Klinische Pharmakologie / Psychopharmakologie

 
 

 
 

 

Israeli Science: Nachrichten aus Rehovoth



Dezember 1996

MULTIPLE SCLEROSE: NEUES MEDIKAMENT IN DEN USA ZUGELASSEN

REHOVOT, Israel - Die US-amerikanische Gesundheitsbehoerde (Food and Drug Administration) hat heute fuer das israelische Medikament Copolymer-1 die Zulassung erteilt. Es wird unter dem Namen COPAXONE gehandelt und ist ein Medikament für Patienten mit anfallartiger Multipler Sclerose.

Copolymer-1 (COPAXONE) ist eine proteinartige Verbindung die erstmals von Prof. Michael Sela, Prof. Ruth Arnon und Dr. Dvora Teitelbaum am Weizmann Institute of Science in Rehovot, Israel synthetisiert und entwickelt wurde. Die weltweiten Herstellungs- und Vertriebsrechte für Copolymer-1 (COPAXONE) wurden von der Firma Yeda Research & Development Co., die die Entwicklung und Vermarktung der Forschungsergebnisse des Weizmann Instituts betreut an Teva Pharmaceutical Industries Ltd. Israel bertragen. Das Medikament ist unter Mitwirkung von Ärzten und Forschern aus Israel und anderen Ländern vonTeva weiterentwickelt worden.In den letzten Jahren durchgeführte klinische Tests haben gezeigt, daß Copolymer-1 die Zahl der Anfälle bei schubhafter Multipler Sclerose reduziert und im frühen Krankheitsstadium den Zustand der Patienten verbessert. Obendrein hat das Medikament kaum Nebenwirkungen.

Nach ersten klinischen Tests mit Copolymer-1 (COPAXONE®) am Hadassah-Hebrew University Medical Center in Jerusalem und dem Albert Einstein College of Medicine in New York wurden weitere Untersuchungen an mehreren Forschungszentren durchgeführt. So wurde Copolymer-1 zwischen 1991 und 1994 in einem entscheidenden Doppelblind-Test an mehreren hundert Patienten in 11 US-amerikanischen Krankenhäusern getestet. Nach erfolgreichem Abschluß dieser Untersuchung wurde im letzten Jahr die Marktzulassung bei der amerikanischen Gesundheitsbehörde (FDA) beantragt und - wie erwähnt - ist soeben die Zulassung erteilt worden.

Multiple Sclerose ist eine Autoimmunerkrankung, in deren Verlauf das körpereigene Immunsystem irrtümlich die die Nervenfasern des zentralen Nervensystems umgebene Myelinschicht angreift. Ist sie einmal zerstört, verlangsamt sich die Weiterleitung der Signale entlang der Nervenbahnen, bis sie schließlich ganz zum Erliegen kommt. Das führt zu einer erschwerten Bewegungsfähigkeit und kann zu teilweiser oder vollständiger Lähmung führen. Copolymer-1 (COPAXONE) beugt diesem Prozess auf zweierlei Weise vor: einerseits hindert es die 'Angreiferzellen' des Immunsystems die Myelinschicht zu erkennen und unterbindet so den Angriff, zusätzlich regt es eine Deaktivierung des Immunsystems an und hemmt so die Aktivität der 'Angreifer'.
Multiple Sclerose ist eine verheerende Krankheit, die in erster Linie junge Menschen in der Blüte ihres Lebens befällt. Weltweit sind etwa 1 Million Menschen betroffen, davon 300.000 in den USA und 350.000 in Europa.



Dezember 1996

ALTE CHINESISCHE KRÄUTER ALS ALZHEIMER-MEDIKAMENT

REHOVOT, Israel - Eine neue Untersuchung am Weizmann Institut zeigt, wie eine Substanz die aus einem seit langem in der chinesischen Volksmedizin verwendetes Moos gewonnen wird ein Hirn-Enzym blockiert, welches an der Alzheimer'schen Krankheit beteiligt ist.

In der Untersuchung, veröffentlicht in der Januar Ausgabe von Nature Stuctural Biology, lösten die Wissenschaftler die 3-D-Struktur eines Komplexes aus der natürlichen Substanz Huperzine A (HupA) und dem Hirn-Enzym Acetylcholinesterase (AChE). Die Substanz wurden aus dem Moos Huperzia serrata oder Qian Ceng Ta, das seit Jahrhunderten in China als Medizin verwendet wird extrahiert. Die Struktur zeigt eine vorzügliche Paßgenauigkeit von HupA in das Enzym, welche ein möglicher Ausgangspunkt für eine neue Generation von Alzheimer-Medikamenten mit verbesserter Wirksamkeit sein könnte.

"Es ist, als ob diese natürliche Verbindung ausschließlich gemacht wurde, um an AChE zu binden (und so das Bestmögliche zu bewirken)" sagt Untersuchungsleiter Prof. Joel Sussman. Die Studie wurde von der Studentin Mia Raves mit der Kristallographin Dr. Michal Harel und den Professoren Joel Sussman und Israel Silman am Weizmann Institut durchgeführt. Es bestand eine enge Zusammenarbeit mit dem medizinischen Chemiker Prof. Alan Kozikowski (Georgetown University in Washington, D.C.), der als erster HupA im Reagenzglas synthetisierte sowie mit dem Chemiker Dr. Yuan-Ping Pang (Mayo Clinic, Jacksonville, Florida), der theoretische Vorhersagen über die HupA-AChE-Wechselwirkung gemacht hatte.

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Einer Theorie zufolge sind Gedächtnisschwund und andere kognitive Defizite bei Alzheimer Patienten Folge einer Rückentwicklung von Nervenzellen, die den Botenstoff Acetylcholin ausschütten. Der so entstehende Acetylcholin-Mangel wird durch AChE (das Enzym welches Acetylcholin im Körper abbaut) verstärkt. Zwei von der U.S. Gesundheitsbehörde zugelassene Alzheimer Medikamente, Tacrine und E2020, wirken durch AChE-Inhibierung. HupA, das ebenfalls die AChE inhibiert, wird gegenwärtig in China (und anderswo) als mögliches Medikament gegen Alzheimer getestet.

Die neue Untersuchung - durchgeführt mit Röntgenstrukturanalyse - zeigt sehr genau, wie das Enzym durch HupA blockiert wird: HupA schlüpft in die aktive Tasche (active site) des Enzyms, in der das Acetylcholin zerstört wird und rastet dort ein, wo es durch sehr viel schwache chemische Bindungen gehalten wird. So wird die 'Hexelmaschine' des Enzyms außer Kraft gesetzt, und damit besteht für das Acetylcholin keine Gefahr mehr. Laut dem Neurochemiker Prof. Silman "bedeutet eine derart spezifische Bindung, daß HupA auch in geringer Dosierung ein wirksames Medikament sein könnte, wodurch ein geringeres Risiko für Nebenwirkungen bestünde." Dieses Risiko ist ohnehin relativ klein, da man HupA für nicht toxisch hält.

Die Wissenschaftler arbeiteten mit AChE-Kristallen bester Qualität, das aus dem Gewebe des elektrischen Organs des Torpedo-Fisches gewonnen wird, der eine der reichsten Quellen für dieses Enzym ist. Weil die Aminosäuresequenzen von menschlicher- und Torpedo-AChE sehr ähnlich sind, gilt die Torpedo-Struktur als gutes Modell für das menschliche Enzym. Die Torpedo-Kristalle wurden mit HupA behandelt und einem gebündelten Röntgenstrahl ausgesetzt. Aus dem gemessenen Beugungsmuster wurde ein 3-D-Computerbild von AChE - HupA erzeugt.

In den letzten Jahren haben Harel, Silman und Sussman mehrere Studien zur Medikation der Alzheimerschen Krankheit durchgeführt. Vor einigen Jahren gelang ihnen die Klärung der Struktur von AChE. Dieses Enzym hat eine tiefe Einstülpung, bekannt als 'hydrophober Schlund', in dem Acetylcholin abgebaut wird. Später lösten sie die Struktur von AChE mit Tacrine und fanden heraus, daß Tarcine anstelle von Acetylcholin an die 'active site' bindet.

Die Untersuchung des HupA-AChE Komplexes wurde vom U.S. Army Medical, Research and Development Command, dem Helen and Milton A. Kimmelman Center for Biomolecular Structure and Assembly des Weizmann Institutes und durch die Scientific Cooperation of the European Union with Third Mediteranean Countries through the Israeli Ministery of Science unterstützt. Prof. Silman, Mitglied des Departments für Neurobiologie am Weizmann Institut hat den Bernstein-Mason Lehrstuhl für Neurochemie inne. Prof. Sussman und Dr. Harel sind Mitglieder des Departments für strukturelle Biologie am Weizmann Institut. Sussman steht auch der Protein Data Bank of the Brookhaven National Laboratory in Upton, New York vor.

Für Fernsehjournalisten: über den Hintergrund der Arbeit steht ein 5 minütiger Film des Weizmann Instituts zur Verfügung (Sendequalität,Betacam PAL). Der Film zeigt, wie die 3-D-Struktur von AChE gefunden wurde, Bilder aus einem Röntgenkristallographie-Labor, die Professoren Silman und Susman bei der Arbeit, eine Animation von Hirnzellen, aktiviert durch den Neurotransmitter Acetylcholin und das 3-D-Computermodell von AChE. Bitte verständigen Sie uns, wenn sie an einer Kopie interessiert sind.

Wir wünschen allen ein besonders glückliches und erfolgreiches 1997!!!


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