Eberhard Richter sein Buch <em>Eltern, Kind und Neurose. Zur Psychoanalyse der kindlichen Rolle in der Familie</em>, das kurioserweise als Habilitationsschrift abgelehnt worden war. Richter wird ohne Habilitation Professor und für drei Jahrzehnte Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Psychosomatische Medizin an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Sein Buch wird in den folgenden Jahren zum einflussreichen Grundlagenwerk für die neue psychoanalytische Behandlungsmethode der Familientherapie, die er im deutschsprachigen Raum als Erster entwickelt. Auf der Grundlage seiner Erfahrungen als leitender Arzt (1952 bis 1962) der »Beratungs- und Forschungsstelle für seelische Störungen im Kindesalter« am Berliner Kinderkrankenhaus im Bezirk Wedding hat er seine psychoanalytische Theorie formuliert, die es erlaubt, das Fehlverhalten von Kindern als symptomatischen Ausdruck unbewusster Konflikte zu verstehen, an denen die Eltern bzw. die ganze Familie leiden. »Die Rolle des Kindes«, schreibt Richter (1963, S. 73), »bestimmt sich also aus der Bedeutung, die ihm im Rahmen des elterlichen Versuches zufällt, ihren eigenen Konflikt zu bewältigen.« Der Konflikt des Kindes wird hervorgerufen durch die »Narzißtischen Projektionen der Eltern auf das Kind« (Richter 1960) – so der Titel seines Aufsatzes im <em>Jahrbuch der Psychoanalyse</em>, zu dessen Herausgeberkreis er bis zu seinem Tod gehört.</p>
<p>Diese Gedanken sind uns heute so vertraut, dass man sich kaum noch vorstellen kann, wie revolutionär – und damit sowohl anziehend als auch irritierend – sie damals sowohl auf die psychoanalytische Fachwelt als auch auf das interessierte Laienpublikum gewirkt haben müssen. Vergleicht man die psychoanalytische Paar- und Familientherapie mit anderen Formen der angewandten Psychoanalyse, wie beispielsweise der Gruppentherapie oder der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie, so findet die Paar- und Familientherapie noch immer nicht die Anerkennung durch die psychoanalytischen Fachgesellschaften, die ihr eigentlich zukommen müsste. Man kann die paar- und familientherapeutischen Konzepte durchaus als frühe Vorläufer der heute maßgeblichen psychoanalytischen Schulrichtung ansehen, die unter der Bezeichnung »relationale Psychoanalyse« bekannt ist. Der theoretische Vordenker der relationalen Psychoanalyse, der amerikanische Psychoanalytiker Stephen Mitchell, nimmt zwar in seinen Büchern immer wieder auf die grundlegende Bedeutung der Paardynamik Bezug, allerdings ohne den naheliegenden Schritt zum paartherapeutischen Setting zu gehen.</p>
<p>Als Richter 1970 sein zweites grundlegendes Buch zur psychoanalytischen Familientherapie <em>Patient Familie. Entstehung, Struktur und Therapie von Konflikten in Ehe und Familie</em> veröffentlicht, ist er bereits ein bekannter Autor und die psychoanalytische Familientherapie, als deren Nestor er in Deutschland gelten kann, befindet sich auf dem besten Wege, ein einflussreiches psychotherapeutisches Konzept zu werden. Während Richter mit seinem theoretischen Hauptwerk <em>Eltern, Kind und Neurose</em> wissenschaftliches Neuland betritt, entfaltet er in <em>Patient Familie</em> seine Meisterschaft als sprachgewandter Autor, der mit psychoanalytischer Einfühlung seelisches Leid zu beschreiben und in seine beziehungsdynamischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge einzuordnen weiß.</p>
<p><strong>Hoffnung auf einen neuen Weg, sich selbst und andere zu befreien</strong></p>
<p>Persönlich lernte ich Horst-Eberhard Richter 1970 zu Beginn meines Psychologiestudiums im Rahmen einer studentischen Initiativgruppe kennen, die in der Gießener Obdachlosensiedlung »Eulenkopf« sozialpolitisch und sozialpädagogisch tätig ist. Wie viele meiner sich im Aufbruch befindlichen Generation fühle ich mich durch Richters Gedanken angezogen, und seine in den 70er Jahren publizierten Bücher <em>Die Gruppe</em> (1972), <em>Lernziel Solidarität</em> (1974), <em>Flüchten oder Standhalten</em> (1976) und <em>Engagierte Analysen</em> (1978) begleiteten mich in diesen Jahren. <em>Die Gruppe</em> hat den Untertitel <em>Hoffnung auf einen neuen Weg, sich selbst und andere zu befreien. Psychoanalyse in Kooperation mit Gruppeninitiativen</em>. Dieses Buch ist Ausdruck des geistig-kulturellen Klimas der frühen 70er Jahre und bietet zugleich Interpretationen und Reflexionen an, um die mit dem Jahr 1968 angebrochene Zeitenwende und die damit einhergehende psychosoziale Neuorientierung besser verstehen und für die Gestaltung des eigenen Lebens nutzen zu können. Richter ist kein Anhänger der antiautoritären Studentenbewegung der Jahre 68/69, sondern ein Sympathisant der sanfteren Initiativ-, Alternativ- und Ökologiebewegung der 70er Jahre und der Friedensbewegung der 80er Jahre. Er greift die Aufbruchstimmung der 70er Jahre auf, reflektiert aber auch die inneren Brüche, die überzogenen Ansprüche, die wir an uns selbst und an andere stellen, und hilft auf diese Weise dabei mit, dass wir zu realistischeren politischen Konzepten kommen. Dies macht die damalige Bedeutung seines Buches aus.</p>
<p>Richter hat – anders als die meisten Autoren der damaligen Zeit, die sich mit dem Phänomen der Gruppe beschäftigten – sowohl deren politische als auch ihre psychologische und psychotherapeutische Bedeutung erkannt. Er hat deutlich gemacht, dass es sich hierbei tatsächlich um eine soziale Neuerfindung handelt: Der Typus der spontanen, hierarchiefreien und mit den Mitteln der Selbstreflexion sich organisierenden Gruppe stellt in der Tat ein gesellschaftliches Novum dar, das vom emanzipatorischen Teil der Jugend- und Studentenbewegung kreiert worden ist.</p>
<p>Für Richter ist die Psychoanalyse nicht nur eine tiefenpsychologische Behandlungsmethode, sondern, und vielleicht zuallererst, ein Instrument der Aufklärung einer sich sozialanalytisch begreifenden Wissenschaft von Mensch und Gesellschaft. Allein in den Jahren 1972 bis 1981 schreibt er die fünf Bücher, die diese neue Ära eines ganzheitlichen Konzepts von Psychoanalyse einleiten und quasi zur Pflichtlektüre für eine breite Schicht politisch aufgeklärter Bürger werden.</p>
<p><strong>Psychiatrie-Reform</strong></p>
<p>Von den sozialpolitischen Experimenten der 70er Jahre und den neuen Arbeitsansätzen der Initiativ-, Spontan- und Selbsthilfegruppen, von denen Richter inspiriert wird und die er seinerseits anregt, gehen weitreichende Innovationen im Bereich der psychosozialen Beratung und Therapie aus. Die Besinnung auf die psychischen und sozialen Voraussetzungen von Krankheit und Therapie und die Entwicklung eines auf das Psychosoziale bezogenen Gesundheits- und Krankheitsbegriffs sind ohne die kritischen Impulse aus der Initiativgruppen-Bewegung kaum vorstellbar. Es sind Anfang der 70er Jahre fast ausschließlich kritische Studenten, die sich den benachteiligten Gruppen der Gesellschaft, den Heimzöglingen, Obdachlosen, Psychiatriepatienten usw. zuwenden, das Gewissen der Gesellschaft wecken und sowohl die Öffentlichkeit als auch die Fachdisziplinen zwingen, sich mit diesen verdrängten Problembereichen auseinanderzusetzen. Maßgeblich beteiligt ist Richter an der Reform der deutschen Psychiatrie und Sozialpsychiatrie, wofür er 1980 den Theodor-Heuss-Preis erhält. Die in der Psychiatrie-Enquête als Modell der regionalen Selbstorganisation der psychosozialen Versorgungsdienste empfohlene »Psychosoziale Arbeitsgemeinschaft« wird beispielsweise auf Richters Vorschlag hin dort aufgenommen und ganz nach dem Modell der Initiativgruppe konzipiert. Richters Fähigkeit, jeweils von allen seinen Partnern etwas zu lernen und die in einem Feld gewonnenen Erkenntnisse auf andere Zusammenhänge zu übertragen, stellt eine seiner großen Stärken dar. Nachdem Richter in der Initiativgruppe einiges über die Kreativität von hierarchiearmen Spontangruppen erfahren hat, versucht er sofort, etwas von dem freien Geist, der diese Initiativgruppen prägt, in die institutionelle Struktur seines Psychosomatischen Zentrums und auch der »Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft« in Gießen zu integrieren.</p>
<p><strong>»psychosozial«: Von der Zeitschrift zum Verlag</strong></p>
<p>Durch seine zahllosen Bücher, Artikel, Vorträge und Interviews trägt Richter maßgeblich dazu bei, dass diese zukunftsweisenden Experimente keine Einzelerscheinungen bleiben. Dank seiner Funktion als Vermittler, Botschafter, Interpret und kritischer Begleiter der »Neuen Sozialen Bewegungen« – zu denen die Frauen-, die Ökologie- und die Friedensbewegung gehören – werden sie zu Vorläufern einer Bewusstseinsveränderung, die unsere Gesellschaft erheblich geprägt hat.</p>
<p>Zu seinen publizistischen Aktivitäten gehört auch die Gründung der Zeitschrift <em>psychosozial</em>, in deren Herausgeberkreis Richter mich früh holt. Aus <em>psychosozial</em> geht später der von mir gegründete <a href="http://www.psychosozial-verlag.de/">Psychosozial-Verlag</a> hervor, den Richter nachhaltig unterstützt, indem er uns seine Erfolgsbücher zur Zweitverwertung überlässt. Danach kommen als Erstausgaben <a href="http://www.amazon.de/Die-Krise-Männlichkeit-unerwachsenen-Gesellschaft/dp/3898065707/buchundjudenhaga"><em>Die Krise der Männlichkeit in der unerwachsenen Gesellschaft</em></a> (2006) und <a href="http://www.amazon.de/Die-seelische-Krankheit-Friedlosigkeit-heilbar/dp/3898068366/buchundjudenhaga"><em>Die seelische Krankheit Friedlosigkeit ist heilbar</em></a> (2008) heraus. Richter ist insofern Namensgeber des Psychosozial-Verlages, der sich der von ihm vertretenen Auffassung von Psychoanalyse verpflichtet weiß.</p>
<p><strong>Psychoanalyse und empirische Forschung</strong></p>
<p>Eine Vorreiterrolle hat Richter auch in Bezug auf die Kooperation von Psychoanalyse und empirischer Psychologie: Zusammen mit Dieter Beckmann entwickelt er bereits Anfang der 70er Jahre einen Persönlichkeitstest, bei dessen Konzeption psychoanalytisch relevante Kategorien besonderes Gewicht haben.</p>
<p>Dieses psychologische Testverfahren bekommt den Namen Gießen-Test (Beckmann/Richter 1972). Er wird in zahlreichen Untersuchungen verwendet, z. B. auch in der für die psychosomatische Medizin wegweisenden Studie über die »Herzneurose« (Richter, Beckmann 1969). Der Gießen-Test ist im deutschsprachigen Raum auch heute noch einer der am häufigsten verwandten Fragebögen zur Psychodiagnostik. Zusammen mit Elmar Brähler führt Richter periodisch Befragungen durch, mit denen die Befindlichkeit und die Einstellungen in der Bevölkerung erhoben werden. In weit über 1.000 Publikationen wird der Gießen-Test bislang zitiert. Er ist in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt. Mithilfe dieses Tests wird der Name Gießens buchstäblich in die weite Welt getragen – zumindest in die psychologische Fachwelt.</p>
<p>Die Existenz eines psychoanalytisch fundierten Tests, der auch bei den Methodikern der empirischen Psychologie Anerkennung findet, erlaubt ganzen Generationen von psychoanalytisch orientierten Forscherinnen und Forschern, sich in der empirischen Psychologie wissenschaftlich zu qualifizieren, ohne ihre psychoanalytische Orientierung aufgeben zu müssen. Viele psychoanalytische Kolleginnen und Kollegen verdanken ihre wissenschaftliche Karriere nicht zuletzt dem Gießen-Test und damit Richters frühzeitiger Öffnung der Psychoanalyse für die empirische Forschung. Auch in der Psychotherapie-Forschung wird der Gießen-Test häufig angewandt. Unter Richters Leitung betreiben wir schon in den 70er Jahren Psychotherapie-Verlaufsforschungen und katamnestische Studien, in denen wir die Wirksamkeit von Psychotherapie, beispielsweise die der Paar-Kurztherapie (vgl. Richter/Wirth 1978), untersuchen. Inzwischen sieht sich die Psychoanalyse unter dem Druck der Gesundheitsreform und in der stärker gewordenen Konkurrenz mit anderen psychotherapeutischen Verfahren genötigt, sich der Psychotherapie-Erfolgsforschung zu stellen.</p>
<p><strong>Friedensbewegung und IPPNW</strong></p>
<p>Bereits ab 1980 engagiert sich Richter in der Friedensbewegung und ist 1981 einer der maßgeblichen Gründer der westdeutschen Sektion der Ärzte gegen den Atomkrieg (IPPNW). Er beeinflusst die politische und inhaltliche Orientierung der bundesdeutschen IPPNW von Anfang an in Richtung Basisdemokratie und eines kollegialen Miteinanders. Das Engagement in der Friedensbewegung gewinnt immer größeres Gewicht in Richters Leben. Er verfasst die berühmte »Frankfurter Erklärung«, in der jeder Unterzeichner sich mit seiner Unterschrift dazu bekennt, sich jeglicher kriegsmedizinischen Schulung und Fortbildung zu verweigern. In etwas abgewandelter Form, als »New Physicians’ Oath«, wird diese Erklärung, nachdem Richter sie auf dem 2. IPPNW-Weltkongress in Cambridge eingebracht hat, von der Weltföderation übernommen. Im Jahr 1985, als das atomare Wettrüsten seinen Höhepunkt erreicht, erhalten die Internationalen Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges – und mit ihnen Horst-Eberhard Richter – den Friedensnobelpreis. Der Friedensnobelpreis dürfte die wohl höchste Ehrung sein, die man erhalten kann. Dennoch sind nicht alle begeistert von der Verleihung. Besonders in der damaligen deutschen Regierung unter Helmut Kohl ist die Empörung groß, dass eine Organisation, die man als »Moskau-gesteuert« bezeichnet, so geehrt wird. Richter grenzt sich immer gegen eine Vereinnahmung durch falsche Freunde ab, lässt sich aber umgekehrt durch Verdächtigungen auch nicht von seinem eigenen Weg abbringen.</p>
<p>Sein friedenspolitisches Engagement auf internationaler Ebene bringt Richter 1987 auch in Kontakt mit einer Arbeitsgruppe unter der Schirmherrschaft von Michail Gorbatschow. Zu dieser Vereinigung, die sich »für eine atomwaffenfreie Welt und für das Überleben der Menschheit« einsetzt, gehören unter anderem der russische Atomwissenschaftler und Menschenrechtler Andrej Sacharow, Ex-US-Verteidigungsminister und Weltbank-Chef Robert McNamara und der Gründer von Greenpeace, David McTaggart. Von den Projekten, die diese Gruppe ins Leben ruft, holt Richter eines an seine Klinik: Es geht um eine psychologische Untersuchung, in der 1.400 Studierende der Justus-Liebig-Universität Gießen und 1.000 Moskauer Studierende zu ihren Einstellungen, politischen Meinungen, Wünsche und Ängste befragt werden. Natürlich kommt auch der Gießen-Test zum Einsatz. Das zentrale Ergebnis dieser Untersuchung – die noch vor dem Ende des Kalten Krieges, noch vor der Maueröffnung stattfindet – gibt an, dass junge Russen und Deutsche sich psychologisch viel näher sind und viel weniger Vorurteile über den jeweils anderen haben, als die offizielle Politik vermuten lässt. Die Ergebnisse publiziert Richter 1990 in dem Buch <em>Russen und Deutsche. Alte Feindbilder weichen neuen Hoffnungen</em>. Wieder taucht das Wort Hoffnung in einem seiner Buchtitel auf.</p>
<p>Als die Friedensbewegung nach dem NATO-Krieg gegen Jugoslawien 1999 von den Medien für tot erklärt wird, organisiert Richter als Antwort darauf zusammen mit der IPPNW den Kongress »Kultur des Friedens« (Richter 1999): Die große Teilnehmerzahl demonstriert, dass die Friedensbewegung in Deutschland sich gewandelt hat, aber keineswegs gestorben ist.</p>
<p><strong>»Erinnern hilft vorbeugen«</strong></p>
<p>Die erinnernde Bearbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit stellt das zentrale Motiv für Richters politisches Engagement dar. Schon mit <em>Eltern, Kind und Neurose</em> hatte Richter ein theoretisches Konzept formuliert, mit dem die unbewussten Verstrickungen der Generationen, die transgenerationale Weitergabe von Traumata und von unbewussten Konflikten, psychoanalytisch verstanden werden konnte. Der Begriff der transgenerationale Weitergabe von Traumata sollte erst viele Jahre später von der Holocaustforschung geprägt werden, aber die zugrundeliegende Psycho- und Beziehungsdynamik wird von Richter bereits Anfang der 60er Jahre konzeptuell begriffen. Er selbst und andere Autoren haben diese Koinzidenz rückblickend auch so gesehen. Bemerkenswert ist allerdings, dass auch Richter seinerzeit die übergreifende historisch-politische Bedeutung seines Eltern-Kind-Konzepts nicht klar war. Der Holocaust und die anderen Verbrechen des Nationalsozialismus waren noch so abgespalten vom allgemeinen Bewusstsein, dass sie nicht thematisierbar waren. In »Patient Familie« drängt sich die latente Bedrohung durch das verleugnete Thema Nationalsozialismus noch eindringlicher auf, ohne dass es zu einer bewussten Thematisierung gekommen wäre. Die massenhafte Verbreitung angstneurotischer Familienstrukturen, die Richter für die fünfziger und sechziger Jahre konstatiert, lässt sich nach Überlegungen von Tilman Moser (1995) auf die »Schweigegebote« über die »Schrecken der Vergangenheit« zurückführen. Um sich nicht mit der nationalsozialistischen Vergangenheit konfrontieren zu müssen, klammerten sich viele Familien »mit Hilfe von Vermeidungs- und Verleugnungstaktiken an die Illusion einer friedlichen, guten, geordneten Welt« (Richter 1970) und organisierten ihr familiäres Zusammenleben nach dem Vorbild eines harmonischen und konfliktfreien Sanatoriums. Für das Verhältnis der Eltern zu ihren Kindern hatte dies zur Folge, dass diese ängstlich überbehütet und phobisch gebunden wurden. Die Jugend- und Protestbewegung der sechziger Jahre kann unter anderem auch als ein Aufstand gegen diese überfürsorgliche und als einengend empfundene Bevormundung sowie als erste emotional bedeutsame Thematisierung der verleugneten deutschen Vergangenheit verstanden werden.</p>
<p>Erst im Zusammenhang mit der Nachrüstungsdebatte und dem erneuten Wettrüsten zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt Anfang der 80er Jahre kommen Richter die Erinnerungen an die Grausamkeiten des zweiten Weltkrieges, seine eigenen Kriegserlebnisse und die Unmenschlichkeit des Nationalsozialismus zu vollem Bewusstsein. Richter prägt das Motto »erinnern hilft vorbeugen«, unter das die bundesdeutsche Sektion der »Internationalen Ärzte für die Verhütung eines Atomkrieges« (IPPNW) ihre Kampagne von 1985 stellt, mit der sie die öffentliche Diskussion und Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit zu einem zentralen Anliegen ihres Kampfes für die Beendigung des Wettrüstens macht. Dem liegt der Gedanke zugrunde, die Beschäftigung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus könne unsere Wahrnehmung für die psychischen und sozialen Umstände sensibilisieren, die die »psychische Krankheit Friedlosigkeit« (eine Formulierung, die Richter von Carl Friedrich von Weizsäcker [1967] übernimmt) bedingen. Unsere Friedensfähigkeit heute – so lautet Richters Überlegung – hänge entscheidend von der Bereitschaft ab, zu erinnern und im Gedächtnis zu bewahren, welche Verbrechen von den Deutschen an den Juden und an den Nachbarvölkern begangen wurden, so wie umgekehrt das aktive Eintreten für die Überwindung der Konfrontation zwischen den Militärblöcken und die Beschäftigung mit den psychischen und gesellschaftlichen Bedingungen des paranoiden Freund-Feind-Denkens nahezu zwangsläufig dazu führe, dass man sich mit der nationalsozialistischen Vergangenheit auseinanderzusetzen beginne. Insofern knüpft Richter an die berühmte <em>Zeitdiagnose</em> Alexander und Margarete Mitscherlichs von der <em>Unfähigkeit zu trauern</em> (1967) an, wendet diese aber in ein sozialtherapeutisches Konzept, das originär psychoanalytischen Erfahrungen folgt: die erinnernde Bearbeitung der traumatischen Vergangenheit befreit auch auf der kollektiven Ebene von dem Zwang, die alten Traumata zu wiederholen und eröffnet neue Denk- und Handlungsräume.</p>
<p><strong>Die RAF verstehen?</strong></p>
<p>Es gehört zur zentralen Aufgabe des Psychoanalytikers, sich mit den dunklen, den verdrängten, ja auch den bösen und destruktiven Seiten des menschlichen Lebens zu beschäftigen. Da ein tieferes psychologisches Verständnis nur möglich ist, wenn man sich einfühlend und emotional nachvollziehend auf den anderen einlässt, entsteht für den Außenstehenden oft das Missverständnis, Verstehen sei mit Rechtfertigung, gar mit Parteinahme gleichzusetzen. Als Richter die Ex-Terroristin Birgit Hogefeld im Gefängnis betreut, wird ihm genau dieser Vorwurf gemacht, er sei ein »RAF-Versteher« und rechtfertige damit – zumindest indirekt – deren terroristische Taten. Tatsächlich geht es Richter jedoch darum, über das mitfühlende Verständnis der ehemaligen Terroristin die Rückkehr in die Gesellschaft zu ermöglichen.</p>
<p><strong>Psychoanalyse als Sozialphilosophie</strong></p>
<p>Richter hat nicht nur seine theoretischen Interessen, sondern ebenso seine praktischen Forschungsstrategien und schließlich auch seine Versuche der praktisch-therapeutisch-politischen Beeinflussung vom Individuum auf die Zweierbeziehung, von dort auf die Familie, von der Familie auf die Gruppe, von der Gruppe auf den Stadtteil und die regionalen psychosozialen Versorgungssysteme ausgeweitet, um bei sozialen Bewegungen, politischen Entscheidungsträgern (<em>Die hohe Kunst der Korruption</em>), der Interaktion zwischen Völkern (<em>Russen und Deutsche</em>) und schließlich bei philosophischen Betrachtungen (<em>Der Gotteskomplex</em>) anzukommen. <em>Der Gotteskomplex</em> (1979) wird sein psychoanalytisch-sozialphilosophisches Hauptwerk, in dem er, auf <em>Eltern, Kind und Neurose</em> aufbauend, an Sigmund Freuds Begriff des »Prothesengottes« aus dem <em>Unbehagen in der Kultur</em> (1933) anknüpfend, sein Verständnis des Grundproblems des modernen Menschen entwickelt. Richters weit ausholende These setzt beim Übergang aus der religiösen Geborgenheit des Mittelalters in die aufgeklärte Neuzeit an. Nach dem Verlust der mittelalterlichen Gotteskindschaft floh der Mensch in die Identifizierung mit göttlicher Allmacht und Allwissenheit. Der Glaube an Gott wurde durch den Glauben an die Allmacht des Menschen ersetzt. »Die grandiose Selbstgewissheit des Ich ist an die Stelle der Geborgenheit in der großen idealisierten Elternfigur getreten. Das individuelle Ich wird zum Abbild Gottes.« Der Versuch, die Schattenseiten des Lebens – Alter, Krankheit, Gebrechlichkeit, Schwäche, Ohnmacht und schließlich der Tod – durch die übertriebene Betonung der entgegengesetzten Eigenschaften – Jugendlichkeit, Gesundheit, Fitness, Stärke, Macht und Todesverachtung – zu verleugnen, bezeichnet Richter als »Krankheit, nicht leiden zu können«. Wer aber nicht leiden will, der muss hassen und sucht sich dafür Sündenböcke, auf die er die eigenen verleugneten schwachen Seiten projizieren kann, so lautet seine psychoanalytisch fundierte Schlussfolgerung.</p>
<p><strong>Botschafter der Psychoanalyse</strong></p>
<p>Es bedarf eines großen Mutes und einer starken Selbstgewissheit, um mit der sozialen Isolationsdrohung und Ächtung fertig zu werden, die Richter aus der Professoren-Kollegenschaft der Ärzte, teilweise aber auch von seinen Psychoanalytiker-Kollegen nicht selten entgegenschlagen. Indem er sich beharrlich der Auseinandersetzung mit dieser Kollegenschaft stellt, gewinnt er die Kraft, sich von den Zwängen und Denkverboten, die die verschiedenen Rollen mit sich bringen, zu distanzieren. Ich schätze an Richter besonders, dass er ein Neuerer des psychoanalytischen Denkens ist, der den Kontakt zur Psychoanalyse nicht abgebrochen hat, der keine eigene, mehr oder weniger sektiererische Schule gegründet hat, wie es in der Geschichte der Psychoanalyse so häufig passiert ist. Vielmehr hat er seine Gedanken in den Strom der psychoanalytischen Diskussion einfließen lassen. Bezeichnenderweise ist er es, der nach seiner Emeritierung in Gießen von 1992 bis 2002 die Leitung des unmittelbar von der Schließung bedrohten Sigmund-Freud-Instituts in Frankfurt übernimmt und dieses in eine gesicherte Zukunft führt.</p>
<p>Richter wirkt in der Öffentlichkeit als ein Botschafter der Psychoanalyse, der in Deutschland neben Alexander und Margarete Mitscherlich wie kein anderer dazu beigetragen hat, dass psychoanalytische Argumente in der Öffentlichkeit Gehör finden. Mit seinen Publikationen, die sich an eine breite Leserschaft richten, betreibt er eine Art »psychoanalytischer Volksaufklärung«, wie sie in den Anfängen der psychoanalytischen Bewegung zum Selbstverständnis vieler Psychoanalytiker gehörte. Sowohl die Psychoanalyse in Deutschland als auch die Öffentlichkeit haben dem »psychoanalytischen Publizisten« Richter viel zu verdanken: Unzählige Menschen sind durch ihn darauf aufmerksam gemacht worden, dass es so etwas wie Psychoanalyse und psychotherapeutische Hilfe für ihre seelischen Probleme überhaupt gibt. Auf der anderen Seite wäre auch die psychoanalytische Gemeinschaft ohne den »politischen Psychoanalytiker« Richter ärmer: Seine Bücher und Ideen haben unsere Sensibilität für die Bedeutung sozialer und politischer Probleme bei der Bewältigung unserer unbewussten Konflikte geschärft und deutlich gemacht, dass die Psychoanalyse nicht in einem gesellschaftsfreien Raum existiert. Zugleich ermutigt und motiviert sein konstruktives politisches Engagement viele Menschen – außerhalb und innerhalb der Psychoanalyse –, eigene Initiativen zu ergreifen, um sich in gesellschaftliche Konflikte einzumischen.</p>
<p><strong>Horst-Eberhard Richter als Charismatiker</strong></p>
<p>Doch wie gelang es Horst-Eberhard Richter, über einen Zeitraum von fast 50 Jahren, so beständig und einflussreich in der öffentlichen Diskussion präsent zu bleiben, und das mit so belastenden Themen wie Randgruppen, Vorurteilen und Krieg? Dies hängt mit einer Eigenschaft zusammen, die der Soziologe Max Weber als Charisma bezeichnet. Die charismatische Persönlichkeit wird von einer besonderen Aura umgeben, die auf andere motivierend und faszinierend wirkt. Charismatische Persönlichkeiten haben die Vision einer besseren Zukunft, sie verfügen über Selbstvertrauen, Entschlossenheit und Ausdauer, sie besitzen eine außergewöhnliche Bereitschaft zum Risiko und scheuen keine persönlichen Wagnisse, sie leben ihre Vision vor, fungieren als Sprachrohr der Gemeinschaft und sind anregende Kommunikatoren, die ihre Botschaften einfallsreich und emotional ansprechend vermitteln. Richter verkörpert wie kaum ein Zweiter den Glauben und die Hoffnung auf eine bessere, friedlichere und gerechtere Welt, auch wenn er diese Utopie häufig in eine Frage kleidet: <em>Sind wir zum Frieden fähig? </em>(1980) oder:<em> Ist eine andere Welt möglich?</em> (2003). Richter ist deshalb häufig als »Gutmensch« belächelt worden. Das hat ihn zwar geärgert und gekränkt, aber er hat diese Bezeichnung auch als Auszeichnung verstanden und sich in der Rolle des »Mahners«, des »Gutmenschen«, des »Gewissens der Nation«, gar des »Psychotherapeuten der Nation« (Johannes Rau) wohlgefühlt.</p>
<p>Horst-Eberhard Richter war nicht nur der Mahner, der gesellschaftliche Missstände anprangert, sondern auch der Verkünder des Prinzips Hoffnung, der konkrete Modelle entwirft, wie etwas zum Besseren gewendet werden kann. Es ist diese besondere Kombination von mahnender Kritik und hoffnungsvollem Optimismus, die seinen Botschaften bei so vielen Menschen so große Resonanz beschert hat.</p>
<p><a href="http://web.psychosozial-verlag.de/psychosozial/index.php?parent=43&amp;sub=yes&amp;idcat=43&amp;lang=1&amp;&amp;idart=19&amp;idau=102">Weitere Werke von Horst-Eberhard Richter</a></p>
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		<title>Borderliner: Oft sogar von Therapeuten missverstanden</title>
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		<pubDate>Tue, 26 Oct 2010 15:54:18 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Psychotherapie]]></category>
		<category><![CDATA[Borderline]]></category>
		<category><![CDATA[Vorurteil]]></category>

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		<description><![CDATA[Nicht nur Angehörige und Freunde, sondern auch Fachleute können sich teils kaum in die Situation von Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) einfühlen&#8230; Ex-Betroffene: &#8220;Behandlungserfolg braucht Offenheit der Fachleute&#8221; pte &#8211; Missverständnisse sind somit vorprogrammiert, sagt Irene Apfalter, ehemals BPS-Betroffene und nun Psychotherapeutin in Ausbildung im pressetext-Interview am Rande des ersten Borderline-Weltkongresses in Berlin. &#8220;Borderliner sind eine sehr spezielle Patientengruppe. Ihre starken Emotionen wie Wut, Aggression, Angst, Ärger oder Ohnmacht übertragen sich häufig auch auf denjenigen, der behandelt. Um die Situation zu verstehen, muss man sich mit der Krankheit eingehend auseinander gesetzt haben und das Verhalten reflektieren, sonst läuft schnell etwas schief&#8221;, so Apfalter. Vorurteile und Ängste der Helfer Viele der gängigen Vorurteile und Ängste gegenüber BPS, die Patienten stigmatisieren, plagen auch Therapeuten. Manche lehnen es sogar ab, Betroffene zu behandeln. Zu den Vorurteilen gehört die Meinung vieler Therapeuten, dass BPS-Patienten Behandlungsteams spalten können. Apfalters Erfahrung nach braucht es hier Differenzierung. &#8220;Ein Borderliner weckt in verschiedenen Menschen ganz unterschiedliche Gefühle. Der eine sieht ihn als arm und hilfsbedürftig, ein anderer denkt jedoch, dass der Patient mit den Therapeuten spielen und sie manipulieren will. Diese Unterschiede können gefährlich sein&#8221;, so die Expertin. Wichtiger als das Beherrschen aller Therapieformen sei daher ein Therapeut, dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nicht nur Angehörige und Freunde, sondern auch Fachleute können sich teils kaum in die Situation von Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) einfühlen&#8230;<span id="more-2539"></span></p>
<p><strong>Ex-Betroffene: &#8220;Behandlungserfolg braucht Offenheit der Fachleute&#8221; </strong></p>
<p><a href="http://www.pressetext.de">pte</a> &#8211;  Missverständnisse sind somit vorprogrammiert, sagt <a href="http://praxis-apfalter.at">Irene Apfalter</a>, ehemals BPS-Betroffene und nun Psychotherapeutin in Ausbildung im pressetext-Interview am Rande des ersten <a href="http://pressetext.com/news/100701037/">Borderline-Weltkongresses</a> in Berlin. &#8220;Borderliner sind eine sehr spezielle Patientengruppe. Ihre starken  Emotionen wie Wut, Aggression, Angst, Ärger oder Ohnmacht übertragen  sich häufig auch auf denjenigen, der behandelt. Um die Situation zu  verstehen, muss man sich mit der Krankheit eingehend auseinander gesetzt  haben und das Verhalten reflektieren, sonst läuft schnell etwas  schief&#8221;, so Apfalter.</p>
<p><strong>Vorurteile und Ängste der Helfer</strong></p>
<p>Viele der gängigen Vorurteile und Ängste gegenüber BPS, die Patienten stigmatisieren, plagen auch Therapeuten. Manche lehnen es sogar ab, Betroffene zu behandeln. Zu den Vorurteilen gehört die Meinung vieler Therapeuten, dass BPS-Patienten Behandlungsteams spalten können. Apfalters Erfahrung nach braucht es hier Differenzierung. &#8220;Ein Borderliner weckt in verschiedenen Menschen ganz unterschiedliche Gefühle. Der eine sieht ihn als arm und hilfsbedürftig, ein anderer denkt jedoch, dass der Patient mit den Therapeuten spielen und sie manipulieren will. Diese Unterschiede können gefährlich sein&#8221;, so die Expertin. Wichtiger als das Beherrschen aller Therapieformen sei daher ein Therapeut, dem Betroffene Sympathie und Vertrauen schenken und dasselbe auch von ihm erfahren.</p>
<p><strong>Hilfe ist möglich</strong></p>
<p>Ob BPS heilbar ist, wird ebenfalls oft in Frage gestellt, obwohl es erfolgreiche <a href="http://pressetext.com/news/091210016/">Therapieansätze</a> gibt. &#8220;Der Begriff &#8216;heilen&#8217; suggeriert, dass der Zustand vor der Krankheit wiederhergestellt wird. Das ist nicht der Fall&#8221;, so Apfalter. Die Erlebnisse der Krankheit würden Patienten derart prägen, dass große Sensibilität und Gefühlsempfindlichkeit bleibt. Leichter verletzbar bleibe man somit trotz erfolgreicher Therapie, jedoch weniger als während der Krankheit. &#8220;Man kann lernen, trotz BPS ein zufriedenes und ausgeglichenes Leben zu führen und mit eigenen Ressourcen individuelle Ziele erreichen.&#8221; Bei Experten heißt dieser Ansatz &#8220;Recovery&#8221;, also Wiedergesundung.</p>
<p>Ähnlich auch Apfalters Einstellung zur Beziehungsfähigkeit, die manche Menschen den Borderline-Patienten absprechen. &#8220;Wenn die Krankheit ein akutes Stadium erreicht, leidet darunter das Beziehungsverhalten und das Aushalten wird für Betroffene und ihre Partner schwierig. Doch auch hier hilft eine gute Therapie, Verhaltensmuster und Erlebnisweisen zu ändern und sich weiter zu entwickeln. Patienten können somit sehr wohl eine gelungene Beziehung führen.&#8221;</p>
<p><strong>Austausch lässt besser verstehen </strong></p>
<p>Am besten gelingt Fachleuten der Umgang mit BPS, wenn sie gerne mit den Betroffenen arbeiten und mit der Problematik vertraut sind. Das erleichtert das <a href="http://www.borderlinetrialog.de">Projekt Trialog</a>, das es in zehn deutschen Städten, im schweizerischen Winterthur und seit März auch in Wien gibt. Alle drei Ebenen &#8211; Patienten, Angehörige und Fachleute treffen sich dabei zum Austausch. &#8220;Betroffene berichten hier sehr reflektiert und werden gehört. Davon profitieren auch teilnehmende Experten wie Therapeuten, Psychiater, Krankenpfleger, Sozialarbeiter oder Psychologen&#8221;, berichtet Apfalter.</p>
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		<title>Flüchten &#8211; Migrieren &#8211; Existentielle Entscheidungen im Leben</title>
		<link>http://www.pharmacon.net/2010/10/migration-2/</link>
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		<pubDate>Mon, 11 Oct 2010 10:39:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Psychotherapie]]></category>
		<category><![CDATA[Depression]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Trauma]]></category>
		<category><![CDATA[Vorurteil]]></category>

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		<description><![CDATA[Hamm &#8211; Eine Migration ist per se weder krankmachend noch krankheitsauslösend. Flüchtlinge &#8211; dieses Wort steht für existentielle Entscheidungen, die Suche nach Weiterentwicklung und Wiederkehr, schwere Lebensbrüche und manchmal erfüllte Träume. Es ist nicht verwunderlich, dass gerade jene Menschen, welche aus ihren Ländern vertrieben wurden bzw. noch rechtzeitig die Entscheidung getroffen haben, ihr Zuhause zu verlassen, unter besonderer psychischer und körperlicher Last ihrer Entscheidung leiden&#8230; Transkulturell kompetenter Umgang fördert einerseits die Versorgung der Patienten mit Migrationshintergrund und verringert andererseits unnötige Gesundheitskosten bei deren Versorgung. Hier ein Beispiel: bei Depression zeigen alle Betroffenen kulturunabhängig Schlafstörungen und Antriebsarmut. Im Abendland gesellen sich dazu aber Selbstvorwürfe und Schuldgefühle, im Nahen Osten eine starke Somatisierung und in Asien (Japan) ein Gefühl der Entehrung. Geht man vom Körper als dem Haus der Seele aus, wie es z.B. ein persisches Sprichwort beschreibt, dann versteht man den Zusammenhang zwischen Schmerzen im Bereich von Haut, Bauch oder Herz und der zugrunde liegenden Depression leichter. &#8220;Übersetzung&#8221; ist hier allerdings kein taugliches Mittel. Bedeutsam ist im Zusammenhang mit der Migration weiters, durch welche Kaskaden von Traumata Betroffene bereits gegangen sind, was im Krankheitsbild vielleicht Simulation sein könnte, was kulturspezifisch ist. All das macht Migranten zu besonderen Patienten, die ein sensibles, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hamm &#8211; Eine Migration ist per se weder krankmachend noch krankheitsauslösend. Flüchtlinge &#8211; dieses Wort steht für existentielle Entscheidungen, die Suche nach Weiterentwicklung und Wiederkehr, schwere Lebensbrüche und manchmal erfüllte Träume. Es ist nicht verwunderlich, dass gerade jene Menschen, welche aus ihren Ländern vertrieben wurden bzw. noch rechtzeitig die Entscheidung getroffen haben, ihr Zuhause zu verlassen, unter besonderer psychischer und körperlicher Last ihrer Entscheidung leiden&#8230;<span id="more-2415"></span></p>
<p>Transkulturell kompetenter Umgang fördert einerseits die Versorgung der Patienten mit Migrationshintergrund und verringert andererseits unnötige Gesundheitskosten bei deren Versorgung. Hier ein Beispiel: bei Depression zeigen alle Betroffenen kulturunabhängig Schlafstörungen und Antriebsarmut. Im Abendland gesellen sich dazu aber Selbstvorwürfe und Schuldgefühle, im Nahen Osten eine starke Somatisierung und in Asien (Japan) ein Gefühl der Entehrung. Geht man vom Körper als dem Haus der Seele aus, wie es z.B. ein persisches Sprichwort beschreibt, dann versteht man den Zusammenhang zwischen Schmerzen im Bereich von Haut, Bauch oder Herz und der zugrunde liegenden Depression leichter. &#8220;Übersetzung&#8221; ist hier allerdings kein taugliches Mittel.</p>
<p>Bedeutsam ist im Zusammenhang mit der Migration weiters, durch welche Kaskaden von Traumata Betroffene bereits gegangen sind, was im Krankheitsbild vielleicht Simulation sein könnte, was kulturspezifisch ist. All das macht Migranten zu besonderen Patienten, die ein sensibles, tolerantes und vorurteilsfreies medizinisches Angebot benötigen. Es ist das Anliegen des deutschsprachigen Dachverbandes für Transkulturelle Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, diesem Versorgungsbedürfnis nachzukommen, den aktuellen Versorgungsnotstand zu mindern.</p>
<p><em>Dr. Solmaz Golsabahi, <a href="http://www.dtppp.com">www.dtppp.com</a></em></p>
<p>Die zunehmende kulturelle Vielfalt erfordert gerade im Bereich der Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik besondere Fähigkeiten. Etwa 15 bis 20 Prozent der Patienten in den entsprechenden deutschsprachigen Versorgungseinrichtungen haben einen Migrationshintergrund. Sie haben zumeist spezifische Probleme, die mit der Migration mittelbar oder unmittelbar zusammenhängen. So sind diese Patienten durch seelische Folgen traumatischer Erlebnisse, durch Sprachbarrieren und besondere soziale und wirtschaftliche Probleme eine Herausforderung für den klinischen und therapeutischen Alltag. Bisher existieren jedoch nur wenig empirisch gesicherte Erkenntnisse über die Wirksamkeit von Versorgungsmodellen in klinischen, psychotherapeutischen und sozialen Arbeitsfeldern. Außerdem gibt es in den deutschsprachigen Ländern Deutschland, Österreich und der Schweiz vergleichbare Hindernisse in der Versorgung der zugewanderten Patienten. Deshalb soll der DTPPP e.V. die gemeinsame Arbeit der Initiativen in den drei Ländern fördern. Außerdem sollen die jeweilig unterschiedlich gewachsenen Strukturen der Gesundheits- und Sozialsysteme gegenseitige Veränderungsimpulse anregen.</p>
<p>Machleidt W., Heinz, A. (Hrsg.)<br />
<a href="http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3437245708">Praxis der interkulturellen Psychiatrie und Psychotherapie</a><br />
Migration und psychische Gesundheit<br />
Mit einem Vorwort von Ursula von der Leyen</p>
<p>Dies ist ein praxisrelevantes Buch &#8211; unverzichtbar für den Behandlungsalltag in einer multikulturellen Gesellschaft. Eine optimale Therapie psychischer Erkrankungen bei Menschen mit Migrationshintergrund setzt voraus, dass sich der Therapeut über die kulturelle Herkunft seines Patienten informiert. Wenn er den ethnischen Hintergrund<br />
begreift, kann er den Blick auf die individuellen Besonderheiten des Menschen richten und die Behandlung an seine spezifischen Bedürfnisse anpassen.<br />
Dafür bietet dieses Buch &#8211; einzigartig in seiner Art als Nachschlagewerk und Ratgeber – fachlich höchst kompetente Antworten in allen wichtigen Fragen, wie der Bedeutung<br />
psychischer Symptome in den Herkunftsländern und psychischer Probleme durch die Migration, der sprachlichen Verständigung, der optimalen Therapieformen, der besten ambulant/stationären Behandlungsstrategien, der Netzwerke und Anlaufstellen, der Beispiele für „Good Practice“ usw.</p>
<p>Aus einem multiprofessionellen Ansatz werden verständlich und praxisnah kulturelle und religiöse Hintergründe beleuchtet, eine moderne interkulturelle Psychiatrie und Psychotherapie erläutert, die Diagnostik und die wichtigsten Krankheitsbilder dargestellt sowie die Behandlung und Betreuung von Menschen aus anderen Kulturen mit psychischen Störungen beschrieben.<br />
Im Mittelpunkt stehen ganz konkret und praxisbezogen die interkulturellen Behandlungs- und Versorgungsstrategien, abgestimmt auf die zentraleuropäische Situation mit Berücksichtigung der typischen Herkunftsstaaten (Mittelmeerstaaten, Türkei, Ost- und Südosteuropa, GUS-Staaten).</p>
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		<title>Attraktive Frauen: Schlechte Chancen in typischen Männerjobs</title>
		<link>http://www.pharmacon.net/2010/08/frauen/</link>
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		<pubDate>Tue, 10 Aug 2010 07:35:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sexualmedizin]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Vorurteil]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Binsenweisheit, dass schöne Menschen erfolgreicher im Leben sind, kontert die Management-Professorin Stefanie Johnson in der aktuellen Ausgabe des Journal of Social Psychology. Attraktive Frauen erfahren bei gewissen &#8220;maskulinen&#8221; Jobs wie Forschungsleiter, Finanzdirektor, Bauaufseher oder Ingenieur eine deutliche Diskrimierung, berichtet die Wissenschaftlerin der Business School an der University of Colorado Denver&#8230; Hübsche Frauen in Männerdomänen diskriminiert: Stereotype werden auf Biegen und Brechen verteidigt pte &#8211; http://www.ucdenver.edu &#8211; &#8220;Die Lösung dieses Problems ist ganz einfach&#8221;, meint die Psychologin Caroline Erb im pressetext-Gespräch. &#8220;Männer wollen Frauen in gewisse Domänen nicht einlassen. Diese vorsintflutliche Einstellung gibt es vor allem in typischen Männerjobs offensichtlich immer noch&#8221;, so Erb. Alleine schon die Tatsache, dass Frauen überhaupt solche Jobs anstreben, stoße den Verantwortlichen negativ auf. &#8220;Das Vorurteil, dass Frauen für solche Arbeiten nicht geeignet sind, hält sich hartnäckig.&#8221; Attraktivität kann auch schaden &#8220;In diesen Jobs ist es für Frauen nachteilig attraktiv zu sein&#8221;, schreibt Johnson. &#8220;In jedem anderen Job wurden attraktive Frauen bevorzugt. Bei Männern, die sich für diese Arbeit bewarben, konnten wir das nicht feststellen&#8221;, so die Wissenschaftlerin. Es sei offensichtlich, dass es immer noch eine Doppelmoral gibt, wenn es um die Gender-Frage geht. Erb sieht damit den Beweis dafür, dass Attraktivität mit anderen Qualifikationskriterien [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Binsenweisheit, dass schöne Menschen erfolgreicher im Leben sind,  kontert die Management-Professorin Stefanie Johnson in der aktuellen  Ausgabe des Journal of Social Psychology. Attraktive Frauen erfahren bei  gewissen &#8220;maskulinen&#8221; Jobs wie Forschungsleiter, Finanzdirektor,  Bauaufseher oder Ingenieur eine deutliche Diskrimierung, berichtet die  Wissenschaftlerin der Business School an der University of Colorado  Denver&#8230;<span id="more-2283"></span></p>
<p><strong>Hübsche Frauen in Männerdomänen diskriminiert: Stereotype werden auf Biegen und Brechen verteidigt</strong></p>
<p><a href="http://www.pressetext.de">pte</a> &#8211; <a href="http://www.ucdenver.edu/" target="_blank">http://www.ucdenver.edu</a> &#8211; &#8220;Die Lösung dieses Problems ist ganz einfach&#8221;, meint die Psychologin Caroline Erb im pressetext-Gespräch. &#8220;Männer wollen Frauen in gewisse Domänen nicht einlassen. Diese vorsintflutliche Einstellung gibt es vor allem in typischen Männerjobs offensichtlich immer noch&#8221;, so Erb. Alleine schon die Tatsache, dass Frauen überhaupt solche Jobs anstreben, stoße den Verantwortlichen negativ auf. &#8220;Das Vorurteil, dass Frauen für solche Arbeiten nicht geeignet sind, hält sich hartnäckig.&#8221;</p>
<p><strong>Attraktivität kann auch schaden</strong></p>
<p>&#8220;In diesen Jobs ist es für Frauen nachteilig attraktiv zu sein&#8221;, schreibt Johnson. &#8220;In jedem anderen Job wurden attraktive Frauen bevorzugt. Bei Männern, die sich für diese Arbeit bewarben, konnten wir das nicht feststellen&#8221;, so die Wissenschaftlerin. Es sei offensichtlich, dass es immer noch eine Doppelmoral gibt, wenn es um die Gender-Frage geht.</p>
<p>Erb sieht damit den Beweis dafür, dass Attraktivität mit anderen Qualifikationskriterien für einen bestimmten Job gleichgesetzt wird. &#8220;Im Grunde genommen sind es Ängste, dass Männer von ihren Pfründen vertrieben werden könnten.&#8221; Attraktivität und Schönheit werden anderen Berufen zugeschrieben. &#8220;Das entspricht natürlich nicht der objektiven Wahrheit, denn Frauen können diese Jobs ebenso gut &#8211; wenn nicht sogar besser &#8211; erledigen als Männer.&#8221;</p>
<p><strong>Schöne Menschen haben es leichter</strong></p>
<p>Erst kürzlich hat das Nachrichtenmagazin Newsweek in einer Studie an mehr als 200 Managern und mehr als 900 Befragten festgestellt, dass attraktive Frauen bei der Bewerbung in jedem Fall besser abschnitten. Bei der Frage nach neun Attributen auf einer zehnteiligen Skala, lag das Aussehen an dritter Stelle und wurde als wichtiger eingestuft als Ausbildung und Humor.</p>
<p>&#8220;In zwei Studien konnten wir feststellen, dass Attraktivität für Männer und Frauen bei der Jobsuche von Vorteil war &#8211; vor allem dann, wenn es darum ging, eine geschlechtsspezifische Arbeit zu finden&#8221;, schreiben die Forscher. &#8220;Attraktivität war für Frauen dann vorteilhafter, wenn sie sich um typisch feminine Jobs bewarben.&#8221; Attraktive Frauen wurden etwa bei der Sichtung von Bewerbungsunterlagen für den ausgeschriebenen Job als Sicherheitsdirektor, Baustoff-Händler, Gefängniswärter und Abschlepp-Service-Dienstleister übersehen. Bei der Ausschreibung der Arbeit zur Rezeptionistin oder Sekretärin wurden attraktive Frauen bevorzugt.</p>
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		</item>
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		<title>Vorurteile: Nur Dicke sind auf dem Sofa faul</title>
		<link>http://www.pharmacon.net/2010/04/vorurteile-2/</link>
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		<pubDate>Thu, 29 Apr 2010 07:14:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Psychosomatik]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Vorurteil]]></category>

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		<description><![CDATA[Liegt ein dünner Mensch auf der Couch und sieht fern, so ruht er sich aus. Ein dicker Mensch hingegen ist faul und unmotiviert, zumindest in den Augen des Betrachters. Dass es derartige Unterschiede in der Wahrnehmung gibt, haben Forscher der University of Alberta nun festgestellt&#8230; Freiburg &#8211; pte &#8211; &#8220;Man muss sich solche Stereotypen bewusst machen, um ihre Folgen abwehren zu können&#8221;, erklärt Studienleiterin Tanya Berry, &#8220;denn ebenso, wie Übergewichtige nicht automatisch unsportlich sind, sind Dünne nicht fit und gesund&#8221;. Vorurteile bestimmen Wahrnehmung von Übergewichtigen: Übergewichtigen gönnt man keine Verschnaufpause Für den Versuch wurde eine bekannte psychologische Testmethode eingesetzt. Freiwillige betrachteten eine Bilderreihe, wobei nach jedem Foto ein Wort wie etwa &#8220;faul&#8221; aufschien. Es galt anzugeben, welche Farbe die Schrift hatte, wobei die Forscher allein die Reaktionszeit interessierte. Bei Fotos von Übergewichtigen auf der Couch war diese länger, was auf das Vorhandensein des Faulheit-Stereotyps im Gehirn schließen lässt, das die Konzentration auf die Schriftfarbe kurz ablenkt. Erster Gedanke meist negativ &#8220;Unter den Vorurteilen über Übergewichtige sind nur wenige positive wie etwa der gemütliche und fröhliche Charakter&#8221;, berichtet die Freiburger Psychologin Anja Hilbert gegenüber pressetext. Hilbert erforschte jahrelang an der Universität Marburg die Stigmatisierung von adipösen Menschen. Sichtbar wurde dabei eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Liegt ein dünner Mensch auf der Couch und sieht fern, so ruht er sich  aus. Ein dicker Mensch hingegen ist faul und unmotiviert, zumindest in  den Augen des Betrachters. Dass es derartige Unterschiede in der  Wahrnehmung gibt, haben Forscher der University of Alberta  nun festgestellt&#8230;<span id="more-1997"></span></p>
<p>Freiburg &#8211; <a href="http://www.pressetext.de">pte</a> &#8211; &#8220;Man muss sich solche Stereotypen bewusst machen, um ihre Folgen abwehren zu können&#8221;, erklärt Studienleiterin Tanya Berry, &#8220;denn ebenso, wie Übergewichtige nicht automatisch unsportlich sind, sind Dünne  nicht fit und gesund&#8221;.</p>
<p><strong>Vorurteile bestimmen Wahrnehmung von Übergewichtigen:<br />
Übergewichtigen gönnt man keine Verschnaufpause</strong></p>
<p>Für den Versuch wurde eine bekannte psychologische Testmethode eingesetzt. Freiwillige betrachteten eine Bilderreihe, wobei nach jedem Foto ein Wort wie etwa &#8220;faul&#8221; aufschien. Es galt anzugeben, welche Farbe die Schrift hatte, wobei die Forscher allein die Reaktionszeit interessierte. Bei Fotos von Übergewichtigen auf der Couch war diese länger, was auf das Vorhandensein des Faulheit-Stereotyps im Gehirn schließen lässt, das die Konzentration auf die Schriftfarbe kurz ablenkt.</p>
<p><strong>Erster Gedanke meist negativ </strong></p>
<p>&#8220;Unter den Vorurteilen über Übergewichtige sind nur wenige positive wie etwa der gemütliche und fröhliche Charakter&#8221;, berichtet die Freiburger Psychologin Anja Hilbert gegenüber pressetext. Hilbert erforschte jahrelang an der <a href="http://www.uni-marburg.de/nfg-adipositas">Universität Marburg</a> die Stigmatisierung von adipösen Menschen. Sichtbar wurde dabei eine ganze Reihe negativer Stereotypen. &#8220;Übergewichtige werden als faul, undiszipliniert, zügellos, willensschwach, genusssüchtig und wenig leistungsbereit gesehen&#8221;, so die Forscherin. Dazu kommen noch Vorurteile, die die Körperästhetik betreffen.</p>
<p><strong>Westliche Kulturen diskriminieren stärker </strong></p>
<p>Die Bewertung von Übergewicht ist durchaus kulturell bestimmt. In industrialisierten Ländern, in denen Leistung und Erfolg überbetont werden, ist das Schlankheitsideal am meisten verbreitet, was zugleich eine Beurteilung des Übergewichts als &#8220;nicht wünschenswert&#8221; bedeutet. &#8220;In Schwellenländern wie etwa Mexiko sind die Zuschreibungen weit weniger negativ&#8221;, erklärt Hilbert. Der gesellschaftliche Umgang scheint nicht besser zu werden, denn einer Wiederholungsstudie zufolge wollen Kinder heute weniger mit übergewichtigen Gleichaltrigen spielen als vor 30 Jahren.</p>
<p>Dass westliche Industriestaaten Übergewichtige derart stigmatisieren, führt Hilbert auf die Tendenz der Menschen zurück, stets die Ursache unerwünschter Ereignisse zu suchen. &#8220;Sieht man Übergewichtige, verbindet man mit ihnen sofort ein Fehlverhalten. Die Wissenschaft kann jedoch zeigen, dass das nicht angemessen ist. Spielen doch nachweislich auch die Genetik, die Verfügbarkeit von gesunder Nahrung, Zeitknappheit und Stress eine Rolle. Diese Faktoren haben Menschen nur teilweise selbst in der Hand&#8221;, betont die Psychologin.</p>
<p><strong>Die Kultur beeinflusst alle und sorgt für unwillkürliche Gedanken</strong></p>
<p>Vorurteile bestehen in den Köpfen und können nicht einfach weggewischt werden. &#8220;Die Kultur beeinflusst alle und sorgt für unwillkürliche Gedanken. Es kann aber durchaus gelingen, das Verhalten nicht von diesen Einstellungen steuern zu lassen. Ähnlich wie bei anderen stigmatisierten Gruppen kann man sich etwa bewusst auch neben fettleibige Menschen setzen, sie anlächeln oder freundlich sein. Bemerkungen zur Figur oder gut gemeinte Ratschläge werden hingegen oft als Angriff auf die eigene Person wahrgenommen&#8221;, so die Expertin. Auch im familiären Umfeld sei hier Vorsicht angesagt.</p>
<p>Studien bei Abnehmwilligen konnten schon bisher Diskriminierungen in Bezug auf das Gewicht nachweisen. Viele leiden psychisch darunter. &#8220;Depressionen oder ein niedriger Selbstwert treten in dem Zusammenhang oft auf und können, wie bei Kindern festgestellt wurde, später sogar zu erhöhtem Suizidrisiko führen&#8221;, warnt Hilbert. Wichtig sei es für Betroffene, trotz der zahlreichen negativen Kommentare, die oft verinnerlicht werden, einen positiven Selbstwert aufzubauen. &#8220;Ziel ist es, dass man die gesellschaftliche Bewertung trennen kann von dem, was wirklich zutrifft. Dann kann auch das positive Körperbild gelingen.&#8221;</p>
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		<title>Schwarze im Geschäftsleben: Milchgesicht macht schwarze Manager erfolgreich</title>
		<link>http://www.pharmacon.net/2009/06/schwarz/</link>
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		<pubDate>Sat, 27 Jun 2009 17:30:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Vorurteil]]></category>

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		<description><![CDATA[Kindliches Aussehen ist ein Karriere-Sprungbrett von Menschen schwarzer Hautfarbe in vorwiegend von Weißen besiedelten Ländern. Zu diesem Schluss kommen Psychologen der Kellogg School of Management an der Northwestern University im Journal Psychological Science&#8230; Vorurteil der Feindseligkeit Bsp. Colin Powell: Sanfte Züge, die man von einem Militärstrategen kaum erwartet (Foto: WikimediaCommons) kellogg.northwestern.edu &#8211; Sie untersuchten dafür die CEO-Portraits der größten Unternehmen. &#8220;Alle Eigenschaften, die Bedrohungsbilder in den Köpfen der Weißen abbauen, verhelfen Schwarzen beim Aufstieg. Das betrifft besonders das Aussehen, die Abstammung, jedoch auch das Verhalten. Schwarze Führungskräfte dürfen nicht wie Weiße zornig werden und Fäuste ballen, sondern sind auf einen gütigen, sanften Führungsstil angewiesen&#8221;, berichtet Studienleiter Robert Livingston im pressetext-Interview. Die Psychologen legten ihren Versuchspersonen Fotos von 40 Geschäftsführern der 500 weltweit umsatzstärksten Unternehmen vor und baten sie, auf einer Skala das Maß kindlicher Züge, Führungskompetenz und persönlicher Wärme zu beurteilen. Darunter befanden sich die zehn einzigen männlichen CEOs mit schwarzer Hautfarbe, die es bisher in die Bestenliste geschafft haben. Je erfolgreicher das Unternehmen war, desto deutlicher zeigten schwarze Geschäftsführer kindliche Gesichtszüge wie etwa ein rundes Gesicht, volle Backen, eine längliche Stirn, eine kleine Nase und volle Lippen. Die Firmen der Milchgesichter mit weißer Hautfarbe waren hingegen eher im hinteren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kindliches Aussehen ist ein Karriere-Sprungbrett von Menschen schwarzer Hautfarbe in vorwiegend von Weißen besiedelten Ländern. Zu diesem Schluss kommen Psychologen der Kellogg School of Management an der Northwestern University im Journal Psychological Science&#8230;<span id="more-712"></span></p>
<p><strong>Vorurteil der Feindseligkeit<br />
Bsp. Colin Powell: Sanfte Züge, die man von einem Militärstrategen kaum erwartet (<a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/6e/Colin_powell_(official_portrait).png">Foto: WikimediaCommons</a>)</strong> </p>
<p><a href="http://www.kellogg.northwestern.edu">kellogg.northwestern.edu</a> &#8211; Sie untersuchten dafür die CEO-Portraits der größten Unternehmen. &#8220;Alle Eigenschaften, die Bedrohungsbilder in den Köpfen der Weißen abbauen, verhelfen Schwarzen beim Aufstieg. Das betrifft besonders das Aussehen, die Abstammung, jedoch auch das Verhalten. Schwarze Führungskräfte dürfen nicht wie Weiße zornig werden und Fäuste ballen, sondern sind auf einen gütigen, sanften Führungsstil angewiesen&#8221;, berichtet Studienleiter Robert Livingston im pressetext-Interview. </p>
<p>Die Psychologen legten ihren Versuchspersonen Fotos von 40 Geschäftsführern der 500 weltweit umsatzstärksten Unternehmen vor und baten sie, auf einer Skala das Maß kindlicher Züge, Führungskompetenz und persönlicher Wärme zu beurteilen. Darunter befanden sich die zehn einzigen männlichen CEOs mit schwarzer Hautfarbe, die es bisher in die Bestenliste geschafft haben. Je erfolgreicher das Unternehmen war, desto deutlicher zeigten schwarze Geschäftsführer kindliche Gesichtszüge wie etwa ein rundes Gesicht, volle Backen, eine längliche Stirn, eine kleine Nase und volle Lippen. Die Firmen der Milchgesichter mit weißer Hautfarbe waren hingegen eher im hinteren Teil der Bestenliste angesiedelt. </p>
<p>Livingston bezeichnet kindliche Gesichtszüge als doppelschneidiges Schwert. &#8220;Einerseits fördern sie den Eindruck von Wärme, was für schwarze Führungskräfte ein Vorteil ist, da es dem Stereotyp der Feindseligkeit entgegenwirkt.&#8221; Weiße Führungskräfte seien auf den Abbau dieses Vorurteils nicht angewiesen. &#8220;Ganz im Gegensatz dazu wird ein Milchgesicht für sie zur Belastung, da es den Eindruck mangelnder Kompetenz schürt.&#8221; Da viele schwarze Geschäftsleute die Studienergebnisse bestätigt hätten, hält Livingston sie auch für die allgemeine Arbeitswelt gültig &#8211; und auch für die Politik. &#8220;Colin Powell hat nicht das eckige, gemeißelte und übertrieben maskuline Erscheinungsbild, das man von einem hohen Militärgeneral erwarten würde. Vielmehr besitzt er kindliche Züge, eine weiche Sprache und ist leutselig.&#8221; Dasselbe Muster beobachtet Livingston bei den schwarzen Staatsoberhäuptern in den afrikanischen Ländern, die wie Südafrika einen hohen weißen Bevölkerungsanteil besitzen. Schwarze Politiker in vorwiegend von Schwarzen besiedelten Ländern hätten hingegen oft einen autoritären Führungsstil, der mit dem vieler weißer US-Politiker vergleichbar sei. </p>
<p>Dass es bisher erst zehn Menschen mit schwarzer Hautfarbe geschafft haben, ein Unternehmen der &#8220;Fortune-500&#8243;-Liste des Magazin Forbes zu leiten, habe ähnliche Gründe wie das Ausbleiben weiblicher Führungskräfte in der Liste. &#8220;Nicht einmal jedes Dreißigste dieser Unternehmen wird von Frauen geführt. Wir konnten zeigen, dass die US-Bevölkerung sofort an weiß und männlich denkt, wenn sie den Begriff &#8216;Führungskraft&#8217; hört. Schwarzen und Frauen spricht man Qualifikation ab, besonders wenn viele der Menschen, über die Macht ausgeübt wird, weiße Männer sind&#8221;, so Livingston. Für viele Menschen sei diese Umkehr der sozialen Hierarchie &#8211; bewusst oder unbewusst &#8211; eine Bedrohung. </p>
<p>Warum Schwarze von vielen Weißen als Bedrohung wahrgenommen werden, sei teilweise durch Gruppendynamiken grundgelegt. &#8220;Menschen bevorzugen in der Regel andere, die ihnen ähnlich sind&#8221;, so Livingston. &#8220;Wer sich von der eigenen Gruppe unterscheidet, steht außerhalb und wird als Bedrohung empfunden. Unter den frühen Menschen könnte die bloße Anwesenheit eines Angehörigen aus einem anderen Stamm eine mögliche Bedrohung für die Sicherheit oder die Ressourcen bedeutet haben.&#8221; Verstärkt werde diese Tendenz durch mehrere Kanäle. &#8220;Die Gesellschaft, die Medien, Hollywood und auch die Musikindustrie stellen männliche Afro-Amerikaner sehr häufig auf eine Weise dar, dass die Auffassung unterstützt wird, sie seien aggressiv, feindlich und bedrohlich.&#8221; Neben der Feindseligkeit mache männlichen Schwarzen jedoch auch das Vorurteil zu schaffen, Schwarze seien nicht kompetent oder faul, erklärt der US-Psychologe, der selbst dem afroamerikanischen Bevölkerungsteil angehört, gegenüber pressetext.</p>
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